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Sonntag, 9. Februar 2020

Dahin wo es wehtut: Schoko-Bananen Cremelikör

"Don't want to tell you shit
Just want to give you kick
Don't want to make you cry
Just want to get you high

It's so fucking yeah
It's so fucking yeah, yeah, yeah, yeah"

(It's so fucking yeah, Die Raketen, 2004)

Sabbatical ist vorbei. Die Welt der Trinkkultur hat noch Hoffnung auf Rettung. wad! ist zurück und geht direkt dorthin, wo es richtig wehtut, denn es gibt noch ein paar Stories zu erzählen...

Daher widmen wir uns zur Wiederbelebung dieses Blogs (Gibts das eigentlich noch? Blogs?) einem echten Knaller: Dem Casali Original Schoko-Bananen Cremelikör aus dem Hause Fischer Spirits. Wot? Jo, das Ding kommt (natürlich) aus Österreich - genauer vom Alt Wiener Spirituosenmuseum in Vienna (das just am 6. Oktober 2019 den Museumsbetrieb eingestellt hat). 500ml für ca. 13 EUR mit satten 15% Vol.



Aber Schoko-Bananen? Yeah, das hier ist der flüssig gewordene Alptraum von Bananen-Fruchtschaum in Schokolade - oder besser von unnötigem Süßkram - als Sahnelikör. Die echten Schoko-Bananen von Casali sind übrigens Faitradeschleckereien. Die liquide Variante ist das nicht, aber dafür kostete es mich einiges an Überwindung die Flasche zu öffnen und einen Schluck zu probieren, was wiederum den Re-Start des Blogs um Monate verzögert hat. 

Nun, das Urteil: Es hat gar nicht sooo wehgetan. Die Schokoladensahne dominiert und die Banane spielt nur die Nebenrolle. Auch ist der ganze Spaß nicht so süß wie befürchtet. Oder um im Diktus zu bleiben: Der is schee arg. Auch der Abgang - wenn ein Sahnelikör sowas überhaupt hat - ist angenehm kurz. Die unvermeidliche Beschichtung der Mundhöhle lässt sich durch rasches Nachtrinken mit neutraleren Getränken schnell wieder ablösen. Puuh. Letztlich ist dieser Likör nichts anderes als ein bananisierter Bailey's-Klon, der in keiner Hausbar stehen sollte.



Dienstag, 16. Mai 2017

Zuckerrüben-Rum und Kirsch aus dem Holzfass

"Look he’s a showboat, he’s a grandstander,” Trump said. “You know that, I know that. Everybody knows that." (Donald Trump)

Ein eigener Blog ist großartig. Du kannst schreiben, was du willst. Und vor allem auch wieviel du über welches Thema tippst und wann du das dann an die Öffentlichkeit bringst, ist dir überlassen. Keine Deadline, kein Rumgestreiche irgendeines Fuzzis in deinem Text. Und eine Story kann man auch mal zwei Jahre vor sich herschieben.

Nicht ganz so lang hat es gedauert, um zur Abwechslung mal über Zuckerrübenbrände zu berichten. Yes, das ist sozusagen der letzte Schrei der deutschsprachigen Obstbrenner. Zuerst haben sie Whisky - tschuldigung Single Malt - neu erfunden, dann warf jeder seinen Gin auf den Markt und nun gehts in breiter Front an Rum. Das soll ja das ganz große Ding sein (wad! berichtete bereits). Ganz innovative Vertreter verzichten auf den Ankauf von Zuckerrohrmelasse und geben sich dem regionalen Grundstoff, der Zuckerrübe bzw. der Zuckerrübenmelasse hin.

