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Samstag, 11. März 2017

What to do with Vermouth? oder: We don't tell bullshit

Stimmt. Zu Vermouth, Aperitifdrinks undsoweiter habe ich mich hier schon umfassend ausgelassen. Auch die Marke Giulio Cocchi wurde schon ins rechte Licht gerückt. Aber ein schöner Nachmittag im mit altgedienten und jungen Barleuten pickepacke voll besetzten Les Fleurs Du Mal unter dem Motto "What to do with Vermouth?" ist mir Anlass genug, auf die eine oder andere Nuance des Themas hinzuweisen.


Roberto Bava, Kopf und Gesicht von Cocchi ging mit den aufmerksamen Gästen zuerst mal einen feinen Teller durch, auf dem wir uns von milden Pinienkernen, über Pistazien und Mandeln zu knackigen Piemonteser Haselnüssen, herzhaften Walnüssen und letztlich Schokoladenkreationen wie Nougat, mit Kuvertüre überzogene Zitronen und Orangenstreifen und letztlich den sehr geilen gediegenen Cocchi-Pralines sowie Parmesan in zwei verschiedenen Reifegraden vorarbeiteten. Dazu wurden Cocchis Americano, Cocchi Rosa, Storico Vermouth Di Torino, Dopo Teatro (Vermouth Amaro) und Barolo Chinato gereicht (in dieser Reihenfolge). Das war ziemlich gut und ein prima abgestimmtes und passendes Aperitif-Set. Begleitet wurde der Spaß neben einem Sprizz auf Cocchi Rosa Basis (serviert von Schumann-Barmann Ferdinand Lammerer) mit einem Glas eines feinen Bianc D'Bianc aus der Alta Langa DOCG. Cocchi hat auch diverse Schaumweine im Programm - inkl. der süßeren Asti und Brachetto D'Acqui. Davon ist in Germania allerdings nur ein Spumante erhältlich. Schade drum, der Brachetto ist m.E. ein Killer. 

A propos DOCG - nach zwei Jahren Vorbereitungsarbeit steht die gesetzliche Anerkennung von Vermouth Di Torino als eigene Appellation kurz bevor. Dabei hat Bava sehr intensiv mit den Nachbarn aus dem Hause Martini zusammen gearbeitet. Ohne den Marktführer mit über 90% Marktanteil geht nichts. Jedoch sieht der Riese selbst auch die Notwendigkeit des Produktschutzes in Zeiten, in denen jeder zweite Winzer hier und da einen Vermouth an den Start bringt.

Am Start hat Cocchi auch ein Cocktailbuch, das ich dem geneigten Leser ans Herz legen möchte: In La Miscelazione Futurista - Futurist Mixology - dokumentiert Fulvio Piccinino auf über 300 Seiten in italienischer UND englischer Sprache, die Geschichte und Rezepte, der von der (Künstler)Gruppe Futurismo zwischen 1925 und 1935 (!) entwickelten 18 Cocktails. Die Rezepturen werden im historischen Original und einer aktuellen Präsentation wieder gegeben. Wer auf ernsthafte Drinks mit Bestandteilen wie Absinthe, Grappa, Gin, Kümmel und Anisette (Sambuca) steht, kommt ebenso auf seine Kosten, wie Freunde der - Entschuldigung - Banane, die im "Il Rigeneratore" (Foto unten) ein anregendes Getränk finden werden.

