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Freitag, 12. Juli 2013

Wiedervorlage: Whisky aus Indien

Sommerzeit - Sauregurkenzeit. Die Blogaktivität strebt gegen Null. Außer man beschäftigt sich mit Themen, die man nur Aufwärmen muss. Deshalb geht es heute um: Whisky aus Indien!

Stimmt. Über Amruts durchweg interessante Single Malt Whiskyrange habe ich hier letztes Jahr schon berichtet. Da mir aber der hochgeschätzte Herr Valentin heute schon wieder zuvor gekommen ist, schieße ich gleich nach. Der Amrut Herald ist - wie schon berichtet - eine Einzelfassabfüllung, ungefärbt und nicht kältefiltriert aus Bangalore/Indien, der in seinen Ex-Bourbonbarrels nach Deutschland verschifft und auf Helgoland weitergelagert wird/wurde. Nach der Entleerung von drei von vier Fässern aus der ersten Lieferung gelangt dieser Tage Fass Nummer vier in den Verkauf. Wieder konnte ich den Importeur Gerd Schmerschneider von Prineus für eine Stellungnahme gewinnen - same procedure as last year... 
whatadrink!: Herr Schmerschneider, dieser Tage gehen die ersten Flaschen einer neuen Abfüllung vom Amrut Herald über die Ladentheken - passenderweise sind die Flaschen aus den drei ersten Fässern mittlerweile auch bei (fast) allen Händlern ausverkauft. Als wir letztes Jahr über diesen Whisky gesprochen haben, haben Sie erzählt, dass von vier ursprünglichen Fässern noch eines auf Helgoland verblieben ist. Kommen wir jetzt in den Genuss des Whiskies aus diesem einen Fass (Cask Number 3030) oder wurden mittlerweile noch weitere aus Indien angeliefert?

Gerd Schmerschneider: Richtig, die erste Abfüllung bestand aus drei Fässern, das letzte Fass (#3030) lag seitdem weiter auf der Insel. Damit hat dieses Fass eine Reifezeit von 4 Jahren Bangalore und 4 Jahren Helgoland hinter sich. Dieses Fass ergab 219 Flaschen (0,7l, 58,4% Vol., ca. 85-90 EUR) und die wird es hauptsächlich auf dem deutschen Binnenmarkt zu kaufen geben. 60 Flaschen der Abfüllung sind auf Helgoland geblieben. Allerdings haben wir letzten Sommer weitere fünf Fässer nach Helgoland gebracht, die dort weiterreifen.

wad: Von den anderen sehr unterschiedlich angelegten Amrut Limited Editions Portonova, Intermediate, Kadhambam, 100 Peated und Two Continents wurden in letzten Monaten neue Batches veröffentlicht. Sind die Flaschenzahlen da ähnlich gering wie bei den ersten doch sehr kleinen Auflagen? Wieviele Flaschen haben Sie jeweils als Importeur für Deutschland bekommen?

GS: Portonova 60 Flaschen (60 weitere kommen noch nach), Kadhambam (120 Fl.), Two Continents 2nd (120 Fl., das war aber schon in 2011), Amrut 100 (100 Fl. mit je 100cl, abgefüllt mit 100 engl. proof -57,1% Vol.- und Schlussreifung in einem 100-Liter-Eichenfass, 1 Einzelfass exklusiv für Deutschland).

wad: Der Herald wurde bisher in Ex-Bourbonbarrels gelagert. Amrut hat sich aber in der Vergangenheit auch an höchst gewagte Kombinationen von Fasstypen, wie z.B. bei Kadhambam, gewagt. Könnten Sie sich ein ähnliches Experiment mit z.B. einem Fass aus deutscher Eiche und einer Vorbefüllung mit Wein, Weinbrand, einer anderen Spirituose oder gar Bier und einer Lagerung auf Helgoland vorstellen? 


