Dienstag, 16. Mai 2017

Zuckerrüben-Rum und Kirsch aus dem Holzfass

"Look he’s a showboat, he’s a grandstander,” Trump said. “You know that, I know that. Everybody knows that." (Donald Trump)

Ein eigener Blog ist großartig. Du kannst schreiben, was du willst. Und vor allem auch wieviel du über welches Thema tippst und wann du das dann an die Öffentlichkeit bringst, ist dir überlassen. Keine Deadline, kein Rumgestreiche irgendeines Fuzzis in deinem Text. Und eine Story kann man auch mal zwei Jahre vor sich herschieben.

Nicht ganz so lang hat es gedauert, um zur Abwechslung mal über Zuckerrübenbrände zu berichten. Yes, das ist sozusagen der letzte Schrei der deutschsprachigen Obstbrenner. Zuerst haben sie Whisky - tschuldigung Single Malt - neu erfunden, dann warf jeder seinen Gin auf den Markt und nun gehts in breiter Front an Rum. Das soll ja das ganz große Ding sein (wad! berichtete bereits). Ganz innovative Vertreter verzichten auf den Ankauf von Zuckerrohrmelasse und geben sich dem regionalen Grundstoff, der Zuckerrübe bzw. der Zuckerrübenmelasse hin.

"Braucht's das?" sollte der geplagte Leser an dieser Stelle fragen und ich sage: "Ja". Zwei Exponate stehen zur ausgiebigen Verkostung auf dem Tisch. Zum einen der RUMour Of Switzerland namens The Last Barrel. Witzigerweise habe ich eine Flasche der ersten Single Cask-Abfüllung mit Nummer 1 davon ergattert - sozusagen The First Barrel (56%, 0,7l ca. 150 Sfr.). Aber genug der Wortklauberei. In der Schweiz wurden die gängigeren Varianten White, Gold (je 42%) und Strong White (60%) schon kräftig in Barkreisen beworben (0,7l je 60-70 SFr). Mir fiel ein Flascherl von Barrel No. 1 im Zürcher Ladengeschäft von Glenfahrn in meine zittrigen Hände, wo sich der kompetente Verkäufer gleich noch die letzte dort erhältliche Flasche mit den (sinngemäßen) Worten "Der erste Schweizer Rum!" unter den Nagel riss. Guter Mann. Und guter Stoff! Der Alpenrum geht ab, hat Biss und Körper und - für ein recht jugendliches Premium Zuckerrübendestillat  auch eine schöne Länge. Ein klein wenig Wasser und noch mehr Luft verbessern das Sipping-Erlebnis maßgeblich. Stichworte: trockene Eiche, leichte Süße, herbe Zitrusschalen. Dass das Singlecask im Gegensatz zu den Standards ohne Zuckerung auskommt, darf ich lobend hervorheben. Mehr davon, bitte!
 
Weniger loben muss ich die Homepage, die außer einer fraglichen Story beginnend in 1773 mit einem Seefahrer (!) über Napoleon (!) bis zu einem Herrn Fässler, dem "wahrscheinlich" ersten Produzenten des geheimen Rezepts (das just 2014 in einem antiken Keller wiederentdeckt worden ist). Leider ist der schon 1841 verstorben. Infos zum heutigen Produzenten etc. finden sich nicht. Eine Emailanfrage an Glenfahrnboss Messmer blieb unbeantwortet. Das alles erinnert an die Anfangszeit von Monkey 47. Naja, dann wird der Erfolg wohl auch ein durchschlagender sein... What a drink! oder Uf wiederluege!

Aus der Schweiz hüpfen wir nach Österreich. Genauer nach Niederösterreich. In Göttlesbrunn nicht weit von der Donau und der Römerstadt Carnuntum betreiben Grete und Birgit Wiederstein eine "Weiberwirtschaft" und produzieren Weine und Destillate. Besonders interessant erschien mir ein Old Stone genanntes Destillat aus Zuckerrübenmelasse (43% (früher 46%), 0,5l ca. 45 EUR). Zitat Frau Wiederstein: "Ein Produkt mit Erdung und heimischer Verwurzelung". Äh ja, so schmeckt das blasse Ding dann auch. Die Nase ist unerwartet intensiv mit einem süßen Touch wie ein schottischer New Make (ohne dass ich jetzt Hunderte davon probiert hätte). Im Mund - nunja - würde ich auf Rübe tippen. Erdig ist der Brand und jugendliche Holzaromen lassen sich ebensowenig verleugnen wie ein Eindruck von einem Obstler. Insgesamt nicht unangenehm, aber eher Medizin als Rum. Auch hier tut etwas Sauerstoff gut. Irgendwie könnte der auch aus vergorenen Rüben - statt aus Melasse - sein. Die Infos auf der Homepage geben hier etwas mehr Auskunft - z.B. findet die Fassreifung auf einer Zille auf der Donau statt. Aha. Eine Turboreifung wie in den USA scheint das aber nicht zu sein - eher ein Gegenentwurf. Das Packaging hat sich offenbar auch geändert. Die schwarze Flasche mit dem Wachsklecks finde ich sehr gelungen.

