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Dienstag, 19. Juli 2011

Alles Bio: Pergers Säfte und Dwerstegs Liköre

Die beiden Familienbetriebe "Perger" und "Dwersteg" hatten letzten Montag zu einem gemeinsamen Infonachmittag an den Sitz von "Perger" nach Breitbrunn geladen und neben zwei Herren vom Barteam des Münchner Leonardo-Hotels, den Machern der nagelneuen Züricher "saftlade"-Biobar, der Fachpresse und einigen Vertretern des Münchner Barzirkels war auch ich bei zunächst etwas zwielichtem Wetter mit an den Ammersee gekommen.

Dort begrüßten uns "Saftbaron" Freiherr von Perger nebst Gattin und Moritz Teriete, Marketingmann der Steinfurter "Dwersteg" Destillerie. Nach einem Rundgang durch die Pergersche Mosterei samt Abfüllanlage ging es per PKWs in Richtung Hechendorf zu einem Teil der firmeneigenen Holunderplantagen, wo sich aktuell 129 Schweine aus drei alten Rassen (Bunte Bentheimer, etc.) mit Blick auf den Ammersee nützlich machen. Die Tiere sind nicht nur für die Erzeugung erstklassigen Schweinefleischs zuständig und lockern mittels Rüssel den Boden auf damit kein Unkraut aufkommen kann, sondern vertreiben sogar die für die Buschbepflanzung schädlichen Wühlmäuse.
Zurück auf dem Anwesen der Pergers gab uns Moritz Teriete einen kurzen Einblick in die Historie der Destillerie "Dwersteg", die in unseren Breiten sicher noch nicht sehr bekannt ist. Die Produktphilosophie lässt sich in etwa so zusammenfassen: Qualität statt Quantität. "Dwersteg" hat sich dabei auf seine Kernkompetenz - hochwertige Liköre - konzentriert und bietet heute eine ganze Reihe - genannt "Dwersteg Organic" - von Biolikören an. Bisher geschah das vornehmlich im Bio-Einzelhandel. Dort war mir der Ingwerlikör "Gold Cat" schon aufgefallen. Nun soll aber auch die Barszene erobert werden. Die Likörreihe wird mit einem Weizenkorn (32% Vol.) und einem Weinbrand (38% vol.) abgerundet. Zudem stehen mit zwei Rum-, einer Vodka-, einer Blended Scotch- und einer Ginabfüllung der Londoner "Thames Distillery" fünf weitere Bio-Basisspirituosen im Portfolio.
Beim Durchprobieren der einzelnen Liköre fiel mir der geradlinige Bezug zur jeweiligen Sorte auf. Der Kaffeelikör (derzeit stammt der Rohkaffee aus Kolumbien) überzeugte mit einem schönen runden Gesamtbild und war weder zu süß, noch sprittig oder gar rumlastig (wie manch anderes Produkt). Interessant fand ich auch den Halbbitter Amaro (30% vol.), der unter Verwendung von frischer Orangen- und Zitronenzeste hergestellt wird. Dabei werden Bio-Früchte angeliefert, die dann von Hand geschält werden. So wird, nach Meinung von "Dwersteg", die benötigte Essenz perfekt in Eigenregie hergestellt. Im Vergleich zum italienischen Bitter "Amaro Nonino" mit seinen pfefferigen Noten im Abgang gefällt der Halbbitter mit seiner angenehmen Süße und dem deutlichen Orangenaroma. Er ist so eher fruchtig, als dass Kräuterzusätze überwiegen. Im Vergleich zum sprichwörtlich cremig-dickflüssigen Archetyp eines Crème De Cassis von "Boudier" (20% Vol.) kommt "Dwerstegs" Cassis (ebenfalls 20% Vol.) wesentlich leichter und mit ausgeprägter Fruchtnote auf den Gaumen. Er erscheint nicht so mehrdimensional, wie der Franzose, gefällt aber wie schon der Amaro durch sein ausbalanciertes Geschmacksbild. Wer also nach einem "neuen" Likörerlebnis sucht, sollte sich "Dwerstegs" Range durchaus einmal in Ruhe ansehen bzw. durchprobieren. Achja, der 40%ige Orangenlikör (kein "Triple Sec", eher "Orange Curacao") auf der Basis eines Weindestillats hat mir auch gut gefallen. Für die Gastronomie gibt es die Möglichkeit zum Direkteinkauf mit Gastropreisliste (Kontaktdaten siehe unten).