GS: Vorstellbar ist bei Amrut alles. Es gibt diesbezüglich auch diverse Tests in der Brennerei (ohne in Details gehen zu können/dürfen). Wir bringen die Fässer immer komplett aus Indien nach Helgoland, daher werden Befüllungen von Fässern deutscher Herkunft etwas schwieriger. Davon abgesehen funktioniert die Reifung in Ex-Bourbonfässern bei Amrut sehr gut. Ex-Weinbrand-Fässer werden übrigens beim Kadhambam verwendet. Amrut stellt für den indischen Markt auch einen sehr guten Brandy her. Interessant stelle ich mir ein Rumfass vor. Amruts Old Port Rum ist auch in Deutschland erhältlich und gibt mit seinem einzigartigen Geschmack und Stil sicherlich eine interessante Basis ab. Beim Bier wird andersherum ein Schuh draus: Wir haben die entleerten Herald-Fässer einer Brauerei für Experimente mit fassgereiften Bieren zur Verfügung gestellt. Wir sind auf die Ergebnisse sehr gespannt.

Na, das klingt ja gut. Einen sehr gelungenen getorften Amrut gab es ja schonmal vom Abfüller Black Adder - Der kam aber aus einem Ex-Demerararumfass. Wenn Sie nun noch nach Tastingnotes zum Herald lechzen, darf ich auf Herrn Valentins Whiskyfun-Blog verweisen, ganz wie es sich für die Sauregurkenzeit geziemt.




Sonntag, 3. März 2013

Kavalan - Single Malt aus Taiwan

Beim diesjährigen "Finest Spirits"-Festival in München war, wie auch schon auf der Frankfurter "Interwhisky" und wie bei der Whiskymesse "The Village" in Nürnberg am ersten Märzwochenende, die jetzt in Deutschland erhältliche Range des Single Malt Whiskys "Kavalan" vertreten und konnte in Masterclasses bzw. am Messestand verkostet werden. Daran ist zunächst nichts besonders zu bemerken, kommen doch fast täglich neue und - glaubt man den Beschreibungen der Marketingmenschen in ihren Presseinfos - immer noch bessere Whiskys auf den Markt. Aber "Kavalan" kommt aus Taiwan.

"Den will ich gar nicht probieren. Das ist doch wieder so ein Retortenwhisky." Diese Aussage eines Münchner "Finest Spirits"-Besuchers steht in gewissem Gegensatz zu den Auszeichnungen und Bewertungen, die "Kavalan" bzw. etliche Abfüllungen der Taiwanesen in den letzten Jahren einheimsen konnten. Besonders stolz ist man auf den Titel "Asia Pacific Spirits Producer", den man bei der IWSC (International Wine & Spirits Competition) in den letzten beiden Auflagen gewonnen hat und der die Herstellerfirma "King Car Food Industrial Company Ltd." in eine Reihe mit "William Grant & Sons Distillers Ltd." oder "The Glenmorangie Company" stellt. Noch dazu konnte man mit dem "King Car Conductor Single Malt Whisky" in der Kategorie "The Whiskies Of The World" die Höchstnote Gold - Outstanding gewinnen. Sie machen sich nichts aus Awards und Titeln und solchem Tamtam? Zurecht. Unsere japanischen Freunde von der "Suntory Liquors Ltd.", bisher die Abräumer in der Kategorie "Asia" sehen das ein bisschen anders, war zu vernehmen.

Wir wollen aber nicht Edelmetall, sondern Whisky sprechen lassen. Da selbiger sich stimmlich zunächst ein bisschen zierte, wurde er durch Masterblender Ian Chang vertreten. Selbiger konnte berichten, dass Mister T.T. Lee, allmächtiger Boss des "King Car"-Nahrungs- und Putzmittelkonzerns (in unseren Breiten durch "Mr. Brown" Dosenkaffee bekannt), nach dem Beitritt des Landes zur WTO in 2002 und dem Fall des staatlichen Alkoholmonopols mit der Planung einer Destillerie nach schottischem Vorbild begann. Nach nur neun Monaten Bauzeit wurde der Komplex 2005 vollendet und am 11. März 2006 floss der erste New Spirit aus feinsten, schottischen "Forsyths"-Brennblasen.

