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Freitag, 19. Februar 2016

Whatadrinks exklusives Sample-Set bei Liquid Tasting

Vor einigen Tagen fragte mich einer der Herren von Liquid Tasting, ob ich nicht ein paar meiner Lieblingsschnäpse zu einem Whatadrink!-Tastingset zusammen stellen möchte. Einfach so und ganz ohne Entgelt. Da war ich natürlich sofort dabei.

Liquid Tasting? Was ist das denn? Eine berechtigte Frage. In den letzten Monaten sind einige neue Onlineshops aufgepoppt, die nicht nur flaschenweise Spirituosen verhökern, sondern die sich besonders auf das Abfüllen und Versenden von kleinen Probefläschchen spezialisiert haben. Die gibts dann einzeln, in Sets oder gar im Abo. Die Gräfelfinger Firma Liquid Tasting bietet derzeit verschiedene 5er-Probierpackerl an, die thematisch gruppiert wurden. Einzige Ausnahme bisher: Das Whatadrink!-Set, denn darin sind je ein Rum, ein Rhum, ein Scotch Whisky, ein American Whisky und ein Gin enthalten. Alle fünf zum Genießen, Entdecken und Spaßhaben ausgewählt. Hier ein paar Infos dazu:

Kilkerran WIP IV Sherry Wood, Single Malt Scotch Whisky, 46%

Früher gabs im Städtchen Campbeltown an jeder Ecke eine Whiskybrennerei, was dazu geführt hat, dass Campbeltown noch heute als eigenständige Whiskyregion gilt. Führend ist heute die Springbank Distillery, die mit Hazelburn (3-fach destilliert) und Longrow (getorft) gleich noch zwei weitere mehr oder weniger eigenständige Marken herstellt. Mit Wm. Cadenhead gehört einer der nach meiner Meinung aktuell besten unabhängigen Abfüller von Whisky, Rum und Cognac und die wiederaufgebaute Glengyle Destillerie mit zum Firmenimperium. In letzterer wird der Kilkerran destilliert, der 2015 in der Work-In-Progress genannten Serie als mittlerweile ca. 11jähriger Malt aus Bourbon- bzw. Sherryfässern abgefüllt wurde - ungefärbt und ohne Kältefiltrierung mit 46% Vol. Im Segment der vorherrschenden No-Age-Statement Scotch Whiskys ist das ein wohltuend altmodischer Malt mit ein wenig Rauch. (Bitter)Orange herrscht vor und der Sherryeinfluß (Wurden große Butts verwendet?) hält sich in Grenzen. Nüsse und Tabak. Cremig und Ölig zugleich zeichnet ein langer Abgang den Kilkerran aus. Auch der Pfeffer scheint nicht zu sehr durch. Fazit: Die Sherryvariante entwickelt sich langsamer als die hochgelobte Bourbonfass-Abfüllung, hat aber über die letzten Jahre schon deutlich an Komplexität gewonnen. Ein ehrlicher Sauf- und kein Sammelwhisky und der richtige Einstieg in das Sampleset.

J. Bally Millésime 2000, Rhum Agricole, Martinique, 43%

Ich sehe schon, dass ich viel zuviel labere und zudem schon wie ein Werbetexter klinge. Machen wir es also diesmal etwas kürzer. Der Bally ist ein echter Jahrgangsrum, wurde  und kommt mit dem AOC-Siegel für Rhum Agricole von Martinique - d.h. er ist nicht gezuckert und wird aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert. Das Alter wird nicht angeben, dürfte aber bei mindestens 10 Jahren liegen. Im Vergleich mit einigen anderen gelagerten Agricoles, kommt mir der Bally süßer vor ohne jedoch ein Süßrum (wie z.B. Zacapa, Botucal, Don Papa, diverse Rums aus der DomRep etc.) zu sein. Er ist einfach zugänglicher und beinhaltet schöne Noten von tropischen Früchten (Banane, Ananas) zur würzig-trockenen Eiche. Für mich ist er irgendwie ein Dauerbrenner. Schade, dass seine Alkoholstärke mit dem Jahrgang 1998 von 45% auf 43% reduziert wurde, aber das lässt sich verschmerzen. Dafür bestehen zwischen den einzelnen Jahrgängen zum Teil große Unterschiede - die weniger in der Qualität, sondern vielmehr in der Ausprägung der Aromen liegen (also mal fruchtiger, mal würziger, mal mehr Lakritze, mal mehr Eiche, usw.).

