Machen wir es kurz: Ich kam letztes Jahr an eine größere Sammlung von amerikanischen Bourbonwhiskeys, die zwischen 1952 und 1972 produziert wurden. Einige ausgewählte Preziosen davon werden am 9. Mai an ambitionierte Connaisseure ausgeschenkt. Die älteste Abfüllung ist ein Grand Old Dad, der 1952 gebrannt wurde.
Einziger Haken bei der Sache: Ich werde bei der Veranstaltung ein bisschen was zu den feinen Stöffchen erzählen. Wer die kleine Zeitreise trotzdem mitmachen möchte, sollte sich mit der Anmeldung beeilen. Alle Infos zu Ort, Termin, Anmeldung, etc. siehe folgende Links.
http://www.americanwhiskeyacademy.com/
Update: Danke, Danke, Danke an alle Gäste! Das war ein toller Abend.
Noch ein Update: Bericht siehe hier.
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Sonntag, 13. April 2014
Mittwoch, 26. Februar 2014
Braukunst Live! 2014 - Brauer oder Blogger?
Schäumendes
Gerstengetränke
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.
(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.
(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)
Vor vierzig Jahren sang der damalige Bundesaußenminister dieses Volkslied, dessen Single (aus Vinyl!) bis auf Platz fünf der deutschen Singlecharts kletterte - oder besser rollte. Aber darum gehts in diesem kleinen Blogartikel gar nicht und auch nicht darum, dass wir damals noch Politiker, Bundespräsidenten und die FDP hatten. Also zurück ins Heute (wo alles besser ist)...
Im Februar 2014 zogen Tausende von Menschen auf ein Münchner Bierfestival, um dort weit über 500 verschiedene Craftbiere von rund 100 Brauereien aus Degustationsgläsern zu trinken - in Chargen von 0,1 Litern (!). Und ein verdammt großer Anteil dieser bierdurstigen Kehlen gehört nicht nur zur Zielgruppe "Unter 30", sondern ist auch noch weiblich. Jawoll!
Wir reden vom Braukunst Live! Bierfest, das von den Finest Spirits-Veranstaltern 2012 ins Leben gerufen worden war und das sich mittlerweile als "Leitmesse einer völlig neuen Bier-Kultur" sieht. Ja so. Begriffe wie Vielfalt, Leidenschaft und Bier-Renaissance werden gerne in den Mund genommen, wenn es doch eigentlich nur um die Freude am gut gemachten Bier geht. Qualität und (gemachter) Kult stehen gemeinsam an der Theke
A propos Kult. Den ein oder anderen Aussteller - oder besser: Ausschenker - der ersten Stunde habe ich dieses Jahr vermisst. Auch einige Münchner Kleinbrauer waren nicht (mehr) da. Schade.
Eine Sache die Bewegung in die Szene bringt, sind Vertriebe, die für die Verbreitung der vielen neuen Bierchen sorgen. Gefühlt waren davon auch einige mehr auf der 2014er Braukunst zugegen. Aber ist das nun positiv oder negativ zu bewerten?
Egal. Die Veranstaltung war auch ein Treffpunkt der deutschen Craftbierszene (wenn sich selbige so nennen mag), was mir von mehreren Seiten bestätigt wurde ("Alle sind da!"). Zwei solcher Insider hatten sich angeregt neben mir unterhalten, bis der eine den anderen dann fragte: "Bist Du eigentlich Brauer oder Blogger?". Schön, dass es das gibt.
Aber wir sind hier bei whatadrink! und nicht bei einem der vielen fach- und sachkundigen Bier- oder gar Foodblogs. Deshalb darf ich noch auf ein neues Destillat hinweisen, das seit kurzem bei "Mike's Whiskeyshop" in München zu erwerben ist. Es handelt sich um einen Bourbonwhiskey aus Texas, dessen Hersteller sich Garrison Brothers nennt. Das klingt zwar nach einer Gangsterbande aus den Zeiten der Prohibition, ist aber die erste und älteste legale Whiskeydistillerie in Texas. Und die einzige? - Nein, es gibt derzeit satte 13 davon im Erdölstaat. Exklusiv in Deutschland steht bei Bourbon Mike nun der aktuelle Release Fall 2013 im Regal, der zwei Jahre und vier Monate in einem Mix aus verschieden großen bzw. kleinen Fässern verbracht hat. Ein junger Hund? Schon, aber - wie es sich für Texas geziemt - ein verdammt öliger Kläffer (Weizenbourbon mit über 70% Mais in der Mashbill, Sweet Mash, 47% Vol.). Die Turboreifung in frischen Fässern ist absolut spürbar, aber es besteht eine durchaus gefällige Balance zwischen süß und Holz. Klassezeug. Einziges Manko: Der Preis. Schon vor Ort in Texas werden rund 70 US$ aufgerufen. Dass der bei uns so nicht für 20 EUR zu haben ist, ist klar. Aber wer kauft amerikanischen Whiskey über 100 EUR, wenn der nicht mal 10 oder 12 Jahre alt ist oder zumindest Pappy heißt?
Ansonsten ging es weiter um Hopfen, Hopfen, Hopfen und ein bisschen Malz. Sehr schön fand ich den Titel des begleitenden Seminars "Ach komm, geh mir wech! IPA verkommt zu Mainstream!", bei dem es um vom selbigen (noch) unentdeckte deutsche Spitzenbierstile (oder so) ging. Außerdem wichtig: Foodpairing mit Bier. Im speziellen: Bier & Käse. Das gabs in einer eigenen Masterclass mit Bier- und Wassersommelier sowie Fromelier (frz. Expert en Caséologie) Tibor Kantor und gelebt von Messebeginn bis Kehraus rund 30 Meter rund um den Stand vom Tölzer Kasladen. Im folgenden noch ein paar Impressionen und das Schlußwort:
Bayern, des samma mir,
Bayern und des bayerische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot,
des is unser flüssiges Brot!
(Haindling, "Bayern", 1998)
("Hallo, ich bin der Helmut aus Berlin und ich mach ein kleines Fanzine.")
Mittwoch, 28. November 2012
Mal wieder was zum Lesen und Rum für die Haare...
Winterzeit - Geschenkezeit. Auch wenn Sie und Ihre Lieben nicht am alljährlichen Weihnachtsrummelbummel teilnehmen oder aus Prinzip keine Geschenke machen, sollten Sie sich die folgenden Werke mal genauer ansehen:
"1001 Whiskies You Must Taste Before You Die", Dominic Roskow, 960 Seiten, ISBN 978-1-84403-710-0: Seit Sommer 2012 liegt dieses Schwergewicht vor und ist vielleicht weniger was für den Nierentisch (der unter der Last zusammenbrechen könnte), als für das Nachttischchen oder *hüstel* die Toilette. Eindruck macht auf jeden Fall der, der alle Malts, Blends, Irish, Bourbons, Ryes, American Craft Whiskies, etc. schon probiert hat. Sechs deutsche Whiskies sind übrigens auch dabei. Das wäre ja mal ein Anfang. Der Autor verzichtet auf Punkteschema oder sonstige strenge Bewertungen, erzählt aber mal was zur Brennerei, zum Abfüller oder eben zum Whisky selbst. Tastingnotes gibts auch. Eine unterhaltsame Lektüre für eine sechswöchigen Urlaubsreise an den Oderbruch.
"gaz regan's Annual Manual For Bartenders 2012", 277 Seiten, ISBN 978-1-907434-01-3 (auch via Kindle) und "gaz regan's 101 Best New Cocktails 2012", 275 Seiten, ISBN 978-1-907434-03-7: Nach dem Annual Manual 2011 besteht this year's gaz regan gleich aus zwei Bänden. Einmal haben wir das Manual, das sich in einen autobiografischen Teil, einigen Artikeln zu einzelnen Fachthemen inkl. Bartenderportraits - Stichwort: Mindful Bartender - und noch ein paar Abschnitten unter dem Titel Bar Geekery (z.B. Jiggern) unterteilt. Gegenüber der 2011er Ausgabe wurde der Rezeptteil in das "101 Best New Cocktails"-Buch ausgelagert. Dort gibt es dann genaue Rezepturen aus Bars und Cocktailwettbewerben, die der Meister selbst vor Ort vernichtet und mit Kommentaren versehen hat. Eine - wie ich meine - inspirierende Sammlung von durchaus nachahmenswerten Beispielen zeitgenössischer Cocktailkunst.