An dieser Stelle kurz ein paar Daten. Die durchschnittliche Außentemperatur liegt in Taiwan (bekanntlich eine Insel östlich der VR China, ungefähr auf der Höhe von Hongkong, nördlich der Philippinen, völkerrechtl. Status ungeklärt) bei 25-27°C übers Jahr gesehen. Ein subtropischer Sommer geht dabei aber gern mal von März bis Oktober und bringt dabei Tageshöchstwerte von 37-40°C mit. Das ist überhaupt nicht schottisch und bringt daher einen für Whiskyliebhaber beunruhigenden Angels' Share von rund 15-18% mit sich. Das Fasslager ist ein fünf Stockwerke hohes, modernes Warehouse, in dem - insbesondere in den oberen Stockwerken - extrem hohe Temperaturen herrschen. Diese klimatischen Umstände führen zu einer Art Turboreifung des Destillats. Nicht zuletzt die Beratung durch Whiskyguru Dr. Jim Swan (Consultant und bekannt als Master Blender bei "Penderyn") führte zu einem von Anfang an konsequent professionellen Fassmanagement. Verwendet werden Ex-Bourbon-, Ex-Sherry-, Ex-Wein- und auch Ex-Whiskycasks (!) - letztere aus Schottland und Japan, die, sobald befüllt, jedes Jahr qualitätstechnisch kontrolliert werden - jedes der zur Zeit 30.000-35.000 Fässer wohlgemerkt, da sich bei dem enormen Reifungstempo auch Fehler extrem schnell ausbilden können. Nicht alles bringt also nur Vorteile. Die verwendete Gerste (3-4 verschiedene Varietäten) wird hauptsächlich aus Schottland, England, Schweden und Australien bezogen. 
Während für den taiwanesischen Markt auch Whiskys mit nur zweijähriger Lagerdauer produziert werden, kommt der Standardwhisky "Kavalan Single Malt" (40% Vol., verschiedene Fasstypen, ca. 60 EUR) in der Abfüllung für Europa als dreieinhalb- bis vierjähriger Single Malt in die Flasche. Der recht ordentliche Malt hat mich mit seinen Mandel- und Citrustönen bei doch recht honiglastigem Malz nicht vom Hocker gerissen. Das Portfolio reicht über den "Concertmaster" mit Portweinfassfinish und dem oben genannten "King Car Conductor" zu den Einzelfassabfüllungen (Cask Strength, ungefärbt, keine Kältefiltrierung) namens "Solist". Ah ja. Hier werden wir fündig. Der "Vinho" (aus einem nicht weiter beschriebenen Ex-Weinfass, 57,7% Vol., Cask: W071210053, ca. 100 EUR) war weniger mein Typ als der "Solist" aus einem Ex-Bourboncask (56,3% Vol., Cask: B080616033, ca. 120 EUR), der einfach ein reinrassiger Ex-Bourbonmalt mit Schlüsselaromen von Vanille, Kokosnuss und Honig ist. Gelungen! Noch besser finde ich den "Solisten" aus einem Olorososherryfass (58,6% Vol., Cask: S060703032, ca. 130 EUR). Ich durfte davon mittlerweile aus drei verschiedenen Fässern - alle vom gleichen Produktionstag - kosten. Und alle drei waren - nunja - kleine Sherrybomben mit viel Frucht und - bei aller Power - mit angenehmer Süße. Die haben mir persönlich auch besser gemundet als der - für mich - doch reichlich eckige "Solist Fino Sherry" (58,1% Vol., Cask: S060814050, ca. 255 EUR), für den zudem noch ein etwas abgehobener Preis aufgerufen wird. Nunja. Zum blauetikettierten "Vinho" darf ich noch eine Besonderheit vermelden: Hier kommen spanische, portugiesische und italienische Rot- und Weißweinfässer zum Einsatz (natürlich immer nur eines pro Bottling), deren Innenseiten mit der Hand "abgehobelt" und anschließend einem neuen Toasting & Charring unterzogen werden.
Die Fasscodes sind leicht zu entschlüsseln: B, S oder W steht natürlich für den Typ Bourbon, Sherry oder Wein. Dann folgt das Destillationsdatum - z.B. 060703 für den 3. Juli 2006. Dann folgt noch die dreistellige Fassnummer - z.B. 032. Das Bottlingdate ist nicht auf dem Etikett, sondern auf der Flasche aufgedruckt. Die derzeit aktuellen Flaschen im deutschen Einzelhandel wurden rund um den 24.12.2012 abgefüllt. So lässt sich das genaue Alter kinderleicht ermitteln. Bei genauem Hinsehen bemerken wir also, dass bei Sherryfässern die Ausbeute rund 550 Flaschen nach einer Lagerdauer von über sechs Jahren beträgt, während bei Bourboncasks nach rund 4,5 Jahren nur ca. 200 Flaschen abgefüllt werden. Viel Spaß beim Rückrechnen auf die ursprüngliche Füllmenge und Fassgröße.