Gänzlich ernsthaft blieb man bei Cocchi bei der Findung einer Kreation zum 125sten Geburtstag von Firmengründer Giulio Cocchi in 2016. Eine Riserva sollte es sein. Doch was erwartet man von einer solchen? Tannine? Oxidation? - Cocchi fragte Barmenschen und Connaisseure rund um den Erdball und stellte fest, dass ein fassgelagerter Vermouth gar nicht unbedingt gefragt war. So kam es zur "Riserva La Veneria Reale", deren königlicher Namenszusatz vom Anbau bestimmter Botanicals im herrschaftlichen Park der Reggia di Veneria Reale stammt. Oder wie Roberto Bava sagt: "We don't tell bullshit - we don't sell bullshit" - ein Motto, dass sich manch anderer Hersteller in der Branche auch mal zu Herzen nehmen sollte. Das Ergebnis ist ein wahnsinnig balsamischer, cremiger Vermouth - herrlich ausbalanciert und mit leichtem Minztouch. Leider wurden vom ersten Vintage - gelagert wird das Ding mehrere Monate, aber nicht in Holz - nur knapp über 1800 Flaschen gemacht, von denen 500 über den Palast und dessen Shop vertrieben werden/wurden. Der Rest ging über Cocchis Vertriebswege in die ganze Welt und so kann sich glücklich preisen, wer z.B. eines der 48 für Deutschland reservierten Exemplare in seinem Weinkeller hat. Da sollte der Schatz auch vorerst bleiben, handelt es sich doch zunächst mal um einen hervorragenden Wein, dem ein wenig Nachreifung nicht schadet. In 10-20 Jahren werde ich mich hierzu wieder melden. Bis dahin: whatadrink!

Montag, 15. August 2016

Caperitif und Swaan Tonic aus Südafrika

"So bittersweet
this whole thing
so bitter sweet"

(New Model Army "Bittersweet" 1983)

wad! war mal wieder auf Weltreise. Stimmt nicht ganz. Unterwegs in Südafrika war letztes Jahr Max Hildebrand (Goldene Bar, München). Bevor ich von Maxens Trip zum Kap gelesen und sein Foto einer ziemlich gut aussehenden Flasche auf Facebook gesehen hatte, war mir irgendwo in den Weiten des www schon der Caperitif begegnet. Cooler Name, geiles Etikett und ein Vermoed? Die Kombi verursachte schon erhöhtes Kribbeln - zumindest bei mir.
Vermouth hat sich in den letzten Jahren zwar nicht unbedingt neu erfunden, aber im Zuge einer kleinen Welle wurden eine ganze Reihe neue und wieder entdeckte Marken in die Regale und Kühlschränke der gehobenen Trinkinstitute gestellt und auch die Platzhirsche haben mit Sonderrezepturen/-abfüllungen ihren Senf dazu gegeben. Gut so. Sehr gut so.

Am Rande dessen fiel auch ein bisschen mehr Licht auf die Weinaperitife dieser Welt, z.B. die Bitters, Quinquinas und Aperitifs à base de vin. Andere Exoten wie Amaro und zuletzt Aquavit dürfen auch a bisserl mehr tröten.

Caperitif - The Ghost Ingredient

Caperitif - Ein Name der mir in zwei Publikationen aufgefallen war. Zum einen wird er in Ted Haighs "Vintage Spirits And Forgotten Cocktails" unter den Rest-In-Peace Cocktail Ingredients geführt - zum anderen beinhaltet das ebenso nicht gerade unbedeutende "The Savoy Cocktail Book" von Harry Craddock eine Reihe von Rezepturen mit Caperitif. Später habe ich festgestellt, dass noch etliche Cocktailbücher wie z.B. Tarlings "Café Royal Cocktail Book" u.a. Caperitif verwendeten (mehr Quellen und zur Schreibweise). Die Spur des seinerzeit als Wine Aperitif bezeichneten Caperitifs verlor sich offenbar irgendwann Ende der 1930er Jahre. Aber vielleicht graben eifrige Cocktailhistoriker noch mehr aus, als die drei Flaschen, die zuletzt in England über den Tresen gingen. Die einhellige Meinung ist zumindest im Moment, dass sich das Ganze im Bereich von Lillet Blanc (in seiner damaligen Rezeptur als Kina Lillet) und Dubonnet Blanc abgespielt hat.

