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Sonntag, 22. Januar 2023

München Spirits 2023 - Endlich wieder ein Whiskyfestival!

Als ich vor rund drei Jahren zum letzten Mal im Münchner MVG-Museum bei einer Whiskymesse zu Gast war, konnte ich wenig Neues berichten. 2023 sollte bei der neu geschaffenen "München Spirits" alles anders und vor allem besser sein. War das so?


München Spirits, Munich Spirits oder Finest Spirits. Wo bin ich?

Kurz zur Vorgeschichte: Der Meininger Verlag hatte die erfolgreiche "Finest Spirits"-Consumermesse übernommen und mit der bisherigen Organisationsleitung um Tanja Berthold 2020 zum ersten Mal auf eigene Rechnung veranstaltet. Anschließend trennten sich die Wege und die "Finest" ging im September 2022 mit einem Re-Start über die Bühne.


Tanja Berthold eröffnet die Messe das Festival. Juhu!

Nun sollte die "München Spirits" wieder zurück zum Thema "Whisky" führen und weniger als Messe, sondern wieder mehr als ein Festival laufen. Das ist meines Erachtens ganz gut gelungen auch wenn freitags, als früher die Leute am Einlass Schlange standen, ein eher luftiger Besuch zu verzeichnen war. Ich fand das ganz angenehm, aber ich hab ja auch nicht als Austeller eine Standfläche gemietet. Warum hat man eigentlich nicht den alten Namen "Münchner Whiskyfestival" oder eine Variante davon ausgepackt? Nunja.


Angebot der Munich Spirits

Was braucht man für ein Whiskyfestival? Zuerst mal ein paar Aussteller, die nicht nur ihre neuesten Produkte präsentieren oder eine tolle Marketinggeschichte präsentieren, sondern - Sie haben es erraten: Whisky. Und zwar ein paar geile, offene Flaschen aus denen man sich Dram für Dram einen einschenken lassen kann. 



Der Wu Dram Clan hat auch ein paar Flascherln geköpft

Was gab es sonst noch? Neben einem Haufen Masterclasses, feinen Brotzeitbrettln und einer kostenfreien Grundversorgung mit einem Wasserpartner stand eine Auswahl an Fassböden für eine angemessene Dekoration des privaten Whiskykabinetts zur Mitnahme zu Verfügung und an Mike's Bourbonbar wurden von den mit Federn geschmückten Barmännern - ob Sie es glauben oder nicht - Aperolsprizze serviert.



Mmmmh. Drei Sprizz, bitte!

Gut. Die Gin-, Edelobstler- und Rumangebote waren doch mehr als - äh - ausreichend. Gottseidank hat mir niemand einen alkoholfreien Gin o.ä. untergejubelt. 

Ich war aber eh auf die drei nagelneuen Malts des ebenso jungen Münchner (oder besser Olchinger) Whiskybottlers VAME gespannt. Neben einem Aultmore wurde ein gesplittetes Bunnahabhain-Fass bzw. dessen ehemaliger Inhalt präsentiert, der in einem Ex-Sauternes- und einem Ex-Rum-Quartercask gefinisht worden war. Ein ganz guter Start. Weiter so, Männer!


Die drei von VAME

Stichwort Männer. Nicht ganz unbekannt in Münchens Barszene sind Emanuele Ingusci und Tobias Keuper, die sich beide für den Spirithöker engagieren. Der Vertrieb hat einige italienische Spezialitäten und Raritäten sowie Klassiker wie Vodka, Rum, Gin und Tequila aber auch die irischen Whiskies von Pearse Lyons im Programm. Sollte man sich mal in Ruhe anschauen.


Scapegrace Gin und Single Malts und...


...Amaros und Liköre von Lucano bei Spirithöker

Natürlich sind mir im ein oder anderen Gespräch noch andere Themen untergekommen, über die ich vielleicht schon in Kürze ein bisschen mehr berichten kann. Schau mer mal. 

Was jetzt schon feststeht, ist ein heißer Jahresstart 2024. Denn dann soll die "München Spirits" wieder im MVG-Museum stattfinden und ein paar Wochen später steigt die "Finest Spirits" in der Zenithhalle. The Clash of the Whiskymessen! Woop!