In München stand mir neben Herrn Chang auch Whiskyfachmann Bernhard Schäfer Rede und Antwort, der das asiatische Team in Deutschland bei Master Classes und Seminaren unterstützt.

whatadrink: Bernhard, "Kavalan" Whisky ist ganz neu in Deutschland. Wo würdest Du diesen Whisky in Deiner persönlichen Whiskywelt ansiedeln?

Bernhard Schäfer: Meine persönliche Whiskywelt ist die Welt des rauchigen Whiskys. Das ist bisher - einen sehr leckeren "Kavalan", der in einem Islaywhiskyfass gelagert wurde, durfte ich allerdings in Taiwan bereits probieren - nicht die Ausrichtung von "Kavalan". Wir dürfen bei aller Lieb zu dem ganzen rauchigen Zeug nicht vergessen, dass sich weltweit gesehen der nichtrauchige Whisky größerer Beliebtheit erfreut. Aber um auf Deine Frage zurückzukommen: Das ist einfach sehr guter Whisky! Wenn wir beide morgen mit der Whiskyproduktion beginnen würden, gäbe es viele Punkte zu beachten. Und all das, was man dabei steuern kann, haben die Menschen bei "Kavalan" richtig gemacht. Die haben den besten Mann als Berater, die beste Herstellerfirma für ihr Equipment, und die besten Fässer, die man für Geld bekommen kann. Und dazu hat man in Taiwan ein lustiges Klima. Zudem experimentiert man dort auch. Zum Beispiel hat man die Fässer aus allen großen amerikanischen Destillerien getestet und festgestellt, dass man außer mit Fässern von "Jack Daniel's" gleichbleibend gute Resultate erzielt. "Kavalan" funktioniert einfach nicht mit "Jack Daniel's"-Fässern.

wad: Wir kennen mittlerweile japanische und indische Whiskies und betrachten beide als eigenständig. Gleiches muss man dann - bei allem schottischen Know-How, das in "Kavalan" steckt - auch für taiwanesischen Whisky gelten lassen?

BS: Ja, Du musst dabei auch sehen, dass außer Japan kein Land in Asien eine Whiskytradition hat. Und dieser Whisky kann mit jedem schottischen Whisky mithalten. Die Ergebnisse in internationalen Blindverkostungen sprechen eine eindeutige Sprache.

wad: Mir hat der "Solist Sherry", also aus dem Olorosofass, bislang am besten gefallen. Ein fruchtiger Sherrywhisky, der bei aller Zugänglichkeit nicht langweilig ist. Wer ein bisschen Ahnung hat, weiß aber auch eine gelungene Ex-Bourbonfass-Abfüllung zu schätzen.

