Sonntag, 13. April 2014

Old School Is Best School - Bourbons der 50er, 60er und 70er Jahre

Machen wir es kurz: Ich kam letztes Jahr an eine größere Sammlung von amerikanischen Bourbonwhiskeys, die zwischen 1952 und 1972 produziert wurden. Einige ausgewählte Preziosen davon werden am 9. Mai an ambitionierte Connaisseure ausgeschenkt. Die älteste Abfüllung ist ein Grand Old Dad, der 1952 gebrannt wurde.
Einziger Haken bei der Sache: Ich werde bei der Veranstaltung ein bisschen was zu den feinen Stöffchen erzählen. Wer die kleine Zeitreise trotzdem mitmachen möchte, sollte sich mit der Anmeldung beeilen. Alle Infos zu Ort, Termin, Anmeldung, etc. siehe folgende Links.

http://us3.campaign-archive1.com/?u=7328d9b6a931fd44a448c0244&id=4d1edbd257&e=a000408b00

Anmeldung online:http://americanwhiskeyacademy.wordpress.com/2014/04/13/prasentation-old-school-bourbons-der-1960er-und-1970er/

http://www.americanwhiskeyacademy.com/

Donnerstag, 27. Februar 2014

Whiskyreisen mit Werner Obalski

Aufgrund der zahlreichen Anfragen hier noch mehr von DEM "In-der-Badewanne-Mitpfeif-Lied" der 70er. 

Hoch auf dem gelben Wagen
Sitz’ ich beim Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
Lustig schmettert das Horn.
Felder und Wiesen und Auen,
Wogendes Ährengold.
Ich möchte so gerne noch schauen
Aber der Wagen rollt.


 (Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Ob Werner Obalski seine Mitreisenden mit deutschen Volksliedern verwöhnt, bezweifle ich doch sehr. Da darf man schon anderes erwarten. Was? Na, z.B. ein fast grenzenloses Wissen in Sachen Scotch Whisky, Schottland und seine Destillerien und allem was dazugehört. Da "Weizenbierexperte" Obalski dies auch gerne mit wissbegierigen Menschen teilt, hat er sich neben seiner journalistischen Tätigkeit für z.B. die Süddeutsche Zeitung oder das Mixology-Magazin und als Buchautor (u.a. zu Tequila, Sherry, Wein und Kneipen), aber auch als Reisebegleiter einen Namen gemacht. Nein, nicht wenn es um  Mittelmeerkreuzfahrten geht, sondern - Sie werden es erraten haben - wenn es um Whiskytrails geht.

Auch 2014 ist das wieder der Fall. Los geht es mit einem Speysidebesuch Anfang April. Im Mai gibt es gleich zwei Rundreisen, die quasi durch ganz Schottland führen - zumindest durch die whiskytechnisch relevanten Landstriche. Und Mitte September wird die schöne Insel Islay unter die Lupe genommen. Liest man sich die Reiseprogramme durch, bekommt man regelrecht Fernweh. Gut, einen Schluck Whisky könnte man dann auch vertragen. Mir sind trotzdem noch ein Fragen eingefallen, die mir der gelobte Reiseleiter persönlich beantwortet hat.

whatadrink!: Werner, wieviele Whiskyreisen hast Du in Schottland schon begleitet?

Werner Obalski: Die habe ich nicht gezählt, aber ich bin sicher so zwölfmal mit Journalisten in Destillerien unterwegs gewesen, über die ich denen dann was erzählt habe. Ich selber hab vor ein paar Jahren zum Zählen aufgehört und da war ich bei 40 Schottlandreisen angekommen.

wad: Wenn ich mir die Programme der 2014er Reisen so ansehe, liest sich das weniger wie eine Vergnügungsreise (mit teilweise drei größeren Programmpunkten pro Tag), sondern eher wie eine richtige Studienreise. Wie läuft wird das tatsächlich ablaufen?

WO: Zum einen suche ich Destillerien aus, wo man auch die kleine Tour, die eine dreiviertel Stunde dauert machen kann. Dabei muss man natürlich sehen, dass die Frage "Wie wird Whisky gemacht?" schon nach dem ersten Destilleriebesuch beantwortet ist. Das braucht man ja nicht mehrmals erklären. Ich versuche durch meine Kontakte immer die Distillery Manager zu bekommen, denn die können uns dann erklären, was ihren Whisky von dem der anderen besuchten Betrieben unterscheidet.

wad: Damit kommt auch das rüber, was man von so einer "Profitour" erwartet, nämlich dass man den sogenannten Blick hinter die Kulissen bekommt.