Caroni aged 12 years, Extra Strong, 100% Trinidad Rum, 50%

In zwei Worten: Echter Rum! Der Stoff wurde laut Etikett (übrigens dem historischen Erscheinungsbild aus den 1940/1950ern nachempfunden) im Januar 2000 in der kurze Zeit später geschlossenen Caroni Distillery gebrannt und dort 12 Jahre bis zur Abfüllung in 2012 gereift (mehr zur Geschichte finden Sie hier). Bei Caroni wurden in Pot- und Columnstills leichte und schwere Rums hergestellt. Hier vermute ich einen Blend aus den beiden Stilen, denn allzu perfekt erscheint die Balance von Würze, Frucht, Gummi(reifen) und Teer (!). Dazu dezenter Rauch von einem entfernten Holzfeuer am Strand. Rumrosinen natürlich, Trockenfrüchte und überreife Bananen. Ölig und trocken ausklingend. Der italienische Abfüller Velier hat nach eigenen Angaben noch Vorräte für ca. fünf Jahre. Wenn Ihnen dieser Rum mundet, sollten Sie also jetzt über die Anschaffung der ein oder anderen Flasche nachdenken. Im Moment ist einiges am Markt verfügbar.


Alambic's Special Caribbean Gin, Single Cask Super Premium Scotch Gin, 65,6%

Gin wird zur Zeit ganz einfach zu Tode geritten. Ländergin, Städtegin, Dörfergin, Terroirgin und Gin, der sich nur über Packaging definiert. Dazu Selleriegin und neu (!) Elderflower Potato Gin. Längst gibt es in Europa über 1000 verschiedene Gins zu kaufen. Ginologe muss ein anstrengender Beruf sein. Ein Trend ist auch fassgelagerter Gin. Meist beschränkt sich die Lagerzeit aber nur auf ein paar Wochen. Wirklich aged ist der vom Abfüller Alambic Classique verkaufte Gin, der mir (noch) in einer 13jährigen Version vorliegt (wad! hat bereits zweimal darüber berichtet und das Ding ausgiebig beschrieben). Mein Lagerbestand an 2011er Flaschen geht aber langsam zur Neige. Aktuell sind die 15- bzw. 16jährigen, die ebenso die beschriebene Kräuternote mitbringen und mal mehr und mal weniger Citrus abbilden. Mit jeweils über 60% Vol. sind das echte Ginbomben. OMG! Der gibt dem Affen ordentlich Zucker (wenn Sie wissen, was ich meine). Probieren Sie ihn ruhig pur mit ein paar Tropfen Wasser, die Sie wie die Maltfreaks mittels Pipette zugeben. Sie werden merken, wie sich das Destillat verändert und in der Nase und auf dem Gaumen noch mehr Kräuternoten zum Vorschein kommen.

Booker's Kentucky Straight Bourbon Whiskey, 63,2%

1. Das ist das Beste, was Jim Beam aus seinen Whiskyfabriken und Lagerhäusern auswirft. 
2. Zusammen mit Blanton's von Buffalo Trace gehört der Booker's zu den Pionieren der Small Batch Bourbons (hier ca. 250-300 Fässer je Batch). 
3. Der Juice ist je nach Abfüllung zwischen sechs und acht Jahren alt. 
4. Die Alkoholstärke von über 60% schreit - auch bei geübten Trinkern - nach etwas Wasserzugabe (Pipette).
5. Kann man so trinken, sollte man aber auch in einem schön gerührten Old-Fashioned genießen. 
6. Beam hat zuletzt eine neue Nummerierung seiner Batches eingeführt. Statt etwas krytischen Kürzeln wie z.B. C00-K-15 o.ä. bedient man sich nun simpler 2015-01, 2015-02 usw. Blöd nur, dass es parallel eine Reihe von Sonderveröffentlichungen gibt, die gleichermaßen durchnummeriert und dazu mit einem lustigen Namen (z.B. 2015-02 Dot's Batch) versehen sind. 
7. Achso, zum Bourbon itself: Geben Sie der Nase Luft (und etwas Wasser), dann erschnüffeln wir die berühmten Sägenspähne, Vanille, Kokosnuss, Eiche (of course) und auch etwas Marzipan. Dann Orange, Zimt (!), Ingwer und Kokos. Big Bourbon for big boys.