Da mich der alte Stein nicht gepackt hat und mich Gin Gini nicht die Bohne interessiert, wollte ich statt einem Interview mit der Brandstifterin (ja, heut ist Tag der Wortspiele) die Obstbrände von den Wiedersteins nicht unversucht lassen. Marille (40%) und Rote Williamsbirne (41%) habe ich mir ausgesucht, aber leider haben mich beide nicht vom Hocker gerissen. Ja, saubere, klare Brände. Filigran und reinsortig. Aber auch kurz und leicht. A bisserl dünn. Schade, dass es keine Abfüllungen mit über 43% Vol. gibt (0,2l ca. 20 EUR).
Zum Schluss gibt es aber noch was Rustikales für den abgestumpften Gaumen des Testers: Einen 9jährigen deutschen Kirschbrand von einem belgischen Abfüller in Fassstärke! Bingo.
Das Brett kommt mit 51,9% Vol. (0,7l für 85 EUR) von Beacon Spirits und nennt sich Single Cask Cherry Spirit. Auf Nachfrage konnte mir Patrick Proth aber nur mitteilen, dass er den Stoff von seinem Importeur gekauft hat, der das Fass schon länger im Warehouse hatte. "Kersenthee op steroïden" überschrieb Mark Dermul 2016 sein Review und das kommt ziemlich hin. Großartige Kirscharomen vor trockener Eichenkulisse. Keine Vanille, keine Kokosnuss oder sonstwas störendes. Ölig und von sehr guter Länge. So geht Obstbrand, Freunde der Brennblase! Whatadrink!

Samstag, 11. März 2017

What to do with Vermouth? oder: We don't tell bullshit

Stimmt. Zu Vermouth, Aperitifdrinks undsoweiter habe ich mich hier schon umfassend ausgelassen. Auch die Marke Giulio Cocchi wurde schon ins rechte Licht gerückt. Aber ein schöner Nachmittag im mit altgedienten und jungen Barleuten pickepacke voll besetzten Les Fleurs Du Mal unter dem Motto "What to do with Vermouth?" ist mir Anlass genug, auf die eine oder andere Nuance des Themas hinzuweisen.

Roberto Bava, Kopf und Gesicht von Cocchi ging mit den aufmerksamen Gästen zuerst mal einen feinen Teller durch, auf dem wir uns von milden Pinienkernen, über Pistazien und Mandeln zu knackigen Piemonteser Haselnüssen, herzhaften Walnüssen und letztlich Schokoladenkreationen wie Nougat, mit Kuvertüre überzogene Zitronen und Orangenstreifen und letztlich den sehr geilen gediegenen Cocchi-Pralines sowie Parmesan in zwei verschiedenen Reifegraden vorarbeiteten. Dazu wurden Cocchis Americano, Cocchi Rosa, Storico Vermouth Di Torino, Dopo Teatro (Vermouth Amaro) und Barolo Chinato gereicht (in dieser Reihenfolge). Das war ziemlich gut und ein prima abgestimmtes und passendes Aperitif-Set. Begleitet wurde der Spaß neben einem Sprizz auf Cocchi Rosa Basis (serviert von Schumann-Barmann Ferdinand Lammerer) mit einem Glas eines feinen Bianc D'Bianc aus der Alta Langa DOCG. Cocchi hat auch diverse Schaumweine im Programm - inkl. der süßeren Asti und Brachetto D'Acqui. Davon ist in Germania allerdings nur ein Spumante erhältlich. Schade drum, der Brachetto ist m.E. ein Killer. 

A propos DOCG - nach zwei Jahren Vorbereitungsarbeit steht die gesetzliche Anerkennung von Vermouth Di Torino als eigene Appellation kurz bevor. Dabei hat Bava sehr intensiv mit den Nachbarn aus dem Hause Martini zusammen gearbeitet. Ohne den Marktführer mit über 90% Marktanteil geht nichts. Jedoch sieht der Riese selbst auch die Notwendigkeit des Produktschutzes in Zeiten, in denen jeder zweite Winzer hier und da einen Vermouth an den Start bringt.

Am Start hat Cocchi auch ein Cocktailbuch, das ich dem geneigten Leser ans Herz legen möchte: In La Miscelazione Futurista - Futurist Mixology - dokumentiert Fulvio Piccinino auf über 300 Seiten in italienischer UND englischer Sprache, die Geschichte und Rezepte, der von der (Künstler)Gruppe Futurismo zwischen 1925 und 1935 (!) entwickelten 18 Cocktails. Die Rezepturen werden im historischen Original und einer aktuellen Präsentation wieder gegeben. Wer auf ernsthafte Drinks mit Bestandteilen wie Absinthe, Grappa, Gin, Kümmel und Anisette (Sambuca) steht, kommt ebenso auf seine Kosten, wie Freunde der - Entschuldigung - Banane, die im "Il Rigeneratore" (Foto unten) ein anregendes Getränk finden werden.