Kein großes Gedrängel am Freitagabend

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Marriott goes Bourbon

"Die besten Drinks im wilden Westen
die mixt die stramme Mary-Ann
die haut nichts um
kein starker Rum
kein Whisky pur
auch kein Tequila.

Beim Tango legt der neue Sheriff
'ne flotte Sohle aufs Parkett
weil sonst kein Mann das so gut kann -
drum schwärmt von ihm ganz Oklahoma."


("Beim alten Bill in Oklahoma", Heino, 1979)

Stimmt. Die Songtexte hier waren auch schon besser. Aber darum geht es heute nicht, sondern es geht mal wieder um Bourbon Whiskey im allgemeinen und die Aktivitäten der American Whisky Academy e.V. im besonderen. Deren Boss, Bourbon-Mike Werner, war  als Referent zu einem kleinen Event geladen, das (wie ich finde) Symbolcharakter hat.
(Der unerschrockene Mike Werner)

Erich Zuri, General Manager des Munich Marriott Hotels, startete gestern Abend eine ausgedehnte Bourbonkamapne seines Hauses. Mit Hilfe einer speziellen Karte sollen dem Gast 15 verschiedene Bourbonabfüllungen solo, in Flights, in Drinks oder zusammen mit speziell kreierten Snacks näher gebracht werden. Ein Projekt, für das die Münchner Niederlassung als Pilothotel ausgewählt wurde.

Auf der Palette finden sich die bekannten Marken der Beamschen Small Batch Collection ergänzt um z.B. Elijah Craig von Heaven Hill, Buffalo Trace oder auch Woodford Reserve von Brown Forman. Genau das richtige Portfolio also, um Einsteiger/Umsteiger zu ködern und von der unbestrittenen Qualität der Standards aus Kentucky zu überzeugen.

Neben allerlei Fleischigem sind bei den Snacks aber auch ein Sellerie-Vanillesüppchen mit Brombeerchutney oder Shrimps mit Limette und Chili, die an der Bar mit Bourbon geshakt werden (Waren eigentlich keine Foodblogger geladen?) dabei. Das ist durchaus eine Versuchung wert und so sollte man in den nächsten Wochen einen Abstecher in die lounge93 im Munich Marriott wagen. Ob der Aufwand sich lohnt und das Angebot beim Publikum ankommt, wird man sehen. In den Niederlanden, wo das Programm schon an anderer Stelle läuft, hat es eingeschlagen und ich meine, dass jede Bemühung U.S.-Stoff hierzulande an Frau und Mann zu bringen lobend erwähnt und unterstützt werden muss. Daher: Auf nach Kentucky Schwabing!

Sonntag, 1. März 2015

Finest Spirits 2015 - Ardbeg-Ceò-Schmarrn und Whiskyweißwurst

Messebesucher 1: "Ich bin bei Ardbeg und Glenmorangie auf der Blacklist und bekomme nicht mal mehr Infomails."

Messebesucher 2: "Sei doch froh!"

(unbemerkt belauschte Unterhaltung auf dem Spirituosenevent Finest Spirits)

Kehraus in München. Wie dem Leser hier vollmundig versprochen wurde, darf ich einen kurzen Messebericht von der Finest Spirits 2015 vorlegen.

Beginnen wir mit dem Thema Rum, welches dieses Jahr besonders forciert werden sollte. Dazu hatte der Veranstalter einen eigenen Barstand aufgebaut. Da gleich daneben die Münchner Barschule und der Spirituosenhändler Barfish ebenfalls gemixte Drinks anboten, verlor sich manche Besucherin / mancher Besucher in einem geschüttelten bzw. gerühreten Bermudadreieck. Für besonders Wahnsinnige Trinkfreudige hatte gegenüber Mike Werner seine Whiskeybar aufgebaut und verzückte dort mit neuen Bourbons und Ryes aus den USA und Canada - aber auch Old-Fashioneds und Manhattans wurden feilgeboten. Yeah!
 
