Sonntag, 15. Juni 2014

The Decade Of Rum: Clairin aus Haiti

Wenn man über Rum aus Haiti redet, so redet man über Barbancourt. Das ist auch völlig ok so, denn bis vor kurzem war Rum anderer Marken - außer auf dem westlichen Teil von Hispanola selbst - nicht erhältlich. Also jetzt Clairin - Was ist das denn nun wieder für ein nerdiges Zeug?

Clairin ist nichts anderes als mehr oder weniger ungelagerter Rum oder Rhum, der aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt wird - ähnlich dem Rhum Agricole, den wir von den französischen Überseedepartements kennen. In Haiti selbst ist Clairin der Gebrauchsalkohol des kleinen Mannes - sprich: Ein in der Regel billiger, sprittiger Rum(ersatz), der unter Zugabe von Neutralalkohol (und anderem) produziert wird. Nichts für europäische Feingaumen also. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen.


Drei dieser Ausnahmen bzw. deren Clairins hat Luca Gargano, Kopf des italienischen Spirituosen- und Weinimporteurs /-vertriebs und -abfüllers Velier S.p.A., "entdeckt" und mittlerweile der breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Allen dreien ist gemein, dass sie aus kleinen, handwerklichen Betrieben kommen und aus regional geerntetem Zuckerrohr hergestellt werden. Die Besonderheit beim Grundmaterial ist, dass die verwendeten Zuckerrohrvarietäten praktisch nur dort im wirtschaftlich gar nicht bis nur wenig entwickelten Haiti fernab der industriellen Hybridzüchtungen überlebt haben und ohne chemische Hilfsmittel angebaut werden, weil man sich gar nichts anderes leisten kann. Zudem werden für die Fermentation nur die natürlich vorkommenden Hefen verwendet. "Terroir!", ruft da der Connaisseur.
"Whatadrink!" rufe ich aus, als ich die erste Flasche "Clairin Casimir" (53,7% Vol., 0,7l, ca. 30-40 EUR) entstöpsle und mir intensiver Zuckerrohrduft in die Nase strömt. Danach schmeckt er dann auch. Dazu erdig und medizinisch. Laphroaig goes Mezcal goes Rhum. Langes Finish mit einer Spur Ingwer zum Zuckerrohr. Ahhhh. Nichts für Anfänger. Den Gegenpol liefert "Clairin Sajous" (48,1% Vol., 0,7l, ca. 30-40 EUR). Hier dreht sich zunächst alles um gelbe Früchte: Mandarinen, Mango, Aprikosen und Pfirsiche - auch Ananas. Auf dem Gaumen wirds dann ein Gang in den Kräutergarten. Doch im Körbchen liegt noch eine aufgeschnittene Mango. Auch hier ist der Alkohol eingebunden und trägt ein starkes Finale. Mit etwas Wasser (Pipette, s'il vous plait!) lässt sich trefflich spielen und der Rum gewinnt an fruchtig-süßen (!) Zuckerrohraromen (Der Dritte im Bunde ist Clairin Vaval (48,7% Vol., 0,7l, ca. 30-40 EUR), dessen Beschreibung ich in Kürze nachreiche. Meine Flasche ist noch unterwegs. Videolink dazu siehe unten.). Dass das alles ohne Nachzuckerung, Filtration und sonstiges Schnickschnack und zudem noch aufgrund der ursprünglichen Landwirtschaft quasi "Bio" geschaffen wurde, versteht sich fast von selbst. Heiliger Luca, schick uns mehr davon!
Für Nachschub sollte gesorgt sein, denn neben den arbeitenden Destillerien hat Gargano, der schon mit Maestro Capovilla auf Marie-Galante seinen "Rhum Rhum" brannte, von der haitianischen Verwaltung die Erlaubnis zum Betrieb einer eigenen Clairindestillerie erhalten. Ich habe selten so große Vorfreude verspürt.

Anmerkung: Die Verärgerung darüber, dass der edle Stoff in Spanien, Italien, Frankreich oder UK gekauft werden muss, hält sich bei mir in Grenzen. Das bin ich mittlerweile gewohnt.

Samstag, 14. Juni 2014

The Decade Of Rum: Oh, my sweet rum!

