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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Barconvent Berlin 2012

Vor einer Woche ging in der Stadt, die so ist wie New York in den 70ern war, der Barconvent 2012 über die Bühnen. Ich hatte im Vorfeld gar keine so große Lust auf zwei Tage Messe mit Party und tralala und verfolgte die allgemeine Aufgeregtheit des Fachbereichs "Bar" mit hier und da verdrehten Augen und verzogenen Mundwinkeln (Stichwort: Bartenders X-Mas. Arrghh!). Sitzt man dann im Flieger gen Berlin und wartet geduldig im optisch gelungenen Retroairport namens Tegel ("Ich liebte ein Mädchen in Tegel, die hatte Ohren wie...") auf den Ex-Berghaintürsteher vom Shuttleservice, dann macht sich doch noch ein Gefühl breit, das man gelinde als Vorfreude bezeichnen könnte. Vorfreude auf was? 
understatement
Nun, z.B. auf die begleitenden Diskussionsrunden, Tastings und Showmixereien im offiziellen Messeprogramm oder auf den kleinen Nebenbühnen der Big Boys, die eigene (internationale) Stars aufbieten, oder auf die vielen Neuheiten, die verkostet werden wollen (Mezcal- und Tequila-SB-Tisch!), oder auf eine kleine Shoppingtour an den Verkaufsständen für Spirituosen, Barzubehör und Fachliteratur (Hatte ich glücklicherweise schon alles zuhaus.) oder auf sinnentleerten Smalltalk mit Marketingmenschen oder auf verdammt viele bestens gelaunte Bartender/-nerds (aus Europa und USA), mit denen man ein paar Worte wechseln und ggf. einen kleinen Trunk nehmen kann und die sich auch noch echt freuen einen hier zu sehen (und mich u.a. für einen Russen halten!) oder auf all das, weswegen man im Oktober sonst so nach Berlin reist (z.B. Regenwetter und Passiv- und/oder Crackrauchen). Naja, der Leser hat inzwischen gemerkt, dass ich den BCB dann doch genossen hab. Warum auch nicht, ich komm ja nächstes Jahr eh wieder...
 
Agavendiskussion
 Dave Broom
 
 the mezcal formerly known as Mano Negra
 Paradise 1
  Paradise2
  Paradise3
 nötig
 unnötig
 Pornorum
 Präsi-Rye und -Bourbon
 schöne Mexikaner
Meeresgin
 Rum-Schoko-Gedöns
 Yeeeeaaaah!
 "We Love Jager In Moscow!"
 we love gaz "black eye" regan in berlin
 absolut rote hose
 cheeeeeese!
 wenn einem gutes widerfährt, das ist...
 flasche leer (macht nix)
 bavarians rule the capital
 gut so!
 auch gut!
 same procedure as last year...
mexikanische tequila girls von vorne...
...und von hinten. 100% mexico!

Mittwoch, 5. September 2012

Banks Rum @ Trader Vic's

Was liegt näher als hocharomatischen Rum in einem echten "Tikitempel" zu präsentieren? Eigentlich nichts. Trotzdem war es die erste Veranstaltung dieser Art in einem "Trader Vic's" (Was schreibe ich da? - DEM "Trader Vic's") als sich am gestrigen Nachmittag eine Auswahl zumeist jüngerer Münchner Bartender und Bartenderinnen in den Katakomben des Hotels "Bayerischer Hof" trafen, um sich die Produkte von "Banks Rum" einmal genauer anzusehen und auch um den "Macher" derselben kennenzulernen.
whatadrink! hatte sich die beiden bisherigen Abfüllungen von "Banks Rum" erst kürzlich vorgenommen. Daher spare ich mir längere Ausführungen zum Aromaprofil und verliere lieber noch ein paar Worte zur Herstellung. Beide Rums sind Blends. Und zwar reichlich komplexe Blends. Genauer gesagt die komplexesten Rumblends überhaupt, denn im "5 Island" finden wir 21 verschiedene Destillate von 6 Destillerien aus 5 Ländern - im "7 Golden Age" sind es gar 23 Destillate von 8 Destillerien aus 7 Origins. Während im (teilweise gefilterten) weißen Rum Vertreter aus Trinidad, Jamaika, Guyana, Barbados und Indonesien enthalten sind, kommen in der goldenen Variante noch Rums aus Panama und Guatemala dazu - letztere in nicht allzu großer Menge, was das prozentuale Verhältnis anbelangt, ebenso wie bei der Zugabe von indonesischen (Rohrzucker-)Arrak übrigens, aber bei beiden Blends in einem jeweils eigenständigen und gesondert entwickelten Blendingrezept. Es ist also nicht so, dass einfach noch zwei zusätzliche Rums mit in den "5 Island" gegeben werden.  

