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Montag, 14. Dezember 2015

The Last Posts For 2015 - heute: Bacardi Facundo Paraiso

"Und sie ist nicht in Valparaiso gewesen
auf Java nicht und den Hochebnen von Peru.
Ihre Inseln unter dem Winde sind ihr Tresen
und die Betrunknen hörn mit glasgem Auge zu."

(Reinhard Mey "Dieter Malinek, Ulla und ich" 1992)


Unter uns gesagt - bzw. geschrieben - hat mich die neue Bacardi Facundo Serie zunächst nicht die Bohne interessiert, als die 2014 in den USA vorgestellt worden war. Warum? Weil ich von den Produkten der Fledermäuse trotz interner Schulung in der Casa Bacardi (in Berlin!) vor einigen Jahren bislang nicht wirklich überzeugt war. Gut, Ocho ist brauchbar, der 44,5er ist ein passabler Daiquirirum und die alten Sondereditionen Casa Bacardi, Facundo und Reserva Limitada sind absolut trink- und genießbar (und mittlerweile mehr oder weniger hochpreisige Sammlerstücke) ohne dass es mir eine Schädelwehattacke in die Hirnlappen zimmert. Aber das ist eher was für Ebay als für eine Bar.
In einigen ausgesuchten (?) deutschen Bars stehen nun aber die Flaschen aus der vierköpfigen Facundoabordnung von Bacardi namens Neo, Eximo, Exquisito und Paraiso. Wer, wo, was? Die Infos dazu können sie hier oder da nachlesen. Das ist alles längst bekannt. Nix für whatadrink! Viel interessanter für mich (und hoffentlich den Leser) ist neben den Presseinfos, was da wirklich aus den Flaschen tröpfelt und was es sonst noch darüber zu berichten gibt.
Zunächst zur Verfügbarkeit. Auf dem (freien) Markt hab ich in Deutschland noch nichts gesehen außer ein paar Eigenimporten aus USA auf Ebay (zu teuer!). Frankreich und UK sind/waren da besser dran. Was gibts zu den Abfüllungen Kreationen selbst zu sagen? Kurz gefasst: Der Neo ist ein ziemlich geiler Mixrum, der aber auch pur genossen werden kann (und vielleicht auch sollte). Eximo und Exquisito machen ein wenig auf very old (Eiche) sind aber doch recht sanfte und runde Brüder, die die Zacapas & Co. locker in den Schatten stellen. 
Widmen wir uns also dem Paraiso - dem leuchtenden, neuen Stern der ganzen Kategorie. Gegenüber den letzten Limited-Edition-Geburtstagsflaschen anderer namhafter Produzenten sind 300-350 EUR pro Buddel fast schon günstig zu nennen - aber Spaß beiseite: Das ist geiler Stoff! Alles erscheint eingebunden und doch äußerst komplex: Leder, Trockenfrüchte, Herrenschokolade, Tabak - das ganze Programm. Sauerstoff heißt das Zauberwort - sprich: Die Verkostung sollte man ruhig angehen. Den Spirit im Glas atmen lassen. Das Ding entwickelt sich und immer wieder kommen neue Noten und Aromen zum Vorschein. Das alles bei voller Reife. Auch die geöffnete Flasche entwickelt sich noch deutlich. Das Cognacfassfinish, dem der fertige Blend (offiziell bis zu 23 Jahre alte Rums) ausgesetzt wird, nervt nicht. Es wirkt wohl wirklich harmonisierend und nicht additiv, was bei "über 60 Jahre alten Fässern" auch eher unwahrscheinlich ist. In einem Gespräch mit dem Global Brand Ambassador David Cid verklickerte der mir, dass im Paraiso sogar noch ältere Destillate stecken, die aber solo einfach nicht mehr genießbar sind. "Verholzt" würde der nüchterne Betrachter sagen. Die Bacardis nutzen die speziellen Profile dieser superalten Rums in ihrem Blend, wenn sie auch nur geringste Mengen zusetzen. Das gilt übrigens auch für die Nachzuckerung. Im Paraiso soll gar nix "geschönt" sein - in den anderen Facundos soll die Dosage unter 10g/L liegen und auch beim Nachfärben war, so Cid, nicht viel oder gar nix nötig. Sein Wort in Gottes Facundo Bacardis Ohr. Whatadrink!

(Danke an Bacardi Deutschland!)

