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Freitag, 25. März 2016

Rum von Compagnie Des Indes

Falls Sie sich wundern, dass ich noch nichts zu den Rums der Compagnie Des Indes (CDI) geschrieben habe, hat dieser unrühmliche Zustand nun ein Ende, denn vor ein paar Wochen weilte CDI-Boss Florent Beuchet auf Einladung von Liquidtasting im Münchner Patolli, um eine ausgebuchte Masterclass zu halten. Das habe ich mir nicht entgehen lassen und konnte so einige Infos zusammentragen, um die vielleicht schon bekannten Artikel hier und da zu ergänzen bzw. einige Neuigkeiten anzufügen.
 

Florent Beuchet, der einen Wein- und Absinthebackground hat und zwei Jahre für Banks Rum in New York gearbeitet hat, macht eigentlich nichts Neues: Er kauft Rumfässer aus verschiedenen Quellen, kreiert eigene Blends und füllt besondere Rums als Einzelfassabfüllungen ab. Von letzteren sollen es von 2014 bis zu unserem gemeinsamen Tastingtermin 34 Stück gewesen sein. Respekt. Alle CDI-Rums wurden übrigens nicht kältefiltriert.

Wir beginnen mit einem jungen Blend namens Caraibes. Der besteht aus drei- bis fünfjährigen Melasserums aus drei Ländern - Barbados, Trinidad und Guyana - aber aus 4 Destillerien. Obwohl hier eine Dosage - sprich ein Zusatz von Rohrzucker - von 15 Gramm/Liter zugegeben wurde, ist der Caraibes nicht zuckrig und in Zukunft soll er auch keine Färbung (mittels Farbstoff E150) mehr bekommen. Letzteres hat er auch nicht nötig - schließlich verwendet CDI nur grüne Flaschen. Habe ich schon geschrieben, dass das ein sehr schöner und runder Rum für unter 30 EUR ist?

Absolut brauchbar und absolut nicht langweilig ist der Latino. Ebenfalls ein Rumblend, der zum Großteil aus Guatemala-Rum aus dem Hause Botran/Zacapa besteht, welcher bekanntlich aus sog. Virgin Cane Honey destilliert und in Virgin Oak-Fässern gelagert wird. Der Rest im mindestens fünfjährigen Blend kommt wieder aus den beim Caraibes verwendeten Quellen. Die Lagerung dieser Rums fand aber in Ex-Bourboncasks statt. Der Latino kostet in unseren Breiten derzeit ca. 35 EUR. Auch das ist ein fairer Preis für einen gut gemachten, ungefärbten 40%-Rum (der auch mit 15 g/l Rohrzucker abgerundet wurde). Ist der Im Abgang sogar etwas kürzer als sein Bruder? Egal, ich hab schon viel zu viel über Blends geschrieben...
Aber der nächste Rum ist ja auch wieder ein Blend. Diesmal kommen 5jährige Potstill-Destillate aus den jamaikanischen Betrieben Worthy Park, Monymusk, Hampden und - äh - Wray&Nephew/Appleton (?) in das Blendingfass und werden letztlich auf 43% Vol. reduziert. Die Nachzuckerung beträgt 10 g/l und der Rum heißt passenderweise Jamaica. Feiner Stoff für ebenfalls rund 35 EUR. Mich erinnert er an süßes Gebäck. An dieser Stelle fällt mir noch ein, dass Maitre Beuchet erzählt hat, dass er die Reduzierung auf Trinkstärke in Schritten von 5% pro Woche vornimmt. Beim 57%igen Jamaica Navy Strength geht das also etwas schneller über die Bühne. Dessen Bestandteile sind die gleichen wie in der 43er Version, nur entfällt hier die Nachzuckerung. Kurzum: Ein Jamaika-Potstill-Knaller! (Preis ca. 40 EUR) - Whatadrink!