"My sweet rum (hallelujah)
Hm, my rum (hallelujah)
Hm, my rum (hallelujah)"

(nach George Harrison, "My Sweet Lord", 1970)

Ein an Spirituosen grundsätzlich interessierter Mensch hat mich kürzlich wissen lassen, dass nach seinem Wissen "Rum immer aus Neutralsprit plus Farbstoff plus zugesetzter künstlicher Geschmacksstoffe" bestehe. Der ganze Kram über Fasslagerung usw. sei schlichtweg gelogen (oder eben Marketing). Hm, danke für die Information.

In den letzten Monaten ist aber ein Thema hochgeköchelt, das vorher schon unter Insidern bekannt war: Das Nachsüßen von Rum mittels Zucker. Hä? Rum wird doch eh aus Zucker gemacht. Warum sollte man da nochmal Zucker reinkippen? Antwort: Weil der mehr oder weniger süße Geschmack der Basismaterialien Melasse (eher bitter), Zuckersirup (mehr) oder frischem Zuckerrohrsaft (weniger) während des Herstellungsprozesses verloren geht. Ja, aber warum wird dann überhaupt nachgesüßt? Eine gute Frage.

Diese Frage sollte man den Herstellern stellen, die diese Technik anwenden. Aber wer ist das denn? Auf diese Frage gibt es Antwort. Von den schwedischen und finnischen (!) Alkoholhandelsunternehmen Systembolaget bzw. Alko existieren Ergebnisse aus Laboruntersuchungen, die den Zuckergehalt bestimmter Rumabfüllungen in Gramm pro Liter Rum festgestellt haben. Hier ein Beispiel dieser "offiziellen" Resultate:
Eine andere Quelle ist der dänische Blogger Johnny Drejer, der mittels eigener Messungen mit dem Alkoholometer mittlerweile eine stattliche Zahl von Rumabfüllungen ausgemessen hat. Seine Charts decken sich mit den Vergleichszahlen der o.g. staatlichen Unternehmen und können daher durchweg als sachlich richtig bezeichnet werden (Zur genauen Beschreibung der Methode und Herrn Dreyers Schlüssen, bitte ich dessen Webseite zu besuchen). Die Erkenntnis daraus: Wenn gesüßt wird, dann spielt sich das offenbar meist bei rund 15-40g/L ab. Ob das ein noch vertretbarer Wert ist, sollte jeder selbst entscheiden. Verrühren Sie doch einfach mal 30g Zucker in einem Liter Wasser und kosten Sie diese "neutrale" Zuckerlösung ohne Rumaromen. 
(Foto: Johnny Dreyer)

Eine weitere Milchmädchenerkenntnis ist, dass Rum, der dem Genießer als relativ süß vorkommt, meist auch (nach)gesüßt ist. In Einzelfällen wurde sogar etwas zu viel des Guten beigemengt. Einsamer Spitzenreiter der Rum-Zucker-Hitparade ist der schokoladig-orangige Muskelprotz A.H. Riise Royal Danish Navy Rum, der mit mehr als 60g/L zu Buche schlägt. Ich kann mich noch gut an die Dame erinnern, die mir die Riise-Range beim Berliner Rumfestival näher bringen und mir dabei die schöne Marketingstory um Herrn Riise, dessen Tätigkeit in der Karibik im 19. Jahrhundert usw. glaubhaft machen wollte. Der Plombenzieher wird allerdings in Flensburg geblendet (immerhin von einem Dänen auf den Markt gebracht) und hat wohl weder mit Herrn Riise noch mit der dänischen Marine irgendetwas zu tun. Die nette Dänin hatte übrigens ganz schön klebrige Finger. Aber das nur nebenbei...