"Cuban Cocktails", Anistatia Miller & Jared Brown, 271 Seiten, ISBN 978-1-907434-10-5: Was das Œuvre dieser beiden "Drinks Detectives" (CLASS magazine) für die Bartenderwelt bisher bedeutet hat und hoffentlich noch bedeuten wird, kann ich gar nicht abschätzen. Auf jeden Fall macht "Cuban Cocktails" da weiter, wo der Vortrag des "legendary couples" beim BCB 2012 aufgehört hat: Bei den kubanischen Cantineros und ihren Drinks. Ein extrem unterhaltsames Must nicht nur für Cuba Libre-Trinker und Cocktailhistoriker.
"Bourbon, Straight", Charles K. Cowdery, 284 Seiten, ISBN 978-0975870303: Das Buch aus dem Jahre 2004 ist auch heute noch up-to-date, auch wenn die amerikanische Whiskeyszene seit dem einige Änderungen durchlaufen hat. Nennen wir es "Standardwerk" - ohne andere "Standardwerke" hinten anzustellen. Aber Cowdery - Betreiber des "Chuck Cowdery Blog" und Herausgeber des "The Bourbon Country Reader" - ist nicht nur gelernter Journalist, sondern Whiskeyliebhaber und das seit vielen Jahren. Sauber recherchierte Fakten und eigene Erlebnisse/Erkenntnisse ergeben so ein detailliiertes Bild des American Whiskey. Das Buch ist als Kindleedition erhältlich, wie übrigens auch zwei weitere Veröffentlichungen des Autors: "The Best Bourbon You'll Never Taste. The True Story Of A. H. Hirsch Reserve Straight Bourbon Whiskey, Distilled In The Spring Of 1974" bringt Licht in die Geschichte des in letzter Zeit zu Mondpreisen gehandelten Bourbons und zeigt auf, welch ein Unsinn auf dem Rückenetikett der letzten Abfüllungen publiziert wurde. "Small Barrels Produce Lousy Whiskey" stellt diese von Cowdery abgeschossene These in den richtigen Kontext.
Zum Abschluss noch ein Geschenktip für den gepflegten und stilvollen Herren. Das Kaufhaus Manufactum bietet seit kurzer Zeit ein Vielzweckmittel an, das als Badezusatz, Gesichts- und Haarwasser, Körperlotion und Rasierwasser genutzt werden kann. Ob man den "Dominica Bay Rum" mit 55,5% Vol. auf Basis von "feinstem Jamaica-Rum" auch gefahrlos trinken kann, kann ich noch nicht bestätigen. Noch reibe ich mich vor dem Verlassen des Hauses mit feinstem Islay-Malt ein... Frohes Fest!
"1001 Whiskies You Must Taste Before You Die", Dominic Roskow, 960 Seiten, ISBN 978-1-84403-710-0: Seit Sommer 2012 liegt dieses Schwergewicht vor und ist vielleicht weniger was für den Nierentisch (der unter der Last zusammenbrechen könnte), als für das Nachttischchen oder *hüstel* die Toilette. Eindruck macht auf jeden Fall der, der alle Malts, Blends, Irish, Bourbons, Ryes, American Craft Whiskies, etc. schon probiert hat. Sechs deutsche Whiskies sind übrigens auch dabei. Das wäre ja mal ein Anfang. Der Autor verzichtet auf Punkteschema oder sonstige strenge Bewertungen, erzählt aber mal was zur Brennerei, zum Abfüller oder eben zum Whisky selbst. Tastingnotes gibts auch. Eine unterhaltsame Lektüre für eine sechswöchigen Urlaubsreise an den Oderbruch.
"gaz regan's Annual Manual For Bartenders 2012", 277 Seiten, ISBN 978-1-907434-01-3 (auch via Kindle) und "gaz regan's 101 Best New Cocktails 2012", 275 Seiten, ISBN 978-1-907434-03-7: Nach dem Annual Manual 2011 besteht this year's gaz regan gleich aus zwei Bänden. Einmal haben wir das Manual, das sich in einen autobiografischen Teil, einigen Artikeln zu einzelnen Fachthemen inkl. Bartenderportraits - Stichwort: Mindful Bartender - und noch ein paar Abschnitten unter dem Titel Bar Geekery (z.B. Jiggern) unterteilt. Gegenüber der 2011er Ausgabe wurde der Rezeptteil in das "101 Best New Cocktails"-Buch ausgelagert. Dort gibt es dann genaue Rezepturen aus Bars und Cocktailwettbewerben, die der Meister selbst vor Ort vernichtet und mit Kommentaren versehen hat. Eine - wie ich meine - inspirierende Sammlung von durchaus nachahmenswerten Beispielen zeitgenössischer Cocktailkunst.
"Cuban Cocktails", Anistatia Miller & Jared Brown, 271 Seiten, ISBN 978-1-907434-10-5: Was das Œuvre dieser beiden "Drinks Detectives" (CLASS magazine) für die Bartenderwelt bisher bedeutet hat und hoffentlich noch bedeuten wird, kann ich gar nicht abschätzen. Auf jeden Fall macht "Cuban Cocktails" da weiter, wo der Vortrag des "legendary couples" beim BCB 2012 aufgehört hat: Bei den kubanischen Cantineros und ihren Drinks. Ein extrem unterhaltsames Must nicht nur für Cuba Libre-Trinker und Cocktailhistoriker.
"Bourbon, Straight", Charles K. Cowdery, 284 Seiten, ISBN 978-0975870303: Das Buch aus dem Jahre 2004 ist auch heute noch up-to-date, auch wenn die amerikanische Whiskeyszene seit dem einige Änderungen durchlaufen hat. Nennen wir es "Standardwerk" - ohne andere "Standardwerke" hinten anzustellen. Aber Cowdery - Betreiber des "Chuck Cowdery Blog" und Herausgeber des "The Bourbon Country Reader" - ist nicht nur gelernter Journalist, sondern Whiskeyliebhaber und das seit vielen Jahren. Sauber recherchierte Fakten und eigene Erlebnisse/Erkenntnisse ergeben so ein detailliiertes Bild des American Whiskey. Das Buch ist als Kindleedition erhältlich, wie übrigens auch zwei weitere Veröffentlichungen des Autors: "The Best Bourbon You'll Never Taste. The True Story Of A. H. Hirsch Reserve Straight Bourbon Whiskey, Distilled In The Spring Of 1974" bringt Licht in die Geschichte des in letzter Zeit zu Mondpreisen gehandelten Bourbons und zeigt auf, welch ein Unsinn auf dem Rückenetikett der letzten Abfüllungen publiziert wurde. "Small Barrels Produce Lousy Whiskey" stellt diese von Cowdery abgeschossene These in den richtigen Kontext.
Zum Abschluss noch ein Geschenktip für den gepflegten und stilvollen Herren. Das Kaufhaus Manufactum bietet seit kurzer Zeit ein Vielzweckmittel an, das als Badezusatz, Gesichts- und Haarwasser, Körperlotion und Rasierwasser genutzt werden kann. Ob man den "Dominica Bay Rum" mit 55,5% Vol. auf Basis von "feinstem Jamaica-Rum" auch gefahrlos trinken kann, kann ich noch nicht bestätigen. Noch reibe ich mich vor dem Verlassen des Hauses mit feinstem Islay-Malt ein... Frohes Fest!
Montag, 21. Mai 2012
Tullamore Dew - Glasses Up @ Wasserwerk
Im Münchner Wasserwerk trafen sich gestern Mike Tobin, seit kurzem Brand Ambassador für "Tullamore Dew" in Deutschland, und zwei Handvoll Barkeeper und Gäste zu einem kleinen Whiskeytasting.