"Braucht's das?" sollte der geplagte Leser an dieser Stelle fragen und ich sage: "Ja". Zwei Exponate stehen zur ausgiebigen Verkostung auf dem Tisch. Zum einen der RUMour Of Switzerland namens The Last Barrel. Witzigerweise habe ich eine Flasche der ersten Single Cask-Abfüllung mit Nummer 1 davon ergattert - sozusagen The First Barrel (56%, 0,7l ca. 150 Sfr.). Aber genug der Wortklauberei. In der Schweiz wurden die gängigeren Varianten White, Gold (je 42%) und Strong White (60%) schon kräftig in Barkreisen beworben (0,7l je 60-70 SFr). Mir fiel ein Flascherl von Barrel No. 1 im Zürcher Ladengeschäft von Glenfahrn in meine zittrigen Hände, wo sich der kompetente Verkäufer gleich noch die letzte dort erhältliche Flasche mit den (sinngemäßen) Worten "Der erste Schweizer Rum!" unter den Nagel riss. Guter Mann. Und guter Stoff! Der Alpenrum geht ab, hat Biss und Körper und - für ein recht jugendliches Premium Zuckerrübendestillat  auch eine schöne Länge. Ein klein wenig Wasser und noch mehr Luft verbessern das Sipping-Erlebnis maßgeblich. Stichworte: trockene Eiche, leichte Süße, herbe Zitrusschalen. Dass das Singlecask im Gegensatz zu den Standards ohne Zuckerung auskommt, darf ich lobend hervorheben. Mehr davon, bitte!
 
Weniger loben muss ich die Homepage, die außer einer fraglichen Story beginnend in 1773 mit einem Seefahrer (!) über Napoleon (!) bis zu einem Herrn Fässler, dem "wahrscheinlich" ersten Produzenten des geheimen Rezepts (das just 2014 in einem antiken Keller wiederentdeckt worden ist). Leider ist der schon 1841 verstorben. Infos zum heutigen Produzenten etc. finden sich nicht. Eine Emailanfrage an Glenfahrnboss Messmer blieb unbeantwortet. Das alles erinnert an die Anfangszeit von Monkey 47. Naja, dann wird der Erfolg wohl auch ein durchschlagender sein... What a drink! oder Uf wiederluege!

Aus der Schweiz hüpfen wir nach Österreich. Genauer nach Niederösterreich. In Göttlesbrunn nicht weit von der Donau und der Römerstadt Carnuntum betreiben Grete und Birgit Wiederstein eine "Weiberwirtschaft" und produzieren Weine und Destillate. Besonders interessant erschien mir ein Old Stone genanntes Destillat aus Zuckerrübenmelasse (43% (früher 46%), 0,5l ca. 45 EUR). Zitat Frau Wiederstein: "Ein Produkt mit Erdung und heimischer Verwurzelung". Äh ja, so schmeckt das blasse Ding dann auch. Die Nase ist unerwartet intensiv mit einem süßen Touch wie ein schottischer New Make (ohne dass ich jetzt Hunderte davon probiert hätte). Im Mund - nunja - würde ich auf Rübe tippen. Erdig ist der Brand und jugendliche Holzaromen lassen sich ebensowenig verleugnen wie ein Eindruck von einem Obstler. Insgesamt nicht unangenehm, aber eher Medizin als Rum. Auch hier tut etwas Sauerstoff gut. Irgendwie könnte der auch aus vergorenen Rüben - statt aus Melasse - sein. Die Infos auf der Homepage geben hier etwas mehr Auskunft - z.B. findet die Fassreifung auf einer Zille auf der Donau statt. Aha. Eine Turboreifung wie in den USA scheint das aber nicht zu sein - eher ein Gegenentwurf. Das Packaging hat sich offenbar auch geändert. Die schwarze Flasche mit dem Wachsklecks finde ich sehr gelungen.

