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Sonntag, 1. März 2015

Ardbeg Space - Die neue Abfüllung

Der Titel dieses sehr kleinen Blogbeitrags ist natürlich völlig falsch gewählt und dient nur der Effekthascherei. Aber was die Damen und Herren des Scotch-Marketing können, kann der ambitionierte (aber tölpelhafte) Blogger auch...
(Der neue Ardbeg - oder auch nicht)
Um also bei der Wahrheit zu bleiben: Ardbeg Space ist (noch) keine neue Ardbeg-Abfüllung. Es ist nur Verpackung - für den Ardbeg Ten, die gute, bewährte Standardabfüllung. Nicht mehr - nicht weniger.
 (Barconvent 2014 - Mickey Heads shooting Aliens)

Die Allgemeinheit hofft, dass man bei Ardbeg den Themenbereich Space, Weltraum, Mission, ISS, etc. mittelfristig verlassen kann. Herr Heads, dass ist der Mann, der den Ardbeg wirklich macht, schien mir davon eh nie so begeistert. Aber nunja, was man nicht alles tut... Ich rate: Lasst stecken, Trekkies!

Montag, 13. Mai 2013

Ardbeg Ardbog - Whisky für die Applekids?

Längst ist bekannt, dass die einzige (!) Limited Edition des Jahres 2013 aus dem Hause Ardbeg den Namen Ardbog tragen wird. Am sogenannten Ardbeg Day - dem 1. Juni 2013 - ist der offizielle Verkaufsstart. Am 1. Mai konnten Mitglieder des Ardbeg Committees online je eine Flasche bestellen, die ihnen dann am Tag der Tage vom Zusteller ins Haus gebracht wird - für 70 EUR pro Flasche zuzügl. 16 EUR Versandkosten. Der Rest der Welt hofft anschließend auf die Versorgung über den Einzelhandel.

Ist gegen ein solches Geschäftsgebahren irgendwas zu sagen? - Nein. Definitiv nicht. Natürlich hat es mir etwas besser gefallen, als es noch "richtige" Committeebottlings wie bei Supernova und Corryvreckan gab, denen dann erst - mit zeitlichem Abstand - die Normalausgabe nachfolgte. Aber was brachte mir das? Einen Hauch von Exklusivität? Zusammengehörigkeitsgefühl eines Verbrauerclubs mit mehr als 100000 Mitgliedern? Eine Flasche mit sandfarbenem statt schwarzem Label?



Wir Ardbegians von gestern (und bitte auch die von vorgestern) dürfen nicht vergessen, dass es auch Menschen gibt, die erst morgen auf Single Malt Whisky und Ardbeg stoßen werden. Für diese Spätgeborenen (und auch für uns) stellt das Wirtschaftsunternehmen, das diese feinen Spirituosen produziert, nunmal seine Whiskies her. Und dass die steigende Nachfrage nach besonderen Flaschen neben der Corerange längst nicht mehr mit Singlecaskabfüllungen befriedigt werden kann, sollte für jeden Klardenkenden nachvollziehbar sein. Deswegen also Limited Editions. Eine oder zwei davon pro Jahr. In größeren oder kleineren Auflagen. Je nach persönlichem Geschmacksempfinden mehr oder weniger innovativ zusammengestellt. Gut so.

Der Ausgabepreis der letzten Limiteds war dem Produkt (Ich verwende hier mit Absicht diesen Begriff) und dem Standing der Marke sicher angemessen. Den späteren Verkaufspreis im Auktions- UND Einzelhandel (auch reguläre Onlinehändler bepreisen Alligator und Galileo mit 150 EUR) bestimmen dann wieder Verfügbarkeit und Nachfrage.

Ein reales Dialogbeispiel zum Thema (Sammler)Preise möchte ich an dieser Stelle noch anfügen. 
Ardbegfreund 1: "Ich würd mir gern nen Lord Of The Isles genehmigen." 
Ardbegfreund 2: "Dann kauf Dir doch eine Flasche." 
Ardbegfreund 1: "350 EUR würd ich investieren." 
Ardbegfreund 2: "Unter 500 geht nix mehr. Wirst eher bald 700 bezahlen müssen." Ardbegfreund 1: "Das ist mir der Stoff nicht wert." 
Ardbegfreund 2: "Ja, dann eben nicht."

Achso. Ich hätte fast vergessen zu schreiben, dass der Ardbog mit seiner (teilweisen) Reifung in Manzanilla-Sherry-Fässern ein verdammt guter Malt ist. Und: Es ist ein Ardbeg.