Dieses tolle (?) Sampleset (5x 4cl) können Sie hier bestellen. Whatadrink! (oder auch nicht).

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Marriott goes Bourbon

"Die besten Drinks im wilden Westen
die mixt die stramme Mary-Ann
die haut nichts um
kein starker Rum
kein Whisky pur
auch kein Tequila.

Beim Tango legt der neue Sheriff
'ne flotte Sohle aufs Parkett
weil sonst kein Mann das so gut kann -
drum schwärmt von ihm ganz Oklahoma."


("Beim alten Bill in Oklahoma", Heino, 1979)

Stimmt. Die Songtexte hier waren auch schon besser. Aber darum geht es heute nicht, sondern es geht mal wieder um Bourbon Whiskey im allgemeinen und die Aktivitäten der American Whisky Academy e.V. im besonderen. Deren Boss, Bourbon-Mike Werner, war  als Referent zu einem kleinen Event geladen, das (wie ich finde) Symbolcharakter hat.
(Der unerschrockene Mike Werner)

Erich Zuri, General Manager des Munich Marriott Hotels, startete gestern Abend eine ausgedehnte Bourbonkamapne seines Hauses. Mit Hilfe einer speziellen Karte sollen dem Gast 15 verschiedene Bourbonabfüllungen solo, in Flights, in Drinks oder zusammen mit speziell kreierten Snacks näher gebracht werden. Ein Projekt, für das die Münchner Niederlassung als Pilothotel ausgewählt wurde.

Auf der Palette finden sich die bekannten Marken der Beamschen Small Batch Collection ergänzt um z.B. Elijah Craig von Heaven Hill, Buffalo Trace oder auch Woodford Reserve von Brown Forman. Genau das richtige Portfolio also, um Einsteiger/Umsteiger zu ködern und von der unbestrittenen Qualität der Standards aus Kentucky zu überzeugen.

Neben allerlei Fleischigem sind bei den Snacks aber auch ein Sellerie-Vanillesüppchen mit Brombeerchutney oder Shrimps mit Limette und Chili, die an der Bar mit Bourbon geshakt werden (Waren eigentlich keine Foodblogger geladen?) dabei. Das ist durchaus eine Versuchung wert und so sollte man in den nächsten Wochen einen Abstecher in die lounge93 im Munich Marriott wagen. Ob der Aufwand sich lohnt und das Angebot beim Publikum ankommt, wird man sehen. In den Niederlanden, wo das Programm schon an anderer Stelle läuft, hat es eingeschlagen und ich meine, dass jede Bemühung U.S.-Stoff hierzulande an Frau und Mann zu bringen lobend erwähnt und unterstützt werden muss. Daher: Auf nach Kentucky Schwabing!

Montag, 6. Juli 2015

Heaven Hill - First Strike by the Germans (doing crazy things with american whiskey)

Während die schottischen Whiskymacher offenbar nicht wissen, ob ihre wirtschaftliche Entwicklung nun nach unten geht, weil sie in der letzten Zeit insgesamt gesehen weniger Flaschen verkauft haben, oder ob es dann doch nach oben geht, wenn man das gestiegene Interesse an hochwertigen Abfüllungen (Preis und/oder Qualität) und die Entwicklung zahlreicher Destillerie-Neugründungen betrachtet, bleibt eines unbestritten: In den letzten paar Jahren hat sich der Markt für amerikanische Whiskies stets positiv entwickelt - ganz egal ob es um geflavourte Grusel-Anti-Whiskies oder um langzeitgelagerte Edelabfüllungen geht (vor allem, wenn auf denen die Worte Pappy oder zumindest Stitzel-Weller stehen). Dazu gibt es immer wieder neue Experimente in Sachen Getreidemischungen (Reis!) und Fasslagerung zu bestaunen und der Sammlermarkt ging geht auch völlig durch die Decke.