Diese und viele weitere Informationen bekamen die Zuhörer aus erster Hand, denn der Masterblender und Erfinder des "Banks", Arnaud de Trabuc, war persönlich anwesend und erzählte nicht etwa für das Marketing zugeschnittene Geschichtchen, sondern berichtete über seine Idee einen Rumblend zu schaffen, da dies in dieser Form bislang niemand getan hatte, über den Hintergrund der Namensgebung und das Packaging und beantwortete jede einzelne Frage. So kam auch zur Sprache, dass die Entwicklungszeit der beiden Rezepturen bei rund einem Jahr ("5 Island") und 7-8 Monaten ("7 Golden Age") lag. Dabei konnte de Trabuc auf seine jahrzehntelangen Verbindungen zur Rumindustrie - insbesondere zu "Angostura" - zurückgreifen. Entwicklung, Blending und Abfüllung laufen daher auch in speziellen Räumlichkeiten in Amsterdam ab. Das sind Voraussetzungen die natürlich nicht jeder hat, der gerade auf die Idee gekommen ist, ins Business einzusteigen.Weiteres zu Filterung, Etikett und Flaschenform finden Sie hier. Wichtig ist zum einen sich den Sprachgebrauch "der Fünfjährige" (bzw. "der Siebenjährige") abzulegen, da der "5 Island" aus ein- bis sechsjährigen Komponenten besteht und zum anderen muss beachtet werden, dass dieser Stoff - je nach Gästestruktur - doch deutlich zum Premium- und nicht zum Pouringbereich zu zählen ist. Das bezeugen auch die Produktionsmengen: Vom "5 Island" füllt "Banks" derzeit 100.000 - vom "7 Golden Age" 40.000 - Flaschen im Jahr ab. Tendenz steigend... 

Bevor sich die gesammelte Meute an "Trader Vic's" Mai Tais, Daiquiris, Rum Swizzles und LIITs nebst besten Fingerfood laben konnte, führte der neuinstallierte Brandambassdor Robin Weiss zusammen mit Bastian Heuser an seiner Seite einen kleinen Rumvergleich in der Disziplin "Daiquiri" (Sieger: "Banks 5 Island" - ach was) durch und infusionierte "5 Island" mit Grapefruitschale mittels Sahnesiphon. Und es gab auch was ganz Neues zu bestaunen: Den "Banks Limited Editon I - The Endeavour". Diese Abfüllung, die auf 1743 Flaschen begrenzt ist, wird in Kürze in Deutschland erhältlich sein. Der Preis wird im Bereich um 300 EUR liegen. Ob einem der 43%ige 50:50-Blend aus je einem 16jährigen Jamaica- und Guyanarum (von Long Pond bzw. den Demerara Distillers) das wert ist, darf jeder selbst entscheiden. Mir hat der (fast) unendliche Abgang der reifen Destillate inklusive  Ecken und Kanten auf jeden Fall bestens gefallen.

Bezugsquellen: cocktailian und der wohlsortierte Einzelhandel
Gastrokontakt: a.schneider@beverage-brands.de / s.nitz@beverage-brands.de

Donnerstag, 11. August 2011

Lillet Après-Midi oder: Die Kunst des Aperitifs

Der Aperitif ist in unseren Breiten allzu oft ein etwas lieblos gewählter Trunk, der lediglich die Wartezeit auf die bestellten Speisen versüßen soll bzw. bestenfalls als Begleiter der Vorspeise(n) dient. Dass das nicht mal die halbe Wahrheit ist, zeigen uns unsere europäischen Nachbarn Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien und auch Belgien oder die Schweiz mit ihren Aperitifs, Aperitivos und Apéros. Dort dienen zwar auch feste und flüssige Leckerbissen als appetitanregende Vorbereitung auf eine Mahlzeit (übrigens mittags UND abends), nur hat sich - insbesondere in Frankreich - eine vielschichtige Kultur gebildet, die neben den klassischen Aperitifgetränken wie Bitter, Sherry, Portwein, Anis und Wermut inkl. unzähliger Mixgetränke auch in unseren Breiten weniger verbreitete, süßere und auch bitterere Gattungen wie z.B. Pineau De Charentes, Pommeau De Normandie oder Quinquina umfasst.