WO: Letztes Jahr hatten wir neun Destillerien in sieben Tagen besucht. Das war unheimlich viel. Aber da waren Whiskyhändler in der Gruppe dabei, die danach gesagt haben, dass das wesentlich zu wenig waren.

wad: Na prima. Ich denke, dass mit einem Guide wie Dir und Deinen Kontakten vor Ort nicht nur mehr Möglichkeiten bestehen Informationen abzugreifen, sondern man auch in das ein oder andere Thema richtig eintauchen kann.

WO: Deshalb buchen mich die Leute ja auch, da ein normaler Touristenführer das eben nach Schema F macht. Bei einem Distillery Manager, der mich persönlich kennt, kann ich gezielte Fragen, die auf die jeweilige Situation oder ein Thema zugeschnitten sind, stellen und bekomme die auch beantwortet. Man muss die Leute nur immer dazu bringen Englisch und nicht Schottisch zu sprechen.

wad: Die englischen Fachbegriffe sollten die Reisenden also schon kennen?

WO: Ja, das sollte so sein. 

wad: Aber man lernt das ja auch vor Ort am einfachsten. Wie muss ich mir die Zusammensetzung einer solchen Reisegruppe vorstellen?

WO: Das sind natürlich richtige Whiskyfreaks, aber auch Wein- und Whiskyhändler sind dabei, die ihr Wissen aufstocken wollen. 

wad: Ich stelle es mir sehr befruchtend vor, neue Leute mit ähnlichen Interessen aus vielleicht einem ganz anderen Teil der Whiskywelt kennenzulernen.

WO: Das ist ein Aspekt. Aber es ist auch wichtig den Leuten nicht nur Whisky und Schottland zusammen zu zeigen, sondern auch das Drumherum etwas detailliierter anzubieten. Das machen wir dann mit Experten z.B. zu Edinburgh oder zu Haggis. Letztes Jahr kamen wir am Elephant House vorbei, das sich The Birth Place Of Harry Potter nennt, weil dort das erste Kapitel geschrieben wurde. Die Leute waren begeistert von der Story dazu.

wad: Jetzt im April geht es in die Speyside und im September nach Islay. Kennst Du schon das Islayprogramm?

WO: Wir werden da nur vier Tage sein und auch nicht alle Distilleries besuchen. Aber, wenn ich mich nicht irre, sind Ardbeg und Laphroaig dabei. Man kann zwar Laphroaig auch von Ardbeg aus erklären, aber schon wegen des Maltings muss man doch hin.

wad: Danke für das Gespräch, Werner.

Also, alle die jetzt so richtig Lust zu einer intensiven, aber doch auch vergnüglichen Schottlandreise bekommen haben, sollten sich auf den oben verlinkten Internetseiten der beiden Reiseanbieter umsehen. Werner Obalski wünsche ich viel Erfolg und Vergnügen!

Ein paar Impressionen in bewegten Bildern gibt es in den Beer Goes Barley-Videos von 2012 - auch mit Werner Obalski übrigens:

Mittwoch, 26. Februar 2014

Braukunst Live! 2014 - Brauer oder Blogger?



Schäumendes Gerstengetränke
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.


(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Vor vierzig Jahren sang der damalige Bundesaußenminister dieses Volkslied, dessen Single (aus Vinyl!) bis auf Platz fünf der deutschen Singlecharts kletterte - oder besser rollte. Aber darum gehts in diesem kleinen Blogartikel gar nicht und auch nicht darum, dass wir damals noch Politiker, Bundespräsidenten und die FDP hatten. Also zurück ins Heute (wo alles besser ist)...
Im Februar 2014 zogen Tausende von Menschen auf ein Münchner Bierfestival, um dort weit über 500 verschiedene Craftbiere von rund 100 Brauereien aus Degustationsgläsern zu trinken - in Chargen von 0,1 Litern (!). Und ein verdammt großer Anteil dieser bierdurstigen Kehlen gehört nicht nur zur Zielgruppe "Unter 30", sondern ist auch noch weiblich. Jawoll!