Das wissen wir doch alles schon, werden Sie (nicht nur als Leser dieses kleinen unsäglichen Machwerks) sagen. Stimmt. Aber haben Sie auch gesehen, dass der renommierte deutsche Whisky & Rum-Abfüller Thomas Ewers (Malts Of Scotland!) jetzt eine neue Serie gestartet hat? Unter dem Label "Whiskey Of America" hat er letzte Woche zwei Single Barrel-Abfüllungen aus der gigantischen Heaven Hill-Destillerie in Kentucky (bekannt durch z.B. Elijah Craig und Evan Williams) auf den Markt gebracht. Einer der beiden ist 13 oder 14 Jahre alt und wurde in einem Sherryfass gelagert. Wie bitte? Und das gerade jetzt, wo doch die U.S.-Größen, aufgrund der erhöhten Nachfrage, ihren Whiskey nicht mehr im Bulk verkaufen? Ich nahm das natürlich zum Anlass, um bei Herrn Ewers nachzufragen.
whatadrink!: Herr Ewers, mit "Malts Of Scotland" und "Isla Del Ron" sind Sie seit einigen Jahren der vielleicht am meisten geschätzte Scotch- und Rum-Abfüller aus Deutschland, wenn man sich bei den Kennern und Connaisseuren umhört und auf internationale Auszeichnungen z.B. der Malt Maniacs oder des Whisky Magazines schielt. Nun haben Sie mit zwei Abfüllungen aus dem Haus Heaven Hill erstmals einen Kentucky Straight Bourbon Whiskey im Programm. Das ist jetzt nicht total überraschend für mich, da in letzter Zeit nicht nur der Markt für amerikanischen Whiskey in Bewegung geraten ist, sondern auch weil zuvor schon ein paar interessante Heaven Hill-Bottlings das Tageslicht erblickt haben. Wie aber kam es zu Ihren Abfüllungen? Wurden Ihnen die Fässer durch Broker angeboten oder haben Sie die direkt aus Kentucky?


Herr Ewers: Ja das stimmt mit dem Erfolg. Ich selber hätte es nie für möglich gehalten. Bezüglich der Heaven Hill-Whiskies verhält es sich so, dass ich diese bereits vor drei bis sechs Jahren erworben habe - alle über Broker. Die amerikanischen Brennereien verkaufen nicht direkt an Abfüller - zumindest nicht an kleinere Firmen. Die ersten Fässer wurden mir im Jahr 2009 angeboten. Die habe ich eigentlich mehr so aus Interesse erworben. Einfach um zu sehen, was der amerikanische Whisky so kann, wenn man ihn länger liegen lässt. Da ich schnell gemerkt habe, dass dies durchaus interessant für die Zukunft sein kann, habe ich versucht, weitere Fässer zu bekommen und über die letzten Jahre immer mal wieder welche dazu erworben.


whatadrink!: Ein Streitpunkt unter Bourbonfans ist schon länger die Frage, ob man zur Reifung eines "echten" Straight Bourbon auch andere Fasstypen als nagelneue, ausgekohlte, amerikanische Weißeichenfässer nutzen darf/sollte. Dabei geht es den Puristen nicht nur um die gesetzlichen Bestimmungen. Nach einem (wenig gelungenen) Experiment von Wild Turkey mit Olorososherryfässern vor einigen Jahren sind in letzter Zeit insbesondere Fassfinishes in allerlei Ex-(Süß)Wein- und sogar Ex-Rumfässern auf den Markt gekommen und parallel dazu regte sich die Debatte um die Wiederverwendung von gebrauchten Bourbonfässern in den USA aus Kostengründen bzw. aufgrund der hohen Nachfrage in den Cooperages. Sie bieten jetzt einen in 2001 destillierten Bourbon aus einem Sherryhogshead an. Von einem Finish steht nichts auf dem Etikett und Hogshead klingt nach Schottland/Europa und nicht nach USA. Wie und wann kam der Whiskey ins Sherryfass und wo wurde er gelagert?



Herr Ewers: Alle unsere Bourbonfässer haben wir in einem Alter von über 3 Jahren erworben und alle Fässer waren zu Beginn klassische Barrels. Der 2001er z.B. wurde von mir vor drei Jahren in ein frisches Sherryfass gelegt, da die Holznote für mich zu dominant war. Ich besitze auch noch weitere Fässer, die in Schottland liegen, und nach drei Jahren in Sherry Butts umgefüllt worden. Das Ergebnis ist hervorragend!


