Freitag, 19. August 2011

Meet The Maker & Mint Infusions

"Maker's kenn ich längst!" So und ähnlich hatte der ein oder andere geladene Gast sein Desinteresse an der 2011er Ausgabe von "Meet The Maker" im und um Münchens "Shane's Restaurant" bzw. der in unmittelbarer Nachbarschaft beheimateten "B-Bar" von Bill Fehn erklärt. Versäumt wurde so nicht nur die Vorstellung von Greg Davis als neuem "Maker's Mark" Master Distiller und dem neuen Gesicht von "Maker's" in Deutschland, Tanja Bempreiksz, sondern auch ein Sachvortrag von "Professor" Stephan Hinz, seines Zeichens Spirituosen- und Cocktailconsultant, Barkeeper und Cocktailwettbewerb-Seriengewinner aus Köln. Aber der Reihe nach...
Nach den standesgemäßen Begrüßungsdrinks (sehr fein: Bill's "Loretto Iced Tea" mit MM, Apricot infused Schwarztee, Minze, Ananas und Sodawasser) erzählte uns Greg Davis Wissenswertes über die Produktion von "Maker's Mark" und leitete durch die bekannte Tastingrunde (wobei mir der knackige "Over Matured" wieder besonders gefiel). Für die Veranstaltung in Bayerns Hauptstadt hatte "Maker's Mark" in Gestalt von "Beam Global Deutschland" den (noch) amtierenden "Mixologen des Jahres", Stephan Hinz, als Referent zum Thema "Infusionen" gewinnen können, und so wurde dieses Thema ausgiebig erläutert und im Rahmen eines Blindtastings ausgiebig erschnuppert und erschmeckt.
Maestro Hinz hatte sich im Vorfeld zur Aufgabe gemacht 300 Gramm marokkanische, krause Minze (sehr frisch im Geschmack, viel Menthol, wenig erdige Züge) mit 0,7l "Maker's Mark" zu verbinden. Dazu wählte er die Wege der (kontrollierten) Perkulation (mit einem 1-Meter langen Schlauch), eine 30-minütige Mazeration, das 2-tägige Aging des Mazerats (im 5-Liter-Eichenfass bzw. in einer Glasflasche), eine quick-and-dirty Methode bei der rund 6 Bar Druck (im Soda- bzw. Sahnesiphon) zugegeben werden und es wurde sogar vaporisiert (Verdampfung) bzw. gesmoket. Unter die Proben hatte sich auch der bereits gesüßte Premix "Maker's Mark Julep" geschlichen. Während der Premix, das geagdte (?) und das gesmokte Resultat leicht zu erkennen waren, gab es zwischen den restlichen Proben zwar gewisse durchaus bemerkenswerte Unterschiede, die Zuordnung fiel aber schwer. Irgendwie hatte mir der geräucherte Minzbourbon am meisten zugesprochen.Während des anschließenden, ausgezeichneten Barbeques hatte ich die Möglichkeit zu zwei kleinen Interviews mit Greg Davis und Tanja Bempreiksz. Äh, Ladies first...

whatadrink: Tanja, dich kennen viele aus deiner Zeit in der Redaktion von "Mixology". Was hast du vorher eigentlich gemacht?

Tanja Bempreiksz: In der Gastronomie war ich vor allem in Berlin, Hannover und Bremen beschäftigt. Dann war ich auch eine Zeit lang Barchefin in der Schweiz und in Neuseeland habe ich auch gearbeitet. Parallel zu meiner "Bar-Weltreise" begann da auch meine Arbeit für "Mixology" mit Reiseberichten aus Neuseeland, Australien, Kanada und den U.S.A.

wad: Jetzt bist Du aber bei "Maker's Mark" als Brand Ambassador für Deutschland. Wie ist das Team in Deutschland strukturiert?

TB: "Beam Global" ist gerade nach Frankfurt umgezogen und dort ist Lydia Sahr die Brandmanagerin für "Maker's Mark" und damit auch meine Chefin. Das Marketingteam bei "Beam Global" ist natürlich sehr groß.

wad: Ein gut eingeführtes Produkt wie MM zu promoten und neue Dinge wie "MM Mint Julep" oder "Maker's 46" vorzustellen erscheint relativ einfach. Stimmt das?

TB: Ja, das ist schon so. Gerade die Barszene kennt das Produkt schon sehr gut. Bei Endverbrauchertastings stelle ich aber fest, dass nicht alle "Maker's Mark" kennen, aber dann sehr begeistert sind, wenn sie ihn erstmals probiert haben. Gerade ältere Scotchfans sind sehr zugänglich, wenn man ihnen Bourbon erklärt und näher bringt. Ein schlechtes Bourbonimage geht dann - sofern vorhanden - auch schnell verloren.

wad: Wie sieht Dein Aufgabengebiet in kurzen Stichpunkten aus?

TB: Umsetzen der Marketingideen, Tastings, Schulungen, Events, Wettbewerbe unterstützen, Bartendernetzwerke aufbauen und pflegen, Off-Trade usw. - einfach alles um die Marke sichtbarer, erlebbarer und greifbarer zu machen.

wad: Jetzt die klassische Frage - Wann kommt "Maker's 46" offiziell nach Deutschland?

TB: Der Status ist hier weiterhin "Er kommt - Wir wissen aber nicht wann". Man hat den "46" mittlerweile in Kanada eingeführt und ich weiß von ein paar Fachgeschäften in Deutschland, die die Abfüllung - allerdings zu recht hohen Preisen - anbieten.
whatadrink: Greg Davis, Sie sind gerade auf einer kurzen Tour durch Deutschland. Ist die Destillerie in Loretto gerade geschlossen?