Da mich der alte Stein nicht gepackt hat und mich Gin Gini nicht die Bohne interessiert, wollte ich statt einem Interview mit der Brandstifterin (ja, heut ist Tag der Wortspiele) die Obstbrände von den Wiedersteins nicht unversucht lassen. Marille (40%) und Rote Williamsbirne (41%) habe ich mir ausgesucht, aber leider haben mich beide nicht vom Hocker gerissen. Ja, saubere, klare Brände. Filigran und reinsortig. Aber auch kurz und leicht. A bisserl dünn. Schade, dass es keine Abfüllungen mit über 43% Vol. gibt (0,2l ca. 20 EUR).
Zum Schluss gibt es aber noch was Rustikales für den abgestumpften Gaumen des Testers: Einen 9jährigen deutschen Kirschbrand von einem belgischen Abfüller in Fassstärke! Bingo.
Das Brett kommt mit 51,9% Vol. (0,7l für 85 EUR) von Beacon Spirits und nennt sich Single Cask Cherry Spirit. Auf Nachfrage konnte mir Patrick Proth aber nur mitteilen, dass er den Stoff von seinem Importeur gekauft hat, der das Fass schon länger im Warehouse hatte. "Kersenthee op steroïden" überschrieb Mark Dermul 2016 sein Review und das kommt ziemlich hin. Großartige Kirscharomen vor trockener Eichenkulisse. Keine Vanille, keine Kokosnuss oder sonstwas störendes. Ölig und von sehr guter Länge. So geht Obstbrand, Freunde der Brennblase! Whatadrink!

Dienstag, 2. Juli 2013

NEFT - Russischer Dosenvodka aus Österreich?

"I concentrate on the 'Absolut & Cranberry' I'm holding and it looks like a glassful of thin, watery blood with ice and a lemon wedge in it." (Bret Easton Ellis, American Psycho, 1991)

"Schon allein wegen der Flasche lohnt es sich diesen edlen Vodka zu kaufen" (Anonym, 2012)

"(Vodka is...) neutral spirits, so distilled, or so treated after distillation with charcoal or other materials, as to be without distinctive character, aroma, taste or color." (Bureau Of Alcohol, Tobacco and Firearms, T.D. 5707, 1949-2 C.B. 252. 1949)

"Vodka ist Sex!" (whatadrink!-Blog, 2013)

"How can anybody drink this stuff?" (Booker Noe II, Jim Beam Master Distiller, 1974)

Gleich fünf nette Zitate zum Thema. Nun, es geht schließlich um Vodka. Schon wieder. Und da gehört ein bisschen Tamtam eben dazu. Da ich hier eine gewisse wissenschaftliche Neutralität an den Tag legen sollte, macht es vielleicht Sinn über die Spirituose zu berichten, die mit möglichst großem Marketinggedöns, zugleich aber möglichst wenig Geschmack, den größtmöglichen Umsatz erreicht. Das sollte uns (zumindest) Respekt abringen.

Respekt bringe ich auch einer - zugegeben nicht ganz neuen - Vodkamarke entgegen, die bisher zumindest auf eines verzichtet hat: Flavoured Vodka. Sonst wurden alle Klischees erfüllt: Besondere Geschichte / Rezeptur / Herstellung und Filtration, ungewöhnliches und hochwertiges Packaging, Bling-Bling und schmucke Girls am Messestand, Eventsponsoring und die Verbindung zu Rock/Pop/Rap-Künstlern nebst Product Placement in geschmackvollen Musikvideos. Bei mir verursachen Begriffe wie Produktinszenierung und Big Idea regelmäßig Gänsehaut. Irgendwie könnte es auch um Babywindeln gehen. Hier aber nicht. Es geht um Öl, harte Männer, Russland, Roggen und Österreich.

Ja Österreich. Denn dort wird NEFT (= Öl) produziert. Produziert heißt in diesem Fall destilliert, gefiltert und verpackt. Verpackt wird in eine Dose in Form eines 0,7 Liter kleinen "Ölfasses" in schwarz oder weiß. Sieht nett aus, liegt gut in der Hand. Aber genug davon. Stellen wir uns die alles entscheidende Frage: What is in the bottle? Hier etwas abgewandelt: What is in the can?

NEFT musste sich - seiner Klassifikation als traditioneller Roggenvodka entsprechend - mit Abfüllungen von Green Mark Rye, Chopin Rye, Wyborowa Exquisite (auch wenn die z.T. aus Polen kommen oder gar nur rye flavoured sind) und auch ein paar Weizenvodkas messen. Das Ergebnis: Das ist ein sehr guter Vodka und das ist auch ein sehr guter Roggenvodka, der mit den erwähnten Platzhirschen voll und ganz mithalten kann. 

