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Freitag, 24. April 2015

Single Malt Scotch Whisky - Wer bist Du? Wohin gehst Du?

"I fang nomoi vo vorn o
wei an gestern i mi scho gonima erinnan ko" 
(Django 3000, "Nomoi von vorn", 2015)

(Übersetzung ins Unbayerische: Ich beginne noch einmal von vorne, weil ich mich an gestern nicht mehr erinnern kann.)

"Nur 4 Jahre alt und schon grandios" (Artikelbeschreibung eines Single Malts auf einer Shopseite, 2015)

"Der Steam dieser Distillery macht mich an." (Ein Whiskyfreund in 2015)

"Der Netto-Einkaufspreis für "Odin" liegt bei 165 EUR." (anonymer Shopbetreiber, 2015)

"Highland Park Odin 16 Jahre ... 598,00 EUR" (bekannter Shopbetreiber, 2015)

"Olle drahn am Radl" (Django 3000, "Bonaparty", 2015)

(Übersetzung ins Unbayerische: Alle drehen am Rad.)


In obigem Sinne oute ich mich heute als Whiskyfreund - nicht Freak - nicht Fan - einfach nur Freund. Und meine abgefüllten Freunde machen mir hier und da Sorgen.

Whisky wird immer teurer.

Naja, möchte man entgegnen, was wird denn schon immer billiger? Dabei muss man - mit Blick nach Schottland - zunächst zwischen Blends und Single Malts unterscheiden. Der Anteil der Blends soll weiterhin mindestens 90% der jährlichen Abfüllmenge betragen. Und der Großteil davon fällt wiederum unter Alltagswhiskies im Preissegment deutlich unter 30 EUR. Die kommen zumindest mir ziemlich preisstabil vor und auch bei den Single Malts haben die sogenannten Standardabfüllungen - wie z.B. Glenmorangie Original, Ardbeg 10y, Glenlivet 12y (jetzt Founder's Reserve), Laphroaig 10y usw., allesamt seit Jahren ein ziemlich solides Preisniveau im Vergleich zu den mehr oder weniger limitierten Abfüllungen.
(früher)
Sehr schön sieht man den kleinen Unterschied z.B. bei den jährlichen Releases aus dem Hause Diageo, unter denen für den (verdammt guten) Lagavulin 12y Cask Strength (bottled 2014) mittlerweile rund 100 EUR aufgerufen werden. Das ist noch relativ milde, denn zu den 90 EUR für den 2013er muss man nur eine Preissteigerung von ca. 10% verbuchen - in den drei Jahren davor waren es jeweils fast 20%. Seinen Inselbruder von Port Ellen hingegen kann man sich fast nur noch in Tropfmengen leisten.
Gut. Es gibt auch noch preiswertere Serien. Einige sog. unabhängige Abfüller, die letztlich auch nur ein Teil der Whiskyindustrie sind, stellen uns noch recht interessante Flaschen für unter 50 EUR ins Regal. Darunter namhafte Destillerien, meist mit mindestens 46% Alkoholgehalt, unchillfiltered und nicht gefärbt, aber auch immer öfter - nunja - jüngerer Stoff. Positiv aufgefallen ist mir z.B. Signatory mit seiner The Un-Chillfiltered Collection, die mit brauchbaren Single Malts unter 40 EUR startet, die sogar länger als 10 Jahre (!) im Fass reifen durften. Dieser Tage wird - von einem anderen Abfüller - aber auch ein 6-jähriger Talisker, Single Cask, Refill Hogshead, für rund 66 EUR angeboten. Very young...

Es gibt keinen alten Whisky mehr.