Greg Davis: Ja, wir schließen einmal im Jahr um unser Equipment zu kontrollieren und zu überholen. Zudem lässt sich in dieser Zeit auch etwas austauschen ohne die Produktion zu beeinflussen. Diesmal expandieren wir auch ein bisschen.

wad: Sie machen das im Sommer?

GD: Ja, da viele Prozesse mit Dampf angetrieben werden, macht es Sinn zur heißesten Zeit des Jahres die Anlagen abzuschalten - dieses Jahr für vier Wochen.

wad: Wir kennen alle die malerischen Fotos der historischen "Maker's Mark"-Destillerie in Loretto. Vor Ort waren aber nur die wenigsten. Was war Ihr erster Eindruck, als Sie dort vor knapp über einem Jahr als Master Distiller mit der Arbeit begannen?

GD: In der Bourbonindustrie bin schon seit rund 20 Jahren aktiv. Nun, wenn man einen Wechsel vollzieht, denkt man zuerst immer "Oje, was hab ich jetzt gemacht.". Aber dann konzentriert man sich auf das, zu was man eigentlich dort ist. In diesem Fall auf die Herstellung von Bourbon.

wad: Sie waren vorher in der "Tom Moore Distillery"?

GD: Ja stimmt. Die ist etwa zehnmal so groß. Dort ist vieles automatisiert, was wir bei MM von Hand machen. Ich denke, dass sich das auch bei der Qualität zeigt.

wad: Wieviele Brennanlagen hat "Maker's Mark"?

GD: Seit der Erweiterung 2002 laufen zwei Stills und zwei Doubler - also zwei komplette Anlagen.

wad: Sie haben uns heute erzählt, dass Sie Mais und Weizen jeweils von einer lokal angesiedelten Familie kaufen. Können Sie uns etwas über die Eigenschaften dieser Rohstoffe sagen? Ist das auch "Bioqualität"? Bei der Herstellung von Scotch Whisky gibt es - wenn auch bei relativ kleinen Produzenten - den Trend zur Herstellung von "organic spirit" bzw. Whisky, der nur aus Ausgangsstoffen aus der unmittelbaren Umgebung der Brennerei gemacht wird.

GD: Unser Mais ist vollkommen frei von gentechnischen Veränderungen. Wir testen auch jede Charge, die bei uns ankommt. Bei unserem roten Winterweizen stellt sich diese Frage nicht. Unsere beiden Partner beliefern uns schon ewig und wissen genau, was wir brauchen. Es ist wirklich eine sehr enge Verbindung, die unsere Getreideproduzenten so zu uns haben.

wad: Wird bei der Abfüllung des frischen "white dog" ins Fass eigentlich ein Headspace gelassen oder wird das Fass "bis zum Rand" befüllt?

GD: Wir füllen das Fass immer komplett. Allerdings absorbiert es schon in den ersten Tagen eine gewisse Menge und es entsteht ein Headspace. Der durchschnittliche Verlust ("angels' share") beträgt im Verlauf der Lagerzeit dann rund 4% pro Jahr. Es fehlen am Ende also 20-25% an Flüssigkeit.

wad: Da wir grade bei den Fässern sind. Wo kauft MM die Fässer oder haben Sie eine eigene Küferei?

GD: Nein, wir konzentrieren uns auf unseren Job Bourbon zu produzieren. Unsere Fässer kommen zu 100% von "Independent Stave". MM Barrels unterscheiden sich von den "normalen" Bourbonfässern durch die einjährige Lagerzeit der Dauben vor der Verarbeitung. Auch das ist übrigens eine lange Partnerschaft.

wad: Noch eine Frage zum "Maker's Mark Mint Julep", der seit einigen Wochen in Deutschland offiziell erhältlich ist und den ich persönlich sehr gut finde. Stellen Sie den Premix selbst her oder ist das ein Lizenzprodukt?

GD: Wir machen das selbst, denn wenn wir es nicht selbst machen würden, wäre es nicht mehr länger "Maker's Mark". Der "MM Mint Julep" wird auch nur im Frühjahr vornehmlich für das Kentucky Derby produziert.

wad: Einige Produzenten - auch von Bourbon - setzen auf limitierte und hochpreisige Single Barrel-Abfüllungen u.ä. als Premiumausgabe. In den Neunzigern gab es zuletzt limitierte MM-Abfüllungen. Ist ein Abfüllung in dieser Richtung ein Thema für die nähere Zukunft von MM?

GD: Nein, wir denken nicht darüber nach. Es hat über 50 Jahre gedauert bis mit "Maker's 46" nach dem "Red Wax" ein zweiter "Maker's Mark" kreiert wurde. Ich denke, es wird noch einmal 50 Jahre dauern, bis etwas ähnliches nachkommt.

wad: In welchem Land verkaufen Sie eigentlich am meisten Bourbon außerhalb der U.S.A.?

GD: Ah, das ist Australien. Dort wird sehr viel Bourbon getrunken.

wad: Dort wurde der Ready-To-Drinbk-Hype aber durch Gesetz eingeschränkt.