Sie wissen was sich hinter dem Begriff Batavia Arrak verbirgt? Gut. In Deutschland sind einige hochprozentige Arraks verfügbar, die zur Verwendung in einem winterlichen Heißgetränk durchaus taugen. Aber ein zehn Jahre gelagerter Arrak aus Indonesien? Den hat nur CDI im Programm. Fünf Fässer (Ex-Heaven Hill-Bourbon) konnte sich Beuchet sichern (die genaue Herkunft hält er geheim) und deren Inhalt sind die rund 60 EUR pro Flasche wert. Cremiges Zuckerrohr, Zuckerrohr und Zuckerrohr und dazu Vanille, exotische Gewürze undundund... Die 43% Vol. waren übrigens annähernd die Fassstärke.

Dahinter müssen - zumindest in meiner kleinen, versauten Rumwelt - der grundsolide Barbados Rum von Foursquare (12 Jahre alt, 45% Vol., ca. 60 EUR) und der fruchtig-trockene Haiti aus dem Hause Barbancourt (11 Jahre, 59,4% Vol., ca. 70 EUR) etwas zurückstehen.

Zum Abschluss der Vorstellung kam dann noch ein besonderes Schätzchen ins Glas. Ein Demerararum aus der Port Mourant Still mit 13 Jahren und mit satten 58% Vol. Dieser Guyana kommt - ähnlich wie die Diamond 2003s von Duncan Taylor - mit geringem Holzeinfluss würzig, teerig, ölig und eben spirit driven daher. Um es auf den Punkt zu bringen: Ziemlich geiles Zeug. Ein nicht unbedeutender Whiskyblog hatte ein Schwestercask kürzlich mit Lob überschüttet - ich kann das nachvollziehen. Whatadrink!

Florent war übrigens so freundlich für die Veranstalter ein passendes Tastingpaket zu kreieren, das man hier ordern kann. Was gibt es sonst Neues? Zum einen wird es eine Einzelfassabfüllung nur für den deutschen Markt (Juhu!) und zum anderen einen Nachfolger für den heißbegehrten und längst ausverkauften Boulet De Canon (Ex-Scotch-Whisky-Fassfinish - Talisker) geben. Der Boulet De Canon 2 kommt mit 50% Vol. aus einem Ex-Caol Ila-Fass und wird im April 2016 erwartet. In seinem Lager, so gab Monsieur Beuchet mir bereitwillig Auskunft, hat er aktuell knapp über 30 Rumfässer. Genug also, um uns in den nächsten Jahren weiter zu versorgen. 
Sorgen machen mir aber die Preise. Die Lagerbestände der Destillerien und Caskbroker bei den über 10jährigen Rums sind kaum mehr der Rede wert. Die wenigen "alten" Fässer werden also im Preis weiter steigen und auch CDI wird die bislang moderaten Preise auf Dauer nicht halten können. Galt kürzlich noch der Satz "Rum ist noch viel günstiger als Whisky", so haben die Preiskorrekturen einiger Rumabfüller dies bereits jetzt ad absurdum geführt. Für manch 6- oder 10jähriges Destillat (oder gar für Solera-aged Rum aus der DomRep) werden da doch locker mal 150 bis 250 Euro aufgerufen. Für Anleger und Spekulanten gilt also: Kauft mehr Rum! Für den Genießer gilt natürlich: Trinkt mehr Rum!

Update: Für wirklich raren Stoff muss man auch mal die Portokasse plündern (s. Screenshot).




Kleingedrucktes: Ich wurde zu der o.g. Veranstaltung eingeladen. Niemand hat mich gezwungen diese Lobeshymne zu schreiben. Wahrscheinlich krieg ich auch nix dafür. Mist.