>>> Peaty Pull- und Ardbeg Day-Veranstaltungen in Deutschland und der Schweiz:

25. Mai - München Tara Whiskyshop
29. Mai - Bonn Reifferscheid
1. Juni - Frankfurt Whisky Spirits (Anmeldung erforderlich)
1. Juni - CH-Mörschwil Glenfahrn (ausgebucht)

Mittwoch, 5. September 2012

Ardbeg Galileo @ Bar Gabányi

"Wie heißt der Neue da jetzt? Galaxy?" Jaaa, einem Bill Deck kann man mit ner Rakete auf der Straße und einer ganzen Rotte Models in Rennanzügen Raumanzügen nichts vormachen. Aber fangen wir doch am Anfang an.

Am Samstag fiel der internationale Startschuß für "Ardbeg's" 2012er Limited Edition namens Galileo. Am Montag wurde der Astrowhisky dann offiziell in Münchens brandneuer "Bar Gabányi" vorgestellt. Aber was heißt vorgestellt? Es gab Raumfahrerpuppen, Raumfahrerinnen, Mondlandschaft und Spacebarbeque nebst Grillmeistern in silbernen Anzügen, dazu eine meterhohe Rakete auf einem Lieferwagen und natürlich einen Gastgeber. D.h. es gab zwei, denn zum einen begrüßte Namensgeber und Chef Stefan Gabányi die Gäste und zum anderen war ja Hamish Torrie da. Der ist sozusagen der oberste Marketingmann von "Glenmorangie" und "Ardbeg" und war damit der höchstdekorierte Whiskyfachmann unter der anwesenden Fachschaft "Scotch".

Torrie waltete dann unter großem Applaus seines Amtes und erklärte Gabányis neues Reich im Untergeschoss zur "Ardbeg Embassy" inklusive Fahnenübergabe und Blitzlichtgewitter. In diesen Hallen wird man also in Zukunft den edelsten Stoff vom schroffen Eiland Islay (Verzeihung) kredenzen und zwar vor allen anderen. Hurray!

Den Anfang durfte also der Galileo (49% Vol., ca. 90 EUR) machen. Ein 12jähriger "Ardbeg" mit rund 30%igem Anteil von in sizilianischen Marsalafässern gelagertem 1999er Malt. Whiskycreateur Dr. Bill Lumsden hatte nach dem Kauf der Destillerie durch LVMH und der Wiederaufnahme der Produktion eine ganze Reihe "Versuchsballons" gestartet - u.a. mit den besagten Süßweinfässern. Die restlichen 70% stammen von 1st-fill und 2nd-fill Bourbonfässern aus dem gleichen Zeitraum. Kein Finish also, sondern ein sauberes Vatting. So entstand ein in bestem Sinne gefälliger Whisky, der keineswegs zu süß ist. Auch die Torfbelastung hält sich in Grenzen. Leider auch die Länge. Weitere Tastingnotes erspare ich den Lesern - das können andere besser - doch möchte ich anmerken, dass der Galileo vielleicht kein "Ardbeg"-Meilenstein für die Ewigkeit ist, von dem man drei Kisten im Keller haben muss. Gerade aus diesem Grund macht der Kauf einer Flasche und baldiges Entleeren derselben aber Sinn.
Warum aber nun das ganze Weltraumgedöns? Ich mache es kurz: "Ardbeg" hat die Ehre an einem wissenschaftlichen Experment teilnehmen zu dürfen, bei dem es um Geschmackskomponenten (hier: Terpinene) geht. In diesem Zusammenhang wurden schon Ende letzten Jahres Proben von frischem "Ardbeg" New Make Spirit zusammen mit Holzsplittern von Whiskyfässern in eine Art schwarzes Plastikröhrchen gepackt - getrennt voneinander versteht sich. Angekommen auf der ISS - via russischer Rakete - wurde die Trennung zwischen den beiden Komponenten aufgehoben und New Make und Holzsplitter sind seit dem in Kontakt. Gleiches wurde in Houston und auf Islay durchgeführt. Bei "Ardbeg" faßte man den Plan, mit einer Whiskyabfüllung diesem weltbewegenden Ereignis zu gedenken und so gibt es nun Galileo. Ideen muss man eben haben. Ich hatte auch eine - wenn auch naheliegende - und plauderte ein bisschen mit Mr. Torrie. Der konnte zumindest nicht sagen: "I can't tell you that. My marketing people will kill me."

whatadrink!: Hamish, Sie sind schon lange im Geschäft, sind aber kein Whiskymacher. Was ist Ihre genaue Aufgabe?