GD: Ja genau. Es ging dort sehr viel Bourbon in RTD-Abfüllungen bis die Besteuerung in diesem Bereich geändert wurde. Aber dort wird weiterhin sehr viel Straight Bourbon getrunken. Wir sehen aber Deutschland auch als Tor zu anderen europäischen Ländern und deren Märkten, da in Deutschland viel Bourbon getrunken wird und auch sehr viel guter Bourbon auf dem Markt ist. Das gefällt uns in Kentucky natürlich.

wad: Flavoured Bourbon ist ein Trend, der jetzt auch in Deutschland angekommen ist. Geben Sie dieser Sache größere Zukunftsaussichten?

GD: Uns interessiert das eigentlich nicht, da wir uns auf den reinen Bourbongeschmack konzentrieren. Ich denke, was heute neu ist, kann morgen schon vergessen sein.

wad: "Maker's Mark" White Dog wird weiterhin nur in der Destillerie zu haben sein?

GD: Ja. NUR in der Destillerie.

Ich darf mich bei Tanja Bempreiksz und Greg Davis nochmals für die freundliche Beantwortung meiner Fragen bedanken.

Übrigens: Über "Maker's Mark" berichtet auch das Magazin FHM in seiner aktuellen Ausgabe unter dem Titel "Whisky-Not im Bourbonland"

Donnerstag, 11. August 2011

Lillet Après-Midi oder: Die Kunst des Aperitifs

Der Aperitif ist in unseren Breiten allzu oft ein etwas lieblos gewählter Trunk, der lediglich die Wartezeit auf die bestellten Speisen versüßen soll bzw. bestenfalls als Begleiter der Vorspeise(n) dient. Dass das nicht mal die halbe Wahrheit ist, zeigen uns unsere europäischen Nachbarn Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien und auch Belgien oder die Schweiz mit ihren Aperitifs, Aperitivos und Apéros. Dort dienen zwar auch feste und flüssige Leckerbissen als appetitanregende Vorbereitung auf eine Mahlzeit (übrigens mittags UND abends), nur hat sich - insbesondere in Frankreich - eine vielschichtige Kultur gebildet, die neben den klassischen Aperitifgetränken wie Bitter, Sherry, Portwein, Anis und Wermut inkl. unzähliger Mixgetränke auch in unseren Breiten weniger verbreitete, süßere und auch bitterere Gattungen wie z.B. Pineau De Charentes, Pommeau De Normandie oder Quinquina umfasst.

Zu letzterer Gruppe zählt auch der in Deutschland keineswegs unbekannte "Lillet" in den bisherigen Versionen "Blanc" und "Rouge" sowie den limitierten Jahrgangsabfüllungen mit dem wohlklingenden Namen "Réserve Jean De Lillet". Aktuell ist davon die Ausgabe 2008 im Handel, für die aber auch rund der doppelte Preis aufgerufen wird. Der Hersteller ist die Firma "Lillet Frères" (seit 2008 bei Pernod Ricard) in Podensac bei Bordeaux, die 1887 den "Lillet Blanc" lancierte. Erst 1962 folgte der rote Bruder. Beide Produkte bestehen zu 85% aus einem Weincuvée. Beim "Blanc" kommen die Rebsorten Semillon und Sauvignon Blanc - beim "Rouge" Cabernet Sauvignon und Merlot - zum Einsatz. Die restlichen 15% bestehen aus verschiedenen Fruchtlikören, die aus spanischen Süßorangen, Bitterorangen aus Haiti und grünen Orangen aus Nordafrika (bzw. deren Schalen) unter Zugabe von Rohrzucker hergestellt werden. Abgerundet wird das Geschmacksbild jeweils mit Vanille, Sternanis und natürlich Chinarinde bzw. dem daraus gewonnenen Chinin. Nach der Vermählung der Einzelkomponenten wird der "Lillet" vor der Abfüllung in Flaschen noch 4-6 Monate in Barriquefässern aus Limousineiche gereift, die übrigens nur zweimal benutzt werden. Alle "Lillets" sind mit 17% Vol. versehen.
Mit diesen und noch weiteren Informationen zieht derzeit Deutschlands Brand Ambassador Nikolai Augustin (meisterschueler, Berlin) durch die Lande, um nicht zuletzt die durch den Erfolg von Aperol Sprizz gestiegene Nachfrage nach leichten, sommerlichen Drinks mit dem durchaus gut vermixbaren "Lillet Blanc" zu stillen. In Münchens "Goldener Bar", wo in dieser Woche der Auftakt der Reihe stattfand, kannte jeder der rund 35 anwesenden Bartender den "Lillet" und das nicht erst seit dieser in den "James Bond"-Filmen "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost" im "Vesper" Martini als Wermutersatz nachgefragt wurde. Nicht zu letzt deswegen wird der "Lillet" hier und da gerne den Wermuts/Vermouths zugeordnet, was aber grundsätzlich falsch ist, da er kein Wermutkraut bzw. dessen Auszüge enthält.
Vor dem anschließenden Crosstasting daher gab Bastian Heuser (barworkz, Berlin) einen Überblick über die "verstärkten Weine" (z.B. Portwein, Sherry, Madeira,...) und die "verstärkten und aromatisierten Weine" (z.B. Wermut, Quinquina und Enzian). Der "Lillet" zählt demnach zu den weißen bzw. roten Quinquinas. Produkte die ebenfalls in diese Kategorien fallen sind z.B. "St. Raphael" oder "Byrrh". Im Blindtasting hatten mir persönlich die roten Vertreter ("Byrrh"!) besonders gut gemundet. An der Stelle darf ich Bastians Hinweis auf die informative Webseite Vermoth 101 aufgreifen, die das Thema "Weinaperitif" erschöpfend behandelt.