2012 wird für "Tullamore Dew" wohl irgendwie ein Neuanfang. Seit 1950 wird der Stoff nicht mehr in einer eigenen Destillerie hergestellt, sondern von anderen irischen Herstellern eingekauft. Damit soll bald Schluss sein, denn nach dem Kauf der Marke durch "William Grant Sons" (Glenfiddich, Hendrick's, etc.) wird noch dieses Jahr mit dem Bau einer neuen Destillerie in Tullamore (erster Whiskey von dort ab ca. 2020) begonnen - unter höchsten ökologischen Vorgaben übrigens. Auch das Heritage Centre wird bereits renoviert. Zugleich wandert der Vertrieb in Deutschland zu "Campari", da sich der bisherige Partner "Beam Global" den Mitbewerber "Cooley" gekauft hat, und ein neues Packaging mit mehr Konzentration auf "DEW" (= Daniel E. Williams) wird auch noch eingeführt. Der allseits beschworenen (Wieder)Belebung des Marktes für irischen Whiskey steht also nichts mehr im Wege.
Entwurf der neuen Distillery und neues Packaging
Nach Erläuterungen zur Geschichte des Irish Whiskey, Irish Coffee, der Schreibweise und einigen touritischen Tips starteten wir das Tasting mit dem "Tullamore Dew Original", der aus drei verschiedenen Whiskeys geblendet wird: Pure Pot Still, Malt und Grain. Der Stoff wird mindestens 3 Jahre gelagert und hat eine klare Vanillenase mit etwas Citrus. Am Gaumen überzeugt er mit leichter Würze und ist - wie erwartet - rund und gefällig.
An zweiter Stelle im Tasting kam mein persönlicher Favorit der "10 Year Old Single Malt", der seine Reifezeit in vier Fassarten (Bourbon, Madeira, Portwein, Sherry) verbringt. Trockenfrüchte und durchaus reife Fasaromen sind das Resultat. Ein komplexer Malt, der zupackt. Ich würde mir hier allerdings eine Version mit mind. 46% Vol. wünschen.
Den Abschluss bildete der dritte in Deutschland (Es gibt weitere Abfüllungen u.a. für die USA und das Heritage Centre) erhältliche "Tullamore", der "12 Year Old Special Reserve". Dieser besteht wieder aus drei Grundwhiskeys, wobei der Pure Pot Still-Anteil überwiegt. Gelagert wird in 2nd Fill Bourbon- und Sherryfässern. Beschreiben lässt er sich als ebenfalls komplexer Irish, den besonders seine Christmascake-Gewürze auszeichnen. Alle drei sind meiner Meinung nach nicht zu unterschätzende Abfüllungen, die aber auch niemandem weh tun.
whatadrink!: Mike, Wir haben heute "Tullamore Dew" und die irischen Whiskeysorten ein wenig kennengelernt. Wie siehst Du die Chancen und Zukunft des Irish - insbesondere in Deutschland, wo "Tullamore Dew" Marktführer ist?
Mike Tobin: Punkt eins ist, dass "Tullamore Dew" eine neue Whiskybrennerei für 35 Mio. Euro baut und z.B. "Jameson" auf dem U.S. Markt viele Millionen in Werbung investiert, um dort das Irish Whiskey-Segment wieder aufzubauen. Auch "Cooley" wird weiter aktiv sein und es gibt dort Innovationen wie z.B. getorfte Single Malts. Das ergibt insgesamt ein großes Potential für Irish Whiskey. Die Iren waren mit ihrem Stoff ja schonmal so groß wie die Schotten. Im Whiskeyshop am Flughafen in Dublin gibt es rund 200 verschiedene Abfüllungen und es werden weiter neue Marken und alte Rezepte auf dem Markt erscheinen.
wad: In Deutschland hat "Tullamore Dew" derzeit drei Abfüllungen auf dem Markt. Können wir für die Zukunft noch weiteres erwarten?
MT: Der Single Malt und der 12jährige sind seit 2010 bzw. seit letztem Jahr zu haben. In den USA gab es bisher einen 12 Year Old, der aber in Zukunft länger gelagert werden soll und dann als 14jähriger auch in Europa kommt.
wad: Wo liegt der Unterschied zwischen einem irischen und einem schottischen Malt? Die Schotten verwenden nur gemälzte Gerste, oder?
MT: Stimmt. In Irland gibt es zum einen das Signatureverfahren des "Pure Pot Still". Zum anderen verwenden wir gemälzte und ungemälzte Gerste. Und außerdem wird unser Malt dreimal in der Pot Still gebrannt.
Zum Abschluss konnte Mike noch ein paar neuentwickelte Signaturedrinks vorführern. Hier die Rezepte:
Glasses Up!
4cl Tullamore Dew Original
1cl Agavensirup
2,5cl Apfelsaft (naturtrüb)
5cl Zitronensaft
1 Dash Peychaud's Bitters
3cl Champagner
Die ersten 5 Zutaten geshakt und in Champagnerglas mit Vanillezuckerrand strainen und mit Champagner aufgießen. Deko: Zitronenspirale
Brian Ború
5cl Tullamore Dew Original
1,5cl roter Vermouth (Martini Rosso)
0,5cl Maraschino (Luxardo)
1 Dash Orange Bitters
1 Dash Angostura Bitters
Rühren auf viel Eis und im Martiniglas mit Zitronenzeste (abspritzen + drop in)
Tullamore Tropic
4cl Tullamore Dew Original
1cl Limettensaft
2 Barlöffel Puderzucker
8cl Ananassaft
5 weiße Trauben
Trauben mit Zucker im Longdrinkglas muddlen, mit Crushed Ice auffüllen, restliche Zutaten dazu und umrühren. Deko: Ananas, Zitronengras, Minze
Pecannuss Sour aka Richy's Nuts
4cl Tullamore Dew Original
1 Barlöffel Aprikosenmarmelade
1,5cl Zitronensaft
1,5cl Eiweiß
2 Dash Abgostura Bitters
1 Prise Zimt
geröstete Pecannüsse
Dry Shake, dann auf Eis shaken und in Martinischale abseihen, Deko: geröstete Pecannüsse
Tullamore Cranberry
5cl Tullamore Dew Original
20cl Cranberrysaft
Zitronenschnitz (Tullamore Cut)
Im Longdrinkglas Zitronenschnitz über Eiswürfel ausdrücken, mit Whiskey und Saft aufgießen, umrühren.Samstag, 25. Februar 2012
Amrut - Indian Single Malt Whisky
Die Firma "Prineus GmbH" (Import & Großhandel feiner Spirituosen) mit Sitz in Kiel hat sich in den letzten Jahren als Importeur der vielbeachteten Whiskyabfüllungen von "Compass Box", "Elements Of Islay", "Single Malts Of Scotland", "Port Askaig", "Amrut", "Mackmyra" und einiger weiterer Marken und auch anderer Spirituosen, wie z.B. dem historischen "Black Tot"-Rum, einen Namen gemacht.
Das letzte Baby der Norddeutschen heißt "Amrut Herald" - ein indischer Single Malt, der auf der Insel Helgoland gelagert und abgefüllt wurde - quasi "indo-germanischer" Stoff also, wie zu lesen war. Geschäftsführer Gerd Schmerschneider stand mir während der "Finest Spirits" in München Rede und Antwort.
whatadrink!: Herr Schmerschneider, "Prineus" ist der Generalimporteur für "Amrut" in Deutschland und Sie erledigen auch die Distribution. Der "Herald" ist 2011 auf den Markt gekommen. Wie kam es zu dieser Abfüllung?
