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Freitag, 10. Oktober 2014

Barconvent Berlin 2014


 Einige dachten nur ans Shoppen
 Andere nur an das eine
 

 An der Bar USA mixten die ganz Großen
 Es gab aber auch Beer USA
 Leckereien von Andy bei The Duke
 Dave Broom erklärte Whisk(e)y


 Preziosen


 Last Exit BCB?

 Der Name ist Programm (?)

 Hat nichts mit Obstler zu tun (oder doch?)

 Die Ruhe vor dem Sturm
 Miller/Brown erklärten Vermouth
 Girls Of BCB

 Mickey Heads loves Berlin
 Überraschend wenig neue Vermouths
 Unzählige (neue?) Gins
 Prominente
 Girls Of BCB
 

 Elderflower gibts auch in England
 
 Girls Of BCB
 Der Hammer: Geranium 55 (von und mit Herrn Hammer)


 Endlich: Gin für - äh - wen eigentlich?
 Rarität: 40 Jahre gereifter Sake
 Das Feierbiest aus München (Oh Mandy!)
Game Over! Try again next year...

Mittwoch, 28. November 2012

Mal wieder was zum Lesen und Rum für die Haare...

Winterzeit - Geschenkezeit. Auch wenn Sie und Ihre Lieben nicht am alljährlichen Weihnachtsrummelbummel teilnehmen oder aus Prinzip keine Geschenke machen, sollten Sie sich die folgenden Werke mal genauer ansehen:

"1001 Whiskies You Must Taste Before You Die", Dominic Roskow, 960 Seiten, ISBN 978-1-84403-710-0: Seit Sommer 2012 liegt dieses Schwergewicht vor und ist vielleicht weniger was für den Nierentisch (der unter der Last zusammenbrechen könnte), als für das Nachttischchen oder *hüstel* die Toilette. Eindruck macht auf jeden Fall der, der alle Malts, Blends, Irish, Bourbons, Ryes, American Craft Whiskies, etc. schon probiert hat. Sechs deutsche Whiskies sind übrigens auch dabei. Das wäre ja mal ein Anfang. Der Autor verzichtet auf Punkteschema oder sonstige strenge Bewertungen, erzählt aber mal was zur Brennerei, zum Abfüller oder eben zum Whisky selbst. Tastingnotes gibts auch. Eine unterhaltsame Lektüre für eine sechswöchigen Urlaubsreise an den Oderbruch.
"gaz regan's Annual Manual For Bartenders 2012", 277 Seiten, ISBN 978-1-907434-01-3 (auch via Kindle) und "gaz regan's 101 Best New Cocktails 2012", 275 Seiten, ISBN 978-1-907434-03-7: Nach dem Annual Manual 2011 besteht this year's gaz regan gleich aus zwei Bänden. Einmal haben wir das Manual, das sich in einen autobiografischen Teil, einigen Artikeln zu einzelnen Fachthemen inkl. Bartenderportraits - Stichwort: Mindful Bartender - und noch ein paar Abschnitten unter dem Titel Bar Geekery (z.B. Jiggern) unterteilt. Gegenüber der 2011er Ausgabe wurde der Rezeptteil in das "101 Best New Cocktails"-Buch ausgelagert. Dort gibt es dann genaue Rezepturen aus Bars und Cocktailwettbewerben, die der Meister selbst vor Ort vernichtet und mit Kommentaren versehen hat. Eine - wie ich meine - inspirierende Sammlung von durchaus nachahmenswerten Beispielen zeitgenössischer Cocktailkunst.

