In der Post-BCB 2015-Ära und aufgrund der jährlichen Neuigkeitenschwemme im Herbst/Winter stehen sich in diesen Wochen die Präsentations- und Masterclasstermine bildlich auf den Füßen. So ergab es sich auch, dass am letzten Montag einige Münchner Barmenschen der Gincraze fröhnten, während andere (die Guten) sich dem wesentlich ernsteren Thema Mezcal widmeten. "Schon wieder Mezcal?" fragen Sie? Ja, schon wieder!
Ins Münchner Zephyr hatte dazu Mezcal Amores (im Vertrieb von Capulet & Montague Ltd.) eingeladen. Exportmanager Alex Mermillod erklärte Firmenphilosophie und Herstellung und hatte auch ein paar Proben zur Verkostung dabei. Ich war vorher skeptisch. Die zeitgemäße Darbietung in www und Netzwerken und die Abfüllung mit 37% Vol. hatten mich stutzig werden lassen. Ist das nur ein gut getarntes Industrieprodukt? Nix Mezcal artesinal, sondern nur Mezcal marketing?
Meine Bedenken gab ich schnell auf, als zum einen erläutert wurde, dass der Stoff von insgesamt 12 Kleinherstellern stammt, die sich traditioneller Methoden (siehe meine Erläuterungen hier und im Film) bedienen. Zudem ist die Idee, zunächst mit einzelnen Abfüllungen für einzelne Länder in (massentauglichen) niedrigeren Alkoholgraden zu starten, statt die potentielle Kundschaft mit sechs verschiedenen Abfüllungen und um die 50%-Alkoholanteil zu überfordern, einleuchtend und clever.
Für Deutschland ist das der Amores Espadin von Maestro Israel aus San Luis Del Rio mit 41% Vol. (für rund 40 EUR bereits erhältlich). Ein sehr guter und runder Mezcal, wie ich meine, der das milde Aroma der Espadinagave wiedergibt. Mit 41% funktioniert das auch im gemixten Drink. Der gleiche Stoff soll offenbar auch in Italien und Frankreich bereitstehen. In Spanien übrigens wurde der Amores (dort übrigens aus namensrechtlichen Gründen Amarás) Cupreata von Don Faustino Robledo aus der Papalote Agave mit 43% eingeführt. Hey! Im Direktvergleich war der nicht der salzig-rauchige Fruchtschmeichler wie der Espadin, sondern vielmehr der pfeffrige Haudrauf mit einem langen, trockenen Finish. Caramba! Allen Amores Mezcal gemeinsam ist die Verwendung von Red Oak beim Kochen der Agavenherzen im Erdofen. Das bringt etwas weniger Rauchigkeit der Brände mit sich als bei Verwendung von Pinienholz, womit die Fruchtigkeit mehr im Mittelpunkt steht. Während Mezcal in Mexico (geschätzter Anteil an der Gesamtproduktion von Agavenbränden etwa 2-3% - der Rest betrifft Tequila) eher pur zu Meeresfrüchten und Fisch getrunken wird, läuft das Ganze in den USA und in Europa über Cocktails und Longdrinks. Die Amores Mezcals eignen sich m.E. - auch wegen des durchaus brauchbaren Preis-LeistungsVerhältnisses - für beide Anwendungen. Rezeptideen und praktische Nutzung lassen sich auf den Facebookseiten und bei den heute und morgen anstehenden Terminen nochmals diskutieren. Facebook DFacebook ES weitere Termine: Hamburg, 4.11.Berlin, 5.11.
...hat leider nur bis einschließlich 8. Dezember 2012 geöffnet und sonntags, d.h. morgen, ist geschlossen. Das sind die schlechten Nachrichten. Die Guten: Die ganze nächste Woche noch kann Mann und/oder Frau allein, zu zweit oder im Grüppchen von 13-22 Uhr einfach so in die Räumlichkeiten am Gärtnerplatz 6 (Ecke Corneliusstrasse) in Münchenspatzieren, an der Bar, auf den Loungemöbeln (Sofa kann mans nicht nennen) oder im seperaten Tastingroom Platz nehmen und... "Ron Zacapa", den Rum der - so zumindest meine Meinung - das Segment Premiumrum definiert hat, genießen! Einfach so. Ohne Eintritt. Für lau. Naja, fast für lau - einige wenige Drinks sind mit Preisen versehen. Aber die angebotenen Tastingtermine (Buchung via Webseite) sind wiederum kostenlos.
Wenn Sie jetzt fassungslos auf Ihren Bildschirm starren, sei zur Erklärung hinzugefügt, dass Ihnen diese gute Tat von "Diageo", einem ganz großen Big Boy im internationalen Spirituosengeschäft, der seit 2008 die Marke "Zacapa" weltweit (weiter) aufbauen darf, zugefügt wird. Zudem gehören Sie offenbar nicht zu dem Teil der Münchner Gesellschaft, die am letzten Donnerstag zur prunkvollen Eröffnung dieses sog. Pop-Up Showrooms geladen war und bei den Ausgaben in Mailand und Turin waren Sie wohl auch nicht zugegen. Aber das ist verzeihlich, es geht ja eigentlich um den Rum.
Ich war aber aus wissenschaftlichen und journalistischen Gründen vor Ort und habe daher auch - dank glücklicher Positionierung in Nähe der Küche - umfangreich am Flying Buffet von Zwei-Sternekoch Tim Raue teilgenommen. Wenn Sie eine ähnliche Veranstaltung planen, sei Ihnen die vorzügliche Entenleberterrine (mit Chili und Mango) des Berliner Maestros ans Herz gelegt. Jaja, so fein ging es zu und fast noch feiner waren die von unseren Münchner Bar-Sternen (!) Oliver von Carnap, Bill Fehn und Lukas Motejzik dargebotenen "Zacapa"-Variationen im schokolierten Tumbler, mit Orangenbaiser oder -schaum (Aquariumpumpe läßt grüßen) oder mit karamellisierten Rosinen oder mit Vanillekipferlrand oder mit Nebel und Rauch oder...
Lassen wir das. Lassen wir lieber Bilder sprechen... (An dieser Stelle greife
ich ausnahmsweise auch auf ein paar von der freundlichen Agentur
häberlein & mauerer zur Verfügung gestellten Aufnahmen zurück. Ich
hatte fast immer die Hände voll mit allerlei Köstlichkeiten, darum...)