Montag, 25. Februar 2013

Finest Spirits 2013 im Zeichen des Rums

Am letzten Wochenende fand in Münchens MVG-Museum das "Finest Spirits"-Festival statt. Die Veranstaltung, die 2011 noch den Untertitel "Munich Whisky & Bar Festival" trug und damit Bezug auf ihre Abstammung als reinrassiges Whiskyfest nahm, hat sich zur größten Consumer- und Lifestylemesse ihrer Art in Deutschland gemausert.
Während nach meinen Beobachtungen am Freitag ein Zuwachs an Besuchern zu verzeichnen war und die Location am Samstag fast aus den Nähten platzte, war die Lage am Sonntag direkt entspannt. Das begleitende Vortragsprogramm war wieder sehr erlesen und vielleicht kann der Veranstalter an diesem Punkt ansetzen und für eine "Entzerrung" sorgen, da doch einige Highlights am Samstag geballt anstanden.

Der verwendete Slogan "Alles rund um Whisky, Wodka, Gin und Genuß" zeigt zwar die längst erfolgte Erweiterung hin zu weißen Spirituosen, geht aber natürlich längst nicht weit genug. Renommierte Obstbrenner (mit und ohne Whiskyproduktion) aus nah und fern gaben sich ebenso ein Stelldichein wie Käseaffineur, Schokoladenmanufakturen, Eismann (natürlich mit hochprozentigen Kreationen), Bourbon-Mike, Fassmacher und Rumhändler. 

Letztere waren dieses Jahr besonders stark vertreten. Der Sektor "Rum" wächst in Deutschland erfreulicherweise. Wenn auch nicht schnell, so doch stetig. So war das Traditionshaus "Charles Hosie" mit den ersten beiden Abfüllungen seiner neuen "Hauslinie" vertreten, die ausgezeichneten Rums aus der "Plantation"-Serie von "Cognac Ferrand" gab es zu verkosten, wie auch die ganze Palette von "Zacapa" aus Guatemala oder von  "Centenario" aus Costa Rica, die brandneuen Single Cask-Rums von "Isla Del Ron / Malts Of Scotland" (mehr dazu folgt), der "Whisky Agency" (Jamaica 35y!) und von der "Scotch Malt Whisky Society". Die letzteren drei sind als erstklassige Whiskybottler bekannt und versuchen sich neuerdings mit Toprums in Faßstärke, unfiltriert und ungefärbt. Das ist echter Rum. Ein Ausrufezeichen. 
Das setzte auch Germanys Rum Ambassador und Chef des "German Rum Festivals" Dirk Becker aus Berlin, der nicht nur ein Tasting leitete, sondern in seinem Festivalshop "Rum Depot" auch ein Highlight der Messe feilbot: "Blue Mauritius", ein in frischen Portweinfässern gereifter Rum, der aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt wird und den Connaisseur mit einem Spiel zwischen Bananasplit und kurzgereiftem Rhum Agricole einfängt. Der Rum sorgte sogar bei Facebook zwischenzeitlich für Furore ("München liebt Blue Mauritius"). Gut so.
Whisky gab es auch. Und nicht zu wenig. Besonders interessant waren die Brandneuen, wie z.B. die Sherryexpressions von "Slyrs" und die hochgelobten Taiwanesen von "Kavalan" (Bericht folgt). Aber auch die Alten, wie sie von "Raritäten Langer" oder den Freaks von "Slowdrink" / "Munich Spirits" um Pit Krause in erschwinglichen Drams verkauft wurden (Stichwort: Monster Malts).

Ins Detail in Sachen Whisky ging der in allen Spirituosengattungen bewanderte Guru Jürgen Deibel. Er präsentierte zusammen mit Lorenzo Garcia von "Bodegas Tradicion" zwei 1999er "Glengoyne" Single Malts, die nach Reifung im Ex-Bourbonfass ein Finish im Palo Cortado- bzw. Pedro Ximenez-Sherryfass erhielten. Das ist nichts besonders? Moment! Die Sherryfässer stammen aus 60-70 Jahre alten Beständen der Bodega und wurden so nicht - wie heute üblich - nach Wunsch der schottischen Destillerie designt. Zudem reifte in ihnen zuletzt nicht irgendein Sherry, aus dem später "nur" Sherryessig wurde, sondern ein 33jähriger bzw. ein 20jähriger Sherry und - jetzt kommts - die sind zusammen mit den Whiskyabfüllungen zu erwerben. Der Sherry zum Whisky und beide aus dem selben Fass. Schöne Idee. Leider nicht ganz billig. Mir hat die P.X.-Variante besonders gemundet.
Aber es gab auch Leute, die nur zum Schmauchen in der "Dallmayr" Cigar Lounge gekommen waren und denen der flüssige Teil der Veranstaltung völlig egal war (kein Witz). Aber Geniessen kann der Mensch bekanntlich auf vielerlei Art. Neuerdings auch beim Pairing von Schokolade mit Champagner (geil!) usw...