Wir reden vom Braukunst Live! Bierfest, das von den Finest Spirits-Veranstaltern 2012 ins Leben gerufen worden war und das sich mittlerweile als "Leitmesse einer völlig neuen Bier-Kultur" sieht. Ja so. Begriffe wie Vielfalt, Leidenschaft und Bier-Renaissance werden gerne in den Mund genommen, wenn es doch eigentlich nur um die Freude am gut gemachten Bier geht. Qualität und (gemachter) Kult stehen gemeinsam an der Theke

A propos Kult. Den ein oder anderen Aussteller - oder besser: Ausschenker - der ersten Stunde habe ich dieses Jahr vermisst. Auch einige Münchner Kleinbrauer waren nicht (mehr) da. Schade. 

Aber dafür ist die Braukunst-Messe internationaler geworden. Mehr Italiener und Tschechen und mehr belgisches Bier (Yeah!). Die belgischen Bierstile - zumindest soweit sie mit dem deutschen Reinheitsgebot vereinbar sind - scheinen neben den schon etablierten Stouts, Ales und IPAs gerade ein Trend bei deutschen Klein- und Kleinstbrauern zu sein. Gut so. Außerdem zu beachten: Porter.

Eine Sache die Bewegung in die Szene bringt, sind Vertriebe, die für die Verbreitung der vielen neuen Bierchen sorgen. Gefühlt waren davon auch einige mehr auf der 2014er Braukunst zugegen. Aber ist das nun positiv oder negativ zu bewerten?

Egal. Die Veranstaltung war auch ein Treffpunkt der deutschen Craftbierszene (wenn sich selbige so nennen mag), was mir von mehreren Seiten bestätigt wurde ("Alle sind da!"). Zwei solcher Insider hatten sich angeregt neben mir unterhalten, bis der eine den anderen dann fragte: "Bist Du eigentlich Brauer oder Blogger?". Schön, dass es das gibt.

Aber wir sind hier bei whatadrink! und nicht bei einem der vielen fach- und sachkundigen Bier- oder gar Foodblogs. Deshalb darf ich noch auf ein neues Destillat hinweisen, das seit kurzem bei "Mike's Whiskeyshop" in München zu erwerben ist. Es handelt sich um einen Bourbonwhiskey aus Texas, dessen Hersteller sich Garrison Brothers nennt. Das klingt zwar nach einer Gangsterbande aus den Zeiten der Probition, ist aber die erste und älteste  legale Whiskeydistillerie in Texas. Und die einzige? - Nein, es gibt derzeit satte 13 davon im Erdölstaat. Exklusiv in Deutschland steht bei Bourbon Mike nun der aktuelle Release Fall 2013 im Regal, der zwei Jahre und vier Monate in einem Mix aus verschieden großen bzw. kleinen Fässern verbracht hat. Ein junger Hund? Schon, aber - wie es sich für Texas geziemt - ein verdammt öliger Kläffer (Weizenbourbon mit über 70% Mais in der Mashbill, Sweet Mash, 47% Vol.). Die Turboreifung in frischen Fässern ist absolut spürbar, aber es besteht eine durchaus gefällige Balance zwischen süß und Holz. Klassezeug. Einziges Manko: Der Preis. Schon vor Ort in Texas werden rund 70 US$ aufgerufen. Dass der bei uns so nicht für 20 EUR zu haben ist, ist klar. Aber wer kauft amerikanischen Whiskey über 100 EUR, wenn der nicht mal 10 oder 12 Jahre alt ist oder zumindest Pappy heißt?


Ansonsten ging es weiter um Hopfen, Hopfen, Hopfen und ein bisschen Malz. Sehr schön fand ich den Titel des begleitenden Seminars "Ach komm, geh mir wech! IPA verkommt zu Mainstream!", bei dem es um vom selbigen (noch) unentdeckte deutsche Spitzenbierstile (oder so) ging. Außerdem wichtig: Foodpairing mit Bier. Im speziellen: Bier & Käse. Das gabs in einer eigenen Masterclass mit Bier- und Wassersommelier sowie Fromelier (frz. Expert en Caséologie) Tibor Kantor und gelebt von Messebeginn bis Kehraus rund 30 Meter rund um den Stand vom Tölzer Kasladen. Im folgenden noch ein paar Impressionen und das Schlußwort:

Bayern, des samma mir,
Bayern und des bayerische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot,
des is unser flüssiges Brot!

