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Samstag, 21. April 2012

Braukunst Live! 2012 - Ein Muss!

Wie hier bereits angekündigt, tobt dieser Tage der Hopfen- und Malz-Bär beim "Braukunst Live!" Festival im Münchner MVG-Museum. Ich war am gestrigen Freitag schon dort und darf zuallererst mein Fazit loswerden: HINGEHEN und GENIESSEN!
Eineinhalb Jahre haben Frank Böer und sein Team von einer fixen Idee während einem Gang über den Viktualienmarkt bis zur Eröffnung ihres Bierkulturfestivals gebraucht. Das Ziel war eine Bühne für eine Szene zu bieten, die sich im Aufbruch befindet. Ich finde, diese Bühne steht bei ihrer Premiere schon äußerst passabel da - die Erfahrungen mit "Finest Spirits" haben sichtbar geholfen. Die ganz großen Big Boys der Bierbranche sind nicht zugegen - die kennen wir ja schon. Aber ab "Hofbräu" und "Schneider Weiße" abwärts ist ein bemerkenswert vielfältiger, auch international angehauchter Querschnitt in der großzügigen Museumshalle versammelt.
 Frank Böer
Aber wo den Rundgang anfangen? Ich empfehle eine Orientierung an Stand Nummer 1 bei "Braufactum" mit ihren zehn selbstgebrauten und weiteren 25 (!) handgemachten Topbieren aus z.B. Italien und den USA. Unverzichtbar ist auch ein Versucherle bei "CREW AleWerkstatt" und den belgischen Freunden gleich um die Ecke. Ein nagelneues Holzfass (ohne Füllung) lässt sich ebenso bestellen wie ein ganzes hölzerens Sortimentstragerl bei "Camba Bavaria" aus dem malerischen Truchtlaching. Unbedingt probieren: Im Bourbonfass für 9-12 Monate gereifter, öliger Doppelbock mit fetten Röst- und Karamellaromen. Dann schnell rüber zum "Hofbräu". Dort wurde eigens das Festivalbier Zweifach gehopfter Hallodri mit appetitlicher Nase nach grünen Aprikosen und angenehm ausgewogener Hopfennote gebraut. Ein Sixpack zum Mitnehmen gibts auch. Dann noch schnell zur "Braustelle Köln" und das McHeath's Murder Malt Cal. 45 aus dem Single Malt Cask verkostet. A propos Single Malt. Die Ergebnisse des Beer Goes Barley-Projekts gibts auch noch zu bestaunen. Dazu begebe man sich ans Ende der Ausstellerfläche zu den Whisk(e)yspezialisten von "C&S Dram", "Glenglassaugh", "Coillmor", "Munich Spirits" und "Mike's Whiskeyhandel". Und bevor man sich im Probieren, Degustieren vollends verliert, macht ein Stop beim Festivalshop und der Kauf einer der letzten 1000 Flaschen des superlimitierten und eigentlich längst ausverkauften "TAP X" von "Schneider Weisse" Sinn.

frisch gezapft
 
Biergespräche
Angebot von "Camba Bavaria"



Deandl mit Dirndl
Spezialisten unter sich an der "Braustelle"
 





Schirmherr Prof. Wurm von "Bierconvent" und Dr. Möller vom "Hofbräu"
 




Hopfensorten
 

 
So, hier noch ein Hinweis zu den Festival-Master Classes, dem begleitenden Vortragsprogramm, bei denen es dann doch wieder um Hopfen, Malz und Reinheitsgebot geht...

Dienstag, 14. Februar 2012

Finest Spirits 2012 oder: Alle Jahre wieder

Barocke Typen in schottischen Kilts, Harleys und junge Frauen mit einer Karre voll Torf - Das waren zwar nicht die Hauptdarsteller, aber doch mehr oder minder auffällige Komponenten beim Münchner "Finest Spirits" Festival, das am letzten Wochenende über die Bühne ging.
Wie schon im letzten Jahr hat sich die Messe, nennen wir die Veranstaltung mal etwas despektierlich so, weiterentwickelt. Standen 2011 noch die neue Location und die weitere Öffnung zu anderen Spirituosen im Vordergrund, konnte Boss Frank Böer dieses Jahr gleich von weit über 200 vertretenen Marken berichten und auch das Medieninteresse hat weiter zugenommen.
fachkundiges Publikum

Ein Beweis für die gestiegene Aufmerksamkeit gerade auch der Industrie war beispielsweise die offizielle Präsentation des neu zusammengestellten "Rémy Martin" VSOP (55%
Grande Champagne + 45% Petite Champagne = Fine Champagne Cognac), der jetzt das Kürzel Mature Cask Finish mit im Namen trägt. Dahinter steckt, so hat mir Cognac BNIC Educator Jürgen Deibel (leider nicht exklusiv) verraten, eine zusätzliche Reifezeit in 20 Jahre alten Fässern nach der Marriage der Eaux-De-Vie. Mir mundete der Neuling sehr. Er erscheint wirklich runder als der alte VSOP und bietet sich neben dem Gebrauch an der Bar auch dem fortgeschrittenen Geniesser an.
Oliver von Carnap

Von dieser Sorte marschierten offensichtlich einige durch schon am Freitag gutgefüllte Halle, was die Belagerung der "Zacapa"-Bar (bemixt von Oliver von Carnap und Caroline Anaís Rex), der großen "Chivas"-Lounge, des "Tölzer Käsladens", des "Tres Hombres"-Rumstandes und natürlich der vielen Whiskystände bewies. Bei letzteren und auch bei den Masterclasses lag ein Schwerpunkt heuer bei den deutschsprachigen Malzbränden aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, die immer mehr ihre Eigenständigkeit in der Vordergrund stellen und durch immer mehr gelungene Tröpfchen überzeugen. Zum ein oder anderen Brenner bzw. Vertrieb folgen hier in den nächsten Tagen noch ausführliche Beiträge.

