Sonntag, 16. September 2012

Alkoholverbot? Hochball? Wie bitte?

Einen ganz großartigen Artikel seiner Printausgabe, den ich gerne nochmal gelesen habe, hat "Mixology" heute auf seiner Onlinepräsenz veröffentlicht. Es geht um den Longdrink als solchen und natürlich auch um den Highball und das jeweils geforderte Glas im besonderen. Im Ernst: An Tagen, an denen unsere europäischen Nachbarn den Verkauf von alkoholischen Getränken verbieten (Gilt das auch für die Gastronomie? Gerade dort wird doch viel gepanscht?), beschäftigt sich das führende (Bar)Magazin mit dem Begriff Highball?
 

Ja, und das ist auch gut so. Es sind die Zeiten, in denen wir innehalten sollten und uns auf das Wesentliche, auf die Details des Alltäglichen, konzentrieren sollten. Autor Peter Eichhorn sieht in "Das Getränkebuch" nach und hat auch seinen Schraemli auf den Knien als er dem Begriff Highball nachjagt. Das verleitet zu einer Minirechercheschmökerei in anderen wegweisenden, deutschsprachigen Sachbüchlein. 

"Mix Mit Mir - Das Cocktailbuch für alle Gelegenheiten" kommt seinem Anspruch ziemlich nahe und weist schon 1962 den Gin und Tonic aus, der "eine Schnitte Zitrone" enthält. Aber weiter: "In ein 1/4-Liter-Glas gibt man die Zutaten und füllt mit Mineralwasser (Tonic-Water) auf." Hm. Vergessen wir das Wasser mal, so kommen wir der Sache schon ziemlich auf den Grund: Das 1/4-Liter-Glas. John W. Smith (Barkeeper) schreibt in "So mixe ich für meine Freunde - Ein Cocktailbuch" Sätze wie "Die Holländer nehmen statt Gin Genever." und serviert den Gin and Tonic ganz nonchalent im "Tumbler (Whiskyglas)". In selbigem fände man dann auch "eine Scheibe Zitrone ohne Schale und ohne Kerne". Lobenswert! Aber da hätte er lieber mal bei Wikipedia nachgegooglet der Herr Smith.

Dort verweist der deutsche Eintrag auf F. Scott Fitzgeralds Werke, wo unser Highball zum Inventar gehören soll. Dazu müsste man bei Gelegenheit in "Der große Gatsby" nachlesen. Tu ich jetzt aber nicht und schau mir auch nicht den passenden Streifen "Highball" an, sondern blättere lieber online im "Field Guide To Cocktails" von Rob Chirico, wo auch gleich der Lowball erklärt wird. Ha! Tumbler, hä?

Es ist wohl wirklich so, dass es - ganz unspektakulär - nur um ein relativ hohes, schlankes Limonadenglas ging. Obwohl... In "Wir mixen!" vom VEB Fachbuchverlag Leipzig wird der Whisky bzw Gin für den Whisky-Soda bzw. den Gin-Soda im Becherglas oder Kognakschwenker serviert und dem Gast die Möglichkeit gegeben, "durch Auffüllen mit Sodawasser... das Getränk selbst zu vollenden...". Sehr schön und sehr richtig. Und doch haben wir hier wieder den vermaledeiten Schwenker (oder eben das Ballonglas), der schon Herrn Eichhorn zu schaffen machte. Egal - wir wollten ja innehalten...

Zum Abschluss noch ein Tip aus der letztgenannten Publikation (die ich uneingeschränkt empfehlen kann): "Nach Wunsch Eisstücke einlegen."

Mittwoch, 5. September 2012

Ardbeg Galileo @ Bar Gabányi

"Wie heißt der Neue da jetzt? Galaxy?" Jaaa, einem Bill Deck kann man mit ner Rakete auf der Straße und einer ganzen Rotte Models in Rennanzügen Raumanzügen nichts vormachen. Aber fangen wir doch am Anfang an.

Am Samstag fiel der internationale Startschuß für "Ardbeg's" 2012er Limited Edition namens Galileo. Am Montag wurde der Astrowhisky dann offiziell in Münchens brandneuer "Bar Gabányi" vorgestellt. Aber was heißt vorgestellt? Es gab Raumfahrerpuppen, Raumfahrerinnen, Mondlandschaft und Spacebarbeque nebst Grillmeistern in silbernen Anzügen, dazu eine meterhohe Rakete auf einem Lieferwagen und natürlich einen Gastgeber. D.h. es gab zwei, denn zum einen begrüßte Namensgeber und Chef Stefan Gabányi die Gäste und zum anderen war ja Hamish Torrie da. Der ist sozusagen der oberste Marketingmann von "Glenmorangie" und "Ardbeg" und war damit der höchstdekorierte Whiskyfachmann unter der anwesenden Fachschaft "Scotch".

Torrie waltete dann unter großem Applaus seines Amtes und erklärte Gabányis neues Reich im Untergeschoss zur "Ardbeg Embassy" inklusive Fahnenübergabe und Blitzlichtgewitter. In diesen Hallen wird man also in Zukunft den edelsten Stoff vom schroffen Eiland Islay (Verzeihung) kredenzen und zwar vor allen anderen. Hurray!

Den Anfang durfte also der Galileo (49% Vol., ca. 90 EUR) machen. Ein 12jähriger "Ardbeg" mit rund 30%igem Anteil von in sizilianischen Marsalafässern gelagertem 1999er Malt. Whiskycreateur Dr. Bill Lumsden hatte nach dem Kauf der Destillerie durch LVMH und der Wiederaufnahme der Produktion eine ganze Reihe "Versuchsballons" gestartet - u.a. mit den besagten Süßweinfässern. Die restlichen 70% stammen von 1st-fill und 2nd-fill Bourbonfässern aus dem gleichen Zeitraum. Kein Finish also, sondern ein sauberes Vatting. So entstand ein in bestem Sinne gefälliger Whisky, der keineswegs zu süß ist. Auch die Torfbelastung hält sich in Grenzen. Leider auch die Länge. Weitere Tastingnotes erspare ich den Lesern - das können andere besser - doch möchte ich anmerken, dass der Galileo vielleicht kein "Ardbeg"-Meilenstein für die Ewigkeit ist, von dem man drei Kisten im Keller haben muss. Gerade aus diesem Grund macht der Kauf einer Flasche und baldiges Entleeren derselben aber Sinn.
Warum aber nun das ganze Weltraumgedöns? Ich mache es kurz: "Ardbeg" hat die Ehre an einem wissenschaftlichen Experment teilnehmen zu dürfen, bei dem es um Geschmackskomponenten (hier: Terpinene) geht. In diesem Zusammenhang wurden schon Ende letzten Jahres Proben von frischem "Ardbeg" New Make Spirit zusammen mit Holzsplittern von Whiskyfässern in eine Art schwarzes Plastikröhrchen gepackt - getrennt voneinander versteht sich. Angekommen auf der ISS - via russischer Rakete - wurde die Trennung zwischen den beiden Komponenten aufgehoben und New Make und Holzsplitter sind seit dem in Kontakt. Gleiches wurde in Houston und auf Islay durchgeführt. Bei "Ardbeg" faßte man den Plan, mit einer Whiskyabfüllung diesem weltbewegenden Ereignis zu gedenken und so gibt es nun Galileo. Ideen muss man eben haben. Ich hatte auch eine - wenn auch naheliegende - und plauderte ein bisschen mit Mr. Torrie. Der konnte zumindest nicht sagen: "I can't tell you that. My marketing people will kill me."

whatadrink!: Hamish, Sie sind schon lange im Geschäft, sind aber kein Whiskymacher. Was ist Ihre genaue Aufgabe?