Gänzlich ernsthaft blieb man bei Cocchi bei der Findung einer Kreation zum 125sten Geburtstag von Firmengründer Giulio Cocchi in 2016. Eine Riserva sollte es sein. Doch was erwartet man von einer solchen? Tannine? Oxidation? - Cocchi fragte Barmenschen und Connaisseure rund um den Erdball und stellte fest, dass ein fassgelagerter Vermouth gar nicht unbedingt gefragt war. So kam es zur "Riserva La Veneria Reale", deren königlicher Namenszusatz vom Anbau bestimmter Botanicals im herrschaftlichen Park der Reggia di Veneria Reale stammt. Oder wie Roberto Bava sagt: "We don't tell bullshit - we don't sell bullshit" - ein Motto, dass sich manch anderer Hersteller in der Branche auch mal zu Herzen nehmen sollte. Das Ergebnis ist ein wahnsinnig balsamischer, cremiger Vermouth - herrlich ausbalanciert und mit leichtem Minztouch. Leider wurden vom ersten Vintage - gelagert wird das Ding mehrere Monate, aber nicht in Holz - nur knapp über 1800 Flaschen gemacht, von denen 500 über den Palast und dessen Shop vertrieben werden/wurden. Der Rest ging über Cocchis Vertriebswege in die ganze Welt und so kann sich glücklich preisen, wer z.B. eines der 48 für Deutschland reservierten Exemplare in seinem Weinkeller hat. Da sollte der Schatz auch vorerst bleiben, handelt es sich doch zunächst mal um einen hervorragenden Wein, dem ein wenig Nachreifung nicht schadet. In 10-20 Jahren werde ich mich hierzu wieder melden. Bis dahin: whatadrink!

Montag, 15. August 2016

Caperitif und Swaan Tonic aus Südafrika

"So bittersweet
this whole thing
so bitter sweet"

(New Model Army "Bittersweet" 1983)

wad! war mal wieder auf Weltreise. Stimmt nicht ganz. Unterwegs in Südafrika war letztes Jahr Max Hildebrand (Goldene Bar, München). Bevor ich von Maxens Trip zum Kap gelesen und sein Foto einer ziemlich gut aussehenden Flasche auf Facebook gesehen hatte, war mir irgendwo in den Weiten des www schon der Caperitif begegnet. Cooler Name, geiles Etikett und ein Vermoed? Die Kombi verursachte schon erhöhtes Kribbeln - zumindest bei mir.
Vermouth hat sich in den letzten Jahren zwar nicht unbedingt neu erfunden, aber im Zuge einer kleinen Welle wurden eine ganze Reihe neue und wieder entdeckte Marken in die Regale und Kühlschränke der gehobenen Trinkinstitute gestellt und auch die Platzhirsche haben mit Sonderrezepturen/-abfüllungen ihren Senf dazu gegeben. Gut so. Sehr gut so.

Am Rande dessen fiel auch ein bisschen mehr Licht auf die Weinaperitife dieser Welt, z.B. die Bitters, Quinquinas und Aperitifs à base de vin. Andere Exoten wie Amaro und zuletzt Aquavit dürfen auch a bisserl mehr tröten.

Caperitif - The Ghost Ingredient

Caperitif - Ein Name der mir in zwei Publikationen aufgefallen war. Zum einen wird er in Ted Haighs "Vintage Spirits And Forgotten Cocktails" unter den Rest-In-Peace Cocktail Ingredients geführt - zum anderen beinhaltet das ebenso nicht gerade unbedeutende "The Savoy Cocktail Book" von Harry Craddock eine Reihe von Rezepturen mit Caperitif. Später habe ich festgestellt, dass noch etliche Cocktailbücher wie z.B. Tarlings "Café Royal Cocktail Book" u.a. Caperitif verwendeten (mehr Quellen und zur Schreibweise). Die Spur des seinerzeit als Wine Aperitif bezeichneten Caperitifs verlor sich offenbar irgendwann Ende der 1930er Jahre. Aber vielleicht graben eifrige Cocktailhistoriker noch mehr aus, als die drei Flaschen, die zuletzt in England über den Tresen gingen. Die einhellige Meinung ist zumindest im Moment, dass sich das Ganze im Bereich von Lillet Blanc (in seiner damaligen Rezeptur als Kina Lillet) und Dubonnet Blanc abgespielt hat.

Der Spur gingen vor über zwei Jahren auch der dänische Barmann Lars Erik Lyndgaard Schmidt (den ich beim Segeln in Schweden erreicht habe), der vom Caperitif bei seinen mixologischen Studien in New York gelesen hatte, und Adi Badenhorst, Chef des südafrikanischen Weinguts A.A. Badenhorst, nach. Die beiden hatten über gemeinsame Freunde in Südafrika zusammen gefunden. Aber nicht nur das. Das Resultat ihrer Entwicklungsarbeit ist die 21st-Century-Version des Caperitif. Ein Quinquina (der in der ersten Begeisterung missverständlich als soet vermoed - also süßer Vermouth - bezeichnet worden war), der mich total begeistert. Neben Chinarinde stecken noch 35 weitere zumeist lokale Botanicals in der Flasche bzw. im Rezept. Das ergibt zusammen gefasst: Süß-weiniger Antritt, frisch-würziger Übergang in ein langes, bitteres Finale. Komplex. Oh ja! whatadrink!

