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Sonntag, 20. Februar 2011

Finest Spirits - Munich Whisky & Bar Festival 2011

"Dieser Tage fand das alljährliche Münchner Whisky & Bar Festival statt. Auch ich war dabei..." So habe ich meinen kurzen Bericht vom Finest Spirits 2010 hier begonnen. Hier meine Bemerkungen zur aktuellen Ausgabe des Events, das sich vom lokalen Whiskyfest zur vollwertigen Barmesse gemausert hat.
Leider konnte ich nur am Freitag das Festival in der neuen, aber - wie ich finde - gut geeigneten Location, dem MVG Museum, besuchen. An diesem Abend waren "gefühlt" hauptsächlich Whiskykenner anwesend, denn die Aussteller mit anderen Produkten wie Barzubehör und -dekoration, Vodka, Obstbrand und anderen Nicht-Whisky-Spirituosen erschienen mir z.T. etwas unterbeschäftigt. Am Sams- und Sonntag hat sich das hoffentlich noch geändert.

Ich hatte auf jeden Fall einen sehr guten Start in einige fröhliche Stunden mit einer kräftigen Bloody Mary am Stand des Barzirkels, der bei einem späteren Besuch (um 19.00 Uhr) leider schon verwaist war, da die Herren Mixologen ihrer Profession nachgehen mussten. Schade.

Ein Höhepunkt in Sachen Klasse und Auswahl bot der Stand von Mike´s Whiskeyhandel. Dem Schnauzbartträger, der im wahren Leben einen Lampenschirmladen (allerdings mit Whiskeyabteilung!) betreibt, fehlt nur noch die richtige Bartender-Wildwestmontur, wenn er dem Besucher einen Topbourbon oder Rye nach dem anderen auf den Tresen seiner piekfeinen Messebar stellt. Ich durfte mich am ausgezeichneten Michter´s Straight Rye und Michter´s 10y Bourbon sowie der umwerfenden Willet Bourbon Fassstärke mit schlappen 69,1% Vol. nach satten 17 Jährchen laben. What a drink!

Dann ging es aber auch schon auf die Insel: Konkret auf das Eiland namens Islay und ins Tasting mit Laphroaig Brand Ambassador und Ex-Master Blender Robert Hicks (gut, jetzt kein Namenswitz). Der Herr ist u.a. der führende Kopf und Gaumen bei der Entwicklung meines Laphroaiglieblings "Quarter Cask" gewesen - "a good friend" sozusagen. Zur Geschichte der Brennerei und ihrer Wundertaten gab es flüssige Untermalung mit einem nichtreduzierten "New Spirit" (What a...!), den Ausgaben "10y", "1/4 Cask", "10y CS Batch 2", "18y" und dem überraschend weichen "25y". Interessant war, dass man beabsichtigt den bislang nur im DutyFree und einigen wenigen Ländern offiziell erhältlichen "Triple Wood" in Kürze in größerem Umfang zu vermarkten und dass bei Laphroaig in manchen Jahren nur drei bis fünf oder gar keine Sherrybutts gefüllt werden. Aha! Am Beamstanderl kam ich später noch unverhofft in den Genuss des komplett ausverkauften "Cairdeas 2010". Hmmm... Danke allerseits!

Nach einer kurzen Pause, die mit einem Einkauf bei Cocktailian und einem Probier-Preisausschreiben bei Lantenhammer sinnvoll genutzt wurde, ging es zu
"Maker´s Mark" -Distillerydiplomat Jonathan Ulrich in die nächste Masterclass unter dem Titel "Maker´s Mark und Small Batch Bourbon - Die Juwelen aus dem Hause Beam". Neben "Maker´s Mark" kamen "Basil Hayden´s", "Knob Creek", und "Baker´s" zum Ausschank. Das Highlight dieser Reihe ist für mich allerdings weiterhin der fantastische "Booker´s", der auch im Programm war und den krönenden Abschluss bildete. Am Rande der Messe war zu hören, dass "Maker´s 46" auch in Deutschland eingeführt werden soll. Der Zeitpunkt ist aber nicht bekannt. Es kann sich also nur um Jahre handeln. Währenddessen ist in den USA die erste Charge von "Knob Creek - Single Barrel" ausgeliefert worden. Würde mich auch interessieren der Bruder...


Ein erlesenes und hochklassiges Teilnehmerfeld hatte sich zur letzten Freitagsveranstaltung, den "Gabányi-Lectures Teil 1: High End Edelbrand", zusammen gefunden. Der Maestro stellte u.a. einen sehr löblichen Quittenbrand von der Destillerie Liebl, einen in der Nase erfrischenden, aber am Gaumen etwas enttäuschenden Bananenbrand von Franz Kostenzer sowie den ausgezeichneten Ingwergeist von der Firma Gansloser vor. Besonders beeindruckt hat mich auch die "Alte Zwetschge" aus dem Hause Ziegler, die in Alisiereiche und Kastanienholzfässern gelagert wird. Irgendwie war mir dieses Destillat bisher entgangen.