Mittwoch, 5. September 2012

Banks Rum @ Trader Vic's

Was liegt näher als hocharomatischen Rum in einem echten "Tikitempel" zu präsentieren? Eigentlich nichts. Trotzdem war es die erste Veranstaltung dieser Art in einem "Trader Vic's" (Was schreibe ich da? - DEM "Trader Vic's") als sich am gestrigen Nachmittag eine Auswahl zumeist jüngerer Münchner Bartender und Bartenderinnen in den Katakomben des Hotels "Bayerischer Hof" trafen, um sich die Produkte von "Banks Rum" einmal genauer anzusehen und auch um den "Macher" derselben kennenzulernen.
whatadrink! hatte sich die beiden bisherigen Abfüllungen von "Banks Rum" erst kürzlich vorgenommen. Daher spare ich mir längere Ausführungen zum Aromaprofil und verliere lieber noch ein paar Worte zur Herstellung. Beide Rums sind Blends. Und zwar reichlich komplexe Blends. Genauer gesagt die komplexesten Rumblends überhaupt, denn im "5 Island" finden wir 21 verschiedene Destillate von 6 Destillerien aus 5 Ländern - im "7 Golden Age" sind es gar 23 Destillate von 8 Destillerien aus 7 Origins. Während im (teilweise gefilterten) weißen Rum Vertreter aus Trinidad, Jamaika, Guyana, Barbados und Indonesien enthalten sind, kommen in der goldenen Variante noch Rums aus Panama und Guatemala dazu - letztere in nicht allzu großer Menge, was das prozentuale Verhältnis anbelangt, ebenso wie bei der Zugabe von indonesischen (Rohrzucker-)Arrak übrigens, aber bei beiden Blends in einem jeweils eigenständigen und gesondert entwickelten Blendingrezept. Es ist also nicht so, dass einfach noch zwei zusätzliche Rums mit in den "5 Island" gegeben werden.  

Diese und viele weitere Informationen bekamen die Zuhörer aus erster Hand, denn der Masterblender und Erfinder des "Banks", Arnaud de Trabuc, war persönlich anwesend und erzählte nicht etwa für das Marketing zugeschnittene Geschichtchen, sondern berichtete über seine Idee einen Rumblend zu schaffen, da dies in dieser Form bislang niemand getan hatte, über den Hintergrund der Namensgebung und das Packaging und beantwortete jede einzelne Frage. So kam auch zur Sprache, dass die Entwicklungszeit der beiden Rezepturen bei rund einem Jahr ("5 Island") und 7-8 Monaten ("7 Golden Age") lag. Dabei konnte de Trabuc auf seine jahrzehntelangen Verbindungen zur Rumindustrie - insbesondere zu "Angostura" - zurückgreifen. Entwicklung, Blending und Abfüllung laufen daher auch in speziellen Räumlichkeiten in Amsterdam ab. Das sind Voraussetzungen die natürlich nicht jeder hat, der gerade auf die Idee gekommen ist, ins Business einzusteigen.Weiteres zu Filterung, Etikett und Flaschenform finden Sie hier. Wichtig ist zum einen sich den Sprachgebrauch "der Fünfjährige" (bzw. "der Siebenjährige") abzulegen, da der "5 Island" aus ein- bis sechsjährigen Komponenten besteht und zum anderen muss beachtet werden, dass dieser Stoff - je nach Gästestruktur - doch deutlich zum Premium- und nicht zum Pouringbereich zu zählen ist. Das bezeugen auch die Produktionsmengen: Vom "5 Island" füllt "Banks" derzeit 100.000 - vom "7 Golden Age" 40.000 - Flaschen im Jahr ab. Tendenz steigend... 