Nach einer ausgiebigen Mixrunde zum Thema "Vesper" wurde noch der Neue bei "Lillet", der "Lillet Rosé", kredenzt. Auch diese Version besticht durch das ausgeklügelte und fein abgestimmte Verhältnis zwischen weiniger Fruchtigkeit und leichtwürziger Orangennote, die mir beim ersten Probiererle aber weniger präsent vorkam.
Da vom "Vesper" nun schon mehrfach die Rede war und das Thema "Kina Lillet" natürlich auch bei dieser Veranstaltung gestreift wurde, hier noch ein paar Anmerkungen hierzu. Der bis in die Mitte der 80er erhältliche "Kina Lillet", der Vorläufer des heutigen "Lillet Blanc", kam nicht erst durch Flemings Bond ("The bitch is dead now.") zu einer gewissen Berühmtheit. Vielmehr fand er bereits in der Fachliteratur des frühen 20. Jahrhunderts mehrfach namentliche Erwähnung. Klassisch ist v.a. die Verwendung im "Corpse Reviever #2" aus dem "Savoy Cocktail Book". Als Ersatz wird oftmals der in Deutschland nicht erhältliche "Cocchi Aperitivo Americano" empfohlen. Da die Offiziellen in Podensac nach der Rezeptänderung vor fast 30 Jahren vom bitter-süßen hin zum leichteren Aperitif offenbar wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Generation "Cocktail Renaissance" haben, konnte ich vom Spirituosenhistoriker Mike Meinke (Triobar, Berlin), der vor nicht allzu langer Zeit gleich mehrere Flaschen "Kina Lillet" entkorkt und verkostet hat, erfahren, dass er bei seiner alten Version "eine weitaus kräftigere Kräuternote, bedingt durch die Bittertöne, und eine leichte Sherryanleihe von der Würzigkeit" im Vergleich zum aktuellen Produkt festgestellt hatte. Das gilt zumindest für die eine der acht Flaschen, die noch genießbar war. Einer eventuell limitierten "Kina Lillet"-Abfüllung z.B. zum 140-jährigen Firmenjubiläum 2012 würde auch ich durchaus eine Chance geben...
Bestens versorgt vom Team der "Goldenen Bar" ging so ein schöner Nachmittag zu Ende, der mir durchaus (wieder) Lust auf ein spritziges Weingemisch gemacht hat. A votre...!

Weitere Termine: 15.8. Berlin, 22.8. Hamburg, 29.8. Frankfurt, 30.8. Köln;

Einen schönen Überblick über den Brauch des Aperitifs in Frankreich, viele Informationen zu z.B. Vins Doux Naturels, Likörweinen, Pastis und Aperitifgetränken auf Weinbasis sowie zahlreichen Rezepten zu Speis und Trank beinhaltet das 1989 erschienene Buch "Die Kunst des Aperitifs" (ISBN 978-3817000135) von André Dominé ("Das ultimative Barbuch").

Dienstag, 26. Juli 2011

Mezcal aus der Mezcaleria

Hinter "Mezcaleria" steckt der sympathische Architekt Axel Huhn aus Berlin, den der aufmerksame Leser des Barmagazins "Mixology" bereits aus der großen "Tequila- und Mezcalausgabe" des Fachblatts (Ausgabe 3/2011) kennen sollte. Herr Huhn hatte zusammen mit dem Münchner Barzirkel ins Wasserwerk zum Mezcaltasting geladen und rund 20 Vertreter von Szene und Fachpresse folgten dieser Einladung. Ich ließ mir diese Gelegenheit zu einem weiteren Kennenlernen, des von mir geschätzten Agavenbrandes - dem "Islaywhisky unter den klaren Bränden"-, nicht entgehen und hatte mir insgeheim die Beantwortung der ketzerischen Frage "Ist Mezcal der bessere Tequila?" vorgenommen. Und gleich noch eines vorweg: Es waren weder Würmer, Kakteen noch Sombreros anwesend...
Bevor es ans Probieren ging, erörterte Axel Huhn ausführlich die (rechtliche) Abgrenzung von Mezcal zu den anderen, ebenfalls gesetzlich definierten mexikanischen Agavenbränden Tequila, Sotol und Bacanora. Diese Infos kann der geneigte Leser in aller Ausführlichkeit auf der "Mezcaleria"-Heimseite nachlesen. Ich fasse nur kurz zusammen: Während bei Tequila bekanntlich das Ausgangsprodukt, die blaue Weberagave, genau definiert ist, ist das bei Mezcal nicht der Fall und so werden rund 50 verschiedene Agavensorten oder -varianten verwendet. Und Mezcal darf im Gegensatz zum Tequila in einem anderen Gebiet Mexicos hergestellt werden. Ansonsten gleicht die 1994 aufgestellte Regelung namens NOM-070-SCFI-1994, der von Tequila. Achja: In Mixology hängt Autor Georg Biron in seinem Artikel "Tränen des Vulkans" noch dem offenbar weitverbreiteten Irrglauben "Agave = Liliengewächs" an. Dabei stellt im gleichen Heft Michael Brückner fest, dass es sich vielmehr um Spargelgewächse handelt (Wikipedia wusste das übrigens auch schon). Aber das ist nur ein kleinerer Irrtum in der langen Geschichte von Tequila und Mezcal...
Neben diesen grundlegenden Informationen erschienen mir v.a. Huhns Schilderung der Herstellungsprozesse bei den einzelnen Produzenten, deren Brände er anbietet, höchst interessant. Besonders gut haben mir die Bilder von den eingemauerten tönernen Terrakotta-Brennblasen der Ángeles-Familie, Hersteller der "Real Minero"-Biomezcals gefallen (siehe Fotos unten) . Allen "handgemachten" Mezcals (Artisenal Mezcal) ist die Vergärung ohne Hefezusatz nur durch "wilde Hefen" und die zweimalige Destillation auf den gewünschten Alkoholgrad (also ohne Reduzierung durch Wasserzugabe) gemein.
Herr Meinke hat Tequila einmal als "Gaumenschmeichler" und Mezcal im Vergleich dazu als "rauhen, ehrlichen Gesellen" bezeichnet. Diese gutgemeinte Formulierung finde ich zwar durchaus vertret- und nachvollziehbar. Sie führt aber irgendwie zu dem Missverständnis, dass es sich dabei um einen anspruchslosen "Bauernschnaps" handle, was den vorgestellten hocharomatischen Südmexikanern in keinster Weise gerecht werden würde, denn sowohl die zugänglichen Brände der "Los Danzantes"-Reihe als auch die kräftigeren Abfüllungen der "Alipús"-Serie sind komplexe Kunstwerke - von den "Real Minero"- und den "Pierde Almas"-Mezcals ganz zu schweigen.