(Haindling, "Bayern", 1998)


 ("Hallo, ich bin der Helmut aus Berlin und ich mach ein kleines Fanzine.")
 

Mittwoch, 19. Februar 2014

Finest Spirits 2014 - Das Wochenende der Feingeister

"Herr Münchinger, wir alle wissen ja, dass Sie von diesen Dingen keinen Schimmer haben. Bittesehr. Dafür können Sie nichts. ... Aber wenn man schon nichts versteht und wenn man sich für nichts interessiert, dann setzt man sich nicht hierher, frech und präpotent und spricht unqualifiziertes Zeug über einen herrlichen, unvergesslichen Abend... Dann schweigt man still und hält sein dummes Maul!"

(Alexander Hegarth als Dr. Edgar Schönferber in "Monaco Franze - Der ewige Stenz", 1983)

Wie hat Dir die Messe gefallen? Was waren Deine Highlights? Hast Du eine besondere Entdeckung gemacht? - So klingen die Fragen am Sonntagabend ab 18 Uhr, wenn der Vorhang des Finest Spirits Festivals langsam wieder zu Boden sinkt und die Besucher mit drei bis fünf geklauten Nosinggläsern in den Hosentaschen aus dem MVG-Museum schlurfen. Und die Antworten? Nun, äh ja - schee wars. Viele nette Leute wiedergesehen, bisschen was gelernt, nicht übermäßig viel schnabuliert. Aber Entdeckungen und Überraschungen?

Nun, da war der neue Laphroaig Select Cask. Ein eher weichgespülter 40-Prozenter. Aber ist das noch eine negative Überraschung im Zeitalter der No-Age-Whiskies? Ein paar Gegenstücke fanden sich in der Auswahl von Andrea Caminneci - u.a. ein toller, 17jähriger Highland Whisky (= Westport = Glenmorangie) für schlappe 40 EUR/0,5l. Aber ist das eine Entdeckung? Andrea steht mit seiner Vertriebsfirma seit Jahren für Topqualität zu fairen Preisen - also nichts wirklich Neues (Wer hat bitte die ganzen Mackie's Chips gekauft?). Am Stand gegenüber gab es ähnlich Preiswertes zu entdecken: The Whiskywarehouse (mit eigenem Onlineshop) präsentierte dort sein preislich wie qualitativ hochinteressantes Portfolio an Singlecaskbottlings von schottischem Whisky und Rum. Letzterer natürlich aus der Karibik. Barkeeper/Barbetreiber aufgepasst!
 
A propos "Bar". Finest Spirits hatte sich dieses Jahr selbst die Aufgabe gegeben, die Heimbar ins Licht des Publikumsinteresses zu rücken. Ist das gelungen? Richy Link vom Münchner Wasserwerk und seine fleißigen Helfer gaben sich alle Mühe zeitgenössische Basics bzw. Abwandlungen zum Gin Tonic zu erklären (siehe Film/Interview unten). An diesem Stand geriet ich unverschuldet in eine Erklärungsrunde zum sog. Saar Dry Gin. Als es in diesem Rahmen um die Historie des Weinbaus in Deutschland ging, hatte ich aber genug. Rettung bot gegenüber Dirk Beckers Rum Depot, das - extra aus Berlin angereist - mit einer eigenen Singlecask-Caskstrength-Abfüllung aufwartete. Selbige war am Sonntag übrigens ausverkauft. Es geht vorwärts mit München...
Neu ist/war das Maltdestillat namens Puni Alba aus Südtirol - zumindest was den deutschen Markt betrifft. Der mittlerweile 18 Monate alte, beeindruckende Stoff wurde komplett in frischen Marsalafässern ausgebaut. Und während das in "normalen" Fasslagern geschieht, schlummert sein Pendant bis zur Abfüllung in ein paar Jahren - dann auch als Whisky - in Ex-Bourboncasks in unterirdischen Bunkeranlagen. Das muss ich mir genauer ansehen - mehr Infos folgen...