Gerd Schmerschneider: Es ging damit los, dass mich Ashok Chokalingam, der Repräsentant von "Amrut", der für den weltweiten Vertrieb zuständig ist, vor ein paar Jahren gefragt hat, ob man nicht so etwas ähnliches wie den "Amrut Two Continents", also einen Whisky, der zuerst in Bangalore und dann in einem Land nördlich von England gelagert wurde und auch aus europäischem und nicht nur indischem Getreide gemacht ist, mal mit Deutschland machen könnte. Wir haben uns dann gefragt: Wo können wir diesen Whisky lagern? Wir haben natürlich ein Lagerhaus in Kiel, das wäre ganz nett, ist aber nichts Spektakuläres. So kamen wir auf die Idee, Whisky auf die Insel Helgoland zu bringen, weil man, um Whisky zu lagern ein Zolllagerhaus braucht. Und, da Helgoland weiter zollfrei ist und zoll- und mehrwertsteuertechnisch nicht zur EU gehört, habe ich dort einen Händler, den ich sehr gut kenne, gefragt, ob wir in seinem Lagerhaus vier Fässer unterbringen können.
So reiften die Fässer nochmal eineinhalb Jahre auf der Insel. Zwischendurch wurden immer wieder Proben gezogen bis wir gesagt haben: So, jetzt füllen wir ab. Dann haben wir das ganze Equipment dafür, d.h. Flaschen, Korken, eine kleine Pumpe, Kaspelmaschine, Etiketten (übrigens von Hand beschriftet, da ja nicht klar war, wieviele Flaschen man mit welchem Alkoholgehalt abfüllen würde) und Alkoholmessgerät, rübergebracht und an einem Wochenende mit 10 Leuten drei Fässer abgefüllt. Das vierte Fass sollte eigentlich auch geleert werden, aber im Verlauf der Aktion stellte sich heraus, dass Verpackung und Flaschen nur für drei Fässer reichen sollten. Es war mehr Whisky drin, als zu vermuten war. Insgesamt ergaben sich so rund 750 Flaschen, von denen die Abfüllungen aus einem Fass für den deutschen Markt, aus dem zweiten Fass für den Händler auf Helgoland und die aus dem dritten Fass für "Resteuropa" zur Verfügung stehen. Meiner Meinung nach ist der Whisky aus Fass 2868 der beste der drei. Unsere beschriebene Abfüllmethode führte auch zu der Besonderheit, dass der Whisky wirklich vollkommen unfiltriert direkt aus dem Fass durch einen Schlauch in die Flasche gekommen ist. Ungefärbt ist er natürlich sowieso. Also Whisky as we get it!
wad: D.h. wenn sich ein Fitzelchen von der Fasswand abgelöst hat, dann landete das in der Flasche?
G.S.: In einigen Flaschen sind kleine Partikel zu sehen, da wir immer solange abgefüllt haben, bis zuviel Fragmente mitkamen. Das vierte Fass ist übrigens weiterhin auf Helgoland. Über eine Abfüllung haben wir noch nicht erschieden und da die ganze Aktion so gut verlaufen ist, werden wir im Frühjahr weitere Fässer nach Helgoland bringen. Da wird dann auch getorftes Destillat von "Amrut" dabei sein, hoffe ich.
wad: Gibt es eigentlich getorftes Malz in Indien?
G.S.: Nein, wenn man bei "Amrut" getorftes Malz nimmt, dann kauft man das vorher in Schottland. Dort weiß man einfach, wie man das perfekt macht. In Indien gibt es Malz bzw. Gerste, aber kein Torf. Es ist einfach zu warm dort.
wad: Und Helgoland? Gibts da Torf?
G.S.: Nein, Helgoland ist ja eine winzige Insel, die man in einer Dreiviertelstunde gemütlich zu Fuß umrundet hat. Interessant beim "Herald" ist v.a. auch der Unterschied beim Klima. In Bangalore ist es sehr heiß und der angels' share liegt bei 12-15% gegenüber Schottland mit 2-3%.
wad: Das habe ich gelesen. Aber wie stellen sich die Toleranzen in Sachen Temperaturunterschied in Indien dar? In den USA kennen wir ja das Phänomen, dass die Unterschiede bei der Reifung im gleichen Warehouse eklatant sein können, je nachdem ob das Fass oben oder unten liegt.
G.S.: Ja, das gibt es in Indien auch. Durch die Hitze in den oberen Regionen der Lagerhäuser kann es vorkommen, dass der Alkoholgehalt während der Reifezeit noch steigt. Auf Helgoland geht es dann mit einem sehr gemäßigten Klima weiter, was sehr gut für die Harmonisierung ist. Das ist ein wesentlicher Effekt, den wir beim "Herald" erzielt haben.
wad: A propos Effekt, welche Fässer wurden beim "Herald" verwendet?
G.S.: Hier haben wir Bourbonfässer gehabt und zwar Barrels und keine Hogsheads. "Amrut" verwendet in erster Linie Ex-Bourbonfässer und belässt diese immer in der Originalgröße. Dazu kommen 8-10% frischer Eichenfässer und auch Sherryfässer wie beim "Intermediate" (Ex-Bourbon + Fresh Oak, dann Sherry, dann wieder Ex-Bourbon).
wad: Den "Amrut Portonova" (Ex-Bourbon + Fresh Oak, dann Portwein, dann wieder Ex-Bourbon) haben Sie nicht hier auf der Messe?
G.S.: Nein, der "Portonova" war ein Experiment mit letztlich 300-400 Flaschen und wir haben für Deutschland nur 60 davon erhalten, die am gleichen Tag an die Händler rausgingen. Daher haben wir davon nichts mehr hier am Stand.
wad: Danke für die Informationen.
Mir persönlich hatte Bibleauthor Jim Murray vor rund zwei Jahren die Scheu vor den Exoten aus Indien genommen, der die mit viel schottischen Know-How ans Laufen gebrachte Destillerie regelmäßig lobend erwähnt. Aber nicht nur er, sondern auch Institutionen wie die Malt Maniacs haben "Amrut"-Whiskies schon ausgezeichnet. Dem Einsteiger sei der preisgünstige aber nicht weniger exotische "Amrut Fusion" aus der regulären Single Malts Range ans leicht getorfte Herz gelegt.
"Amrut" Single Malts sind bei zahlreichen Onlinehändlern in Deutschland erhältlich - "Amrut Herald" kostet rund 85-90 EUR / 0,7l.
Das letzte Baby der Norddeutschen heißt "Amrut Herald" - ein indischer Single Malt, der auf der Insel Helgoland gelagert und abgefüllt wurde - quasi "indo-germanischer" Stoff also, wie zu lesen war. Geschäftsführer Gerd Schmerschneider stand mir während der "Finest Spirits" in München Rede und Antwort.whatadrink!: Herr Schmerschneider, "Prineus" ist der Generalimporteur für "Amrut" in Deutschland und Sie erledigen auch die Distribution. Der "Herald" ist 2011 auf den Markt gekommen. Wie kam es zu dieser Abfüllung?
Gerd Schmerschneider: Es ging damit los, dass mich Ashok Chokalingam, der Repräsentant von "Amrut", der für den weltweiten Vertrieb zuständig ist, vor ein paar Jahren gefragt hat, ob man nicht so etwas ähnliches wie den "Amrut Two Continents", also einen Whisky, der zuerst in Bangalore und dann in einem Land nördlich von England gelagert wurde und auch aus europäischem und nicht nur indischem Getreide gemacht ist, mal mit Deutschland machen könnte. Wir haben uns dann gefragt: Wo können wir diesen Whisky lagern? Wir haben natürlich ein Lagerhaus in Kiel, das wäre ganz nett, ist aber nichts Spektakuläres. So kamen wir auf die Idee, Whisky auf die Insel Helgoland zu bringen, weil man, um Whisky zu lagern ein Zolllagerhaus braucht. Und, da Helgoland weiter zollfrei ist und zoll- und mehrwertsteuertechnisch nicht zur EU gehört, habe ich dort einen Händler, den ich sehr gut kenne, gefragt, ob wir in seinem Lagerhaus vier Fässer unterbringen können.
