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Samstag, 17. Dezember 2011

Was zum Lesen...

Wir leben in einer Zeit, in der man im www beispielsweise Wein nach Emotionen kaufen kann. Gut, dass man Mut braucht, um den ein oder anderen bei Weinproben angebotenen Stoff nicht gleich beim ersten Kontakt in hohem Bogen auszuprusten, ist klar. Aber Gelassenheit? Gelassener Wein? --- Aber lassen wir das. Da in Kürze eine Schenkungsarie über uns hereinbrechen soll, hier noch ein paar kurze Buchvorstellungen bzw. Schenktips vorm Fest:"Liköre" - Franz Brandl, Südwest Verlag 2011, ISBN 978-3-3517-08743-6, 24,99 EUR:

Dabei handelt es sich offensichtlich um die Neuauflage des Büchleins "Liköre der Welt" aus dem Jahr 2000. Wie dort wird jede Abfüllung, die es in diese Enzyklopädie geschafft hat, doppelseitig vorgestellt und auch ein passendes Cocktailrezept mitaufgeführt. Ich möchte Herrn Brandl nicht zu nahe treten, aber zum einen sind die Texte zum Teil mit denen aus der über 10 Jahre alten Ausgabe identisch (ja, das ist nicht verboten) und zum anderen wirken die Rezepturen (auch wenn es die jeweiligen Signatures sind) auf mich doch a bisserl einfallslos bzw. angestaubt (Shanghai Express: 2cl Kwai Feh, 2cl Peachtree, 10cl O-Saft). Aber was solls. Das Buch ist ein "Standardwerk" (Südwest Verlag) und, falls man grad seinen kleinen Barmeister bei der VHS macht, als Warenkundeverzeichnis durchaus brauchbar, auch wenn das eine oder andere Detail heute offiziell anders dargestellt wird (Zitat Brandl: "...der Amaretto, ein Mandellikör,..."). Verzichtbar.

"Cocktails - Die besten Drinks der legendären Apotheke Bar in New York" - Albert Trummer & Markus Metka, Christian Brandstätter Verlag, ISBN 978-3-85033-389-4, 25 EUR:

Ein ähnlich hoher Eurobetrag wird für das nächste Buch aufgerufen und ich finde, es ist diesen Preis auch Wert. Der Österreicher Albert Trummer, Inhaber der 2008 eröffneten "Apotheke Bar", hat zusammen mit seinem Landsmann, dem renommierten Anti-Aging-Mediziner Prof. Dr. med. Markus Metka, ein Werk geschaffen, das den Geist mittelalterlicher Klosterlaboratorien und die Praktiken aus den Frühzeiten der Mixologie - angereichert mit etwas moderneren Erkenntnissen - zu einem spannenden Sammelsurium an Rezepten verwebt. Wenn man auch verschwenderisch mit dem Platzangebot des 26x20cm großen Formats umgeht, so finden sich doch hochinteressante Details über die gesundheitsfördernden Eigenschaften z.B. des Mezcals (kam mir schon immer so vor) oder genaue Auflistungen aller Zutaten von Trummers selbstentwickelten Extrakten inkl. Zubereitungsart. Dieses Buch macht Spaß und geizt nun wirklich nicht mit außergewöhnlichen Anregungen, auch wenn nicht jeder Trunk in meiner Hausbar nachgekocht werden wird.

"The PDT Cocktail Book" - Jim Meehan, Sterling Publishing, ISBN 978-1-4027-7923-7, 17,95-19,95 EUR:

"The Complete Bartender's Guide From The Celebrated Speakeasy" ist (Stand: 17.12.2011) ziemlich ausverkauft in Deutschland. Wer sich beim BCB sein persönliches Exemplar schon gesichert hat, hat jetzt eines der schönsten Cocktailbücher der letzten Jahre in Händen. Die Aufmachung und die Illustrationen von Chris Gall empfinde ich als stilvoll, absolut passend und letztere v.a. in genau dem richtigen Mengenverhältnis eingebunden. Ansonsten hat man sich mit der Anschaffung ein Stück Cocktailgeschichte mit vielen klassischen Rezepten aus dem 19. und 20. Jahrhundert (inkl. Angaben zu den historischen Quellen) und natürlich den aktuellen Drinks des neuen Jahrtausends nach Hause geholt. Dabei wird gar nicht allzu sehr auf das "PDT" selbst abgestellt. Mir kommt die Auswahl als eine wohlsortierte Bestandsaufnahme der Ostküsten-Cocktailszene, soweit ich davon überhaupt ein Bild habe (?), plus den Rezepturen des Maestro Meehan vor. Know-How zum Betrieb einer Bar und Hot Dog-Rezepte gehören natürlich auch dazu. Man sollte nicht darauf verzichten.