Ich konnte NEFT General Manager Thomas Holzinger ein paar Fragen zu seinem Diogenesvodka stellen. 

whatadrink!: NEFT kommt aus Österreich?


Thomas Holzinger: Korrekt, es wird alles in Österreich hergestellt, die Barrels sowie der Vodka selbst. 

wad: Woher stammt der Rohstoff Roggen?

TH: Wir verwenden drei verschiedene Sorten von Winterroggen, daher der süßliche Geschmack.
wad: Werden alle Produktionsschritte in Österreich ausgeführt?

TH: Ja.

wad: Destillieren Sie auf einer eigenen Anlage oder wird das NEFT-Destillat von einem Kooperationspartner produziert?

TH: Unser Kooperationspartner ist Freihof in Lustenau. Die Destilliere Freihof ist ein Traditonsfamilienbetrieb.

wad: Ah ja. Gebhard Hämmerle und die Freihof Destillerie stellen auch andere Produkte für Auftraggeber/Markeninhaber her und sind natürlich für ausgezeichneten Obstbrände bekannt.

In Ihrer Präsentationsbroschüre ist von "kleinen Chargen" die Rede. Das ist ein relativer Begriff. Wie groß muss ich mir eine Charge NEFT vorstellen? 

TH: Gute Frage. Wir produzieren max 200.000 Liter im Monat, was im Vergleich zu unseren Konkurrenten gar nichts ist. Das ist zugleich auch unsere max. mögliche Kapazität mit der derzeitigen Anlage. Da wir aber „nur“ 200.000 Liter herstellen, stellen wir auch 100% unseres Destillates selbst her. Wir kaufen keinen Industriealkohol ein und mischen diesen dazu wie andere Hersteller. Weiter mischen wir auch keine Additive oder jegliche chemische Geschmacksverstärker hinzu - auch keinen Zucker oder dergleichen.

wad: Planen Sie für die Zukunft aus eine flavoured Version? Wenn ja, in welcher "Geschmacksrichtung"?

TH: Derzeit nicht, da unsere russischen Investoren nichts davon halten.

wad: Wer hatte die Idee zur "Öldose"?

TH: NEFT bedeutet ÖL und da unsere Investoren durch den Rohstoff sehr wohlhabend geworden sind, lag es nahe einen Vodka Brand danach zu taufen. Da kam ich dann ins Spiel. Ich habe eine 10-seitige Beschreibung des Destillationsprozesses bekommen und dazu den Auftrag den Vodka nicht in Glas abzufüllen, weil das ja jeder hat. Auch hatte bzw. habe ich bis dato kein Marketingbudget, so lag es nahe einen Eyecatcher zu entwickeln und ein Ölbarrel hat irgendwie was. Positiver Sideeffekt: Es gibt überall Ölfässer welche mit geringen Kosten in dekorative große NEFT-OIL-Stehtische umgewandelt werden können.

So, genug der Infos. Die Frage, ob man nun die weiße oder die schwarzlackierte Dose möchte (Der Inhalt ist identisch) und ob man über 40 Euro für eine Dose Vodka hinlegen will, muss ja jeder selbst für sich beantworten. Nochwas: Kann mir irgendjemand diese Seite hier erklären

Einige der obigen Fotografien wurden mir freundlicherweise von der NEFT Vodka Distribution LLC überlassen.

NEFT im spektakulären Musikvideo:




Harte Männer heute:

 

Harte Männer früher:
 

Dienstag, 10. April 2012

Weutz - Whisky aus der Steiermark

Als allerletzte Nachlese zum 2012er "Finest Spirits"-Festival darf ich heute einen kleinen Blogeintrag zum Thema Whisky aus GSA - genauer: aus Österreich - noch genauer: aus St. Nikolai in der Südsteiermark - nachreichen. Whisky aus Deutschland, Österreich und der Schweiz war bei den "Finest Spirits" schon immer gefragt - dieses Jahr waren aber besonders viele Aussteller aus dem Alpenraum zu Gast in München.