Im Detail sah das so aus: Zur Verkostung kamen die abgebildeten zehn Mezcals aus der Kategorie "Joven", was "Blanco" - also ungelagert - bei Tequila entspricht. An dieser Stelle geht es aber auch schon los mit den Schwierigkeiten zwischen den mexikanischen Normen, daher ein kleiner Einschub. Da für die gelagerten Kategorien ("Reposado"/ "Anejo") wie bei Tequila die Reifung in Weisseichenfässern vorgeschrieben ist, macht sich die von einigen Herstellern praktizierte mehrmonatige Harmonisierung in Glas- oder Tonbehältnissen (kennt man so auch von mitteleuropäichen Obstbränden) nicht bei der Bezeichnung bemerkbar. Insbesondere letztere machen sich im Geschmack aber sehr wohl bemerkbar, denn die Lagerung in einem im Boden eingegrabenen Tongefäß kann auch zu einer (gewollten) Ausprägung von mineralischen Noten führen. Da hilft dann das Rückenetikett weiter, sofern es - wie von Axel Huhn bei seinen Partnern angeregt - genaue Angaben zur verwendeten Agavenart, dem Herstellungszeitpunkt, der Anzahl der abgefüllten Flaschen etc. und eben einer möglichen Lagerung enthält. Aber ich schweife ab...

Kurz also noch meine Favoriten: Aus der "Alipús"-Reihe mag ich besonders den robust-frischen, rauchigen "San Juan Del Rio" (47% Vol., kultivierte Espadinagave), der sich bestens für allerlei Mixversuche (síehe Rezepthinweise unten) eignet. Bei "Real Minero" sind sowohl der herrlich-cremige (!) "Cuvée-Mezcal" (47% Vol.) aus vier verschiedenen, miteinander eingemaischten, zwischen 12 und 18 (!) Jahre alten Agaven, als auch der "Tobalá" aus der gleichnamigen, wildwachsenden Waldagave so herausragend, dass ich mich nicht entscheiden kann, welchen ich bevorzugen würde. Diese sind, wie auch die hochpreisigen Vertreter von "Pierde Almas" (mein Favorit: der süß-würzige "Tobaziche", 44,1% Vol.), reine Sipping Mezcals, denen man - da war sich die Runde einig - ihre jeweilige, relativ hohe Alkoholstärke nicht anmerkt.

Einer der Förderer von Qualitätsmezcal ist seit Mitte der 90er der Amerikaner Ron Cooper, dessen Firma "Del Maguey" damals "Single Village Mezcals" in den USA auf den Weg brachte. Mein erster Mezcal war so auch ein sehr eindrucksvoller "Tobalá" aus dieser Serie. Mit dem "Vida" hat "Del Maguey" mittlerweile ein in der US-Barszene offenbar sehr beliebtes, da wesentlich günstigeres Produkt am Start. Mich konnte der leichte und etwas eindimensionale "Vida" nicht so recht überzeugen. In Europa sind die "Del Maguey"-Brände bei TWE erhältlich.
Am Rande der Veranstaltung konnte ich Barfish-Chef Alexander Troopmann noch ein paar Fragen stellen...

whatadrink: Alex, Du betreibst seit einiger Zeit den Barfish-Onlineshop, der nicht nur gängige Spirituosen und Cocktailzutaten im Angebot hat, sondern auch die eine oder andere Spezialität. Bevor wir zum Mezcal kommen, wie hat sich Tequila als Produkt bei Euch in den letzten Jahren entwickelt? Welche "Tequilaklasse" (also Blanco, Reposado oder Anejo/Extra Anejo) wird am meisten nachgefragt?

Alex Troopmann: Der erwartete Tequila-Hype blieb in den letzten Jahren im großen und ganzen leider aus. "Leider" vor allem deshalb, da ich Tequila durchaus als spannende Spirituose befinde und auch die Qualität der 100%-Agave Produkte sich sehen lassen kann. Dazu kommt das optisch sehr gelungene Outfit so manches Tequila-Brands, der im Backboard auch geil aussieht. Am meisten nachgefragt ist der Blanco, dicht gefolgt vom Reposado. Anejo ist eher weniger gefragt, jedoch mixen viele unserer Kunden den Tequila eher, als ihn pur zu verkosten. Von daher fällt die Wahl eher auf "jüngere" Tequilas.

wad: In Sachen Mezcal hat Barfish bisher nur ein gängiges "Industrieprodukt" in seinem Shop. Wirst Du in der nahen Zukunft vielleicht einen Versuch mit der ein oder anderen Premium-Range (mit Endpreisen von 40 EUR aufwärts) starten?