 (Foto: Johnny Dreyer)
Wir waren beim Warum. Und dazu hat The Floating Rum Shack kürzlich Alexandre Gabriel, den Verantwortlichen für Plantation Rum, und Richard Seale, Boss der Foursquare Distillery, getrennt von einander befragt. Stark verkürzt dargestellt verteidigt Gabriel seine Vorgehensweise - d.h. die Zuckerzugabe von 9-39g/L je nach Abfüllung - mit dem Hinweis auf traditionelle Methoden (Stichwort: Dosage), die lediglich der geschmacklichen Abrundung bzw. Verbesserung dienen sollen. Seale sieht das etwas anders. Er steht für eine Obergrenze, wie sie in der EU z.B. für die Zuckerung bei Cognac existiert. Und er sieht die Notwendigkeit einer Diskussion und vergleicht diese nicht mit den Rumqualitäts/ Glaubensfragen 'Melasse oder Zuckerrohrsaft' bzw. 'Potstill oder Columnstill'. Und warum er das so sieht? Zum einen steht er in der Tradition von Barbados, wo wie in Jamaika oder Martinique kein Zucker zugesetzt werden darf. Zum anderen sollte die Abgrenzung zwischen Rum und Sippingrum (wenn man eine solche vornehmen mag) nicht am Zusatz einer Dosage - auch wenn sie womöglich aus Rum und hochwertigem Zucker besteht und 10 Jahre Fassreifung erfährt (Ich bezweifle ernsthaft, dass auch nur ein Produzent eine solche Mischung verwendet) - festgemacht werden.
  (Foto: Johnny Dreyer)

Fazit: Augen auf beim Rumkauf! Lassen Sie sich nichts vormachen. Ich persönlich würde gesüßte Rums nicht generell als maskierte Banditen bezeichnen oder sie generell abwertend betrachten. Dafür mag ich viel zu viele davon sehr gerne. Allerdings schreiben wir das Jahr 2014, in dem die größte (Marken)Vielfalt mit der größten Verfügbarkeit von sehr gutem (ungesüßtem) Rum einhergeht. Der mündige Verbraucher sollte auf seinem Recht auf Information und Aufklärung bestehen können, wenn er schon Spirituosen kaufen soll, die so teuer waren wie noch nie (Stichwort: Super-Super-Premium). Die Ausreden der Spirituosenindustrie ("kommt vom Fass", "haben wir schon vor 100 Jahren so gemacht") können mich auf jeden Fall nicht überzeugen. 

Besonders viele Fragezeichen wirft m.E. auch Alexandre Gabriels Vergleich mit der Messerspitze Salz in Süßspeisen auf: Wenn in alte und teure Cognacs im Gegensatz zu den Kaufhausabfüllungen keine Dosage wandert, er aber in seinen 2013 abgefüllten 80-Euro-Rum "Plantation Trinidad 1989 Single Cask Abel Ferrand Finish" gleich 39g/L Zucker mischen musste, muss das ein ziemlich grausliges Zeug gewesen sein, oder? (War es natürlich nicht). Vielleicht wird die Sache auch mal ein Thema für die ACR-Initiative, die bisher (wie die EU) den Zuckerzusatz ohne besonderes Limit erlaubt.

Und noch ein Tip: Versuchen Sie es mit ungesüßten, nicht kältefiltierten und nicht nachträglich eingefärbten (die nächste Baustelle!) Rums von unabhängigen Abfüllern. Davon gibt es seit zwei Jahren so viele wie nie zuvor zu kaufen!

Wie schrieb mal ein Forist in einer bedeutenden Rumcommunity? - "Meine Süßrumperiode ist vorbei". In diesem Sinne: With a bottle of rum and a yo-ho-ho!

Freitag, 13. Juni 2014

The Decade Of Rum: Das Authentic Caribbean Rum (ACR)-Siegel



"She told me that her Dad was loaded,
I said 'In that case I'll have a rum and Coca-Cola.'
She said 'Fine':"

("Common People", Pulp,1995)