Stimmt das? Der Anteil an Whisky in den Warehouses mit einer Lagerdauer von über 20 Jahren soll in den letzten 10 Jahren deutlich geschrumpft sein. Zum Ausgleich wurden die Ausgabepreise für die Restbestände deutlich erhöht. Der alte Grundsatz "Age matters" rechtfertigt offenbar die Premiumisierung und Super-Premiumisierung (Dalmorization) von länger gelagerten Bränden. Aber es gibt noch ältere Fässer. Die Firma Wm. Cadenhead hat 2013 ihr aus mehreren Serien bestehendes Portfolio ein wenig geordnet und offeriert in der Authentic Collection und unter dem Label Small Batch regelmäßig feine Sachen wie z.B. einen Dalmore 37y, einen Glenfarclas 41y oder einen Imperial 37y. Alles keine 50-EUR-Schnäppchen, aber es geht ja darum, ob sie überhaupt noch (unter 500 EUR pro Flasche) verkauft werden und nicht, ob man eine Hypothek aufs Eigenheim aufnehmen muss. Fazit: Irgendwie geht noch was, aber man muss dafür schon in harten Euros bezahlen.
No Age Statement.

Ein Bekannter hat kürzlich in einer schriftlichen Auslassung das Wörtchen Statement vergessen und immer feste vom No-Age-Whisky geschrieben. Das gefällt mir. Aber ganz so schlimm, dass nur noch ungelagerter Whisky in die Flasche kommt, ist es auch noch nicht. Die fehlende Altersangabe ist letztlich ein alter Hut und war schon immer da seit Whisky in Flaschen abgefüllt wird. So betrachtet ist die Altersangabe eigentlich die Ausnahme - nur hatten wir uns in den 90ern und 2000ern eben so schön dran gewöhnt. Jetzt ist NAS also (wieder) ein Trend. Warum also nicht? 

Unschönerweise verbirgt sich hinter den schönen, nichtssagenden Namen oft eine Mischung von relativ jungem (U10) mit einer kleineren Menge von älterem Destillat (wenn überhaupt), was unter Verwendung passender Fasstypen - z.B. frischen Ex-Bourbon-Fässern, Virgin Oak oder hyperaktiven Sherryfässern - trinkbaren (Designer)Whisky ergibt, der aber hie und da Reife, Komplexität und erst Recht Tiefe vermissen lässt. Bei "Saufwhisky" braucht man das Ganze nicht unbedingt - bei den aufgerufenen Preisen wärs hin und wieder aber irgendwie schon ganz nett. Trotz aller Kritik, finde ich, sind manche NAS-Tröpfchen gut gelungen und bereichern die Szene. Mein Liebling in dieser Gattung ist die NAS-Version von Bowmore's Bicentenary (abgefüllt 1979).

Hype, Boom oder Blase - Hauptsache es platzt.

Gibt es das alles überhaupt oder verhält sich der Whiskymarkt ganz natürlich und normal, so wie das bei stark nachgefragten Gütern in einer freien Marktwirtschaft üblich ist? Dass die eine oder andere Marketingabteilung in den letzten Jahren etwas über die Strenge geschlagen hat - sehen wir es den Leuten nach. Sie sollen ja verkaufen und irgendwann werden ihnen die südgälischen Zungenbrecher und nordischen Götternamen hoffentlich ausgehen. Expertenaufgabe: Sagen Sie ohne zu zögern die Namen der letzten drei Travel-Retail-Veröffentlichungen von Bunnahabhain auf! Gratuliere.
(Internetshop 2015)

Schielt man in der Whiskybase aber in die Bestandslisten der anderen Maltmen, so muss einem Angst und Bange werden: Die haben ja alle den gleichen Mist wie ich im Keller! Verdammt, wenn das alles auf den Markt geschmissen wird, kann ich meine teuren Spekulationswhiskies selber saufen (was aber auch nicht so schlimm wäre). Aber vielleicht sollte man sein Eichhörnchenverhalten mal überprüfen und nicht jeder limitierten Buddel hinterher hecheln. Whiskyinvestment ist zulässig aber irgendwie auch ein ziemlich grässliches Wort.
(Internetverkauf 2015)