Bevor sich die gesammelte Meute an "Trader Vic's" Mai Tais, Daiquiris, Rum Swizzles und LIITs nebst besten Fingerfood laben konnte, führte der neuinstallierte Brandambassdor Robin Weiss zusammen mit Bastian Heuser an seiner Seite einen kleinen Rumvergleich in der Disziplin "Daiquiri" (Sieger: "Banks 5 Island" - ach was) durch und infusionierte "5 Island" mit Grapefruitschale mittels Sahnesiphon. Und es gab auch was ganz Neues zu bestaunen: Den "Banks Limited Editon I - The Endeavour". Diese Abfüllung, die auf 1743 Flaschen begrenzt ist, wird in Kürze in Deutschland erhältlich sein. Der Preis wird im Bereich um 300 EUR liegen. Ob einem der 43%ige 50:50-Blend aus je einem 16jährigen Jamaica- und Guyanarum (von Long Pond bzw. den Demerara Distillers) das wert ist, darf jeder selbst entscheiden. Mir hat der (fast) unendliche Abgang der reifen Destillate inklusive  Ecken und Kanten auf jeden Fall bestens gefallen.

Bezugsquellen: cocktailian und der wohlsortierte Einzelhandel
Gastrokontakt: a.schneider@beverage-brands.de / s.nitz@beverage-brands.de

Donnerstag, 2. August 2012

Wiedervorlage: Rum (von vielen Inseln und im Diplomatengepäck)

Um Rum ging es hier schon einige Male. Da das Angebot aber ständig wächst und sowieso schon kaum mehr überblickbar ist, hier der Spot auf ein paar neuere Vertreter der Gattung. Bei der Erstellung aussagekräftiger Tastingnotes sprang mir diesmal freundlicherweise Frau Kristina Wolf zur Seite. Selbige ist in der Szene keine Unbekannte. Die Berlinerin - Spitzname The Nose - hat zu DDR-Zeiten eine fundierte gastronomische Ausbildung genossen und blieb auch später den sinnlichen Genüssen treu. Hier und da gab es immer wieder Verbindungen zur Spirituosenindustrie bzw. zum Gaststättengewerbe. Dem aufmerksamen Leser wird Frau Wolf auch schon im Blog des "Finest Spirits"-Festivals als Autorin aufgefallen sein. Internationale Berufungen in die Tasting Panels der Rumfestivitäten in Miami, London und Berlin unterstreichen zudem ihre fachliche Kompetenz. Aber genug der warmen Worte.
Beginnen möchte ich mit einem preislichen Schwergewicht. Der "Diplomatico Ambassador" (47% Vol., ab ca. 200 EUR), vorgestellt beim Londoner "Rumfest" 2011, kommt in einer gewichtigen Flasche mit schwerem Stopper und in einer hölzernen Präsentationsbox aus dem fernen Venezuela angeschippert. Das bisherige Aushängeschild des Herstellers namens "D.U.S.A." war bislang der "Diplomatico Reserva Exclusiva", der in Deutschland zukünftig als "Botucal Reserva Exclusiva" zu haben sein wird. Die Umbenennung trifft auch seine jüngeren Gefährten "Reserva" und "Anejo". Zur Diplomatenfamilie gehört auch ein schlicht "Blanco" (alle 40% Vol.) betitelter, weißer Rum, der bisher nicht in Deutschland auf dem Markt war. Vielleicht ändert sich das durch den neuen Vertrieb, den "Sierra Madre" (diverse Tequilas, "Atlantico" Rum, "Hayman's" Gin, etc.) vor einigen Monaten übernommen hat. "D.U.S.A." stellt mit einer Vielzahl von Pot Still- und Säulenbrennanlagen Rum für verschiedene Marken her, z.B. "Cacique" und "Pampero". Desweiteren wird aus Melasse mit besonders hohem Zuckeranteil von 48-52% (leichte Rums) und Sugar Cane Honey (Zuckergehalt 60%, schwere Rums) destilliert. Insgesamt werden rund 8 Millionen 9-Liter-Cases im Jahr hergestellt. In 21 Lagerhäusern reifen 260.000 Fässer. Die "Diplomatico"-Range besteht bis auf den "Ambassador" aus Blends bestehend aus leichtem Column Still- und schwerem Pot Still-Rum. Die genaue Zusammensetzung und alles weitere über die Geschichte der Firma und die Herstellung sollte man im digitalen CLASS Magazin nachlesen.