Hamish Torrie: Nun, eigentlich bin ich ein Händler. Wir bei "Ardbeg" und "Glenmorangie"arbeiten sehr eng mit unseren Whiskymachern zusammen. Und so gibt es manchmal zuerst den Whisky und manchmal zuerst die Idee. Dr. Bill Lumsden, das ganze Team und ich denken ständig darüber nach, wie wir unseren Whisky auf den Markt bringen können. Dabei soll - in diesem Fall "Ardbeg" - immer ein wahres Produkt sein. Und mein Job ist es diese Wahrheit auszudrücken und zu vermitteln. Beim Galileo gingen wir zu Bill und sagten, dass wir die überraschende Möglichkeit zur Teilnahme an dem Raumfahrtexperiment gerne mit einem Whisky feiern würden und fragten ihn, was er darüber denkt. Er kreierte daraufhin den Galileo, bei dem dessen kleines Herz aus "Ardbeg" aus den Marsalafässern mit Whisky aus Bourbonfässern umschlossen ist.
wad: So ähnlich wie wir es vom Uigeadail und dessen Sherry Heart kennen?

HT: Ja, genau. Der Marsala-"Ardbeg" allein ist zu sirupartig - overpowering. Zusammen mit dem klassischen Ardbeg aus Bourbon Casks bekommen wir die richtige Balance.

wad: Das Verhältnis zwischen Marsala- und Bourbonfaßwhisky liegt bei 30:70?

HT: Ja, stimmt. Dem kräftigen, torfigen "Ardbeg" musste man schon relativ viel entgegensetzen.

wad: Und es funktioniert.

HT: Absolut. It works! Aber lassen Sie es mich so sagen: Wir würden keinen Whisky auf den Markt bringen, der nicht funktioniert. Und es gab über die Jahre auch Experimente, die nicht geklappt haben.

wad: Bei Ihrer Marktposition haben Sie aber doch auch mehr Nachfrage als wie Sie Whisky herausbringen können. Wieviele Flaschen gibt es vom Galileo weltweit? Inklusive Weltall versteht sich.

HT: Hm, das müssten rund 52.000 Flaschen sein.

wad: Und wieviele Mitglieder hat das "Ardbeg" Committee aktuell?

HT: So 80.000 sind das geworden.

wad: Demnach bekäme nicht jedes Mitglied eine Flasche.

HT: Ja, aber meine Tante und meine Schwester sind auch Mitglied und die haben nicht jede Abfüllung gekauft.

wad: Es gab wohl ein bisschen Verwirrung über die Bestandteile des Galileo im Vorfeld. Einige Leute haben die Sache mit dem ISS-Experiment und der Namensgebung kombiniert und vermutet, dass der Weltraumwhisky ins Vatting geflossen wäre.

HT: Oh nein. Das dürften wir aufgrund der Regularien der Scotch Whisky Association niemals Whisky nennen. Scotch muss immer in Schottland gereift werden und zwar in Holzfässern.

wad: Und der New Make aus dem Weltraum ist ja auch viel zu jung.

HT: Ganz klar. Das ist ein wissenschaftliches Experiment. Es ist defintiv kein Whisky da oben. Und wenn wir den wieder zurückbekämen, dürften wir eine Abfüllung, in der er enthalten ist - z.B. ein Vatting mit auf der Erde gereiftem Whisky - niemals Whisky nennen. Auch nach drei Jahren Reifungszeit nicht. Übrigens lassen wir uns auch das Packaging für neue Bottlings lange im voraus von der SWA genehmigen.

wad: Die ersten Bilder vom Label kamen aber aus den USA.

HT: Ja, wir müssen dort immer einen Registierungsprozeß durchlaufen. Und das ganze findet öffentlich statt, ist im Internet einsehbar. Die cleveren "Ardbeg"-Fans in den Staaten saßen da und haben nur darauf gewartet, dass wir mit unserem Antrag kamen.

wad: Ich glaubte zuerst an einen Fake so ungewöhnlich sieht das Label aus.

HT: Danke. Wir versuchen jedes Jahr ein bisschen was anders zu machen und auch ein bisschen Spaß dabei zu haben. Viele Leute in der Whiskyindustrie kennen Alligator-charred Barrels, aber wir haben uns entschieden, unseren Whisky so zu nennen. Eben ein bisschen was anderes für unsere Fans und das Committee.

wad: Für die Committeemembers haben sie dieses Jahr einen großen "Ardbeg" Day gefeiert und eine besondere Abfüllung herausgebracht, wie es sie noch 2011 nur beim Feis Ile direkt auf Islay gab - wenn auch in viel größerer Auflage. Wie wird das im nächsten Jahr aussehen?

HT: Wir wollen wieder einen "Ardbeg" Day machen. Wieder mit einer Limited Edition für das Committee. Hunderte von Leuten kommen während des Festivals zu uns und für die haben wir ein kleines Bottling gemacht. 2010 gab es aber etwas später auch den Rollercoaster wegen des zehnjährigen Jubiläums des Committees. Das haben wir für den "Ardbeg" Day dann wieder aufgegriffen und über die Embassies weltweit ausgedehnt. Ich denke, dass das gut funktioniert hat. Zudem waren trotzdem 700 Leute in der Distillery.

wad: Die 2011er Feis Ile-Abfüllung war eine Woche nach dem Festival für 400 Euro auf Ebay zu haben.

HT: Ja, ich weiß. Wir wollen das etwas einfacher machen für unsere Fans. Das "Ardbeg" Day Bottling ist natürlich größer, aber dafür ist der Zugang dazu auch leichter. Die Leute müssen nicht mehr in einer Reihe in Schlafsäcken vor der Distillery übernachten, um es zu bekommen.
wad: Jetzt kann ich Sie nicht gehen lassen ohne eine bestimmte Frage zu stellen. Wie stehen die Chancen auf neue, offizielle Singlecaskabfüllungen von "Ardbeg"?