Wie der Leser feststellen kann, hat mir die Festivität sehr gut gefallen. Frank Böer und sein Team sind auf dem richtigen Weg. Bleibt nur die Frage: Wer hat die lärmige Band bestellt?




  



Update: Die offizielle Bildershow

Freitag, 7. Dezember 2012

Wiedervorlage: Ron Zacapa (Teil 1)

Der "Zacapa Room" in München geht in letzte Runde. Morgen, am Samstag, hat er zum letzten Mal geöffnet. Am letzten Mittwoch war Masterblenderin Lorena Vasquez in München, um zwei reichlich ausgebuchte Master Classes abzuhalten. Das Interesse an einem Rum, von dem jeder schon alles zu wissen scheint, ist also weiterhin groß. Der eine oder andere hat ein wenig Vertiefung seines Fachwissens aber auch dringend nötig. Wie ich darauf nun wieder komme? Ein Beispiel:

Gast: "Was bedeutet denn die 23 auf dem Etikett"?
Bartender: "Das bezieht sich auf das Alter."
Gast: "Es gibt keinen Rum, der 23 Jahre alt ist."
Bartender: "Doch. Hier sind Rums drin, die zwischen 6 und 23 Jahren alt sind. Der wird in einem Solerosystem gemacht."
Gast: "Das kann ich nicht glauben. Sombrerosystem?"
Bartender: "Doch. Von dieser Marke gab es sogar schon einen 30jährigen Rum. Solero bedeutet, dass da Fässer übereinander liegen und immer gemischt wird."

Hm. Sie verstehen, was ich meine? Das ist jetzt nicht ganz falsch, was der Barmann da von sich gegeben hat. Aber völlig korrekt ists eben auch nicht. Wer findet die Fehler? Außerdem hält sich beim "Zacapa" - gerade weil er schon länger auf dem Markt ist oder gerade weil er seit einiger Zeit im Fokus eines gewissen öffentlichen Interesses steht - die Früher-war-alles-besser-Sage. Aber hat die auch ihre Berechtigung? Können ihre Verfechter wirklich in Anspruch nehmen seit zehn oder fünfzehn Jahren über objektive, geschulte Geschmacksinne zu verfügen und jede Veränderung im Aromenprofil einer so komplexen Spirituose aufzuspüren? Da habe ich meine Zweifel zumal sich das Angebot an Rum im - nennen wir es - Premiumsegment doch stetig verbreitert hat und die Nutzung verschiedener Fasstypen inzwischen schon fast Standard ist (siehe z.B. "Dos Maderas P.X." (P.X. Sherry), "Plantation" (diverse), "Mahiki" (Cognac), etc.).

Dankeswerterweise sind seit einiger Zeit historische Abfüllungen von "Ron Zacapa" auf dem Markt zu finden: Die beiden vollkommen mit Palmenblätterbast umwickelten Abfüllungen "23 Años" (weißes Etikett) und "Black Label", sowie der "Premio Platino X.O." im Dekanter - alle drei mit 40% Vol. und auf eine Abfüllung in 2002 bzw. 2003/2004 zu datieren (siehe die 4 Gold Medal aus 1998-2001 auf dem Frontetikett bzw. die Erwähnung der Auszeichnung in 2003 beim X.O. Zudem findet sich in meiner Kollektion u.a. noch eine etwas ältere Abfüllung des allgemein als "23 Años" bekannten Stoffs (auch wenn diese Alterbezeichnung nur in kleiner Schrift auf dem Rücketikett zu finden ist) aus ca. 2000. Soviel zur Datierung. Und zum Inhalt? Wer hat denn in einem (Blind)Tasting sämtliche aktuelle, historische und wenn auch nur Pre-Diageo-Releases gegeneinander verkostet? Frau Vasquez hat es getan. Und sie hat - will man den Ausführungen bei refined vices Glauben schenken - keine Unterschiede feststellen können. Meine persönlichen Untersuchungen führten zu einem anderen Ergebnis. Mir kamen die alten Versionen - frisch geöffnet natürlich - durchweg weniger komplex vor als spätere Proben. Die hatten zum Teil zwar auch eine gewichtigere Alkoholpräsenz (z.B. beim Sistema Solera 23), was ich nicht so großartig finde, aber dafür konnte ich auch ein Plus an Feuer und eine größere Tiefe - bei mehreren Versuchen übrigens - vermerken.
 