So reiften die Fässer nochmal eineinhalb Jahre auf der Insel. Zwischendurch wurden immer wieder Proben gezogen bis wir gesagt haben: So, jetzt füllen wir ab. Dann haben wir das ganze Equipment dafür, d.h. Flaschen, Korken, eine kleine Pumpe, Kaspelmaschine, Etiketten (übrigens von Hand beschriftet, da ja nicht klar war, wieviele Flaschen man mit welchem Alkoholgehalt abfüllen würde) und Alkoholmessgerät, rübergebracht und an einem Wochenende mit 10 Leuten drei Fässer abgefüllt. Das vierte Fass sollte eigentlich auch geleert werden, aber im Verlauf der Aktion stellte sich heraus, dass Verpackung und Flaschen nur für drei Fässer reichen sollten. Es war mehr Whisky drin, als zu vermuten war. Insgesamt ergaben sich so rund 750 Flaschen, von denen die Abfüllungen aus einem Fass für den deutschen Markt, aus dem zweiten Fass für den Händler auf Helgoland und die aus dem dritten Fass für "Resteuropa" zur Verfügung stehen. Meiner Meinung nach ist der Whisky aus Fass 2868 der beste der drei. Unsere beschriebene Abfüllmethode führte auch zu der Besonderheit, dass der Whisky wirklich vollkommen unfiltriert direkt aus dem Fass durch einen Schlauch in die Flasche gekommen ist. Ungefärbt ist er natürlich sowieso. Also Whisky as we get it!
wad: D.h. wenn sich ein Fitzelchen von der Fasswand abgelöst hat, dann landete das in der Flasche?
G.S.: In einigen Flaschen sind kleine Partikel zu sehen, da wir immer solange abgefüllt haben, bis zuviel Fragmente mitkamen. Das vierte Fass ist übrigens weiterhin auf Helgoland. Über eine Abfüllung haben wir noch nicht erschieden und da die ganze Aktion so gut verlaufen ist, werden wir im Frühjahr weitere Fässer nach Helgoland bringen. Da wird dann auch getorftes Destillat von "Amrut" dabei sein, hoffe ich.
wad: Gibt es eigentlich getorftes Malz in Indien?G.S.: Nein, wenn man bei "Amrut" getorftes Malz nimmt, dann kauft man das vorher in Schottland. Dort weiß man einfach, wie man das perfekt macht. In Indien gibt es Malz bzw. Gerste, aber kein Torf. Es ist einfach zu warm dort.
wad: Und Helgoland? Gibts da Torf?
G.S.: Nein, Helgoland ist ja eine winzige Insel, die man in einer Dreiviertelstunde gemütlich zu Fuß umrundet hat. Interessant beim "Herald" ist v.a. auch der Unterschied beim Klima. In Bangalore ist es sehr heiß und der angels' share liegt bei 12-15% gegenüber Schottland mit 2-3%.
wad: Das habe ich gelesen. Aber wie stellen sich die Toleranzen in Sachen Temperaturunterschied in Indien dar? In den USA kennen wir ja das Phänomen, dass die Unterschiede bei der Reifung im gleichen Warehouse eklatant sein können, je nachdem ob das Fass oben oder unten liegt.
G.S.: Ja, das gibt es in Indien auch. Durch die Hitze in den oberen Regionen der Lagerhäuser kann es vorkommen, dass der Alkoholgehalt während der Reifezeit noch steigt. Auf Helgoland geht es dann mit einem sehr gemäßigten Klima weiter, was sehr gut für die Harmonisierung ist. Das ist ein wesentlicher Effekt, den wir beim "Herald" erzielt haben.
wad: A propos Effekt, welche Fässer wurden beim "Herald" verwendet?
G.S.: Hier haben wir Bourbonfässer gehabt und zwar Barrels und keine Hogsheads. "Amrut" verwendet in erster Linie Ex-Bourbonfässer und belässt diese immer in der Originalgröße. Dazu kommen 8-10% frischer Eichenfässer und auch Sherryfässer wie beim "Intermediate" (Ex-Bourbon + Fresh Oak, dann Sherry, dann wieder Ex-Bourbon).
wad: Den "Amrut Portonova" (Ex-Bourbon + Fresh Oak, dann Portwein, dann wieder Ex-Bourbon) haben Sie nicht hier auf der Messe?
G.S.: Nein, der "Portonova" war ein Experiment mit letztlich 300-400 Flaschen und wir haben für Deutschland nur 60 davon erhalten, die am gleichen Tag an die Händler rausgingen. Daher haben wir davon nichts mehr hier am Stand.
wad: Danke für die Informationen.
Mir persönlich hatte Bibleauthor Jim Murray vor rund zwei Jahren die Scheu vor den Exoten aus Indien genommen, der die mit viel schottischen Know-How ans Laufen gebrachte Destillerie regelmäßig lobend erwähnt. Aber nicht nur er, sondern auch Institutionen wie die Malt Maniacs haben "Amrut"-Whiskies schon ausgezeichnet. Dem Einsteiger sei der preisgünstige aber nicht weniger exotische "Amrut Fusion" aus der regulären Single Malts Range ans leicht getorfte Herz gelegt.
"Amrut" Single Malts sind bei zahlreichen Onlinehändlern in Deutschland erhältlich - "Amrut Herald" kostet rund 85-90 EUR / 0,7l.
Samstag, 8. Oktober 2011
Horse's Neck - A Popular Summer Drink
Der "Horse's Neck" (oder auch "Horses' Neck") war definitiv mein Sommerlongdrink 2011. Das ist keine große (und auch keine kleine) Sensation, war für mich aber Anlass genug dem Drink einmal auf den Grund zu gehen. Das heutzutage weitverbreitete Rezept sieht bekanntermaßen so aus:
5-6cl Bourbon Whiskey
2 Dashes Angostura Bitters
Ginger Ale
Glas: Highball/Collins
Deko: Zitronenspirale
Die Schale einer ganzen Zitrone wird spiralförmig in einem Stück abgeschält und dann so ins Glas "gehängt", dass ein Ende über den Glasrand hinausragt. Eiswürfel, Bourbon und Bitters dazu, mit Ginger Ale auffüllen und kurz umrühren.
Blicken wir auf diese doch relativ simple Rezeptur, so stehen wir auch gleich vor einem historischen Mysterium: Der Drink enthielt zunächst offenbar weder Bourbon noch Bitters, sondern war eigentlich nur ein durch die Zitronenspirale aufgepepptes Ginger Ale! Die Bezeichnung leitet sich von der über den Glasrand ragenden Schale ab, die - leicht eingerollt - durchaus dem eleganten Kopf eines rassigen Rennpferdes ähneln kann (auf dem obigen Foto - naja - eher nicht). Wohl auch nur wegen diesem einprägsamen Namen und dem damit einhergehenden Bezug zum seinerzeit äußerst beliebten Pferdesport fand das alkoholfreie Getränk Einlass in zahlreiche Publikationen des ausklingenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Mehr dazu und zum aufsehenerregenden "Billing's Horseback Dinner" findet sich hier.
Der 2010 erschienene Leitfaden "Cocktailian" bestätigt die Geburt als "Mocktail" und verweist bezüglich der alkoholischen Version auf "Harry Johnson's Bartender's Manual" (1888), wo bereits die heute aktuelle Zusammensetzung wiedergegeben wurde. In der mir vorliegenden Ausgabe von 1900 steht geschrieben:
Horse's Neck
(Use a large size fizz glass.)
Peel a lemon in one long string, place in glass, so that one end hangs over the head of glass;
2 or 3 dashes of bitters (Boker's genuine only);
1 wine glass whiskey, rye, Scotch, or Irish, as requested;
3 or 4 lumps of broken ice;
Fill up with syphon vichy, or ginger ale, if required.