HT: Single Cask Bottlings? Nun, ich mache meinen Job hier seit 13 Jahren und die erste Abfüllung, die ich miterlebte, war ein Single Cask, handabgefüllt auf Islay. Stuart Thomson, der ehemalige Distillery Manager, und ich füllten einen 1976er Sherryfass-"Ardbeg" ab. Das war ein Riesenspaß und wir hatten dann 497 Flaschen (Anm. des Autors: Für eine davon wurden zuletzt über 3.000 Euro bezahlt.). Das war das erste Single Cask Bottling in unserer Zeit. In den frühen 2000ern machten wir dann Bottlings für Frankreich, Italien und, Schweden - und auch eines für Deutschland. Auch das hat sehr viel Spaß gemacht. Als wir in 2008 soweit waren, dass "unser" 10-years-old auf den Markt kam, haben wir festgestellt, dass "Ardbeg" mehr ist als ein Nischenprodukt. Und ein Single Cask Bottling ist immer ein Nischenprodukt. Wir haben uns inzwischen darauf fokussiert neue Expressions herauszubringen, die eine andere Größenordnung haben.

wad: Ich finde Single Cask Bottlings spannend, da sie ein Stück Geschichte der jeweiligen Distillery und ihres Whiskys darstellen.

HT: Ja, das stimmt absolut. Aber die Zeiten, als wir "Ardbeg" als Marke wieder aufbauen mussten, sind vorbei und wir wollen uns nicht mit immer neuen Abfüllungen übernehmen. Schließlich gibt es so viele neue Whiskys jeden Tag und es gibt auch Firmen, die fast wöchentlich eine neue Abfüllung herausbringen.

wad: Das ist auch ein Weg Whisky zu verkaufen.

HT: Ja, aber es verwässert das ganze, finde ich. Das soll nicht unser Weg sein. Es hat zehn Jahre gedauert die Core Range mit dem 10-years-old, Uigeadail und Corryvreckan zusammen zu bringen. Diese drei Whiskies geben für mich ein fantastisches Gesamtbild der Distillery. Sie sind so unterschiedlich, aber alle drei sind "Ardbeg". Man darf auch nicht vergessen, dass wir erst 1998 wieder angefangen haben. 2016 oder 2017 ist vielleicht die richtige Zeit für einen reiferen "Ardbeg" mit Age Statement. Wer weiß das schon?

wad: Und man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Einen 17-years-old wie er viele Jahre in unterschiedlichen Batches abgefüllt wurde, kann es so nicht mehr geben.

HT: Ja, richtig. Ich liebe den 10-years-old aus den späten 70ern. Der war außerordentlich gut. Das ist eine Legende, die den Charakter der Distillery typisiert hat. Und über diesen Whisky, der vor so langer Zeit geschaffen wurde, redet man heute noch. Übrigens werde ich auch oft zur (Wieder)Erstellung eigener Maltings gefragt, aber das würde nicht nur Millionen kosten, sondern ist vor allem auch eine Frage für die längerfristige Zukunft.
 
 


Banks Rum @ Trader Vic's

Was liegt näher als hocharomatischen Rum in einem echten "Tikitempel" zu präsentieren? Eigentlich nichts. Trotzdem war es die erste Veranstaltung dieser Art in einem "Trader Vic's" (Was schreibe ich da? - DEM "Trader Vic's") als sich am gestrigen Nachmittag eine Auswahl zumeist jüngerer Münchner Bartender und Bartenderinnen in den Katakomben des Hotels "Bayerischer Hof" trafen, um sich die Produkte von "Banks Rum" einmal genauer anzusehen und auch um den "Macher" derselben kennenzulernen.
whatadrink! hatte sich die beiden bisherigen Abfüllungen von "Banks Rum" erst kürzlich vorgenommen. Daher spare ich mir längere Ausführungen zum Aromaprofil und verliere lieber noch ein paar Worte zur Herstellung. Beide Rums sind Blends. Und zwar reichlich komplexe Blends. Genauer gesagt die komplexesten Rumblends überhaupt, denn im "5 Island" finden wir 21 verschiedene Destillate von 6 Destillerien aus 5 Ländern - im "7 Golden Age" sind es gar 23 Destillate von 8 Destillerien aus 7 Origins. Während im (teilweise gefilterten) weißen Rum Vertreter aus Trinidad, Jamaika, Guyana, Barbados und Indonesien enthalten sind, kommen in der goldenen Variante noch Rums aus Panama und Guatemala dazu - letztere in nicht allzu großer Menge, was das prozentuale Verhältnis anbelangt, ebenso wie bei der Zugabe von indonesischen (Rohrzucker-)Arrak übrigens, aber bei beiden Blends in einem jeweils eigenständigen und gesondert entwickelten Blendingrezept. Es ist also nicht so, dass einfach noch zwei zusätzliche Rums mit in den "5 Island" gegeben werden.  

Diese und viele weitere Informationen bekamen die Zuhörer aus erster Hand, denn der Masterblender und Erfinder des "Banks", Arnaud de Trabuc, war persönlich anwesend und erzählte nicht etwa für das Marketing zugeschnittene Geschichtchen, sondern berichtete über seine Idee einen Rumblend zu schaffen, da dies in dieser Form bislang niemand getan hatte, über den Hintergrund der Namensgebung und das Packaging und beantwortete jede einzelne Frage. So kam auch zur Sprache, dass die Entwicklungszeit der beiden Rezepturen bei rund einem Jahr ("5 Island") und 7-8 Monaten ("7 Golden Age") lag. Dabei konnte de Trabuc auf seine jahrzehntelangen Verbindungen zur Rumindustrie - insbesondere zu "Angostura" - zurückgreifen. Entwicklung, Blending und Abfüllung laufen daher auch in speziellen Räumlichkeiten in Amsterdam ab. Das sind Voraussetzungen die natürlich nicht jeder hat, der gerade auf die Idee gekommen ist, ins Business einzusteigen.Weiteres zu Filterung, Etikett und Flaschenform finden Sie hier. Wichtig ist zum einen sich den Sprachgebrauch "der Fünfjährige" (bzw. "der Siebenjährige") abzulegen, da der "5 Island" aus ein- bis sechsjährigen Komponenten besteht und zum anderen muss beachtet werden, dass dieser Stoff - je nach Gästestruktur - doch deutlich zum Premium- und nicht zum Pouringbereich zu zählen ist. Das bezeugen auch die Produktionsmengen: Vom "5 Island" füllt "Banks" derzeit 100.000 - vom "7 Golden Age" 40.000 - Flaschen im Jahr ab. Tendenz steigend... 

Bevor sich die gesammelte Meute an "Trader Vic's" Mai Tais, Daiquiris, Rum Swizzles und LIITs nebst besten Fingerfood laben konnte, führte der neuinstallierte Brandambassdor Robin Weiss zusammen mit Bastian Heuser an seiner Seite einen kleinen Rumvergleich in der Disziplin "Daiquiri" (Sieger: "Banks 5 Island" - ach was) durch und infusionierte "5 Island" mit Grapefruitschale mittels Sahnesiphon. Und es gab auch was ganz Neues zu bestaunen: Den "Banks Limited Editon I - The Endeavour". Diese Abfüllung, die auf 1743 Flaschen begrenzt ist, wird in Kürze in Deutschland erhältlich sein. Der Preis wird im Bereich um 300 EUR liegen. Ob einem der 43%ige 50:50-Blend aus je einem 16jährigen Jamaica- und Guyanarum (von Long Pond bzw. den Demerara Distillers) das wert ist, darf jeder selbst entscheiden. Mir hat der (fast) unendliche Abgang der reifen Destillate inklusive  Ecken und Kanten auf jeden Fall bestens gefallen.