AT: Das bekannte "Industrieprodukt" wird tatsächlich vor allem des (sinn-zweifelhaften) Wurms in der Flasche wegen gekauft, wie mir scheint. Als bekennender Cocktail Nerd gefällt mir die Idee des Premium-Mezcals sehr gut. Schon allein, um hier die Lücke für interessierte Connaisseurs zu schliessen, würde ich durchaus gerne den ein oder anderen Versuchsballon über der Agaven-Plantage steigen lassen.

wad: Wie schätzt Du persönlich als Cocktail-Aficionado das Potential von Mezcal in Deutschland ein? Glaubst Du, dass handwerklich hergestellter Premium-Mezcal bei uns den Stellenwert und die Marktposition von 100%-Agave Tequila erreichen kann?

AT: Da sich meiner Erfahrung nach auch Tequila in hoher Qualität nach wie vor erst weiter etablieren muss beim deutschen Gaumen, glaube ich nicht an den schnellen Erfolg von Premium-Mezcal hierzulande. Ich gehe eher davon aus, dass Mezcal die nächsten Jahre ein Nischenprodukt bleiben wird - vorerst. Und auch wenn Mezcal aus der "Tequila-Ecke" kommt, könnte ich mir vorstellen, dass er auch Gefallen bei Liebhabern von z.B. Obstbränden finden könnte. Gerade als Münchner ist mir jedoch nicht entgangen, dass sich die Barkultur mit grossen Schritten entwickelt und dies neue Perspektiven eröffnet. Wenn das Interesse an Cocktails und Barkultur weiter zunimmt in Deutschland, ist hochwertiger Mezcal zweifelsfrei eine tolle Bereicherung für alle Aficionados!

wad: Danke für das Interview, Alex.

Zum Abschluss noch ein paar Links: Während in Simon Difford's Cocktaildatenbank weiterhin nur ein Mezcaldrink zu finden ist, kommt man hier, hier und hier zu einer ganzen Menge neuer Anregungen. Mein Lieblingsmezcaldrink ist aber weiterhin "Man In Fire" von Gregor de Gruyther, den ich folgendermaßen zubereite:

Man In Fire

3cl Mezcal (Alipús - San Juan Del Rio)
3cl Lagavulin 16y / Laphroiag 1/4 Cask
1/2 Barlöffel Löwenzahnhonig
1 Barlöffel Agavensirup ("Naturel" Premium Bio)
3cl Limettensaft
shake + strain in (small) Tumbler (mit halbem Limettensaft-Rauchsalzrand)

Ob der Mezcal nun der bessere Tequila ist? --- Hm, irgendwie schon...

Donnerstag, 21. Juli 2011

Deko: Tiki Monkeys sind der letzte Schrei... oder auch nicht.

Damit ich möglichst schnell irgendeinen Bloggerpreis gewinne und so für lau in den Besitz eines unnützen Apple-Gimmicks komme, serviere ich heute einen Beitrag aus der Sparte "Worüber sonst niemand schreibt". Es geht konkret um zwei Herren namens "Pete the Pirate Monkey" und "Putu the Monkey", die seit ein paar Wochen im Onlineshop "Cocktailian" für je 10,90 EUR zu haben sind.
Nun bin ich persönlich kein Freund üppiger Cocktaildeko und schon ein nichtschwarzer Strohhalm verursacht bei mir Gänsehaut. Brrrr. Anders verhält es sich freilich in Sachen Tiki. Dort sind traditionell geschmackvoll-kitschige Keramiken mit wilden Fratzen oder stilvolleres wie z.B. hohle Eight-Balls sozusagen obligatorisch. Bei den beiden hier nun zu behandelnden Primaten handelt es sich zwar mehr oder weniger um Gefäße, doch wird von einer direkten Befüllung der von Hand mit Schnitzwerk und Malerei verzierten Kokosnüsse vom Vertreiber abgeraten.
Es empfiehlt sich vielmehr - schon aus hygienischen Gründen - der Gebrauch eines Glases, das befüllt mit einem karibischen Trunk, in den hohlen Schädel praktiziert wird. Deckel zu, Trinkhalm rein und ab zum Endkonsumenten. Klingt leicht - ist es auch. Leider hat in den opulenten Denkgefäßen lediglich ein eher mittelgroßes 0,25l-Becherlein Platz, dessen Standfestigkeit sich mit ein paar Krümeln crushed ice (siehe Foto) mehr oder weniger verbessern lässt. Durch Letzteres behält der Affe zudem einen kühlen Kopf und den kann er schließlich brauchen.
Ob nun formvollendetes, folkloristisches Kunsthandwerk (von den Philippinen) oder ausgehöhlte (und tiefgekühlte) Ananas - Tikidrinks und Deko das gehört zusammen wie Hund und Haufen! Salute!

Dienstag, 19. Juli 2011

DIAGEO RESERVE World Class 2011 - hier: Das Finale 2011

Nachdem ich bereits über zwei Trainingstage im Vorlauf der nationalen Ausscheidungen zur DIAGEO RESERVE World Class 2011 berichten durfte, möchte ich noch ein paar Gedanken zum Finale, das letzte Woche in Neu Delhi über die Bühne ging, anfügen.

