Sonntag, 29. September 2013

Sake @ Les Fleurs Du Mal

"Hey komm doch mit nach Tokyo
Hey Mädchen denn ich will es so."

("Tokyo, Tokyo", Die Raketen, 2004)


Was für eine Pisse! - Nein, diese Aussage richtete sich weder gegen Sake noch gegen die Drinks im Les Fleurs Du Mal, sondern lediglich gegen das Vor-Wiesnwetter in München. Dauerregen und junge Menschen mit Comme De Fuckdown-Jacken in der U-Bahn. Immerhin ein wenig francais das Ganze.

Und ich nehme es gleich vorneweg: Das wird jetzt kein ewig langer Vortrag über Japan, Saketradition und -herstellung und erst recht nicht über Charles Schumann und sein neues Department namens Les Fleurs Du Mal. Warum? Zum einen weil Sakemeisterin Yoshiko Ueno-Müller erst kürzlich in der FAZ das Wichtigste über Sake ausgeplaudert und zudem eine wahre Sakebibel namens Sake - Elixier der japanischen Seele verfasst hat und zum anderen weil die Bar im ersten Stock der Bar am Odeonsplatz erst Ende Oktober ihre Tore öffnet.

Eine neue Goldgrube für das Charlessche Imperium? Auch hier ein deutliches Nein, denn es geht offiziell ganz einfach um Drinks. Die sind laut dem viel besungenen Bar-Übervater in der Bar im Erdgeschoß immer mehr in den Hintergrund gedrängt worden, da diese Bastion der Barkultur zu einem "Speiselokal" (Zitat C. Schumann) geworden ist. Wird da einfach zu gut gekocht? Egal. Im Obergeschoß gehts dann nicht mehr ums Sehen oder Gesehenwerden. Barmann Dietmar Petri - von seinem Chef kurz Timmi (!) gerufen - serviert dort den an einer gigantisch langen Tafel, die am Stück aus einem Baum gearbeitet ist, sitzenden Gästen Ausgesuchtes aus Frankreich. Cognac zum Beispiel. Oder Champagner. Oder Vermouth. Oder Absinthe (aber hoffentlich nicht den prominent aufgestellten Fleurs Du Mal-Industrieabsinthe). Und andere gemischte und gerührte Köstlichkeiten. Wenn die Bar dann mal öffnet und sich die Tischlampe auf der Backbar nicht alle 3 Minuten selbsttätig aus- und wieder anknipst.
Zurück zu den Müllers und einigen Sakeabfüllungen, die man extra für das exklusive Fachpublikum an diesem Nachmittag ausgesucht hatte. Mein ernüchterndes Fazit nach sieben Proben: 1. Sake ist mehr als ein stiller Essensbegleiter oder gar nur ein leichter Aperitif. 2. Leider verhält es wie bei vielen anderen Genussmitteln: Der außergewöhnlich gute Stoff hat seinen Preis. Meine Favoriten waren der leicht süße und runde Dassai 50 (google auch Dassai Bar) und der Bijofu Junmai. Als absolute Knaller, wenn man bei einem Getränk mit 2000jähriger tradition einen solchen Begriff benutzen darf, entpuppte sich der gelagerte Kirin Vintage 2012, der Haselnuss- und Milchschokolade in die Nase und auf den Gaumen bringt und dabei wunderbar leicht und klar bleibt, und der Fukuju Yuzu-Sake Likör (eindeutige Yuzufrucht, leicht, langes Süße-Säure-Spiel). whatadrink!

Ob Sake in der neuen Lokation nun auch eine Rolle spielen wird? Wir werden es sehen. Das kleine Tasting war auf jeden Fall ein gelungener Pre-Opening-Event und außerdem hat mir Charles zum Abschied in die Backe gekniffen. Vielleicht braucht er ja mal nen Aushilfskartoffelschäler oder so...

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