Bezugsquellen: cocktailian und der wohlsortierte Einzelhandel
Gastrokontakt: a.schneider@beverage-brands.de / s.nitz@beverage-brands.de

Sonntag, 5. August 2012

Lovebeer oder: War das schon der Sommer?

Nach dem Daiquiri Day, dem Black Tot Day, dem Gin Basil Smash Day, dem Swimming Pool Day, dem Pina Colada Day usw. wird heute endlich der International Beer Day begangen. Zudem habe ich dieser Tage aufgeschnappt, dass bayerisches Bier wieder besser verkauft wird als zuletzt. Ich finde, das ist eine gute Meldung für das bayerische Bier, dass es verkauft und (hoffentlich) auch getrunken wird - gerade weil doch vor einigen Wochen Lieferengpässe bei den "Kultbieren" vom "Augustiner" und "Tegernseer" gemeldet wurden. Noch schlimmer war aber, dass uns das "Barzirkel" Brew - wohl aufgrund einer Fehlberechnung in der Rezeptur - heftig um die Ohren geflogen ist und nach der vorsichtigen Öffnung von drei Halben gerade noch genug Stoff für ein Radler verblieb. Bewegte Bierzeiten.

Wie gut also, dass laufend neue Biere verfügbar sind. Mir fielen gerade ein paar Flaschen "TAP 5 Meine Hopfenweisse" aus der Kelheimer Brauerei "Weisses Bräuhaus G. Schneider & Sohn GmbH" in die zittrigen Hände. Das gibt es zwar schon etwas länger, aber das Bier vom Typ "South German Weizenbock Pale" ist eher selten im Getränkemarkt zu finden. Ein Jammer, wie ich meine, denn wir haben es da mit einem süffigen, fruchtigen Weißbier zu tun, das bislang seines gleichen suchte. Die Tatsache, dass es sich um einen heftigen Doppelbock mit 8,2% Vol. und 18,5% Stammwürze handelt, geht angesichts der überwältigenden Hopfenaromen fast unter. Mehr davon, bitte!

Das gilt auch im Fall des schlicht "Lovebeer" benannten neuen Bieres von "Camba Bavaria". Das ebenfalls stark gehopfte Weizenbier soll zur Platte "Summer Of Love" des Popbarden Stefan Dettl, bekannt als Kopf der erfolgreichen Trötentruppe "LaBrassBanda", getrunken werden. Schlappe 16.000 Flaschen gibt/gab es davon nur. Glücklicherweise hab ich auch ein Tragerl abbekommen und darf feststellen: Das "Lovebeer" mundet auch ohne musikalische Beschallung und steht bei mir auf einer Stufe mit "Cambas" Ananas-Grapefruitbier "Pale Ale". Simcoehopfen scheint der Schlüssel zur spritzigen Fruchtigkeit zu sein. Der Profi spricht auch von "opalisierender Optik". Yeah! Ich werde morgen nochmal zur Quelle dieser Gaumenfreude pilgern und meinen Lagerbestand aufstocken. Sommer hin oder her...

Donnerstag, 2. August 2012

Wiedervorlage: Rum (von vielen Inseln und im Diplomatengepäck)

Um Rum ging es hier schon einige Male. Da das Angebot aber ständig wächst und sowieso schon kaum mehr überblickbar ist, hier der Spot auf ein paar neuere Vertreter der Gattung. Bei der Erstellung aussagekräftiger Tastingnotes sprang mir diesmal freundlicherweise Frau Kristina Wolf zur Seite. Selbige ist in der Szene keine Unbekannte. Die Berlinerin - Spitzname The Nose - hat zu DDR-Zeiten eine fundierte gastronomische Ausbildung genossen und blieb auch später den sinnlichen Genüssen treu. Hier und da gab es immer wieder Verbindungen zur Spirituosenindustrie bzw. zum Gaststättengewerbe. Dem aufmerksamen Leser wird Frau Wolf auch schon im Blog des "Finest Spirits"-Festivals als Autorin aufgefallen sein. Internationale Berufungen in die Tasting Panels der Rumfestivitäten in Miami, London und Berlin unterstreichen zudem ihre fachliche Kompetenz. Aber genug der warmen Worte.
Beginnen möchte ich mit einem preislichen Schwergewicht. Der "Diplomatico Ambassador" (47% Vol., ab ca. 200 EUR), vorgestellt beim Londoner "Rumfest" 2011, kommt in einer gewichtigen Flasche mit schwerem Stopper und in einer hölzernen Präsentationsbox aus dem fernen Venezuela angeschippert. Das bisherige Aushängeschild des Herstellers namens "D.U.S.A." war bislang der "Diplomatico Reserva Exclusiva", der in Deutschland zukünftig als "Botucal Reserva Exclusiva" zu haben sein wird. Die Umbenennung trifft auch seine jüngeren Gefährten "Reserva" und "Anejo". Zur Diplomatenfamilie gehört auch ein schlicht "Blanco" (alle 40% Vol.) betitelter, weißer Rum, der bisher nicht in Deutschland auf dem Markt war. Vielleicht ändert sich das durch den neuen Vertrieb, den "Sierra Madre" (diverse Tequilas, "Atlantico" Rum, "Hayman's" Gin, etc.) vor einigen Monaten übernommen hat. "D.U.S.A." stellt mit einer Vielzahl von Pot Still- und Säulenbrennanlagen Rum für verschiedene Marken her, z.B. "Cacique" und "Pampero". Desweiteren wird aus Melasse mit besonders hohem Zuckeranteil von 48-52% (leichte Rums) und Sugar Cane Honey (Zuckergehalt 60%, schwere Rums) destilliert. Insgesamt werden rund 8 Millionen 9-Liter-Cases im Jahr hergestellt. In 21 Lagerhäusern reifen 260.000 Fässer. Die "Diplomatico"-Range besteht bis auf den "Ambassador" aus Blends bestehend aus leichtem Column Still- und schwerem Pot Still-Rum. Die genaue Zusammensetzung und alles weitere über die Geschichte der Firma und die Herstellung sollte man im digitalen CLASS Magazin nachlesen.

