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Mittwoch, 4. November 2015

Viva Mexico! - heute: Mezcal Amores

In der Post-BCB 2015-Ära und aufgrund der jährlichen Neuigkeitenschwemme im Herbst/Winter stehen sich in diesen Wochen die Präsentations- und Masterclasstermine bildlich auf den Füßen. So ergab es sich auch, dass am letzten Montag einige Münchner Barmenschen der Gincraze fröhnten, während andere (die Guten) sich dem wesentlich ernsteren Thema Mezcal widmeten. "Schon wieder Mezcal?" fragen Sie? Ja, schon wieder!
Ins Münchner Zephyr hatte dazu Mezcal Amores (im Vertrieb von Capulet & Montague Ltd.) eingeladen. Exportmanager Alex Mermillod erklärte Firmenphilosophie und Herstellung und hatte auch ein paar Proben zur Verkostung dabei. Ich war vorher skeptisch. Die zeitgemäße Darbietung in www und Netzwerken und die Abfüllung mit 37% Vol. hatten mich stutzig werden lassen. Ist das nur ein gut getarntes Industrieprodukt? Nix Mezcal artesinal, sondern nur Mezcal marketing?

Meine Bedenken gab ich schnell auf, als zum einen erläutert wurde, dass der Stoff von insgesamt 12 Kleinherstellern stammt, die sich traditioneller Methoden (siehe meine Erläuterungen hier und im Film) bedienen. Zudem ist die Idee, zunächst mit einzelnen Abfüllungen für einzelne Länder in (massentauglichen) niedrigeren Alkoholgraden zu starten, statt die potentielle Kundschaft mit sechs verschiedenen Abfüllungen und um die 50%-Alkoholanteil zu überfordern, einleuchtend und clever. 

Für Deutschland ist das der Amores Espadin von Maestro Israel aus San Luis Del Rio mit 41% Vol. (für rund 40 EUR bereits erhältlich). Ein sehr guter und runder Mezcal, wie ich meine, der das milde Aroma der Espadinagave wiedergibt. Mit 41% funktioniert das auch im gemixten Drink. Der gleiche Stoff soll offenbar auch in Italien und Frankreich bereitstehen. In Spanien übrigens wurde der Amores (dort übrigens aus namensrechtlichen Gründen Amarás) Cupreata von Don Faustino Robledo aus der Papalote Agave mit 43% eingeführt. Hey! Im Direktvergleich war der nicht der salzig-rauchige Fruchtschmeichler wie der Espadin, sondern vielmehr der pfeffrige Haudrauf mit einem langen, trockenen Finish. Caramba! Allen Amores Mezcal gemeinsam ist die Verwendung von Red Oak beim Kochen der Agavenherzen im Erdofen. Das bringt etwas weniger Rauchigkeit der Brände mit sich als bei Verwendung von Pinienholz, womit die Fruchtigkeit mehr im Mittelpunkt steht.

Während Mezcal in Mexico (geschätzter Anteil an der Gesamtproduktion von Agavenbränden etwa 2-3% - der Rest betrifft Tequila) eher pur zu Meeresfrüchten und Fisch getrunken wird, läuft das Ganze in den USA und in Europa über Cocktails und Longdrinks. Die Amores Mezcals eignen sich m.E. - auch wegen des durchaus brauchbaren Preis-LeistungsVerhältnisses - für beide Anwendungen. Rezeptideen und praktische Nutzung lassen sich auf den Facebookseiten und bei den heute und morgen anstehenden Terminen nochmals diskutieren.

Facebook D Facebook ES weitere Termine: Hamburg, 4.11. Berlin, 5.11. 


Freitag, 13. Juni 2014

The Decade Of Rum: Das Authentic Caribbean Rum (ACR)-Siegel



"She told me that her Dad was loaded,
I said 'In that case I'll have a rum and Coca-Cola.'
She said 'Fine':"

("Common People", Pulp,1995)

Ok, wie Sie Ihren Rum trinken, ist egal. Hauptsache Sie trinken Rum. Um sich im Wirrwarr der unzähligen Rummarken und Abfüllungen zurecht zu finden, gibt es seit kurzem eine Art Qualitätssiegel. Das Ding nennt sich Authentic Caribbean Rum - kurz: ACR - und ist eine Initiative der West Indies Rum And Spirits Producers' Association Inc. - kurz: WIRSPA. Sinn und Zweck der beteiligten Organisationen, ihrer Mitglieder und der Initiative und ihrem Gütesiegel in voller Länge zu erklären führt hier zu weit. Ich verweise daher auf die einschlägigen Webseiten und die Infobroschüre. Im wesentlichen wurden bislang folgende Qualitätsmerkmale definiert: Minimum Age Statement (d.h. wenn Altersangabe, bezieht sich diese auf den jüngsten Bestandteil), kein Solerarum, keine Geschmacksstoffe - kein Spiced Rum.
Eine erste auch in Deutschland spürbare ACR-Aktion findet derzeit statt: Vierstündige Rum-Schulungen in allen größeren und kleineren deutschen Barstädten für das interessierte Gastropersonal. Durch die Reihe führt Bastian Heuser (man hätte keinen Besseren finden können), der mit der ihm eigenen Sachlichkeit durch die theoretische Materie und die Verkostung von 15 Rumabfüllungen führt, die sich preislich im Bereich der sog. Mixrums bzw. Low Premium bewegen. Also alles baraffiner Stoff. Was bleibt dabei kleben?
Zum einen sollte meiner Meinung nach ankommen, dass Rum nicht gleich Rum ist. Auch wenn der eine oder andere Vertreter (zumindest bei der Veranstaltung im Münchner Zephyr) als "nicht sehr spannend" deklariert wurde, beinhaltet das ACR-Portfolio eine sehr große Bandbreite von Destillaten aus unterschiedlichen Ländern/Destillerien und dokumentierte damit die unterschiedlichen Stile, Herstellungsweisen etc. etc. Nimmt einen solchen breiten Vergleich vor, stechen unbekannte Flaschen wie der Schaumzuckerbananen-Rum "Old Grog" von Clarke's Court, der einen äußerst schmackhaften Bananendaiquiri (ja ja) ermöglicht, oder eben vermeintlich alte Bekannte heraus, die man (oder zumindest ich) fast schon wieder ein bisschen vergessen hat. Sehr gut gefallen hatte mir auch der weiße Rum der St. Nicholas Abbey (Barbados). Mit ins Portfolio der auserwählten Buddels kommen in Kürze die beiden Jamaikaner Hampden Estate Gold und Monymusk Special Reserve (Tip!) und der "Vintage" benannte Rum der Westerhall Estate (Grenada).

Fazit: Das ACR-Siegel kommt in naher Zukunft auf die (offiziellen) Flaschen aller beteiligten Destillerien. Es wäre also sinnvoll, wenn z.B. spezialisierte Händler in ihren Artikelbeschreibungen besonders darauf hinweisen würden, denn das goldene Zeitalter des Rum hat (nach ein paar Hundert Jahren Vorlaufzeit) gerade begonnen!