Zunächst war es einfach nicht möglich den Termin zu "vergessen". Die gesamte Weltelite der Mixologen und sonstigen Experten verkündete via Fb "...on the way to India/Delhi". Aha. Schön zu wissen. Einige der Fachleute hielten die Daheimgebliebenen zudem online auf dem Laufenden. Besonders hervorgetan hat sich dabei ein gewisser Jörg Meyer aus Hamburg. Auch aufgrund seiner penetranter Art der Berichterstattung blieb kein Detail verborgen. Ich darf auf die hier hinterlegten Links verweisen... (Danke Jörg!)
Die Frage "Was ist die "World Class"?" sollte also hinreichend geklärt sein. Interessanter erscheint mir "Was bringt uns das Ganze?" oder "Was bleibt von der Party?". Nun, da lohnt ein Blick zurück. Im Finale 2010 standen sich 24 (jetzt sogar 32 - aus 34 Ländern) Bartender gegenüber. Diese hatten wie 2011 auch in verschiedenen "Disziplinen" gegeneinander anzutreten. Gewinner des Titels "World Class Bartender Of The Year 2010" wurde der Londoner Erik Lorincz. Zusammen mit Simon Difford's "Odd Firm Of Sin" entstand ein - wie ich finde - besonderes Buch mit dem Titel "Search For The World's Best Bartender 2010", das die Veranstaltung mit allen Rezepten und Infos zum Wettbewerb wiedergibt. Die dort enthaltenen Hinweise zu Trends oder auch einfach die ein oder andere Idee zu einem guten Drink, sind die Sache doch irgendwie schon wert. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon wieder auf die "World Class 2012" und ihren umfangreichen Vorlauf und kann diese Veranstaltungsreihe nur jedem empfehlen, der sie bisher nicht besucht bzw. an den Wettbewerben teilgenommen hat.
Abschließend möchte ich noch auf die aktuelle Berichterstattung in der Onlineausgabe des "CLASS magazine" verweisen.

Hinweis: Das Bildmaterial wurde mir dankenswerter Weise von DIAGEO Deutschland zur Verfügung gestellt.

Alles Bio: Pergers Säfte und Dwerstegs Liköre

Die beiden Familienbetriebe "Perger" und "Dwersteg" hatten letzten Montag zu einem gemeinsamen Infonachmittag an den Sitz von "Perger" nach Breitbrunn geladen und neben zwei Herren vom Barteam des Münchner Leonardo-Hotels, den Machern der nagelneuen Züricher "saftlade"-Biobar, der Fachpresse und einigen Vertretern des Münchner Barzirkels war auch ich bei zunächst etwas zwielichtem Wetter mit an den Ammersee gekommen.

Dort begrüßten uns "Saftbaron" Freiherr von Perger nebst Gattin und Moritz Teriete, Marketingmann der Steinfurter "Dwersteg" Destillerie. Nach einem Rundgang durch die Pergersche Mosterei samt Abfüllanlage ging es per PKWs in Richtung Hechendorf zu einem Teil der firmeneigenen Holunderplantagen, wo sich aktuell 129 Schweine aus drei alten Rassen (Bunte Bentheimer, etc.) mit Blick auf den Ammersee nützlich machen. Die Tiere sind nicht nur für die Erzeugung erstklassigen Schweinefleischs zuständig und lockern mittels Rüssel den Boden auf damit kein Unkraut aufkommen kann, sondern vertreiben sogar die für die Buschbepflanzung schädlichen Wühlmäuse.
Zurück auf dem Anwesen der Pergers gab uns Moritz Teriete einen kurzen Einblick in die Historie der Destillerie "Dwersteg", die in unseren Breiten sicher noch nicht sehr bekannt ist. Die Produktphilosophie lässt sich in etwa so zusammenfassen: Qualität statt Quantität. "Dwersteg" hat sich dabei auf seine Kernkompetenz - hochwertige Liköre - konzentriert und bietet heute eine ganze Reihe - genannt "Dwersteg Organic" - von Biolikören an. Bisher geschah das vornehmlich im Bio-Einzelhandel. Dort war mir der Ingwerlikör "Gold Cat" schon aufgefallen. Nun soll aber auch die Barszene erobert werden. Die Likörreihe wird mit einem Weizenkorn (32% Vol.) und einem Weinbrand (38% vol.) abgerundet. Zudem stehen mit zwei Rum-, einer Vodka-, einer Blended Scotch- und einer Ginabfüllung der Londoner "Thames Distillery" fünf weitere Bio-Basisspirituosen im Portfolio.
Beim Durchprobieren der einzelnen Liköre fiel mir der geradlinige Bezug zur jeweiligen Sorte auf. Der Kaffeelikör (derzeit stammt der Rohkaffee aus Kolumbien) überzeugte mit einem schönen runden Gesamtbild und war weder zu süß, noch sprittig oder gar rumlastig (wie manch anderes Produkt). Interessant fand ich auch den Halbbitter Amaro (30% vol.), der unter Verwendung von frischer Orangen- und Zitronenzeste hergestellt wird. Dabei werden Bio-Früchte angeliefert, die dann von Hand geschält werden. So wird, nach Meinung von "Dwersteg", die benötigte Essenz perfekt in Eigenregie hergestellt. Im Vergleich zum italienischen Bitter "Amaro Nonino" mit seinen pfefferigen Noten im Abgang gefällt der Halbbitter mit seiner angenehmen Süße und dem deutlichen Orangenaroma. Er ist so eher fruchtig, als dass Kräuterzusätze überwiegen. Im Vergleich zum sprichwörtlich cremig-dickflüssigen Archetyp eines Crème De Cassis von "Boudier" (20% Vol.) kommt "Dwerstegs" Cassis (ebenfalls 20% Vol.) wesentlich leichter und mit ausgeprägter Fruchtnote auf den Gaumen. Er erscheint nicht so mehrdimensional, wie der Franzose, gefällt aber wie schon der Amaro durch sein ausbalanciertes Geschmacksbild. Wer also nach einem "neuen" Likörerlebnis sucht, sollte sich "Dwerstegs" Range durchaus einmal in Ruhe ansehen bzw. durchprobieren. Achja, der 40%ige Orangenlikör (kein "Triple Sec", eher "Orange Curacao") auf der Basis eines Weindestillats hat mir auch gut gefallen. Für die Gastronomie gibt es die Möglichkeit zum Direkteinkauf mit Gastropreisliste (Kontaktdaten siehe unten).

