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Sonntag, 9. Februar 2020

Finest Spirits 2020 - I'm back und der Schaum steht

"I wear my sunglasses at night
So I can, so I can
Forget my name while you collect your claim"

(Sunglasses at night, Corey Hart, 1983)

Viermal hatte ich die größte Münchner Schnapsveranstaltung, die Consumerschau Finest Spirits, geschwänzt. Dieses Jahr war ich der Einladung der neuen Veranstalter (Ja, Frank Böer hat seine Gelddruckmaschine verkauft) gefolgt, auch um zu sehen, was der Meininger Verlag da anders und womöglich besser macht.


Drams, Drams, Drams...

Die Antwort hatte ich schnell auf meinem Block: Nicht viel. Es gab keinen zentralen Shop mehr - man konnte jetzt auch offiziell an den Ständen einkaufen. Die Eintrittspreise (Tagesticket 20 EUR) und das Programm der Masterclasses (komplett online buchbar) erinnerten mich stark an 2015. Schon damals gab es auch Wasserspender für das Publikum, die dort ihr Tastingglas füllen konnten. Ich persönlich finde einen Mineralwasser-Sponsor, der z.B. 0,33l-Flaschen zur Verfügung stellt, irgendwie stilvoller. 


Unschöne Panscherei

Der Themenschwerpunkt 2020 sollte auf Single Malt liegen und so war auch die von Richy Link (Jaded Monkey) geleitete Festivalbar mit Whisky Sours, Rob Roys und Penicillins etc. bestückt. Ein Lichtblick der Trinkkultur! Aus hygienischen Gründen kam beim Sour Fee's Foam (auf Algenbasis) statt Frischeiweiss zum Einsatz. Fazit hier: Der Schaum steht.


Der Richy kanns eben


Zumindest der Schaum steht

Lobenswert darf ich die zahlreichen (inoffiziellen) Verkostungs- und Einkaufsmöglichkeiten bei Raritäten Langer, den Munich Spirits, Whiskywelt und Whiskyburg - um nur einige zu nennen - erwähnen. Solche speziellen Anbieter gehören zu einem Whiskyfestival - neben den Big Boys - einfach mit dazu. 


günstige Drams bei Bruichladdich

Stichpunkt: Vielfalt. Ein bisschen leid taten mir die kleinen Stände mit ihren Nischenprodukten, die in einem schmalen Gang inmitten der Halle versteckt waren - Nische in der Nische sozusagen. Aber ein paar Entdeckungslustige sind auch da vorbeigestolpert. Ansonsten gab es natürlich Unmengen an Gin, Obstler, Rum, Likören (allerdings keinen Schoko-Bananen-Sahnelikör), Craftbier, Chips, Käse, Trockenfleisch (!) usw. zu süffeln und zu genießen. Besonders krass: Ginza Berlin mit brandneuen asiatischen Spezialitäten ohne Ende wie dem recht brauchbaren Kabosu-Likör. Aber bloß weil in Berlin "Sterneköche damit kochen", ist das in München noch lange keine große Nummer.


fiese Drams bei Bruichladdich

Auch wenn es in München mit dem Munich Whisky Market und der 089 Spirits längst Konkurrenz gibt, ist FS weiter die Benchmark. Meininger kann aber sicher hier und da Finetuning betreiben und vielleicht auch den einen oder anderen Big Player (Zitat: "Gibts denn hier keinen Glenfiddschi?") anlocken. 


Bei Ardbeg / Glenmorangie gabs diesmal nix Neues

Als guter Gast des Veranstalters, der kürzlich auch noch das Mixology Barmagazin übernommen hat, das mal eine Art Konkurrenz zum hauseigenen fizzz war, hab ich natürlich die Schnauze gehalten und nicht die Frage "Herr Meininger, wie stehen Sie heute dazu, dass Sie in der Vergangenheit einen freien Journalisten auf die schwarze Liste gesetzt haben, weil der einmal in Mixology eine Wortmeldung von sich gegeben hat, obwohl er vorher jahrelang für Sie geschrieben hat?" gestellt, denn die interessiert das Publikum dieses kleinen, unbedeutenden Blogs ja wahrscheinlich gar nicht, oder?