Das Ding (17,5% Vol.) funktioniert erstklassig solo, als Longdrink oder in allen Ginkombinationen (Negroni!) bzw. als Ersatz für Vermouth oder in klassischen Drinks, die nach dem Ur-Lillet verlangen, etc. etc. Mir persönlich reichen ein paar Stücke Eis für ein bittersüßes Vergnügen.

@Nerds: Caperitif wird in relativ kleinen Batches produziert und abgefüllt, die aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit ihrer natürlichen Bestandteile in ihrer Aromatik voneinander abweichen können. Watch out for Batchnumbers...

Swaan Cape Tonic Water

Wer heute einen ambitionierten Gin erzeugt, sollte über Empfehlungen für das passende Tonic nachdenken oder - noch besser - ein eigenes Tonic entwickeln. Badenhorst hat das auch ohne eigenen Gin getan und ein Craft Tonic namens Swaan gelaunched. Ergänzend hinzugefügte Limette, Kardamon und Minze ergeben ein rundes Tonikum. Verdammt - das ist auch gut. So gut, dass ich das wie Limo wegnuckle - auch ohne Wacholderschnaps.
Während die vorzüglichen Weine von A.A. Badenhorst in einigen deutschen Onlineshops zu haben sind, gibts den Caperitif derzeit (noch) exklusiv hier. Eine andere Quelle im UK ist hier zu finden - dort kann man (wenn man artig nachfrägt) auch das Swaan Tonic beziehen.



Donnerstag, 28. Juli 2016

Wiedervorlage: Mezcal und Raicilla

"Ich liebte ein Mädchen in Mexico,
die hat einen runden sexy Po."

(Insterburg & Co., "Ich liebte ein Mädchen", 1973)

Zurück in unsere Breiten - genauer nach München. In der Goldenen Bar trafen sich diese Woche einige bairische Mezcaleros, um den Worten von Axel Huhn (Mezcaleria) zu lauschen, der mal wieder aus Berlin angereist war. Seine Mission: Das Wissen der Südländer in Sachen Agavenschnaps auffrischen bzw. erweitern!
Mezcal (= gekochte Agave) hat in vielen deutschen Bars mittlerweile Einzug gehalten. Mixgetränke sind dabei in erster Linie gefragt und dafür werden i.d.R. preisgünstige Abfüllungen verwendet, die ich (beschönigend gesagt) ziemlich langweilig finde. Music for the masses eben. Echter Mezcal, der auch wirklich als Craftprodukt gilt, weist im Gegensatz zum Low-Budget-Brand einige wesentliche Attribute auf - z.B. Alkoholgehalt von 46 bis knapp über 50% Vol., Nennung von Agavensorte/ Brennmeister/ Ort der Herstellung/ Art des Brennapparats/ Größe der Produktionsbatches nur einige hundert Flaschen/ traditioneller Erdofen/ natürliche Wildhefen/ etc. Aber darüber wurde hier ja schon in der Vergangenheit berichtet.
Während sich die Fortbildungshungrigen mit den ersten Mezcalproben versorgten, erläuterte Axel Huhn u.a. den Terroirbegriff beim Mezcal. Hier trifft die regionale Herkunft der (Wild)Agaven, die jeweils ein spezielles Mikroklima oder auch eine Symbiose mit anderen Pflanzen beanspruchen, auf das Terroir der Destillerie, die für den Erdofen, in dem die Agaven geröstet werden, lokal vorhandenes Hartholz verwendet, auf ihre traditionelle Brennblase (Keramik, Kupfer, Holz, Kombinationen) vertraut und nicht zuletzt nur die örtlich vorhandenen Hefen zur Gärung zulässt. Diese beiden Terroirs überlagern sich sozusagen und machen neben der Jahreszeit der Destillation, den verwendeten Agaven selbst und der Arbeitsweise und dem Können des Mezcaleros das Endprodukt aus. Es gibt also viele Parameter, die zum Topmezcal führen (können). 

Einige sehr gelungene Destillate standen in der Verkostungsrunde zur Verfügung - ich fasse mich kurz:

Für die bekannte "Alipus"-Serie gibt es Neues. Wir hatten eine Probe, des Mezcals (47,5% Vol., 100% Espadin) aus den Händen von Don Valente Ángel García Juárez: Ölig und cremige Textur, feine Nase, trocken und rund. Steht den anderen "Alipus"-Qualitäten in nichts nach. 

Der Koch Mezcal aus der Tepextate Wildagave (47% Vol.) hatte es mir aufgrund seiner betörenden Nase zunächst schwer angetan. Mit der Zeit im Glas legt sich das Erlebnis aber und es verbleibt ein bodenständiger Brand mit etwas mehr Süße und angenehmem Rauch.

