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Sonntag, 22. Januar 2023

München Spirits 2023 - Endlich wieder ein Whiskyfestival!

Als ich vor rund drei Jahren zum letzten Mal im Münchner MVG-Museum bei einer Whiskymesse zu Gast war, konnte ich wenig Neues berichten. 2023 sollte bei der neu geschaffenen "München Spirits" alles anders und vor allem besser sein. War das so?


München Spirits, Munich Spirits oder Finest Spirits. Wo bin ich?

Kurz zur Vorgeschichte: Der Meininger Verlag hatte die erfolgreiche "Finest Spirits"-Consumermesse übernommen und mit der bisherigen Organisationsleitung um Tanja Berthold 2020 zum ersten Mal auf eigene Rechnung veranstaltet. Anschließend trennten sich die Wege und die "Finest" ging im September 2022 mit einem Re-Start über die Bühne.


Tanja Berthold eröffnet die Messe das Festival. Juhu!

Nun sollte die "München Spirits" wieder zurück zum Thema "Whisky" führen und weniger als Messe, sondern wieder mehr als ein Festival laufen. Das ist meines Erachtens ganz gut gelungen auch wenn freitags, als früher die Leute am Einlass Schlange standen, ein eher luftiger Besuch zu verzeichnen war. Ich fand das ganz angenehm, aber ich hab ja auch nicht als Austeller eine Standfläche gemietet. Warum hat man eigentlich nicht den alten Namen "Münchner Whiskyfestival" oder eine Variante davon ausgepackt? Nunja.


Angebot der Munich Spirits

Was braucht man für ein Whiskyfestival? Zuerst mal ein paar Aussteller, die nicht nur ihre neuesten Produkte präsentieren oder eine tolle Marketinggeschichte präsentieren, sondern - Sie haben es erraten: Whisky. Und zwar ein paar geile, offene Flaschen aus denen man sich Dram für Dram einen einschenken lassen kann. 



Der Wu Dram Clan hat auch ein paar Flascherln geköpft

Was gab es sonst noch? Neben einem Haufen Masterclasses, feinen Brotzeitbrettln und einer kostenfreien Grundversorgung mit einem Wasserpartner stand eine Auswahl an Fassböden für eine angemessene Dekoration des privaten Whiskykabinetts zur Mitnahme zu Verfügung und an Mike's Bourbonbar wurden von den mit Federn geschmückten Barmännern - ob Sie es glauben oder nicht - Aperolsprizze serviert.



Mmmmh. Drei Sprizz, bitte!

Gut. Die Gin-, Edelobstler- und Rumangebote waren doch mehr als - äh - ausreichend. Gottseidank hat mir niemand einen alkoholfreien Gin o.ä. untergejubelt. 

Ich war aber eh auf die drei nagelneuen Malts des ebenso jungen Münchner (oder besser Olchinger) Whiskybottlers VAME gespannt. Neben einem Aultmore wurde ein gesplittetes Bunnahabhain-Fass bzw. dessen ehemaliger Inhalt präsentiert, der in einem Ex-Sauternes- und einem Ex-Rum-Quartercask gefinisht worden war. Ein ganz guter Start. Weiter so, Männer!


Die drei von VAME

Stichwort Männer. Nicht ganz unbekannt in Münchens Barszene sind Emanuele Ingusci und Tobias Keuper, die sich beide für den Spirithöker engagieren. Der Vertrieb hat einige italienische Spezialitäten und Raritäten sowie Klassiker wie Vodka, Rum, Gin und Tequila aber auch die irischen Whiskies von Pearse Lyons im Programm. Sollte man sich mal in Ruhe anschauen.


Scapegrace Gin und Single Malts und...


...Amaros und Liköre von Lucano bei Spirithöker

Natürlich sind mir im ein oder anderen Gespräch noch andere Themen untergekommen, über die ich vielleicht schon in Kürze ein bisschen mehr berichten kann. Schau mer mal. 

Was jetzt schon feststeht, ist ein heißer Jahresstart 2024. Denn dann soll die "München Spirits" wieder im MVG-Museum stattfinden und ein paar Wochen später steigt die "Finest Spirits" in der Zenithhalle. The Clash of the Whiskymessen! Woop!

Kein großes Gedrängel am Freitagabend

Freitag, 18. Dezember 2015

The Last Posts For 2015 - heute: Ron Del Cantinero

Nach nicht soooo guten Erfahrungen hatte ich mir eigentlich vorgenommen, keine Reviews auf Anregung von Freunden und guten Bekannten mehr zu schreiben, wenn die mit Sätzen à la "Hier mein neuer Whisky/Rum/Wodka/Obstbrand/Gin/Bier- und Kräuterlikör usw. Kannst Du da nicht was drüber schreiben?" ankommen. Falls man das Gesöff nicht über den grünen Klee lobt, ist man unten durch. Schreibt man nix, läufts genauso. Trotzdem hab ich mich wieder breitschlagen lassen und dann auch noch bei einem Rumblend. OMG!