Bei Nonino werden alte Charles-Schumann-Frisen aufgetragen

Freitag, 11. Dezember 2015

The Last Posts For 2015 - heute: Büchertips

Zwischen zwei Weihnachtsfeiern ist mir diese Woche eingefallen, dass der ein oder andere vielleicht noch ein Präsent für seine Liebsten, sich selbst oder seinen Lieblingsbartender (das solls wirklich geben) sucht. Daher noch schnell ein paar kurze Büchertips (die man natürlich auch nach den Festtagen noch zu Rate ziehen kann). Von links oben im Uhrzeigersinn...

Imbibe! von David Wondrich, englisch: Das ist die jetzt 360 Seiten dicke 2015er Neuauflage des Begleitbuchs zu Jerry Thomas' großartigem "erstem Cocktailbuch der Welt", das auch weiterhin der Frage nachgeht: "What would Jerry Thomas do?" A must! (und das auch für den, der die Erstausgabe schon sein Eigen nennt)

Good Things To Drink From Mr. Lyan & Friends von Ryan Chetiyawardana, englisch, 224 Seiten: Optisch und inhaltlich auf der Höhe der Zeit und vielleicht das Buch, aus dem ich dieses Jahr am meisten "nachgemixt" hab. Warum? Ryan bringt einfache, aber auch inspirierende Rezepte rüber ohne durchgehend mindestens drei bis vier selbstproduzierte Cordials, Infusionen oder Bitters in den Drink zu kippen. Bottled Cocktails, Ananasrum, Schokowein und der perfekte Gin & Tonic sind trotzdem an Bord. That's it! Buy it!

Erkennen Sie den Fehler?

gaz regan's 101 Best New Cocktails Volume IV, englisch, 220 Seiten: In 101 Rezepten von Barkeepern from all over the world (ja auch aus Deutschland) geht es wieder rund um den Globus. Auch hier haben die Profis v.a. praxistaugliche Ideen beigesteuert, wie z.B. eine Kombination aus Mezcal, Kaffee, Amaro, Himbeerlikör und Walnussbitters, die Lust zum Ausprobieren und selber weiter entwickeln machen. Der Meister selbst kommentiert und gibt uns seine Eindrücke und eventuell Tips zum jeweiligen Drink mit an die Hand.

Atlas Du Rhum - Distilleries Des Caraibes Et Dégustation von Luca Gargano, französisch, 223 Seiten: Luca Gargano saust als Chef der italienischen Firma Velier, einem italienischen Rumabfüller, durch die Rumwelt und sorgt so für ständigen Nachschub an außergewöhnlichem Trinkmaterial. Alter Rum ist aber inzwischen sehr teuer und alte Velierabfüllungen eine Kapitalanlage geworden. Da lesen wir während wir unser Taschengeld aufsparen in diesem schönen Buch, das aber kein reiner Bildband ist, sondern auch zahllose Infos und Fakten bietet, und freuen uns auf neue Genusserfahrungen aus der großen Rumwelt. Übrigens: Dirk Becker, Deutschlands Rumbotschafter, hat kürzlich ebenfalls ein Monumentalwerk zu diesem Thema veröffentlicht, das mir aber leider nicht vorliegt. Mein Tip: Kaufen Sie sich beide, wenn Ihnen am Zuckerrohrschnaps liegt.

Liquid Intelligence - The Art And Science Of The Perfect Cocktail von Dave Arnold, englisch, 416 Seiten: Sagen wir es doch so - Das ist kein Buch für die normale und auch noch nicht für ambitionierte Heimbar. Und auch wenn Sie an Ihrer Hotelbar den Gast fragen, ob er Eis in seinen G&T haben möchte oder nicht, sollten Sie die Finger davon lassen. Höchstes Nerdniveau also beim Blick in Daves irr-wissenschaftliche Cocktailküche! State Of The Art und die Anleitung wie man absolute Spitzendrinks in seiner Küche/Bar zubereitet. Nicht mehr - nicht weniger.