Als überraschend brauchbar - wieder (Home)Barkeeper aufgepasst! - stellte sich der brandneue weiße Bavarian Rum der Munich Distillers heraus. Sauberes Destillat, leichte Vanillenote und das ganze aus Bio-Zuckerrohr(-Melasse). Soll laut Markenname Rivers in erster Linie von den Eisbachsurfern bevorzugt werden. Da frag ich demnächst mal nach. Ob das - wie beworben - nun wirklich der "erste deutsche Rum" ist, weiß ich nicht, habe da aber so meine Zweifel.

Und ebenso kann ich nicht die Hand ins Feuer legen, ob man bei den freundlichen Leuten von Campari am Messesonntag wirklich die allerallerletzte Bowmore Devil's Casks-Flasche geköpft und (u.a. mit mir) geteilt hat. Gemundet hat der Islayknabe durchaus und Finest Spirits-Kopf Frank-Michael Böer formulierte bei diesem Frühschoppen auch gleich seine Erwartungen an 2015: Da wird Finest Spirits nämlich 10 Jahre alt und da wäre ein 10jähriger Devils Casks II als kleines Goodie irgendwie passend. Finde ich auch und hype hiermit öffentlich die Idee und den späteren Whisky gleich mit (Nicht ohne den Hintergedanken, auf diesem Weg die ein oder andere Flasche davon zu erhaschen). Fundierter ist da schon die Information, dass 2014 KEINE Abfüllung a la Devil's Casks erscheinen soll. Na, wenn das nicht mit dem Teufel zugeht...
 
So dümpelte das Wochende, an dem sich wohlgenährte Herren Whiskygläser um den Hals hängen, dahin. Ich darf noch besonders erwähnen: Die hervorragenden Destillate der Firma Kohler aus deren Aromenbibliothèque (Ingwer! Mirabelle! - und Danke für den Tip Frau Doro) und die ziemlich coolen Whiskies der Lost Distillery Company (Hierzu folgen noch eigene Blogbeiträge). Nicht zu vergessen die obligatorischen Monstermalts von Pit Krause und seinen Maltheads (Slowdrink & Munich Spirits), die Peanut-fat-washed-Bourbon-Colada von Oliver von Carnap am Bulleit-Bourbon/Rye-Stand und die wesentlich unspektakulärere aber ungleich belebendere Cherry Coke von Lukas Motejzik bei Lantenhammer/Slyrs.


Nach dem Festival ist vor dem Festival - Stimmt. Am Freitag startet am gleichen Ort das Braukunst Live! 2014 Festival. Ich kann es kaum erwarten...

Mehr Fotos gibt es hier.
 
 

Donnerstag, 6. Februar 2014

Glenmorangie Companta - Das große Drängeln

Gleich vorneweg: Glenmorangies neuer Single Malt Whisky namens Companta ist ein Knaller, ein wirklich außergewöhnlicher Glenmorangie und vielleicht einer der besten Weinfass-Finish-Whiskys ever. Soviel dazu. Geschrieben wurde dazu bereits genug. Da der eine oder andere in den Weiten des www noch immer über das Alter der bei der Kreation verwendeten Whiskys nachgrübelt, hier ein Link zu einem Bericht, der einige Klarstellungen nicht zuletzt vom verantwortlichen Whiskydesigner, Herrn Dr. Lumsden, enthält.
Sittengemälde: Companta und die Giraffe
Letzterer muss offenbar alljährlich die blumigen aber wenig ertragreichen Presseinfos nacharbeiten, in denen das ein oder andere interessante Detail fehlt und/oder in denen das ein oder andere doch recht mißverständlich wiedergegeben wird. Da steht man bei LVMH m.E. den Herrschaften von Diageo in nichts nach, die zuletzt ein grandioses Textwerk zu ihren 2013er Special Releases rausgehauen hatten. Naja, Schwamm drüber... Lustig ist eben, dass (fast!) jeder den Unsinn ohne Rückfrage oder Recherche nachplappert.

Ein Satz in der Süddeutschen Zeitung war bei mir kürzlich haften geblieben, was recht selten der Fall ist, aber eher an meiner Aufnahmefähigkeit als an der Postille liegt. Es ging um Luxusgüter und deren Zukunft auf dem Weltmarkt. Wie war das nochmal? 