"Cuban Cocktails", Anistatia Miller & Jared Brown, 271 Seiten, ISBN 978-1-907434-10-5: Was das Œuvre dieser beiden "Drinks Detectives" (CLASS magazine) für die Bartenderwelt bisher bedeutet hat und hoffentlich noch bedeuten wird, kann ich gar nicht abschätzen. Auf jeden Fall macht "Cuban Cocktails" da weiter, wo der Vortrag des "legendary couples" beim BCB 2012 aufgehört hat: Bei den kubanischen Cantineros und ihren Drinks. Ein extrem unterhaltsames Must nicht nur für Cuba Libre-Trinker und Cocktailhistoriker.
"Bourbon, Straight", Charles K. Cowdery, 284 Seiten, ISBN 978-0975870303: Das Buch aus dem Jahre 2004 ist auch heute noch up-to-date, auch wenn die amerikanische Whiskeyszene seit dem einige Änderungen durchlaufen hat. Nennen wir es "Standardwerk" - ohne andere "Standardwerke" hinten anzustellen. Aber Cowdery - Betreiber des "Chuck Cowdery Blog" und Herausgeber des "The Bourbon Country Reader" - ist nicht nur gelernter Journalist, sondern Whiskeyliebhaber und das seit vielen Jahren. Sauber recherchierte Fakten und eigene Erlebnisse/Erkenntnisse ergeben so ein detailliiertes Bild des American Whiskey. Das Buch ist als Kindleedition erhältlich, wie übrigens auch zwei weitere Veröffentlichungen des Autors: "The Best Bourbon You'll Never Taste. The True Story Of A. H. Hirsch Reserve Straight Bourbon Whiskey, Distilled In The Spring Of 1974" bringt Licht in die Geschichte des in letzter Zeit zu Mondpreisen gehandelten Bourbons und zeigt auf, welch ein Unsinn auf dem Rückenetikett der letzten Abfüllungen publiziert wurde. "Small Barrels Produce Lousy Whiskey" stellt diese von Cowdery abgeschossene These in den richtigen Kontext.

Zum Abschluss noch ein Geschenktip für den gepflegten und stilvollen Herren. Das Kaufhaus Manufactum bietet seit kurzer Zeit ein Vielzweckmittel an, das als Badezusatz, Gesichts- und Haarwasser, Körperlotion und Rasierwasser genutzt werden kann. Ob man den "Dominica Bay Rum" mit 55,5% Vol. auf Basis von "feinstem Jamaica-Rum" auch gefahrlos trinken kann, kann ich noch nicht bestätigen. Noch reibe ich mich vor dem Verlassen des Hauses mit feinstem Islay-Malt ein... Frohes Fest!


Mittwoch, 18. Juli 2012

Sipsmith G'n'T Tour 2012 - Passion For Traditional Gin - Updated

wad unterbricht kurz die Sommerpause, um von einer kleinen, feinen Veranstaltung zu berichten - der "Sipsmith" G'n'T City Tour 2012, die am Montag in "Mauros Negroni Club" in München gestartet wurde und heute in Frankfurt Station gemacht hat (weitere Termine folgen im Herbst in Hamburg und Berlin). Präsentiert wurden mit "Sipsmith London Dry Gin", "Sipsmith Barley Vodka" und "Sipsmith Summer Cup" drei Produkte, die z.T. schon länger in Deutschland erhältlich, allerdings erst seit kurzer Zeit im Vertrieb der "DTS-W GmbH" (Cocchi, Rum Nation, Ron Millonario,...) zu finden sind.
So konnte Tobias Keuper von "DTS-W" mit Sam Galsworthy einen der Firmengründer und mit dem internationalen Spirituosen- und Cocktailexperten, -autor und -historiker Jared Brown gar den Master Distiller von "Sipsmith Independent Spirits" begrüßen. Die beiden stellten dann auch ihre Firma und die Herstellungsmethoden ausführlich vor. An dieser Stelle spare ich mir größere Ausführungen, sondern verweise auf den kürzlich in der Onlineausgabe des "CLASS"-Magazins veröffentlichten Report, wo wirklich jedes Detail Erwähnung findet.

Trotzdem muss an dieser Stelle auf das eine oder andere hingewiesen werden, da sich in bislang veröffentlichten Pressemitteilungen/-berichten Fehler eingeschlichen haben  So stammt die Brennanlage Prudence der Londoner stammt nicht aus Bayern, sondern aus Baden-Württemberg (von der renommierten und weltweit bekannten Firma "Carl GmbH"). Es handelt sich bei "Sipsmith Barley Vodka" nicht um Roggenwodka und die Destilliersäule von Prudence wird nur für die Wodkaproduktion - nicht für die spätere Gindestillation (nur ein Destillationsvorgang mit Botanicals, One-Shot-Methode) - genutzt. Bin ich heute besonders rechthaberisch? - Liegt wohl an der Pause...