So weit - so gut. Interessanterweise führen eine ganze Reihe (insbesondere später erschienener) renommierter Cocktailbüchlein lediglich das alkoholfreie Pferd (z.B. "Modern American Drinks" von George J. Kappeler - 1895, "Drinks" von Jacques Straub - 1914, "Recipes" herausgegeben von der "Chicago Bartenders and Beverage Dispensers' Union" - 1945, "688 Recipes For Drinks" herausgegeben von der "Herbert Jenkins Limited" - 1934, "Jack's Manual" von Jacob A. Grohusko - 1933, "Bottoms Up" von Ted Saucier - 1951) während praktisch parallel dazu andere Quellen Whiskey, Brandy, Rum oder Gin und zum Teil auch Bitters hinzufügen (z.B. "Der Mixologist" von Carl A. Seutter - 1909, "World Drinks" von "Cocktail Bill" Boothby - 1934, "The Saloon In The Home..." von Ridgely Hunt & George S. Chappell - 1930, "What'll Have?" von Julien J. Proskauer - 1933). Ein wenig aus der Reihe tanzt ein Werbeheftchen von "Dr. Siegert's Angostura Bitters" (1908), wo der "Horse's Neck" gleich zweimal auftaucht: Einmal die bekannte Version ohne Spirituosen und ohne Bitters (!) - und einmal die folgende außergewöhnliche Beschreibung:
"Place square block of ice and the peel of one lemon in tall glass; add one bottle ginger-ale; put one loaf of sugar in teaspoon and saturate thoughly with Angostura Bitters. Drop the sugar and Bitters gently on top of the ice and lemon peel so that the Bitters will percolate slowly through the drink."
David A. Embury gibt in seinem großartigen "The Fine Art Of Mixing Drinks" (1948) eine Erklärung für das beschriebene Rezeptedurcheinander. Zunächst wäre der "Horse's Neck" ein Whiskeydrink gewesen, der dann zu einem Prohibitiondrink - eben unter Verzicht auf den Whiskey - wurde. Anschließend kam nach Embury die Ginversion hinzu. Die alkoholfreie Variante heißt bei ihm "Plain Horse's Neck" und die mit Gin, Scotch, Irish, Rye, Rum, Applejack oder Bourbon zubereitete "Horse's Neck With A Kick". In Robert Vermeires "Cocktails - How To Mix Them" (1922) nennt sich dieses Tierchen "Stiff Horse's Neck". Beide verzichten ebenso wie Harry MacElhone in "Harry's ABC..." (1919) auf jeglichen Zusatz von Cocktailbitters.
Hm. Also ich bin jetzt kein bisschen klüger als vor dieser kleinen Studie. Offenbar gab es Jahrzehnte lang keine strikte Linie außer "spiralförmige Schale und Ginger Ale". Auch recht. Was ich aber sicher weiß ist, dass mir das Pferdchen mit einem sanften (z.B. "Maker's Mark" oder "Pure Kentucky XO") wie mit einem kräftigeren Bourbon (z.B. "Wild Turkey Rare Breed") ebenso gut mundet wie mit einem würzigen Rye (z.B. "Sazerac 18y"), denn die Verbindung mit der frischen Zitronenzeste, feinen Bitters und einem spritzigen Ginger Ale ergibt eine belebende und bestens ausbalancierte Mischung. Mittlerweile hat sich nach meinen Beobachtungen die Zubereitungspraxis des Münchner Lokals "Schumann's" verbreitet, wo der Angostura auf die Innenseite der Zitronenspirale aufgetragen wird. Sehr elegant!
5-6cl Bourbon Whiskey
2 Dashes Angostura Bitters
Ginger Ale
Glas: Highball/Collins
Deko: Zitronenspirale
Die Schale einer ganzen Zitrone wird spiralförmig in einem Stück abgeschält und dann so ins Glas "gehängt", dass ein Ende über den Glasrand hinausragt. Eiswürfel, Bourbon und Bitters dazu, mit Ginger Ale auffüllen und kurz umrühren.
Blicken wir auf diese doch relativ simple Rezeptur, so stehen wir auch gleich vor einem historischen Mysterium: Der Drink enthielt zunächst offenbar weder Bourbon noch Bitters, sondern war eigentlich nur ein durch die Zitronenspirale aufgepepptes Ginger Ale! Die Bezeichnung leitet sich von der über den Glasrand ragenden Schale ab, die - leicht eingerollt - durchaus dem eleganten Kopf eines rassigen Rennpferdes ähneln kann (auf dem obigen Foto - naja - eher nicht). Wohl auch nur wegen diesem einprägsamen Namen und dem damit einhergehenden Bezug zum seinerzeit äußerst beliebten Pferdesport fand das alkoholfreie Getränk Einlass in zahlreiche Publikationen des ausklingenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Mehr dazu und zum aufsehenerregenden "Billing's Horseback Dinner" findet sich hier.Der 2010 erschienene Leitfaden "Cocktailian" bestätigt die Geburt als "Mocktail" und verweist bezüglich der alkoholischen Version auf "Harry Johnson's Bartender's Manual" (1888), wo bereits die heute aktuelle Zusammensetzung wiedergegeben wurde. In der mir vorliegenden Ausgabe von 1900 steht geschrieben:
Horse's Neck
(Use a large size fizz glass.)
Peel a lemon in one long string, place in glass, so that one end hangs over the head of glass;
2 or 3 dashes of bitters (Boker's genuine only);
1 wine glass whiskey, rye, Scotch, or Irish, as requested;
3 or 4 lumps of broken ice;
Fill up with syphon vichy, or ginger ale, if required.
So weit - so gut. Interessanterweise führen eine ganze Reihe (insbesondere später erschienener) renommierter Cocktailbüchlein lediglich das alkoholfreie Pferd (z.B. "Modern American Drinks" von George J. Kappeler - 1895, "Drinks" von Jacques Straub - 1914, "Recipes" herausgegeben von der "Chicago Bartenders and Beverage Dispensers' Union" - 1945, "688 Recipes For Drinks" herausgegeben von der "Herbert Jenkins Limited" - 1934, "Jack's Manual" von Jacob A. Grohusko - 1933, "Bottoms Up" von Ted Saucier - 1951) während praktisch parallel dazu andere Quellen Whiskey, Brandy, Rum oder Gin und zum Teil auch Bitters hinzufügen (z.B. "Der Mixologist" von Carl A. Seutter - 1909, "World Drinks" von "Cocktail Bill" Boothby - 1934, "The Saloon In The Home..." von Ridgely Hunt & George S. Chappell - 1930, "What'll Have?" von Julien J. Proskauer - 1933). Ein wenig aus der Reihe tanzt ein Werbeheftchen von "Dr. Siegert's Angostura Bitters" (1908), wo der "Horse's Neck" gleich zweimal auftaucht: Einmal die bekannte Version ohne Spirituosen und ohne Bitters (!) - und einmal die folgende außergewöhnliche Beschreibung:
"Place square block of ice and the peel of one lemon in tall glass; add one bottle ginger-ale; put one loaf of sugar in teaspoon and saturate thoughly with Angostura Bitters. Drop the sugar and Bitters gently on top of the ice and lemon peel so that the Bitters will percolate slowly through the drink."
David A. Embury gibt in seinem großartigen "The Fine Art Of Mixing Drinks" (1948) eine Erklärung für das beschriebene Rezeptedurcheinander. Zunächst wäre der "Horse's Neck" ein Whiskeydrink gewesen, der dann zu einem Prohibitiondrink - eben unter Verzicht auf den Whiskey - wurde. Anschließend kam nach Embury die Ginversion hinzu. Die alkoholfreie Variante heißt bei ihm "Plain Horse's Neck" und die mit Gin, Scotch, Irish, Rye, Rum, Applejack oder Bourbon zubereitete "Horse's Neck With A Kick". In Robert Vermeires "Cocktails - How To Mix Them" (1922) nennt sich dieses Tierchen "Stiff Horse's Neck". Beide verzichten ebenso wie Harry MacElhone in "Harry's ABC..." (1919) auf jeglichen Zusatz von Cocktailbitters.