Bevor es ans Vermixen ging, konnten natürlich auch alle "Perger"-Produkte ausprobiert werden. Ich persönlich schätze besonders den Ananas- und den Mandarinensaft sowie die "Lukullus"-Serie, zu der der Chef persönlich die Erläuterungen gab. Insbesondere die drei Weißwein-Ersatz-Cuvées namens "Silvius", Aurelius" und "Quintus" kamen bei mir sehr gut an. Leider liegt die 0,375l-Flasche im Einzelhandel bei 5-6 EUR. Da macht der etwas günstigere Einkauf im Hofladen doppelt Spaß, da dort auch "rare" Spezialitäten wie die 0,2l-Abfüllungen "Apfel-Mango" (mit ausgeprägtem Mangoaroma) oder die nicht zu blumige "Edelblüte" (Holunderblütengetränk mit Trauben- und Zitronensaft) zu finden sind. Dazu gibt es dort auch die gesamte Auswahl an Fruchtsirup (Granatapfel!) und Bio-Limonaden sowie eine Bier- und Weinauswahl - alles Bio.
Den anwesenden Mixologen wurden als besondere Aufgabenstellung eine Sprituose bzw. ein Likör und ein Saft bzw. Mixer aus der Limonadenserie zugelost. Ich kam mit Gin und "Benny's Apfel-Himbeerschorle" gut weg, während andere Kombinationen wie z.B. Eierlikör und Kindersaft zu schwerem Kopfzerbrechen führten. Letztlich wurden an der Open Air-Bar aber zahlreiche erstklassige Kreationen vorgeführt, die Presse- und Fachleute gleichmassen überzeugen konnten bevor der rustikale Smokereigenbau zum Einsatz kam, um den gelungenen Tag mit Pergerschem Schwein und selbstgemachten Salaten abzurunden


Bezugsquellen:
Perger Säfte
Herrschingerstr. 51
82211 Breitbrunn am Ammersee
Tel.: 08152/8551
Fax: 08152/5738

Ludwig Dwersteg jun. GmbH & Co. KG
Altenberger Strasse 38
48565 Steinfurt
Telefon: 0 25 52 / 44 16
Telefax: 0 25 52 / 44 07
E-mail: info@dwersteg.de bzw. moritz.teriete@dwersteg.de

Freitag, 8. Juli 2011

Sylter Hopfen

In der Reihe "Bier her oder ich fall um!" möchte ich heute eine Bierspezialität aus "dem hohen Norden " - genauer: von der Insel Sylt - vorstellen. Bier von Sylt? Und es kostet rund 20 EUR für 0,75l? - Ja. Wie vielerorts bereits gewürdigt, denn das Getränk der "Westindien Compagnie Seehandelsges. mbH" mit Sitz in Flensburg ist seit einigen Jahren auf dem Markt, entstammt das Bier einer Idee der Herren Boysen und Kipka, die seit 2004 mit Hopfenanbau auf Sylt experimentieren. Informationen zu Philosophie und Besonderheiten des "Sylter Hopfens" findet man auf der ausführlichen Heimseite - Ich komme also gleich zum Wesentlichen...
Wie andere neue Edelbiere, z.B. "1598" aus Wallerstein" und "Franz Anton Schäffler Triple", kommt es in einer schweren 0,75l-Flasche mit Kork und Draht. Schwer erscheinen auch die 7,1% Vol. und 17,6% Stammwürze der "Ernte 2010". Mir liegt zur "Bierprobe" die Flasche Nummer 00795 vor:
Im Glas zeigt sich das Bier einladend bernsteinfarben und mit feinem Schaum, der sich allerdings nicht sehr lange hält. Äußerlich erinnert mich das Sylter Bier an das Bière Brut von "Malheur". Die Blume ist malzig-frisch, aber doch eher zurückhaltend. Im Mund offenbart sich dann die Überraschung: Der "Sylter Hopfen" ist entgegen meiner Erwartungen ein erfrischender, enorm spritziger - ja schon zitroniger - Geselle, der herrlich auf der Zunge tanzt und seine Apfel- und Pfirsicharomen versprüht. Dabei kommen deutlich mehr Hefe- als Hopfennoten rüber. Letztere machen sich sogar überraschend früh aus dem Staub, hinterlassen aber genug Würze für den runden Abgang. So ein süffiges Bier mit leichtem bis mittelschwerem Körper macht definitiv Spaß.
Der "Sylter Hopfen" ist im Onlinehandel und bei Kaufhof für 19,95 EUR erhältlich.