- Die Kunden haben reine Logoprodukte satt und suchen nach subtilerem Luxus, der wahre Kennerschaft attestiert. - 

Schön, gell? Besonders der letzte Halbsatz.

Damit wären wir wieder beim Companta. Nein, nicht beim Whisky selber, sondern bei dessen Start auf dem Onlinemarkt. Da herrscht dieser Tage ein Gedrängel wie sonntagnachmittags am Eisstand im Freibad bei 35°C. Grauenhaft. Die bemühten Verteiler (Sie riechen zumindest nicht nach Sonnenmilch) bieten die begehrte Ware nach der Regel "Nur eine Flasche pro Kunde" an und wundern sich, dass manche Großfamilie plötzlich eine Sammelbestellung - nur jeder einzeln im Abstand von jeweils vier Minuten - aufgibt. Andere Distributeure sind schlauer. Sie trennen die Spreu vom Gerstenmalz in dem sie die UVP von 79,00 EUR geschmeidig auf 130-150 EUR erhöhen - wohl wegen der hohen Lagerkosten.
Wer die offizielle Deutschland-Präsentation des Companta auf der Münchner Finest Spirits nicht mehr abwarten kann, darf natürlich losballern, sei aber zumindest gewarnt: Ich kenne drei Supermärkte, wo der "Whisky Of The Year" Glenmorangie Ealanta für 89 EUR im Regal verstaubt.

A propos verstaubt. Wo wir grade bei den Glenmos und Ardbegs sind, die gehören ja zur gleichen Sippe. In einem großen deutschen Online-Whiskyforum hatte sich kürzlich eine junge, blonde Frau angemeldet und die dort versammelte Expertenschar auf die Analyse von Herr Reim auf dessen Blog zum nächsten Ardbegrelease aufmerksam gemacht. Statt Dank erntete sie für ihre teilweise gewitzte Wortwahl allerdings eine Vielzahl persönlicher Angriffe, die massiv unter die Schreibtischplatte gingen (Zitat: "Du hast ein Gesicht wie eine Gummipuppe" usw.). Ich konnte, als ich die Story hörte, den Thread noch aufrufen - mittlerweile wurde er gelöscht. Ist ja auch der Treffpunkt feiner Geister. Aber nicht alle sind so böse. Ein feiner Geist hatte sogar ermunternde Privatnachrichten geschrieben - nicht ohne Annäherungsversuch versteht sich. ...Luxus, der wahre Kennerschaft attestiert...

Dienstag, 24. Dezember 2013

Historischer Designerwhisky? Ultra-premium-deluxe-super-vintage?

Als vor einiger Zeit ein paar Kisten mit Flaschen schottischen Whiskys unter einer von Sir Ernest Shackleton genutzten Hütte nach rund 100 Jahren im Eis der Antarktis entdeckt und drei davon für einige Zeit nach Schottland gebracht wurden, gab es - wie ich meine zurecht - ein ziemliches Medienbohei. Eine schöne Story.

Der jetzige Markeninhaber des von Shackleton präferierten Stoffs machte sich aber nicht nur daran, die wertvollen Tropfen (mehr durften den Buddels nicht entnommen werden) zu analysieren, sondern nutzte seine Kapazitäten und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit aus, um eine Replika zu entwickeln und auf dem Markt zu platzieren. Ein brauchbarer, schön verpackter Blended Malt (auf Preisniveau von deutlich über 100 EUR) stand und steht im Regal, der nachvollziehbar und durchaus glaubwürdig (wenn man Masterblender Richard Paterson und Author Dave Broom glauben mag, die den historischen Stoff tatsächlich im Mund hatten) vorgibt so zu schmecken, wie der mittlerweile berühmte Originalwhisky, der wieder unter der Hütte eingelagert wurde. Letzteres eine wirklich coole Sache. Von Shackleton's Whisky gibt es mittlerweile eine zweite etwas günstigere Auflage (u.a. hier finden Sie beide) und seit ein paar Monaten ist sogar ein Buch zum Whisky auf dem Markt.