Hm. Also ich bin jetzt kein bisschen klüger als vor dieser kleinen Studie. Offenbar gab es Jahrzehnte lang keine strikte Linie außer "spiralförmige Schale und Ginger Ale". Auch recht. Was ich aber sicher weiß ist, dass mir das Pferdchen mit einem sanften (z.B. "Maker's Mark" oder "Pure Kentucky XO") wie mit einem kräftigeren Bourbon (z.B. "Wild Turkey Rare Breed") ebenso gut mundet wie mit einem würzigen Rye (z.B. "Sazerac 18y"), denn die Verbindung mit der frischen Zitronenzeste, feinen Bitters und einem spritzigen Ginger Ale ergibt eine belebende und bestens ausbalancierte Mischung. Mittlerweile hat sich nach meinen Beobachtungen die Zubereitungspraxis des Münchner Lokals "Schumann's" verbreitet, wo der Angostura auf die Innenseite der Zitronenspirale aufgetragen wird. Sehr elegant!
Dienstag, 6. September 2011
Nikka Perfect Serve - oder: How To Clean Up Your Ass
Die guten Nachrichten vorneweg: Am gestrigen Nachmittag wurden in Münchens "Goldener Bar" weder der "Ass Cleaner"-Cocktail (der in einer doppelt gerollten Klorolle serviert wird) noch eine neue Art des Bartending erfunden. Beim "Nikka Perfect Serve" ging es vielmehr um das hier und da seit einiger Zeit bemerkbare Bestreben der Barszene sich weniger um sich selbst zu drehen als vielmehr den Gast als solchen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Ein anspruchsvoller Wettbewerb fand auch noch statt...

Zunächst gab Stanislav Vadrna, Leiter des "Analog. Bar Institute", "Europe's Japanese Bartender Number One" und Brand Ambassador für "Nikka" einen Einblick in sein (Bar)Weltbild und seine Auffassung von modernem, klassischen Bartending. Mit dem Mantra "ichi-go - ichi-e" stellt er den Moment als nicht wiederkehrende Chance in den Mittelpunkt seines Konzepts und erläutert Begriffe wie "Sprezzatura", den Geist von Aloha und zieht Parallelen zur japanischen Teezeremonie. Aha. Nun sollten einige der von Vadrna gezeigten kleinen Praxisbeispiele eigentlich die Basis des Bartenderhandwerks sein, manchmal sind sie es aber nicht. Und um beim Rühren eines Drinks innerlich zu tanzen und jede Bewegung mit schlichter Eleganz und Lässigkeit auszuführen gehört mehr als nur ein guter Vorsatz und ein bisschen Übung. Mir persönlich haben Stan und seine Botschaft sehr gut gefallen und die anwesenden Profis haben sie sicher verstanden (und nicht nur gehört).
Beim anschließenden "Nikka Perfect Serve Contest" mussten die Teilnehmer in 15 Minuten zum einen drei verschiedene "Mizuwaris" mit verschiedenen "Taketsuru"-Abfüllungen (12, 17, 21 Jahre) und zum anderen drei Klassiker (Manhattan, Whisky Sour, O.F.) mit "Nikka From The Barrel" in einer gespielten Thekenszene für drei Gäste fabrizieren und servieren. Am besten gelang dies Maxim Kilian (Beyond Saloon, Frankfurt am Main), der Deutschland in Kürze beim Finale in Paris vertreten wird und dort die Chance hat eine Reise nach Japan zu gewinnen. Ich wünsche viel Erfolg! Beim Londoner "Perfect Serve" hatte UK-Sieger Rusty Cerven (The Coburg Bar At The Connaught Hotel, London) übrigens mit eigens engagierter Geisha (!) aufwarten können.
Natürlich konnten auch noch einige Nikka Whiskys probiert werden. Ich fand den erstklassigen "From The Barrel", der keineswegs eine Singlebarrelabfüllung o.ä., sondern ein äußerst preiswerter Blend aus zwei Malts der Brennereien "Miyagikyo" und "Yoichi" und einem Grainwhisky mit satten 54,1% Vol. ist, und den "Taketsuru 21 Years" (ein hochdekorierter geblendeter "Pure Malt" mit 43% Vol.) am eindrucksvollsten. Mein Lieblingsjapaner ist übrigens der untypische "Nikka Coffey Malt". Aber das ist eine andere Geschichte...Weitergucken: Pictureshow on Facebook (copyright Barzirkel München 2011)
Weiterlesen: Ein lesenswerter Artikel über Japans Whiskys findet sich in der aktuellen Ausgabe 3/2011 des "Whiskybotschafters" und (kleiner Nachtrag) auch das Magazin "Mixology" hat mittlerweile über die beschriebene Veranstaltung berichtet.
Freitag, 19. August 2011
Meet The Maker & Mint Infusions
"Maker's kenn ich längst!" So und ähnlich hatte der ein oder andere geladene Gast sein Desinteresse an der 2011er Ausgabe von "Meet The Maker" im und um Münchens "Shane's Restaurant" bzw. der in unmittelbarer Nachbarschaft beheimateten "B-Bar" von Bill Fehn erklärt. Versäumt wurde so nicht nur die Vorstellung von Greg Davis als neuem "Maker's Mark" Master Distiller und dem neuen Gesicht von "Maker's" in Deutschland, Tanja Bempreiksz, sondern auch ein Sachvortrag von "Professor" Stephan Hinz, seines Zeichens Spirituosen- und Cocktailconsultant, Barkeeper und Cocktailwettbewerb-Seriengewinner aus Köln. Aber der Reihe nach...

Nach den standesgemäßen Begrüßungsdrinks (sehr fein: Bill's "Loretto Iced Tea" mit MM, Apricot infused Schwarztee, Minze, Ananas und Sodawasser) erzählte uns Greg Davis Wissenswertes über die Produktion von "Maker's Mark" und leitete durch die bekannte Tastingrunde (wobei mir der knackige "Over Matured" wieder besonders gefiel). Für die Veranstaltung in Bayerns Hauptstadt hatte "Maker's Mark" in Gestalt von "Beam Global Deutschland" den (noch) amtierenden "Mixologen des Jahres", Stephan Hinz, als Referent zum Thema "Infusionen" gewinnen können, und so wurde dieses Thema ausgiebig erläutert und im Rahmen eines Blindtastings ausgiebig erschnuppert und erschmeckt.
Maestro Hinz hatte sich im Vorfeld zur Aufgabe gemacht 300 Gramm marokkanische, krause Minze (sehr frisch im Geschmack, viel Menthol, wenig erdige Züge) mit 0,7l "Maker's Mark" zu verbinden. Dazu wählte er die Wege der (kontrollierten) Perkulation (mit einem 1-Meter langen Schlauch), eine 30-minütige Mazeration, das 2-tägige Aging des Mazerats (im 5-Liter-Eichenfass bzw. in einer Glasflasche), eine quick-and-dirty Methode bei der rund 6 Bar Druck (im Soda- bzw. Sahnesiphon) zugegeben werden und es wurde sogar vaporisiert (Verdampfung) bzw. gesmoket. Unter die Proben hatte sich auch der bereits gesüßte Premix "Maker's Mark Julep" geschlichen. Während der Premix, das geagdte (?) und das gesmokte Resultat leicht zu erkennen waren, gab es zwischen den restlichen Proben zwar gewisse durchaus bemerkenswerte Unterschiede, die Zuordnung fiel aber schwer. Irgendwie hatte mir der geräucherte Minzbourbon am meisten zugesprochen.
Während des anschließenden, ausgezeichneten Barbeques hatte ich die Möglichkeit zu zwei kleinen Interviews mit Greg Davis und Tanja Bempreiksz. Äh, Ladies first...whatadrink: Tanja, dich kennen viele aus deiner Zeit in der Redaktion von "Mixology". Was hast du vorher eigentlich gemacht?
Tanja Bempreiksz: In der Gastronomie war ich vor allem in Berlin, Hannover und Bremen beschäftigt. Dann war ich auch eine Zeit lang Barchefin in der Schweiz und in Neuseeland habe ich auch gearbeitet. Parallel zu meiner "Bar-Weltreise" begann da auch meine Arbeit für "Mixology" mit Reiseberichten aus Neuseeland, Australien, Kanada und den U.S.A.
wad: Jetzt bist Du aber bei "Maker's Mark" als Brand Ambassador für Deutschland. Wie ist das Team in Deutschland strukturiert?