Oliver von Carnap & Caro Rex

Gregg Glass


Es waren aber nicht nur Hersteller- oder Markenstände aufgebaut worden, sondern insbesondere Vertriebe mit whiskylastigem Portfolio waren stark vertreten wie z.B. die Kieler Firma "
Prineus", die u.a. die Abfüllungen des englischen Shops "The Whisky Exchange" ("Elements Of Islay" und "The Single Malts Of Scotland") hierzulande unters Volk bringt. Glänzen konnte Geschäftsführer Gerd Schmerschneider auch durch die Anwesenheit von "Compass Box"-Assistant Whiskymaker & Whisky Ambassador Gregg Glass, denn auch die Leckereien dieser Whiskyschmiede hat "Prineus" im Angebot.
Gregg leitete u.a. ein Tasting, in dem der neue und ohne Einschränkung empfehlenswerte Blend namens "Great King Street - Artist's Blend" (50% Grain / 50% 10jährige Malts) vorgestellt wurde. "Great King Street" ist übrigens eine neue Serie von "Compass Box" - ausschliesslich mit Blended Scotch. Aber ich schweife ab. Gregg erzählte zur Verkostung des "Spice Tree" (einer meiner Alltime Favorits) die Story von den getoasteten Brettchen im Fass und dem Tamtam mit der SWA. Dann gings zur rund 200 EUR teuren Limited Edition "Last Vatted Malt". Die Story, die auf der Abschaffung des "Vatted"-Begriffs basiert, könnte man als reine PR-Schoße abtun, wäre der Stoff nicht so verdammt gut. Der "Last Vatted Grain" hat mir persönlich aber fast noch mehr gemundet. Das Tasting hatte Gregg übrigens mit einem noch namenlosen "X"-Sample abgeschlossen und die Teilnehmer an den "Prineus"-Stand geladen, wo er nach vom Kunden selbst ausgeklügelten Rezeptur einen persönlichen "Compass Box"-Whisky blendete und abfüllte. Ein Geheimtip an diesem Stand war übrigens der "Vit Hund", ein New Make oder New Spirit von den renommierten Schweden von "Mackmyra".
Gregg Glass

Nicht unerwähnt bleiben darf auch das Projekt "Beer goes Barley", das zu ziemlich coolen Festivalbottlings führte. Dabei wurde eine Idee des Fachjournalisten Werner Obalski in Zusammenarbeit mit Andrea Caminneci in die Tat umgesetzt: Schottischer Whisky in bayerischen Ex-Bierfässern. Der zwingend notwendige Trip einer bayuwarischen Abordnung nach Schottland wurde videotechnisch dokumentiert - hier alle Infos dazu. Ein Hoch auf Werner und die globale Trinkkultur! - Das nächste Mal will ich auch mit...

Und was gabs sonst noch? In einem Satz: Ein einfach nicht zu bewältigendes Angebot an Drinks und Drams. Da waren z.B. ein etwas versteckter Stand mit Rumdrinks ("Gosling's"), eine Vodka-Strassenbahn mit "Flatrateticket" und natürlich auch Obstbrenner. Dabei auch solche, die keinen Whisky anbieten.
Magister Maximilian Coreth

Einer der interessantesten Newcomer dieser Szene ist Magister Maximilian Coreth, ein Vertreter des österreichischen Hochadels und Honorarkonsul von Thailand. Unter dem Label "
1772 Count Coreth Prachensky" produziert er sortenreine Edelbrände aus den Maischen tropischer Früchte wie Ananas, Passionsfrucht, Lychee oder Eierbanane. Der Witz dabei ist nicht nur das äußerst gelungene Flaschendesign oder die Tatsache, dass nicht etwa Geiste, sondern wirklich Brände produziert werden. Nein, die Früchte stammen vielmehr aus den "Royal Fruit Gardens" des Königs von Thailand und destilliert wird vor Ort. Von der wirklich höchsten Qualität dieser schon in der Nase betörenden aber leider auch sehr kostspieligen Preziosen konnte ich mich ausgiebig überzeugen. Erhältlich ist dieser Luxus online bei "Feinkost Käfer" und "mybottles".
Mike Werner

Erwähnt werden müssen auch gleich zwei Cocktailwettbewerbe. Zum einen richtete die DBU ihre bayerische Cocktailmeisterschaft aus (Sieger wieder Adriano Paulus). Zum anderen gab es einen Wettbewerb für Hotelbartender, die mit Bourbon Whiskey als Basis neue Rezepte vorstellen mussten. Dieser kleine Wettstreit wurde von Mike Werner, Importeur der exklusiven Abfüllungen der "Kentucky Bourbon Distillers" und Betreiber von "Mike's Whiskeyhandel", der auch ein paar neue "Willett"-Bourbons am Stand hatte, unterstützt (Ergebnisse werden nachgereicht). Amazing!