Und die haben sich mittlerweile auch als eigenständige Kategorie etabliert. Wirklich? Nun, das "Malt Whisky Yearbook 2012" listet aktuell insgesamt 22 Brennereien aus GSA auf. Und in Jim Murray's "Whisky Bible 2012" finden wir Angaben zu 66 Herstellern und Tastingnotes zu knapp über 200 (!) Abfüllungen. Wieviele davon haben Sie schon verkostet? Und Sie sagen immer noch deutschsprachige Whiskys sind völlig bedeutungslos und nur bessere Bierbrände?

Ich konnte mir schon vor der Messe einige Produkte der österreichischen Brennerei Weutz (sprich: We-utz) probieren. Brennmeister Michael Weutz sammelte vor über 20 Jahren erste Whiskybrennerfahrungen und besticht mit seinem Portfolio auf den ersten Blick mit viel Phantasie und ungewöhnlichen Kreationen. Oder haben Sie schon einmal Whisky, bei dessen Herstellung gebratene Kastanien ("Maroon"), Holunderblüten ("Franziska") oder geröstete Kürbiskerne ("Green Panther") Verwendung fanden, probiert?Ich begann meine Tastingreihe mit dem "Sugar Corn" (40,5% Vol., 51% Mais + 49% Gerstenmalz), der mir mit seiner Obstbrandnase (Klischee hiermit erfüllt!) aber nicht zu süß vorkam. Er kommt aber auch aus französischer Limousineiche mit mittlerem Toasting und nicht aus einem amerikanischen Bourbonfass. Meine Tops waren dann der ausgewogene und wirklich vanille-nussige "Maroon" (42,8% Vol., 10% gebratene Kastanien), der "Origin Spelt" (43,2% Vol., 51% Dinkel, Biozertifikat) mit ausgeprägtem Getreide und gutem Vollkornbrotfinish und der rauchige "White Smoke" (41,5%) dessen Malz über Buchenholz (nach)geräuchert wurde.

Mein Favorit bleibt der vanille-malzige "Hot Stone+" aus der "Strong Edition" mit 48,1% Vol. Viel Nuss und Nougat konnte ich da erschmecken. Letzter schlägt übrigens mit 62 EUR für 0,5l zu Buche, aber Qualität hat ja seinen Preis. Mein Fazit: Eine hochinteressante Palette mit durchaus brauchbarem Whisky. Da sollte für jeden etwas dabei sein.Im Rahmen der "Finest Spirits" konnte ich kurz mit Herrn Weutz sprechen:

whatadrink!: " Gehen wir gleich in die Vollen. Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre außergewöhnlichen Whiskykreationen und wielange dauert es dann von der Idee bis zur Verwirklichung?


Michael Weutz: Getrieben wird die ganze Sache eigentlich von den eigenen sensorischen Wünschen und Vorstellungen, die man als Brennmeister so lebt. Und die Eindrücke, die man sammelt, versucht man eben in irgendeiner Form umzusetzen. Die Entwicklung geht relativ schnell, denn unser Partner ist Biochemiker und Maschinenbauer und ist seit 30 Jahren als Bierbrauer sehr erfolgreich. Wir beide sind gemeinsam sensorisch ganz gut drauf und wissen an welchen Schrauben wir drehen müssen um den passenden Geschmack zu bekommen.

wad: D.h. wenn der Weg schon einmal gegangen wurde und Erfahrungswerte gesammelt wurden, können Sie diesen dann mit anderem Ziel nochmal beschreiten?