TB: "Beam Global" ist gerade nach Frankfurt umgezogen und dort ist Lydia Sahr die Brandmanagerin für "Maker's Mark" und damit auch meine Chefin. Das Marketingteam bei "Beam Global" ist natürlich sehr groß.
wad: Ein gut eingeführtes Produkt wie MM zu promoten und neue Dinge wie "MM Mint Julep" oder "Maker's 46" vorzustellen erscheint relativ einfach. Stimmt das?
TB: Ja, das ist schon so. Gerade die Barszene kennt das Produkt schon sehr gut. Bei Endverbrauchertastings stelle ich aber fest, dass nicht alle "Maker's Mark" kennen, aber dann sehr begeistert sind, wenn sie ihn erstmals probiert haben. Gerade ältere Scotchfans sind sehr zugänglich, wenn man ihnen Bourbon erklärt und näher bringt. Ein schlechtes Bourbonimage geht dann - sofern vorhanden - auch schnell verloren.
wad: Wie sieht Dein Aufgabengebiet in kurzen Stichpunkten aus?
TB: Umsetzen der Marketingideen, Tastings, Schulungen, Events, Wettbewerbe unterstützen, Bartendernetzwerke aufbauen und pflegen, Off-Trade usw. - einfach alles um die Marke sichtbarer, erlebbarer und greifbarer zu machen.
wad: Jetzt die klassische Frage - Wann kommt "Maker's 46" offiziell nach Deutschland?
TB: Der Status ist hier weiterhin "Er kommt - Wir wissen aber nicht wann". Man hat den "46" mittlerweile in Kanada eingeführt und ich weiß von ein paar Fachgeschäften in Deutschland, die die Abfüllung - allerdings zu recht hohen Preisen - anbieten.
Greg Davis: Ja, wir schließen einmal im Jahr um unser Equipment zu kontrollieren und zu überholen. Zudem lässt sich in dieser Zeit auch etwas austauschen ohne die Produktion zu beeinflussen. Diesmal expandieren wir auch ein bisschen.
wad: Sie machen das im Sommer?
GD: Ja, da viele Prozesse mit Dampf angetrieben werden, macht es Sinn zur heißesten Zeit des Jahres die Anlagen abzuschalten - dieses Jahr für vier Wochen.
wad: Wir kennen alle die malerischen Fotos der historischen "Maker's Mark"-Destillerie in Loretto. Vor Ort waren aber nur die wenigsten. Was war Ihr erster Eindruck, als Sie dort vor knapp über einem Jahr als Master Distiller mit der Arbeit begannen?
GD: In der Bourbonindustrie bin schon seit rund 20 Jahren aktiv. Nun, wenn man einen Wechsel vollzieht, denkt man zuerst immer "Oje, was hab ich jetzt gemacht.". Aber dann konzentriert man sich auf das, zu was man eigentlich dort ist. In diesem Fall auf die Herstellung von Bourbon.
wad: Sie waren vorher in der "Tom Moore Distillery"?
GD: Ja stimmt. Die ist etwa zehnmal so groß. Dort ist vieles automatisiert, was wir bei MM von Hand machen. Ich denke, dass sich das auch bei der Qualität zeigt.
wad: Wieviele Brennanlagen hat "Maker's Mark"?
GD: Seit der Erweiterung 2002 laufen zwei Stills und zwei Doubler - also zwei komplette Anlagen.
wad: Sie haben uns heute erzählt, dass Sie Mais und Weizen jeweils von einer lokal angesiedelten Familie kaufen. Können Sie uns etwas über die Eigenschaften dieser Rohstoffe sagen? Ist das auch "Bioqualität"? Bei der Herstellung von Scotch Whisky gibt es - wenn auch bei relativ kleinen Produzenten - den Trend zur Herstellung von "organic spirit" bzw. Whisky, der nur aus Ausgangsstoffen aus der unmittelbaren Umgebung der Brennerei gemacht wird.
GD: Unser Mais ist vollkommen frei von gentechnischen Veränderungen. Wir testen auch jede Charge, die bei uns ankommt. Bei unserem roten Winterweizen stellt sich diese Frage nicht. Unsere beiden Partner beliefern uns schon ewig und wissen genau, was wir brauchen. Es ist wirklich eine sehr enge Verbindung, die unsere Getreideproduzenten so zu uns haben.
wad: Wird bei der Abfüllung des frischen "white dog" ins Fass eigentlich ein Headspace gelassen oder wird das Fass "bis zum Rand" befüllt?
GD: Wir füllen das Fass immer komplett. Allerdings absorbiert es schon in den ersten Tagen eine gewisse Menge und es entsteht ein Headspace. Der durchschnittliche Verlust ("angels' share") beträgt im Verlauf der Lagerzeit dann rund 4% pro Jahr. Es fehlen am Ende also 20-25% an Flüssigkeit.
wad: Da wir grade bei den Fässern sind. Wo kauft MM die Fässer oder haben Sie eine eigene Küferei?
GD: Nein, wir konzentrieren uns auf unseren Job Bourbon zu produzieren. Unsere Fässer kommen zu 100% von "Independent Stave". MM Barrels unterscheiden sich von den "normalen" Bourbonfässern durch die einjährige Lagerzeit der Dauben vor der Verarbeitung. Auch das ist übrigens eine lange Partnerschaft.
wad: Noch eine Frage zum "Maker's Mark Mint Julep", der seit einigen Wochen in Deutschland offiziell erhältlich ist und den ich persönlich sehr gut finde. Stellen Sie den Premix selbst her oder ist das ein Lizenzprodukt?
GD: Wir machen das selbst, denn wenn wir es nicht selbst machen würden, wäre es nicht mehr länger "Maker's Mark". Der "MM Mint Julep" wird auch nur im Frühjahr vornehmlich für das Kentucky Derby produziert.
wad: Einige Produzenten - auch von Bourbon - setzen auf limitierte und hochpreisige Single Barrel-Abfüllungen u.ä. als Premiumausgabe. In den Neunzigern gab es zuletzt limitierte MM-Abfüllungen. Ist ein Abfüllung in dieser Richtung ein Thema für die nähere Zukunft von MM?
GD: Nein, wir denken nicht darüber nach. Es hat über 50 Jahre gedauert bis mit "Maker's 46" nach dem "Red Wax" ein zweiter "Maker's Mark" kreiert wurde. Ich denke, es wird noch einmal 50 Jahre dauern, bis etwas ähnliches nachkommt.
wad: In welchem Land verkaufen Sie eigentlich am meisten Bourbon außerhalb der U.S.A.?
GD: Ah, das ist Australien. Dort wird sehr viel Bourbon getrunken.
wad: Dort wurde der Ready-To-Drinbk-Hype aber durch Gesetz eingeschränkt.
GD: Ja genau. Es ging dort sehr viel Bourbon in RTD-Abfüllungen bis die Besteuerung in diesem Bereich geändert wurde. Aber dort wird weiterhin sehr viel Straight Bourbon getrunken. Wir sehen aber Deutschland auch als Tor zu anderen europäischen Ländern und deren Märkten, da in Deutschland viel Bourbon getrunken wird und auch sehr viel guter Bourbon auf dem Markt ist. Das gefällt uns in Kentucky natürlich.
wad: Flavoured Bourbon ist ein Trend, der jetzt auch in Deutschland angekommen ist. Geben Sie dieser Sache größere Zukunftsaussichten?
GD: Uns interessiert das eigentlich nicht, da wir uns auf den reinen Bourbongeschmack konzentrieren. Ich denke, was heute neu ist, kann morgen schon vergessen sein.
wad: "Maker's Mark" White Dog wird weiterhin nur in der Destillerie zu haben sein?
GD: Ja. NUR in der Destillerie.
Ich darf mich bei Tanja Bempreiksz und Greg Davis nochmals für die freundliche Beantwortung meiner Fragen bedanken.
Übrigens: Über "Maker's Mark" berichtet auch das Magazin FHM in seiner aktuellen Ausgabe unter dem Titel "Whisky-Not im Bourbonland"
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