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Freitag, 11. Dezember 2015

The Last Posts For 2015 - heute: Büchertips

Zwischen zwei Weihnachtsfeiern ist mir diese Woche eingefallen, dass der ein oder andere vielleicht noch ein Präsent für seine Liebsten, sich selbst oder seinen Lieblingsbartender (das solls wirklich geben) sucht. Daher noch schnell ein paar kurze Büchertips (die man natürlich auch nach den Festtagen noch zu Rate ziehen kann). Von links oben im Uhrzeigersinn...

Imbibe! von David Wondrich, englisch: Das ist die jetzt 360 Seiten dicke 2015er Neuauflage des Begleitbuchs zu Jerry Thomas' großartigem "erstem Cocktailbuch der Welt", das auch weiterhin der Frage nachgeht: "What would Jerry Thomas do?" A must! (und das auch für den, der die Erstausgabe schon sein Eigen nennt)

Good Things To Drink From Mr. Lyan & Friends von Ryan Chetiyawardana, englisch, 224 Seiten: Optisch und inhaltlich auf der Höhe der Zeit und vielleicht das Buch, aus dem ich dieses Jahr am meisten "nachgemixt" hab. Warum? Ryan bringt einfache, aber auch inspirierende Rezepte rüber ohne durchgehend mindestens drei bis vier selbstproduzierte Cordials, Infusionen oder Bitters in den Drink zu kippen. Bottled Cocktails, Ananasrum, Schokowein und der perfekte Gin & Tonic sind trotzdem an Bord. That's it! Buy it!

Erkennen Sie den Fehler?

gaz regan's 101 Best New Cocktails Volume IV, englisch, 220 Seiten: In 101 Rezepten von Barkeepern from all over the world (ja auch aus Deutschland) geht es wieder rund um den Globus. Auch hier haben die Profis v.a. praxistaugliche Ideen beigesteuert, wie z.B. eine Kombination aus Mezcal, Kaffee, Amaro, Himbeerlikör und Walnussbitters, die Lust zum Ausprobieren und selber weiter entwickeln machen. Der Meister selbst kommentiert und gibt uns seine Eindrücke und eventuell Tips zum jeweiligen Drink mit an die Hand.

Atlas Du Rhum - Distilleries Des Caraibes Et Dégustation von Luca Gargano, französisch, 223 Seiten: Luca Gargano saust als Chef der italienischen Firma Velier, einem italienischen Rumabfüller, durch die Rumwelt und sorgt so für ständigen Nachschub an außergewöhnlichem Trinkmaterial. Alter Rum ist aber inzwischen sehr teuer und alte Velierabfüllungen eine Kapitalanlage geworden. Da lesen wir während wir unser Taschengeld aufsparen in diesem schönen Buch, das aber kein reiner Bildband ist, sondern auch zahllose Infos und Fakten bietet, und freuen uns auf neue Genusserfahrungen aus der großen Rumwelt. Übrigens: Dirk Becker, Deutschlands Rumbotschafter, hat kürzlich ebenfalls ein Monumentalwerk zu diesem Thema veröffentlicht, das mir aber leider nicht vorliegt. Mein Tip: Kaufen Sie sich beide, wenn Ihnen am Zuckerrohrschnaps liegt.

Liquid Intelligence - The Art And Science Of The Perfect Cocktail von Dave Arnold, englisch, 416 Seiten: Sagen wir es doch so - Das ist kein Buch für die normale und auch noch nicht für ambitionierte Heimbar. Und auch wenn Sie an Ihrer Hotelbar den Gast fragen, ob er Eis in seinen G&T haben möchte oder nicht, sollten Sie die Finger davon lassen. Höchstes Nerdniveau also beim Blick in Daves irr-wissenschaftliche Cocktailküche! State Of The Art und die Anleitung wie man absolute Spitzendrinks in seiner Küche/Bar zubereitet. Nicht mehr - nicht weniger.