Ok, wie Sie Ihren Rum trinken, ist egal. Hauptsache Sie trinken Rum. Um sich im Wirrwarr der unzähligen Rummarken und Abfüllungen zurecht zu finden, gibt es seit kurzem eine Art Qualitätssiegel. Das Ding nennt sich Authentic Caribbean Rum - kurz: ACR - und ist eine Initiative der West Indies Rum And Spirits Producers' Association Inc. - kurz: WIRSPA. Sinn und Zweck der beteiligten Organisationen, ihrer Mitglieder und der Initiative und ihrem Gütesiegel in voller Länge zu erklären führt hier zu weit. Ich verweise daher auf die einschlägigen Webseiten und die Infobroschüre. Im wesentlichen wurden bislang folgende Qualitätsmerkmale definiert: Minimum Age Statement (d.h. wenn Altersangabe, bezieht sich diese auf den jüngsten Bestandteil), kein Solerarum, keine Geschmacksstoffe - kein Spiced Rum.
Eine erste auch in Deutschland spürbare ACR-Aktion findet derzeit statt: Vierstündige Rum-Schulungen in allen größeren und kleineren deutschen Barstädten für das interessierte Gastropersonal. Durch die Reihe führt Bastian Heuser (man hätte keinen Besseren finden können), der mit der ihm eigenen Sachlichkeit durch die theoretische Materie und die Verkostung von 15 Rumabfüllungen führt, die sich preislich im Bereich der sog. Mixrums bzw. Low Premium bewegen. Also alles baraffiner Stoff. Was bleibt dabei kleben?
Zum einen sollte meiner Meinung nach ankommen, dass Rum nicht gleich Rum ist. Auch wenn der eine oder andere Vertreter (zumindest bei der Veranstaltung im Münchner Zephyr) als "nicht sehr spannend" deklariert wurde, beinhaltet das ACR-Portfolio eine sehr große Bandbreite von Destillaten aus unterschiedlichen Ländern/Destillerien und dokumentierte damit die unterschiedlichen Stile, Herstellungsweisen etc. etc. Nimmt einen solchen breiten Vergleich vor, stechen unbekannte Flaschen wie der Schaumzuckerbananen-Rum "Old Grog" von Clarke's Court, der einen äußerst schmackhaften Bananendaiquiri (ja ja) ermöglicht, oder eben vermeintlich alte Bekannte heraus, die man (oder zumindest ich) fast schon wieder ein bisschen vergessen hat. Sehr gut gefallen hatte mir auch der weiße Rum der St. Nicholas Abbey (Barbados). Mit ins Portfolio der auserwählten Buddels kommen in Kürze die beiden Jamaikaner Hampden Estate Gold und Monymusk Special Reserve (Tip!) und der "Vintage" benannte Rum der Westerhall Estate (Grenada).

Fazit: Das ACR-Siegel kommt in naher Zukunft auf die (offiziellen) Flaschen aller beteiligten Destillerien. Es wäre also sinnvoll, wenn z.B. spezialisierte Händler in ihren Artikelbeschreibungen besonders darauf hinweisen würden, denn das goldene Zeitalter des Rum hat (nach ein paar Hundert Jahren Vorlaufzeit) gerade begonnen!









Montag, 12. Mai 2014

Glenmorangie - Alles neu macht der Mai!

Gut - die Überschrift ist natürlich Käse. Streichen Sie "Alles" und "neu" und "Mai" - dann kommen wir zum Kern der Botschaft, die Glenmorangie mit dem Relaunch der Neuordnung von "The Extra Matured Range" an die Whiskygemeinde sendet. Neuordnung?

Nun ja, da ist zum einen der schwerwiegendste Eingriff in die drei Abfüllungen umfassende Range: Die Neufassung des Lasanta, der Ex-Sherrycaskfinish-Variante. Glenmorangies Standardmalt names Original (10y, 1st- und 2nd-Fill-Ex-Bourbonfässer) wurde bislang um ein 2jähriges Olorososherryfinish erweitert und so als Zwölfjähriger angeboten. Damit ists erstmal vorbei, denn zusätzlich kommen nun auch Ex-Pedro-Ximenez-Sherryfässer zum Einsatz. Das Ganze wird so eine Portion runder, da man zugleich den Alkoholgehalt von 43 auf 46% Vol. reduziert. Das Age Statement bleibt aber - immerhin. Dafür haben die Tester - und ich saß bei der Veranstaltung im Münchner Les Fleurs Du Mal zwischen zwei ausgewiesenen Glenmorangiekennern - zum einen ein "Loch" wahrgenommen und zum anderen eine gewisse Portion Sonnalta (ja klar, das PX-Wood) geortet. Im Großen und Ganzen schmeckt der neue, gefärbte (!) Lasanta (UVP: 44,99 EUR) gefälliger und süffiger als sein Vorgänger.