Wichtiger neben all diesen Informationen sind aber die angebotenen Spirituosen. Als mir der "Sipsmith London Dry Gin" (41,6% Vol., Batch 019 vom 12.11.2009 übrigens) - mittlerweile mit zahlreichen Auszeichnungen gesegnet, u.a. dem Mixology Bar Award - Anfang 2010 ins Haus segelte, dachte ich mir einfach nur: Ein verdammt guter Gin! Von dieser Meinung bin ich keinen Millimeter abgerückt auch wenn andere ihm viel besser lobhuldigten oder ihn auch einfach nicht so sehr mochten. Dass man heute fast schon "ein wachholderlastiger Gin" dazusagen muss, ist eigentlich ein Witz.

Der "Sipsmith Barley Vodka" (40% Vol.) ist kein verdammt guter Wodka - naja vielleicht schon -, aber er ist ein verdammt cremiger Vertreter seiner Zunft. Und, wie Jared Brown anmerkte, erinnert er an so manchen feinen schottischen New Make - ist ja auch ein Gerstendestillat.

Ein für Deutschland neues Produkt ist der "Sipsmith Summer Cup" (auf Ginbasis mit 29% Vol.). Gegenüber dem Primus "Pimm's" ist der aber trockener, fruchtiger und irgendwie vielschichtiger. Jareds Vergleich mit einem italienischen Amaro konnte ich gut nachvollziehen. Ein besonders fruchtiger Amaro allerdings. Ich werde den Knabe mal als Ersatz für roten Vermouth, z.B. im Manhattan oder Negroni, probieren - das könnte ganz gut klappen. Die klassische Rezeptur ruft aber nach Zitronenlimonade und frischen Früchten. Eine "Royale" Version mit 25ml "Summer Cup, 25ml Zitronensaft aufgegossen mit Champagner hört sich aber auch recht sprizzig an. "DTS-W" wird ihn in ein paar Wochen im Programm haben, was übrigens auch für den "Sipsmith Sloe Gin" (29% Vol.) gilt. Selbiger wird wie alle "Sipsmiths" handwerklich hergestellt, um das qualitativ Bestmögliche zu erreichen.

Mit ihren Erfolgen sind die Engländer aber auch an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten gestoßen. Nicht mehr als 300 Flaschen pro Batch bei rund 80.000 Flaschen pro Jahr bedeutet, dass Prudence voll ausgelastet ist und deshalb bald ein größeres Schwestermodell bekommen soll. Dann kann sich Jared Brown auch einer völlig neuentwickelten Ginspezialität widmen. Eine inoffizielle Kostprobe hatte der Mastermind dann natürlich auch noch aus der Tasche gezaubert: Ein Destillat, dessen Anteile an Wacholder, Koriander und Zitronenverbene praktisch verdoppelt waren ergab einen extrem grapefruitlastigen "Gin" - mit über 80% Vol. Wir dürfen wirklich gespannt sein, was uns aus seiner "Hexenküche" in der Zukunft noch alles aufgetischt wird...

Nach Tasting, G'n'Ts (bevorzugt wird übrigens "Fever Tree"), Summer Cup und Häppchen gab es Gelegenheit zum ausführlichen Austausch von Barkeepergeschichten über erst kürzlich aufgefundene Fotografien von Harry Johnson etc.pp. Ich konnte mich zwischen die Browns und Mahjoubs mogeln und Jared ein paar Fragen stellen.

whatadrink!: Jared, zunächst eine Frage, die Du in Deinem Vortrag eigentlich schon
 beantwortet hast. Warum bist Du Master Distiller für "Sipsmith" geworden? Du sagtest, dass Du die passion for a traditional gin mit Deinen jetzigen Mitstreitern teilst.