Hamish Torrie: Nun, eigentlich bin ich ein Händler. Wir bei "Ardbeg" und "Glenmorangie"arbeiten sehr eng mit unseren Whiskymachern zusammen. Und so gibt es manchmal zuerst den Whisky und manchmal zuerst die Idee. Dr. Bill Lumsden, das ganze Team und ich denken ständig darüber nach, wie wir unseren Whisky auf den Markt bringen können. Dabei soll - in diesem Fall "Ardbeg" - immer ein wahres Produkt sein. Und mein Job ist es diese Wahrheit auszudrücken und zu vermitteln. Beim Galileo gingen wir zu Bill und sagten, dass wir die überraschende Möglichkeit zur Teilnahme an dem Raumfahrtexperiment gerne mit einem Whisky feiern würden und fragten ihn, was er darüber denkt. Er kreierte daraufhin den Galileo, bei dem dessen kleines Herz aus "Ardbeg" aus den Marsalafässern mit Whisky aus Bourbonfässern umschlossen ist.
wad: So ähnlich wie wir es vom Uigeadail und dessen Sherry Heart kennen?

HT: Ja, genau. Der Marsala-"Ardbeg" allein ist zu sirupartig - overpowering. Zusammen mit dem klassischen Ardbeg aus Bourbon Casks bekommen wir die richtige Balance.

wad: Das Verhältnis zwischen Marsala- und Bourbonfaßwhisky liegt bei 30:70?

HT: Ja, stimmt. Dem kräftigen, torfigen "Ardbeg" musste man schon relativ viel entgegensetzen.

wad: Und es funktioniert.

HT: Absolut. It works! Aber lassen Sie es mich so sagen: Wir würden keinen Whisky auf den Markt bringen, der nicht funktioniert. Und es gab über die Jahre auch Experimente, die nicht geklappt haben.

wad: Bei Ihrer Marktposition haben Sie aber doch auch mehr Nachfrage als wie Sie Whisky herausbringen können. Wieviele Flaschen gibt es vom Galileo weltweit? Inklusive Weltall versteht sich.

HT: Hm, das müssten rund 52.000 Flaschen sein.

wad: Und wieviele Mitglieder hat das "Ardbeg" Committee aktuell?

HT: So 80.000 sind das geworden.

wad: Demnach bekäme nicht jedes Mitglied eine Flasche.

HT: Ja, aber meine Tante und meine Schwester sind auch Mitglied und die haben nicht jede Abfüllung gekauft.

wad: Es gab wohl ein bisschen Verwirrung über die Bestandteile des Galileo im Vorfeld. Einige Leute haben die Sache mit dem ISS-Experiment und der Namensgebung kombiniert und vermutet, dass der Weltraumwhisky ins Vatting geflossen wäre.

HT: Oh nein. Das dürften wir aufgrund der Regularien der Scotch Whisky Association niemals Whisky nennen. Scotch muss immer in Schottland gereift werden und zwar in Holzfässern.

wad: Und der New Make aus dem Weltraum ist ja auch viel zu jung.

HT: Ganz klar. Das ist ein wissenschaftliches Experiment. Es ist defintiv kein Whisky da oben. Und wenn wir den wieder zurückbekämen, dürften wir eine Abfüllung, in der er enthalten ist - z.B. ein Vatting mit auf der Erde gereiftem Whisky - niemals Whisky nennen. Auch nach drei Jahren Reifungszeit nicht. Übrigens lassen wir uns auch das Packaging für neue Bottlings lange im voraus von der SWA genehmigen.

wad: Die ersten Bilder vom Label kamen aber aus den USA.

HT: Ja, wir müssen dort immer einen Registierungsprozeß durchlaufen. Und das ganze findet öffentlich statt, ist im Internet einsehbar. Die cleveren "Ardbeg"-Fans in den Staaten saßen da und haben nur darauf gewartet, dass wir mit unserem Antrag kamen.

wad: Ich glaubte zuerst an einen Fake so ungewöhnlich sieht das Label aus.

HT: Danke. Wir versuchen jedes Jahr ein bisschen was anders zu machen und auch ein bisschen Spaß dabei zu haben. Viele Leute in der Whiskyindustrie kennen Alligator-charred Barrels, aber wir haben uns entschieden, unseren Whisky so zu nennen. Eben ein bisschen was anderes für unsere Fans und das Committee.

wad: Für die Committeemembers haben sie dieses Jahr einen großen "Ardbeg" Day gefeiert und eine besondere Abfüllung herausgebracht, wie es sie noch 2011 nur beim Feis Ile direkt auf Islay gab - wenn auch in viel größerer Auflage. Wie wird das im nächsten Jahr aussehen?