"Bitters - A Spirited History Of A Classic Cure-All With Cocktails, Recipes & Formulas" - Brad Thomas Parsons, Ten Speed Press, ISBN 978-1-58008-359-1, 17,95 EUR (eBook 9,99 EUR):

Wenn man nicht grade Herr Hauck oder Herr Berg ist, sich über die Verwendung von kleinen Fläschchen, die meist auf einer Bar stationiert sind, nicht wundert und schonmal von einem Dr. Siegert gehört hat, sollte man - nein, muss man - dieses Werk sein eigen nennen. Um es kurz zu machen: Hier steckt all about cocktail bitters drin und es ist ein echtes Vergnügen dieses Buch mit all seinen Informationen, Anregungen und Rezepturen zu Bitters, Sirups, Tinkturen und Drinks von vorne bis hinten und von hinten nach vorne durchzuschmökern. Schade, dass es nur 230 Seiten hat. Die Qualität die Mr. Parsons an den Tag legt, möchte ich knapp unter David Wondrichs großartige Werke "Imbibe" und "Punch" einsortieren, wenn nicht sogar auf gleicher Höhe. whatabook!

Dienstag, 20. September 2011

Disaronno Originale - Der Amaretto, der keiner mehr sein will...

"Disaronnos" Markenbotschafter für Deutschland, Emanuele Ingusci, und der Vertriebspartner des italienischen Familienbetriebs, die "Campari Deutschland GmbH", hatten zu einem kleinen aber feinen Workshop in "Mauro's Negroni Club" in München geladen. Ein Amarettoworkshop? Wer braucht denn sowas? - Offensichtlich die deutsche Barszene, was sich an der regen Beteiligung - trotz einiger Absagen in letzter Minute - ablesen ließ.Emanuele Ingusci, Inhaber und Chefbartender des legendären Münchner "Barroom", wird ab November durch Deutschland ziehen und große und größere Städte bzw. deren Barpersonal auf den "weltweit meistverkauften italienischen Likör" und dessen grandiose Mixability aufmerksam machen. Das jetzige Image des guten Tropfens ist gelinde gesagt als angestaubt zu bezeichnen. Der Inhalt der rund 700.000 Flaschen, die jährlich bei uns über den Ladentisch bzw. die Supermarktkasse gehen, dient zu großen Teilen als Tiramisuzutat oder - sorry - Damenschnäpschen beim Italiener an der Ecke. Wann hat man zuletzt einen Godfather (übrigens sehr zu empfehlen mit einem frischen Islaymalt, wie z.B. "Kilchoman") gemixt?Ingusci räumte zunächst mit der größten Falschinformation auf: Der "Disaronno" ist kein Mandellikör und die Bezeichnung Amaretto ist auch nicht gleichbedeutend mit Mandellikör, sondern bedeutet vielmehr "kleiner Amaro" (amaro = ital. bitter). Die Amaretti gehören damit auch zu den Bitter und zwar genauer zu den Bitter Dolce. Um sich von den vielen Nachahmern abzuheben verwendet der Hersteller (die Firma ILLVA) diesen Begriff seit geraumer Zeit auch nicht mehr (Ausnahme: UK-Website). Mandeln spielen bei der Produktion also überhaupt keine Rolle. Auch die kursierenden Informationen, dass der "Disaronno" aus Aprikosenkernen bzw. Aprikosenkernöl hergestellt wird und genau 17 Zutaten enthält, liessen sich bei einem Besuch der Familie Reina nicht verifizieren. Die Italiener geben sich bezüglich Rezept und Herstellungsmethode leider äußerst zugeknöpft, was mit der Angst vor allzu guten Imitationen zu tun hat. Schlechtere gibt es offenbar in rauhen Mengen. Da an der ambitionierten Bar heutzutage jedoch das Beste gefragt ist, blieb nach einem kurzen Abstecher zur Familien- bzw. Produktgeschichte nur der Eigenversuch, der auch ein Vergleichstasting mit vier Mitkonkurrenten beinhaltete. Hier die Ergebnisse:"Disaronno Originale" (28% Vol.): Nase - Marzipan, Schokolade, Toffee, Nougat, Walnuss, Vanille; Geschmack - Karamell(bonbon), Bitterorange, Kräuter;