Mein Alltime-Zacapa-Liebling bleibt der ebenfalls noch gut erhältliche "Straight From the Cask". Als Frau Vasquez von anderen Zuhörern dazu befragt wurde, wurde ihr Grinsen doch noch ein bisschen breiter als sonst. Tja, sie sollte es schließlich wissen. Der aktuelle "Etiqueta Negra" mit seinem Finish in frisch ausgebrannten (gebraucht)Fässern (da steckt doch eine Spur Rauch drin?) und der aktuelle, relativ trockene "X.O." mit seinem Ex-Cognaccask-Finish gefallen mir aber durchaus auch sehr gut. Nach neuen Special Releases a la "Aniversario 30" oder einer Single Barrel-Variante aus den vielfach zitierten Old Rums habe ich natürlich nicht gefragt. Da lasse ich mich doch lieber von ihr bzw. Diageo überraschen...

Zum Abschluss aber doch noch mal zur Sachkunde und deshalb nochmal zurück zu refined vices. Dort gibt es eine ausgezeichnete Serie mit einer sehr detailliierten Erklärung zu Zacapas Aging- und Blendingsystem (dazu hier ein vereinfachtes Schaubild), einem Interview etc.

Samstag, 1. Dezember 2012

Der Zacapa Room in München...

...hat leider nur bis einschließlich 8. Dezember 2012 geöffnet und sonntags, d.h. morgen, ist geschlossen. Das sind die schlechten Nachrichten. Die Guten: Die ganze nächste Woche noch kann Mann und/oder Frau allein, zu zweit oder im Grüppchen von 13-22 Uhr einfach so in die Räumlichkeiten am Gärtnerplatz 6 (Ecke Corneliusstrasse) in München spatzieren, an der Bar, auf den Loungemöbeln (Sofa kann mans nicht nennen) oder im seperaten Tastingroom Platz nehmen und... "Ron Zacapa", den Rum der - so zumindest meine Meinung - das Segment Premiumrum definiert hat, genießen! Einfach so. Ohne Eintritt. Für lau. Naja, fast für lau - einige wenige Drinks sind mit Preisen versehen. Aber die angebotenen Tastingtermine (Buchung via Webseite) sind wiederum kostenlos.
Wenn Sie jetzt fassungslos auf Ihren Bildschirm starren, sei zur Erklärung hinzugefügt, dass Ihnen diese gute Tat von "Diageo", einem ganz großen Big Boy im internationalen Spirituosengeschäft, der seit 2008 die Marke "Zacapa" weltweit (weiter) aufbauen darf, zugefügt wird. Zudem gehören Sie offenbar nicht zu dem Teil der Münchner Gesellschaft, die am letzten Donnerstag zur prunkvollen Eröffnung dieses sog. Pop-Up Showrooms geladen war und bei den Ausgaben in Mailand und Turin waren Sie wohl auch nicht zugegen. Aber das ist verzeihlich, es geht ja eigentlich um den Rum.
Ich war aber aus wissenschaftlichen und journalistischen Gründen vor Ort und habe daher auch - dank glücklicher Positionierung in Nähe der Küche - umfangreich am Flying Buffet von Zwei-Sternekoch Tim Raue teilgenommen. Wenn Sie eine ähnliche Veranstaltung planen, sei Ihnen die vorzügliche Entenleberterrine (mit Chili und Mango) des Berliner Maestros ans Herz gelegt. Jaja, so fein ging es zu und fast noch feiner waren die von unseren Münchner Bar-Sternen (!) Oliver von Carnap, Bill Fehn und Lukas Motejzik dargebotenen "Zacapa"-Variationen im schokolierten Tumbler, mit Orangenbaiser oder -schaum (Aquariumpumpe läßt grüßen) oder mit karamellisierten Rosinen oder mit Vanillekipferlrand oder mit Nebel und Rauch oder...
Lassen wir das. Lassen wir lieber Bilder sprechen... (An dieser Stelle greife ich ausnahmsweise auch auf ein paar von der freundlichen Agentur häberlein & mauerer zur Verfügung gestellten Aufnahmen zurück. Ich hatte fast immer die Hände voll mit allerlei Köstlichkeiten, darum...)