Wir widmen uns nun endlich dem "Ambassador", der im Gegensatz zum aus 20% Column Still-Rum und 80% Pot Still-Rum geblendeten, nachgezuckerten und bis zu 12 Jahre alten "Reserva Exclusiva" aus 100% Pot Still-Rum besteht, der mindestens 12 Jahre in Ex-Bourbonfässern lagerte um dann noch weitere 2 Jahre in Ex-Pedro Ximenez-Sherryfässern zu verweilen. Nachgesüßt, gefärbt und (kühl)filtriert wird hier nicht. Gut so. Lassen wir die überdimensionierte Box einmal weg, so haben wir einen Rum im Glas, der einige Tester und mich schlichtweg enttäuscht hat. Wir hatten uns alle einen "Diplomatico-Hoch-3" vorgestellt, aber diese Erwartungen konnte der Knabe nun leider nicht ganz erfüllen. Ja, er hat schon die würzigen Noten (Curry), die seinen - mittlerweile als Einsteigerrum verschrienen - Kameraden von der Masse der süßen Blends abhebt. Ja, auch die Infos zu seiner besonderen handwerklichen Herstellung werden vorbildlich preisgegeben und den (deutlich merkbaren) 47%-Alkoholgehalt, finde ich auch besser als schnöde 40%. Aber irgendwie... An dieser Stelle muss Frau Wolf helfen - hier ihre Blindtastingnotes:

Tag 1:
N: trockene Süße, kräftig Holz, fast modrig, deutliche Sherrynote;
G: trocken, aggressiv, aber nicht unangenehm, ölig, nur leichte Süße, erneut Sherry, fast cremig werdend, erneut Holz;
A: lang und warm, erneut Sherry, leichte Salzigkeit;
F: Überraschend ungewöhnlich und Europäisch – im Stil von Whisky und Sherry;

Tag 2:
N: trocken, modriges Holz, Minze?, blumig, aber auch wieder Sherry;
G: Holz, trockene Süße kommt durch, erneut Sherry, dezente Salzigkeit (Lakritz?), cremiges Mundgefühl;
A: Relativ schnell weg, angenehme und leichte Aromatik;
F: ein gebauter Rum*

*Frau Wolf versteht unter einem "gebauten Rum" einen "für den Allgemeingeschmack gebastelten, ohne echten Charakter, eben gefälligen" Rum. Was an sich ja nichts Schlechtes ist, nur eben nicht immer ihrem persönlichen Geschmack Freude bereitet.

Getastet wurde, wie zu erkennen ist, an zwei Tagen. Und wie man sieht, ergeben sich dabei gerade bei geschulten Sinnesorganen gewisse Abweichungen. Ich bin mir nach mehreren Anläufen mittlerweile sicher, dass ich den "Ambassador" nicht weiterempfehlen würde. Schon wegen des Preis-Leistungs-
Missverhältnisses. Auch ist er mir fast schon zu sherrylastig - ohne aber pappig zu sein, wie das bei anderen P.X.-Finishes manchmal der Fall ist. Fazit: Der "Ambassador" ist ein anspruchsvoller, sherrylastiger Rum, der mit seiner (Fass)Reife nicht hinterm Berg hält. Ob "Sierra Madre" den auch ins Programm nimmt, ist mir bislang nicht bekannt, erscheint mir aber unwahrscheinlich, da ja dann wieder das "Diplomatico-Botucal-Problem" im Raum stehen würde.

"Banks" Rum ist spätestens seit Oktober 2010 hierzulande ein Begriff. Damals wurde der Neue in Berlin beim BCB vorgestellt und mittlerweile hat der weiße "Banks 5 Island" mit dem "Banks 7 Golden Age" (jeweils 43% Vol.) auch einen dunklen Bruder bekommen. Über alles Wissenswerte wurde vielerorts schon berichtet. Darum nur das: Der Neue ist wieder ein Blend - diesmal aus 23 Rums aus 7 Ländern. Wir vertrauen wieder Frau Wolf und ihren Tastingnotes.