In den oberen Gefilden von Charles heiligen Hallen versuchten wir mit zwei rund 55% Vol. starken Fassproben von 12jährigem Oloroso- und PX-Sherry-gefinishtem Glenmorangie (und etwas Wasser) den Lasanta nachzubasteln, was m.E. gründlich misslang - zumindest bei mir. Nicht nutty genug mein Resultat. Zumindest in diesem Punkt gab mir die sympathische Global Brand Ambassadorin und Part Of The Whisky Creation Team Karen Fullerton recht, die im Lauf der Veranstaltung kaum mehr gegen die zunehmende Lärmkulisse aus der sich füllenden Bar ankam. Eine Feststellung am Rande: Mit der Zugabe von etwas hochprozentigem Ex-Oloroso-Destillat ließ sich der Neue recht ordentlich tunen. Das "Loch" war auch plötzlich verschwunden. Nein, das habe ich Frau Fullerton nicht auf die Nase gebunden und ich schreibe Dr. Lumsden auch keine Email.
(Ach, jetzt sind sie alle schon weg; Quelle: whisky.de)

Was gibt es sonst Neues? Da ist zum einen das etwas aufgepeppte Packaging (Zitat Glenmo-Werbebroschüre: "Die Hochwertigkeit der Verpackung wird in 2014 weiter optimiert und stärkt damit die Kaufbereitschaft...") mit einem zweiteiligen Frontlabel, das - in schwarz - ab sofort auch den Quinta Ruban (weiter 46% Vol., UVP: 49,99 EUR) ziert. Der Nectar D'Òr (auch weiter mit 46% Vol., UVP: 54,99 EUR) wurde zudem um eine etwas größere Premiumschachtel geadelt. Mit dieser "angepassten Positionierung" (Zitat: Werbebroschüre) entsteht aus den bisher gleichberechtigten Abfüllungen, die im Onlinehandel zuletzt für je rund 37 EUR angeboten wurden, eine optisch und preislich deutlich abgestufte Range für "Malt Discoverer, Amateure und Connoisseure". Ja so.

Ich sehe mich da bei den Discoverern ganz gut aufgehoben. In dieser Eigenschaft durfte ich kürzlich Glenmorangie 25y (sehr sehr sehr gut, sehr rund - ohne langweilig zu sein, leider etwas teuer) und einen umwerfenden 9jährigen Westport (1st- Fill-Ex-Oloroso) aus der 2013er Feinschmecker Edition entdecken. Zum Abschluss noch ein kleiner Test zur Frage Glenmorangie oder Hyundai: Bitte hier klicken (Ich hatte übrigens 100% richtig).

Sonntag, 27. April 2014

Calvados Christian Drouin Expressions - Edition Limitée

Über Calvados im allgemeinen und die bekannte Marke Château Du Breuil im besonderen hat wad! bereits ausführlich berichtet. Heute möchte ich auf ein paar außergewöhnliche Kreationen des nicht weniger bekannten Hauses Christian Drouin der Domaine Coeur De Lion  aufmerksam machen.

Drouin bietet unter seinen Marken "Coeur De Lion" und "Marquis De Saint-Loup" zahlreiche Assemblages unter den klassischen Bezeichnungen "Fine", "VSOP" etc. bzw. mit Alterangaben à la "25 Years Old" an. Weltruf hat der Hersteller allerdings mit seinen Vintages - also Abfüllungen (wie beim Cognac oder Armagnac) unter Angabe des Produktionsjahres - erlangt. Diese werden nach Bedarf abgefüllt und reichen bis in die 1930er Jahre zurück. Besonders herausragend sollen die Destillate der frühen 1960er sein - dankeswerterweise werden die neuerdings auch in kleinen Flaschen zu etwas erschwinglicheren Preisen angeboten, denn billig sind diese alten Topcalvados natürlich nicht.
Als Ergänzung des schon mehr als umfangreichen Portfolios gibt es seit einiger Zeit die Serie Calvados Expressions - Edition Limitée, die sich besonderen Faßlagerungen einzelner Jahrgangsbrände widmet und die sogar Abfüllungen in Faßstärke bietet - und das alles zu moderaten Preisen. Ich konnte Firmenchef Gullaume Drouin dazu befragen:

whatadrink!: Monsieur Drouin, meines Wissens lagern Sie Calvados in Ex-Sherry- und/oder Ex-Portweinfässern aus denen Sie dann die Vintages zusammenstellen. Ist es eine völlig neue Idee Calvados in gebrauchten Fässern zu reifen, die vorher Rum, Banyuls oder Madeira enthielten und nicht in Limousin- oder Troncaiseichenfässern? Und überhaupt die Idee des Finishing - ist das ganz neu und welche Aromen gibt diese Technik dem Destillat mit?