Getöpferte Keramik Potstills kennen wir schon von Real Minero. "Raicilla La Venenosa" hat in eben solchen gebrannten Raicilla im Programm. Raicilla? Ganz ruhig, das ist kein neuer Nerdkram, sondern nur Mezcal aus Jalisco statt aus Oaxaca. Der verprobte Sierra Del Tigre (46,5 % Vol.) überrascht mit viel zerkochtem Gemüse in der Nase (mancher wittert gar Käsefüße), entwickelt sich dann aber im Mund zu einem wonnigen Honigvergnügen. whatadrink!

Das gleiche Urteil dann beim Star Of The Show, der auch aus einer Töpferbrennblase kommt: Mezcal Vago Blanco Y Negra (51,6% Vol., Batch: 176 Liter) aus 25 bzw. 45 Jahre alten Agaven. Das ist ein eleganter Gaumenschmeichler mit großer Balance zwischen süßen und trockenen Noten und mit etwas Honig. Wie gesagt: whatadrink! Kleiner Gag am Rande: Da offenbar keine weiteren so alten Agaven zur Verfügung stehen, empfiehlt man: "Save a bottle so your kids can compare it to the 2060 batch.". Ok. Die ersten Flaschen von Vago haben Europa erreicht. Die Mezcaleria wird ihn wohl auch ins Sortiment nehmen. 


Den krönenden Abschluss bildete der Real Minero Largo (47,8 % Vol.), der gegenüber den eben beschriebenen Feingeistern fast schon brachial rüberkommt. Ein Top-Top-Mezcal, intensiv, rauchig und fruchtig bei perfekter Balance. whatadrink!

Die Probanden weisen also alle einen Alkoholgehalt von mehr als 46% Vol. aus. Wie läuft das nun aber mit dem Alkoholgehalt, wenn das Batch vor der Abfüllung nicht mit Wasser auf Trinkstärke reduziert wird? Fachbegriff: distilled to strength. Der erste Destillationslauf - der Rohbrand - ergibt ein Destillat von rund 35% Vol. Beim zweiten Durchlauf steigt der Alkoholgehalt stetig von unter 40 auf über 60 oder gar 70% Vol. an. Der Mezcalero hat natürlich keinen Spirit Safe à la Scotch Whisky mit Meßskala zur Verfügung. Er trennt also einzelne Teile des Brandes sukzessiv in einzelne Gefäße - vornehmlich Plastikkanister - ab und vermischt diese einzelnen Bestandteile seines Batches dann nach visuellen und olfaktorischen Eigenschaften zum fertigen Mezcal. Die ungenießbaren Anteile von Vor- und Nachlauf werden dabei logischerweise abgetrennt. Der Stoff lagert dann zur Harmonisierung mehrere Monate oder gar Jahre in Glas-, Edelstahl- oder Tongefäßen bis zur Abfüllung in Flaschen.
Zum Schluss noch ein paar Worte zur sogenannten Agavenkrise. Aufgrund der Monokulturen für die Tequilaproduktion sind die Pflanzen anfällig geworden. Ernteausfälle bei gleichzeitigem Anstieg der Nachfrage führen zu Engpässen und zu steigenden Rohstoffpreisen. Das obere Diagramm zeigt die Auswirkungen einer 4jährigen Missernte. Die Nachpflanzungen führen dann wieder zu Überschüssen (Jahr 12). Im unteren Diagramm ist im Gegensatz dazu ein linearer Verlauf dargestellt. 

Agavenkrise hin oder her - Fakt ist, dass dank steigender Kosten der handgemachte Mezcal/Raicilla/etc. nicht billiger werden wird, sondern in absehbarer Zeit - gerade in Europa - regelmäßig deutlich über der 100-EUR-Grenze pro 0,7l-Buddel liegen wird. Blicken wir auf die Preise für heimische Obst/Wurzel/Gemüse-Premiumdestillate, für die ab 80 EUR pro 0,35l-Flasche aufgerufen werden, so ist das durchaus nachvollziehbar. Aber soll man nun in Mezcal investieren? Hm, warum eigentlich nicht?

Noch mehr zum Thema: Ein aktuelles Video der GuildSomm finden Sie hier.

Freitag, 6. Mai 2016

Compass Box - The Circus - A Blend Of Blends

"Klappern gehört zum Handwerk" oder auch "...zum Geschäft". Neben dem üblichen mal mehr oder weniger sinnfreien Marketingzirkus der Agenturen in Form von Facebookgedöns, Tweets, Launchevents, Pressemitteilungen etc. manifestiert sich diese allgemein anerkannte Redenart im Spirituosenverkauf auch über das Fallenlassen bestimmter Schlüsselwörter. Dieser Tage gehört "Sherry" in Verbindung mit "Dark" neben beeindruckenden Altersangaben sicherlich dazu, wenn es um Maltwhisky geht, und hilft dem einen oder anderen Konsumenten offensichtlich bei der Kaufentscheidung.