HT: Wir wollen wieder einen "Ardbeg" Day machen. Wieder mit einer Limited Edition für das Committee. Hunderte von Leuten kommen während des Festivals zu uns und für die haben wir ein kleines Bottling gemacht. 2010 gab es aber etwas später auch den Rollercoaster wegen des zehnjährigen Jubiläums des Committees. Das haben wir für den "Ardbeg" Day dann wieder aufgegriffen und über die Embassies weltweit ausgedehnt. Ich denke, dass das gut funktioniert hat. Zudem waren trotzdem 700 Leute in der Distillery.

wad: Die 2011er Feis Ile-Abfüllung war eine Woche nach dem Festival für 400 Euro auf Ebay zu haben.

HT: Ja, ich weiß. Wir wollen das etwas einfacher machen für unsere Fans. Das "Ardbeg" Day Bottling ist natürlich größer, aber dafür ist der Zugang dazu auch leichter. Die Leute müssen nicht mehr in einer Reihe in Schlafsäcken vor der Distillery übernachten, um es zu bekommen.
wad: Jetzt kann ich Sie nicht gehen lassen ohne eine bestimmte Frage zu stellen. Wie stehen die Chancen auf neue, offizielle Singlecaskabfüllungen von "Ardbeg"?

HT: Single Cask Bottlings? Nun, ich mache meinen Job hier seit 13 Jahren und die erste Abfüllung, die ich miterlebte, war ein Single Cask, handabgefüllt auf Islay. Stuart Thomson, der ehemalige Distillery Manager, und ich füllten einen 1976er Sherryfass-"Ardbeg" ab. Das war ein Riesenspaß und wir hatten dann 497 Flaschen (Anm. des Autors: Für eine davon wurden zuletzt über 3.000 Euro bezahlt.). Das war das erste Single Cask Bottling in unserer Zeit. In den frühen 2000ern machten wir dann Bottlings für Frankreich, Italien und, Schweden - und auch eines für Deutschland. Auch das hat sehr viel Spaß gemacht. Als wir in 2008 soweit waren, dass "unser" 10-years-old auf den Markt kam, haben wir festgestellt, dass "Ardbeg" mehr ist als ein Nischenprodukt. Und ein Single Cask Bottling ist immer ein Nischenprodukt. Wir haben uns inzwischen darauf fokussiert neue Expressions herauszubringen, die eine andere Größenordnung haben.

wad: Ich finde Single Cask Bottlings spannend, da sie ein Stück Geschichte der jeweiligen Distillery und ihres Whiskys darstellen.

HT: Ja, das stimmt absolut. Aber die Zeiten, als wir "Ardbeg" als Marke wieder aufbauen mussten, sind vorbei und wir wollen uns nicht mit immer neuen Abfüllungen übernehmen. Schließlich gibt es so viele neue Whiskys jeden Tag und es gibt auch Firmen, die fast wöchentlich eine neue Abfüllung herausbringen.

wad: Das ist auch ein Weg Whisky zu verkaufen.

HT: Ja, aber es verwässert das ganze, finde ich. Das soll nicht unser Weg sein. Es hat zehn Jahre gedauert die Core Range mit dem 10-years-old, Uigeadail und Corryvreckan zusammen zu bringen. Diese drei Whiskies geben für mich ein fantastisches Gesamtbild der Distillery. Sie sind so unterschiedlich, aber alle drei sind "Ardbeg". Man darf auch nicht vergessen, dass wir erst 1998 wieder angefangen haben. 2016 oder 2017 ist vielleicht die richtige Zeit für einen reiferen "Ardbeg" mit Age Statement. Wer weiß das schon?

wad: Und man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Einen 17-years-old wie er viele Jahre in unterschiedlichen Batches abgefüllt wurde, kann es so nicht mehr geben.

HT: Ja, richtig. Ich liebe den 10-years-old aus den späten 70ern. Der war außerordentlich gut. Das ist eine Legende, die den Charakter der Distillery typisiert hat. Und über diesen Whisky, der vor so langer Zeit geschaffen wurde, redet man heute noch. Übrigens werde ich auch oft zur (Wieder)Erstellung eigener Maltings gefragt, aber das würde nicht nur Millionen kosten, sondern ist vor allem auch eine Frage für die längerfristige Zukunft.
 