Wir widmen uns nun endlich dem "Ambassador", der im Gegensatz zum aus 20% Column Still-Rum und 80% Pot Still-Rum geblendeten, nachgezuckerten und bis zu 12 Jahre alten "Reserva Exclusiva" aus 100% Pot Still-Rum besteht, der mindestens 12 Jahre in Ex-Bourbonfässern lagerte um dann noch weitere 2 Jahre in Ex-Pedro Ximenez-Sherryfässern zu verweilen. Nachgesüßt, gefärbt und (kühl)filtriert wird hier nicht. Gut so. Lassen wir die überdimensionierte Box einmal weg, so haben wir einen Rum im Glas, der einige Tester und mich schlichtweg enttäuscht hat. Wir hatten uns alle einen "Diplomatico-Hoch-3" vorgestellt, aber diese Erwartungen konnte der Knabe nun leider nicht ganz erfüllen. Ja, er hat schon die würzigen Noten (Curry), die seinen - mittlerweile als Einsteigerrum verschrienen - Kameraden von der Masse der süßen Blends abhebt. Ja, auch die Infos zu seiner besonderen handwerklichen Herstellung werden vorbildlich preisgegeben und den (deutlich merkbaren) 47%-Alkoholgehalt, finde ich auch besser als schnöde 40%. Aber irgendwie... An dieser Stelle muss Frau Wolf helfen - hier ihre Blindtastingnotes:

Tag 1:
N: trockene Süße, kräftig Holz, fast modrig, deutliche Sherrynote;
G: trocken, aggressiv, aber nicht unangenehm, ölig, nur leichte Süße, erneut Sherry, fast cremig werdend, erneut Holz;
A: lang und warm, erneut Sherry, leichte Salzigkeit;
F: Überraschend ungewöhnlich und Europäisch – im Stil von Whisky und Sherry;

Tag 2:
N: trocken, modriges Holz, Minze?, blumig, aber auch wieder Sherry;
G: Holz, trockene Süße kommt durch, erneut Sherry, dezente Salzigkeit (Lakritz?), cremiges Mundgefühl;
A: Relativ schnell weg, angenehme und leichte Aromatik;
F: ein gebauter Rum*

*Frau Wolf versteht unter einem "gebauten Rum" einen "für den Allgemeingeschmack gebastelten, ohne echten Charakter, eben gefälligen" Rum. Was an sich ja nichts Schlechtes ist, nur eben nicht immer ihrem persönlichen Geschmack Freude bereitet.

Getastet wurde, wie zu erkennen ist, an zwei Tagen. Und wie man sieht, ergeben sich dabei gerade bei geschulten Sinnesorganen gewisse Abweichungen. Ich bin mir nach mehreren Anläufen mittlerweile sicher, dass ich den "Ambassador" nicht weiterempfehlen würde. Schon wegen des Preis-Leistungs-
Missverhältnisses. Auch ist er mir fast schon zu sherrylastig - ohne aber pappig zu sein, wie das bei anderen P.X.-Finishes manchmal der Fall ist. Fazit: Der "Ambassador" ist ein anspruchsvoller, sherrylastiger Rum, der mit seiner (Fass)Reife nicht hinterm Berg hält. Ob "Sierra Madre" den auch ins Programm nimmt, ist mir bislang nicht bekannt, erscheint mir aber unwahrscheinlich, da ja dann wieder das "Diplomatico-Botucal-Problem" im Raum stehen würde.

"Banks" Rum ist spätestens seit Oktober 2010 hierzulande ein Begriff. Damals wurde der Neue in Berlin beim BCB vorgestellt und mittlerweile hat der weiße "Banks 5 Island" mit dem "Banks 7 Golden Age" (jeweils 43% Vol.) auch einen dunklen Bruder bekommen. Über alles Wissenswerte wurde vielerorts schon berichtet. Darum nur das: Der Neue ist wieder ein Blend - diesmal aus 23 Rums aus 7 Ländern. Wir vertrauen wieder Frau Wolf und ihren Tastingnotes.

"Banks 5 Island" - Tag 1:
N: süss, fruchtig-aromatisch, schokoladig, cremig;
G: zuerst leichter als die Nase verspricht, dann kommen die kräftigen Aromen deutlich, schöner Rum für Tiki;
A: frisch und warm, exotische Früchte, die schokoladigen Aromen erneut, sehr aromatisch aber nicht zu stark;
F: sehr schöner Rum fürs Massengeschäft, hat kaum Ecken und Kanten – typische Karibik;

"Banks 5 Island" - Tag 2:
N: interessante frische Fruchtigkeit, aromatisch (in Richtung Jamaika), sehr blumig und duftig, Schokolade (Vollmilch), frische Zuckerrohrsüße;
G: zuerst leicht, dann fast cremig werdend, zuerst recht neutral, dann kommt die komplexe Aromatik wieder durch, beim zweiten Schluck deutlich kräftiger;
F: sehr  milder, aromatischer Rum. Perfekt für Cocktails, kann man aber auch pur geniessen.  Im ersten Schnuppern Tendenz zu Agricole, aber dafür sind die frischen Aromen nicht prägnant genug;

"Banks 7 Golden Age" - Tag 1:
N: sehr süss, Rum-Rosinig, kräftige Vanillenoten;
G: Holz und süß, trocken (Demerara?), frische Zuckerrohrsüsse;
A: lang und wärmend, angenehm changierend;
F: würde behaupten ein Demerara klassischen Typs oder ein verdammt guter Blend;

"Banks 7 Golden Age" - Tag 2:
N: komplex, kräftig, vanillig, süsse Rum-Rosinen;
G: erneut kräftig, komplex, exotischer Fruchtkorb, erinnert mich an Demerara (Port Mourant?);
A: elegant;
F: erneut mein Favorit;
Dem kann ich nicht mehr viel hinzufügen. Ich finde beide "Banks" extrem ansprechend und sehe aufgrund des großen Aromenspektrums eine Vielzahl von Verwendungs-möglichkeiten, wenn man Mixed Drinks im Visier hat. Andererseits bieten sich beide Varianten auch zum Süffeln an. Wer Lust bekommen hat, sollte also Einkaufen gehen! (Kleiner Tip am Rande: Cocktailian bietet bereits beide Abfüllungen an und hat den "5 Island" sogar in der günstigen 1-Literflasche im Shop)

Und weil wir grade beim Thema sind, kommt hier noch ein Rum, der durchaus Beachtung verdient hat. Die Rede ist von "New Grove Rum", der auf Mauritius hergestellt wird. Aus dieser Range hat es mir der "Plantation", ein leichter, weißer Rum, der mit seinem frischen Zuckerrohraroma ein wenig an einen Agricole erinnert, besonders angetan. Ich schmecke aber auch richtig viel Grapefruitschale. Und zwar von einer frischen gelben, bitteren Grapefruit. Aber ich bin ja heute nicht allein.
 
whatadrink!: Kristina, Du bist wirklich eine Rumexpertin. Beim "New Grove" hast Du aber auch ein bisschen Deine Finger im Spiel. Bitte erzähl uns was zur Herstellungsweise und zu den Besonderheiten der drei bisher in Deutschland erhältlichen Abfüllungen.