Das Beste in München - Der Barguide von Amadeus Danesitz und Alexander Wulkow, deutsch, 125 Seiten: Aus der "Das Beste in München"-Serie gibt es auch eine Ausgabe "Für Frauen". Das erfährt man aber erst, wenn man sich durch das Buch und die Beschreibungen von sage und schreibe 50 Münchner Bars gearbeitet hat. Netterweise haben die beiden Herren (die mir völlig unbekannt sind) jeweils eine Spezialität des Hauses eingesammelt und mitabgedruckt, z.B. den "Woodroof" (Ananassaft, Kokosnusscreme, Rum, Sahne, Zitrone und Waldmeistersirup). Ob der nun mitsamt dem Ort, wo er kredenzt wird, zur Elite der bajuwarischen Cocktailkunst gehört, darf der Leser selbst beurteilen. Ich such derweil nach der Waldmeistersirupflasche... Fazit: Ganz nett zum Durchblättern und ein paar gute Drinks sind auch drin.

Bourbon Curious von Fred Minnick, englisch, 239 Seiten: Der Simple Tasting Guide beginnt mit fast 100 Seiten Grundwissen zum Amerikanischen Bourbon Whiskey. Das ist lesenswert. Minnick ist up-to-date. Im Tasting- oder besser Beschreibungsteil werden die Whiskies in vier Geschmacksgruppen unterteilt. Es gibt z.B. Caramel-Forward Bourbons. Nein, nicht Caramel-Flavoured. Das ist was anderes. Im Großen und Ganzen eine sehr schöne Bestandsaufnahme zu einer DER Boomspirituosen.

The Dead Rabbit Grocery And Grog - Drinks Manual von Sean Muldon, Jack McGarry und Ben Schaffer, englisch, 287 Seiten: Hoppla! Hier sind wir gleich wieder auf ganz anderem Niveau. Die Geschichte des Dead Rabbit wird zunächst ausführlich wiedergegeben. Dann hat der Käufer hier ein sehr schön aufgeputztes Buch in der Hand, das sich im Hauptteil mehr an den Liebhaber möglichst komplizierter Rezepturen wendet, der sich vor der Zubereitung eines Drinks gern zwei Tage mit der Herstellung verschiedenster Ingredenzien beschäftigt. Für den ambitionierten Profi ist es aber sicher ein schöner Fundus für Anregungen. Fazit: Ein Buch für alle, die schon mindestens 200 Cocktailbücher im Regal haben.

Malt Whisky Yearbook 2016, Herausgeber Ingvar Ronde, 290 Seiten: Das alljährliche Kompendium zum Stand des guten alten Maltwhiskies. Wurde hier schon einmal gewürdigt und hat seinen Stellenwert behalten. Aufs Kaffeetischchen damit!

Und noch was: Beim Betrachten der Angebote auf den Seiten der großen Onlinehändler fällt auf, dass seit zwei-drei Jahren scheinbar unendlich viele Bücher zu Gin, Rum, Whisky, Cocktails etc. auf den Markt kommen - v.a. aus den USA und v.a. mit einer retromäßigen Aufmachung. Die Autoren sind zumeist Profis, die aber auch schon über Wanderwege oder Reisen nach Vietnam veröffentlicht haben. Die Ergebnisse ihrer Recherchen sind im Bereich Cocktails/Schnaps dann meist recht übersichtlich. Fundiertes oder Neues wird nicht geboten. Das Abschreiben von Cocktailrezepten aus schon vorhandenen Werken zur Veröffentlichung als eigenes Büchlein war um 1900 ja auch schon in Mode. Kommt eben immer alles wieder...

Sonntag, 1. März 2015

Finest Spirits 2015 - Ardbeg-Ceò-Schmarrn und Whiskyweißwurst

Messebesucher 1: "Ich bin bei Ardbeg und Glenmorangie auf der Blacklist und bekomme nicht mal mehr Infomails."

Messebesucher 2: "Sei doch froh!"

(unbemerkt belauschte Unterhaltung auf dem Spirituosenevent Finest Spirits)

Kehraus in München. Wie dem Leser hier vollmundig versprochen wurde, darf ich einen kurzen Messebericht von der Finest Spirits 2015 vorlegen.

Beginnen wir mit dem Thema Rum, welches dieses Jahr besonders forciert werden sollte. Dazu hatte der Veranstalter einen eigenen Barstand aufgebaut. Da gleich daneben die Münchner Barschule und der Spirituosenhändler Barfish ebenfalls gemixte Drinks anboten, verlor sich manche Besucherin / mancher Besucher in einem geschüttelten bzw. gerühreten Bermudadreieck. Für besonders Wahnsinnige Trinkfreudige hatte gegenüber Mike Werner seine Whiskeybar aufgebaut und verzückte dort mit neuen Bourbons und Ryes aus den USA und Canada - aber auch Old-Fashioneds und Manhattans wurden feilgeboten. Yeah!
 