Whisky-Päpste und Rankings

Gerne folgt der Laie dem Rat des Fachmanns. Doch selbiger plaudert von Zeit zu Zeit auch nur nach, was er irgendwo gelesen oder gehört hat (etwa in PR-Mitteilungen? Pfui!). Tip: Traue niemals Händlern und Industrievertretern (wie z.B. Brand Ambassadoren), sondern suche den Rat von unabhängigen Weisen! Konkret? - Nunja, man schaue mal ein bisschen in den Veröffentlichungen von Herrn Valentin und anderen Malt Maniacs rein. Zudem soll es über 500 Whiskyblogs geben. Oder doch mal ein Buch? Viel Spaß beim Lesen...
(amazon)

Auch das Studium von Herrn Murrays jährlicher Whisky Bible möchte ich ausdrücklich nicht untersagen. Warum dies, wo der zottlige Kerl doch alljährlich ausgiebigst gebasht wird (Tenor: Only one man - only one opinion)? Zum einen habe ich von dessen Auslassungen - z.B. zu amerikanischem, irischem und exotischem Whisky - schon vor Jahren profitiert. Zum anderen darf man es sich nicht allzu leicht machen und nur auf Bestenlisten, Rankings oder Punktelisten starren. Wir sind doch nicht beim 100-Meterlauf. Studieren Sie Tastingnotes, vergleichen Sie die mit Ihren Eindrücken und Sie werden bald merken, welcher Papst mit seinen Beobachtungen einigermaßen auf Ihrer Wellenlänge liegt. Ihr Favorit muss dann nicht unbedingt ein 90- oder 95-Punkte-Whisky sein und schon gar nicht der Whisky Of The Year - egal wer diesen Titel in diesem Monat grade mal wieder vergeben hat. Oder kaufen Sie Ihr neues Auto stur nach einem Verbrauchervorschlag im Playboy? Eben.
Cask Strength, Barrel Proof, Small Batch, Old Bottle Effect

Fachbegriffe gehören zur Fachsprache und wenn Sie kein Whiskygreenhorn bleiben wollen, sollten Sie sich die Bedeutung einiger Begriffe aneignen. Vor ein paar Jahren war (bis auf wenige Ausnahmen) irgendwie klar, dass alles was mit Alkoholstärken über 46% und erst recht mit Stellen hinter dem Komma abgefüllt wurde, aus einem Einzelfass stammt. Fassstärke - Cask Strength - war das Zauberwort. Vergessen wir das. Heute wird mit allerlei Alkoholgraden gebottled. Die Frage ist eigentlich mehr, wieviele Fässer gemischt wurden oder ob es ein Einzelfass war und wieviele Flaschen der Release umfasst. Wer dazu Angaben zu Fasstyp/größe/vorbelegung, Lagerhaus, Destillationstag und Abfüllzeitpunkt, Fassfinish etc. in allen Einzelheiten auf Flasche, Verpackung oder im www auflistet, ist mein Freund. Wer diese Informationen nicht präsentiert und sie sich auch auf persönliche Nachfrage nicht aus der Nase ziehen lässt, wird - ich bitte um Entschuldigung - mit Argwohn beäugt. Hallo - wir trinken in 2015! Schon mitgekriegt? Bitte keine nichtssagenden Bezeichnungen mehr à la Small Reserve Cask Batch Release Limited mehr erfinden. Die gibt es doch alle schon.
(offizielle Tastingnotes?)
Wesentlich interessanter ist ein Terminus, der sich hinter dem Kürzel OBE verbirgt: Old Bottle Effect. Hä? Da wären wir zum Abschluss dann doch noch bei einer interessanten Frage in diesem nichtssagenden Blogartikel. Ich weiß nicht, wie oft ich in Whiskygeschäften oder bei Tastings Dozenten gehört habe, die allen Ernstes erzählten, dass Whisky, wenn er erstmal in seiner Flasche gefangen ist, nicht mehr altert. Beispiel: "Der Whisky wurde als 15jähriger in 1990 abgefüllt. Er ist also 15 Jahre alt.". Stimmt das? 
(bottled late 1950s)