Hier noch ein paar besonders empfehlenswerte Bezugsquellen: Bardealer, Barfish, Cognac-Paradise;


 (mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
 (mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
(mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
(mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
 

Dienstag, 14. Februar 2012

Finest Spirits 2012 oder: Alle Jahre wieder

Barocke Typen in schottischen Kilts, Harleys und junge Frauen mit einer Karre voll Torf - Das waren zwar nicht die Hauptdarsteller, aber doch mehr oder minder auffällige Komponenten beim Münchner "Finest Spirits" Festival, das am letzten Wochenende über die Bühne ging.
Wie schon im letzten Jahr hat sich die Messe, nennen wir die Veranstaltung mal etwas despektierlich so, weiterentwickelt. Standen 2011 noch die neue Location und die weitere Öffnung zu anderen Spirituosen im Vordergrund, konnte Boss Frank Böer dieses Jahr gleich von weit über 200 vertretenen Marken berichten und auch das Medieninteresse hat weiter zugenommen.
fachkundiges Publikum

Ein Beweis für die gestiegene Aufmerksamkeit gerade auch der Industrie war beispielsweise die offizielle Präsentation des neu zusammengestellten "Rémy Martin" VSOP (55%
Grande Champagne + 45% Petite Champagne = Fine Champagne Cognac), der jetzt das Kürzel Mature Cask Finish mit im Namen trägt. Dahinter steckt, so hat mir Cognac BNIC Educator Jürgen Deibel (leider nicht exklusiv) verraten, eine zusätzliche Reifezeit in 20 Jahre alten Fässern nach der Marriage der Eaux-De-Vie. Mir mundete der Neuling sehr. Er erscheint wirklich runder als der alte VSOP und bietet sich neben dem Gebrauch an der Bar auch dem fortgeschrittenen Geniesser an.
Oliver von Carnap

Von dieser Sorte marschierten offensichtlich einige durch schon am Freitag gutgefüllte Halle, was die Belagerung der "Zacapa"-Bar (bemixt von Oliver von Carnap und Caroline Anaís Rex), der großen "Chivas"-Lounge, des "Tölzer Käsladens", des "Tres Hombres"-Rumstandes und natürlich der vielen Whiskystände bewies. Bei letzteren und auch bei den Masterclasses lag ein Schwerpunkt heuer bei den deutschsprachigen Malzbränden aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, die immer mehr ihre Eigenständigkeit in der Vordergrund stellen und durch immer mehr gelungene Tröpfchen überzeugen. Zum ein oder anderen Brenner bzw. Vertrieb folgen hier in den nächsten Tagen noch ausführliche Beiträge.

Oliver von Carnap & Caro Rex

Gregg Glass


Es waren aber nicht nur Hersteller- oder Markenstände aufgebaut worden, sondern insbesondere Vertriebe mit whiskylastigem Portfolio waren stark vertreten wie z.B. die Kieler Firma "
Prineus", die u.a. die Abfüllungen des englischen Shops "The Whisky Exchange" ("Elements Of Islay" und "The Single Malts Of Scotland") hierzulande unters Volk bringt. Glänzen konnte Geschäftsführer Gerd Schmerschneider auch durch die Anwesenheit von "Compass Box"-Assistant Whiskymaker & Whisky Ambassador Gregg Glass, denn auch die Leckereien dieser Whiskyschmiede hat "Prineus" im Angebot.
Gregg leitete u.a. ein Tasting, in dem der neue und ohne Einschränkung empfehlenswerte Blend namens "Great King Street - Artist's Blend" (50% Grain / 50% 10jährige Malts) vorgestellt wurde. "Great King Street" ist übrigens eine neue Serie von "Compass Box" - ausschliesslich mit Blended Scotch. Aber ich schweife ab. Gregg erzählte zur Verkostung des "Spice Tree" (einer meiner Alltime Favorits) die Story von den getoasteten Brettchen im Fass und dem Tamtam mit der SWA. Dann gings zur rund 200 EUR teuren Limited Edition "Last Vatted Malt". Die Story, die auf der Abschaffung des "Vatted"-Begriffs basiert, könnte man als reine PR-Schoße abtun, wäre der Stoff nicht so verdammt gut. Der "Last Vatted Grain" hat mir persönlich aber fast noch mehr gemundet. Das Tasting hatte Gregg übrigens mit einem noch namenlosen "X"-Sample abgeschlossen und die Teilnehmer an den "Prineus"-Stand geladen, wo er nach vom Kunden selbst ausgeklügelten Rezeptur einen persönlichen "Compass Box"-Whisky blendete und abfüllte. Ein Geheimtip an diesem Stand war übrigens der "Vit Hund", ein New Make oder New Spirit von den renommierten Schweden von "Mackmyra".
Gregg Glass