Die Story wärme ich lediglich auf, da es seit wenigen Tagen neuen "historischen" Whisky in deutschen Shops zu kaufen gibt. Die Firma The Lost Distillery Company hat bislang drei Blended Malts kreiert, die die Single Malts der z.T. vor über 100 Jahren geschlossenen Destillerien Gerston, Auchnagie und Stratheden als "moderne Interpretationen" wiedergeben sollen. Wie geht das? So wie beim Shackleton's? Hm, zu lesen ist von allerlei wissenschaftlicher Arbeit, von zehn Key Components und von Professor Michael Moss, der offenbar die Forschungen leitet. Nicht zu lesen ist von der Analyse des Originalwhiskys - was mangels entsprechender Ware auch schwierig sein dürfte. Die beiden Firmengründer sind übrigens ehemalige Diageoleute (was bei der Größe dieser Firma und ihren Verzweigungen in der Whiskywelt nicht weiter schwierig sein sollte) und scheinen sich v.a. beim Marketing ihrer Sache sicher zu sein, da sie Abfüllungen von 20 verschiedenen Lost Distilleries für die nächsten sechs Jahre planen und davon soll jeweils eine "super-premium deluxe version" und eine "ultra-premium vintage version" erscheinen. Die Preise liegen bei knapp über 60 EUR für super und bei rund 175 EUR für ultra. Alle Flaschen bzw. deren Inhalt kommen mit 46% Vol., ohne Kältefiltration, ohne Färbung und das Design erinnert an Bristol Classic Rum meets Compass Box. Und der Whisky selbst? Soll gelungener (Blended) Malt sein. Na, immerhin! Leider werden wir (aus markenrechtlichen Gründen) wohl auf Interpretationen von Brora und Port Ellen verzichten müssen. Schade, aber das wäre vielleicht zurecht das ultra-premium-deluxe-super-vintage-klasse-vollgeilomat-spitzenzeug gewesen, auf das wir seit jahren warten...

Youtube-Kanal von Shackleton's Whisky

Youtube-Kanal von Masterblender Richard Patterson

Youtube-Kanal von Scott Wallace


Dienstag, 3. Dezember 2013

Malt Maniacs Awards 2013

Vor wenigen Minuten veröffentlichten die unabhängigen Malt Maniacs die mit großer Spannung erwarteten Ergebnisse ihrer 2013er Awards. Neben den jeweiligen Klassensiegern (z.b. aus den Bereichen "sherried" oder "peated") ist v.a. das tatsächliche Punkteergebnis interessant. So liegt der Benriach 1985 #7188 zwar in seiner Kategorie "best peated - ultra premium" vorne, hat aber mit 87 Punkten eigentlich "nur" eine Silbermedaille erreicht.
Gold gab es mit Punkteresultaten von 90 bzw. 91 Punkten nur für vier von rund 200 Whiskies, die natürlich in Form eines anonymisierten Blindtastings verkostet wurden. Die glücklichen Sieger sind:

91 P. Karuizawa 1973/2013 (67.7%, Number One Drinks, Ex-Sherry Oak, C#1607, 138 Bts.)
91 P. Kavalan ‘Solist’ (57.8%, OB, NAS, Sherry Cask, C#S06082)
90 P. Glenfarclas 1989/2012 (56.6%, OB The Family Casks, C#11046, 591 Bts.)
90 P. Yamazaki 1993/2012 (57.5%, OB for LMDW, Sherry Butt, C#3T 70070, 300 Bts.)
Drei von vier also aus Asien und alle vier aus Sherrycasks - davon gabs 2013 offenbar ganz ordentliche Abfüllungen. Und das Haar in der Whiskysuppe: Der Karuizawa hatte einen Ladenpreis von rund 600 EUR. Der Yamazaki ist für schlappe 550 EUR noch zu haben und DEN Glenfarclas konnte ich auf die schnelle nicht ergooglen - ist ja auch eine TSMC-Abfüllung. Einzig der taiwanesische Kavalan (Yes!) ist bei LMDW für 150 EUR auf Lager (und - äh - schon länger in meiner bescheidenen Collection gebunkert). Naja, das ist zumindest ein kleiner Trost, wenn der nach mir benannte Highland Park Svein mit lächerlichen 80 Punkten als Letzter der prämierten Malts gerade noch eine Bronzemedaille ergatterte.