MW: Ja, im Prinzip ist die Art der Whiskyproduktion ja vorgegeben. Es geht grundsätzlich um die Zutaten. Wir haben festgestellt, dass das Wasser dabei eine interessante Rolle spielt. Damit kann man ganz viel bewirken und natürlich auch wenn man z.B. anfängt das Malz mit Torfrauch zu darren. Das sind die Hauptschrauben an denen wir drehen können. Die Fasslagerung an sich ist natürlich auch ein spannendes Thema, wobei ich am meisten mit Sherrywoodfinish bewirken kann. Wir produzieren eigenen Sherry und haben dadurch noch mehr Möglichkeiten zur Justage, um unsere Produktvielfalt möglichst breit aufzustellen.

wad: Alle Ihre Fässer kommen aus Frankreich, sind also aus europäischer Eiche?

MW: Wir haben ausschließlich französische Eiche und variieren mit Limousin- bzw. Alliereiche in allen verfügbaren Toastingstufen. Wir haben rund 200 Fässer und verwenden diese mehrfach. Nur wenige Neue kommen jährlich hinzu. D.h. die meisten Fässer sind schon in der Zweit- oder Drittfüllung. Damit werden wir auch nicht zu holzlastig.

wad: Ihr Whisky ist auch relativ jung, wenn er in die Flasche kommt. Drei- bis sechsjährige Whiskys haben Sie derzeit im Angebot.

MW: Ja, wir planen natürlich auch ältere Produkte zu kreieren. Unsere Lagerlogistik ist auf 18jährigen Whisky ausgelegt. Aber das dauert eben noch.

wad: Wie sieht ihr Lagergebäude aus?

MW: Das Herz unserers Betriebes ist ein 100 Jahre altes Winzerhaus und das besitzt einen wunderschönen, alten Gewölbekeller, der seinerzeit als Weinkeller genutzt wurde, und dort liegen unsere Fässer.

wad: Wie machen sie im Marketing deutlich, dass Sie als österreichischer Whiskyproduzent ein eigenständiges Produkt am Start haben, das man auch nicht mit schottischem Whisky vergleichen sollte?

MW: Vergleichen ist da überhaupt nicht zulässig. Wir versuchen ja authentisch zu arbeiten, d.h. wir mälzen beispielsweise einen Teil des Malzes selber, und gehen so einen besonderen Weg. Die Getreidemaischerei ist bei uns im Haus und wir läutern vor dem Brennen. Wir unterscheiden uns also schon von vielen anderen im alpenländischen Raum und haben da unsere eigene Philosophie. Außerdem produzieren wir ja im Vergleich zu Schottland praktisch in homöopathischen Dosen. Als geschulte Obstbrenner arbeiten wir mit der ganz feinen Klinge und mussten zuerst lernen einen "Dirty Whisky" zu brennen mit ein bissel Nachlauf und Vorlauf im Endprodukt. Das war anfänglich gar nicht so einfach.

wad: Der Brenner, der von einer Säulenanlage auf eine Potstill umsteigt um Malt zu brennen arbeitet dann ja auch mit ganz anderen Alkoholgraden. Das ist doch eine große Umstellung?

MW: Nun, wir haben eine wunderschöne Potstill und haben schon immer nur damit gearbeitet. Unser Mittelcut hat knapp über 70% vol. und wird dann zur Verbesserung der Oxidation herabgesetzt zur Lagerung. Das macht auch nicht jeder.

wad: Sie haben es gerade schon angesprochen. Wie groß ist denn ein Batch bei Ihnen?

MW: Ich rechne immer in Mittelcut. Eine Tagesproduktion beträgt ein Halb-Barrique also 112 Liter in Mittellaufstärke.

wad: Das ist wirklich nicht viel. Wenn man sich also von seinem liebsten schottischen (Groß)Produzenten Dinge wie Einzelfass- oder Small Batch-Abfüllungen wünscht, muss man feststellen: Bei Weutz bekommt das eigentlich immer.

MW: Ja, wir bieten immer Single Cask an. Unsere Wash Still hat 600 und unsere Spirit Still nur 300 Liter Volumen. Klein und fein eben.

(Hinweis: Für das beschriebene Tasting wurden Warenproben zur Verfügung gestellt.)