"Banks 5 Island" - Tag 1:
N: süss, fruchtig-aromatisch, schokoladig, cremig;
G: zuerst leichter als die Nase verspricht, dann kommen die kräftigen Aromen deutlich, schöner Rum für Tiki;
A: frisch und warm, exotische Früchte, die schokoladigen Aromen erneut, sehr aromatisch aber nicht zu stark;
F: sehr schöner Rum fürs Massengeschäft, hat kaum Ecken und Kanten – typische Karibik;

"Banks 5 Island" - Tag 2:
N: interessante frische Fruchtigkeit, aromatisch (in Richtung Jamaika), sehr blumig und duftig, Schokolade (Vollmilch), frische Zuckerrohrsüße;
G: zuerst leicht, dann fast cremig werdend, zuerst recht neutral, dann kommt die komplexe Aromatik wieder durch, beim zweiten Schluck deutlich kräftiger;
F: sehr  milder, aromatischer Rum. Perfekt für Cocktails, kann man aber auch pur geniessen.  Im ersten Schnuppern Tendenz zu Agricole, aber dafür sind die frischen Aromen nicht prägnant genug;

"Banks 7 Golden Age" - Tag 1:
N: sehr süss, Rum-Rosinig, kräftige Vanillenoten;
G: Holz und süß, trocken (Demerara?), frische Zuckerrohrsüsse;
A: lang und wärmend, angenehm changierend;
F: würde behaupten ein Demerara klassischen Typs oder ein verdammt guter Blend;

"Banks 7 Golden Age" - Tag 2:
N: komplex, kräftig, vanillig, süsse Rum-Rosinen;
G: erneut kräftig, komplex, exotischer Fruchtkorb, erinnert mich an Demerara (Port Mourant?);
A: elegant;
F: erneut mein Favorit;
Dem kann ich nicht mehr viel hinzufügen. Ich finde beide "Banks" extrem ansprechend und sehe aufgrund des großen Aromenspektrums eine Vielzahl von Verwendungs-möglichkeiten, wenn man Mixed Drinks im Visier hat. Andererseits bieten sich beide Varianten auch zum Süffeln an. Wer Lust bekommen hat, sollte also Einkaufen gehen! (Kleiner Tip am Rande: Cocktailian bietet bereits beide Abfüllungen an und hat den "5 Island" sogar in der günstigen 1-Literflasche im Shop)

Und weil wir grade beim Thema sind, kommt hier noch ein Rum, der durchaus Beachtung verdient hat. Die Rede ist von "New Grove Rum", der auf Mauritius hergestellt wird. Aus dieser Range hat es mir der "Plantation", ein leichter, weißer Rum, der mit seinem frischen Zuckerrohraroma ein wenig an einen Agricole erinnert, besonders angetan. Ich schmecke aber auch richtig viel Grapefruitschale. Und zwar von einer frischen gelben, bitteren Grapefruit. Aber ich bin ja heute nicht allein.
 
whatadrink!: Kristina, Du bist wirklich eine Rumexpertin. Beim "New Grove" hast Du aber auch ein bisschen Deine Finger im Spiel. Bitte erzähl uns was zur Herstellungsweise und zu den Besonderheiten der drei bisher in Deutschland erhältlichen Abfüllungen.

Kristina Wolf: Die Rums von "New Grove" sind alle durch die Bank weg Melasserums. Nix mit Agricole! Das Besondere ist jedoch, dass hier nicht die dunkelbraune, total ausgelutschte Melasse verwendet wird, sondern diese Melasse extra zur Rumherstellung produziert wird. Also die Melasse ist golden und hat fast noch den kompletten Zuckergehalt und auch die frische Aromatik des Zuckerrohrs.