"Casella Amaretto" (21,5% Vol.): Nase - Farben und Lacke; Geschmack - mazerierter Industriegummi

"Tosci Amaretto" (30% vol.): Nase - Nüsse, alkoholisch; Geschmack - Haselnuss, Rosinen, P.X. Sherry, Milchschokolade, zuckrig;

"Luxardo Amaretto" (28% Vol.): Nase - künstliches Orangenaroma, Estern, Orangeat; Geschmack - sehr süß, Fahrradschlauch, Gummi, Orangeat;

"DeKuyper Amaretto" (30% vol.):
Nase - schwache Aromen, sprittig; Geschmack - sehr süß, unangenehm;

Der "Disaronno" war mit Abstand der komplexeste Vertreter seiner Art im Tasting. Attribute wie "rund und doch würzig" sowie ein volles Mundgefühl wurden ihm ausnahmslos zugesprochen. Die Konzentration der Familie Reina (und damit der ILLVA) auf nur ein Produkt (in Lizenz wird auch "Tia Maria" hergestellt) zahlt sich also aus. Als "gut trinkbar" aber "wesentlich nussiger" wurde der "Tosci"-Amaretto als Nummer zwei im Tasting eingeordnet.

Bevor es an das Vermixen geht, noch kurz ein Blick auf das Packaging. Seit den 70ern kommt der "Disaronno" in der kantigen Flasche aus gehämmertem Glas mit dem quadratischen Deckel. Einige Billigprodukte bilden Form und sogar Verschluss auf das Peinlichste nach. Das ursprüngliche Etikett mit der stilisierten, goldenen Pergamentrolle wurde vor kurzem einer verhaltenen Überarbeitung unterzogen und fällt ein wenig schlichter aus. Eine limitierte Serie aus 2008 ist dagegen direkt als progressiv zu bezeichnen.

Die Workshopteilnehmer zeigten, nachdem Emanuele Ingusci u.a. seinen neukreierten Rumdrink Weidenfeller kredenzt hatte, im Anschluss ihre vorbereiteten oder aus dem Ärmel geschüttelten Rezepturen. Hocharomatische Kombinationen mit gleich zwei zusätzlichen Likören und einem Sirup (!) gingen mit simplen, aber wirkungsvollen Mixturen mit z.B. Williamsbrand oder frischer Passionsfrucht Hand in Hand. Die gesammelten Cocktails werden in einem Buch vereinigt, dass in 2012 an alle Aktiven und auch in die Campari-Cocktailbuchsammlungen in München und Mailand geht.

Ich finde "Disaronno"-Whisk(e)y-Drinks besonders spannend, daher hier zwei einfache Rezepturen mit Ryewhiskey als Anregung:

Scottare
(Pre-Dinner)

6cl Rye Whiskey (Sazerac 6y)

3cl Disaronno

1,5cl Campari

5 dash Vanille Bitters (Bob's Bitters / homemade)

Saft 1/2 Orange

shake + double strain in Cocktailschale

Deko: 1/4 Orangenscheibe + Orangenzeste geraspelt


Jose Mourinho Sour (aka The Special One)

6cl Rye Whiskey (Sazerac 6y)

3cl Disaronno

Saft einer Limette (3cl)

5 dash Cask Aged Whisky Bitters (Master Of Malt)

ca. 2cl Ginger Beer (Thomas Henry)

shake + strain in Tumbler auf Eiswürfel, float Ginger Beer

Deko: Whiskeykirsche (homemade)

Außerdem existiert bereits ein internationales Rezeptebooklet namens "Disaronno Cocktail Book", das u.a. eine Vielzahl, der in den USA, wo "Disaronno" am erfolgreichsten ist, so beliebten Kombinationen mit Cranberryjuice enthält. Salute!