Kristina Wolf: Die Rums von "New Grove" sind alle durch die Bank weg Melasserums. Nix mit Agricole! Das Besondere ist jedoch, dass hier nicht die dunkelbraune, total ausgelutschte Melasse verwendet wird, sondern diese Melasse extra zur Rumherstellung produziert wird. Also die Melasse ist golden und hat fast noch den kompletten Zuckergehalt und auch die frische Aromatik des Zuckerrohrs.

Das Zuckerrohr wird ab Juni geerntet, die Fermentation beträgt 36 Stunden bevor in einer Kolonne destilliert wird. Der Rum der daraus entsteht ist, ist genau der Rum, den man im "Plantation" (nur in Stahltanks 10 bis 18 Monate gelagert), "Oak", 5y, 8y und dem "Solera" wiederfindet. Die geschmacklichen Unterschiede kommen aus der Lagerung in verschiedenen Faßtypen. Das Meiste wird in französischer Limousineiche gereift. Aber auch Portwein- (für den 5y) und gebrauchte Cognacfässer, werden bei den verschiedenen Reifegraden verwendet. Am Besten selber probieren. "New Grove" wird auch wieder im Oktober auf dem Rum Festival in Berlin vertreten sein. Und sie kommen zusammen mit noch ein paar anderen Brennereien von Mauritius.

wad: Aber es kommt aus dieser Quelle auch noch Neues auf uns zu?

KW: Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, welche Abfüllungen nach Deutschland kommen. Es sind auf alle Fälle der 8jährige und der "Solera" frisch auf dem Markt, sowie eine einfachere Range (White, Dark und Spiced). Auch ob wir je die aromatisierten Rum bei uns auf den deutschen Markt bekommen werden ist mir nicht bekannt.

wad: Mir hat der "Plantation" auf Anhieb gefallen und ich finde ihn jetzt im Sommer gerade in den "kubanischen" Klassikern wie Daiquiri oder Mojito sensationell. Welcher ist Dein Favorit und warum?

KW: Nun, der "Plantation" hat mich auch letztes Jahr schwerstens überzeugt. Endlich ein weißer Rum, der nach Rum schmeckt, Charakter und einen Body besitzt. Ansonsten mag ich den "Oak", gerade wenn man Whiskyfreaks von Rum überzeugen möchte. Als reiner Purgenuss ist für mich der 5jährige eine Offenbarung. Aber Vorsicht! Nichts für "Diplomatico"-Fans ;-)

wad: Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage. Welchen Rumtrend siehst Du auf uns zukommen und welchen neuen Rum würdest Du Dir wünschen? Sicher nicht den 150. Spiced Rum, der vom "Captain Morgan"-Kuchen was abhaben will, oder?

KW: Du kannst Fragen stellen! Bin ich eine Weissagerin? Wenn, dann würde ich mein Wissen nicht hier breittreten sondern dicke Kasse damit machen. Denn dann wären so etliche Marketingabteilungen, Blendmaster und Einzelkämpfer entweder ihren Job los oder im siebenten Himmel! - Ernsthaft, ich vermute, wir bekommen noch ein paar neue „gebaute“ Rum, ein paar sehr spannende Abfüllungen von bekannten Marken, wie im Whiskybusiness werden sich die Sonderabfüllungen häufen und die Preise werden ordentlich anziehen.

Meine Wunschrums sind stets die, die ich gerade im Glas habe und wirklich genießen kann. Das kann mal ein süßer, schwerer öliger Rum wie zum Beispiel "Botran" sein; mal eine Einzelfassabfüllung aus dem Hause "Cadenhead's"; mal ein fantastisch ausdrucksstarker "Trois Rivières" von Martinique oder zum Beispiel ein "Smith & Cross" und "El Dorado" in einem super leckeren Rumpunch. 

Was ich mir für den Deutschen Rummarkt wünsche, ist dass endlich die faszinierenden Tropfen von den französischen Antillen ihren Stellenwert auch bei uns bekommen, ebenso dass solche wahnsinnig spannenden Rums wie die Abfüllungen von Dzama hier bekannter werden. Zu kaufen gibt es sie schon lange bei uns. Auch solche, etwas für den deutschen Gaumen anstrengendere Provenienzen, wie "Savana" von Réunion sind meine kleinen Geheimtipps. Die Welt der Rums ist so vielfältig und Aromen reich, da sollte für jeden Gaumen was dabei sein. Nur Mut beim Ausprobieren!






Dienstag, 24. Juli 2012

Old English Gin oder "Endlich mal ein neuer Gin!"


Die/Der aktuelle Gin Craze geht weiter. Kein neuer Gin ohne eigene Homestory, ob es nun um den Erfinder der Rezeptur, den Ort der Destillation oder die Vielzahl an (geheimen) Botanicals geht. Auch der seit kurzer Zeit in Deutschland erhältliche "Old English Gin" (44% Vol., 0,7l, um 30 EUR) aus dem Hause "Hammer & Son Ltd." ("Geranium" Gin) kann mit mehr oder weniger nützlichen Zusatzinformationen aufwarten. Als da wären: "Ein Rezept von 1783", "die älteste noch betriebene Brennblase Englands" und ein aufseheneregendes Packaging mit einer gebrauchten Champagnerflasche, weichem (!) Wachsüberzug über dem Naturkorken und - finde ich großartig - abblätternde Ökofarbe bei der Beschriftung inklusive.

Der Witz bei der Sache: Der "Old English Gin" schmeckt einfach gut. Das Zeug wird in der "Langley Distillery" (u.a. auch "Martin Miller's") unter Zugabe von 11 Botanicals gebrannt und dann in der Londoner "Thames Distillery" direkt vor der Abfüllung mit 4 Gramm Zucker pro Liter gesüßt. Was in grauer Vorzeit aufgrund der mangelnden Qualität der Brände nötig war, ist hier ein, wie ich finde, abrundendes Element. Ansonsten haben wir einen ganz normalen Vertreter der Gattung "London Dry Gin", den ich aufgrund seiner Wachholderlastigkeit als einen Traditional Gin bezeichnen möchte. Besonders cremig ist er auch - hätte ich fast vergessen. Weitere Tastingnotes gibt hier und da nachzulesen. Das Geschmacksprofil schreit geradezu nach Tom Collins und einem ordentlichen Ramos. Hmmm...

Hier noch schnell der Vergleich mit zwei bislang schon erhältlichen Gins, die sich "Old Tom" schimpfen. Der "Hayman's Old Tom Gin" (40%, 0,7l, ab ca. 18 EUR) ähnelt dem "Old English" zwar, hat aber weder dessen Komplexität noch Durchschlagskraft. Ein ganz anderer Geselle ist der abgrundtief würzige (Süßholz!) "Jensen's Old Tom Gin" (43% Vol., 0,7l ab ca. 26 EUR) des Dänen Christian Jensen, der im Vergleich ruppig und sehr konzentriert wirkt, wo der "Old English" ausgewogen, rund und elegant ist. Ausgerechnet zwei Dänen stehen an der Old Tom/English Gin-Front in der ersten Reihe. Mother's Ruin!