 


Donnerstag, 17. November 2011

Wiedervorlage: Ardbeg

Gut. Über "Ardbeg", den selbsternannten Ultimate Islay Malt bzw. The Untamed Soul Of Islay hat GottunddieWelt schon gesprochen und geschrieben. Und ich auch schon. Aber es gibt Neues. Zunächst einmal ist die Siegesserie in "Jim Murray's Whisky Bible" wohl vorerst gerissen, die den Schotten von 2008 bis 2010 lang den Titel "Scotch Whisky Of The Year" und zweimal sogar "World Whisky Of The Year" einbrachte. 2011 gewann "Ballentine's 17" und dieses Jahr liegt nun "Old Pulteney 21" vorn - vor gleich zwei Amis. Nur "Ardbeg 10" hat den Titel bei den "10 Years And Under (Multiple Casks)" inne. Pffffh. Geht es mit den Mannen um Dr. Bill Lumsden und Mickey Heads dem Ende zu? Sind die Anderen auf der Überholspur und schon vorbei? Ardbeg in der Krise? Und was ist eigentlich mit der "Feis Ile"-Abfüllung 2011? Beim BCB 2011 war - große Ehre! - Distillery Manager Mickey Heads persönlich anwesend um in zwei Masterclasses seine Produkte vorzustellen und ausgiebig zu erläutern. Dass "Ardbeg" weiter der most peatiest Scotch Single Malt (mit mindestens 50ppm) ist, hat sich nicht geändert, auch wenn allen voran "Bruichladdich" mit seinen "Octomores" im Jahresrhythmus neue Rekorde (derzeit 167ppm) aufstellt. Bei den Standardabfüllungen - soweit getorft - liegt dieser Wettbewerber schließlich nur bei 20-30ppm. Allerdings ist zu beachten, dass rund die Hälfte des ursprünglichen Phenolgehalts während der Herstellung und Lagerung verloren geht. Zu weitergehenden Informationen zu Ausgangsmaterial, Destillationsprozess, Abfüllung, etc. verweise ich auf die sehr schöne Heimseite (und das unten angehängte Video) und möchte nur auf ein paar Punkte hinweisen, die auch Master Heads besonders in den Mittelpunkt stellte. Zum einen ist der Copper Purifier (siehe Foto) zu nennen, der oben am Hals der Spirit Still sitzt. Diese Einrichtung, die "Ardbeg" übrigens als einzige Destille auf Islay nutzt, ist mitveranwortlich für den Hausstil des relativ leichten Whiskys mit seiner fruchtigen Süße (neben viel Torfrauch in der Nase und dem komplexen Ablauf der Phenole auf Gaumen und im Finish). Ein Faktum ist auch, dass "Ardbeg" vermutlich noch nie in seiner Geschichte so viele erstklassige Fässer zur Verfügung hatte wie heute. Hier profitiert man ganz direkt von der Kooperation mit "Glenmorangie" über den Eigentümer LVMH. Schließlich macht der Einfluss des Fasses, nach Mickey Heads, rund 50% des späteren Whiskygeschmacks aus. Interessant ist auch noch die Tatsache, dass "Ardbeg" seit geraumer Zeit keine (gefüllten) Fässer mehr abgibt - nicht an Blender und nicht an unabhängige Abfüller. Die wenigen erhältlichen "Ardbegs" von den Independents dürften also in Zukunft rar bzw. noch älter werden. Das anschließende Tasting startete standesgemäß mit dem "Ten" (46% Vol., 1st & 2nd fill bourbon casks). Ich habe das Gefühl, dass immer wenn ich mir ein Gläschen davon genehmige, es eine Rückkehr nicht nur zu meinen ersten "Ardbeg"-Erfahrungen, sondern auch zum Geist von Islay ist - zumindest, was ich darunter verstehe. Naja. Auf jeden Fall wird dieser "Standard-Ardbeg" aufgrund seiner Verfügbarkeit und den diversen anderen Releases fast schon wieder unterschätzt. Es folgten "Uigeadail" (54,2% Vol., bourbon & sherry casks) und "Corryvreckan" (57,1% Vol., new french oak & bourbon casks), der nunmehr auch zur offiziellen Range gehört. Irgendwer hatte mir kürzlich noch eingeflüstert, dass es kein weiteres Batch davon mehr geben sollte. Na egal. Weiter ging es mit dem "Alligator" (51,2% Vol., bourbon & new american oak - level 4 - casks) und zwei Casksamples, die zum einen aus einem 1998er Refill Sherry Hogshead (53,9% Vol.) und zum anderen aus einem 1975er Refill Sherry (45,3% Vol.) stammten. Rrrrr.
(Mickey Heads und Bernhard Schäfer)