Bezüglich der Lagerung und der Bezeichnung ist es so, dass laut amerikanischer Gesetzgebung die (erste) Lagerung mindestens zwei Jahre in einem frischen Fass ablaufen muss. Ein Finishing danach sollte aber kein Problem sein. Selbst Jim Beam hat ja mittlerweile in Sherryfässern nachgelagert. Bis jetzt spricht also nichts dagegen, dass es sich bei unseren Bourbons auch um Kentucky Straight Bourbon handelt. Es gibt auch keine andere offizielle Richtlinie. Sollte sich irgendwann etwas ändern, ist es vielleicht nicht mehr möglich diese Fässer als (Straight) Bourbon zu bezeichnen. Ich hoffe, dass ich dann meine Sherrybourbons abgefüllt habe.


whatadrink!: Neben Bourbons erfreuen sich Ryewhiskeys wieder großer Beliebtheit. Haben Sie da schon etwas in Vorbereitung oder gar schon in Ihrem Warehouse in Paderborn liegen? 


Herr Ewers: Oh ja. Wir haben ja "The Westfalian", unseren deutschen Whisky, der im Lager reift. Seit 2012 aus Grain & Malt, seit 2013 aus Mais und ab 2014 aus Roggen. Die beiden letzteren wie bei traditionellem Bourbon in extra aus Amerika importierten frischen Fässern die genauso sonst von den dortigen Brennereien genutzt werden. Diese beiden Sorten entwickeln sich ganz prächtig und stehen dem Stoff aus Amerika in nichts nach. Auch unser Malt & Grain ist im übrigen außergewöhnlich gut für einen deutschen Whisky. Wir haben das Glück einen Destillateur hier vor Ort zu haben, der das Whiskybrennen in Schottland gelernt hat und einige Dinge eben anders macht wie andere deutsche Brenner. Das Ergebnis jetzt ist schon erstaunlich.
Ja, erstaunlich was uns Herr Ewers da so mitzuteilen hatte. Ein zum Teil in Europa gereifter Bourbon aus 1st-Fill-Sherry-Fässern also. Aha. Auch die relativ geringe Alkoholstärke von 48,1 bzw. 52,1 % Vol. (bei den amerikanischen Single-Barrel-Abfüllungen ist man an Werte von über 60% gewöhnt) lässt sich (vielleicht) so erklären: Das Feuerwasser wurde vor dem Umfüllen auf europäische Dimensionen reduziert, um die Prägung durch das Fass besser in den Griff zu bekommen und sich auch einer machbaren Trinkstärke anzunähern. Egal, nun endlich zum Whiskey selbst.

Alle Heaven Hill Bourbons werden nach einer Mashbill produziert. Ob die nun 78% Mais, 12% Gerstenmalz und 10% Roggen oder vielleicht doch 75-12-13 beträgt, ist nicht zu klären. Die Shapiras (HH ist ein Familienunternehmen) lassen das offiziell nicht so richtig raus. Es handelt sich aber definitiv um eine Low-Rye-Mashbill. Der jüngere der beiden (Cask MoS 15042) wurde also 2005 gebrannt und nun in 2015 mit 52,1 % Vol. abgefüllt - ist also neun oder zehn Jahre alt. Nach Herrn Ewers Ausführungen ist anzunehmen, dass der Knabe mindestens drei Jahre in den USA gelagert wurde und sich anschließend in Europa herumgetrieben hat. Das Resultat: Es ist ein Bourbon! Und zwar ein sehr guter. Klassische Bourbonnase, gut eingebundener Alkohol, milder Antritt und - vielleicht durch die europäische Reifung - eine nicht hervorstechende Vanille-Eiche. Ich dachte zuerst an einen Rockhill Farms, was aber völliger Blödsinn war. Das Bourbonprofil erinnerte mich mit der Zeit dann an einen E.H. Taylor Single Barrel, was auch in Sachen Mashbill passen könnte. Aber lassen wir das Generde sein. 

Zum Bourbon aus dem Sherryhogshead (2001/2015, 48,9% Vol., Cask MoS 15041) möchte ich folgendes anbringen: O La La! Großartiger Beginn, voll und rund, Harmonie und Balance (was dem WT Sherry Signature völlig fehlte), Sherrysüße und Gewürze, Bourboneiche und ein Tick Säure. Best of both worlds! Geht definitiv ohne Wasser. Sollte man unbedingt probieren. The (one and only) Kentuckian Sherry Bomb - Whatadrink!