BS: Ich finde, grade an einem Bourbon-Single Cask siehst Du die Qualität der Destillation. Sherryfasswhisky bietet immer die Möglichkeit mit intensivem Sherryholz das ein oder andere abzudecken. Das ist beim Bourbonfassausbau nicht ganz so einfach. Da kommt schon viel deutlicher die Qualität des New Makes durch. Dazu kommt, dass man Segen und Fluch zugleich hat, da durch die Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit vor Ort, die Reifung sehr schnell vor sich geht und so auch schnell Fehler passieren können, die nicht mehr zu "reparieren" sind. "Kavalan" hat da ziemlich Stress mit der Überwachung des Lagerbestandes.

wad: Der indische Hersteller "Amrut" hat ja ein ähnliches Klima/Lagerproblem und hat mit interessanten Experimenten wie "Intermediate", "Two Continents" und "Herald" zum Teil auch Whisky in Europa reifen lassen. Kann man von "Kavalan" Ähnliches erwarten?

BS: Ich glaube nicht. "Kavalan" fokussiert sich zum einen darauf einen guten Whisky zu machen. Damit hat man genug zu tun und verkaufen will man den auch erstmal. Die Range ist schon ziemlich groß und drei neue Abfüllungen, die ich noch gar nicht im Detail kenne, sind schon in der Pipeline - u.a. auch die Islaycaskgeschichte.

wad: Das ist doch überhaupt eine verrückte Entwicklung, dass Whisky, Rum, Gin oder Wein durch eine mehr oder weniger lange Fasslagerung Islaycharakter verliehen wird.

BS: Moment. Islaycharakter stimmt ja nicht. Es gibt doch genügend Whiskyabfüllungen von Islay, die überhaupt nicht mit getorftem Malz zu tun haben. Aber zurück zu Deiner Frage. Bis zu einem gewissen Punkt ist "Kavalan" also auch innovativ. Man muss aber nicht alles machen. Ich sehe weder ökonomische noch olfaktorische Vorteile. Die Auswahl ist ja jetzt schon ziemlich breit.

wad: Noch eine Frage, die vielleicht Leute interessiert, die sich jetzt die eine oder andere Flasche vom "Solist" kaufen. Hast Du Informationen dazu wieviele verschiedene Einzelfässer im Jahr (für uns in Deutschland) abgefüllt werden?

BS: Kann ich nicht sagen, wird aber sicher mit dem Abverkauf zusammenhängen. Der "Solist" wird derzeit nach Frankreich, Großbritannien und Deutschland exportiert. Du musst schon sehen, dass das echter Hardcore-Singlecask inklusive no-coloring und no-chillfiltering ist. Frankreich hat da sicher andere Fassnummern als bei uns.

wad: Stimmt.

BS: Es wird eben auf die Nachfrage ankommen. Bei uns ist der Stoff ja erst seit zwei Wochen erhältlich.

wad: Wer ist denn eigentlich der Vertriebspartner in Deutschland?

BS: Das macht die Firma selber. Man wollte sich wohl zunächst einen Großhändler suchen, aber da man eh selber importiert, vertreibt man jetzt auch direkt an die Einzelhändler.

wad: Danke für das Gespräch.
Fazit: Ausgezeichneter Stoff aus einer State-Of-The-Art-Destillerie + Lagerung bei subtropischem Klima + hochklassiges Fassmanagement = komplexer Whisky mit vielen entdeckenswerten Nuancen aus einem whiskyverrückten Land. 