Aber wir wollten ja über Rum reden. Das gelang den drei Herren vom Berliner Rumdepot offenbar besonders gut, die neben ihrer Eigenabfüllung und einigen süffigen Zuckerrohrbränden auch mit wohlschmeckenden Preziosen aus Japan aufwarten konnten. Wenn mir da nicht mancher Maltman abtrünig geworden ist. Gefehlt hat mir der Rum im Tasting- und Masterclassprogramm aber dann schon a bisserl. Von fast 50 Terminen befassten sich ganze sechs (!) mit Rum - die drei Vorträge zu Havana Club in der Chivas-Tram mitgerechnet. Ansonsten ging es je einmal um Appleton, Zacapa und Ron Aldea - zumindest letztere Marke ist neu auf dem deutschen Markt. Die ersten beiden kommen mir bekannt vor.
Noch was zu den Masterclasses. Die Eintrittspreise liegen mit 20 bzw. 35 EUR für ein Ein- oder Zwei-Tages-Ticket auf normalem Niveau - in München. Für Tastings und Vorträge darf man dann aber jeweils noch 10 bis 23 EUR extra drauflegen. Das mag für drei bis fünf Whiskies gut angelegt sein. Wenn der Vortrag dann aber in die Hose geht, weil der Referent (hier vom Cadenhead-Shop in Köln) akustisch nicht zu verstehen ist und er seine Flaschen nicht so präsentiert, dass auch alle sehen, was sie da im Glas haben, ist das schlicht unprofessionell.
 
(Vodka und Gin aus deutschen Landen)
Weiter bestens vertreten waren aber auch klare Brände. Aufgefallen sind mir dabei besonders positiv der gschmackige Vodka Vodrock aus dem schönen Niederbayern (ich sage nur Awaloff-Verfahren), der frische, citruslastige Bodensee Dry Gin von Senft und die beiden brandneuen maritimen Gins namens Marlin und Orca aus dem Hause Charles Hosie, die von Brennmeister Mario Gallone entwickelt wurden und in Kürze auf den Markt kommen. 26 Botanicals (u.a. Zedernholz) und One-Shot-Verfahren - klingelts? Na, dann sind Sie ja ein richtiger Nerd. Aber Gin war das Messethema 2014.

Lobenswert waren die Trinkwasserspender, die der Veranstalter aufgebaut hatte. Gleich daneben standen die Abwasserbehälter und rund um diese lebenswichtigen Stationen bildeten sich regelmäßig kleine Seenlandschaften. Die Crew hatte das aber im Griff - niemand ertrank. Vielleicht gibt es nächstes Jahr einen Mineralwassersponsor.
 

So, das wars schon. ...Ach, jetzt hätte ich fast noch die weltbewegende Präsentation von Ardbeg Ceò (sprich: Keo) vergessen. Das sah so aus: Staunende Whiskyheads stehen in einem Raucherpuff und saugen mit Trinkhalmen aufgedampften Islaymalt in sich hinein. Die nette Dame dort leiert ihren Text von Infrarottechnik etc. runter kann das Verfahren aber auf Nachfrage "nicht genau erklären". Ob die anfällige Technik, die nicht zum freien Verkauf angeboten wird, sondern nur in ausgewählten Bars zum Einsatz kommen soll, bis Messeschluss zumindest noch aus einem Schlot gequalmt hat, ist mir nicht bekannt. Hat nicht schon jemand so ein Apparillo bei Ebay angeboten? Für 1200 EUR? - Nein? Dann muss ich mich getäuscht haben. Mehrere Tester gaben mir gegenüber und voneinander unabhängig ihr Urteil mit "Schmarrn" ab. Diese Bayern eben.
Und gleich noch eine Obskurität. Diesmal vom Branchenprimus Diageo. Dort gab es eine verwegende Mischung aus Talisker, Sauerkrautsaft, süßem Senf und noch so allerlei aus Miniweißwurstschüsselchen zu verkosten. Was solo ziemlich beknackt schmeckte und übel roch, funktionierte mit Weißwurst und Breze als Senfersatz leidlich gut. Mancher verzog auch hier das Gesicht. Aber gut: Die Rezeptur hat ein Österreicher entwickelt. Felix Austria!

Hier noch ein paar Impressionen... 



(Ein Vip-Stand mit Absperrbanderl von... )

(Mein besonderer Dank geht an Willi Lettmair für die Unterstützunng in Sachen Fotografie und Trink-Know-How).

Montag, 23. Februar 2015

Finest Spirits 2015 - Am Freitag geht es los!