Und hier noch ein kleines Sommerschmankerl...

Montag, 23. Februar 2015

Finest Spirits 2015 - Am Freitag geht es los!

In den letzten Jahren hat dieser Blog regelmäßig über das Finest Spirits Festival in München berichtet. Umso größer war daher meine Bestürzung, als ich im Laufe des letzten Jahres mehrmals die Aussage "Das ist doch eine Säufermesse geworden" gehört habe. Und das unabhängig voneinander. Allerdings von Nicht-Münchnern. Ja, sogar von Nicht-Bayern. Soll man auf solche Worte hören? Oder liegt es gar an mir selbst, da die Entstehung dieses von außen beobachteten Trends zufällig mit meinen Messebesuchen zusammenfällt? Soll ich jetzt zuhause bleiben?

Nach kurzer Überlegung habe ich mich entschieden: Diese Veranstaltung Dieses Event wird nicht ohne whatadrink! über die Bühne gehen. Aber: Dieses Jahr werde ich die Messlatte für Veranstalter und Aussteller ganz oben anlegen, ich werde hinter die Kulissen schauen und ich werde kritisch alles untersuchen, was mir auffällt. Insbesondere nach den dort vermuteten Säufern werde ich Ausschau halten und auffällige Personen werde ich genau unter die Lupe nehmen. Alles Negative wird hier angeprangert. Versprochen!

Ansonsten finden Sie mich am Barstand zum Thema Rum, an Mike's Bourbonstand, bei Pit Krauses Monstermalts und bei Dirk Beckers Rum-Depot. Bis ich mich da durchgequatscht habe, wird einige Zeit vergehen und die ein oder andere flüssige Erfrischung sollte drin sein. Also - wir sehen uns...

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Im Vorfeld des BCB 2014... (Teil 2)

Die USA sind das offizielle Gastland des BCB 2014, der - wie schon berichtet - nächste Woche die Bundeshauptstadt erschüttern wird.

Zunächst hat aber Mixology/BCB-Mastermind Helmut Adam die Nerd/Connaisseur/Blogger-Szene erschüttert, als er am 17. September - also grade mal 20 Tage vor der Veranstaltung - auf einem deutschsprachigen Cocktailforum u.a. verkündet hat: "...Am Einlass zum Bar Convent kann ein Fachnachweis verlangt werden. Ist der Besucher nicht in der Lage, diesen zu erbringen, wird kein Einlass gewährt..."

Während man sich noch wundert, dass auf einer Messe für "Gastronomen, Bartender, Spirituosen- und Getränkehersteller, Fachhändler und Connaisseure" (Quelle: FAQs des BCB-Ticketshops) ausgerechnet die phasenweise von der Industrie gepamperten Letzteren rausfliegen sollen, obwohl sie ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen (siehe Screenshot) an Eintrittskarten gelangen können, schlägt der Hamburger Gastronom Jörg Meyer in die gleiche Kerbe und hätte - so kann man (wenn man will) zwischen seinen Zeilen lesen - am liebsten nur noch echte Bartender beim BCB (Stichwort: strenge Tür). Weg mit dem sich anwanzenden Pöbel, der sich doch nur gratis volllaufen lassen will! (Update: Herr Meyer hat dieses Missverständnis aufgeklärt - siehe unter Kommentare)
Leider sehe ich die rechtliche Situation um den 2014er Event (und die Übernahme meiner nicht unerheblichen Flug- und Hotelkosten durch den Veranstalter) als nicht ausreichend geklärt an und reise deshalb (vielleicht zum letzten Mal) persönlich nach Berlin - statt des Fachnachweises, mit der Mixology-Abokündigung im Handgepäck...
Genug davon an dieser Stelle und zurück zum Stoff - zum flüssigen natürlich. Wenn Herr Huhn etwas von Mezcal versteht, dann versteht Herr Werner mindestens ebensoviel von Whiskey - von amerikanischem Whiskey. Mike's legendäre Willett-Abfüllung eines 17jährigen Bourbon wird dieser Tage nicht umsonst für über 400 EUR gehandelt - Tendenz steigend. Zuletzt hatte er seine Fühler allerdings nach Texas und Michigan ausgestreckt und ein paar Bottles aus diesen Regionen nach Good Old Germany importiert. Ich konnte mich der Sache annehmen und starte mit drei Abfüllungen aus Texas. Yeah!