Jared Brown: Als ich Sam und Fairfax traf, war das auf einer Negroniparty in der "Beefeater" Distillery, wo wir von Geraldine Coates (u.a. Autorin von "The Mixellany Guide To Gin") vorgestellt wurden. Und sie sagte: "Jared, diese beiden Herren hier sind von den amerikanischen Distillern inspiriert und sie wollen so etwas hier in England auf die Beine stellen. Du kennst Dich doch ein bisschen damit aus." Und ich sagte: "Ja, ich weiß ein bisschen was darüber." Sam und Fairfax kannten eine Distillery in Idaho namens "Bardenay", für die meine Frau und ich seinerzeit das Ginrezept entwickelt hatten. So sprachen wir über Gin und was wir daran besonders mochten. Der gemeinsame Nenner war traditional gin, denn traditional gin ist der einzig wahre Gin. Jeder, der Gin herstellt und den Begriff Gin so neudefiniert, damit dieser Begriff zu seinem Produkt passt, kann keinen Gin machen. Gin ist die komplexeste Spirituose, die man herstellen kann. Für mich bedeutet daher mastery of gin, dass man traditionellen Gin herstellt. Ich liebe es mit tradionellem Equipment und mit traditionellen Botanicals zu arbeiten. Ich besitze eine ganze Sammlung von alten Büchern mit Destillationsrezepten und ich habe mich da durchgearbeitet auf der Suche nach einem Urrezept, dass ich dann als Ausgangspunkt nehmen wollte. Da keine zwei Stills gleich arbeiten, muss man für jede Still ein eigenes Rezept entwickeln. Und das ist uns hier gelungen. Ich sagte bewusst gelungen, da das ein Gin ist, den wir gerne trinken.

wad: Ich hatte meine erste Flasche Anfang 2010 bekommen. Kam da nicht auch "Beefeater 24" raus?

JB: Ja, wir kamen knapp vor dem "24" - übrigens ein ganz hervorragender Gin - auf den Markt. Meine Frau und ich hatten die große Ehre von unserem Freund Desmond Payne, dem Master Distiller von "Beefeater", über rund zwei Jahre immer wieder zu Tastings während seiner Entwicklung des "24" eingeladen zu werden. So haben wir den Weg dieses Gins von der Geburt bis zur ersten Abfüllung mitverfolgen können. Ich muss sagen, dass ich von Desmond sehr viel gelernt habe.

wad: Wir leben in einer Zeit, in der laufend - fast wöchentlich - neue Gins auf den Markt kommen. Wenn man in die großen Onlineshops in England, Deutschland oder Spanien schaut, sieht man eine unglaubliche Auswahl. Was wird die Zukunft bringen?

JB: Das ist eine sehr gute Frage. Wenn so viele Gins auf dem Markt sind, passieren zwei Dinge. Wenn man in eine Bar geht, wird der Barkeeper nicht mehr sagen können "Wir sind eine "Tanqueray" Bar oder eine "Beefeater" Bar, denn das wäre, als ob man in eine Küche geht und der Koch sagt "Das ist eine Basilikumküche. Knoblauch? Niemals! Basilikum ist das einzig Wahre!". Denn anders als bei Wodkas schmecken zwei dieser vielen Gins niemals gleich. Manche sind gut. Manche sind großartig. Manche sind nicht so gut. Die Differenzierung von Seiten der Konsumenten wächst sehr schnell und das widerum beeinflusst die Auswahl in der Bar. Und damit meine ich nicht die Flasche, die einmal gekauft wird und über Monate in der Backbar steht, sondern die Marken von denen mehr und mehr verkauft werden. Und es gibt so wundervolle traditionelle Gins hinter den Bars und jeder hat seinen Platz. Ich denke, die Ginkategorie wird andere Spirituosenkategorien zur Seite schieben. Von manchen braucht man keine 7 oder 10 verschiedenen Marken. Bei Gin braucht man die auf jeden Fall.

wad: Du glaubst, dass dieser Raum bei Gin noch da ist?