Nein. Natürlich nicht. Richtig ist, dass in unserem Beispiel der Whisky eine (mindestens) 15jährige Reifezeit in einem Eichenfass erfahren hat und dann vor 25 Jahren abgefüllt wurde. Der Whisky in der Flasche ist demnach 40 Jahre alt. Flasche und Flaschenverschluss sind vermutlich 25 Jahre alt. Dass der Whisky nach der Zeit der mehr oder weniger intensiv geprägten Fassreifung (abhängig von Fasstyp und Lagerort) in seiner Glasflasche mit (hoffentlich) dichtem Verschluss nur noch einer sehr langsamen Veränderung unterworfen ist, ist klar. Er steckte aber nicht in einer Zeitkapsel im luftleeren Raum, sondern war weiterhin profanen Dingen wie Schwerkraft, Sauerstoffaustausch, Temperaturschwankungen, Lichteinflüssen undundund ausgesetzt. Das hat ihn nicht verändert? Kein bisschen? Auch nach 30, 40 oder 50 Jahren nicht? Experten sind da anderer Meinung. Der Witz ist eben, dass diese (nennen wir sie provokant) Nachreifung vermeintlich positiv oder negativ oder eben auch kaum merkbar ausfallen kann.

Aber das ist auch das Schöne. Alle reden drüber. Alle haben eine Meinung und über die lässt sich prima streiten, diskutieren und fachsimpeln. Wie dieser Tage bei Deutschlands wichtigster Whiskymesse in Limburg. Oder wie demnächst wieder hier zu den Stichworten Sherryfass, Turboreifung usw.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Ardbeg Ceò - Pustefix oder The Scotch Fog Machine?

"Aber damit nicht genug: in München wird es eine Weltneuheit geben, genannt Ardbeg Ceò.

Wir garantieren Euch schon jetzt ein vollkommenes Ardbeg-Erlebnis."

(Quelle: Ardbeg-Committee-Newsletter, Februar 2015)

Diese beiden Sätze von Ardbeg CEO Distillery Manager Mickey Heads (oder vielleicht auch nur von der deutschen Marketingabteilung dessen Arbeitgebers) haben in der letzten Woche für allerlei falsche Erwartungen und Missinterpretationen gesorgt. Und so mancher hat schon seine Barschaft durch Transaktionen vom Festgeldkonto aufgestockt. Da im ein oder anderen Whiskyforum die Wahrheit inzwischen schon ans Licht gekommen ist, darf ich noch ein bisschen mehr Aufhellendes bei- bzw. zusammentragen.
(Foto von M.M. aus der Müncher Patolli Bar)

Zunächst handelt es sich nicht um eine neue Singlemalt-Abfüllung, wie die Experten von den Whiskyexperts und die FOSM etwas vollmundig titelten. Die ersten waren gleich so erregt, dass ihnen beim Wörtchen "Ardbeg" ein "d" flöten ging. Ardbeg Craze eben. Kann passieren. Etwas weniger Aufregung beim Studium der Mitteilung hätte ergeben, dass es doch recht unwahrscheinlich ist, dass die Profis von LVMH ewig über ihren Weltraumwhisky schwurbeln und dann nur randläufig ohne Angaben zur Fasswahl und ohne Tastingnotes (von Altersangaben haben wir uns spätestens mit dem Babywhisky Kildalton verabschiedet) eine neue Limited Edition erwähnen.

Und dann der Begriff Ardbeg-Erlebnis. Das muss doch stutzig machen. Google ergab sinngemäß Nebel für Ceò und ich hatte auf ein maskulin-rauchiges Eau De Toilette getippt. Fast richtig! Der Ceò ist nix anderes als eine neue Version des in der Praxis als ziemlich zerbrechlich in die Bargeschichte eingegangenen Verneblers namens Le Whaf. Hier wird - ähnlich wie bei Luftbefeuchtern für das Eigenheim - eine Flüssigkeit in die Raumluft eingespeist. Einzige Besonderheit: Das geht hier mit Spirituosen - sprich: feinstem schottischen Single Malt. Der Genießer muss also gar nix mehr Trinken, sondern kann  seinen Ardbeg 1974 leger in die Atemwege wabern lassen. Mit 1976er Single Casks gehts auch. Cool. Darauf hab ich gewartet. Hoffentlich hat man an der Qualität gearbeitet und die Lebenserwartung des Gimmicks verlängert. 