Das Zuckerrohr wird ab Juni geerntet, die Fermentation beträgt 36 Stunden bevor in einer Kolonne destilliert wird. Der Rum der daraus entsteht ist, ist genau der Rum, den man im "Plantation" (nur in Stahltanks 10 bis 18 Monate gelagert), "Oak", 5y, 8y und dem "Solera" wiederfindet. Die geschmacklichen Unterschiede kommen aus der Lagerung in verschiedenen Faßtypen. Das Meiste wird in französischer Limousineiche gereift. Aber auch Portwein- (für den 5y) und gebrauchte Cognacfässer, werden bei den verschiedenen Reifegraden verwendet. Am Besten selber probieren. "New Grove" wird auch wieder im Oktober auf dem Rum Festival in Berlin vertreten sein. Und sie kommen zusammen mit noch ein paar anderen Brennereien von Mauritius.

wad: Aber es kommt aus dieser Quelle auch noch Neues auf uns zu?

KW: Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, welche Abfüllungen nach Deutschland kommen. Es sind auf alle Fälle der 8jährige und der "Solera" frisch auf dem Markt, sowie eine einfachere Range (White, Dark und Spiced). Auch ob wir je die aromatisierten Rum bei uns auf den deutschen Markt bekommen werden ist mir nicht bekannt.

wad: Mir hat der "Plantation" auf Anhieb gefallen und ich finde ihn jetzt im Sommer gerade in den "kubanischen" Klassikern wie Daiquiri oder Mojito sensationell. Welcher ist Dein Favorit und warum?

KW: Nun, der "Plantation" hat mich auch letztes Jahr schwerstens überzeugt. Endlich ein weißer Rum, der nach Rum schmeckt, Charakter und einen Body besitzt. Ansonsten mag ich den "Oak", gerade wenn man Whiskyfreaks von Rum überzeugen möchte. Als reiner Purgenuss ist für mich der 5jährige eine Offenbarung. Aber Vorsicht! Nichts für "Diplomatico"-Fans ;-)

wad: Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage. Welchen Rumtrend siehst Du auf uns zukommen und welchen neuen Rum würdest Du Dir wünschen? Sicher nicht den 150. Spiced Rum, der vom "Captain Morgan"-Kuchen was abhaben will, oder?

KW: Du kannst Fragen stellen! Bin ich eine Weissagerin? Wenn, dann würde ich mein Wissen nicht hier breittreten sondern dicke Kasse damit machen. Denn dann wären so etliche Marketingabteilungen, Blendmaster und Einzelkämpfer entweder ihren Job los oder im siebenten Himmel! - Ernsthaft, ich vermute, wir bekommen noch ein paar neue „gebaute“ Rum, ein paar sehr spannende Abfüllungen von bekannten Marken, wie im Whiskybusiness werden sich die Sonderabfüllungen häufen und die Preise werden ordentlich anziehen.

Meine Wunschrums sind stets die, die ich gerade im Glas habe und wirklich genießen kann. Das kann mal ein süßer, schwerer öliger Rum wie zum Beispiel "Botran" sein; mal eine Einzelfassabfüllung aus dem Hause "Cadenhead's"; mal ein fantastisch ausdrucksstarker "Trois Rivières" von Martinique oder zum Beispiel ein "Smith & Cross" und "El Dorado" in einem super leckeren Rumpunch. 

Was ich mir für den Deutschen Rummarkt wünsche, ist dass endlich die faszinierenden Tropfen von den französischen Antillen ihren Stellenwert auch bei uns bekommen, ebenso dass solche wahnsinnig spannenden Rums wie die Abfüllungen von Dzama hier bekannter werden. Zu kaufen gibt es sie schon lange bei uns. Auch solche, etwas für den deutschen Gaumen anstrengendere Provenienzen, wie "Savana" von Réunion sind meine kleinen Geheimtipps. Die Welt der Rums ist so vielfältig und Aromen reich, da sollte für jeden Gaumen was dabei sein. Nur Mut beim Ausprobieren!