Bevor es ans Vermixen ging, konnten natürlich auch alle "Perger"-Produkte ausprobiert werden. Ich persönlich schätze besonders den Ananas- und den Mandarinensaft sowie die "Lukullus"-Serie, zu der der Chef persönlich die Erläuterungen gab. Insbesondere die drei Weißwein-Ersatz-Cuvées namens "Silvius", Aurelius" und "Quintus" kamen bei mir sehr gut an. Leider liegt die 0,375l-Flasche im Einzelhandel bei 5-6 EUR. Da macht der etwas günstigere Einkauf im Hofladen doppelt Spaß, da dort auch "rare" Spezialitäten wie die 0,2l-Abfüllungen "Apfel-Mango" (mit ausgeprägtem Mangoaroma) oder die nicht zu blumige "Edelblüte" (Holunderblütengetränk mit Trauben- und Zitronensaft) zu finden sind. Dazu gibt es dort auch die gesamte Auswahl an Fruchtsirup (Granatapfel!) und Bio-Limonaden sowie eine Bier- und Weinauswahl - alles Bio.
Den anwesenden Mixologen wurden als besondere Aufgabenstellung eine Sprituose bzw. ein Likör und ein Saft bzw. Mixer aus der Limonadenserie zugelost. Ich kam mit Gin und "Benny's Apfel-Himbeerschorle" gut weg, während andere Kombinationen wie z.B. Eierlikör und Kindersaft zu schwerem Kopfzerbrechen führten. Letztlich wurden an der Open Air-Bar aber zahlreiche erstklassige Kreationen vorgeführt, die Presse- und Fachleute gleichmassen überzeugen konnten bevor der rustikale Smokereigenbau zum Einsatz kam, um den gelungenen Tag mit Pergerschem Schwein und selbstgemachten Salaten abzurunden


Bezugsquellen:
Perger Säfte
Herrschingerstr. 51
82211 Breitbrunn am Ammersee
Tel.: 08152/8551
Fax: 08152/5738

Ludwig Dwersteg jun. GmbH & Co. KG
Altenberger Strasse 38
48565 Steinfurt
Telefon: 0 25 52 / 44 16
Telefax: 0 25 52 / 44 07
E-mail: info@dwersteg.de bzw. moritz.teriete@dwersteg.de

Donnerstag, 1. Juli 2010

The Duke - Munich Dry Gin

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen zu Gast bei einer Besichtigung der Persephone Destillerie in München sein zu dürfen, wo bekanntlich die beiden Produkte "The Duke - Munich Dry Gin" und "Max und Daniel´s Ingwer Liqueur" produziert werden. Nach einer kurzen Begrüßung, zu der auch die beiden Firmeninhaber Maximilian Schauerte und Daniel Schönecker anwesend waren, führte Herr Hoppe, seines Zeichens früherer Produktionsleiter der Firma Riemerschmied und väterlicher Berater des Unternehmens, durch die rund 2 Stunden dauernde Veranstaltung. Neben dem ausführlichen Vortrag von Herrn Hoppe gab es natürlich die beiden Produkte sowie die klassische Ginmixtur "Gin & Tonic" zu verkosten.

Über "The Duke" und seine besonderen Eigenschaften - wie z.B. seine Bio-Zertifizierung - wurde schon einiges geschrieben und auch die Firmenhomepage liefert ausführliche Informationen. Daher nutzte ich die Gelegenheit Herrn Hoppe die eine oder andere Frage zu stellen. Die folgenden Informationen sollten daher nur als Ergänzung des bereits allseits bekannten Materials gesehen werden.

Dass es sich beim "Herzog" um einen Vertreter der "London Dry Gin"-Klasse handelt, läßt sich schon dem Namen entnehmen. Der Gin wird nach dem Rohbrand zweimal feindestilliert. Bei der Herstellung des Rohbrandes aus 96,5%igem Alkohol aus Bioweizen werden auch die 13 Botanicals zugesetzt. Diese z.T. geheime Mischung darf vor dem Destillationsvorgang "über Nacht" in der Brennblase verweilen. Nach dem zweiten und dritten Durchlauf (dann auch mit dem Verstärker in Säulenform - siehe Fotos) wird das Produkt einen Monat in kleinen Stahltanks gelagert und anschließend mit enthärtetem Wasser auf die Trinkstärke von 45% Vol. herabgesetzt und abgefüllt. Verschiedene Chargen werden nicht geblendet. "The Duke" ist also ein echter "Small-Batch-Gin". Damit sind theoretisch zwar Schwankungen in der Geschmacksausbildung einzelner Chargen möglich. Nach Herrn Hoppe sind diese - sofern überhaupt bemerkbar - allerdings minimal. Zu den Botanicals gehören auch frische Bio-Zitronenschalen die in der Destillerie von Hand geschält und direkt in die Anlage (gebaut von der Firma Carl) gegeben werden.

Ich finde, dass das Ziel, einen besonders weichen Gin mit deutlichem Wacholdercharakter zu kreieren, mit großer Bravour erreicht wurde. "The Duke" harmonisiert mit prägnanteren Tonics ebenso wie mit fragileren Vertretern im G&T prächtig. Ich empfehle hier "Fevertree". Auch läßt sich das vielseitige Wesen des "Munich Dry" durch Zugabe von Zitronen-, Orangen- oder Grapefruittwist herausarbeiten. Mit der wermutlastigen Bio-Kräuterlimonade "Now - White Bitter" und einem Schuß Zitronensaft läßt sich außerdem ein Longdrink zusammenstellen, der eine interessante Alternative zum G&T bietet. Auch hier geht der feine Herr nicht unter, sondern trägt mit seiner deutlichen Wacholdernote die Aromenvielfalt des Kräutermixers.

Das Biosiegel und die gelungene Etikettierung machen diesen Gin auch optisch fast schon unverwechselbar. Ich persönlich hätte mir noch ein "eigene", prägnante Flasche gewünscht. Aber das lassen die Produktions- und Verkaufszahlen bisher wohl noch nicht zu. Was nicht ist, kann ja noch werden.


Anfragen wegen Destilleriebesichtigungen:
www.theduke-gin.de/kontakt