Taiwan rangiert mit "nur" 23 Millionen Einwohnern unter den Top Ten der Whiskynationen, was den Verbrauch anbelangt und das Kavalansche Visitor Center besuchen jährlich rund 1 Mio. Menschen - mehr als in allen schottischen Destillerien zusammen. Als einziges Manko des Ganzen bleibt der relativ hohe Preis im Vergleich zu schottischen Destillaten. In Taipei liegt der Stoff übrigens auch auf ordentlichem Preisniveau. Eine Flasche "Solist Sherry" kostet dort umgerechnet etwa 100 Euro. Dazu darf man auch im Hinterkopf behalten, dass "Kavalan" keine urige Micro Farm Distillery ist, sondern bisher jährlich 9.000.000 Flaschen auswirft. Der Neubau einer zweiten Produktionslinie plus neuer Lagerhäuser wird wohl bereits angedacht. Aber war z.B. japanischer Whisky jemals günstig? Eben.

Und um abschließend auf den obigen Vorwurf des Retortenwhiskys zurückzukommen. Wer sagt denn, dass man als kleiner schottischer Schwarzbrenner, der sich vorm Steuereintreiber versteckt, anfangen muss, um 200 Jahre später erfolgreich Whisky verkaufen zu können?

Da ich nicht der Erste und sicher auch nicht Letzte bin, der über "Kavalan" schreibt, darf ich dem Leser viel Spaß bei einer ergänzenden Internetrecherche wünschen. Hier ein paar aktuelle YouTube-Clips:

Samstag, 25. Februar 2012

Amrut - Indian Single Malt Whisky

Die Firma "Prineus GmbH" (Import & Großhandel feiner Spirituosen) mit Sitz in Kiel hat sich in den letzten Jahren als Importeur der vielbeachteten Whiskyabfüllungen von "Compass Box", "Elements Of Islay", "Single Malts Of Scotland", "Port Askaig", "Amrut", "Mackmyra" und einiger weiterer Marken und auch anderer Spirituosen, wie z.B. dem historischen "Black Tot"-Rum, einen Namen gemacht.Das letzte Baby der Norddeutschen heißt "Amrut Herald" - ein indischer Single Malt, der auf der Insel Helgoland gelagert und abgefüllt wurde - quasi "indo-germanischer" Stoff also, wie zu lesen war. Geschäftsführer Gerd Schmerschneider stand mir während der "Finest Spirits" in München Rede und Antwort.

whatadrink!: Herr Schmerschneider, "Prineus" ist der Generalimporteur für "Amrut" in Deutschland und Sie erledigen auch die Distribution. Der "Herald" ist 2011 auf den Markt gekommen. Wie kam es zu dieser Abfüllung?

Gerd Schmerschneider: Es ging damit los, dass mich Ashok Chokalingam, der Repräsentant von "Amrut", der für den weltweiten Vertrieb zuständig ist, vor ein paar Jahren gefragt hat, ob man nicht so etwas ähnliches wie den "Amrut Two Continents", also einen Whisky, der zuerst in Bangalore und dann in einem Land nördlich von England gelagert wurde und auch aus europäischem und nicht nur indischem Getreide gemacht ist, mal mit Deutschland machen könnte. Wir haben uns dann gefragt: Wo können wir diesen Whisky lagern? Wir haben natürlich ein Lagerhaus in Kiel, das wäre ganz nett, ist aber nichts Spektakuläres. So kamen wir auf die Idee, Whisky auf die Insel Helgoland zu bringen, weil man, um Whisky zu lagern ein Zolllagerhaus braucht. Und, da Helgoland weiter zollfrei ist und zoll- und mehrwertsteuertechnisch nicht zur EU gehört, habe ich dort einen Händler, den ich sehr gut kenne, gefragt, ob wir in seinem Lagerhaus vier Fässer unterbringen können.