JB: Ja natürlich. In dieser Kategorie ist noch viel Raum für viele neue Gins. "Sipsmith" soll ja auch nicht in jeder Bar auf der Welt sein. Wir können ja gar nicht so viel herstellen. Wir verkaufen bislang nicht in die USA, da wir die Nachfrage gar nicht befriedigen könnten. Wir wären erstmal damit zufrieden zu wachsen und all die Leute zu versorgen, die unseren Gin in Europa haben wollen.

wad: Werner Obalski hat vorhin gefragt, warum keine Variante mit höherem Alkoholgehalt  existiert. Ich stelle die Frage mal anders: Warum wird "Sipsmith London Dry Gin" mit 41,6% Vol. abgefüllt?

JB: Den Alkoholgehalt eines Gins einzustellen ist, wie wenn man das Verhältnis der Botanicals zu einander einstellt, denn deer Alkoholgehalt bestimmt, wie die Botanicals während des Trinkens zum Vorschein kommen. Wenn Du irgendjemanden frägst, der über eine längere Zeit Gin herstellt, wird er Dir sagen, dass die ideale Alkoholstärke zwischen 41 und 43% Vol. liegt um die Eigenschaften der Botanicals zu bewahren und sie in einem Drink hervortreten zu lassen. Wir haben unsere Tests bei 40% Vol. begonnen und sind bis 49% Vol. gegangen. Und die 41,6% Vol.-Version hat in allen Blindtastings gewonnen. Und wir saßen nicht da und haben uns über Zahlen unterhalten, sondern wir tranken Martinis und G'n'Ts.

wad: Scheint mir der beste Weg zu sein.

JB: Natürlich. Das geht nur auf dem Wege, wie Gin konsumiert wird. Nicht straight und im Nosingglas, sondern mit Freunden und etwas zum Essen dazu. Das hat uns letztlich dazu geführt die richtige Stärke für unseren Gin zu finden. Sam sagte vorhin, dass wir eine komplett neue Expression mit höherem Alkoholgehalt entwickeln. Die braucht auch eine komplett neue Formel, da der höhere Alkoholgehalt den Wacholdergeschmack stark beeinflusst. Es gibt einen sehr populären Gin mit regulärer Alkoholstärke für dessen Variante mit höherem Alkoholgehalt man die gleiche Rezeptur verwendet. Es ist einer der Top-Selling-Gins heutzutage, aber man kann den Wacholder nicht mehr schmecken, da er vom höheren Alkoholgehalt unterdrückt wird. Mit unserem Gin wird es dieses Problem nicht geben. Dafür werde ich sorgen. Bei uns wird einem der Wacholder im Ohr sitzen und rufen "Ich bins: Der Wacholder!"

(Foto von John Hofmann)

wad: "Sipsmith" erweitert seine Kapazitäten mit einer zweiten Still. Wie wird die aussehen?

JB: Wir kaufen eine größere Destillieranlage, aber im gleichen Design, denn wir sind so zufrieden mit dem starken Reflux in Prudence.

wad: Mir ist die Form des oberen Teils von Prudence aufgefallen. Der Kopf sieht aus wie zwei aufeinandersitzende Kegel und ist nicht rund oder zwiebelförmig.

JB: Ja, stimmt. Wir haben auch einen 90°-Schwanenhals, der weiteren Reflux zulässt. Wenn man sich viele Whiskystills in Schottland ansieht, sieht man, dass sich diese stark verjüngen und dann den Schwanenhals in spitzem Winkel nach unten abfällt. Das macht Reflux nur in geringem Maße möglich.

Mehr Fotos hier...
Update:

Mittlerweile ist die oben angekündigte weitere Ausgabe des Sipsmith London Dry Gin erhältlich. Hinter dem schnöden Namenszusatz V.J.O.P. verbirgt sich ein extrem wachholderlastiger, hochprozentiger Mixgin der mit satten 57,7% Vol. (0,7l knapp unter 50 EUR) um sich ballert. Gratulation, Meister Brown

Die ersten 360 Flaschen aus Batch #1 (gesamt 1.800 Flaschen) für Deutschland sind (fast) weg - mehr davon kommt Ende Januar/Anfang Februar in den Handel.