Vor zwei Jahren hat das Ding um 130 EUR gekostet. Mal sehen, wieviel nun dafür aufgerufen wird. Auf jeden Fall passt der Effekt prima zu den anstehenden Whiskyevents. Die dort eh schon vorhandenen Alkoholdämpfe aus Flaschen, Gläsern und Menschenleibern werden dann noch durch solche aus der Pustefix-Maschine ergänzt.




Montag, 12. Mai 2014

Glenmorangie - Alles neu macht der Mai!

Gut - die Überschrift ist natürlich Käse. Streichen Sie "Alles" und "neu" und "Mai" - dann kommen wir zum Kern der Botschaft, die Glenmorangie mit dem Relaunch der Neuordnung von "The Extra Matured Range" an die Whiskygemeinde sendet. Neuordnung?

Nun ja, da ist zum einen der schwerwiegendste Eingriff in die drei Abfüllungen umfassende Range: Die Neufassung des Lasanta, der Ex-Sherrycaskfinish-Variante. Glenmorangies Standardmalt names Original (10y, 1st- und 2nd-Fill-Ex-Bourbonfässer) wurde bislang um ein 2jähriges Olorososherryfinish erweitert und so als Zwölfjähriger angeboten. Damit ists erstmal vorbei, denn zusätzlich kommen nun auch Ex-Pedro-Ximenez-Sherryfässer zum Einsatz. Das Ganze wird so eine Portion runder, da man zugleich den Alkoholgehalt von 46 auf 43% Vol. reduziert. Das Age Statement bleibt aber - immerhin. Dafür haben die Tester - und ich saß bei der Veranstaltung im Münchner Les Fleurs Du Mal zwischen zwei ausgewiesenen Glenmorangiekennern - zum einen ein "Loch" wahrgenommen und zum anderen eine gewisse Portion Sonnalta (ja klar, das PX-Wood) geortet. Im Großen und Ganzen schmeckt der neue, gefärbte (!) Lasanta (UVP: 44,99 EUR) gefälliger und süffiger als sein Vorgänger.

In den oberen Gefilden von Charles heiligen Hallen versuchten wir mit zwei rund 55% Vol. starken Fassproben von 12jährigem Oloroso- und PX-Sherry-gefinishtem Glenmorangie (und etwas Wasser) den Lasanta nachzubasteln, was m.E. gründlich misslang - zumindest bei mir. Nicht nutty genug mein Resultat. Zumindest in diesem Punkt gab mir die sympathische Global Brand Ambassadorin und Part Of The Whisky Creation Team Karen Fullerton recht, die im Lauf der Veranstaltung kaum mehr gegen die zunehmende Lärmkulisse aus der sich füllenden Bar ankam. Eine Feststellung am Rande: Mit der Zugabe von etwas hochprozentigem Ex-Oloroso-Destillat ließ sich der Neue recht ordentlich tunen. Das "Loch" war auch plötzlich verschwunden. Nein, das habe ich Frau Fullerton nicht auf die Nase gebunden und ich schreibe Dr. Lumsden auch keine Email.
(Ach, jetzt sind sie alle schon weg; Quelle: whisky.de)