So reiften die Fässer nochmal eineinhalb Jahre auf der Insel. Zwischendurch wurden immer wieder Proben gezogen bis wir gesagt haben: So, jetzt füllen wir ab. Dann haben wir das ganze Equipment dafür, d.h. Flaschen, Korken, eine kleine Pumpe, Kaspelmaschine, Etiketten (übrigens von Hand beschriftet, da ja nicht klar war, wieviele Flaschen man mit welchem Alkoholgehalt abfüllen würde) und Alkoholmessgerät, rübergebracht und an einem Wochenende mit 10 Leuten drei Fässer abgefüllt. Das vierte Fass sollte eigentlich auch geleert werden, aber im Verlauf der Aktion stellte sich heraus, dass Verpackung und Flaschen nur für drei Fässer reichen sollten. Es war mehr Whisky drin, als zu vermuten war. Insgesamt ergaben sich so rund 750 Flaschen, von denen die Abfüllungen aus einem Fass für den deutschen Markt, aus dem zweiten Fass für den Händler auf Helgoland und die aus dem dritten Fass für "Resteuropa" zur Verfügung stehen. Meiner Meinung nach ist der Whisky aus Fass 2868 der beste der drei. Unsere beschriebene Abfüllmethode führte auch zu der Besonderheit, dass der Whisky wirklich vollkommen unfiltriert direkt aus dem Fass durch einen Schlauch in die Flasche gekommen ist. Ungefärbt ist er natürlich sowieso. Also Whisky as we get it!

wad: D.h. wenn sich ein Fitzelchen von der Fasswand abgelöst hat, dann landete das in der Flasche?

G.S.: In einigen Flaschen sind kleine Partikel zu sehen, da wir immer solange abgefüllt haben, bis zuviel Fragmente mitkamen. Das vierte Fass ist übrigens weiterhin auf Helgoland. Über eine Abfüllung haben wir noch nicht erschieden und da die ganze Aktion so gut verlaufen ist, werden wir im Frühjahr weitere Fässer nach Helgoland bringen. Da wird dann auch getorftes Destillat von "Amrut" dabei sein, hoffe ich.
wad: Gibt es eigentlich getorftes Malz in Indien?

G.S.: Nein, wenn man bei "Amrut" getorftes Malz nimmt, dann kauft man das vorher in Schottland. Dort weiß man einfach, wie man das perfekt macht. In Indien gibt es Malz bzw. Gerste, aber kein Torf. Es ist einfach zu warm dort.

wad: Und Helgoland? Gibts da Torf?

G.S.: Nein, Helgoland ist ja eine winzige Insel, die man in einer Dreiviertelstunde gemütlich zu Fuß umrundet hat. Interessant beim "Herald" ist v.a. auch der Unterschied beim Klima. In Bangalore ist es sehr heiß und der angels' share liegt bei 12-15% gegenüber Schottland mit 2-3%.

wad: Das habe ich gelesen. Aber wie stellen sich die Toleranzen in Sachen Temperaturunterschied in Indien dar? In den USA kennen wir ja das Phänomen, dass die Unterschiede bei der Reifung im gleichen Warehouse eklatant sein können, je nachdem ob das Fass oben oder unten liegt.

G.S.: Ja, das gibt es in Indien auch. Durch die Hitze in den oberen Regionen der Lagerhäuser kann es vorkommen, dass der Alkoholgehalt während der Reifezeit noch steigt. Auf Helgoland geht es dann mit einem sehr gemäßigten Klima weiter, was sehr gut für die Harmonisierung ist. Das ist ein wesentlicher Effekt, den wir beim "Herald" erzielt haben.

wad: A propos Effekt, welche Fässer wurden beim "Herald" verwendet?

G.S.: Hier haben wir Bourbonfässer gehabt und zwar Barrels und keine Hogsheads. "Amrut" verwendet in erster Linie Ex-Bourbonfässer und belässt diese immer in der Originalgröße. Dazu kommen 8-10% frischer Eichenfässer und auch Sherryfässer wie beim "Intermediate" (Ex-Bourbon + Fresh Oak, dann Sherry, dann wieder Ex-Bourbon).

wad: Den "Amrut Portonova" (
Ex-Bourbon + Fresh Oak, dann Portwein, dann wieder Ex-Bourbon) haben Sie nicht hier auf der Messe?