Yellow Rose Outlaw Bourbon (100% Mais, 46%): schöne, leichte Nase, dann nicht so süß wie erwartet, eher trocken mit starken Einflüssen der kleinen (!), ausgekohlten Fässer, kurz und jung; verlangt nach etwas - äh - Cola;

Yellow Rose Double Barrel (Straight Bourbon mit Finish in Weinfässern, 43%): dunkler - auch in der Nase, mehr dunkle Schokolade, etwas süßer ohne übermäßig in schwere Vanille zu gleiten, leider nur 43% - etwas zu kurzer Nachklang; Gelungen!

Yellow Rose Straight Rye (blended & bottled in Texas, und wo distilled?, 45%): oha! Meine Probe hat einen äußerst gruseligen Beigeruch/-geschmack (Kork?). Daher kein Urteil - Brauche Nachschlag...


Man muss dieser Tage schon froh sein, wenn der U.S. Craft Whiskey, der da vor einem steht, zumindest von einem Hersteller kommt, der überhaupt eine Destillerie am laufen hat. Ob er seinen (Achtung: Nicht-Straight) Bourbon Whiskey nun zu 100% selbst gebrannt hat oder nicht, ist mit der nichtssagenden Angabe "Made in Texas" gerade nicht aufzuklären, da es "Distilled In Texas" heißen müsste. Aber sei's drum. 

Ole George Rye kommt aus der Grand Traverse Distillery im Bundesstaat Michigan. Es spricht vieles dafür, dass der Stoff zu 100% dort produziert (ja, auch destilliert) wurde.

Ole George Rye (100% Roggen, 46,5%): endlich erschnüffle ich mal (angenehme) Klebstoffnoten, dann typische Ryewürze aber man fällt auf ein süßes Bettchen und auch der Alkohol tut nicht weh; Ein schöner Sipping Rye mit etwas trockener Eiche im Abgang!

Sonntag, 13. April 2014

Old School Is Best School - Bourbons der 50er, 60er und 70er Jahre

Machen wir es kurz: Ich kam letztes Jahr an eine größere Sammlung von amerikanischen Bourbonwhiskeys, die zwischen 1952 und 1972 produziert wurden. Einige ausgewählte Preziosen davon werden am 9. Mai an ambitionierte Connaisseure ausgeschenkt. Die älteste Abfüllung ist ein Grand Old Dad, der 1952 gebrannt wurde.
Einziger Haken bei der Sache: Ich werde bei der Veranstaltung ein bisschen was zu den feinen Stöffchen erzählen. Wer die kleine Zeitreise trotzdem mitmachen möchte, sollte sich mit der Anmeldung beeilen. Alle Infos zu Ort, Termin, Anmeldung, etc. siehe folgende Links.

http://www.americanwhiskeyacademy.com/

Update: Danke, Danke, Danke an alle Gäste! Das war ein toller Abend. 

Noch ein Update: Bericht siehe hier.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Braukunst Live! 2014 - Brauer oder Blogger?



Schäumendes Gerstengetränke
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.


(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Vor vierzig Jahren sang der damalige Bundesaußenminister dieses Volkslied, dessen Single (aus Vinyl!) bis auf Platz fünf der deutschen Singlecharts kletterte - oder besser rollte. Aber darum gehts in diesem kleinen Blogartikel gar nicht und auch nicht darum, dass wir damals noch Politiker, Bundespräsidenten und die FDP hatten. Also zurück ins Heute (wo alles besser ist)...
Im Februar 2014 zogen Tausende von Menschen auf ein Münchner Bierfestival, um dort weit über 500 verschiedene Craftbiere von rund 100 Brauereien aus Degustationsgläsern zu trinken - in Chargen von 0,1 Litern (!). Und ein verdammt großer Anteil dieser bierdurstigen Kehlen gehört nicht nur zur Zielgruppe "Unter 30", sondern ist auch noch weiblich. Jawoll!