Die Whiskymacher von Compass Box waren in der Vergangenheit mehr durch künstlerisches Design und Cleverness, als durch plumpes PR-Geschrei aufgefallen und sind bekannt für Whiskyschönheiten wie The General oder den Last Vatted Malt, die mit inneren und äußerlichen Höchstwerten überzeugen konnten - zumindest mich.
Umso gespannter war ich auf die neueste Limited Edition namens The Circus, die nach Charlie Chaplins gleichnamigen Stummfilm benannt wurde ("If you are looking for rainbows, look up to the sky"). Im offiziellen Info wurde mehrfach von Sherryeinflüssen fabuliert. Ich hatte die Möglichkeit, schon vorletzte Woche eine der 2490 Flaschen zu ergattern - die offizielle Auslieferung läuft schon und der Stoff sollte in Kürze im Laden stehen.

Die Farbe ist nicht annähernd so dunkelrotgold, wie auf den offiziellen Produktfotos. In voller Alkoholstärke - übrigens mit 49% statt der in den USA vorangemeldeten 55% - geht es mit gelben, satten Früchten los. Vollreife Pfirsiche und so. Aber kein Alkoholstich, sondern eine weiche Nase, die eher floral statt sherrylastig rüberkommt. Mit Wasser haben wir etwas mehr Vanille und Eiche in der Nase, aber nicht von frischen Ex-Bourboncasks, sondern von Refillfässern. Gut. Luft braucht der Circus etwas mehr noch als Wasser, aber nach einer Woche hat sich der Blend in der offenen Flasche schon wieder weiterentwickelt. Zu seinem Vorteil, versteht sich. Der Whisky schmeckt reif (was auch immer das nun heißen mag) und es ist eine (so bescheuert das klingt) sehr gut eingebundene Sherrywürze da, die nie aufdringlich hervortritt. Konkret haben wir Ingwer und Geißblatt, etwas Frucht (die aber kaum greif- oder bestimmbar ist) und für besonders feine Geister auch etwas Bitteres. Defintiv ist aber Getreide da, allerdings in leichter Form und nicht schwer-malzig. Mit Wasser - auf keinen Fall zuviel! - wird das Ganze auch im Mund runder und feiner. Im Abgang ist der Circus sehr lang und die Eiche piekst nur ganz leicht - ganz weit weg. Das Stichwort lautet also: Balance - gerade in Sachen Sherryeinfluss.

Blend? Sherry? Wir schauen kurz im Compass Box Blending Lab vorbei: Dort darf man uns sagen, dass der Circus aus vier Bestandteilen kreiert wurde. Zum einen haben wir da zwei ältere Blended Scotch Whiskys, deren Bestandteile völlig unbekannt sind und die 57,2 und 1,4% der Gesamtmenge ausmachen. Zum anderen steckt ein Anteil von 26% eines ebenfalls länger gereiften Blended Grain (genaue Herkunft der Bestandteile ebenfalls unbekannt) und 15,4% eines Single Malt (Benrinnes) aus einem 1st Fill Sherry Butt im Mix. Die Altersangaben aller dieser 4 Teile darf Compass Box nicht rausrücken - siehe das Theater um This Is Not Luxury Whisky. Ein Age Statement ist nach SWA nur zum jüngsten Bestandteil möglich. Irgendwie hat die SWA die Rolle des Löwen in Chaplins Film inne (siehe unten): Sie hockt im Käfig, man hat Angst vor ihr, aber sie tut einem eigentlich nichts.

Ich vermute *hust*, und da stehe ich nicht ganz allein da, denn ein ausgesuchtes Tasterduo hat mich bei der Analyse fachmännisch unterstützt (Danke, Männer!), dass der Benrinnes eher ein 10-12jähriger Malt war. Bei den Blends tippen wir darauf, dass der Blended Grain vielleicht der älteste Bestandteil ist - Mitte der 1980er könnte der bzw. seine Bestandteile aus den Brennblasen getröpfelt sein. Die beiden anderen Blendeds dürften dann um 1990 gebrannt worden sein - oder auch nicht. Erschwerend kommt bei dieser Schätzung hinzu, dass die beiden letzteren Bestandteile ca. 2/3 ihrer Reifezeit in Refill Sherry Marrying Butts - also speziell ausgesuchten Gebrauchtfässern - lagen. Der Blended Grain hat mehr als 1/3 seiner Lagerzeit in eben einem solchen Butt gewartet. Puuh. Sie können noch folgen? Dann beantworten Sie doch die folgende Frage: Wie hoch ist der Anteil von Grainwhiskies an der Gesamtmenge? --- Die Antwort weiß ich auch nicht, aber ich vermute es sind mindestens 50%. 

Das entspricht dann auch unseren Feststellungen in Sachen Tastingnotes. Der 1st Fill Sherrymalt schlägt nicht durch. Der Circus, geblendet fast nur aus Blends ist ein sehr guter, feiner und perfekt strukturierter Blend. Er ist kein Crowdpleaser und schon gar kein Anfängerwhisky. Er ist auch keine Sherrybombe. Er steht aber in der Tradition der Arbeit eines Masterblenders hoher Schule (stelle ich mir zumindest so vor) und ist ein komplexer, geschliffener Gentleman. This IS Luxury Whisky, auch wenn einem der Tester der "Hammer" als durchschlagendes Kaufargument bei diesem Whisky fehlte. Und da hat er nicht Unrecht. Alle drei Maltisten kritisierten geschlossen den aufgerufenen Preis von UVP 235 EUR. Falls Sie den Circus also auf Ihrer erweiterten To-Buy-Liste haben, sollten Sie sich vor dem Kauf vielleicht mit einem Sample auseinandersetzen und klären, ob das wirklich "Ihr" Whisky ist.