Der Spur gingen vor über zwei Jahren auch der dänische Barmann Lars Erik Lyndgaard Schmidt (den ich beim Segeln in Schweden erreicht habe), der vom Caperitif bei seinen mixologischen Studien in New York gelesen hatte, und Adi Badenhorst, Chef des südafrikanischen Weinguts A.A. Badenhorst, nach. Die beiden hatten über gemeinsame Freunde in Südafrika zusammen gefunden. Aber nicht nur das. Das Resultat ihrer Entwicklungsarbeit ist die 21st-Century-Version des Caperitif. Ein Quinquina (der in der ersten Begeisterung missverständlich als soet vermoed - also süßer Vermouth - bezeichnet worden war), der mich total begeistert. Neben Chinarinde stecken noch 35 weitere zumeist lokale Botanicals in der Flasche bzw. im Rezept. Das ergibt zusammen gefasst: Süß-weiniger Antritt, frisch-würziger Übergang in ein langes, bitteres Finale. Komplex. Oh ja! whatadrink!

Das Ding (17,5% Vol.) funktioniert erstklassig solo, als Longdrink oder in allen Ginkombinationen (Negroni!) bzw. als Ersatz für Vermouth oder in klassischen Drinks, die nach dem Ur-Lillet verlangen, etc. etc. Mir persönlich reichen ein paar Stücke Eis für ein bittersüßes Vergnügen.

@Nerds: Caperitif wird in relativ kleinen Batches produziert und abgefüllt, die aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit ihrer natürlichen Bestandteile in ihrer Aromatik voneinander abweichen können. Watch out for Batchnumbers...

Swaan Cape Tonic Water

Wer heute einen ambitionierten Gin erzeugt, sollte über Empfehlungen für das passende Tonic nachdenken oder - noch besser - ein eigenes Tonic entwickeln. Badenhorst hat das auch ohne eigenen Gin getan und ein Craft Tonic namens Swaan gelaunched. Ergänzend hinzugefügte Limette, Kardamon und Minze ergeben ein rundes Tonikum. Verdammt - das ist auch gut. So gut, dass ich das wie Limo wegnuckle - auch ohne Wacholderschnaps.
Während die vorzüglichen Weine von A.A. Badenhorst in einigen deutschen Onlineshops zu haben sind, gibts den Caperitif derzeit (noch) exklusiv hier. Eine andere Quelle im UK ist hier zu finden - dort kann man (wenn man artig nachfrägt) auch das Swaan Tonic beziehen.



Freitag, 10. Oktober 2014

Barconvent Berlin 2014


 Einige dachten nur ans Shoppen
 Andere nur an das eine
 

 An der Bar USA mixten die ganz Großen
 Es gab aber auch Beer USA
 Leckereien von Andy bei The Duke
 Dave Broom erklärte Whisk(e)y


 Preziosen


 Last Exit BCB?

 Der Name ist Programm (?)

 Hat nichts mit Obstler zu tun (oder doch?)

 Die Ruhe vor dem Sturm
 Miller/Brown erklärten Vermouth
 Girls Of BCB

 Mickey Heads loves Berlin
 Überraschend wenig neue Vermouths
 Unzählige (neue?) Gins
 Prominente
 Girls Of BCB
 

 Elderflower gibts auch in England
 
 Girls Of BCB
 Der Hammer: Geranium 55 (von und mit Herrn Hammer)


 Endlich: Gin für - äh - wen eigentlich?
 Rarität: 40 Jahre gereifter Sake
 Das Feierbiest aus München (Oh Mandy!)
Game Over! Try again next year...

Mittwoch, 25. April 2012

Cocchi @ Mauro's Negroni Club - Jetzt Anmelden!

Über die Produkte der Marke "Cocchi" habe ich schon kurz berichtet. Wer diese noch nicht kennt oder noch näher kennenlernen will, hat am  

Montag, 14. Mai 2012, ab 14.30 Uhr  (Dauer ca. 2 Stunden)

in Mauro's Negroni Club in München dazu Gelegenheit. Dort werden Markeninhaber, Signore Bava, und die Herren vom Deutschlandvertrieb DTS-W GmbH den Americano, den roten Vermouth Di Torino, den Barolo Chinato und wohl auch den Spumante vorstellen. Ausgiebiges Probieren und Verkosten ist natürlich erwünscht.

Da nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen zur Verfügung steht, ist Anmeldung via Email erbeten: info@dts-w.de unter Stichwort/Betreff: Cocchi Event. Ich hoffe, wir sehen uns...