Am Rande des BCB hatte ich zudem noch die Möglichkeit Mickey Heads ein paar Fragen zu stellen.


whatadrink: Mickey Heads, Sie wurden auf Islay geboren, waren zuletzt u.a. Distillery Manager bei "Isle Of Jura" und folgten Stuart Thompson 2007 bei "Ardbeg". Sie sind also etliche Jahre im Whiskybusiness tätig. Was hat sich geändert, wenn Sie z.B. die 80er Jahre mit 2011 vergleichen?


Mickey Heads: Das gibt es viele Dinge. Insbesondere für Islay ist das gestiegene Interesse an Islaywhisky ganz entscheidend. Noch nie sind soviele Leute zu uns gekommen wegen unserem Whisky. Die Wiedererweckung von "Ardbeg" mit vielen jungen Abfüllungen hat hier wesentlich dazu beigetragen. Alle anderen Islays finden in diesem Zuge aber natürlich auch mehr Beachtung als zuvor.


wad: Im Tasting hier beim BCB haben Sie einen 1975er "Ardbeg" ausgeschenkt. In welchem Bereich lag das Peating Level in den 70ern?


MH: Nun, in den 70ern hatte "Ardbeg" ja noch eine eigene Mälzerei und hat das verwendete Malz folglich zum Teil selbst hergestellt und getorft, aber je nach Bedarf eben auch zugekauft. Ich schätze das Level für diesen sehr alten Whisky auf 40-50ppm. Durch die lange Zeit im Holz verschmelzen die Flavours geradezu.


wad: Ja, ich fand ihn sehr beeindruckend und sehr rund.


MH: Er hat Ihnen geschmeckt?


wad: Er hat mir sogar sehr gemundet! Im Gespräch mit anderen Teilnehmern der Masterclass hat sich herauskristallisiert, dass viele der Meinung sind, dass sich "Ardbeg" und Sherrycasks gut vertragen. Wie beeinflussen nach Ihrer Meinung Sherrycasks "Ardbeg"-Whisky?


MH: Sherrycasks sorgen für die nötige Balance und geben in erster Linie Fülle und Reichhaltigkeit zu unserem rauchigen Destillat. Das ergänzt sich sehr gut. Natürlich funktioniert "Ardbeg" auch sehr gut in amerikanischer Eiche. Aber das ist ein komplett anderes Ding.
wad: Sie haben weiterhin viele junge Whiskys im Portfolio. Wird es noch einen "Supernova" 2011 oder 2012 geben?

MH: Naja, wir versuchen immer etwas Neues zu machen. Dieses Jahr gibt es ja nun den "Alligator" und was nächstes Jahr kommt, weiß ich auch noch nicht so genau.


wad: Mickey Heads, Sie haben die "Ardbeg"-Landladies mit ihrer Schubkarre hier gesehen und es ist zu bemerken, dass die beiden gar nicht aus Schottland kommen. Daher auch meine Frage: Gibt es auf Islay ähnlich reizende Damen?


MH (lacht): Ja natürlich.


Als weiterführende Lektüre wird dringend "Ardbeg - A Peaty Provenance" von Gavin D. Smith und Graeme Wallace empfohlen. Der mittelformatige Schmöker aus dem Jahr 2008 ist nicht ganz billig, aber auch keineswegs überteuert. Er bietet neben einem umfassenden Rückblick auf die Ardbegsche Geschichte und Fakten zur Herstellung gestern und heute auch ein detailliiertes Verzeichnis der höchst sammelbaren Releases tw. sogar in ganzseitigen Abbildungen. Ehemalige Distillery Manager bzw. Master Distiller kommen auch ausgiebig zu Wort. A must!Ob der "Ardbeg Feis Ile 2012" ein ebensolches Muss ist, darf jeder, der in den Genuss dieser Abfüllung kommt, selber entscheiden. 1200 Flaschen wurden aus zwei Pedro Ximenez-Sherryfässern mit 13jährigem "Ardbeg" aus 1998 befüllt (55,1% Vol.) und beim Islayfestival unter dem Motto "A Load Of Bull" verkauft. Trotz der Leitlinie "one bottle per customer" landeten einige davon auf den bekannten Auktionsplattformen - natürlich zu einem Mehrfachen des Ausgabepreises. Jim Murray war mit seiner Vorabprobe auf jeden Fall reichlich unzufrieden und vergab aufgrund des Schwefeleinflusses der Sherryfässer nur 67 (!) Punkte im Gesamturteil. Shocking! Aber Murray kennt bei Sulphur auch kein Pardon. Bei einer kleinen Verprobung dieser Tage in München befanden die (Blind)Tester den Probanden aber keineswegs für ungenügend, sondern äußerten sich durchweg positiv. Bittersweet but smoky.