Nun wäre ich eigentlich am Ende dieses Blogbeitrags, doch da flattert schon die Ankündigung des nächsten Compass Boxers rein (Enlightment) und aus dem Newsroom tickert die Meldung über einen 74er Bowmore für über 2.000 EUR. Was ein Zirkus!

Freitag, 1. April 2016

200 Jahre Lagavulin - Lagavulin 8 Years Old

Nun feiert also auch Lagavulin sein Bicentenary. Schön, aber eigentlich egal, wenn es da nicht eine erste Sonderabfüllung zum Jubiläum gäbe. "Ach was", sagen Sie und gähnen herzhaft. Das sei Ihnen gegönnt, doch der brandneue 8jährige, der für rund 50 EUR dieser Tage auch in die deutschen Fachgeschäfte kommen soll, hat es in sich. 
Von Refill American Oak ist die Rede. Auf fünf verschiedene wood types und maskierendes Hin- und Hergefinishe wird verzichtet. Fein, das bewahrt zu 100% den Charakter der, seien wir ehrlich, dann eben doch wieder geilsten Islaybrennerei. Die Flasche aufgerissen, strömt zunächst Krankenhausgeruch - präzise aus der Gipserei - in den Tastingraum. Dann das übliche Meeres- und Küstengedöns. Wie machen die das, wenn doch Diageo gar nicht alles vor Ort lagert? Mist, Mist, Mist... Nein, nicht in der Nase, da bleibt er frisch. Im Mund dann etwas Süße, aber längst kein Virgin/Bourbon-Vanilleschock. Rauch und alles was dazu gehört. Dabei bleibt der junge Kerl verdammt ausgewogen und immer auf der trockenen Seite - kein (sorry) Crowdpleaser. Langes Finish. 
Fazit: Ja, so lässt es sich feiern! Kein PR-Generve und wochenlanges Abnutzen der F5-Taste. Einfach guter, öliger Whisky in perfekter Trinkstärke (48% Vol.), der eher Luft statt Wasser braucht, und der in offenbar größerer Menge (Ich hörte von 20.000 Flaschen) für nen schlappen Fuffi zu haben ist. Perfekter Körper und elegant trotz aller Kraft. So erinnert der Lagavulin an Clairin, Spitzenmezcals und Kilkerran - ist eben ein Topspirit, der das Niveau der 12yCS mitgehen kann. SO macht man das! Whatadrink!

Freitag, 25. März 2016

Rum von Compagnie Des Indes

Falls Sie sich wundern, dass ich noch nichts zu den Rums der Compagnie Des Indes (CDI) geschrieben habe, hat dieser unrühmliche Zustand nun ein Ende, denn vor ein paar Wochen weilte CDI-Boss Florent Beuchet auf Einladung von Liquidtasting im Münchner Patolli, um eine ausgebuchte Masterclass zu halten. Das habe ich mir nicht entgehen lassen und konnte so einige Infos zusammentragen, um die vielleicht schon bekannten Artikel hier und da zu ergänzen bzw. einige Neuigkeiten anzufügen.
 

Florent Beuchet, der einen Wein- und Absinthebackground hat und zwei Jahre für Banks Rum in New York gearbeitet hat, macht eigentlich nichts Neues: Er kauft Rumfässer aus verschiedenen Quellen, kreiert eigene Blends und füllt besondere Rums als Einzelfassabfüllungen ab. Von letzteren sollen es von 2014 bis zu unserem gemeinsamen Tastingtermin 34 Stück gewesen sein. Respekt. Alle CDI-Rums wurden übrigens nicht kältefiltriert.

Wir beginnen mit einem jungen Blend namens Caraibes. Der besteht aus drei- bis fünfjährigen Melasserums aus drei Ländern - Barbados, Trinidad und Guyana - aber aus 4 Destillerien. Obwohl hier eine Dosage - sprich ein Zusatz von Rohrzucker - von 15 Gramm/Liter zugegeben wurde, ist der Caraibes nicht zuckrig und in Zukunft soll er auch keine Färbung (mittels Farbstoff E150) mehr bekommen. Letzteres hat er auch nicht nötig - schließlich verwendet CDI nur grüne Flaschen. Habe ich schon geschrieben, dass das ein sehr schöner und runder Rum für unter 30 EUR ist?