G.S.: Nein, der "Portonova" war ein Experiment mit letztlich 300-400 Flaschen und wir haben für Deutschland nur 60 davon erhalten, die am gleichen Tag an die Händler rausgingen. Daher haben wir davon nichts mehr hier am Stand.

wad: Danke für die Informationen.


Mir persönlich hatte Bibleauthor Jim Murray vor rund zwei Jahren die Scheu vor den Exoten aus Indien genommen, der die mit viel schottischen Know-How ans Laufen gebrachte Destillerie regelmäßig lobend erwähnt. Aber nicht nur er, sondern auch Institutionen wie die Malt Maniacs haben "Amrut"-Whiskies schon ausgezeichnet. Dem Einsteiger sei der preisgünstige aber nicht weniger exotische "Amrut Fusion" aus der regulären Single Malts Range ans leicht getorfte Herz gelegt.

"Amrut" Single Malts sind bei zahlreichen Onlinehändlern in Deutschland erhältlich - "Amrut Herald" kostet rund 85-90 EUR / 0,7l.

Montag, 22. Februar 2010

Munich Whisky And Bar Festival 2010

Dieser Tage fand das alljährliche Münchner Whisky & Bar Festival statt. Auch ich war dabei und habe die folgenden Beobachtungen und Erfahrungen machen dürfen.

„Für was stehen die denn alle an?“ war eine durchaus begründete Frage am Samstagabend, denn eine kapitale Schlange von Besuchern teilte den Bereich zwischen Messeständen und Restaurant fast über die gesamte Länge in zwei Teile. Doch nein, hier gab es nicht „Zacapa for free“, sondern nur Probleme mit der Garderobenorganisation.

Ich schwang mich in die Masterclass mit Blanton´s Bourbon und erlebte dort Helmut Knöpfles Vortrag mit grundsätzlichen Infos zu American Whiskey und seinen Beobachtungen beim Kentucky Derby. Die Verkostung der drei erstklassigen Blantons „Original“, „Straight From The Barrel“ und der „Edition SZ“ von 2006 kam dabei leider etwas zu kurz. Aber was soll´s: Runter damit!

Zur Entspannung gönnte ich mir anschließend den nagelneuen Ardbeg Rollercoaster. Zwar waren meine Geschmacksknospen noch von den hochprozentigen Amis betäubt, der wohltuende Rauch des offenbar weniger sherrygeprägten, jüngsten Spross der Ardbegfamily drang aber durch und brachte mich in Laune für das Malt-Tasting mit Legende und Whiskybible-Verfasser Jim Murray. Eine eingehendere Prüfung sollte aber baldmöglichst nachgeholt werden.

Mit einem Schluck Zacapa 23y neutralisierte ich auf dem Weg dorthin das peatige Mundgefühl. Die alte Abfüllung war nicht so gefällig geblendet und hat mir besser geschmeckt. Gut, dass da noch Bestände in meinem Keller schlummern. Hier noch für alle Interessierten die schematische Aufbereitung von Zacapas Soleraverfahren:

Doch zurück ins Klassenzimmer: Dort führte Oberlehrer Murray zunächst in die korrekte Vorgehensweise beim Riechen und Trinken von Whisky ein und narrte die versammelten Kenner (und solche die es werden wollen) mit der Auswahl der durchweg erstklassigen Destillate. Nachdem gemeinsam deren Nuancen und Aromen ausführlichst in Form des Blindtastings erarbeitet worden waren, gab es nämlich ein großes Hallo als sich herausstellte, dass sich hinter den „Schotten“ ein Waliser, ein Schwede, nicht weniger als drei Inder (!) und immerhin ein schottischer Blend verbargen. Fazit: Traue nie der Marketingabteilung – traue nur Dir selbst (oder der Bible).