Freitag, 17. Juni 2011

Ardbeg Alligator @ Dr. Bill's Grill

Der Marketingmann sei bei seinen Ausführungen zur neuesten Whiskykreation fast eingeschlafen. Als er aber das Wörtchen "Alligator" im Zusammenhang mit dem guten Tropfen erwähnte, sei der gute Mann dann aber schnell wieder wach gewesen. Diese Episode erzählte uns diese Woche Dr. Bill Lumsden, der "Head of Distilling and Head of Whisky Creation" bei "Glenmorangie" und "Ardbeg", und der zusammen mit Rachel Barrie ("Whisky Creator & Master Blender" beim gleichen Verein) Verantwortliche für den neuen "Ardbeg Alligator". Dieser Stoff ist seit zwei Wochen für die Mitglieder des "Ardbeg Committees" erhältlich und wird ab September in regulärer Abfüllung in Deutschland zu haben sein.
Im Rahmen einer Promotiontour lud "LVMH", der Eigentümer der beiden Marken, nach München ein, wo nach einem Tasting im Schumann's und einer Präsentation in der offiziellen deutschen "Ardbeg Embassy", Whiskyshop Tara am Rindermarkt, auch noch ein Grillabend unter dem Motto "Dr. Bill's Grill" stattfand. Die rund 60 Gäste wurden nach einem kleinen Apéro mit Wollschweinschinken, Roastbeef und Wachtelspiegelei (oder Spiegelwachtelei?) von Antonio Dalle Rive (Moet Hennessy Deutschland) begrüßt. Er stellte auch gleich Dr. Lumsden vor, der ein wenig später im Wohnraum des angemieteten Innenstadtlofts den beeindruckenden "Glenmorangie Signet" en detail vorstellte.
Bevor die Crew des Münchner Barzirkels, angeführt von Klaus St. Rainer (Goldene Bar) und Marco Beier (Padres) und unterstützt von Toni Molotov (Goldene Bar/Barista), Drinks wie "Astar Old Fashioned", "Signet Padovani" oder "Ardbeg Julep" unter das Volk bringen konnte, erhielt "Käfer"-Wiesnchefkoch Andreas Schinharl das Wort. Schinharl und sein Team hatten die Aufgabe die hungrigen Gäste mit allerlei Gegrilltem bei Laune zu halten. Der Meister an der Holzkohle stellte die vorbereiteten Gaumenfreuden vor und machte dabei deutlich, dass wirklich gutes Fleisch nicht nur aus kleinen Betrieben, sondern insbesondere aus heimischer Viehzucht stammen sollte. Seine Resultate überzeugten die verwöhnten Münchner Gaumen in der Folge voll und ganz.
Der Auftritt der "Ardbeg Ladies" kündigte dann den Hauptpunkt des Abends an: Die Präsentation des neuen "Ardbegs". Dr. Lumsden wurde bei seinen Ausführungen zu Entstehung, Herstellung und Geschmacksprofil nicht nur von den - wie immer - entzückenden Damen, sondern auch von Alligator Otto unterstützt. Ich fasse kurz zusammen: Ein Anteil von rund 30-35% des Reptils (nein, nicht von Otto) stammt aus sehr stark ausgeflammten Fässern (Charring Grade 4). Die Innenseite dieser 250-Liter-Hogsheads ähnelt in ihrer Oberflächenstruktur der Rückenseite eines Alligators - daher der Name. Da ein 100%iger "Alligator" viel zu intensiv wäre, wird mit "normalem" Ardbeg aus gewöhnlichen Bourbonbarrels geblendet. Abgefüllt wird der Leckerbissen, der weit weniger süß ist als z.B. der "Ardbeg TEN", aber dafür vollwürzig und komplex überzeugt, mit 51,2% Vol. Kompetente Tasting Notes lassen sich hier und da finden, weswegen ich an dieser Stelle auf meine Anmerkungen verzichte und lieber Dr. Lumsden ein paar ergänzende Fragen stelle:

whatadrink: Dr. Lumsden, in welcher Region ist das Peat Level des "Alligators" angesiedelt?