Absolut brauchbar und absolut nicht langweilig ist der Latino. Ebenfalls ein Rumblend, der zum Großteil aus Guatemala-Rum aus dem Hause Botran/Zacapa besteht, welcher bekanntlich aus sog. Virgin Cane Honey destilliert und in Virgin Oak-Fässern gelagert wird. Der Rest im mindestens fünfjährigen Blend kommt wieder aus den beim Caraibes verwendeten Quellen. Die Lagerung dieser Rums fand aber in Ex-Bourboncasks statt. Der Latino kostet in unseren Breiten derzeit ca. 35 EUR. Auch das ist ein fairer Preis für einen gut gemachten, ungefärbten 40%-Rum (der auch mit 15 g/l Rohrzucker abgerundet wurde). Ist der Im Abgang sogar etwas kürzer als sein Bruder? Egal, ich hab schon viel zu viel über Blends geschrieben...
Aber der nächste Rum ist ja auch wieder ein Blend. Diesmal kommen 5jährige Potstill-Destillate aus den jamaikanischen Betrieben Worthy Park, Monymusk, Hampden und - äh - Wray&Nephew/Appleton (?) in das Blendingfass und werden letztlich auf 43% Vol. reduziert. Die Nachzuckerung beträgt 10 g/l und der Rum heißt passenderweise Jamaica. Feiner Stoff für ebenfalls rund 35 EUR. Mich erinnert er an süßes Gebäck. An dieser Stelle fällt mir noch ein, dass Maitre Beuchet erzählt hat, dass er die Reduzierung auf Trinkstärke in Schritten von 5% pro Woche vornimmt. Beim 57%igen Jamaica Navy Strength geht das also etwas schneller über die Bühne. Dessen Bestandteile sind die gleichen wie in der 43er Version, nur entfällt hier die Nachzuckerung. Kurzum: Ein Jamaika-Potstill-Knaller! (Preis ca. 40 EUR) - Whatadrink!

Sie wissen was sich hinter dem Begriff Batavia Arrak verbirgt? Gut. In Deutschland sind einige hochprozentige Arraks verfügbar, die zur Verwendung in einem winterlichen Heißgetränk durchaus taugen. Aber ein zehn Jahre gelagerter Arrak aus Indonesien? Den hat nur CDI im Programm. Fünf Fässer (Ex-Heaven Hill-Bourbon) konnte sich Beuchet sichern (die genaue Herkunft hält er geheim) und deren Inhalt sind die rund 60 EUR pro Flasche wert. Cremiges Zuckerrohr, Zuckerrohr und Zuckerrohr und dazu Vanille, exotische Gewürze undundund... Die 43% Vol. waren übrigens annähernd die Fassstärke.

Dahinter müssen - zumindest in meiner kleinen, versauten Rumwelt - der grundsolide Barbados Rum von Foursquare (12 Jahre alt, 45% Vol., ca. 60 EUR) und der fruchtig-trockene Haiti aus dem Hause Barbancourt (11 Jahre, 59,4% Vol., ca. 70 EUR) etwas zurückstehen.

Zum Abschluss der Vorstellung kam dann noch ein besonderes Schätzchen ins Glas. Ein Demerararum aus der Port Mourant Still mit 13 Jahren und mit satten 58% Vol. Dieser Guyana kommt - ähnlich wie die Diamond 2003s von Duncan Taylor - mit geringem Holzeinfluss würzig, teerig, ölig und eben spirit driven daher. Um es auf den Punkt zu bringen: Ziemlich geiles Zeug. Ein nicht unbedeutender Whiskyblog hatte ein Schwestercask kürzlich mit Lob überschüttet - ich kann das nachvollziehen. Whatadrink!

Florent war übrigens so freundlich für die Veranstalter ein passendes Tastingpaket zu kreieren, das man hier ordern kann. Was gibt es sonst Neues? Zum einen wird es eine Einzelfassabfüllung nur für den deutschen Markt (Juhu!) und zum anderen einen Nachfolger für den heißbegehrten und längst ausverkauften Boulet De Canon (Ex-Scotch-Whisky-Fassfinish - Talisker) geben. Der Boulet De Canon 2 kommt mit 50% Vol. aus einem Ex-Caol Ila-Fass und wird im April 2016 erwartet. In seinem Lager, so gab Monsieur Beuchet mir bereitwillig Auskunft, hat er aktuell knapp über 30 Rumfässer. Genug also, um uns in den nächsten Jahren weiter zu versorgen. 
Sorgen machen mir aber die Preise. Die Lagerbestände der Destillerien und Caskbroker bei den über 10jährigen Rums sind kaum mehr der Rede wert. Die wenigen "alten" Fässer werden also im Preis weiter steigen und auch CDI wird die bislang moderaten Preise auf Dauer nicht halten können. Galt kürzlich noch der Satz "Rum ist noch viel günstiger als Whisky", so haben die Preiskorrekturen einiger Rumabfüller dies bereits jetzt ad absurdum geführt. Für manch 6- oder 10jähriges Destillat (oder gar für Solera-aged Rum aus der DomRep) werden da doch locker mal 150 bis 250 Euro aufgerufen. Für Anleger und Spekulanten gilt also: Kauft mehr Rum! Für den Genießer gilt natürlich: Trinkt mehr Rum!

Update: Für wirklich raren Stoff muss man auch mal die Portokasse plündern (s. Screenshot).




Kleingedrucktes: Ich wurde zu der o.g. Veranstaltung eingeladen. Niemand hat mich gezwungen diese Lobeshymne zu schreiben. Wahrscheinlich krieg ich auch nix dafür. Mist.