Was gibt es sonst Neues? Da ist zum einen das etwas aufgepeppte Packaging (Zitat Glenmo-Werbebroschüre: "Die Hochwertigkeit der Verpackung wird in 2014 weiter optimiert und stärkt damit die Kaufbereitschaft...") mit einem zweiteiligen Frontlabel, das - in schwarz - ab sofort auch den Quinta Ruban (weiter 46% Vol., UVP: 49,99 EUR) ziert. Der Nectar D'Òr (auch weiter mit 46% Vol., UVP: 54,99 EUR) wurde zudem um eine etwas größere Premiumschachtel geadelt. Mit dieser "angepassten Positionierung" (Zitat: Werbebroschüre) entsteht aus den bisher gleichberechtigten Abfüllungen, die im Onlinehandel zuletzt für je rund 37 EUR angeboten wurden, eine optisch und preislich deutlich abgestufte Range für "Malt Discoverer, Amateure und Connoisseure". Ja so.

Ich sehe mich da bei den Discoverern ganz gut aufgehoben. In dieser Eigenschaft durfte ich kürzlich Glenmorangie 25y (sehr sehr sehr gut, sehr rund - ohne langweilig zu sein, leider etwas teuer) und einen umwerfenden 9jährigen Westport (1st- Fill-Ex-Oloroso) aus der 2013er Feinschmecker Edition (inzwischen ausverkauft) entdecken. 

Zum Abschluss noch ein kleiner Test zur Frage "Glenmorangie oder Hyundai?": Bitte hier klicken (Ich hatte übrigens 100% richtig).

Donnerstag, 6. Februar 2014

Glenmorangie Companta - Das große Drängeln

Gleich vorneweg: Glenmorangies neuer Single Malt Whisky namens Companta ist ein Knaller, ein wirklich außergewöhnlicher Glenmorangie und vielleicht einer der besten Weinfass-Finish-Whiskys ever. Soviel dazu. Geschrieben wurde dazu bereits genug. Da der eine oder andere in den Weiten des www noch immer über das Alter der bei der Kreation verwendeten Whiskys nachgrübelt, hier ein Link zu einem Bericht, der einige Klarstellungen nicht zuletzt vom verantwortlichen Whiskydesigner, Herrn Dr. Lumsden, enthält.
Sittengemälde: Companta und die Giraffe
Letzterer muss offenbar alljährlich die blumigen aber wenig ertragreichen Presseinfos nacharbeiten, in denen das ein oder andere interessante Detail fehlt und/oder in denen das ein oder andere doch recht mißverständlich wiedergegeben wird. Da steht man bei LVMH m.E. den Herrschaften von Diageo in nichts nach, die zuletzt ein grandioses Textwerk zu ihren 2013er Special Releases rausgehauen hatten. Naja, Schwamm drüber... Lustig ist eben, dass (fast!) jeder den Unsinn ohne Rückfrage oder Recherche nachplappert.

Ein Satz in der Süddeutschen Zeitung war bei mir kürzlich haften geblieben, was recht selten der Fall ist, aber eher an meiner Aufnahmefähigkeit als an der Postille liegt. Es ging um Luxusgüter und deren Zukunft auf dem Weltmarkt. Wie war das nochmal? 

- Die Kunden haben reine Logoprodukte satt und suchen nach subtilerem Luxus, der wahre Kennerschaft attestiert. - 

Schön, gell? Besonders der letzte Halbsatz.

Damit wären wir wieder beim Companta. Nein, nicht beim Whisky selber, sondern bei dessen Start auf dem Onlinemarkt. Da herrscht dieser Tage ein Gedrängel wie sonntagnachmittags am Eisstand im Freibad bei 35°C. Grauenhaft. Die bemühten Verteiler (Sie riechen zumindest nicht nach Sonnenmilch) bieten die begehrte Ware nach der Regel "Nur eine Flasche pro Kunde" an und wundern sich, dass manche Großfamilie plötzlich eine Sammelbestellung - nur jeder einzeln im Abstand von jeweils vier Minuten - aufgibt. Andere Distributeure sind schlauer. Sie trennen die Spreu vom Gerstenmalz in dem sie die UVP von 79,00 EUR geschmeidig auf 130-150 EUR erhöhen - wohl wegen der hohen Lagerkosten.
Wer die offizielle Deutschland-Präsentation des Companta auf der Münchner Finest Spirits nicht mehr abwarten kann, darf natürlich losballern, sei aber zumindest gewarnt: Ich kenne drei Supermärkte, wo der "Whisky Of The Year" Glenmorangie Ealanta für 89 EUR im Regal verstaubt.