Gullaume Drouin: Als mein Großvater begann seinen Calvados zu reifen, wurde ihm geraten, dass er Portwein- und Sherryfässer nutzen sollte, da deren Inhalt damals in Le Havre in großem Umfang in Flaschen abgefüllt wurde und so in der Normandie einfach zu beschaffen waren. Auch mit Madeirafässern haben wir schon vor längerer Zeit experimentiert. Diese Fässer bringen immer ganz spezielle Aromen mit, aber auch die Holzstruktur wirkt sich auf den Calvados aus, was wir sehr interessant finden. Rum- und Banyulsfässer haben sehr gute Resultate erbracht. Rumfässer beeinflussen den Calvados sehr stark während Banyulsfässer den Brand weich und rund machen. Für den 1986er Jahrgang haben wir auch Muscat De Rivesaltes-Fässer genutzt.

wad!: Für die Abfüllung "Overseas Fragrance" haben Sie ein Rumfass von der Ile De Renunion benutzt. Haben Sie da noch mehr Informationen zum Rumtyp, der bei der Erstbelegung im Fass war?

GD: Das Fass kam von Savanna und beinhaltete trockenen Rhum Agricole. Wir werden in Kürze eine neue Version eines Rumfass-Calvados vorstellen.

wad!: Die gewöhnliche Calvadosherstellung basiert auf der zweifachen Destillation. Sie bieten aber auch einfach destillierten Calvados an. Wo liegen die Unterschiede?

GD: Pays d'Auge Calvados ist immer doppelt destilliert, während Domfrontais Calvados immer einfach destilliert wird. Nach der Appellation hat man also die Wahl, aber der meiste Calvados wird im Wege der zweifachen Destillation hergestellt. Das macht den Brand runder und weicher während die einfache Destillation zu einem leichteren aber direkteren Stil führt.

wadf!: Sie sind v.a. für Ihre Vintages der 60er und 70er bekannt. Wie lange lagerten die erhältlichen Abfüllungen und gibt es ein Age Statement?

GD: Wir nennen auf den Labels oder Halslabels aller Flaschen das Abfülldatum. Das Vintagejahr ist immer das Jahr der Destillation. Abgefüllt wird nach Bestellung, d.h. von fast allen Vintages gibt es noch Lagerbestände in Fässern. Nur die Vintages 1939, 1958 und 1959 sind komplett abgefüllt.


wad!: Wird es von den "Calvados Expressions - Edition Limitée" weitere Abfüllungen geben?

GD: Ja, wir versuchen davon jedes Jahr drei verschiedene Editionen auf den Markt zu bringen. In Kürze folgen neue Calvados aus Rum-, Portwein- und Banyulsfässern.
Zwei Ausgaben der "Edition Limitée" konnte ich kürzlich mit Herrn Gabányi von der gleichnamigen Bar verkosten. Während der Banyulsfaßgereifte (einfache Destillation, 6 Jahre alt, altes Calvadosfaß und 13 Monate Ex-Banyulsfaß-Finish, 40% Vol., Batch 2, abgefüllt 2011) der leichte, feine und elegante Typ war, stampfte der Vertreter namens "Overseas Fragrance" (zweifache Destillation, Pays D'Auge, Vintage 2004, 6 Jahre alt, altes Calvadosfaß und 1 Jahr Ex-Rumfaß-Finish, 51,7% Vol., Batch 1, abgefüllt 2010) mit mehr als deutlichem Rum- oder besser Rhumeinschlag über den Gaumen. What a drink! möchte man da ausrufen.