Nicht unerwähnt bleiben darf auch das Projekt "Beer goes Barley", das zu ziemlich coolen Festivalbottlings führte. Dabei wurde eine Idee des Fachjournalisten Werner Obalski in Zusammenarbeit mit Andrea Caminneci in die Tat umgesetzt: Schottischer Whisky in bayerischen Ex-Bierfässern. Der zwingend notwendige Trip einer bayuwarischen Abordnung nach Schottland wurde videotechnisch dokumentiert - hier alle Infos dazu. Ein Hoch auf Werner und die globale Trinkkultur! - Das nächste Mal will ich auch mit...

Und was gabs sonst noch? In einem Satz: Ein einfach nicht zu bewältigendes Angebot an Drinks und Drams. Da waren z.B. ein etwas versteckter Stand mit Rumdrinks ("Gosling's"), eine Vodka-Strassenbahn mit "Flatrateticket" und natürlich auch Obstbrenner. Dabei auch solche, die keinen Whisky anbieten.
Magister Maximilian Coreth

Einer der interessantesten Newcomer dieser Szene ist Magister Maximilian Coreth, ein Vertreter des österreichischen Hochadels und Honorarkonsul von Thailand. Unter dem Label "
1772 Count Coreth Prachensky" produziert er sortenreine Edelbrände aus den Maischen tropischer Früchte wie Ananas, Passionsfrucht, Lychee oder Eierbanane. Der Witz dabei ist nicht nur das äußerst gelungene Flaschendesign oder die Tatsache, dass nicht etwa Geiste, sondern wirklich Brände produziert werden. Nein, die Früchte stammen vielmehr aus den "Royal Fruit Gardens" des Königs von Thailand und destilliert wird vor Ort. Von der wirklich höchsten Qualität dieser schon in der Nase betörenden aber leider auch sehr kostspieligen Preziosen konnte ich mich ausgiebig überzeugen. Erhältlich ist dieser Luxus online bei "Feinkost Käfer" und "mybottles".
Mike Werner

Erwähnt werden müssen auch gleich zwei Cocktailwettbewerbe. Zum einen richtete die DBU ihre bayerische Cocktailmeisterschaft aus (Sieger wieder Adriano Paulus). Zum anderen gab es einen Wettbewerb für Hotelbartender, die mit Bourbon Whiskey als Basis neue Rezepte vorstellen mussten. Dieser kleine Wettstreit wurde von Mike Werner, Importeur der exklusiven Abfüllungen der "Kentucky Bourbon Distillers" und Betreiber von "Mike's Whiskeyhandel", der auch ein paar neue "Willett"-Bourbons am Stand hatte, unterstützt (Ergebnisse werden nachgereicht). Amazing!

Mittwoch, 8. Februar 2012

DIAGEO RESERVE World Class 2012 - hier: München - Die Entscheidung

"Gentlemen's Drinks // Inspired By Great Ladies" - unter diesem vielsagenden (?) Motto traf sich letzte Woche eine Schar ambitionierter Bartender und Bartenderinnen in der Münchner "Kongressbar", um den Worten des zur Zeit wohl hochdekoriertesten Barmannes auf Mutter Erde zu lauschen. Die Rede ist von Erik Lorincz und dieser präsentierte höchstpersönlich - zusammen mit Lokalmatador Oliver von Carnap - den "DIAGEO RESERVE World Class 2012 - Flight 2" in der bayerischen Metropole. Gesucht wurde ein Teilnehmer am GSA-Finale 2012, das im April im schönen Wien stattfinden wird. Da die Folgetermine in Berlin, Wien und Hamburg mittlerweile absolviert wurden - hier nun mein kleiner Bericht.