Mittwoch, 31. August 2011

Barzirkels Cognac Bitters - hier: Verlosung

Heute mal was anderes: Der Barzirkel München hat whatadrink! drei Fläschchen des im Rahmen eines Cognacworkshops (in 2010) unter Aufsicht von Herrn Klaus St. Rainer ("Goldene Bar", Bitterskreateur) und unter Zurverfügungstellung des Ausgangsdestillats durch "Pierre Ferrand Cognac" hergestellten "Barzirkel Cognac Bitters" zur Verlosung unter dessen treuesten Lesern übergeben. Der monetäre Wert dieser einmaligen Abfüllung ist selbstverständlich unaussprechlich!
Damit das Ganze nicht so einfach ist, muss per Email eine Frage beantwortet werden, deren Beantwortung dem geneigten Leser leicht fallen wird. Die Preisfrage lautet: Wie oft hat whatadrink! den Titel "Bester Deutscher Barblog" beim Fachmagazin "Mixology" gewonnen?

Die Antwort bitte an: cognacbitters@gmx.de

Die ersten drei (!) richtigen Einsender erhalten je eine Flasche der Cognacbitters (siehe Foto) zugesandt, wenn sie ihre Postadresse angeben (Diese Daten werden natürlich nicht weitergegeben oder in irgendwelcher Form weiterverwendet und werden nach der Aktion sofort gelöscht.). Der Wettbewerb ist bis längstens 30.09.2011 befristet.

Donnerstag, 11. August 2011

Lillet Après-Midi oder: Die Kunst des Aperitifs

Der Aperitif ist in unseren Breiten allzu oft ein etwas lieblos gewählter Trunk, der lediglich die Wartezeit auf die bestellten Speisen versüßen soll bzw. bestenfalls als Begleiter der Vorspeise(n) dient. Dass das nicht mal die halbe Wahrheit ist, zeigen uns unsere europäischen Nachbarn Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien und auch Belgien oder die Schweiz mit ihren Aperitifs, Aperitivos und Apéros. Dort dienen zwar auch feste und flüssige Leckerbissen als appetitanregende Vorbereitung auf eine Mahlzeit (übrigens mittags UND abends), nur hat sich - insbesondere in Frankreich - eine vielschichtige Kultur gebildet, die neben den klassischen Aperitifgetränken wie Bitter, Sherry, Portwein, Anis und Wermut inkl. unzähliger Mixgetränke auch in unseren Breiten weniger verbreitete, süßere und auch bitterere Gattungen wie z.B. Pineau De Charentes, Pommeau De Normandie oder Quinquina umfasst.

Zu letzterer Gruppe zählt auch der in Deutschland keineswegs unbekannte "Lillet" in den bisherigen Versionen "Blanc" und "Rouge" sowie den limitierten Jahrgangsabfüllungen mit dem wohlklingenden Namen "Réserve Jean De Lillet". Aktuell ist davon die Ausgabe 2008 im Handel, für die aber auch rund der doppelte Preis aufgerufen wird. Der Hersteller ist die Firma "Lillet Frères" (seit 2008 bei Pernod Ricard) in Podensac bei Bordeaux, die 1887 den "Lillet Blanc" lancierte. Erst 1962 folgte der rote Bruder. Beide Produkte bestehen zu 85% aus einem Weincuvée. Beim "Blanc" kommen die Rebsorten Semillon und Sauvignon Blanc - beim "Rouge" Cabernet Sauvignon und Merlot - zum Einsatz. Die restlichen 15% bestehen aus verschiedenen Fruchtlikören, die aus spanischen Süßorangen, Bitterorangen aus Haiti und grünen Orangen aus Nordafrika (bzw. deren Schalen) unter Zugabe von Rohrzucker hergestellt werden. Abgerundet wird das Geschmacksbild jeweils mit Vanille, Sternanis und natürlich Chinarinde bzw. dem daraus gewonnenen Chinin. Nach der Vermählung der Einzelkomponenten wird der "Lillet" vor der Abfüllung in Flaschen noch 4-6 Monate in Barriquefässern aus Limousineiche gereift, die übrigens nur zweimal benutzt werden. Alle "Lillets" sind mit 17% Vol. versehen.
Mit diesen und noch weiteren Informationen zieht derzeit Deutschlands Brand Ambassador Nikolai Augustin (meisterschueler, Berlin) durch die Lande, um nicht zuletzt die durch den Erfolg von Aperol Sprizz gestiegene Nachfrage nach leichten, sommerlichen Drinks mit dem durchaus gut vermixbaren "Lillet Blanc" zu stillen. In Münchens "Goldener Bar", wo in dieser Woche der Auftakt der Reihe stattfand, kannte jeder der rund 35 anwesenden Bartender den "Lillet" und das nicht erst seit dieser in den "James Bond"-Filmen "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost" im "Vesper" Martini als Wermutersatz nachgefragt wurde. Nicht zu letzt deswegen wird der "Lillet" hier und da gerne den Wermuts/Vermouths zugeordnet, was aber grundsätzlich falsch ist, da er kein Wermutkraut bzw. dessen Auszüge enthält.
Vor dem anschließenden Crosstasting daher gab Bastian Heuser (barworkz, Berlin) einen Überblick über die "verstärkten Weine" (z.B. Portwein, Sherry, Madeira,...) und die "verstärkten und aromatisierten Weine" (z.B. Wermut, Quinquina und Enzian). Der "Lillet" zählt demnach zu den weißen bzw. roten Quinquinas. Produkte die ebenfalls in diese Kategorien fallen sind z.B. "St. Raphael" oder "Byrrh". Im Blindtasting hatten mir persönlich die roten Vertreter ("Byrrh"!) besonders gut gemundet. An der Stelle darf ich Bastians Hinweis auf die informative Webseite Vermoth 101 aufgreifen, die das Thema "Weinaperitif" erschöpfend behandelt.