Aber wir wollten ja über Rum reden. Das gelang den drei Herren vom Berliner Rumdepot offenbar besonders gut, die neben ihrer Eigenabfüllung und einigen süffigen Zuckerrohrbränden auch mit wohlschmeckenden Preziosen aus Japan aufwarten konnten. Wenn mir da nicht mancher Maltman abtrünig geworden ist. Gefehlt hat mir der Rum im Tasting- und Masterclassprogramm aber dann schon a bisserl. Von fast 50 Terminen befassten sich ganze sechs (!) mit Rum - die drei Vorträge zu Havana Club in der Chivas-Tram mitgerechnet. Ansonsten ging es je einmal um Appleton, Zacapa und Ron Aldea - zumindest letztere Marke ist neu auf dem deutschen Markt. Die ersten beiden kommen mir bekannt vor.
Noch was zu den Masterclasses. Die Eintrittspreise liegen mit 20 bzw. 35 EUR für ein Ein- oder Zwei-Tages-Ticket auf normalem Niveau - in München. Für Tastings und Vorträge darf man dann aber jeweils noch 10 bis 23 EUR extra drauflegen. Das mag für drei bis fünf Whiskies gut angelegt sein. Wenn der Vortrag dann aber in die Hose geht, weil der Referent (hier vom Cadenhead-Shop in Köln) akustisch nicht zu verstehen ist und er seine Flaschen nicht so präsentiert, dass auch alle sehen, was sie da im Glas haben, ist das schlicht unprofessionell.
 
(Vodka und Gin aus deutschen Landen)
Weiter bestens vertreten waren aber auch klare Brände. Aufgefallen sind mir dabei besonders positiv der gschmackige Vodka Vodrock aus dem schönen Niederbayern (ich sage nur Awaloff-Verfahren), der frische, citruslastige Bodensee Dry Gin von Senft und die beiden brandneuen maritimen Gins namens Marlin und Orca aus dem Hause Charles Hosie, die von Brennmeister Mario Gallone entwickelt wurden und in Kürze auf den Markt kommen. 26 Botanicals (u.a. Zedernholz) und One-Shot-Verfahren - klingelts? Na, dann sind Sie ja ein richtiger Nerd. Aber Gin war das Messethema 2014.

Lobenswert waren die Trinkwasserspender, die der Veranstalter aufgebaut hatte. Gleich daneben standen die Abwasserbehälter und rund um diese lebenswichtigen Stationen bildeten sich regelmäßig kleine Seenlandschaften. Die Crew hatte das aber im Griff - niemand ertrank. Vielleicht gibt es nächstes Jahr einen Mineralwassersponsor.
 

So, das wars schon. ...Ach, jetzt hätte ich fast noch die weltbewegende Präsentation von Ardbeg Ceò (sprich: Keo) vergessen. Das sah so aus: Staunende Whiskyheads stehen in einem Raucherpuff und saugen mit Trinkhalmen aufgedampften Islaymalt in sich hinein. Die nette Dame dort leiert ihren Text von Infrarottechnik etc. runter kann das Verfahren aber auf Nachfrage "nicht genau erklären". Ob die anfällige Technik, die nicht zum freien Verkauf angeboten wird, sondern nur in ausgewählten Bars zum Einsatz kommen soll, bis Messeschluss zumindest noch aus einem Schlot gequalmt hat, ist mir nicht bekannt. Hat nicht schon jemand so ein Apparillo bei Ebay angeboten? Für 1200 EUR? - Nein? Dann muss ich mich getäuscht haben. Mehrere Tester gaben mir gegenüber und voneinander unabhängig ihr Urteil mit "Schmarrn" ab. Diese Bayern eben.
Und gleich noch eine Obskurität. Diesmal vom Branchenprimus Diageo. Dort gab es eine verwegende Mischung aus Talisker, Sauerkrautsaft, süßem Senf und noch so allerlei aus Miniweißwurstschüsselchen zu verkosten. Was solo ziemlich beknackt schmeckte und übel roch, funktionierte mit Weißwurst und Breze als Senfersatz leidlich gut. Mancher verzog auch hier das Gesicht. Aber gut: Die Rezeptur hat ein Österreicher entwickelt. Felix Austria!