In den letzten Jahren hat dieser Blog regelmäßig über das Finest Spirits Festival in München berichtet. Umso größer war daher meine Bestürzung, als ich im Laufe des letzten Jahres mehrmals die Aussage "Das ist doch eine Säufermesse geworden" gehört habe. Und das unabhängig voneinander. Allerdings von Nicht-Münchnern. Ja, sogar von Nicht-Bayern. Soll man auf solche Worte hören? Oder liegt es gar an mir selbst, da die Entstehung dieses von außen beobachteten Trends zufällig mit meinen Messebesuchen zusammenfällt? Soll ich jetzt zuhause bleiben?

Nach kurzer Überlegung habe ich mich entschieden: Diese Veranstaltung Dieses Event wird nicht ohne whatadrink! über die Bühne gehen. Aber: Dieses Jahr werde ich die Messlatte für Veranstalter und Aussteller ganz oben anlegen, ich werde hinter die Kulissen schauen und ich werde kritisch alles untersuchen, was mir auffällt. Insbesondere nach den dort vermuteten Säufern werde ich Ausschau halten und auffällige Personen werde ich genau unter die Lupe nehmen. Alles Negative wird hier angeprangert. Versprochen!

Ansonsten finden Sie mich am Barstand zum Thema Rum, an Mike's Bourbonstand, bei Pit Krauses Monstermalts und bei Dirk Beckers Rum-Depot. Bis ich mich da durchgequatscht habe, wird einige Zeit vergehen und die ein oder andere flüssige Erfrischung sollte drin sein. Also - wir sehen uns...

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Im Vorfeld des BCB 2014... (Teil 2)

Die USA sind das offizielle Gastland des BCB 2014, der - wie schon berichtet - nächste Woche die Bundeshauptstadt erschüttern wird.

Zunächst hat aber Mixology/BCB-Mastermind Helmut Adam die Nerd/Connaisseur/Blogger-Szene erschüttert, als er am 17. September - also grade mal 20 Tage vor der Veranstaltung - auf einem deutschsprachigen Cocktailforum u.a. verkündet hat: "...Am Einlass zum Bar Convent kann ein Fachnachweis verlangt werden. Ist der Besucher nicht in der Lage, diesen zu erbringen, wird kein Einlass gewährt..."

Während man sich noch wundert, dass auf einer Messe für "Gastronomen, Bartender, Spirituosen- und Getränkehersteller, Fachhändler und Connaisseure" (Quelle: FAQs des BCB-Ticketshops) ausgerechnet die phasenweise von der Industrie gepamperten Letzteren rausfliegen sollen, obwohl sie ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen (siehe Screenshot) an Eintrittskarten gelangen können, schlägt der Hamburger Gastronom Jörg Meyer in die gleiche Kerbe und hätte - so kann man (wenn man will) zwischen seinen Zeilen lesen - am liebsten nur noch echte Bartender beim BCB (Stichwort: strenge Tür). Weg mit dem sich anwanzenden Pöbel, der sich doch nur gratis volllaufen lassen will! (Update: Herr Meyer hat dieses Missverständnis aufgeklärt - siehe unter Kommentare)
Leider sehe ich die rechtliche Situation um den 2014er Event (und die Übernahme meiner nicht unerheblichen Flug- und Hotelkosten durch den Veranstalter) als nicht ausreichend geklärt an und reise deshalb (vielleicht zum letzten Mal) persönlich nach Berlin - statt des Fachnachweises, mit der Mixology-Abokündigung im Handgepäck...
Genug davon an dieser Stelle und zurück zum Stoff - zum flüssigen natürlich. Wenn Herr Huhn etwas von Mezcal versteht, dann versteht Herr Werner mindestens ebensoviel von Whiskey - von amerikanischem Whiskey. Mike's legendäre Willett-Abfüllung eines 17jährigen Bourbon wird dieser Tage nicht umsonst für über 400 EUR gehandelt - Tendenz steigend. Zuletzt hatte er seine Fühler allerdings nach Texas und Michigan ausgestreckt und ein paar Bottles aus diesen Regionen nach Good Old Germany importiert. Ich konnte mich der Sache annehmen und starte mit drei Abfüllungen aus Texas. Yeah!