Nach einer ausgiebigen Mixrunde zum Thema "Vesper" wurde noch der Neue bei "Lillet", der "Lillet Rosé", kredenzt. Auch diese Version besticht durch das ausgeklügelte und fein abgestimmte Verhältnis zwischen weiniger Fruchtigkeit und leichtwürziger Orangennote, die mir beim ersten Probiererle aber weniger präsent vorkam.
Da vom "Vesper" nun schon mehrfach die Rede war und das Thema "Kina Lillet" natürlich auch bei dieser Veranstaltung gestreift wurde, hier noch ein paar Anmerkungen hierzu. Der bis in die Mitte der 80er erhältliche "Kina Lillet", der Vorläufer des heutigen "Lillet Blanc", kam nicht erst durch Flemings Bond ("The bitch is dead now.") zu einer gewissen Berühmtheit. Vielmehr fand er bereits in der Fachliteratur des frühen 20. Jahrhunderts mehrfach namentliche Erwähnung. Klassisch ist v.a. die Verwendung im "Corpse Reviever #2" aus dem "Savoy Cocktail Book". Als Ersatz wird oftmals der in Deutschland nicht erhältliche "Cocchi Aperitivo Americano" empfohlen. Da die Offiziellen in Podensac nach der Rezeptänderung vor fast 30 Jahren vom bitter-süßen hin zum leichteren Aperitif offenbar wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Generation "Cocktail Renaissance" haben, konnte ich vom Spirituosenhistoriker Mike Meinke (Triobar, Berlin), der vor nicht allzu langer Zeit gleich mehrere Flaschen "Kina Lillet" entkorkt und verkostet hat, erfahren, dass er bei seiner alten Version "eine weitaus kräftigere Kräuternote, bedingt durch die Bittertöne, und eine leichte Sherryanleihe von der Würzigkeit" im Vergleich zum aktuellen Produkt festgestellt hatte. Das gilt zumindest für die eine der acht Flaschen, die noch genießbar war. Einer eventuell limitierten "Kina Lillet"-Abfüllung z.B. zum 140-jährigen Firmenjubiläum 2012 würde auch ich durchaus eine Chance geben...
Bestens versorgt vom Team der "Goldenen Bar" ging so ein schöner Nachmittag zu Ende, der mir durchaus (wieder) Lust auf ein spritziges Weingemisch gemacht hat. A votre...!

Weitere Termine: 15.8. Berlin, 22.8. Hamburg, 29.8. Frankfurt, 30.8. Köln;

Einen schönen Überblick über den Brauch des Aperitifs in Frankreich, viele Informationen zu z.B. Vins Doux Naturels, Likörweinen, Pastis und Aperitifgetränken auf Weinbasis sowie zahlreichen Rezepten zu Speis und Trank beinhaltet das 1989 erschienene Buch "Die Kunst des Aperitifs" (ISBN 978-3817000135) von André Dominé ("Das ultimative Barbuch").