Leider ist der Stoff beim deutschen Importeur und Vertrieb, der Firma Dallmayr, offenbar online und im Münchner Ladengeschäft ausverkauft. Weitere Bezugsquellen sind nach meinen Informationen La Maison Du Whisky und das Weingut Domäne Müller in Österreich. Bei letzterem konnte ich keine umfassenden Informationen erhalten, da dort gerade eine große Jahrgangsverkostung tobt. Bei Interesse bitte selber nachfragen. Die französischen Freunde vom Whiskyhaus führen zahlreiche Drouins in ihrem Onlineshop - auch aus der aktuellen Range, die folgende Varianten umfassen soll: "Très Pomme" (53% Vol.), "Fut De Madère" (7y), "Fut De Porto" (5y), "Plaisir Andalou" (8y, Ex-Sherry) und "Fut De Rhum" (8y) - letztere leider nur mit 40% Vol.

Fazit: Das Thema Calvados ist noch lange nicht durch. Ich werde mir auf jeden Fall Herrn Gabányis Motto "Ein guter Calvados ist ein guter Ersatz für einen Cognac" (ungefähres Zitat) zu Herzen nehmen und in nächster Zeit nicht nur Calvados Fizz oder Collins als Apfelschorlesurrogat zum Einsatz bringen...

weitere Bezugsquellen: Drouin-Boutique Calvadosonline

Sonntag, 13. April 2014

Old School Is Best School - Bourbons der 50er, 60er und 70er Jahre

Machen wir es kurz: Ich kam letztes Jahr an eine größere Sammlung von amerikanischen Bourbonwhiskeys, die zwischen 1952 und 1972 produziert wurden. Einige ausgewählte Preziosen davon werden am 9. Mai an ambitionierte Connaisseure ausgeschenkt. Die älteste Abfüllung ist ein Grand Old Dad, der 1952 gebrannt wurde.
Einziger Haken bei der Sache: Ich werde bei der Veranstaltung ein bisschen was zu den feinen Stöffchen erzählen. Wer die kleine Zeitreise trotzdem mitmachen möchte, sollte sich mit der Anmeldung beeilen. Alle Infos zu Ort, Termin, Anmeldung, etc. siehe folgende Links.

http://www.americanwhiskeyacademy.com/

Update: Danke, Danke, Danke an alle Gäste! Das war ein toller Abend. 

Noch ein Update: Bericht siehe hier.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Whiskyreisen mit Werner Obalski

Aufgrund der zahlreichen Anfragen hier noch mehr von DEM "In-der-Badewanne-Mitpfeif-Lied" der 70er. 

Hoch auf dem gelben Wagen
Sitz’ ich beim Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
Lustig schmettert das Horn.
Felder und Wiesen und Auen,
Wogendes Ährengold.
Ich möchte so gerne noch schauen
Aber der Wagen rollt.


 (Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Ob Werner Obalski seine Mitreisenden mit deutschen Volksliedern verwöhnt, bezweifle ich doch sehr. Da darf man schon anderes erwarten. Was? Na, z.B. ein fast grenzenloses Wissen in Sachen Scotch Whisky, Schottland und seine Destillerien und allem was dazugehört. Da "Weizenbierexperte" Obalski dies auch gerne mit wissbegierigen Menschen teilt, hat er sich neben seiner journalistischen Tätigkeit für z.B. die Süddeutsche Zeitung oder das Mixology-Magazin und als Buchautor (u.a. zu Tequila, Sherry, Wein und Kneipen), aber auch als Reisebegleiter einen Namen gemacht. Nein, nicht wenn es um  Mittelmeerkreuzfahrten geht, sondern - Sie werden es erraten haben - wenn es um Whiskytrails geht.

Auch 2014 ist das wieder der Fall. Los geht es mit einem Speysidebesuch Anfang April. Im Mai gibt es gleich zwei Rundreisen, die quasi durch ganz Schottland führen - zumindest durch die whiskytechnisch relevanten Landstriche. Und Mitte September wird die schöne Insel Islay unter die Lupe genommen. Liest man sich die Reiseprogramme durch, bekommt man regelrecht Fernweh. Gut, einen Schluck Whisky könnte man dann auch vertragen. Mir sind trotzdem noch ein Fragen eingefallen, die mir der gelobte Reiseleiter persönlich beantwortet hat.

whatadrink!: Werner, wieviele Whiskyreisen hast Du in Schottland schon begleitet?