Wir reden vom Braukunst Live! Bierfest, das von den Finest Spirits-Veranstaltern 2012 ins Leben gerufen worden war und das sich mittlerweile als "Leitmesse einer völlig neuen Bier-Kultur" sieht. Ja so. Begriffe wie Vielfalt, Leidenschaft und Bier-Renaissance werden gerne in den Mund genommen, wenn es doch eigentlich nur um die Freude am gut gemachten Bier geht. Qualität und (gemachter) Kult stehen gemeinsam an der Theke

A propos Kult. Den ein oder anderen Aussteller - oder besser: Ausschenker - der ersten Stunde habe ich dieses Jahr vermisst. Auch einige Münchner Kleinbrauer waren nicht (mehr) da. Schade. 

Aber dafür ist die Braukunst-Messe internationaler geworden. Mehr Italiener und Tschechen und mehr belgisches Bier (Yeah!). Die belgischen Bierstile - zumindest soweit sie mit dem deutschen Reinheitsgebot vereinbar sind - scheinen neben den schon etablierten Stouts, Ales und IPAs gerade ein Trend bei deutschen Klein- und Kleinstbrauern zu sein. Gut so. Außerdem zu beachten: Porter.

Eine Sache die Bewegung in die Szene bringt, sind Vertriebe, die für die Verbreitung der vielen neuen Bierchen sorgen. Gefühlt waren davon auch einige mehr auf der 2014er Braukunst zugegen. Aber ist das nun positiv oder negativ zu bewerten?

Egal. Die Veranstaltung war auch ein Treffpunkt der deutschen Craftbierszene (wenn sich selbige so nennen mag), was mir von mehreren Seiten bestätigt wurde ("Alle sind da!"). Zwei solcher Insider hatten sich angeregt neben mir unterhalten, bis der eine den anderen dann fragte: "Bist Du eigentlich Brauer oder Blogger?". Schön, dass es das gibt.

Aber wir sind hier bei whatadrink! und nicht bei einem der vielen fach- und sachkundigen Bier- oder gar Foodblogs. Deshalb darf ich noch auf ein neues Destillat hinweisen, das seit kurzem bei "Mike's Whiskeyshop" in München zu erwerben ist. Es handelt sich um einen Bourbonwhiskey aus Texas, dessen Hersteller sich Garrison Brothers nennt. Das klingt zwar nach einer Gangsterbande aus den Zeiten der Prohibition, ist aber die erste und älteste  legale Whiskeydistillerie in Texas. Und die einzige? - Nein, es gibt derzeit satte 13 davon im Erdölstaat. Exklusiv in Deutschland steht bei Bourbon Mike nun der aktuelle Release Fall 2013 im Regal, der zwei Jahre und vier Monate in einem Mix aus verschieden großen bzw. kleinen Fässern verbracht hat. Ein junger Hund? Schon, aber - wie es sich für Texas geziemt - ein verdammt öliger Kläffer (Weizenbourbon mit über 70% Mais in der Mashbill, Sweet Mash, 47% Vol.). Die Turboreifung in frischen Fässern ist absolut spürbar, aber es besteht eine durchaus gefällige Balance zwischen süß und Holz. Klassezeug. Einziges Manko: Der Preis. Schon vor Ort in Texas werden rund 70 US$ aufgerufen. Dass der bei uns so nicht für 20 EUR zu haben ist, ist klar. Aber wer kauft amerikanischen Whiskey über 100 EUR, wenn der nicht mal 10 oder 12 Jahre alt ist oder zumindest Pappy heißt?


Ansonsten ging es weiter um Hopfen, Hopfen, Hopfen und ein bisschen Malz. Sehr schön fand ich den Titel des begleitenden Seminars "Ach komm, geh mir wech! IPA verkommt zu Mainstream!", bei dem es um vom selbigen (noch) unentdeckte deutsche Spitzenbierstile (oder so) ging. Außerdem wichtig: Foodpairing mit Bier. Im speziellen: Bier & Käse. Das gabs in einer eigenen Masterclass mit Bier- und Wassersommelier sowie Fromelier (frz. Expert en Caséologie) Tibor Kantor und gelebt von Messebeginn bis Kehraus rund 30 Meter rund um den Stand vom Tölzer Kasladen. Im folgenden noch ein paar Impressionen und das Schlußwort:

Bayern, des samma mir,
Bayern und des bayerische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot,
des is unser flüssiges Brot!

(Haindling, "Bayern", 1998)


 ("Hallo, ich bin der Helmut aus Berlin und ich mach ein kleines Fanzine.")