Zunächst gab Erik Lorincz nach einleitenden Worten von Herrn von Carnap einige Geheimnisse seiner Kunst preis. Wie das aussah? - Na, er mixte ein paar Drinks. Und die waren nicht nur verdammt gut (siehe Rezept unten), sondern die bestachen durch maximale Komplexität trotz relativ simpler Kombinationen der Zutaten. Dazu war es eine Freude Erik am Brett zu sehen. Der sagenumwobende Gentlemanbarkeeper agierte nämlich nicht nur fehlerfrei und akurat, sondern besonders ruhig und strahlte dabei noch eine ganze Kiste voll Charisma und Stil aus. Irgendwie hätte er stundenlang so weitermachen können und ich hätte stundenlang zuschauen können...
So verlief der Nachmittag dann aber doch nicht, denn nach einer kleinen Stärkung waren die Seminarteilnehmer gefragt, ihr bestes zu geben. Dafür zog jeder eine kleine Karte auf der Erik ein bestimmtes Szenario notiert hatte. Zehn Minuten waren Zeit mit einer der DIAGEO RESERVE Brands einen Drink zu entwickeln - ein eingegrenzter aber üppiger Gabentisch stand bereit - und weitere zehn Minuten waren vorgesehen, um den Cocktail dann vor den Augen der Juroren Lorincz und von Carnap zu präsentieren. Konversation war auch verlangt - natürlich auf englisch. Bewertet wurden neben der Genießbarkeit der Mixtur auch die handwerkliche Ausübung, das Wissen über die verwendeten Zutaten - insbesondere der Basisspirituose - und natürlich der ganze Auftritt an sich.
Am besten hatte letztlich David Deck alle Aufgaben gelöst und darf das deutsche Teilnehmerfeld in Wien verstärken. Aber das war eigentlich leicht, denn seine Wiege stand ja quasi in der Münchner "Pusser's Bar".

Ich konnte zwischendurch mit Erik Lorincz ein paar Worte wechseln. Von Gentleman zu Gentleman sozusagen...

whatadrink: Erik, Du bist aus der Slowakei nach London gegangen, hast Dich später eingehend mit japanischem Bartending beschäftigt und arbeitest in der Tradition von Harry Craddock, der jedem hier in der Bar als Author des "Savoy Cocktail Book" bekannt sein sollte, in der American Bar des Savoy Hotels in London. Du bist "International Bartender of The Year 2011" in New Orleans und "World Class Gewinner 2010" in Athen geworden. Zudem arbeitest Du als internationaler Botschafter für Diageo. Was für eine Karriere! Beginnen wir mit dem Interview mal von hinten: Was planst Du für die nähere Zukunft?

Erik Lorincz: Die nähere Zukunft. Nun, ich hoffe, dass eine Menge Träume und Pläne
eines Tages wahr werden. Im Moment bin ich natürlich schon auf unsere American Bar fokussiert. Die Wurzeln und die Geschichte der Bar zu erforschen und zu entdecken ist das eine, aber die Geschichte geht ja jeden Tag weiter und ich finde immer neue Dinge heraus. Ich hatte u.a. die Möglichkeit den ehemaligen Headbartender aus den 50ern Joe Gilmore und seine Nachfolger zu treffen. Das war wirklich Living History und ein großes Privileg für mich so viel Zeit wie möglich mit diesen Männern zu verbringen. Der Traum eines jeden Bartenders ist aber natürlich eine eigene Bar zu haben und ich hoffe, dass ich den eines Tages wahrmachen kann.

wad: Ich glaube gelesen zu haben, dass Du an einer neuen Edition des Savoy Cocktail Book mitarbeitest.

EL: Ja, das stimmt. Es gibt bereits eine limitierte Edition einer Kurzausgabe allerdings hauptsächlich mit den Signature Cocktails der Headbartender in chronologischer Reihenfolge. Mit dabei sind dann noch die beliebtesten Cocktailgruppen aus dem Savoy Cocktail Book. Es wird aber auch eine reguläre Auflage geben, da von der ersten Edition nur 100 Exemplare hergestellt wurden. Ich habe selbst nicht mal eines. Die nächste Edition wird sich aber insbesondere um Harry Craddock drehen, der auch im Savoy ein Mysterium darstellt. Ich habe einige Flaschen gefunden, die er für seine Cocktails abgefüllt hat, und die sonst noch niemand zu Gesicht bekommen hatte.

wad: Was machst Du genau für Diageo?

EL: Ich teile meine Erfahrungen als ehemaliger Gesamtsieger mit anderen Bartendern und stehe für Gespräche und Showcases zur Verfügung. Ich bin ein Botschafter für die World Class-Familie. Als kein Brand Ambassador, sondern ich kümmere mich um den Wettbewerb.
wad: Du arbeitest nicht nur hier in der Jury für die World Class. Welche ist die wichtigste Eigenschaft, die ein World Class-Bartender der Jury zeigen muss?