Yellow Rose Outlaw Bourbon (100% Mais, 46%): schöne, leichte Nase, dann nicht so süß wie erwartet, eher trocken mit starken Einflüssen der kleinen (!), ausgekohlten Fässer, kurz und jung; verlangt nach etwas - äh - Cola;

Yellow Rose Double Barrel (Straight Bourbon mit Finish in Weinfässern, 43%): dunkler - auch in der Nase, mehr dunkle Schokolade, etwas süßer ohne übermäßig in schwere Vanille zu gleiten, leider nur 43% - etwas zu kurzer Nachklang; Gelungen!

Yellow Rose Straight Rye (blended & bottled in Texas, und wo distilled?, 45%): oha! Meine Probe hat einen äußerst gruseligen Beigeruch/-geschmack (Kork?). Daher kein Urteil - Brauche Nachschlag...


Man muss dieser Tage schon froh sein, wenn der U.S. Craft Whiskey, der da vor einem steht, zumindest von einem Hersteller kommt, der überhaupt eine Destillerie am laufen hat. Ob er seinen (Achtung: Nicht-Straight) Bourbon Whiskey nun zu 100% selbst gebrannt hat oder nicht, ist mit der nichtssagenden Angabe "Made in Texas" gerade nicht aufzuklären, da es "Distilled In Texas" heißen müsste. Aber sei's drum. 

Ole George Rye kommt aus der Grand Traverse Distillery im Bundesstaat Michigan. Es spricht vieles dafür, dass der Stoff zu 100% dort produziert (ja, auch destilliert) wurde.

Ole George Rye (100% Roggen, 46,5%): endlich erschnüffle ich mal (angenehme) Klebstoffnoten, dann typische Ryewürze aber man fällt auf ein süßes Bettchen und auch der Alkohol tut nicht weh; Ein schöner Sipping Rye mit etwas trockener Eiche im Abgang!

Sonntag, 13. April 2014

Old School Is Best School - Bourbons der 50er, 60er und 70er Jahre

Machen wir es kurz: Ich kam letztes Jahr an eine größere Sammlung von amerikanischen Bourbonwhiskeys, die zwischen 1952 und 1972 produziert wurden. Einige ausgewählte Preziosen davon werden am 9. Mai an ambitionierte Connaisseure ausgeschenkt. Die älteste Abfüllung ist ein Grand Old Dad, der 1952 gebrannt wurde.
Einziger Haken bei der Sache: Ich werde bei der Veranstaltung ein bisschen was zu den feinen Stöffchen erzählen. Wer die kleine Zeitreise trotzdem mitmachen möchte, sollte sich mit der Anmeldung beeilen. Alle Infos zu Ort, Termin, Anmeldung, etc. siehe folgende Links.

http://www.americanwhiskeyacademy.com/

Update: Danke, Danke, Danke an alle Gäste! Das war ein toller Abend. 

Noch ein Update: Bericht siehe hier.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Braukunst Live! 2014 - Brauer oder Blogger?



Schäumendes Gerstengetränke
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.


(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Vor vierzig Jahren sang der damalige Bundesaußenminister dieses Volkslied, dessen Single (aus Vinyl!) bis auf Platz fünf der deutschen Singlecharts kletterte - oder besser rollte. Aber darum gehts in diesem kleinen Blogartikel gar nicht und auch nicht darum, dass wir damals noch Politiker, Bundespräsidenten und die FDP hatten. Also zurück ins Heute (wo alles besser ist)...
Im Februar 2014 zogen Tausende von Menschen auf ein Münchner Bierfestival, um dort weit über 500 verschiedene Craftbiere von rund 100 Brauereien aus Degustationsgläsern zu trinken - in Chargen von 0,1 Litern (!). Und ein verdammt großer Anteil dieser bierdurstigen Kehlen gehört nicht nur zur Zielgruppe "Unter 30", sondern ist auch noch weiblich. Jawoll!

Wir reden vom Braukunst Live! Bierfest, das von den Finest Spirits-Veranstaltern 2012 ins Leben gerufen worden war und das sich mittlerweile als "Leitmesse einer völlig neuen Bier-Kultur" sieht. Ja so. Begriffe wie Vielfalt, Leidenschaft und Bier-Renaissance werden gerne in den Mund genommen, wenn es doch eigentlich nur um die Freude am gut gemachten Bier geht. Qualität und (gemachter) Kult stehen gemeinsam an der Theke

A propos Kult. Den ein oder anderen Aussteller - oder besser: Ausschenker - der ersten Stunde habe ich dieses Jahr vermisst. Auch einige Münchner Kleinbrauer waren nicht (mehr) da. Schade. 

Aber dafür ist die Braukunst-Messe internationaler geworden. Mehr Italiener und Tschechen und mehr belgisches Bier (Yeah!). Die belgischen Bierstile - zumindest soweit sie mit dem deutschen Reinheitsgebot vereinbar sind - scheinen neben den schon etablierten Stouts, Ales und IPAs gerade ein Trend bei deutschen Klein- und Kleinstbrauern zu sein. Gut so. Außerdem zu beachten: Porter.

Eine Sache die Bewegung in die Szene bringt, sind Vertriebe, die für die Verbreitung der vielen neuen Bierchen sorgen. Gefühlt waren davon auch einige mehr auf der 2014er Braukunst zugegen. Aber ist das nun positiv oder negativ zu bewerten?

Egal. Die Veranstaltung war auch ein Treffpunkt der deutschen Craftbierszene (wenn sich selbige so nennen mag), was mir von mehreren Seiten bestätigt wurde ("Alle sind da!"). Zwei solcher Insider hatten sich angeregt neben mir unterhalten, bis der eine den anderen dann fragte: "Bist Du eigentlich Brauer oder Blogger?". Schön, dass es das gibt.

Aber wir sind hier bei whatadrink! und nicht bei einem der vielen fach- und sachkundigen Bier- oder gar Foodblogs. Deshalb darf ich noch auf ein neues Destillat hinweisen, das seit kurzem bei "Mike's Whiskeyshop" in München zu erwerben ist. Es handelt sich um einen Bourbonwhiskey aus Texas, dessen Hersteller sich Garrison Brothers nennt. Das klingt zwar nach einer Gangsterbande aus den Zeiten der Prohibition, ist aber die erste und älteste  legale Whiskeydistillerie in Texas. Und die einzige? - Nein, es gibt derzeit satte 13 davon im Erdölstaat. Exklusiv in Deutschland steht bei Bourbon Mike nun der aktuelle Release Fall 2013 im Regal, der zwei Jahre und vier Monate in einem Mix aus verschieden großen bzw. kleinen Fässern verbracht hat. Ein junger Hund? Schon, aber - wie es sich für Texas geziemt - ein verdammt öliger Kläffer (Weizenbourbon mit über 70% Mais in der Mashbill, Sweet Mash, 47% Vol.). Die Turboreifung in frischen Fässern ist absolut spürbar, aber es besteht eine durchaus gefällige Balance zwischen süß und Holz. Klassezeug. Einziges Manko: Der Preis. Schon vor Ort in Texas werden rund 70 US$ aufgerufen. Dass der bei uns so nicht für 20 EUR zu haben ist, ist klar. Aber wer kauft amerikanischen Whiskey über 100 EUR, wenn der nicht mal 10 oder 12 Jahre alt ist oder zumindest Pappy heißt?


Ansonsten ging es weiter um Hopfen, Hopfen, Hopfen und ein bisschen Malz. Sehr schön fand ich den Titel des begleitenden Seminars "Ach komm, geh mir wech! IPA verkommt zu Mainstream!", bei dem es um vom selbigen (noch) unentdeckte deutsche Spitzenbierstile (oder so) ging. Außerdem wichtig: Foodpairing mit Bier. Im speziellen: Bier & Käse. Das gabs in einer eigenen Masterclass mit Bier- und Wassersommelier sowie Fromelier (frz. Expert en Caséologie) Tibor Kantor und gelebt von Messebeginn bis Kehraus rund 30 Meter rund um den Stand vom Tölzer Kasladen. Im folgenden noch ein paar Impressionen und das Schlußwort:

Bayern, des samma mir,
Bayern und des bayerische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot,
des is unser flüssiges Brot!

(Haindling, "Bayern", 1998)


 ("Hallo, ich bin der Helmut aus Berlin und ich mach ein kleines Fanzine.")