Hier noch ein paar Impressionen... 



(Ein Vip-Stand mit Absperrbanderl von... )

(Mein besonderer Dank geht an Willi Lettmair für die Unterstützunng in Sachen Fotografie und Trink-Know-How).

Montag, 23. Februar 2015

Finest Spirits 2015 - Am Freitag geht es los!

In den letzten Jahren hat dieser Blog regelmäßig über das Finest Spirits Festival in München berichtet. Umso größer war daher meine Bestürzung, als ich im Laufe des letzten Jahres mehrmals die Aussage "Das ist doch eine Säufermesse geworden" gehört habe. Und das unabhängig voneinander. Allerdings von Nicht-Münchnern. Ja, sogar von Nicht-Bayern. Soll man auf solche Worte hören? Oder liegt es gar an mir selbst, da die Entstehung dieses von außen beobachteten Trends zufällig mit meinen Messebesuchen zusammenfällt? Soll ich jetzt zuhause bleiben?

Nach kurzer Überlegung habe ich mich entschieden: Diese Veranstaltung Dieses Event wird nicht ohne whatadrink! über die Bühne gehen. Aber: Dieses Jahr werde ich die Messlatte für Veranstalter und Aussteller ganz oben anlegen, ich werde hinter die Kulissen schauen und ich werde kritisch alles untersuchen, was mir auffällt. Insbesondere nach den dort vermuteten Säufern werde ich Ausschau halten und auffällige Personen werde ich genau unter die Lupe nehmen. Alles Negative wird hier angeprangert. Versprochen!

Ansonsten finden Sie mich am Barstand zum Thema Rum, an Mike's Bourbonstand, bei Pit Krauses Monstermalts und bei Dirk Beckers Rum-Depot. Bis ich mich da durchgequatscht habe, wird einige Zeit vergehen und die ein oder andere flüssige Erfrischung sollte drin sein. Also - wir sehen uns...

Freitag, 29. November 2013

The Glenlivet - Das Tasting (updated)

Im dritten (und letzten) Teil von whatadrink!s The Glenlivet-Serie darf ich vom gestrigen Tasting im Münchner Reichenbach inkl. der Wahl des nächsten Guardians' Chapter-Bottlings berichten. Keine Sorge - ich halte mich kurz.
 

Geredet hat - und das sehr ausführlich und wie immer kompetent - beim exklusiven Tastingabend schließlich schon Jürgen Deibel. Neben ein paar Fakten und Ausführungen zur Geschichte von Marke und Destillerie ging es vor allem um die sensorische Dekonstruktion der Glenlivetschen DNA anhand der Standardabfüllung - dem 12 Years Old. Das ist im besten Sinne des Wortes ein easy All-Time-Malt, dessen Qualität man aber zunächst zur Kenntnis nehmen muss, wenn man sich richtig vorbereitet den drei vorgeschlagenen Expressions widmen möchte, die - wenig einfallsreich, aber durchaus global verständlich - mit Classic, Revival und Exotic betitelt wurden. Die Erklärungen dazu lieferte widerum Meister Deibel und unter dessen Leitung analysierten die anwesenden knapp über 20 Experten die Eigenschaften und Besonderheiten der drei auf einheitliche 48,7% Vol. eingestellten Drams (offizielle Tastingnotes auf deutsch finden Sie hier).

Mir persönlich hatte der Classic (Untertitel: timeless sweet style) - offenbar mit (Oloroso)Sherryfasseinfluss - am besten gefallen. Ausschlaggebend war sein langes, rundes Finish. Gewinner des Abends war jedoch deutlich der würzige Exotic. Aber ich habe noch Hoffnung, da die Votes aus insgesamt 19 Schlüsselmärkten eingeholt, dann nach Gewichtung ausgewertet werden und schon die Ergebnisse aus vier Wahlgängen in Frankfurt, Hamburg und München nicht gleichlautend waren. Das Ergebnis soll schon im Februar 2014 in der Flasche stecken und auf 2.000 Cases - sprich 24.000 Flaschen - weltweit limitiert sein. Sie meinen, das sei eine ganze Menge? Nun, bei rund 11 Millionen Flaschen, die von The Glenlivet allein in 2012 produziert wurden, ist das weniger als die Abfüllmenge eines Werktages.