A propos verstaubt. Wo wir grade bei den Glenmos und Ardbegs sind, die gehören ja zur gleichen Sippe. In einem großen deutschen Online-Whiskyforum hatte sich kürzlich eine junge, blonde Frau angemeldet und die dort versammelte Expertenschar auf die Analyse von Herr Reim auf dessen Blog zum nächsten Ardbegrelease aufmerksam gemacht. Statt Dank erntete sie für ihre teilweise gewitzte Wortwahl allerdings eine Vielzahl persönlicher Angriffe, die massiv unter die Schreibtischplatte gingen (Zitat: "Du hast ein Gesicht wie eine Gummipuppe" usw.). Ich konnte, als ich die Story hörte, den Thread noch aufrufen - mittlerweile wurde er gelöscht. Ist ja auch der Treffpunkt feiner Geister. Aber nicht alle sind so böse. Ein feiner Geist hatte sogar ermunternde Privatnachrichten geschrieben - nicht ohne Annäherungsversuch versteht sich. ...Luxus, der wahre Kennerschaft attestiert...

Mittwoch, 28. November 2012

Berlin Rules! oder: Whisky in der Hauptstadt

"...Ich lauf die Pappelallee hoch und die Prenzlauer runter
Ja sind denn alle abhängig hier? Voll auf Litschi und Holunder
Vom Himmel fällt Holzspielzeug und ein Satz Faber-Castell
Die Menschen sehen alle gleich aus, irgendwie individuell

Schwarz-Grün wird die Republik, hier ist sie es schon
Auf dem Nachttisch die Bibel und der Manufaktum-Katalog..."


(aus "Prenzlauer Berg" von  Rainald Grebe & Das Orchester Der Versöhnung, 2011)

Als einer der letzten (?) Blogger auf Mutter Erde, der sich mit Spirituosen und dem Drumherum dazu beschäftigt, kann ich mir die Freizeitangebote mittlerweile aussuchen. Schweren Herzens hatte ich mich so letzte Woche für einen Trip nach Berlin auf Einladung von "LVMH" entschieden. Dort galt es einer elitären Masterclass um "Glenmorangies" Signet, ein schottischer Single Malt, der vor rund vier Jahren auf den Markt gekommen war, beizuwohnen.
Ich hatte mich vorbereitet und war sämtliche Rezensionen, Tastingnotes, Whiskybücher und auch meine eigenen Aufzeichnungen durchgegangen. Zudem widmete ich mich nochmal objektiv und ausgiebig der mir vorliegenden Proben. Kritische Anmerkungen und Fragen notierte ich mir im Hinterkopf und war bereit den Designertropfen wissenschaftlich zu sezieren. Vor Ort entpuppte sich das geladene Volk als bunte Mischung von Bar- und Whiskymenschen aus allen (wesentlichen) Teilen der Republik und aus allen (noch) lebenden Generationen (und ich eben). Dieser kommunikationsfreudige Haufen war - das stellte sich an der geheimen Ziellocation, direkt neben dem Music and Lifestyle Hotel "nhow" (sprich: naʊ) schnell heraus - lediglich in die Hauptstadt getrommelt worden, um über Whisky und Signet zu quatschen. Unterbrochen wurden wir dabei nur durch ein kurzes Tasting in einem komplett schwarz gehaltenen Darkroom bei dem den Deliquenten über Funkkopfhörer Stimmen und Sounds eingespielt wurden, die das Genussvergnügen unterstützen sollten. Noch entspannter wurde es, als uns Deutschlands "Glenmorangie/Ardbeg" Brand Ambassador Michael Scheibe in eine bis dato verborgene Lounge mit eigener Bar führte - noch mehr Gelegenheit zum Kennenlernen und Fachsimpeln über Glenmorangie, schottisches Gerstendestillat im allgemeinen, Cocktails, Bars usw... Nach einer Visite in der "Amano"-Bar und Foodpairing mit Currywurst und Signet (funktioniert nicht unbedingt) am Bahnhof Friedrichstraße klang der Abend (für mich) bei ein paar recht vernünftigen Bottle-Aged-Drinks im etwas überstylten "Rocco & Sanny" aus.