EL: Die World Class ist ein Wettbewerb, bei dem es um unterschiedliche Aspekte geht. Jede Kategorie wird bewertet. Wenn Du zum Finale fährst und Dich durch die einzelnen Wettbewerbe kämpfst, wird jeder Aspekt des Bartending bewertet. Also nicht nur wie dein Drink schmeckt oder wie du mit dem Shaker umgehst oder wie du die Präsentation machst oder wie schnell du bist. Es geht eben auch darum, wie du deine Gäste unterhältst. Die Juroren sind ja deine Gäste. Für mich ist die World Class die Möglichkeit alles zu zeigen - einfach alles, was du drauf hast. Und du musst in jedem Punkt dein bestes geben.

wad: Foodpairing ist seit einigen Jahren ein wichtiger Punkt bei Cocktailwettbewerben rund um den Globus. Sind diese Lehren und Erfahrungen, die aus der Küche kommen, wirklich essentiell für einen Bartender? Braucht man dieses Wissen wirklich jeden Tag?

EL: Ich habe viel Zeit mit unserem Küchenchef im Savoy verbracht und er hat mir viel über Techniken und Geschmackskombinationen beigebracht. Ich glaube, das eröffnet uns große Möglichkeiten und jeder, der in einer Restaurantbar arbeitet, sollte Zeit mit dem Koch verbringen und seine Arbeitsweise mit ihm teilen. Es ist sehr interessant mit den Augen des Kochs auf Aromen und wie diese wirken zu sehen. Ein gutes Beispiel war unser Savoy Eggnog. Mein Küchenchef sah, dass ich den vor Weihnachten auf die Karte genommen hatte und er kommt aus Kanada, wo der Eggnog wie in den USA ein big thing ist. Also nahm er mich mit in die Küche und zeigte mir, wie er einen Eggnog macht. Außerdem hat er mir den "Thermomix" vorgeführt. Das Gerät kommt doch aus Deutschland, oder? Und er meinte, dass wir alle das hinter Bar haben sollten. Ein erstaunliches Ding. Wir sind ja eigentlich Liquid Chefs und wo der Koch Feuer nutzt, um etwas zu erhitzen, benutzen wir eben Eis, um es abzukühlen.

wad: Du bist insbesondere nach dem World Class-Finale 2010 viel in der Cocktailwelt herum gekommen. Wie lässt sich das Image der deutschen Barszene von einem internationalen Standpunkt aus beschreiben?

EL: Ich habe letztes Jahr eine Bartour in Berlin machen können und ich war überrascht und beeindruckt wie sich die Bars dort entwickelt haben, z.B. das "Stagger Lee". Vor einigen Jahren kannte man überhaupt nur das "Schumann's". Meine ersten Cocktails machte ich genauso wie es Charles Schumann in seinem Buch beschrieben hat. Als ich in Beirut war saß ich in einer Bar und hatte ein Déjà-vu. Alles dort erinnerte mich an etwas, dass ich schon einmal gesehen hatte, aber ich war noch nie dort gewesen. Als ich fragte, wer der Chef sei, sagte man mir, dass er aus Deutschland käme. Da wusste ich sofort: Charles Schumann! Jemand hatte den Style und das Feeling des "Schumann's" nach Beirut transportiert.

wad: Gin ist Dein Lieblingsspirit?

EL: Ja, das kann man so sagen.

wad: Und bei den Reserve Brands?

EL: Da ich für meine Freundin jeden Abend einen Martini mixen muss, steht eine Flasche Tanqueray 10 immer griffbereit. Bei den braunen Spirituosen favorisiere ich Whisky und bei den Blends Johnnie Walker Blue Label - wirklich outstanding. Mein persönlicher Favorit ist aber Talisker.

wad: Mezcal ist in den USA ein großes Ding, wenn es um Cocktails geht - v.a. an der Westküste. Die Entwicklung in Europa ist deutlich langsamer. Was erwartest Du in Sachen Mezcal für die nächsten Jahre?

EL: Ich bin auch ein großer Mezcalfan. Ich denke Mezcal hat in Themenbars, die sich wie "Cafe Pacifico" / "La Perla" auf Tequila spezialisiert haben, eine große Zukunft. Es ist bei jeder Spirituose doch das gleiche: Aus der Hand des Produzenten bzw. des Master Blenders geht der Stoff in die Hand des Bartenders und der zeigt dann den Leuten, was der Mezcal oder Rum oder Whisky an Vielseitigkeit drauf hat. Als ich in Mexico war, habe ich wesentlich mehr Mezcal als Tequila getrunken. Es gibt dort unzählig viele kleine Produzenten, die bei größerer Nachfrage gar nicht die Mengen herstellen könnten, die dann weltweit gefragt wären. D.h. es werden hier in Europa auf Dauer nur größere Firmen Mezcal anbieten können.

wad: Danke für das Gespräch, Erik.

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