Abgeschlossen wurde der Abend mit mit food-gepairten Häppchen und einem ordentlichen The Glenlivet-Whisky Sour. Cheerio!

Update: "Gewinner" der Wahl wurde die Exotic-Variante mit 39% der Stimmen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Wiedervorlage: Ron Zacapa (Teil 1)

Der "Zacapa Room" in München geht in letzte Runde. Morgen, am Samstag, hat er zum letzten Mal geöffnet. Am letzten Mittwoch war Masterblenderin Lorena Vasquez in München, um zwei reichlich ausgebuchte Master Classes abzuhalten. Das Interesse an einem Rum, von dem jeder schon alles zu wissen scheint, ist also weiterhin groß. Der eine oder andere hat ein wenig Vertiefung seines Fachwissens aber auch dringend nötig. Wie ich darauf nun wieder komme? Ein Beispiel:

Gast: "Was bedeutet denn die 23 auf dem Etikett"?
Bartender: "Das bezieht sich auf das Alter."
Gast: "Es gibt keinen Rum, der 23 Jahre alt ist."
Bartender: "Doch. Hier sind Rums drin, die zwischen 6 und 23 Jahren alt sind. Der wird in einem Solerosystem gemacht."
Gast: "Das kann ich nicht glauben. Sombrerosystem?"
Bartender: "Doch. Von dieser Marke gab es sogar schon einen 30jährigen Rum. Solero bedeutet, dass da Fässer übereinander liegen und immer gemischt wird."

Hm. Sie verstehen, was ich meine? Das ist jetzt nicht ganz falsch, was der Barmann da von sich gegeben hat. Aber völlig korrekt ists eben auch nicht. Wer findet die Fehler? Außerdem hält sich beim "Zacapa" - gerade weil er schon länger auf dem Markt ist oder gerade weil er seit einiger Zeit im Fokus eines gewissen öffentlichen Interesses steht - die Früher-war-alles-besser-Sage. Aber hat die auch ihre Berechtigung? Können ihre Verfechter wirklich in Anspruch nehmen seit zehn oder fünfzehn Jahren über objektive, geschulte Geschmacksinne zu verfügen und jede Veränderung im Aromenprofil einer so komplexen Spirituose aufzuspüren? Da habe ich meine Zweifel zumal sich das Angebot an Rum im - nennen wir es - Premiumsegment doch stetig verbreitert hat und die Nutzung verschiedener Fasstypen inzwischen schon fast Standard ist (siehe z.B. "Dos Maderas P.X." (P.X. Sherry), "Plantation" (diverse), "Mahiki" (Cognac), etc.).

Dankeswerterweise sind seit einiger Zeit historische Abfüllungen von "Ron Zacapa" auf dem Markt zu finden: Die beiden vollkommen mit Palmenblätterbast umwickelten Abfüllungen "23 Años" (weißes Etikett) und "Black Label", sowie der "Premio Platino X.O." im Dekanter - alle drei mit 40% Vol. und auf eine Abfüllung in 2002 bzw. 2003/2004 zu datieren (siehe die 4 Gold Medal aus 1998-2001 auf dem Frontetikett bzw. die Erwähnung der Auszeichnung in 2003 beim X.O. Zudem findet sich in meiner Kollektion u.a. noch eine etwas ältere Abfüllung des allgemein als "23 Años" bekannten Stoffs (auch wenn diese Alterbezeichnung nur in kleiner Schrift auf dem Rücketikett zu finden ist) aus ca. 2000. Soviel zur Datierung. Und zum Inhalt? Wer hat denn in einem (Blind)Tasting sämtliche aktuelle, historische und wenn auch nur Pre-Diageo-Releases gegeneinander verkostet? Frau Vasquez hat es getan. Und sie hat - will man den Ausführungen bei refined vices Glauben schenken - keine Unterschiede feststellen können. Meine persönlichen Untersuchungen führten zu einem anderen Ergebnis. Mir kamen die alten Versionen - frisch geöffnet natürlich - durchweg weniger komplex vor als spätere Proben. Die hatten zum Teil zwar auch eine gewichtigere Alkoholpräsenz (z.B. beim Sistema Solera 23), was ich nicht so großartig finde, aber dafür konnte ich auch ein Plus an Feuer und eine größere Tiefe - bei mehreren Versuchen übrigens - vermerken.
 