Samstag, 14. August 2010

A History Of Drink - mehr als eine Sommerlektüre

Es gibt zum einen einen erstaunlichen Wust an Cocktailbüchern aus dem 19. und vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Zum anderen verweisen zahllose spätere Publikationen auf in diesen Büchern enthaltene Rezepturen, Beschreibungen und Erläuterungen und leiten daraus und aus so mancher Legende eigene Thesen ab. Meist läßt sich der Wahrheitsgehalt nicht überprüfen und ob eine Story nun wissenschaftlich abgesichert ist oder nicht, spielt beim Zitat, z.B. in einem Cocktailmenu, nur eine untergeordnete Rolle.

Ich möchte trotzdem an dieser Stelle an den Ernst der Sache erinnern und verweise dazu auf vier Büchlein, die geschichtswissenschaftlich die Herkunft der bekannten und unbekannten Spirituosen und der daraus hergestellten bzw. herzustellenden Mixgetränke untersuchen.

Da haben wir das Werk "Imbibe!" von David Wondrich, das man als wertvolle Sekundärliteratur zum weltweit bekanntesten, da augenscheinlich ersten, Cocktailbuch der Welt - "The Bartender´s Guide - How To Mix Drinks, Or The Bon-Vivant´s Companion" von Jerry Thomas - betrachten darf. Wondrich beleuchtet darin die Entwicklung der Mixgetränke vom Ende des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, stellt Technik und Ingredenzien vor, widmet sich ausgiebig den wichtigsten Drinks in Thomas´ Buch und fügt noch einen Teil mit modernen Recreationen bekannter Mixologen an. Wer sich halbwegs mit historischen Cocktails - den allseits angepriesenen Klassikern - auseinandersetzen will, sollte "Imbibe!" genau studiert haben. (David Wondrich, "Imbibe!", Penguin Books, 2007, ISBN 978-0-399-53287-0)

Sinn macht die Lektüre natürlich nur, wenn auch ein Exemplar des besagten Buches von Jerry Thomas aus dem Jahre 1862 vorliegt. Hier sei die optisch sehr gelungene Reproduktion aus dem Hause Mud Puddle empfohlen. Sie beinhaltet neben einer Einleitung von David Wondrich u.a. eine Wiedergabe von Textdokumenten aus dem Leben bzw. um das Wirken von Thomas aus den Jahren 1849 bis 1902. Darunter auch eine sehr lesenswerte Reportage aus "Bonfort´s Wine & Liquor Circular" vom 15.07.1871 über einen Besuch im Lagerkeller von Jerry Thomas´ Bar in New York. (Jerry Thomas, "The Bartender´s Guide - How To Mix Drinks, Or The Bon-Vivant´s Companion", Mud Puddle Books, 2008, ISBN 978-1-60311-166-9)

Kürzlich ist "Spirituous Journey - A History Of Drink - Book Two: From Publicans To Master Mixologits" erschienen. Anistatia Miller und Jared Brown machen damit dort weiter, wo sie mit ihrem "Standardwerk" (Mixology Magazin) aufgehört hatten. Das Book One hatte den Untertitel "From The Birth Of Spirits To The Birth Of The Cocktail". Beide Bücher zusammen ergeben rund 500 Seiten aktualisierte Informationen, Fakten und belegte (!) Geschichten rund um Spirituosen, Leute und Drinks. Ein echtes Lesevergnügen! (Anistatia Miller & Jared Brown, "Spirituous Journey Book One", Mixellany Books, 2009, ISBN 978-0-9760937-9-4 und "Spirituous Journey Book Two", Mixellany Books, 2010, ISBN 978-1-907434-06-8)

Die beschriebenen Publikationen sind bislang nur in englischer Sprache - tw. auch als E-Book - erschienen und bei allen großen internationalen (Online)Buchhändlern erhältlich.