Emanuele Ingusci ist ein überall geschätzter Barmann/-chef, der in seinem Barroom v.a. dem Rumdrink (ob pur oder im Cocktail) huldigt. Das war auch die Grundlage für die Idee eine eigene Rumabfüllung auf den Markt - oder besser: in die Bars dieser Welt - zu bringen. Aber es sollte keine hochprozentige Einzelfassabfüllung für Rumnerds werden, sondern ein Schmeichler, der auch als Mixrum seinen Mann steht. Aha.
Der Ron Del Cantinero (Arbeitstitel: "Vom Barmann für den Barmann") steht nun bereit und wartet mit folgenden Fakten auf Connaisseure und Barkeeper: Er ist ein Blend aus vier verschiedenen Rums aus zwei Ländern und einer Portweininfusion. Eine Portweininfusion? - Ja, Moment noch. Zunächst noch zu den Rums: Der eine ist ein junger Rum aus Martinique, der andere Rums kommt aus der Dominikanischen Republik und ist bis zu 21 Jahre alt. Zusammen bilden sie den Grundstock der gesamten Kreation (No Solera übrigens). Verhältnis Rum-Portweininfusion: 80:20. Tawny Port wird mit Vanilleschoten, Kakaobohnen und einer Gewürzmischung (Zimtblüte, Ingwer, Sternanis, Piment, Bittermandel und Nelke) infusioniert und/oder gespiced (das können sie benamsen wie sie wollen) und diese Aromenbombe kommt dann zum Rumblend. Abgefüllt wird mit 40% Vol. in 0,5-Literflaschen. Nachgezuckert wurde nicht. Das Modern-Retro-Etikett passt zu Kakao und Vanille mit seinem dunkelbraunen Hintergrund und den verspielten Goldapplikationen und wird vom Portrait des Herrn Papa geziert. Eine gelungene Reminiszenz.
Nun ist Rum & Port keine neue Kombi und funktioniert ja schon als eigener simpler Drink ziemlich gut. Was kann also der Infused Rum? Zunächst ist er eine üppige, ja schon schwere, Bombe mit dunklen roten Früchten, natürlich auch Vanille (aber nicht auf die billige, vordergründige Art) und auch dunkle Schokolade (ach was), die den Taster zunächst ziemlich einnimmt. Blendmeister Mario Gallone hat aber volle Arbeit geleistet und die Komponenten in ein stimmiges Miteinander gebracht. Wenn auch keine überreifen Holznoten heraustreten, so ist das doch ein gelungenes Werk - nicht zu überladen, komplex, aber auch für Anfänger geeignet (die noch in der Süßrumphase stecken), nicht zu süß, schon gar nicht zuckrig. Andere Probanden schmeckten den Kakao heraus - wieder andere die Vanille. Logo.
Aber ist es auch ein Rum der mit seinem recht humanen Alkoholgrad auch genug Rückgrat hat, um im Mixed Drink nicht abzusaufen? Dass er ein feines Dessert abgibt oder gut zum Kaffee (nicht in den Kaffee!) passt, ist klar. Ein Allrounder von der Sunny Side Of The Street? Nun, im Old-Fashioned sollte man mit Zuckerzugabe vorsichtig sein. Ein Stückerl Orangenzeste passt aber schön. Der Rum Manhattan braucht nur trockenen Wermut und - so empfiehlt Maestro Emanuele: Aromatic Bitters. Stimmt, zunächst bestimmt trockener Kakao das Bild, dann tritt nach einigen Minuten der Noilly deutlicher zu Tage und das ganze wird ein herrlicher Dry Manhattan. Noch schnell ein Rum Sour: Die Formel mit frischen Orangensaft und Limette (6cl Rum, 3cl O-Saft, 3cl Limettensaft, 1cl Zuckersirup, ca. 1/2 Eiweiß) ergänzt prima die Schokonote und wird nicht zu langweilig. Bitters je nach Geschmack machen Sinn. Der Triobar-Rum-Sour (für mich nur mit einem Dash Zuckersirup) ist auch ok und das Glas (wen wunderts?) schnell leer.

Nun sitzt Herr Ingusci also auf 250 Flaschen Rum - äh Ron. Aber nicht nur. Der Cantinero reist in den nächsten Monaten von Zeit zu Zeit durch Deutschland, um Nicht-wad!-Bloglesern alles das zu verklickern, was Sie hier nachlesen konnten. Falls Sie also zu Weihnachten (oder anderen Gelegenheiten) noch Eierlikör oder Nahewein verschenken, mein Tip: Ron Del Cantinero - Infused Rum ist im Onlinefachhandel für 31,99 EUR zu haben. Gastronomiekunden wenden sich direkt an Emanuele Ingusci.