Mein Alltime-Zacapa-Liebling bleibt der ebenfalls noch gut erhältliche "Straight From the Cask". Als Frau Vasquez von anderen Zuhörern dazu befragt wurde, wurde ihr Grinsen doch noch ein bisschen breiter als sonst. Tja, sie sollte es schließlich wissen. Der aktuelle "Etiqueta Negra" mit seinem Finish in frisch ausgebrannten (gebraucht)Fässern (da steckt doch eine Spur Rauch drin?) und der aktuelle, relativ trockene "X.O." mit seinem Ex-Cognaccask-Finish gefallen mir aber durchaus auch sehr gut. Nach neuen Special Releases a la "Aniversario 30" oder einer Single Barrel-Variante aus den vielfach zitierten Old Rums habe ich natürlich nicht gefragt. Da lasse ich mich doch lieber von ihr bzw. Diageo überraschen...

Zum Abschluss aber doch noch mal zur Sachkunde und deshalb nochmal zurück zu refined vices. Dort gibt es eine ausgezeichnete Serie mit einer sehr detailliierten Erklärung zu Zacapas Aging- und Blendingsystem (dazu hier ein vereinfachtes Schaubild), einem Interview etc.

Samstag, 1. Dezember 2012

Der Zacapa Room in München...

...hat leider nur bis einschließlich 8. Dezember 2012 geöffnet und sonntags, d.h. morgen, ist geschlossen. Das sind die schlechten Nachrichten. Die Guten: Die ganze nächste Woche noch kann Mann und/oder Frau allein, zu zweit oder im Grüppchen von 13-22 Uhr einfach so in die Räumlichkeiten am Gärtnerplatz 6 (Ecke Corneliusstrasse) in München spatzieren, an der Bar, auf den Loungemöbeln (Sofa kann mans nicht nennen) oder im seperaten Tastingroom Platz nehmen und... "Ron Zacapa", den Rum der - so zumindest meine Meinung - das Segment Premiumrum definiert hat, genießen! Einfach so. Ohne Eintritt. Für lau. Naja, fast für lau - einige wenige Drinks sind mit Preisen versehen. Aber die angebotenen Tastingtermine (Buchung via Webseite) sind wiederum kostenlos.
Wenn Sie jetzt fassungslos auf Ihren Bildschirm starren, sei zur Erklärung hinzugefügt, dass Ihnen diese gute Tat von "Diageo", einem ganz großen Big Boy im internationalen Spirituosengeschäft, der seit 2008 die Marke "Zacapa" weltweit (weiter) aufbauen darf, zugefügt wird. Zudem gehören Sie offenbar nicht zu dem Teil der Münchner Gesellschaft, die am letzten Donnerstag zur prunkvollen Eröffnung dieses sog. Pop-Up Showrooms geladen war und bei den Ausgaben in Mailand und Turin waren Sie wohl auch nicht zugegen. Aber das ist verzeihlich, es geht ja eigentlich um den Rum.
Ich war aber aus wissenschaftlichen und journalistischen Gründen vor Ort und habe daher auch - dank glücklicher Positionierung in Nähe der Küche - umfangreich am Flying Buffet von Zwei-Sternekoch Tim Raue teilgenommen. Wenn Sie eine ähnliche Veranstaltung planen, sei Ihnen die vorzügliche Entenleberterrine (mit Chili und Mango) des Berliner Maestros ans Herz gelegt. Jaja, so fein ging es zu und fast noch feiner waren die von unseren Münchner Bar-Sternen (!) Oliver von Carnap, Bill Fehn und Lukas Motejzik dargebotenen "Zacapa"-Variationen im schokolierten Tumbler, mit Orangenbaiser oder -schaum (Aquariumpumpe läßt grüßen) oder mit karamellisierten Rosinen oder mit Vanillekipferlrand oder mit Nebel und Rauch oder...
Lassen wir das. Lassen wir lieber Bilder sprechen... (An dieser Stelle greife ich ausnahmsweise auch auf ein paar von der freundlichen Agentur häberlein & mauerer zur Verfügung gestellten Aufnahmen zurück. Ich hatte fast immer die Hände voll mit allerlei Köstlichkeiten, darum...)