Werner Obalski: Die habe ich nicht gezählt, aber ich bin sicher so zwölfmal mit Journalisten in Destillerien unterwegs gewesen, über die ich denen dann was erzählt habe. Ich selber hab vor ein paar Jahren zum Zählen aufgehört und da war ich bei 40 Schottlandreisen angekommen.

wad: Wenn ich mir die Programme der 2014er Reisen so ansehe, liest sich das weniger wie eine Vergnügungsreise (mit teilweise drei größeren Programmpunkten pro Tag), sondern eher wie eine richtige Studienreise. Wie läuft wird das tatsächlich ablaufen?

WO: Zum einen suche ich Destillerien aus, wo man auch die kleine Tour, die eine dreiviertel Stunde dauert machen kann. Dabei muss man natürlich sehen, dass die Frage "Wie wird Whisky gemacht?" schon nach dem ersten Destilleriebesuch beantwortet ist. Das braucht man ja nicht mehrmals erklären. Ich versuche durch meine Kontakte immer die Distillery Manager zu bekommen, denn die können uns dann erklären, was ihren Whisky von dem der anderen besuchten Betrieben unterscheidet.

wad: Damit kommt auch das rüber, was man von so einer "Profitour" erwartet, nämlich dass man den sogenannten Blick hinter die Kulissen bekommt.

WO: Letztes Jahr hatten wir neun Destillerien in sieben Tagen besucht. Das war unheimlich viel. Aber da waren Whiskyhändler in der Gruppe dabei, die danach gesagt haben, dass das wesentlich zu wenig waren.

wad: Na prima. Ich denke, dass mit einem Guide wie Dir und Deinen Kontakten vor Ort nicht nur mehr Möglichkeiten bestehen Informationen abzugreifen, sondern man auch in das ein oder andere Thema richtig eintauchen kann.

WO: Deshalb buchen mich die Leute ja auch, da ein normaler Touristenführer das eben nach Schema F macht. Bei einem Distillery Manager, der mich persönlich kennt, kann ich gezielte Fragen, die auf die jeweilige Situation oder ein Thema zugeschnitten sind, stellen und bekomme die auch beantwortet. Man muss die Leute nur immer dazu bringen Englisch und nicht Schottisch zu sprechen.

wad: Die englischen Fachbegriffe sollten die Reisenden also schon kennen?

WO: Ja, das sollte so sein. 

wad: Aber man lernt das ja auch vor Ort am einfachsten. Wie muss ich mir die Zusammensetzung einer solchen Reisegruppe vorstellen?

WO: Das sind natürlich richtige Whiskyfreaks, aber auch Wein- und Whiskyhändler sind dabei, die ihr Wissen aufstocken wollen. 

wad: Ich stelle es mir sehr befruchtend vor, neue Leute mit ähnlichen Interessen aus vielleicht einem ganz anderen Teil der Whiskywelt kennenzulernen.

WO: Das ist ein Aspekt. Aber es ist auch wichtig den Leuten nicht nur Whisky und Schottland zusammen zu zeigen, sondern auch das Drumherum etwas detailliierter anzubieten. Das machen wir dann mit Experten z.B. zu Edinburgh oder zu Haggis. Letztes Jahr kamen wir am Elephant House vorbei, das sich The Birth Place Of Harry Potter nennt, weil dort das erste Kapitel geschrieben wurde. Die Leute waren begeistert von der Story dazu.

wad: Jetzt im April geht es in die Speyside und im September nach Islay. Kennst Du schon das Islayprogramm?

WO: Wir werden da nur vier Tage sein und auch nicht alle Distilleries besuchen. Aber, wenn ich mich nicht irre, sind Ardbeg und Laphroaig dabei. Man kann zwar Laphroaig auch von Ardbeg aus erklären, aber schon wegen des Maltings muss man doch hin.

wad: Danke für das Gespräch, Werner.

Also, alle die jetzt so richtig Lust zu einer intensiven, aber doch auch vergnüglichen Schottlandreise bekommen haben, sollten sich auf den oben verlinkten Internetseiten der beiden Reiseanbieter umsehen. Werner Obalski wünsche ich viel Erfolg und Vergnügen!

Ein paar Impressionen in bewegten Bildern gibt es in den Beer Goes Barley-Videos von 2012 - auch mit Werner Obalski übrigens: