Noch schnell ein paar News in Sachen Finest Spirits, die mir gerade zugespielt wurden:
Unser Außenreporter hat die Bottling Hall von Barfish besucht und ist dort auf die brandneue Abfüllung Moloka'I Delight gestoßen. Der Rum ist - das war in der Kürze der Zeit rauszukriegen - ein Blend aus Martinique-, Jamaika- und Guyanadestillaten. Der Basisrum stammt aus Barbados. Beim Finest Spirits Festival, wo der Stoff am Stand des Münchner Spirituosenhändlers (Stand Nr. 67) vorgestellt wird, wird man die 0,5l-Flasche des 40prozenters für um die 15 EUR kaufen können - die UVP wird später bei knapp unter 20 EUR liegen. Ein Schnäppli, denn er glänzt als Sippingrum (bitte 15-20 Minuten nach dem Einschenken im Glas stehen lassen) und mit seinem Rückgrat aus Demerara und Jamaika ebenso als Mixrum. Yeah-Ho!
Zur Kategorie der starken Rums, die optimal in Cocktails passen, gehört auf jeden Fall der Screech, der gerade aus Neufundland zu uns kommt. Dort wird er aber lediglich geblendet - der Stoff stammt von Wray & Nephew aus Jamaika. Der Importeur DTS-W präsentiert diese Aromenbombe neben vielen anderen Zuckerrohrbränden an Stand Nr. 18.
Wie schon erwähnt gibt sich der German Rum Ambassador Dirk Becker mit seinem kompetenten Team in München die Ehre. Mein Tip an seinem Stand (Nr. 10) ist die 12jährige Singlecaskabfüllung von Oliver & Oliver aus der dominikanischen Republik mit 65% Vol.. Ein echtes Rummonster!
Posts mit dem Label German Rum Festival werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label German Rum Festival werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 26. Februar 2015
Montag, 23. Februar 2015
Neuer deutscher Rum? - Ja, bitte mehr davon!
Beim ersten Glas da sagte er: "Cherie".
Beim zweiten küßte er mich so wie nie.
Beim dritten dann - wie dumm - fiel mein Casanova um
und Schuld daran war ganz allein der Rum.
Barbados
der Rum von Barbados
du trinkst ihn ahnungslos
schon ist der Teufel los.
Oh-oh-oh Barbados
der Rum von Barbados
der schafft den stärksten Mann - mal irgendwann.
Er sagte mir: "Ich trink ihn nie mehr pur
ich kann ihn schon verkraften aber nur
mit Cola und mit Eis." - Ja das machte er sich weis
am nächsten Morgen sagte er ganz leis:
Barbados
der Rum von Barbados
du trinkst ihn ahnungslos
(Gaby Baginsky, Der Rum von Barbados, 1979)
Über die Erfolge des hier zitierten Schlagers bin ich mir nicht ganz im klaren und ob der neue deutsche Rum in der näheren Zukunft Hitpotential hat, möchte ich heute auch noch nicht abschließend beantworten. Dafür ist das Thema zu frisch. Neuer deutscher Rum? - Ja, unsere umtriebigen Schnapsbrenner machen nicht nur vor Whisky und Gin nicht halt, nein jetzt wird auch noch die Rumkategorie beackert.
Doch zurück zur Gegenwart. Es gibt mittlerweile Rum, der in Österreich gebrannt wird (Nein, nicht Stroh oder dessen Surrogate aus Neutralalkohol, Aromastoffen und viel Farbe). Auch aus Dänemark wird dort destillierter und gelagerter Rum vermeldet. Was fehlte war Rum, der in Deutschland hergestellt wird. Diese Lücke versuchen findige Brenner zu schließen. Zum einen ist das das Haus Alt Enderle mit sechs verschiedenen Abfüllungen und der Feinbrenner Severin Simon mit drei Rumvariationen. Das ist doch was!
Fangen wir mit dem Bayern aus dem Spessart an. Der Rum aus Simon's Feinbrennerei wird in einem Onlineshop u.a. so beschrieben: "...Wer sich für den Simons Bavarian Nordic Rum Valkyrie mit Seltenheitswert entscheidet, setzt auf eine Besonderheit mit einem Geschmack, der sich nur schwer in pauschale Worte fassen lässt." Dass jemand ungestraft sowas schreiben darf? Egal - Es soll ja nicht um das Geschwurbel eines Shopbetreibers gehen, der hofft, mit langatmigen (aber gehaltlosen) Produktbeschreibungen im Googleranking nach oben gespült zu werden.
Severin Simon setzt stark auf lokale Bezogenheit und eine Manufakturphilosophie: Fässer aus Spessarteiche. Das Holz für die Befeuerung der Potstill stammt aus dem eigenen Wald etc. usw. Ich finde das durch und durch lobenswert. Wer noch mehr erfahren möchte, sollte mal im offiziellen Infoflyer nachlesen oder sich gleich den Podcast von WRINT anhören, wo der Brenner/Winzer auch zu seinen Weinen ausgiebig gelöchert wird. Ich konnte Severin Simon, der seit 2012 übrigens eine eigene Verschlussbrennerei sein eigen nennt, noch ein paar zusätzliche Fragen stellen:
whatadrink!: Herr Simon, Sie bieten im Moment drei verschiedene Rumabfüllungen mit jeweils 40% Vol. an. Eine - nennen wir sie "Standardabfüllung" - namens Marinerum, dann den Kalypso, der mit Vanille gewürzt und mit Melasse gesüßt wurde, und den Valkyrie, der eine Lagerung in speziell getoasteten Fässern hinter sich hat (Preise zwischen 35 und 50 EUR für die 0,5l-Flasche). Mein erster Eindruck war: Saubere Brände! Beim Rum wünsche ich mir aber auch Ecken und Kanten - also auch mal ein dreckiges Destillat. Ich würde gerne wissen, wie lange die Lagerzeit jeweils war.
Severin Simon: Mit unserer neuen, großen Brennanlage haben wir im Oktober 2012 begonnen zu arbeiten und das Erste, was gebrannt wurde, war Rum - d.h. die aktuellen Abfüllungen liegen bei knapp über 2 Jahren. Mit Rum geht es bei uns eigentlich erst los. Das was Sie mit dreckig bezeichnet haben, habe ich schon auch im Sinn. Zum Beispiel habe ich mir einen neuen Gärbottich aus Eichenholz bauen lassen und darin soll in Zukunft ein Teil der Melasse unter Verwendung von betriebseigener Mikrobiologie und zugleich längeren Maischezeiten verarbeitet werden.
Auch im Bereich Fassmanagement haben wir noch einiges vor. Durch unsere Weinsparte sind wir in der Lage neue Fässer nach der später geplanten Destillatbelegung zu bestellen, also was z.B. das Toasting angeht, und dann zu überlegen, welcher Wein als Erstbelegung dazu passt. Das ist inzwischen ein eigenes Fassvorbelegungsprogramm geworden. Aber so oder so haben wir da noch Luft nach oben für spannende Sachen ohne dass wir irgendwas kopieren müssen.
wad!: Rum oder Whisky im Ex-Weinfass ist ja inzwischen fast alltäglich geworden. Mir haben die wenigen Weine, die wiederum in Ex-Whiskyfässern steckten aber auch sehr gut gefallen. Die Kette der Fassbelegungen ist also über die Jahrzehnte der Lebendauer eines Fasses variierbar und ein altes Ex-Wein- und Ex-Whiskyfass wird vielleicht irgendwann wieder ein gutes Weinfass...
Severin Simon: Wir bleiben am Ball.
wad!: Ihre Melasse wird von den Tres Hombres per Segelschiff aus der Karibik geliefert. Wann geht das erste Fass mit Simon's Rum zurück ins Ursprungsland des Basisprodukts und wird dort gelagert? Auch die monatelange Schiffsreise wäre ja eine besondere Lagerzeit unter besonderen klimatischen Bedingungen. (Anm. des Verfassers: Was gebe ich denn schon wieder für Tips?)
Severin Simon: Das ist wirklich eine Idee, die gar nicht von der Hand zu weisen ist. Wir haben da nur etliche Hürden im Bereich Logistik, Zölle, Steuern etc. gerade wenn es ein Weg ist, der so noch nicht beschritten wurde. Ein Beispiel in dieser Richtung ist der Linie Aquavit.
wad!: Ich habe davon gelesen, dass Sie auch Singlecaskabfüllungen (hoffentlich dann auch mit höherem Alkoholgehalt) planen. Wann werden wir diese kaufen können?
Severin Simon: Das kann man in näherer Zukunft erwarten. So ab einer Lagerzeit von 3 Jahren kann ich mir das gut vorstellen.
wad!: Der Kalypso wird mit Vanille aromatisiert und mit Melasse gesüßt. Wie darf ich mir das in der Praxis vorstellen?
Severin Simon: Ich arbeite hier mit 100-Liter-Fässern, statt der üblichen 225-Liter-Barriques, und es werden tatsächlich echte Tahiti-Vanilleschoten dem Rum beigegeben. Tonkabohnen kommen übrigens auch mit rein. Die frische Zuckerrohrmelasse dient allerdings mehr der Färbung als der Süßung. Wir liegen da bei ca. 50g Zucker pro Liter.
wad!: Wie unterscheiden sich die Valkyrie-Fässer von den sonst verwendeten?
Severin Simon: Für unseren Basisrum, den Marinerum, wollen wir die Fasslagerung in ein soleraähnliches System bringen - d.h. wir haben untenliegend zwei 600-Liter-Fässer, die aus Barriques befüllt werden. Das Ziel ist mit unseren beschränkten Möglichkeiten, weil wir weiter ein relativ kleiner Betrieb sind, eine gewisse Kontinuität bei der Qualität hinzukriegen und diese dann auch noch zu steigern.
Unser Nordic Whiskytoasting haben mein Küfner und ich zusammen ausgetüftelt. Es ging darum einen speckig-rauchigen Grundton zu erzielen. Wichtig ist, dass das komplette Fass also nicht nur die Dauben, sondern auch die Böden getoastet werden. Die Böden sind quasi schon charcoaled, haben also eine dünne, verkohlte Schicht. Die Dauben haben auch ein hohes Toastinglevel - allerdings erreichen wir das mit relativ geringer Temperatur aber dafür langer Zeit der Erhitzung.
Dass man in Baden-Württemberg gern das ein oder andere a bissele anders macht als im Rest der Welt, hat sich herumgesprochen. In Sachen Rum wird aber auch das Basismaterial - sprich: Zuckerrohr bzw. Melasse - benötigt und das kommt eher selten von der schwäbischen Alb (aber wer weiß, was die Klimaveränderung noch mit sich bringt). Beim für seinen Necarrus Single Malt Whisky zuletzt hochgelobten Brennereibetrieb Alt Enderle kam man auf die Idee das Terroir gleich mit der Melasse einzukaufen. So gibt es derzeit drei Rumabfüllungen, deren Melasse jeweils herkunftsrein aus Indien, Paraguay und Siam (Thailand) stammt. Ergänzt wird dieses Portfolio mit einem Rum namens Memory Of The World, der folglich aus einer Melassemischung destilliert wurde und im Ex-Portweinfass lagerte (0,5l jeweils ca. 42-50 EUR). Das klingt doch alles nicht schlecht. Von Joachim Alt gab es noch ein paar Zusatzinfos.
wad!: Herr Alt, Sie bieten im Moment vier verschiedene Rumabfüllungen mit jeweils 43% Vol. an. Ich würde gerne wissen, wie lange die Lagerzeit jeweils war, da sich die Rums in der Farbe deutlich unterscheiden und welche Fasstypen und -größen verwendet wurden.
Joachim Alt: Zur Zeit haben wir sogar sechs verschiedene Rums: Siam, Indien, Paraguay, Memory of the World, einen XO und einen weißen Rum. Das Alter liegt ganz verschieden zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Die verschiedenen Farben erlangt der Rum unter anderem durch die verschiedenen Typagen also nicht nur durch das Fass.
wad!: Ihr Rum wird aus Melasse gebrannt, die aus drei verschiedenen Ländern bzw. Kontinenten kommt. Woher bezieht man so ein exotisches Rohmaterial? Wie wird das angeliefert? Wie sieht es mit der Lagerfähigkeit der Melasse aus und wie läuft die Fermentation ab?
Joachim Alt: Wir bekommen unsere Melassen direkt aus diesen Ländern d.h durch Direktimport und einen direkten Kontakt zu den Zuckerrohrplantagen. In 6 Wochen sind wir deswegen z.b wieder in Indonesien unterwegs. Geliefert wird in 1000-Liter-Containern. Die Lagerfähigkeit ist nahezu unbegrenzt, wobei ich sage: Melasse ist ein Naturprodukt und verändert sich laufend und durch eine allzu lange Lagerzeit wird sie nicht besser. Die Fermentation läuft ganz normal ab: Melasse - Wasser - Hefe - nach drei bis vier Stunden muss sie Gären. Wir haben rund 25.000 EUR in das Know-how zur Melassefermentation investiert, daher möchte ich nicht unbedingt auf das Thema eingehen. Sie verstehen sicher, dass das momentan noch ein großer Vorteil unsererseits ist gegenüber den Kollegen die auch Rum herstellen.
wad!: Als Rum- und auch Whiskyfreund gefallen mir hochprozentige Singlecaskabfüllungen sehr gut. Haben Sie beim Rum und ggf. beim Neccarus solche in Planung und haben Sie zukünftig (noch) längere Lagerzeiten im Visier?
Joachim Alt: Vielleicht machen wir mal Fassabfüllungen. Die Nachfrage bei uns ist noch relativ gering, deshalb steht dieses Thema nicht unbedingt an erster Stelle. Abgeneigt sind wir allerdings nicht. Letztlich wird eben solange es unserer Meinung nach nötig ist bzw. wie es sich ergibt. Zehn Jahre sind ja immerhin ein Wort für Deutschland.
Ja, das stimmt. Ich wusste gar nicht, dass es zehnjährigen Rum aus Deutschland gibt. Welcher nun der Zehnjährige ist, weiß ich aber immer noch nicht. Immer diese Geheimniskrämerei. Bei meiner Frage zur Fermentation hatte ich immer auf neue Infos à la Dundergrube bei der Produktion von Jamaikarum gehofft.
Nichtsdestotrotz ist das Thema deutscher Rum - wie zumindest ich finde - ein sehr spannendes und hoffnungsfrohes, wenn auch noch recht nerdiges. Es geht aber eben erst los und wer weiß, wie wir in zehn Jahren darüber denken und reden werden.
Und wie haben mir die Kostproben gemundet? Durch die Bank sehr gut. Bei Severin Simon gefiel mir schon der Marinerum mit seinem trockenen Abgang. Der Valkyrie ist schön würzig und hinterlässt wirklich ein schwach-rauchiges, fettes Etwas auf dem Gaumen und der Kalypso ist ein feiner Schmeichler. Der muss einem einfach schmecken.
Die Alt Enderles kommen ganz anders angelegt daher. Von fruchtig-weinig über exotisch-würzig bis zu deutlichen Schokoladennoten wird eine breite Palette aufgefahren und - das gefällt mir besonders - die mir vorliegenden vier Abfüllungen unterscheiden sich doch grundlegend voneinander. Eine eigene Rumwelt, die zum Entdecken einlädt. Aber das klingt ja schon fast wieder wie ein hirnloser Werbetext... Also, bitte selber probieren!
Beim zweiten küßte er mich so wie nie.
Beim dritten dann - wie dumm - fiel mein Casanova um
und Schuld daran war ganz allein der Rum.
Barbados
der Rum von Barbados
du trinkst ihn ahnungslos
schon ist der Teufel los.
Oh-oh-oh Barbados
der Rum von Barbados
der schafft den stärksten Mann - mal irgendwann.
Er sagte mir: "Ich trink ihn nie mehr pur
ich kann ihn schon verkraften aber nur
mit Cola und mit Eis." - Ja das machte er sich weis
am nächsten Morgen sagte er ganz leis:
Barbados
der Rum von Barbados
du trinkst ihn ahnungslos
(Gaby Baginsky, Der Rum von Barbados, 1979)
Über die Erfolge des hier zitierten Schlagers bin ich mir nicht ganz im klaren und ob der neue deutsche Rum in der näheren Zukunft Hitpotential hat, möchte ich heute auch noch nicht abschließend beantworten. Dafür ist das Thema zu frisch. Neuer deutscher Rum? - Ja, unsere umtriebigen Schnapsbrenner machen nicht nur vor Whisky und Gin nicht halt, nein jetzt wird auch noch die Rumkategorie beackert.
(Der Gute Pott um 1970)
Das haben die norddeutschen Blendingfirmen - ganz oben mit der Marke Der Gute Pott - schon über 100 Jahre lang gemacht. Allerdings haben die in der Regel nur Importprodukte - vorzugsweise German Style Rum aus Jamaika - mit mehr oder weniger Neutralalkohol verschnitten und so die Marktführerschaft in Deutschland erlangt. Von der DLG gab es für Pott zuletzt den Titel "Bester Rum des Jahres" und andere goldene Preise. Gratuliere. Nicht zu diesen fragwürdigen Auszeichnungen, sondern zu den Anfang der 1970er Jahre abgefüllten 20jährigen Jamaikarums, die als Pott Privat Rum in begrenzter Auflage in den Handel kamen. Schöne Sache und für Rumhistoriker ein Muss-Haben (Ebay is your friend).Doch zurück zur Gegenwart. Es gibt mittlerweile Rum, der in Österreich gebrannt wird (Nein, nicht Stroh oder dessen Surrogate aus Neutralalkohol, Aromastoffen und viel Farbe). Auch aus Dänemark wird dort destillierter und gelagerter Rum vermeldet. Was fehlte war Rum, der in Deutschland hergestellt wird. Diese Lücke versuchen findige Brenner zu schließen. Zum einen ist das das Haus Alt Enderle mit sechs verschiedenen Abfüllungen und der Feinbrenner Severin Simon mit drei Rumvariationen. Das ist doch was!
Fangen wir mit dem Bayern aus dem Spessart an. Der Rum aus Simon's Feinbrennerei wird in einem Onlineshop u.a. so beschrieben: "...Wer sich für den Simons Bavarian Nordic Rum Valkyrie mit Seltenheitswert entscheidet, setzt auf eine Besonderheit mit einem Geschmack, der sich nur schwer in pauschale Worte fassen lässt." Dass jemand ungestraft sowas schreiben darf? Egal - Es soll ja nicht um das Geschwurbel eines Shopbetreibers gehen, der hofft, mit langatmigen (aber gehaltlosen) Produktbeschreibungen im Googleranking nach oben gespült zu werden.
Severin Simon setzt stark auf lokale Bezogenheit und eine Manufakturphilosophie: Fässer aus Spessarteiche. Das Holz für die Befeuerung der Potstill stammt aus dem eigenen Wald etc. usw. Ich finde das durch und durch lobenswert. Wer noch mehr erfahren möchte, sollte mal im offiziellen Infoflyer nachlesen oder sich gleich den Podcast von WRINT anhören, wo der Brenner/Winzer auch zu seinen Weinen ausgiebig gelöchert wird. Ich konnte Severin Simon, der seit 2012 übrigens eine eigene Verschlussbrennerei sein eigen nennt, noch ein paar zusätzliche Fragen stellen:
whatadrink!: Herr Simon, Sie bieten im Moment drei verschiedene Rumabfüllungen mit jeweils 40% Vol. an. Eine - nennen wir sie "Standardabfüllung" - namens Marinerum, dann den Kalypso, der mit Vanille gewürzt und mit Melasse gesüßt wurde, und den Valkyrie, der eine Lagerung in speziell getoasteten Fässern hinter sich hat (Preise zwischen 35 und 50 EUR für die 0,5l-Flasche). Mein erster Eindruck war: Saubere Brände! Beim Rum wünsche ich mir aber auch Ecken und Kanten - also auch mal ein dreckiges Destillat. Ich würde gerne wissen, wie lange die Lagerzeit jeweils war.
Severin Simon: Mit unserer neuen, großen Brennanlage haben wir im Oktober 2012 begonnen zu arbeiten und das Erste, was gebrannt wurde, war Rum - d.h. die aktuellen Abfüllungen liegen bei knapp über 2 Jahren. Mit Rum geht es bei uns eigentlich erst los. Das was Sie mit dreckig bezeichnet haben, habe ich schon auch im Sinn. Zum Beispiel habe ich mir einen neuen Gärbottich aus Eichenholz bauen lassen und darin soll in Zukunft ein Teil der Melasse unter Verwendung von betriebseigener Mikrobiologie und zugleich längeren Maischezeiten verarbeitet werden.
Auch im Bereich Fassmanagement haben wir noch einiges vor. Durch unsere Weinsparte sind wir in der Lage neue Fässer nach der später geplanten Destillatbelegung zu bestellen, also was z.B. das Toasting angeht, und dann zu überlegen, welcher Wein als Erstbelegung dazu passt. Das ist inzwischen ein eigenes Fassvorbelegungsprogramm geworden. Aber so oder so haben wir da noch Luft nach oben für spannende Sachen ohne dass wir irgendwas kopieren müssen.
wad!: Rum oder Whisky im Ex-Weinfass ist ja inzwischen fast alltäglich geworden. Mir haben die wenigen Weine, die wiederum in Ex-Whiskyfässern steckten aber auch sehr gut gefallen. Die Kette der Fassbelegungen ist also über die Jahrzehnte der Lebendauer eines Fasses variierbar und ein altes Ex-Wein- und Ex-Whiskyfass wird vielleicht irgendwann wieder ein gutes Weinfass...
Severin Simon: Wir bleiben am Ball.
wad!: Ihre Melasse wird von den Tres Hombres per Segelschiff aus der Karibik geliefert. Wann geht das erste Fass mit Simon's Rum zurück ins Ursprungsland des Basisprodukts und wird dort gelagert? Auch die monatelange Schiffsreise wäre ja eine besondere Lagerzeit unter besonderen klimatischen Bedingungen. (Anm. des Verfassers: Was gebe ich denn schon wieder für Tips?)
Severin Simon: Das ist wirklich eine Idee, die gar nicht von der Hand zu weisen ist. Wir haben da nur etliche Hürden im Bereich Logistik, Zölle, Steuern etc. gerade wenn es ein Weg ist, der so noch nicht beschritten wurde. Ein Beispiel in dieser Richtung ist der Linie Aquavit.
wad!: Ich habe davon gelesen, dass Sie auch Singlecaskabfüllungen (hoffentlich dann auch mit höherem Alkoholgehalt) planen. Wann werden wir diese kaufen können?
Severin Simon: Das kann man in näherer Zukunft erwarten. So ab einer Lagerzeit von 3 Jahren kann ich mir das gut vorstellen.
wad!: Der Kalypso wird mit Vanille aromatisiert und mit Melasse gesüßt. Wie darf ich mir das in der Praxis vorstellen?
Severin Simon: Ich arbeite hier mit 100-Liter-Fässern, statt der üblichen 225-Liter-Barriques, und es werden tatsächlich echte Tahiti-Vanilleschoten dem Rum beigegeben. Tonkabohnen kommen übrigens auch mit rein. Die frische Zuckerrohrmelasse dient allerdings mehr der Färbung als der Süßung. Wir liegen da bei ca. 50g Zucker pro Liter.
wad!: Wie unterscheiden sich die Valkyrie-Fässer von den sonst verwendeten?
Severin Simon: Für unseren Basisrum, den Marinerum, wollen wir die Fasslagerung in ein soleraähnliches System bringen - d.h. wir haben untenliegend zwei 600-Liter-Fässer, die aus Barriques befüllt werden. Das Ziel ist mit unseren beschränkten Möglichkeiten, weil wir weiter ein relativ kleiner Betrieb sind, eine gewisse Kontinuität bei der Qualität hinzukriegen und diese dann auch noch zu steigern.
Unser Nordic Whiskytoasting haben mein Küfner und ich zusammen ausgetüftelt. Es ging darum einen speckig-rauchigen Grundton zu erzielen. Wichtig ist, dass das komplette Fass also nicht nur die Dauben, sondern auch die Böden getoastet werden. Die Böden sind quasi schon charcoaled, haben also eine dünne, verkohlte Schicht. Die Dauben haben auch ein hohes Toastinglevel - allerdings erreichen wir das mit relativ geringer Temperatur aber dafür langer Zeit der Erhitzung.
Dass man in Baden-Württemberg gern das ein oder andere a bissele anders macht als im Rest der Welt, hat sich herumgesprochen. In Sachen Rum wird aber auch das Basismaterial - sprich: Zuckerrohr bzw. Melasse - benötigt und das kommt eher selten von der schwäbischen Alb (aber wer weiß, was die Klimaveränderung noch mit sich bringt). Beim für seinen Necarrus Single Malt Whisky zuletzt hochgelobten Brennereibetrieb Alt Enderle kam man auf die Idee das Terroir gleich mit der Melasse einzukaufen. So gibt es derzeit drei Rumabfüllungen, deren Melasse jeweils herkunftsrein aus Indien, Paraguay und Siam (Thailand) stammt. Ergänzt wird dieses Portfolio mit einem Rum namens Memory Of The World, der folglich aus einer Melassemischung destilliert wurde und im Ex-Portweinfass lagerte (0,5l jeweils ca. 42-50 EUR). Das klingt doch alles nicht schlecht. Von Joachim Alt gab es noch ein paar Zusatzinfos.
wad!: Herr Alt, Sie bieten im Moment vier verschiedene Rumabfüllungen mit jeweils 43% Vol. an. Ich würde gerne wissen, wie lange die Lagerzeit jeweils war, da sich die Rums in der Farbe deutlich unterscheiden und welche Fasstypen und -größen verwendet wurden.
Joachim Alt: Zur Zeit haben wir sogar sechs verschiedene Rums: Siam, Indien, Paraguay, Memory of the World, einen XO und einen weißen Rum. Das Alter liegt ganz verschieden zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Die verschiedenen Farben erlangt der Rum unter anderem durch die verschiedenen Typagen also nicht nur durch das Fass.
wad!: Ihr Rum wird aus Melasse gebrannt, die aus drei verschiedenen Ländern bzw. Kontinenten kommt. Woher bezieht man so ein exotisches Rohmaterial? Wie wird das angeliefert? Wie sieht es mit der Lagerfähigkeit der Melasse aus und wie läuft die Fermentation ab?
Joachim Alt: Wir bekommen unsere Melassen direkt aus diesen Ländern d.h durch Direktimport und einen direkten Kontakt zu den Zuckerrohrplantagen. In 6 Wochen sind wir deswegen z.b wieder in Indonesien unterwegs. Geliefert wird in 1000-Liter-Containern. Die Lagerfähigkeit ist nahezu unbegrenzt, wobei ich sage: Melasse ist ein Naturprodukt und verändert sich laufend und durch eine allzu lange Lagerzeit wird sie nicht besser. Die Fermentation läuft ganz normal ab: Melasse - Wasser - Hefe - nach drei bis vier Stunden muss sie Gären. Wir haben rund 25.000 EUR in das Know-how zur Melassefermentation investiert, daher möchte ich nicht unbedingt auf das Thema eingehen. Sie verstehen sicher, dass das momentan noch ein großer Vorteil unsererseits ist gegenüber den Kollegen die auch Rum herstellen.
wad!: Als Rum- und auch Whiskyfreund gefallen mir hochprozentige Singlecaskabfüllungen sehr gut. Haben Sie beim Rum und ggf. beim Neccarus solche in Planung und haben Sie zukünftig (noch) längere Lagerzeiten im Visier?
Joachim Alt: Vielleicht machen wir mal Fassabfüllungen. Die Nachfrage bei uns ist noch relativ gering, deshalb steht dieses Thema nicht unbedingt an erster Stelle. Abgeneigt sind wir allerdings nicht. Letztlich wird eben solange es unserer Meinung nach nötig ist bzw. wie es sich ergibt. Zehn Jahre sind ja immerhin ein Wort für Deutschland.
Ja, das stimmt. Ich wusste gar nicht, dass es zehnjährigen Rum aus Deutschland gibt. Welcher nun der Zehnjährige ist, weiß ich aber immer noch nicht. Immer diese Geheimniskrämerei. Bei meiner Frage zur Fermentation hatte ich immer auf neue Infos à la Dundergrube bei der Produktion von Jamaikarum gehofft.
Nichtsdestotrotz ist das Thema deutscher Rum - wie zumindest ich finde - ein sehr spannendes und hoffnungsfrohes, wenn auch noch recht nerdiges. Es geht aber eben erst los und wer weiß, wie wir in zehn Jahren darüber denken und reden werden.
Und wie haben mir die Kostproben gemundet? Durch die Bank sehr gut. Bei Severin Simon gefiel mir schon der Marinerum mit seinem trockenen Abgang. Der Valkyrie ist schön würzig und hinterlässt wirklich ein schwach-rauchiges, fettes Etwas auf dem Gaumen und der Kalypso ist ein feiner Schmeichler. Der muss einem einfach schmecken.
Die Alt Enderles kommen ganz anders angelegt daher. Von fruchtig-weinig über exotisch-würzig bis zu deutlichen Schokoladennoten wird eine breite Palette aufgefahren und - das gefällt mir besonders - die mir vorliegenden vier Abfüllungen unterscheiden sich doch grundlegend voneinander. Eine eigene Rumwelt, die zum Entdecken einlädt. Aber das klingt ja schon fast wieder wie ein hirnloser Werbetext... Also, bitte selber probieren!
Montag, 11. August 2014
Kommen Sie zum GRF! (German Rum Festival)
"...in Berlin im Bauch der Welt
(aus "Bundestagswahl" von Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung, 2014)
und der Nabel heißt: Berlin-Mitte..."
(aus "Bundestagswahl" von Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung, 2014)
Das GRF. Kennen Sie das GRF? Wenn nicht, sollten Sie es kennen lernen. Das GRF ist das German Rum Festival, das dieses Jahr schon zum 4. Mal im schönen in Berlin stattfindet. Wenn Sie ein aufmerksamer Leser dieses Blogs sind, dann wissen Sie das, denn ich habe schon öfters darüber berichtet.
Was gibt es also Neues in 2014 beim GRF, dass das gleich einen Vorabankündigungsbericht rechtfertigt? Nun, das GRF hat eine sehr aufmerksame PR-Abteilung. Dieser ist whatadrink! nicht entgangen. Gute Agentur. Außerdem stehe ich beim GRF nicht auf der schwarzen Liste. Auch gut, denn deshalb gibt es für Sie, werter Leser, exklusive Wochenend-Tickets für das GRF:
2-Tages-Tickets für das German Rum Festival 2014 für 21,50 EUR statt 34 EUR (bitte hier klicken)!
Aber das war noch nicht alles! Hier werden bis zum Sonntag, 28.09.2014, 24 Uhr, auch noch 2x zwei Eintrittskarten für das GRF verlost. Was müssen Sie dafür tun? Ganz einfach. Sie schreiben die Antwort auf folgende Preisfrage per Email an die angeführte Emailadresse und geben zusätzlich Ihren Namen und Ihre Postanschrift an. Und schon winkt das Glück...
Preisfrage: Was ist Clairin? (Die Lösung bitte an... )
Update: Das Preisauschreiben ist vorbei - Die glücklichen Gewinner wurden benachrichtigt!
Update: Das Preisauschreiben ist vorbei - Die glücklichen Gewinner wurden benachrichtigt!
So und jetzt noch der Hammer! Sind Sie Barkeeper oder Barmaid? Oder Barmann oder Barfrau? Auch Barback (das ist der fleißige Helfer vom Barkeeper/in) geht grade noch. Dann sind Sie richtig beim Cocktailwettbewerb BOTUCAL GERMAN TOURNAMENT. Yeah! Bewerben Sie sich bis 30.8.2014 - in Worten: dreißigsterachterzweitausendvierzehn - an und fahren Sie zum Finale nach Berlin (natürlich beim GRF) und gewinnen Sie Geld, Reisen und ein sorgenfreies Leben!
Habe ich zuviel versprochen? Ach, ich hab ja gar nix versprochen. Im Ernst: Das GRF ist ein lohnendes Ziel für Freunde des Zuckerrohrbrandes, des gemischten Cocktailgetränks und überhaupt ist (wie Dieter Thomas Heck immer sagte) Berlin immer eine Reise wert! (oder auch nicht).
Montag, 7. Oktober 2013
3rd Berlin Rumfestival 2013 - An Explosion!
"Das ist dieses Jahr explodiert", wirft mir Deutschlands Rum Ambassador und Kopf des Berliner Rumfestivals, Dirk Becker, kurz rüber, als ich ihn am Samstagabend auf den Besucherandrang seiner 2011 gestarteten Consumermesse anspreche. Und schon ist er wieder weg. Arbeiten.
Das 3rd German Rumfestival Berlin 2013 war definitiv ein Erfolg. Nicht nur für den Organisator und sein vielköpfiges Team, sondern auch für mich, da ich nur zum Trinken, Reden und Staunen in die Hauptstadt gereist war. Entspannung also bei vielen Tastings und Vorträgen, die alle ohne Aufpreis besucht werden konnten (!), oder in der Cigar Lounge bei echten Zigarrendrehern. Und Entdeckungen - davon gab es einige.
Ganz vorne müssen natürlich die nagelneuen "Origenes" Rums von Maestro Francisco "Don Pancho" Fernandez stehen. Der Reserva Especial 18 Years Old (der große Sieger der Festivalprämierung mit dem höchsten Punktergebnis aller 120 Kandidaten) und der Reserva Don Pancho 30 Years Old (beide mit 40% Vol.) sind fantastische Abfüllungen aus "Don Panchos" eigener Fassreserve. Wer ist "Don Pancho"? Nunja, den sollte man kennen, ist/war er doch der Entwickler bzw. Masterblender hinter den Panamarums Zafra und Ron De Jeremy und einer Vielzahl anderer Marken (z.B. Abuelo). Der Meister hat jetzt zwei eigene Edelrums am Start, die man getrost als perfekt geschliffene und polierte Blends bezeichnen darf. Allerdings verleugnen die nie ihre Rasse und Klasse und sind ihr Geld (die Preise sind mir noch nicht bekannt, dürften aber beim 30jährigen eher etwas höher gewählt sein) absolut wert.
Dann darf ich erwähnen, dass dieser Tage einige neue Abfüllungen aus dem Hause Cognac Ferrand, d.h. Plantation Rum, in den einschlägigen Shops auftauchen werden. In Berlin gab es folgende Limited Editions zu verkosten: Guatemala XO Pineau de Charentes Finish, Trinidad 1989, Jamaica 1999 Port Cask Finish und Trinidad 1999 Banyuls & Sherry Cask Finish. Die letzten drei kamen mit 45% Vol. - der Guatemala XO mit 40% Vol. - in die Flasche. Mir hat der Trinidad 1999 mit seinem Spiel zwischen kantigem, jungen Rum und dem süßen Fass sehr gut gefallen, aber auch der Trinidad 1989 ist ein bestens gereifter Vertreter seines Heimatlandes.
Mit dem 3 Island Rum in weißer und dunkler Ausführung war das Rumhaus Charles Hosie dieses Jahr bereits sehr positiv aufgefallen. Zum Rumfest gab es gleich vier neue Abfüllungen aus der Valedor genannten Range von Zigarrenrums zu bestaunen. Da sind ein weißer Rum namens Coffee Spirit (43% Vol.), bei dessen Herstellung kolumbianische Kaffeebohnen mitdestilliert wurden, was ein - im Vergleich zu den von mir kürzlich probierten Kaffeegeisten - sehr harmonisches Gesamtbild ergab, dann ein grundsolider Cask Aged Rum benannter Blend aus Nicaragua-, Trinidad- und Martinique-Rum (43% Vol.) und - die vielleicht interessantese Komponente der Tobacco Companions: Rum Cordial - Ein Rumlikör auf Basis des Cask Aged Rumblends, der mit echter Madagaskarvanille (1 1/2 Schoten pro 0,5l-Flasche) aromatisiert und mit stolzen 47% Vol. abgefüllt wird. Whatadrink! Ergänzt wird das Ganze noch mit dem Rum Elixier, das nach der Formel Nicaraguarum + Madagaskarvanille + Kaffeegeist mit 36% Vol. in Kürze zur Verfügung stehen soll. Wo? Exklusiv im Tabakwarenhandel, denn alle vier Spirituosen sind auf den Genuss zur Zigarre (oder Pfeife) abgestimmt. Kosten werden die Flaschen zwischen 25 und 35 EUR. Das klingt doch fair.
Fair ist auch das Stichwort bei Tres Hombres. Die Seebären um den österreichischen Kapitän Andreas Lackner haben neuen Rum angeliefert und zwar gleich in drei verschiedenen Abfüllungen. Da ist zum einen eine Weiterentwicklung des DomRep-Solerarums von Oliver & Oliver mit der Bezeichnung Tres Hombres XV Anos Republica Dominicana Ed. 05 2013 (41% Vol.), dessen älteste Bestandteile 15 Jahre alt sind und der in Eichenfässern und in Fassstärke (!) fünf Monate per Segelschiff aus der Karibik nach Europa geschippert wurde. Das hat seit über 100 Jahren niemand mehr gemacht. Authenzität vermittelt dann auch die 1-Liter-Steingutflaschenabfüllung in Fassstärke mit 64,5% Vol. namens Captain's Choice. Aber hallo! Viel heller in der Farbe kommt der Tres Hombres XV Anos La Palma Ed. 04 2013 (42% Vol.) daher, der aus der Aldea Distillerie von den kanarischen Inseln stammt und der nach 15 Jahren in French Oak noch eine achtmonatige Seereise - sozusagen als Finish - mit bekam. Alle drei sind nicht ganz billig - aber die Buddels wurden ja auch fair gehandelt und mit eigenem Schiff transportiert.
Zum Abschluss dieses kleinen Rundgangs noch die Bemerkung, dass ich den Diplomatico Vintage 2000 im Vergleich zur Ambassador-Ausgabe nicht ganz sooo dolle fand - auch wenn Masterblender Tito Cordera den Spaß persönlich vorstellte. Sollte man vielleicht nochmal in Ruhe ohne Festivalrummel zwischen Cateringbereich und Käsetheke probieren. Umso schöner war dafür das inoffizielle Rumfestivalbottling eines 12jährigen Rums aus der Dominikanischen Republik aus den Lagerbeständen von Oliver & Oliver, die Dirk Becker ab sofort in seinem Rumdepot mit 65% Vol. für 45 EUR anbietet. Wenn er denn endlich wieder Zeit hat...
Das 3rd German Rumfestival Berlin 2013 war definitiv ein Erfolg. Nicht nur für den Organisator und sein vielköpfiges Team, sondern auch für mich, da ich nur zum Trinken, Reden und Staunen in die Hauptstadt gereist war. Entspannung also bei vielen Tastings und Vorträgen, die alle ohne Aufpreis besucht werden konnten (!), oder in der Cigar Lounge bei echten Zigarrendrehern. Und Entdeckungen - davon gab es einige.
Ganz vorne müssen natürlich die nagelneuen "Origenes" Rums von Maestro Francisco "Don Pancho" Fernandez stehen. Der Reserva Especial 18 Years Old (der große Sieger der Festivalprämierung mit dem höchsten Punktergebnis aller 120 Kandidaten) und der Reserva Don Pancho 30 Years Old (beide mit 40% Vol.) sind fantastische Abfüllungen aus "Don Panchos" eigener Fassreserve. Wer ist "Don Pancho"? Nunja, den sollte man kennen, ist/war er doch der Entwickler bzw. Masterblender hinter den Panamarums Zafra und Ron De Jeremy und einer Vielzahl anderer Marken (z.B. Abuelo). Der Meister hat jetzt zwei eigene Edelrums am Start, die man getrost als perfekt geschliffene und polierte Blends bezeichnen darf. Allerdings verleugnen die nie ihre Rasse und Klasse und sind ihr Geld (die Preise sind mir noch nicht bekannt, dürften aber beim 30jährigen eher etwas höher gewählt sein) absolut wert.
Dann darf ich erwähnen, dass dieser Tage einige neue Abfüllungen aus dem Hause Cognac Ferrand, d.h. Plantation Rum, in den einschlägigen Shops auftauchen werden. In Berlin gab es folgende Limited Editions zu verkosten: Guatemala XO Pineau de Charentes Finish, Trinidad 1989, Jamaica 1999 Port Cask Finish und Trinidad 1999 Banyuls & Sherry Cask Finish. Die letzten drei kamen mit 45% Vol. - der Guatemala XO mit 40% Vol. - in die Flasche. Mir hat der Trinidad 1999 mit seinem Spiel zwischen kantigem, jungen Rum und dem süßen Fass sehr gut gefallen, aber auch der Trinidad 1989 ist ein bestens gereifter Vertreter seines Heimatlandes.
Mit dem 3 Island Rum in weißer und dunkler Ausführung war das Rumhaus Charles Hosie dieses Jahr bereits sehr positiv aufgefallen. Zum Rumfest gab es gleich vier neue Abfüllungen aus der Valedor genannten Range von Zigarrenrums zu bestaunen. Da sind ein weißer Rum namens Coffee Spirit (43% Vol.), bei dessen Herstellung kolumbianische Kaffeebohnen mitdestilliert wurden, was ein - im Vergleich zu den von mir kürzlich probierten Kaffeegeisten - sehr harmonisches Gesamtbild ergab, dann ein grundsolider Cask Aged Rum benannter Blend aus Nicaragua-, Trinidad- und Martinique-Rum (43% Vol.) und - die vielleicht interessantese Komponente der Tobacco Companions: Rum Cordial - Ein Rumlikör auf Basis des Cask Aged Rumblends, der mit echter Madagaskarvanille (1 1/2 Schoten pro 0,5l-Flasche) aromatisiert und mit stolzen 47% Vol. abgefüllt wird. Whatadrink! Ergänzt wird das Ganze noch mit dem Rum Elixier, das nach der Formel Nicaraguarum + Madagaskarvanille + Kaffeegeist mit 36% Vol. in Kürze zur Verfügung stehen soll. Wo? Exklusiv im Tabakwarenhandel, denn alle vier Spirituosen sind auf den Genuss zur Zigarre (oder Pfeife) abgestimmt. Kosten werden die Flaschen zwischen 25 und 35 EUR. Das klingt doch fair.
Fair ist auch das Stichwort bei Tres Hombres. Die Seebären um den österreichischen Kapitän Andreas Lackner haben neuen Rum angeliefert und zwar gleich in drei verschiedenen Abfüllungen. Da ist zum einen eine Weiterentwicklung des DomRep-Solerarums von Oliver & Oliver mit der Bezeichnung Tres Hombres XV Anos Republica Dominicana Ed. 05 2013 (41% Vol.), dessen älteste Bestandteile 15 Jahre alt sind und der in Eichenfässern und in Fassstärke (!) fünf Monate per Segelschiff aus der Karibik nach Europa geschippert wurde. Das hat seit über 100 Jahren niemand mehr gemacht. Authenzität vermittelt dann auch die 1-Liter-Steingutflaschenabfüllung in Fassstärke mit 64,5% Vol. namens Captain's Choice. Aber hallo! Viel heller in der Farbe kommt der Tres Hombres XV Anos La Palma Ed. 04 2013 (42% Vol.) daher, der aus der Aldea Distillerie von den kanarischen Inseln stammt und der nach 15 Jahren in French Oak noch eine achtmonatige Seereise - sozusagen als Finish - mit bekam. Alle drei sind nicht ganz billig - aber die Buddels wurden ja auch fair gehandelt und mit eigenem Schiff transportiert.
Zum Abschluss dieses kleinen Rundgangs noch die Bemerkung, dass ich den Diplomatico Vintage 2000 im Vergleich zur Ambassador-Ausgabe nicht ganz sooo dolle fand - auch wenn Masterblender Tito Cordera den Spaß persönlich vorstellte. Sollte man vielleicht nochmal in Ruhe ohne Festivalrummel zwischen Cateringbereich und Käsetheke probieren. Umso schöner war dafür das inoffizielle Rumfestivalbottling eines 12jährigen Rums aus der Dominikanischen Republik aus den Lagerbeständen von Oliver & Oliver, die Dirk Becker ab sofort in seinem Rumdepot mit 65% Vol. für 45 EUR anbietet. Wenn er denn endlich wieder Zeit hat...
Montag, 25. Februar 2013
Finest Spirits 2013 im Zeichen des Rums
Am letzten Wochenende fand in Münchens MVG-Museum das "Finest Spirits"-Festival statt. Die Veranstaltung, die 2011 noch den Untertitel "Munich Whisky & Bar Festival" trug und damit Bezug auf ihre Abstammung als reinrassiges Whiskyfest nahm, hat sich zur größten Consumer- und Lifestylemesse ihrer Art in Deutschland gemausert.
Während nach meinen Beobachtungen am Freitag ein Zuwachs an Besuchern zu verzeichnen war und die Location am Samstag fast aus den Nähten platzte, war die Lage am Sonntag direkt entspannt. Das begleitende Vortragsprogramm war wieder sehr erlesen und vielleicht kann der Veranstalter an diesem Punkt ansetzen und für eine "Entzerrung" sorgen, da doch einige Highlights am Samstag geballt anstanden.
Der verwendete Slogan "Alles rund um Whisky, Wodka, Gin und Genuß" zeigt zwar die längst erfolgte Erweiterung hin zu weißen Spirituosen, geht aber natürlich längst nicht weit genug. Renommierte Obstbrenner (mit und ohne Whiskyproduktion) aus nah und fern gaben sich ebenso ein Stelldichein wie Käseaffineur, Schokoladenmanufakturen, Eismann (natürlich mit hochprozentigen Kreationen), Bourbon-Mike, Fassmacher und Rumhändler.
Letztere waren dieses Jahr besonders stark vertreten. Der Sektor "Rum" wächst in Deutschland erfreulicherweise. Wenn auch nicht schnell, so doch stetig. So war das Traditionshaus "Charles Hosie" mit den ersten beiden Abfüllungen seiner neuen "Hauslinie" vertreten, die ausgezeichneten Rums aus der "Plantation"-Serie von "Cognac Ferrand" gab es zu verkosten, wie auch die ganze Palette von "Zacapa" aus Guatemala oder von "Centenario" aus Costa Rica, die brandneuen Single Cask-Rums von "Isla Del Ron / Malts Of Scotland" (mehr dazu folgt), der "Whisky Agency" (Jamaica 35y!) und von der "Scotch Malt Whisky Society". Die letzteren drei sind als erstklassige Whiskybottler bekannt und versuchen sich neuerdings mit Toprums in Faßstärke, unfiltriert und ungefärbt. Das ist echter Rum. Ein Ausrufezeichen.
Das setzte auch Germanys Rum Ambassador und Chef des "German Rum Festivals" Dirk Becker aus Berlin, der nicht nur ein Tasting leitete, sondern in seinem Festivalshop "Rum Depot" auch ein Highlight der Messe feilbot: "Blue Mauritius", ein in frischen Portweinfässern gereifter Rum, der aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt wird und den Connaisseur mit einem Spiel zwischen Bananasplit und kurzgereiftem Rhum Agricole einfängt. Der Rum sorgte sogar bei Facebook zwischenzeitlich für Furore ("München liebt Blue Mauritius"). Gut so.
Whisky gab es auch. Und nicht zu wenig. Besonders interessant waren die Brandneuen, wie z.B. die Sherryexpressions von "Slyrs" und die hochgelobten Taiwanesen von "Kavalan" (Bericht folgt). Aber auch die Alten, wie sie von "Raritäten Langer" oder den Freaks von "Slowdrink" / "Munich Spirits" um Pit Krause in erschwinglichen Drams verkauft wurden (Stichwort: Monster Malts).
Ins Detail in Sachen Whisky ging der in allen Spirituosengattungen bewanderte Guru Jürgen Deibel. Er präsentierte zusammen mit Lorenzo Garcia von "Bodegas Tradicion" zwei 1999er "Glengoyne" Single Malts, die nach Reifung im Ex-Bourbonfass ein Finish im Palo Cortado- bzw. Pedro Ximenez-Sherryfass erhielten. Das ist nichts besonders? Moment! Die Sherryfässer stammen aus 60-70 Jahre alten Beständen der Bodega und wurden so nicht - wie heute üblich - nach Wunsch der schottischen Destillerie designt. Zudem reifte in ihnen zuletzt nicht irgendein Sherry, aus dem später "nur" Sherryessig wurde, sondern ein 33jähriger bzw. ein 20jähriger Sherry und - jetzt kommts - die sind zusammen mit den Whiskyabfüllungen zu erwerben. Der Sherry zum Whisky und beide aus dem selben Fass. Schöne Idee. Leider nicht ganz billig. Mir hat die P.X.-Variante besonders gemundet.
Aber es gab auch Leute, die nur zum Schmauchen in der "Dallmayr" Cigar Lounge gekommen waren und denen der flüssige Teil der Veranstaltung völlig egal war (kein Witz). Aber Geniessen kann der Mensch bekanntlich auf vielerlei Art. Neuerdings auch beim Pairing von Schokolade mit Champagner (geil!) usw...
Wie der Leser feststellen kann, hat mir die Festivität sehr gut gefallen. Frank Böer und sein Team sind auf dem richtigen Weg. Bleibt nur die Frage: Wer hat die lärmige Band bestellt?
Update: Die offizielle Bildershow
Donnerstag, 2. August 2012
Wiedervorlage: Rum (von vielen Inseln und im Diplomatengepäck)
Um Rum ging es hier schon einige Male. Da das Angebot aber ständig wächst und sowieso schon kaum mehr überblickbar ist, hier der Spot auf ein paar neuere Vertreter der Gattung. Bei der Erstellung aussagekräftiger Tastingnotes sprang mir diesmal freundlicherweise Frau Kristina Wolf zur Seite. Selbige ist in der Szene keine Unbekannte. Die Berlinerin - Spitzname The Nose - hat zu DDR-Zeiten eine fundierte gastronomische Ausbildung genossen und blieb auch später den sinnlichen Genüssen treu. Hier und da gab es immer wieder Verbindungen zur Spirituosenindustrie bzw. zum Gaststättengewerbe. Dem aufmerksamen Leser wird Frau Wolf auch schon im Blog des "Finest Spirits"-Festivals als Autorin aufgefallen sein. Internationale Berufungen in die Tasting Panels der Rumfestivitäten in Miami, London und Berlin unterstreichen zudem ihre fachliche Kompetenz. Aber genug der warmen Worte.
Beginnen
möchte ich mit einem preislichen Schwergewicht. Der "Diplomatico Ambassador" (47% Vol., ab ca. 200 EUR), vorgestellt beim Londoner
"Rumfest" 2011, kommt in einer gewichtigen Flasche mit schwerem Stopper
und in einer hölzernen Präsentationsbox aus dem fernen Venezuela
angeschippert. Das bisherige Aushängeschild des Herstellers namens "D.U.S.A."
war bislang der "Diplomatico Reserva Exclusiva", der in Deutschland zukünftig als "Botucal Reserva Exclusiva" zu
haben sein wird. Die Umbenennung trifft auch seine jüngeren Gefährten
"Reserva" und "Anejo". Zur Diplomatenfamilie gehört auch ein schlicht
"Blanco" (alle 40% Vol.) betitelter, weißer Rum, der bisher nicht in Deutschland auf dem
Markt war. Vielleicht ändert sich das durch den neuen Vertrieb, den "Sierra Madre" (diverse Tequilas, "Atlantico" Rum, "Hayman's" Gin, etc.) vor einigen Monaten übernommen hat. "D.U.S.A." stellt mit einer Vielzahl von Pot Still- und Säulenbrennanlagen Rum für verschiedene Marken her, z.B. "Cacique" und "Pampero". Desweiteren wird aus Melasse mit besonders hohem Zuckeranteil von 48-52% (leichte Rums) und Sugar Cane Honey (Zuckergehalt 60%, schwere Rums) destilliert. Insgesamt werden rund 8 Millionen 9-Liter-Cases im Jahr hergestellt. In 21 Lagerhäusern reifen 260.000 Fässer. Die "Diplomatico"-Range besteht bis auf den "Ambassador" aus Blends bestehend aus leichtem Column Still- und schwerem Pot Still-Rum. Die genaue Zusammensetzung und alles weitere über die Geschichte der Firma und die Herstellung sollte man im digitalen CLASS Magazin nachlesen.
Wir widmen uns nun endlich dem "Ambassador", der im Gegensatz zum aus 20% Column Still-Rum und 80% Pot Still-Rum geblendeten, nachgezuckerten und bis zu 12 Jahre alten "Reserva Exclusiva" aus 100% Pot Still-Rum besteht, der mindestens 12 Jahre in Ex-Bourbonfässern lagerte um dann noch weitere 2 Jahre in Ex-Pedro Ximenez-Sherryfässern zu verweilen. Nachgesüßt, gefärbt und (kühl)filtriert wird hier nicht. Gut so. Lassen wir die überdimensionierte Box einmal weg, so haben wir einen Rum im Glas, der einige Tester und mich schlichtweg enttäuscht hat. Wir hatten uns alle einen "Diplomatico-Hoch-3" vorgestellt, aber diese Erwartungen konnte der Knabe nun leider nicht ganz erfüllen. Ja, er hat schon die würzigen Noten (Curry), die seinen - mittlerweile als Einsteigerrum verschrienen - Kameraden von der Masse der süßen Blends abhebt. Ja, auch die Infos zu seiner besonderen handwerklichen Herstellung werden vorbildlich preisgegeben und den (deutlich merkbaren) 47%-Alkoholgehalt, finde ich auch besser als schnöde 40%. Aber irgendwie... An dieser Stelle muss Frau Wolf helfen - hier ihre Blindtastingnotes:
Tag 1:
N: trockene Süße, kräftig Holz, fast modrig, deutliche
Sherrynote;
G: trocken, aggressiv, aber nicht unangenehm, ölig, nur
leichte Süße, erneut Sherry, fast cremig werdend, erneut Holz;
A: lang und warm, erneut Sherry, leichte Salzigkeit;
F: Überraschend ungewöhnlich und Europäisch –
im Stil von Whisky und Sherry;
Tag 2:
N: trocken, modriges
Holz, Minze?, blumig, aber auch wieder
Sherry;
G: Holz, trockene Süße kommt durch, erneut Sherry, dezente
Salzigkeit (Lakritz?), cremiges Mundgefühl;
A: Relativ schnell weg, angenehme und leichte Aromatik;
F: ein gebauter Rum*
F: ein gebauter Rum*
*Frau Wolf versteht unter einem "gebauten Rum" einen "für den Allgemeingeschmack gebastelten, ohne echten Charakter, eben gefälligen" Rum. Was an sich ja nichts
Schlechtes ist, nur eben nicht immer ihrem persönlichen Geschmack Freude
bereitet.
Getastet wurde, wie zu erkennen ist, an zwei Tagen. Und wie man sieht, ergeben sich dabei gerade bei geschulten Sinnesorganen gewisse Abweichungen. Ich bin mir nach mehreren Anläufen mittlerweile sicher, dass ich den "Ambassador" nicht weiterempfehlen würde. Schon wegen des Preis-Leistungs-
Missverhältnisses. Auch ist er mir fast schon zu sherrylastig - ohne aber pappig zu sein, wie das bei anderen P.X.-Finishes manchmal der Fall ist. Fazit: Der "Ambassador" ist ein anspruchsvoller, sherrylastiger Rum, der mit seiner (Fass)Reife nicht hinterm Berg hält. Ob "Sierra Madre" den auch ins Programm nimmt, ist mir bislang nicht bekannt, erscheint mir aber unwahrscheinlich, da ja dann wieder das "Diplomatico-Botucal-Problem" im Raum stehen würde.
Missverhältnisses. Auch ist er mir fast schon zu sherrylastig - ohne aber pappig zu sein, wie das bei anderen P.X.-Finishes manchmal der Fall ist. Fazit: Der "Ambassador" ist ein anspruchsvoller, sherrylastiger Rum, der mit seiner (Fass)Reife nicht hinterm Berg hält. Ob "Sierra Madre" den auch ins Programm nimmt, ist mir bislang nicht bekannt, erscheint mir aber unwahrscheinlich, da ja dann wieder das "Diplomatico-Botucal-Problem" im Raum stehen würde.
"Banks" Rum ist spätestens seit Oktober 2010 hierzulande ein Begriff. Damals wurde der Neue in Berlin beim BCB vorgestellt und mittlerweile hat der weiße "Banks 5 Island" mit dem "Banks 7 Golden Age" (jeweils 43% Vol.) auch einen dunklen Bruder bekommen. Über alles Wissenswerte wurde vielerorts schon berichtet. Darum nur das: Der Neue ist wieder ein Blend - diesmal aus 23 Rums aus 7 Ländern. Wir vertrauen wieder Frau Wolf und ihren Tastingnotes.
"Banks 5 Island" - Tag 1:
N: süss, fruchtig-aromatisch, schokoladig, cremig;
G: zuerst leichter als die Nase verspricht, dann kommen die
kräftigen Aromen deutlich, schöner Rum für Tiki;
A: frisch und warm, exotische Früchte, die schokoladigen
Aromen erneut, sehr aromatisch aber nicht zu stark;
F: sehr schöner Rum fürs Massengeschäft, hat kaum Ecken und
Kanten – typische Karibik;
"Banks 5 Island" - Tag 2:
N: interessante frische Fruchtigkeit, aromatisch (in
Richtung Jamaika), sehr blumig und duftig, Schokolade (Vollmilch), frische
Zuckerrohrsüße;
G: zuerst leicht, dann fast cremig werdend, zuerst recht
neutral, dann kommt die komplexe Aromatik wieder durch, beim zweiten Schluck
deutlich kräftiger;
F: sehr milder,
aromatischer Rum. Perfekt für Cocktails, kann man aber auch pur geniessen.
Im ersten Schnuppern Tendenz zu Agricole, aber dafür sind die frischen
Aromen nicht prägnant genug;
"Banks 7 Golden Age" - Tag 1:
N: sehr süss, Rum-Rosinig, kräftige Vanillenoten;
G: Holz und süß, trocken (Demerara?), frische
Zuckerrohrsüsse;
A: lang und wärmend, angenehm changierend;
F: würde behaupten ein Demerara klassischen Typs oder ein
verdammt guter Blend;
"Banks 7 Golden Age" - Tag 2:
N: komplex, kräftig, vanillig, süsse Rum-Rosinen;
G: erneut kräftig, komplex, exotischer Fruchtkorb, erinnert
mich an Demerara (Port Mourant?);
A: elegant;
F: erneut mein Favorit;
Dem kann ich nicht mehr viel hinzufügen. Ich finde beide "Banks" extrem ansprechend und sehe aufgrund des großen Aromenspektrums eine Vielzahl von Verwendungs-möglichkeiten, wenn man Mixed Drinks im Visier hat. Andererseits bieten sich beide Varianten auch zum Süffeln an. Wer Lust bekommen hat, sollte also Einkaufen gehen! (Kleiner Tip am Rande: Cocktailian bietet bereits beide Abfüllungen an und hat den "5 Island" sogar in der günstigen 1-Literflasche im Shop)
Und weil wir grade beim Thema sind, kommt hier noch ein Rum, der durchaus Beachtung verdient hat. Die Rede ist von "New Grove Rum", der auf Mauritius hergestellt wird. Aus dieser Range hat es mir der "Plantation", ein leichter, weißer Rum, der mit seinem frischen Zuckerrohraroma ein wenig an einen Agricole erinnert, besonders angetan. Ich schmecke aber auch richtig viel
Grapefruitschale. Und zwar von einer frischen gelben, bitteren Grapefruit. Aber
ich bin ja heute nicht allein.
whatadrink!: Kristina, Du
bist wirklich eine Rumexpertin. Beim "New Grove" hast Du aber auch ein
bisschen Deine Finger im Spiel. Bitte erzähl uns was zur Herstellungsweise und
zu den Besonderheiten der drei bisher in Deutschland erhältlichen Abfüllungen.
Kristina Wolf: Die Rums von "New Grove" sind alle durch die Bank weg Melasserums. Nix mit
Agricole! Das Besondere ist jedoch, dass hier nicht die dunkelbraune,
total ausgelutschte Melasse verwendet wird, sondern diese Melasse extra zur
Rumherstellung produziert wird. Also die Melasse ist golden und hat fast noch den
kompletten Zuckergehalt und auch die frische Aromatik des Zuckerrohrs.
Das Zuckerrohr wird ab Juni geerntet, die Fermentation beträgt 36 Stunden bevor in einer Kolonne destilliert wird. Der Rum der daraus entsteht ist, ist genau der Rum, den man im "Plantation" (nur in Stahltanks 10 bis 18 Monate gelagert), "Oak", 5y, 8y und dem "Solera" wiederfindet. Die geschmacklichen Unterschiede kommen aus der Lagerung in verschiedenen Faßtypen. Das Meiste wird in französischer Limousineiche gereift. Aber auch Portwein- (für den 5y) und gebrauchte Cognacfässer, werden bei den verschiedenen Reifegraden verwendet. Am Besten selber probieren. "New Grove" wird auch wieder im Oktober auf dem Rum Festival in Berlin vertreten sein. Und sie kommen zusammen mit noch ein paar anderen Brennereien von Mauritius.
wad: Aber es kommt aus dieser
Quelle auch noch Neues auf uns zu?
KW: Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, welche Abfüllungen nach Deutschland kommen. Es sind auf alle
Fälle der 8jährige und der "Solera" frisch auf dem Markt, sowie eine
einfachere Range (White, Dark und Spiced). Auch ob wir je die
aromatisierten Rum bei uns auf den deutschen Markt bekommen werden ist mir nicht bekannt.
wad: Mir hat der
"Plantation" auf Anhieb gefallen und ich finde ihn jetzt im Sommer
gerade in den "kubanischen" Klassikern wie Daiquiri oder Mojito
sensationell. Welcher ist Dein Favorit und warum?
KW: Nun, der "Plantation" hat mich auch letztes Jahr schwerstens überzeugt. Endlich
ein weißer Rum, der nach Rum schmeckt, Charakter und einen Body besitzt. Ansonsten mag ich den "Oak", gerade wenn man Whiskyfreaks von Rum überzeugen
möchte. Als reiner Purgenuss ist für mich der 5jährige eine Offenbarung. Aber
Vorsicht! Nichts für "Diplomatico"-Fans ;-)
wad: Zum Abschluss noch eine
ganz andere Frage. Welchen Rumtrend siehst Du auf uns zukommen und welchen
neuen Rum würdest Du Dir wünschen? Sicher nicht den 150. Spiced Rum, der vom "Captain Morgan"-Kuchen was abhaben
will, oder?KW: Du kannst Fragen stellen! Bin ich eine Weissagerin? Wenn, dann würde ich mein Wissen nicht hier breittreten sondern dicke Kasse damit machen. Denn dann wären so etliche Marketingabteilungen, Blendmaster und Einzelkämpfer entweder ihren Job los oder im siebenten Himmel! - Ernsthaft, ich vermute, wir bekommen noch ein paar neue „gebaute“ Rum, ein paar sehr spannende Abfüllungen von bekannten Marken, wie im Whiskybusiness werden sich die Sonderabfüllungen häufen und die Preise werden ordentlich anziehen.
Meine Wunschrums sind stets die, die ich gerade im Glas habe und wirklich genießen kann. Das kann mal ein süßer, schwerer öliger Rum wie zum Beispiel "Botran" sein; mal eine Einzelfassabfüllung aus dem Hause "Cadenhead's"; mal ein fantastisch ausdrucksstarker "Trois Rivières" von Martinique oder zum Beispiel ein "Smith & Cross" und "El Dorado" in einem super leckeren Rumpunch.
Was ich mir für den Deutschen Rummarkt wünsche, ist dass endlich die faszinierenden Tropfen von den französischen Antillen ihren Stellenwert auch bei uns bekommen, ebenso dass solche wahnsinnig spannenden Rums wie die Abfüllungen von Dzama hier bekannter werden. Zu kaufen gibt es sie schon lange bei uns. Auch solche, etwas für den deutschen Gaumen anstrengendere Provenienzen, wie "Savana" von Réunion sind meine kleinen Geheimtipps. Die Welt der Rums ist so vielfältig und Aromen reich, da sollte für jeden Gaumen was dabei sein. Nur Mut beim Ausprobieren!
Dienstag, 21. Februar 2012
Tres Hombres - Rum und mehr...
Was ist von einem Produkt zu halten, das als The World Only Fairtransport Rum beworben wird? Der grüne Gedanke hebt die mangelnde Qualität wieder auf? Ganz ok, aber eher öko als wirklich gut? - Nee, völlig falsch gedacht.
"Tres Hombres" ist ein Projekt dreier Männer (wie passend), die aus den Niederlanden und Österreich kommen und mitterweile mit ihrem selbstgebautem 33-Meter-Segelschiff (Frachtzuladung 35t - kein Motor) mehrere Fahrten in die Karibik und wieder zurück absolviert haben. Der Name... Aber was schreibe ich denn da - lassen wir Andreas Lackner, einen der drei Kapitäne, doch einfach persönlich zu Wort kommen.
whatadrink!: Andreas, wie und wann habt Ihr Euch kennengelernt? Und wie ging es mit den "Tres Hombres" los?
Andreas Lackner: Wir haben uns zufällig im Jahr 2000 bei einer Atlantiküberquerung auf einem 55-Meter-Dreimaster kennengelernt. Das war die erste Amerikafahrt für das Schiff und wir waren jung und narrisch und konnten umsonst mitfahren. Danach haben sich unsere Wege wieder getrennt aber auf dieser Fahrt hat sich die gemeinsame Idee Fracht wieder unter Segel zu fahren entwickelt. Eigentlich so wie früher nur eben auch unter ökologischen Gesichtspunkten.
Jeder hat uns gesagt, dass das unmöglich ist. Aber 2006 kamen wir wieder zusammen und da haben wir gesagt "Jetzt ist die Welt reif dafür" und haben begonnen die Idee weiter zu planen. Dann haben wir in Holland auch das Schiff bzw. das Wrack gefunden - ein deutscher Schiffsrumpf aus 1943 - den wir praktisch gratis bekamen. Und schon ging es los mit der Promotion für das Projekt Schiffsbau und dem Sammeln von Geld dafür. Wir haben z.B. Anteile ausgegeben und man konnte Schiffseigner werden. Freiwillige Helfer hatten wir insgesamt 150 Leute aus 20 Ländern, die 2 Tage oder auch 2 Jahre geholfen haben unser Schiff zu bauen. Wir sorgten dabei für Unterkunft, Essen und Spaß.
wad: Eure ersten beiden Rumabfüllungen kommen aus der Dominikanischen Republik. Wie habt Ihr den Rum ausgesucht und wie läuft das dann alles ab bis die Flaschen in Europa sind?
AL: Wir haben uns gefragt: Was können wir mit dem Schiff machen? Fracht zu transportieren für Dritte ist schwierig, da wir nur 35 Tonnen Fraht im Rumpf transportieren können. Das wären rund 15.000 Flaschen Rum. Das zahlt sich nicht aus für uns, da der Frachtpreis zu niedrig wäre. Also haben wir gesagt, machen wir das doch selber. Wir kaufen selber ein und vermarkten quasi unsere eigenen Produkte unter unserem Namen, was eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Überleben ist.
Als unsere erste Reise anstand gab es das Erdbeben auf Haiti. Und da wir eh in die Kaibik wollten, haben wir innerhalb von 10 Tagen eine Ladung Hilfsgüter gesammelt und nach Holland in den Hafen geschafft. Nach 50 Tagen Fahrt haben wir die Materialien in Haiti abgeliefert. Unsere Überlegung war dann, wie können wir diese Reise finanzieren? Wir wussten, dass es in der Dominikanischen Republik guten Rum gibt und daher haben wir dort nach einem Produzenten gesucht, der uns unseren Rum abfüllt, labelt usw. Auf der Reise von Haiti in die Dominikanische Republik ist uns aber der Mast gebrochen. Daher lagen wir 3 Wochen in einer Bucht um den Schaden zu reparieren. Diese Zeit habe ich genutzt um nach Santo Domingo zu fahren und dort Rum zu probieren.
Ich kam in Kontakt mit z.B. "Brugal" und anderen, aber die waren für unsere Pläne natürlich viel zu große Produzenten. Bei "Mardi" wird ganz in der Nähe von Santo Domingo ein 8jähriger Gran Anejo gemacht, der wirklich sehr gut ist. Ich konnte dort ausgiebig verschiedene Samples probieren, war sofort begeistert und wir haben 3000 Flaschen bestellt. Und als wir später in Santo Domingo einliefen, kam schon der Lastwagen mit unserer Lieferung und alle Zollformalitäten waren erledigt. So begann der erste offizielle Rum Run seit 100 Jahren und wir sind in 33 Tagen quer über den Atlantik nach Holland gesegelt.
wad: Macht es Dich nicht manchmal stutzig, dass bei Euch alles so problemlos funktioniert?
AL: (lacht) Das schaut ja nur so aus. Schon bei der Rumbeschaffung bzw. der Klärung der Zollsachen bin ich tagelang von einer Stelle zur nächsten gelaufen, um hier und dort - übrigens mit Whisky - nachzuhelfen. Unsere zweite Auflage kam wieder von "Mardi", aber diesmal 5000 Flaschen in noch besserer Qualität, wie ich finde. Als wir im Hafen ankamen war unsere Abfüllung aber noch nicht fertig und wir mussten eineinhalb Monate warten, was zu ungeplanten Kosten und Strapazen führte. Auf der Rückreise waren wir dann zudem 55 Tage unterwegs, weil wir ungünstiges Wetter erwischt hatten und eine Ausweichroute fahren mussten.
wad: Was unterscheidet die beiden Abfüllungen 2010 und 2011?
AL: Es ist ein anderes Blendingverfahren. Die erste Charge war ein 8jähriger Rum aus normaler Fasslagerung während die zweite Abfüllung im Soleraverfahren gemischt wurde. Der erste dürfte übrigens bald ausverkauft sein.
wad: Nimmt die "Tres Hombres" eigentlich neben Eurer Crew und den Segelschülern auch Passagiere mit (die genug Zeit und Geld mitbringen)?
AL: Ja schon. Am besten ist es, wenn die dann auch noch mitarbeiten auf dem Schiff. Herr Baier, der einen Artikel für die "Yacht" (Ausgabe 2/2012) über uns geschrieben hat, war auch als Passagier dabei und musste natürlich nicht in den Mast klettern oder so, hat aber sonst auch ganz normal mitgearbeitet.
wad: Man muss aber schon ein paar Monate Zeit haben?
AL: Na, wir haben ja einen Fahrplan und versuchen den so genau wie möglich einzuhalten, aber eine Ozeanüberquerung kann natürlich schon ein oder zwei Wochen länger dauern. Du kannst bei uns eine Reisedauer von 3 Tagen bis 3 Monaten buchen.
wad: Wieviele komplette Karibikfahrten habt Ihr bisher gemacht?
AL: Das Schiff ist gerade zum dritten Mal in der Karibik um auch wieder Rum in der Dominikanischen Republik abzuholen. Allerdings von einem anderen Produzenten. Wir sind in Verhandlungen mit "Oliver & Oliver", da wir einen 10-jährigen Rum haben möchten. Wir haben aber auch ein Angebot von "Westerhall" auf Grenada für einen 10jährigen. Im Mai wird der Rum ankommen und dann gibt es eine neue "Tres Hombres"-Überraschung.
...die ich mir nicht entgehen lassen werde. Im Ernst: Beide bisherigen Abfüllungen haben mir ausnehmend gut geschmeckt. Der 2010er verbreitet eine appetitanregende Zitrusnase und der 2011er (meine Empfehlung) besticht neben allen rumtypischen Aromen mit seiner leichten Rauchigkeit, die mich an den Barbadosstil erinnert. Ich bin gespannt, was die "Tres Hombres" in Zukunft noch alles an flüssigen Kostbarkeiten über den Atlantik schippert. Vielleicht findet ja auch einmal ein Rumfass (und nicht nur die fertig abgefüllten Flaschen), dessen Inhalt dann in unseren Breiten - sozusagen mit Oceanfinish - abgefüllt wird, ein Plätzchen im Schiffsrumpf.
Neben der nach außen vielleicht ein bisschen romantisch angehauchten Seglerei mit der "Tres Hombres" verfolgen Andreas & Co. mit der Firma "Atlantis Zeilende Handelsvaart" noch ganz andere Pläne - Stichwort: Eco-Liner. Dahinter verbirgt sich der Bau und Betrieb eines 8000-Tonnen-Frachtschiffs mit 120 Metern Länge. Dass das 15-Millionen-Euro-Projekt keine reine Utopie ist, zeigt die Beteiligung von Gerard Dykstra, der bereits die 88-Meter-Yacht "Maltese Falcon" realisiert hat.
"Tres Hombres"-Rum wird von "Haromex" vertrieben und ist für rund 40 EUR in vielen Onlineshops erhältlich.
Noch mehr Infos und zahlreiche YouTube-Videos gibt es auf der "Tres Hombres" Homepage und hier.
"Tres Hombres" ist ein Projekt dreier Männer (wie passend), die aus den Niederlanden und Österreich kommen und mitterweile mit ihrem selbstgebautem 33-Meter-Segelschiff (Frachtzuladung 35t - kein Motor) mehrere Fahrten in die Karibik und wieder zurück absolviert haben. Der Name... Aber was schreibe ich denn da - lassen wir Andreas Lackner, einen der drei Kapitäne, doch einfach persönlich zu Wort kommen.whatadrink!: Andreas, wie und wann habt Ihr Euch kennengelernt? Und wie ging es mit den "Tres Hombres" los?
Andreas Lackner: Wir haben uns zufällig im Jahr 2000 bei einer Atlantiküberquerung auf einem 55-Meter-Dreimaster kennengelernt. Das war die erste Amerikafahrt für das Schiff und wir waren jung und narrisch und konnten umsonst mitfahren. Danach haben sich unsere Wege wieder getrennt aber auf dieser Fahrt hat sich die gemeinsame Idee Fracht wieder unter Segel zu fahren entwickelt. Eigentlich so wie früher nur eben auch unter ökologischen Gesichtspunkten.
Jeder hat uns gesagt, dass das unmöglich ist. Aber 2006 kamen wir wieder zusammen und da haben wir gesagt "Jetzt ist die Welt reif dafür" und haben begonnen die Idee weiter zu planen. Dann haben wir in Holland auch das Schiff bzw. das Wrack gefunden - ein deutscher Schiffsrumpf aus 1943 - den wir praktisch gratis bekamen. Und schon ging es los mit der Promotion für das Projekt Schiffsbau und dem Sammeln von Geld dafür. Wir haben z.B. Anteile ausgegeben und man konnte Schiffseigner werden. Freiwillige Helfer hatten wir insgesamt 150 Leute aus 20 Ländern, die 2 Tage oder auch 2 Jahre geholfen haben unser Schiff zu bauen. Wir sorgten dabei für Unterkunft, Essen und Spaß.
wad: Eure ersten beiden Rumabfüllungen kommen aus der Dominikanischen Republik. Wie habt Ihr den Rum ausgesucht und wie läuft das dann alles ab bis die Flaschen in Europa sind?
AL: Wir haben uns gefragt: Was können wir mit dem Schiff machen? Fracht zu transportieren für Dritte ist schwierig, da wir nur 35 Tonnen Fraht im Rumpf transportieren können. Das wären rund 15.000 Flaschen Rum. Das zahlt sich nicht aus für uns, da der Frachtpreis zu niedrig wäre. Also haben wir gesagt, machen wir das doch selber. Wir kaufen selber ein und vermarkten quasi unsere eigenen Produkte unter unserem Namen, was eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Überleben ist.
Als unsere erste Reise anstand gab es das Erdbeben auf Haiti. Und da wir eh in die Kaibik wollten, haben wir innerhalb von 10 Tagen eine Ladung Hilfsgüter gesammelt und nach Holland in den Hafen geschafft. Nach 50 Tagen Fahrt haben wir die Materialien in Haiti abgeliefert. Unsere Überlegung war dann, wie können wir diese Reise finanzieren? Wir wussten, dass es in der Dominikanischen Republik guten Rum gibt und daher haben wir dort nach einem Produzenten gesucht, der uns unseren Rum abfüllt, labelt usw. Auf der Reise von Haiti in die Dominikanische Republik ist uns aber der Mast gebrochen. Daher lagen wir 3 Wochen in einer Bucht um den Schaden zu reparieren. Diese Zeit habe ich genutzt um nach Santo Domingo zu fahren und dort Rum zu probieren.Ich kam in Kontakt mit z.B. "Brugal" und anderen, aber die waren für unsere Pläne natürlich viel zu große Produzenten. Bei "Mardi" wird ganz in der Nähe von Santo Domingo ein 8jähriger Gran Anejo gemacht, der wirklich sehr gut ist. Ich konnte dort ausgiebig verschiedene Samples probieren, war sofort begeistert und wir haben 3000 Flaschen bestellt. Und als wir später in Santo Domingo einliefen, kam schon der Lastwagen mit unserer Lieferung und alle Zollformalitäten waren erledigt. So begann der erste offizielle Rum Run seit 100 Jahren und wir sind in 33 Tagen quer über den Atlantik nach Holland gesegelt.
wad: Macht es Dich nicht manchmal stutzig, dass bei Euch alles so problemlos funktioniert?
AL: (lacht) Das schaut ja nur so aus. Schon bei der Rumbeschaffung bzw. der Klärung der Zollsachen bin ich tagelang von einer Stelle zur nächsten gelaufen, um hier und dort - übrigens mit Whisky - nachzuhelfen. Unsere zweite Auflage kam wieder von "Mardi", aber diesmal 5000 Flaschen in noch besserer Qualität, wie ich finde. Als wir im Hafen ankamen war unsere Abfüllung aber noch nicht fertig und wir mussten eineinhalb Monate warten, was zu ungeplanten Kosten und Strapazen führte. Auf der Rückreise waren wir dann zudem 55 Tage unterwegs, weil wir ungünstiges Wetter erwischt hatten und eine Ausweichroute fahren mussten.
wad: Was unterscheidet die beiden Abfüllungen 2010 und 2011?
AL: Es ist ein anderes Blendingverfahren. Die erste Charge war ein 8jähriger Rum aus normaler Fasslagerung während die zweite Abfüllung im Soleraverfahren gemischt wurde. Der erste dürfte übrigens bald ausverkauft sein.
wad: Nimmt die "Tres Hombres" eigentlich neben Eurer Crew und den Segelschülern auch Passagiere mit (die genug Zeit und Geld mitbringen)?
AL: Ja schon. Am besten ist es, wenn die dann auch noch mitarbeiten auf dem Schiff. Herr Baier, der einen Artikel für die "Yacht" (Ausgabe 2/2012) über uns geschrieben hat, war auch als Passagier dabei und musste natürlich nicht in den Mast klettern oder so, hat aber sonst auch ganz normal mitgearbeitet.
wad: Man muss aber schon ein paar Monate Zeit haben?AL: Na, wir haben ja einen Fahrplan und versuchen den so genau wie möglich einzuhalten, aber eine Ozeanüberquerung kann natürlich schon ein oder zwei Wochen länger dauern. Du kannst bei uns eine Reisedauer von 3 Tagen bis 3 Monaten buchen.
wad: Wieviele komplette Karibikfahrten habt Ihr bisher gemacht?
AL: Das Schiff ist gerade zum dritten Mal in der Karibik um auch wieder Rum in der Dominikanischen Republik abzuholen. Allerdings von einem anderen Produzenten. Wir sind in Verhandlungen mit "Oliver & Oliver", da wir einen 10-jährigen Rum haben möchten. Wir haben aber auch ein Angebot von "Westerhall" auf Grenada für einen 10jährigen. Im Mai wird der Rum ankommen und dann gibt es eine neue "Tres Hombres"-Überraschung.
Neben der nach außen vielleicht ein bisschen romantisch angehauchten Seglerei mit der "Tres Hombres" verfolgen Andreas & Co. mit der Firma "Atlantis Zeilende Handelsvaart" noch ganz andere Pläne - Stichwort: Eco-Liner. Dahinter verbirgt sich der Bau und Betrieb eines 8000-Tonnen-Frachtschiffs mit 120 Metern Länge. Dass das 15-Millionen-Euro-Projekt keine reine Utopie ist, zeigt die Beteiligung von Gerard Dykstra, der bereits die 88-Meter-Yacht "Maltese Falcon" realisiert hat.
"Tres Hombres"-Rum wird von "Haromex" vertrieben und ist für rund 40 EUR in vielen Onlineshops erhältlich.
Noch mehr Infos und zahlreiche YouTube-Videos gibt es auf der "Tres Hombres" Homepage und hier.
Abonnieren
Posts (Atom)







































