Die USA sind das offizielle Gastland des BCB 2014, der - wie schon berichtet - nächste Woche die Bundeshauptstadt erschüttern wird.
Zunächst hat aber Mixology/BCB-Mastermind Helmut Adam die Nerd/Connaisseur/Blogger-Szene erschüttert, als er am 17. September - also grade mal 20 Tage vor der Veranstaltung - auf einem deutschsprachigen Cocktailforum u.a. verkündet hat: "...Am Einlass zum Bar Convent kann ein Fachnachweis verlangt werden. Ist der Besucher nicht in der Lage, diesen zu erbringen, wird kein Einlass gewährt..."
Während man sich noch wundert, dass auf einer Messe für "Gastronomen, Bartender, Spirituosen- und Getränkehersteller, Fachhändler und Connaisseure" (Quelle: FAQs des BCB-Ticketshops) ausgerechnet die phasenweise von der Industrie gepamperten Letzteren rausfliegen sollen, obwohl sie ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen (siehe Screenshot) an Eintrittskarten gelangen können, schlägt der Hamburger Gastronom Jörg Meyer in die gleiche Kerbe und hätte - so kann man (wenn man will) zwischen seinen Zeilen lesen - am liebsten nur noch echte Bartender beim BCB (Stichwort: strenge Tür). Weg mit dem sich anwanzenden Pöbel, der sich doch nur gratis volllaufen lassen will! (Update: Herr Meyer hat dieses Missverständnis aufgeklärt - siehe unter Kommentare)
Leider sehe ich die rechtliche Situation um den 2014er Event (und die Übernahme meiner nicht unerheblichen Flug- und Hotelkosten durch den Veranstalter) als nicht ausreichend geklärt an und reise deshalb (vielleicht zum letzten Mal) persönlich nach Berlin - statt des Fachnachweises, mit der Mixology-Abokündigung im Handgepäck...
Genug davon an dieser Stelle und zurück zum Stoff - zum flüssigen natürlich. Wenn Herr Huhn etwas von Mezcal versteht, dann versteht Herr Werner mindestens ebensoviel von Whiskey - von amerikanischem Whiskey. Mike's legendäre Willett-Abfüllung eines 17jährigen Bourbon wird dieser Tage nicht umsonst für über 400 EUR gehandelt - Tendenz steigend. Zuletzt hatte er seine Fühler allerdings nach Texas und Michigan ausgestreckt und ein paar Bottles aus diesen Regionen nach Good Old Germany importiert. Ich konnte mich der Sache annehmen und starte mit drei Abfüllungen aus Texas. Yeah!
Yellow Rose Outlaw Bourbon (100% Mais, 46%): schöne, leichte Nase, dann nicht so süß wie erwartet, eher trocken mit starken Einflüssen der kleinen (!), ausgekohlten Fässer, kurz und jung; verlangt nach etwas - äh - Cola;
Yellow Rose Double Barrel (Straight Bourbon mit Finish in Weinfässern, 43%): dunkler - auch in der Nase, mehr dunkle Schokolade, etwas süßer ohne übermäßig in schwere Vanille zu gleiten, leider nur 43% - etwas zu kurzer Nachklang; Gelungen!
Yellow Rose Straight Rye (blended & bottled in Texas, und wo distilled?, 45%): oha! Meine Probe hat einen äußerst gruseligen Beigeruch/-geschmack (Kork?). Daher kein Urteil - Brauche Nachschlag...
Man muss dieser Tage schon froh sein, wenn der U.S. Craft Whiskey, der da vor einem steht, zumindest von einem Hersteller kommt, der überhaupt eine Destillerie am laufen hat. Ob er seinen (Achtung: Nicht-Straight) Bourbon Whiskey nun zu 100% selbst gebrannt hat oder nicht, ist mit der nichtssagenden Angabe "Made in Texas" gerade nicht aufzuklären, da es "Distilled In Texas" heißen müsste. Aber sei's drum.
Ole George Rye kommt aus der Grand Traverse Distillery im Bundesstaat Michigan. Es spricht vieles dafür, dass der Stoff zu 100% dort produziert (ja, auch destilliert) wurde.
Ole George Rye (100% Roggen, 46,5%): endlich erschnüffle ich mal (angenehme) Klebstoffnoten, dann typische Ryewürze aber man fällt auf ein süßes Bettchen und auch der Alkohol tut nicht weh; Ein schöner Sipping Rye mit etwas trockener Eiche im Abgang!
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Mittwoch, 1. Oktober 2014
Mittwoch, 26. Februar 2014
Braukunst Live! 2014 - Brauer oder Blogger?
Schäumendes
Gerstengetränke
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.
(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.
(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)
Vor vierzig Jahren sang der damalige Bundesaußenminister dieses Volkslied, dessen Single (aus Vinyl!) bis auf Platz fünf der deutschen Singlecharts kletterte - oder besser rollte. Aber darum gehts in diesem kleinen Blogartikel gar nicht und auch nicht darum, dass wir damals noch Politiker, Bundespräsidenten und die FDP hatten. Also zurück ins Heute (wo alles besser ist)...
Im Februar 2014 zogen Tausende von Menschen auf ein Münchner Bierfestival, um dort weit über 500 verschiedene Craftbiere von rund 100 Brauereien aus Degustationsgläsern zu trinken - in Chargen von 0,1 Litern (!). Und ein verdammt großer Anteil dieser bierdurstigen Kehlen gehört nicht nur zur Zielgruppe "Unter 30", sondern ist auch noch weiblich. Jawoll!
Wir reden vom Braukunst Live! Bierfest, das von den Finest Spirits-Veranstaltern 2012 ins Leben gerufen worden war und das sich mittlerweile als "Leitmesse einer völlig neuen Bier-Kultur" sieht. Ja so. Begriffe wie Vielfalt, Leidenschaft und Bier-Renaissance werden gerne in den Mund genommen, wenn es doch eigentlich nur um die Freude am gut gemachten Bier geht. Qualität und (gemachter) Kult stehen gemeinsam an der Theke
A propos Kult. Den ein oder anderen Aussteller - oder besser: Ausschenker - der ersten Stunde habe ich dieses Jahr vermisst. Auch einige Münchner Kleinbrauer waren nicht (mehr) da. Schade.
Eine Sache die Bewegung in die Szene bringt, sind Vertriebe, die für die Verbreitung der vielen neuen Bierchen sorgen. Gefühlt waren davon auch einige mehr auf der 2014er Braukunst zugegen. Aber ist das nun positiv oder negativ zu bewerten?
Egal. Die Veranstaltung war auch ein Treffpunkt der deutschen Craftbierszene (wenn sich selbige so nennen mag), was mir von mehreren Seiten bestätigt wurde ("Alle sind da!"). Zwei solcher Insider hatten sich angeregt neben mir unterhalten, bis der eine den anderen dann fragte: "Bist Du eigentlich Brauer oder Blogger?". Schön, dass es das gibt.
Aber wir sind hier bei whatadrink! und nicht bei einem der vielen fach- und sachkundigen Bier- oder gar Foodblogs. Deshalb darf ich noch auf ein neues Destillat hinweisen, das seit kurzem bei "Mike's Whiskeyshop" in München zu erwerben ist. Es handelt sich um einen Bourbonwhiskey aus Texas, dessen Hersteller sich Garrison Brothers nennt. Das klingt zwar nach einer Gangsterbande aus den Zeiten der Prohibition, ist aber die erste und älteste legale Whiskeydistillerie in Texas. Und die einzige? - Nein, es gibt derzeit satte 13 davon im Erdölstaat. Exklusiv in Deutschland steht bei Bourbon Mike nun der aktuelle Release Fall 2013 im Regal, der zwei Jahre und vier Monate in einem Mix aus verschieden großen bzw. kleinen Fässern verbracht hat. Ein junger Hund? Schon, aber - wie es sich für Texas geziemt - ein verdammt öliger Kläffer (Weizenbourbon mit über 70% Mais in der Mashbill, Sweet Mash, 47% Vol.). Die Turboreifung in frischen Fässern ist absolut spürbar, aber es besteht eine durchaus gefällige Balance zwischen süß und Holz. Klassezeug. Einziges Manko: Der Preis. Schon vor Ort in Texas werden rund 70 US$ aufgerufen. Dass der bei uns so nicht für 20 EUR zu haben ist, ist klar. Aber wer kauft amerikanischen Whiskey über 100 EUR, wenn der nicht mal 10 oder 12 Jahre alt ist oder zumindest Pappy heißt?
Ansonsten ging es weiter um Hopfen, Hopfen, Hopfen und ein bisschen Malz. Sehr schön fand ich den Titel des begleitenden Seminars "Ach komm, geh mir wech! IPA verkommt zu Mainstream!", bei dem es um vom selbigen (noch) unentdeckte deutsche Spitzenbierstile (oder so) ging. Außerdem wichtig: Foodpairing mit Bier. Im speziellen: Bier & Käse. Das gabs in einer eigenen Masterclass mit Bier- und Wassersommelier sowie Fromelier (frz. Expert en Caséologie) Tibor Kantor und gelebt von Messebeginn bis Kehraus rund 30 Meter rund um den Stand vom Tölzer Kasladen. Im folgenden noch ein paar Impressionen und das Schlußwort:
Bayern, des samma mir,
Bayern und des bayerische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot,
des is unser flüssiges Brot!
(Haindling, "Bayern", 1998)
("Hallo, ich bin der Helmut aus Berlin und ich mach ein kleines Fanzine.")
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