Hier noch ein paar besonders empfehlenswerte Bezugsquellen: Bardealer, Barfish, Cognac-Paradise;


 (mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
 (mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
(mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
(mit Genehmigung von häberlein & mauerer)
 

Montag, 21. Mai 2012

Disaronno Mixing Star 2012 - hier: Casting München

Beim heutigen zweiten Deutschland-Casting zum "Disaronno Mixing Star 2012" in München traten fünf Bartenderinnen und 14 Bartender gegeneinander an. Vor der dreiköpfigen Jury mussten der selbstkreierte Signaturedrink (maximal 7 Zutaten inkl. mind. 1,5cl "Disaronno") und ein klassischer "Disaronno" Sour gemixt werden. Das hört sich zunächst einfach an und auch die bewerteten Kritierien wie z.B. "Technik", "Kreativität" oder "Präsentation" boten wenig Neues.
Leicht war es aber trotzdem nicht im Obergeschoss des "Heart" erfolgreich zu sein, da gleich zwei Moderatoren während der zehnminütigen Zubereitungs- und Präsentationszeit Fragen à la "Welche Stimmung mächtest Du mit Deinem Drink vermitteln?" stellten und auch die Herren aus der Jury gelegentlich nachhakten ("warum hast Du diesen bestimmten Sake für Dein Rezept gewählt?"). Simultan musste geshakt, gerührt, gemuddlet etc. werden. Dass Fotografen und Kamerateam auch noch um den jeweiligen Teilnehmer herumzappelten, brauche ich eigentlich nicht erwähnen - war ja ein Casting.

Ich empfand die Konkurrenz wirklich als hochklassig und die Wahl dürfte entsprechend schwer gefallen sein. Verblüffend war einmal mehr die Abwechslung zwischen Neulingen im Wettbewerbsgeschäft und den "alten Hasen" bzw. zwischen relativ simplen Drinks und aufwändigen Rezepturen und Präsentationen. 

Sieger in München wurde letztlich der letzte Starter Michael Prescher (Dresden) mit einem außergewöhnlichen Cocktail, der u.a. Frischkäse, Pflaumenessig und Rucola (!) enthält. Es folgten Marina Forciniti (Limburg) und Timon Kaufmann (München). Michael wird beim Weltfinale am 5. Juli in Berlin vom Sieger des Hamburg-Castings, Markus Heinze (Wolfsburg) unterstützt, der vor Antonia Petzholdt (Berlin) und Marlon Kutschke (Dresden) ins Ziel kam.
Von Brand Ambassador Emanuele Ingusci und Arnd Henning Heissen, beide Jurymitglieder, konnte ich kurz vor Ende des Wettbewerbs ein paar O-Töne einsammeln.

whatadrink!: Emanuele, Du warst vor und während der Bewerbungsphase zum Mixing Star in ganz Deutschland unterwegs und hast "Disaronno"-Workshops abgehalten. Wieviele Termine waren das denn insgesamt und waren besondere Highlights dabei?

EI: Es waren insgesamt 12 Veranstaltungen und die Highlights waren alle Teilnehmer, die mitgemacht haben. Die Tour hat mir sehr viel Spaß gemacht.
wad: Heute waren Neulinge und erfahrene "Wettkampfbartender" mit einfachen und ungewöhnlichen Drinks in München am Start. Was kam bei der Jury am besten an?

EI: No comment. Ich kann noch nichts verraten. Aber das Niveau war insgesamt sehr hoch.

wad: Arnd, in mehreren Rezepten waren asiatische Komponenten enthalten. Passt das zu "Disaronno"?

AHH: Ich finde das gut. Die asiatischen Bestandteile in den Drinks haben dem "Disaronno" einen frischen Touch gegeben. Frische Kräuter wie Rosmarin oder Thymian kann man sehr gut mit "Disaronno" kombinieren und das sollte weiter verfolgt werden. Auch Zitronengras und Ingwer passen bestens.

Hier noch das Siegerrezept von Michael Prescher:

Cheers - Herr Schneider! 

4cl Disaronno
5cl naturtrueber Apfelsaft
 1 Handvoll Rucola
2BL Szechuanpfeffer
3BL Frischkäse (Exquisa)
1cl Pflaumenessig

Alles in den Mixer mit 3 Eiswürfeln, Doublestrain. Garnieren-Servieren-Genießen!