Dr. Lumsden: Der "Alligator" hat rund 50-55ppm - liegt also auf dem Standardlevel für Ardbeg.

wad: Wie alt sind die Whiskys, die für den "Alligator" verwendet wurden?

Die sind zwischen 10 und 12 Jahren alt.

wad: Werden Sie die leeren "Alligator"-Barrels wiederbefüllen?

Das ist eine gute Frage. Ja, wir haben bereits wieder New Spirit in diesen Fässern. Ich bin gespannt, wie sich der Whisky entwickeln wird.

wad: Eine Legende von "Ardbeg" ist der 17y. Da "Ardbeg" nun schon wieder eine ganze Zeit produziert, wäre es theoretisch möglich einen "neuen" 17y zu kreieren. Wie sehen Ihre Planungen dahingehend aus?

Ich plane nicht mit einer Recreation des alten 17y.

wad: Der hatte doch auch große Schwankungen in den einzelnen Batches?

Ja, das stimmt. Zuletzt waren die Whiskys schon 22 oder 23 alt, die in den 17y flossen. Die hatten natürlich ein ganz anderes Profil.

wad: Wie steht es mit neuen Single Cask Abfüllungen?

Nun, unsere Lagerbestände an Whisky aus z.B. den 70ern sind nicht mehr groß. Aus den 60ern haben wir praktisch nichts mehr. Aber es wird wieder ältere Single Cask Abfüllungen geben. Die sind dann natürlich auch etwas teurer.

wad: Noch eine Frage zum "Signet": Ein Bestandteil ist Whisky aus den sog. "Designer Casks", also Fässern, die aus Glenmorangies eigenem American White Oak-Holz und nach Ihren Vorgaben hergestellt werden und die für eine gewisse Zeit - wohl vier Jahre - mit Bourbon befüllt werden. Was geschieht mit dem American Whisky aus diesen speziellen Fässern?

Zuerst hatten wir Whisky von "Heaven Hill" zur Reifung. Jetzt ist es aber "Jack Daniel's", da wir sehr gute Beziehungen zu "Brown-Forman" haben. Unsere Fässer stammen ja auch von der "Bluegrass Cooperage". Was die Amerikaner danach mit ihrem Whisky machen, geht uns nichts an.

wad: Vielen Dank, Dr.Lumsden.

Abschließend nochmals vielen Dank für die Einladung zu diesem gelungenen Abend. Wenn ich nicht schon ein Anhänger der beiden Marken wäre...
(Foto: Herr Gabányi und die Ladies)



Montag, 5. April 2010

Ardbeg Rollercoaster

Beim Besuch des Münchner Whisky & Bar Festivals 2010 konnte ich mich auf den neuen Ardbeg Rollercoaster, der "nur" den zahlreichen Mitgliedern des Ardbeg Commitees vorbehalten ist, noch nicht so richtig einstellen. Da dieser schottische Freund nun schon einige Woche in meiner Nähe weilt, ist ein differenziertes Urteil möglich.

In der Flasche stecken Destillate aus den Jahren 1997 bis 2006, was angesichts des zehnjährigen Geburtstags des Commitees nicht verwundert. Die prozentualen Mengenangaben dazu sind auf dem Etikett angegeben. Doch nun zum Kern der Sache:

Aus Flasche und Glas steigt der unverwechselbare Duft der Islaymalts auf: Fenchel und Malz und erste Hinweise auf die zu erwartende Süße. Doch dann stellen sich auf Zunge und Gaumen Salzaromen und der unvermeidbare nasse Torf ein. Im Abgang ist der Ardbeg hier wärmend und letztlich kürzer als angenommen. Wie schon seinerzeit beim ersten Schlückchen erkannt, hält sich der Sherryfaßanteil in Grenzen.

Die Kritik, die z.T. auf den Rollercoaster einprasselt, kann ich nicht vollständig nachvollziehen. Wer eine neuerliche "Bombe" erwartet hat, mag enttäuscht sein. Aber bitte! Das ist ein sehr guter Whisky - ein guter Islay und ein ordentlicher Ardbeg, mit dem man sich einige Zeit beschäftigen kann. Ich denke, die Zeit der Supertörfler geht in den nächsten Jahren zu Ende und vielleicht wird man dann dieser Komposition etwas mehr Beachtung schenken. Ich mag den jungen Herrn!