Ich darf Veranstalter Frank Böer und seinem "Finest Spirits"-Team an dieser Stelle gratulieren und hoffe auf eine Neuauflage in 2012.

Sonntag, 29. August 2010

Meet The Maker & Maker´s 46

"Der hat eben 46%. Was soll da groß anders sein?" Diese Aussage kam mir vor einigen Tagen beim "Maker's Mark Senses Workshop" zu Ohren kurz bevor es an den neuen Maker´s 46 Bourbon ging. Dass die Rechnung so nicht aufgeht und die Sache doch ein wenig anders gelagert ist, stellte sich bald heraus. Aber beginnen wir doch von vorn.

Als Maker´s Mark Master Distiller Kevin Smith unsere kleine Stadt mit seiner Anwesenheit beehrte, war ich auch mit von der Partie um meine Sinne beim vorgenannten Workshop im Schumann's fortzubilden. Zunächst wurde ein gelungener Mint Julep als Begrüßungsdrink gereicht, was bei durchaus sommerlichen Temperaturen eine echte Wohltat war. Nach der kurzen Begrüßung durch Brand Ambassador Helge Müller und der Einleitung durch Distillerydiplomat Jonathan Ulrich bekam Kevin Smith das Wort. Dieser führte den erlauchten Kreis der Gastronomen und Bourbonfans durch das Tasting von vier Maker´s Mark Variationen (White Dog, under matured 1-2y, Red Wax, over matured ~10y). Eine - wie immer - hochinteressante Vorführung, was auch an der würzigen "over matured"-Probe aus Kevin´s kleinem Lagerbestand lag. Dazu gereicht wurden übrigens erstklassige Roastbeef- bzw. Käsecanapés aus Charles´ Küche.

Dann wurde es spannend. Der amerikanische Bourbonmaker empfing Whiskykenner und -autor Stefan Gabányi zu einem Gespräch über den erst kürzlich in den USA präsentierten Maker´s 46 am Tresen des Schumann´s. Zusammen analysierten die beiden den neuen Stoff und Kevin Smith lüftete offiziell das Geheimnis des 46. Dieser, nach der bewährten Formel und Lagerzeit hergestellte Maker´s Mark, erfährt eine Nachreifung in speziell präparierten Fässern. Nach der (erstaunlich kurzen) Entwicklungszeit von noch nicht einmal einem Jahr hatte man sich Ende 2009 auf ein Ergebnis aus über 120 Versuchsanordnungen festgelegt. "Wood Chef" Brad Boswell, der mit seiner Firma auch für die "normalen" Fässer aus amerikanischer Weißeiche verantwortlich
zeichnet, hatte bei seiner Versuchsnummer 46 (Aha!) sogenannte "Staves", relativ dünne, getoastete Brettchen aus franzöischer Eiche im Innern der Bourbonfässer befestigt und den Stoff in diesen präparierten Behältnissen (übrigens kleine Quarter Casks) einer nur acht- bis neunwöchigen Reifung unterzogen.
Das Ergebnis spricht für sich: In der etwas kräftigeren, aber dennoch runden Toffee/Honig/Vanille-Nase tut sich zunächst nichts wesentlich Neues (gegenüber der Standardversion) und der Taster erwartet den runden, weichen Red Wax Bourbon. Im Mund explodiert der Spaß (
Gabányi: "very spicy") dann aber gründlich. Der 46 überrascht mit Piment- und Zimttönen, vordergründig aber mit Minze, Eukalyptus und frischen Wiesenkräutern ohne seinen schon klassischen Soft Flavour (v.a. im langen Abgang) zu verlieren. Ein reichhaltiger, würziger Bourbon mit vollem Körper (94 proof - 47% Vol.) mit dem das Ziel der Maker (dem Publikum eine zusätzliche Variation ihres Bourbons zu schenken) voll erfüllt zu sein scheint. Mit Wehmut blickt der europäische Konsument folglich nach USA (ca. 35-40 US-$ für die 0,75l-Flasche), wo dieser Tage das zweite Batch ausgeliefert wird. Vielleicht 2011 soll die Einführung im DutyFree-Bereich folgen. Eine Markteinführung (und damit natürlich auch eine Ausweitung der Produktion) in Europa ist vorerst nicht geplant oder absehbar. Diese betrübliche Nachricht - an einem ansonsten gelungenen Nachmittag - ließ sich am besten mit den vom Schumann´s Personal bestens zubereiteten Whisky Sours, Markees und Horse´s Necks verkraften. Am Abend lud MM noch zur Bartour durch einige Münchner Etablissements.

(photo by bourbonbuzz)