Zu letzterer Gruppe zählt auch der in Deutschland keineswegs unbekannte "Lillet" in den bisherigen Versionen "Blanc" und "Rouge" sowie den limitierten Jahrgangsabfüllungen mit dem wohlklingenden Namen "Réserve Jean De Lillet". Aktuell ist davon die Ausgabe 2008 im Handel, für die aber auch rund der doppelte Preis aufgerufen wird. Der Hersteller ist die Firma "Lillet Frères" (seit 2008 bei Pernod Ricard) in Podensac bei Bordeaux, die 1887 den "Lillet Blanc" lancierte. Erst 1962 folgte der rote Bruder. Beide Produkte bestehen zu 85% aus einem Weincuvée. Beim "Blanc" kommen die Rebsorten Semillon und Sauvignon Blanc - beim "Rouge" Cabernet Sauvignon und Merlot - zum Einsatz. Die restlichen 15% bestehen aus verschiedenen Fruchtlikören, die aus spanischen Süßorangen, Bitterorangen aus Haiti und grünen Orangen aus Nordafrika (bzw. deren Schalen) unter Zugabe von Rohrzucker hergestellt werden. Abgerundet wird das Geschmacksbild jeweils mit Vanille, Sternanis und natürlich Chinarinde bzw. dem daraus gewonnenen Chinin. Nach der Vermählung der Einzelkomponenten wird der "Lillet" vor der Abfüllung in Flaschen noch 4-6 Monate in Barriquefässern aus Limousineiche gereift, die übrigens nur zweimal benutzt werden. Alle "Lillets" sind mit 17% Vol. versehen.
Mit diesen und noch weiteren Informationen zieht derzeit Deutschlands Brand Ambassador Nikolai Augustin (meisterschueler, Berlin) durch die Lande, um nicht zuletzt die durch den Erfolg von Aperol Sprizz gestiegene Nachfrage nach leichten, sommerlichen Drinks mit dem durchaus gut vermixbaren "Lillet Blanc" zu stillen. In Münchens "Goldener Bar", wo in dieser Woche der Auftakt der Reihe stattfand, kannte jeder der rund 35 anwesenden Bartender den "Lillet" und das nicht erst seit dieser in den "James Bond"-Filmen "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost" im "Vesper" Martini als Wermutersatz nachgefragt wurde. Nicht zu letzt deswegen wird der "Lillet" hier und da gerne den Wermuts/Vermouths zugeordnet, was aber grundsätzlich falsch ist, da er kein Wermutkraut bzw. dessen Auszüge enthält.
Vor dem anschließenden Crosstasting daher gab Bastian Heuser (barworkz, Berlin) einen Überblick über die "verstärkten Weine" (z.B. Portwein, Sherry, Madeira,...) und die "verstärkten und aromatisierten Weine" (z.B. Wermut, Quinquina und Enzian). Der "Lillet" zählt demnach zu den weißen bzw. roten Quinquinas. Produkte die ebenfalls in diese Kategorien fallen sind z.B. "St. Raphael" oder "Byrrh". Im Blindtasting hatten mir persönlich die roten Vertreter ("Byrrh"!) besonders gut gemundet. An der Stelle darf ich Bastians Hinweis auf die informative Webseite Vermoth 101 aufgreifen, die das Thema "Weinaperitif" erschöpfend behandelt.

Nach einer ausgiebigen Mixrunde zum Thema "Vesper" wurde noch der Neue bei "Lillet", der "Lillet Rosé", kredenzt. Auch diese Version besticht durch das ausgeklügelte und fein abgestimmte Verhältnis zwischen weiniger Fruchtigkeit und leichtwürziger Orangennote, die mir beim ersten Probiererle aber weniger präsent vorkam.
Da vom "Vesper" nun schon mehrfach die Rede war und das Thema "Kina Lillet" natürlich auch bei dieser Veranstaltung gestreift wurde, hier noch ein paar Anmerkungen hierzu. Der bis in die Mitte der 80er erhältliche "Kina Lillet", der Vorläufer des heutigen "Lillet Blanc", kam nicht erst durch Flemings Bond ("The bitch is dead now.") zu einer gewissen Berühmtheit. Vielmehr fand er bereits in der Fachliteratur des frühen 20. Jahrhunderts mehrfach namentliche Erwähnung. Klassisch ist v.a. die Verwendung im "Corpse Reviever #2" aus dem "Savoy Cocktail Book". Als Ersatz wird oftmals der in Deutschland nicht erhältliche "Cocchi Aperitivo Americano" empfohlen. Da die Offiziellen in Podensac nach der Rezeptänderung vor fast 30 Jahren vom bitter-süßen hin zum leichteren Aperitif offenbar wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Generation "Cocktail Renaissance" haben, konnte ich vom Spirituosenhistoriker Mike Meinke (Triobar, Berlin), der vor nicht allzu langer Zeit gleich mehrere Flaschen "Kina Lillet" entkorkt und verkostet hat, erfahren, dass er bei seiner alten Version "eine weitaus kräftigere Kräuternote, bedingt durch die Bittertöne, und eine leichte Sherryanleihe von der Würzigkeit" im Vergleich zum aktuellen Produkt festgestellt hatte. Das gilt zumindest für die eine der acht Flaschen, die noch genießbar war. Einer eventuell limitierten "Kina Lillet"-Abfüllung z.B. zum 140-jährigen Firmenjubiläum 2012 würde auch ich durchaus eine Chance geben...
Bestens versorgt vom Team der "Goldenen Bar" ging so ein schöner Nachmittag zu Ende, der mir durchaus (wieder) Lust auf ein spritziges Weingemisch gemacht hat. A votre...!

Weitere Termine: 15.8. Berlin, 22.8. Hamburg, 29.8. Frankfurt, 30.8. Köln;

Einen schönen Überblick über den Brauch des Aperitifs in Frankreich, viele Informationen zu z.B. Vins Doux Naturels, Likörweinen, Pastis und Aperitifgetränken auf Weinbasis sowie zahlreichen Rezepten zu Speis und Trank beinhaltet das 1989 erschienene Buch "Die Kunst des Aperitifs" (ISBN 978-3817000135) von André Dominé ("Das ultimative Barbuch").