Mittwoch, 18. Juli 2012

Sipsmith G'n'T Tour 2012 - Passion For Traditional Gin - Updated

wad unterbricht kurz die Sommerpause, um von einer kleinen, feinen Veranstaltung zu berichten - der "Sipsmith" G'n'T City Tour 2012, die am Montag in "Mauros Negroni Club" in München gestartet wurde und heute in Frankfurt Station gemacht hat (weitere Termine folgen im Herbst in Hamburg und Berlin). Präsentiert wurden mit "Sipsmith London Dry Gin", "Sipsmith Barley Vodka" und "Sipsmith Summer Cup" drei Produkte, die z.T. schon länger in Deutschland erhältlich, allerdings erst seit kurzer Zeit im Vertrieb der "DTS-W GmbH" (Cocchi, Rum Nation, Ron Millonario,...) zu finden sind.
So konnte Tobias Keuper von "DTS-W" mit Sam Galsworthy einen der Firmengründer und mit dem internationalen Spirituosen- und Cocktailexperten, -autor und -historiker Jared Brown gar den Master Distiller von "Sipsmith Independent Spirits" begrüßen. Die beiden stellten dann auch ihre Firma und die Herstellungsmethoden ausführlich vor. An dieser Stelle spare ich mir größere Ausführungen, sondern verweise auf den kürzlich in der Onlineausgabe des "CLASS"-Magazins veröffentlichten Report, wo wirklich jedes Detail Erwähnung findet.

Trotzdem muss an dieser Stelle auf das eine oder andere hingewiesen werden, da sich in bislang veröffentlichten Pressemitteilungen/-berichten Fehler eingeschlichen haben  So stammt die Brennanlage Prudence der Londoner stammt nicht aus Bayern, sondern aus Baden-Württemberg (von der renommierten und weltweit bekannten Firma "Carl GmbH"). Es handelt sich bei "Sipsmith Barley Vodka" nicht um Roggenwodka und die Destilliersäule von Prudence wird nur für die Wodkaproduktion - nicht für die spätere Gindestillation (nur ein Destillationsvorgang mit Botanicals, One-Shot-Methode) - genutzt. Bin ich heute besonders rechthaberisch? - Liegt wohl an der Pause...

Wichtiger neben all diesen Informationen sind aber die angebotenen Spirituosen. Als mir der "Sipsmith London Dry Gin" (41,6% Vol., Batch 019 vom 12.11.2009 übrigens) - mittlerweile mit zahlreichen Auszeichnungen gesegnet, u.a. dem Mixology Bar Award - Anfang 2010 ins Haus segelte, dachte ich mir einfach nur: Ein verdammt guter Gin! Von dieser Meinung bin ich keinen Millimeter abgerückt auch wenn andere ihm viel besser lobhuldigten oder ihn auch einfach nicht so sehr mochten. Dass man heute fast schon "ein wachholderlastiger Gin" dazusagen muss, ist eigentlich ein Witz.

Der "Sipsmith Barley Vodka" (40% Vol.) ist kein verdammt guter Wodka - naja vielleicht schon -, aber er ist ein verdammt cremiger Vertreter seiner Zunft. Und, wie Jared Brown anmerkte, erinnert er an so manchen feinen schottischen New Make - ist ja auch ein Gerstendestillat.

Ein für Deutschland neues Produkt ist der "Sipsmith Summer Cup" (auf Ginbasis mit 29% Vol.). Gegenüber dem Primus "Pimm's" ist der aber trockener, fruchtiger und irgendwie vielschichtiger. Jareds Vergleich mit einem italienischen Amaro konnte ich gut nachvollziehen. Ein besonders fruchtiger Amaro allerdings. Ich werde den Knabe mal als Ersatz für roten Vermouth, z.B. im Manhattan oder Negroni, probieren - das könnte ganz gut klappen. Die klassische Rezeptur ruft aber nach Zitronenlimonade und frischen Früchten. Eine "Royale" Version mit 25ml "Summer Cup, 25ml Zitronensaft aufgegossen mit Champagner hört sich aber auch recht sprizzig an. "DTS-W" wird ihn in ein paar Wochen im Programm haben, was übrigens auch für den "Sipsmith Sloe Gin" (29% Vol.) gilt. Selbiger wird wie alle "Sipsmiths" handwerklich hergestellt, um das qualitativ Bestmögliche zu erreichen.

Mit ihren Erfolgen sind die Engländer aber auch an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten gestoßen. Nicht mehr als 300 Flaschen pro Batch bei rund 80.000 Flaschen pro Jahr bedeutet, dass Prudence voll ausgelastet ist und deshalb bald ein größeres Schwestermodell bekommen soll. Dann kann sich Jared Brown auch einer völlig neuentwickelten Ginspezialität widmen. Eine inoffizielle Kostprobe hatte der Mastermind dann natürlich auch noch aus der Tasche gezaubert: Ein Destillat, dessen Anteile an Wacholder, Koriander und Zitronenverbene praktisch verdoppelt waren ergab einen extrem grapefruitlastigen "Gin" - mit über 80% Vol. Wir dürfen wirklich gespannt sein, was uns aus seiner "Hexenküche" in der Zukunft noch alles aufgetischt wird...

Nach Tasting, G'n'Ts (bevorzugt wird übrigens "Fever Tree"), Summer Cup und Häppchen gab es Gelegenheit zum ausführlichen Austausch von Barkeepergeschichten über erst kürzlich aufgefundene Fotografien von Harry Johnson etc.pp. Ich konnte mich zwischen die Browns und Mahjoubs mogeln und Jared ein paar Fragen stellen.

whatadrink!: Jared, zunächst eine Frage, die Du in Deinem Vortrag eigentlich schon
 beantwortet hast. Warum bist Du Master Distiller für "Sipsmith" geworden? Du sagtest, dass Du die passion for a traditional gin mit Deinen jetzigen Mitstreitern teilst.

Jared Brown: Als ich Sam und Fairfax traf, war das auf einer Negroniparty in der "Beefeater" Distillery, wo wir von Geraldine Coates (u.a. Autorin von "The Mixellany Guide To Gin") vorgestellt wurden. Und sie sagte: "Jared, diese beiden Herren hier sind von den amerikanischen Distillern inspiriert und sie wollen so etwas hier in England auf die Beine stellen. Du kennst Dich doch ein bisschen damit aus." Und ich sagte: "Ja, ich weiß ein bisschen was darüber." Sam und Fairfax kannten eine Distillery in Idaho namens "Bardenay", für die meine Frau und ich seinerzeit das Ginrezept entwickelt hatten. So sprachen wir über Gin und was wir daran besonders mochten. Der gemeinsame Nenner war traditional gin, denn traditional gin ist der einzig wahre Gin. Jeder, der Gin herstellt und den Begriff Gin so neudefiniert, damit dieser Begriff zu seinem Produkt passt, kann keinen Gin machen. Gin ist die komplexeste Spirituose, die man herstellen kann. Für mich bedeutet daher mastery of gin, dass man traditionellen Gin herstellt. Ich liebe es mit tradionellem Equipment und mit traditionellen Botanicals zu arbeiten. Ich besitze eine ganze Sammlung von alten Büchern mit Destillationsrezepten und ich habe mich da durchgearbeitet auf der Suche nach einem Urrezept, dass ich dann als Ausgangspunkt nehmen wollte. Da keine zwei Stills gleich arbeiten, muss man für jede Still ein eigenes Rezept entwickeln. Und das ist uns hier gelungen. Ich sagte bewusst gelungen, da das ein Gin ist, den wir gerne trinken.

wad: Ich hatte meine erste Flasche Anfang 2010 bekommen. Kam da nicht auch "Beefeater 24" raus?