Das Beste in München - Der Barguide von Amadeus Danesitz und Alexander Wulkow, deutsch, 125 Seiten: Aus der "Das Beste in München"-Serie gibt es auch eine Ausgabe "Für Frauen". Das erfährt man aber erst, wenn man sich durch das Buch und die Beschreibungen von sage und schreibe 50 Münchner Bars gearbeitet hat. Netterweise haben die beiden Herren (die mir völlig unbekannt sind) jeweils eine Spezialität des Hauses eingesammelt und mitabgedruckt, z.B. den "Woodroof" (Ananassaft, Kokosnusscreme, Rum, Sahne, Zitrone und Waldmeistersirup). Ob der nun mitsamt dem Ort, wo er kredenzt wird, zur Elite der bajuwarischen Cocktailkunst gehört, darf der Leser selbst beurteilen. Ich such derweil nach der Waldmeistersirupflasche... Fazit: Ganz nett zum Durchblättern und ein paar gute Drinks sind auch drin.

Bourbon Curious von Fred Minnick, englisch, 239 Seiten: Der Simple Tasting Guide beginnt mit fast 100 Seiten Grundwissen zum Amerikanischen Bourbon Whiskey. Das ist lesenswert. Minnick ist up-to-date. Im Tasting- oder besser Beschreibungsteil werden die Whiskies in vier Geschmacksgruppen unterteilt. Es gibt z.B. Caramel-Forward Bourbons. Nein, nicht Caramel-Flavoured. Das ist was anderes. Im Großen und Ganzen eine sehr schöne Bestandsaufnahme zu einer DER Boomspirituosen.

The Dead Rabbit Grocery And Grog - Drinks Manual von Sean Muldon, Jack McGarry und Ben Schaffer, englisch, 287 Seiten: Hoppla! Hier sind wir gleich wieder auf ganz anderem Niveau. Die Geschichte des Dead Rabbit wird zunächst ausführlich wiedergegeben. Dann hat der Käufer hier ein sehr schön aufgeputztes Buch in der Hand, das sich im Hauptteil mehr an den Liebhaber möglichst komplizierter Rezepturen wendet, der sich vor der Zubereitung eines Drinks gern zwei Tage mit der Herstellung verschiedenster Ingredenzien beschäftigt. Für den ambitionierten Profi ist es aber sicher ein schöner Fundus für Anregungen. Fazit: Ein Buch für alle, die schon mindestens 200 Cocktailbücher im Regal haben.

Malt Whisky Yearbook 2016, Herausgeber Ingvar Ronde, 290 Seiten: Das alljährliche Kompendium zum Stand des guten alten Maltwhiskies. Wurde hier schon einmal gewürdigt und hat seinen Stellenwert behalten. Aufs Kaffeetischchen damit!

Und noch was: Beim Betrachten der Angebote auf den Seiten der großen Onlinehändler fällt auf, dass seit zwei-drei Jahren scheinbar unendlich viele Bücher zu Gin, Rum, Whisky, Cocktails etc. auf den Markt kommen - v.a. aus den USA und v.a. mit einer retromäßigen Aufmachung. Die Autoren sind zumeist Profis, die aber auch schon über Wanderwege oder Reisen nach Vietnam veröffentlicht haben. Die Ergebnisse ihrer Recherchen sind im Bereich Cocktails/Schnaps dann meist recht übersichtlich. Fundiertes oder Neues wird nicht geboten. Das Abschreiben von Cocktailrezepten aus schon vorhandenen Werken zur Veröffentlichung als eigenes Büchlein war um 1900 ja auch schon in Mode. Kommt eben immer alles wieder...

Mittwoch, 28. November 2012

Mal wieder was zum Lesen und Rum für die Haare...

Winterzeit - Geschenkezeit. Auch wenn Sie und Ihre Lieben nicht am alljährlichen Weihnachtsrummelbummel teilnehmen oder aus Prinzip keine Geschenke machen, sollten Sie sich die folgenden Werke mal genauer ansehen:

"1001 Whiskies You Must Taste Before You Die", Dominic Roskow, 960 Seiten, ISBN 978-1-84403-710-0: Seit Sommer 2012 liegt dieses Schwergewicht vor und ist vielleicht weniger was für den Nierentisch (der unter der Last zusammenbrechen könnte), als für das Nachttischchen oder *hüstel* die Toilette. Eindruck macht auf jeden Fall der, der alle Malts, Blends, Irish, Bourbons, Ryes, American Craft Whiskies, etc. schon probiert hat. Sechs deutsche Whiskies sind übrigens auch dabei. Das wäre ja mal ein Anfang. Der Autor verzichtet auf Punkteschema oder sonstige strenge Bewertungen, erzählt aber mal was zur Brennerei, zum Abfüller oder eben zum Whisky selbst. Tastingnotes gibts auch. Eine unterhaltsame Lektüre für eine sechswöchigen Urlaubsreise an den Oderbruch.
"gaz regan's Annual Manual For Bartenders 2012", 277 Seiten, ISBN 978-1-907434-01-3 (auch via Kindle) und "gaz regan's 101 Best New Cocktails 2012", 275 Seiten, ISBN 978-1-907434-03-7: Nach dem Annual Manual 2011 besteht this year's gaz regan gleich aus zwei Bänden. Einmal haben wir das Manual, das sich in einen autobiografischen Teil, einigen Artikeln zu einzelnen Fachthemen inkl. Bartenderportraits - Stichwort: Mindful Bartender - und noch ein paar Abschnitten unter dem Titel Bar Geekery (z.B. Jiggern) unterteilt. Gegenüber der 2011er Ausgabe wurde der Rezeptteil in das "101 Best New Cocktails"-Buch ausgelagert. Dort gibt es dann genaue Rezepturen aus Bars und Cocktailwettbewerben, die der Meister selbst vor Ort vernichtet und mit Kommentaren versehen hat. Eine - wie ich meine - inspirierende Sammlung von durchaus nachahmenswerten Beispielen zeitgenössischer Cocktailkunst.

"Cuban Cocktails", Anistatia Miller & Jared Brown, 271 Seiten, ISBN 978-1-907434-10-5: Was das Œuvre dieser beiden "Drinks Detectives" (CLASS magazine) für die Bartenderwelt bisher bedeutet hat und hoffentlich noch bedeuten wird, kann ich gar nicht abschätzen. Auf jeden Fall macht "Cuban Cocktails" da weiter, wo der Vortrag des "legendary couples" beim BCB 2012 aufgehört hat: Bei den kubanischen Cantineros und ihren Drinks. Ein extrem unterhaltsames Must nicht nur für Cuba Libre-Trinker und Cocktailhistoriker.
"Bourbon, Straight", Charles K. Cowdery, 284 Seiten, ISBN 978-0975870303: Das Buch aus dem Jahre 2004 ist auch heute noch up-to-date, auch wenn die amerikanische Whiskeyszene seit dem einige Änderungen durchlaufen hat. Nennen wir es "Standardwerk" - ohne andere "Standardwerke" hinten anzustellen. Aber Cowdery - Betreiber des "Chuck Cowdery Blog" und Herausgeber des "The Bourbon Country Reader" - ist nicht nur gelernter Journalist, sondern Whiskeyliebhaber und das seit vielen Jahren. Sauber recherchierte Fakten und eigene Erlebnisse/Erkenntnisse ergeben so ein detailliiertes Bild des American Whiskey. Das Buch ist als Kindleedition erhältlich, wie übrigens auch zwei weitere Veröffentlichungen des Autors: "The Best Bourbon You'll Never Taste. The True Story Of A. H. Hirsch Reserve Straight Bourbon Whiskey, Distilled In The Spring Of 1974" bringt Licht in die Geschichte des in letzter Zeit zu Mondpreisen gehandelten Bourbons und zeigt auf, welch ein Unsinn auf dem Rückenetikett der letzten Abfüllungen publiziert wurde. "Small Barrels Produce Lousy Whiskey" stellt diese von Cowdery abgeschossene These in den richtigen Kontext.

Zum Abschluss noch ein Geschenktip für den gepflegten und stilvollen Herren. Das Kaufhaus Manufactum bietet seit kurzer Zeit ein Vielzweckmittel an, das als Badezusatz, Gesichts- und Haarwasser, Körperlotion und Rasierwasser genutzt werden kann. Ob man den "Dominica Bay Rum" mit 55,5% Vol. auf Basis von "feinstem Jamaica-Rum" auch gefahrlos trinken kann, kann ich noch nicht bestätigen. Noch reibe ich mich vor dem Verlassen des Hauses mit feinstem Islay-Malt ein... Frohes Fest!