JB: Ja, wir kamen knapp vor dem "24" - übrigens ein ganz hervorragender Gin - auf den Markt. Meine Frau und ich hatten die große Ehre von unserem Freund Desmond Payne, dem Master Distiller von "Beefeater", über rund zwei Jahre immer wieder zu Tastings während seiner Entwicklung des "24" eingeladen zu werden. So haben wir den Weg dieses Gins von der Geburt bis zur ersten Abfüllung mitverfolgen können. Ich muss sagen, dass ich von Desmond sehr viel gelernt habe.

wad: Wir leben in einer Zeit, in der laufend - fast wöchentlich - neue Gins auf den Markt kommen. Wenn man in die großen Onlineshops in England, Deutschland oder Spanien schaut, sieht man eine unglaubliche Auswahl. Was wird die Zukunft bringen?

JB: Das ist eine sehr gute Frage. Wenn so viele Gins auf dem Markt sind, passieren zwei Dinge. Wenn man in eine Bar geht, wird der Barkeeper nicht mehr sagen können "Wir sind eine "Tanqueray" Bar oder eine "Beefeater" Bar, denn das wäre, als ob man in eine Küche geht und der Koch sagt "Das ist eine Basilikumküche. Knoblauch? Niemals! Basilikum ist das einzig Wahre!". Denn anders als bei Wodkas schmecken zwei dieser vielen Gins niemals gleich. Manche sind gut. Manche sind großartig. Manche sind nicht so gut. Die Differenzierung von Seiten der Konsumenten wächst sehr schnell und das widerum beeinflusst die Auswahl in der Bar. Und damit meine ich nicht die Flasche, die einmal gekauft wird und über Monate in der Backbar steht, sondern die Marken von denen mehr und mehr verkauft werden. Und es gibt so wundervolle traditionelle Gins hinter den Bars und jeder hat seinen Platz. Ich denke, die Ginkategorie wird andere Spirituosenkategorien zur Seite schieben. Von manchen braucht man keine 7 oder 10 verschiedenen Marken. Bei Gin braucht man die auf jeden Fall.

wad: Du glaubst, dass dieser Raum bei Gin noch da ist?

JB: Ja natürlich. In dieser Kategorie ist noch viel Raum für viele neue Gins. "Sipsmith" soll ja auch nicht in jeder Bar auf der Welt sein. Wir können ja gar nicht so viel herstellen. Wir verkaufen bislang nicht in die USA, da wir die Nachfrage gar nicht befriedigen könnten. Wir wären erstmal damit zufrieden zu wachsen und all die Leute zu versorgen, die unseren Gin in Europa haben wollen.

wad: Werner Obalski hat vorhin gefragt, warum keine Variante mit höherem Alkoholgehalt  existiert. Ich stelle die Frage mal anders: Warum wird "Sipsmith London Dry Gin" mit 41,6% Vol. abgefüllt?

JB: Den Alkoholgehalt eines Gins einzustellen ist, wie wenn man das Verhältnis der Botanicals zu einander einstellt, denn deer Alkoholgehalt bestimmt, wie die Botanicals während des Trinkens zum Vorschein kommen. Wenn Du irgendjemanden frägst, der über eine längere Zeit Gin herstellt, wird er Dir sagen, dass die ideale Alkoholstärke zwischen 41 und 43% Vol. liegt um die Eigenschaften der Botanicals zu bewahren und sie in einem Drink hervortreten zu lassen. Wir haben unsere Tests bei 40% Vol. begonnen und sind bis 49% Vol. gegangen. Und die 41,6% Vol.-Version hat in allen Blindtastings gewonnen. Und wir saßen nicht da und haben uns über Zahlen unterhalten, sondern wir tranken Martinis und G'n'Ts.

wad: Scheint mir der beste Weg zu sein.

JB: Natürlich. Das geht nur auf dem Wege, wie Gin konsumiert wird. Nicht straight und im Nosingglas, sondern mit Freunden und etwas zum Essen dazu. Das hat uns letztlich dazu geführt die richtige Stärke für unseren Gin zu finden. Sam sagte vorhin, dass wir eine komplett neue Expression mit höherem Alkoholgehalt entwickeln. Die braucht auch eine komplett neue Formel, da der höhere Alkoholgehalt den Wacholdergeschmack stark beeinflusst. Es gibt einen sehr populären Gin mit regulärer Alkoholstärke für dessen Variante mit höherem Alkoholgehalt man die gleiche Rezeptur verwendet. Es ist einer der Top-Selling-Gins heutzutage, aber man kann den Wacholder nicht mehr schmecken, da er vom höheren Alkoholgehalt unterdrückt wird. Mit unserem Gin wird es dieses Problem nicht geben. Dafür werde ich sorgen. Bei uns wird einem der Wacholder im Ohr sitzen und rufen "Ich bins: Der Wacholder!"

(Foto von John Hofmann)

wad: "Sipsmith" erweitert seine Kapazitäten mit einer zweiten Still. Wie wird die aussehen?

JB: Wir kaufen eine größere Destillieranlage, aber im gleichen Design, denn wir sind so zufrieden mit dem starken Reflux in Prudence.

wad: Mir ist die Form des oberen Teils von Prudence aufgefallen. Der Kopf sieht aus wie zwei aufeinandersitzende Kegel und ist nicht rund oder zwiebelförmig.

JB: Ja, stimmt. Wir haben auch einen 90°-Schwanenhals, der weiteren Reflux zulässt. Wenn man sich viele Whiskystills in Schottland ansieht, sieht man, dass sich diese stark verjüngen und dann den Schwanenhals in spitzem Winkel nach unten abfällt. Das macht Reflux nur in geringem Maße möglich.

Mehr Fotos hier...
Update:

Mittlerweile ist die oben angekündigte weitere Ausgabe des Sipsmith London Dry Gin erhältlich. Hinter dem schnöden Namenszusatz V.J.O.P. verbirgt sich ein extrem wachholderlastiger, hochprozentiger Mixgin der mit satten 57,7% Vol. (0,7l knapp unter 50 EUR) um sich ballert. Gratulation, Meister Brown! 

Die ersten 360 Flaschen aus Batch #1 (gesamt 1.800 Flaschen) für Deutschland sind (fast) weg - mehr davon kommt Ende Januar/Anfang Februar in den Handel.