Wenn unsereins schonmal in der Weltstadt ist, macht ein kurzer Schwenk durch ein paar Hotspots Sinn. Zum Thema des Vorabends passend waren das für mich zunächst zwei Whiskyshops. Ich startete im "Big Market", der mit seinem historischen Angebot (und seinem auch optisch antiquarischen Oldschool-Onlineshop) weit über Berlins Grenzen bekannt sein sollte. Hier kaufen sich auch junggebliebene Renterinnen und Rentner um die Mittagszeit einen Dram, da Inhaber Laskowski unzählige offene Flaschen parat hat.

Weiter ging es zum Whiskykanzler Werner Hertwig, der in Schöneberg zwei bestens sortierte Ladengeschäfte betreibt. Tip hier: Kommissionsware von Kunden zu annehmbaren Preisen und zwei jugendliche "Glendronach"-Single-Cask-Abfüllungen unter Eigenlabel.
Um die Ecke schlägt Berlins Rumherz (Sorry, Kristina), denn da hat Dirk Becker, Initiator des "Rumfestivals" sein bestens sortiertes "Rum-Depot". Auch hier gilt: Probieren, Probieren, Probieren...
Wer angesichts dieses Angebots nach fester Nahrung verlangt, hat seit neuestem einen neuen Anlaufpunkt: Das "Chicago Williams BBQ", der liebenswerten (Ex-)Barmenschen Holger Grill - äh - Groll (am Grill!) und Nawid Samawat (Gute Laune). Hier werden Bartender und gewöhnliche Gäste von 17-24 Uhr mit Fleischbergen (Pulled Pork, Bratwurscht), Zubehör, Bier ("Crew Ale", "Eichenhofener") und Drinks (Selbstgemischtes aus der Daiquirimachine!) versorgt. Dat is ne Benchmark! - oder: Was braucht Mensch mehr? Berlin rules...


Sonntag, 3. Juni 2012

Ardbeg Day 2012 in München

Schubkarren-Geschicklichkeitsfahren, Gummistiefelkegeln, 4,5-Literflasche-Stemmen (voll!),... Das waren nur drei der doch ziemlich sportlichen Disziplinen, die im Rahmen der "Ardbeg"-lympics absolviert werden mussten. Aber fangen wir doch von vorne an... 

Nachdem die Erwartungen der "Ardbeg"-Fans mit täglich neuen elektronischen Verlautbarungen und einer einwöchigen Reise durch Deutschland zu den offiziellen Vertretungen der Marke in Hamburg, Frankfurt, Nürnberg, Bonn und Münster ins praktisch unerträgliche geschürt worden waren, stand am gestrigen Samstag nun endlich der "Ardbeg" Day und damit das Finale der "Peaty Push!"-Tour in München an. Dazu versammelten sich fast 100 Ardbegians an der Uni und wanderten dann rund drei Kilometer über Leopoldstrasse, Hofgarten und Odeons- und Marienplatz bis zur Münchner Embassy, dem "Tara" Whiskyladen am Rindermarkt.

Dort gab es den begehrten Stoff, die "Ardbeg"-Day-2012-Abfüllung (1st-Fill- und 2nd-Fill-Bourbonfässer, 10-12 Jahre alt, 6monatiges Sherryfinish, 56,7% Vol.) dann auch käuflich zu Erwerben - zumindest für alle die, die die richtige Email ausgedruckt dabei hatten. Kostproben gab es schon unterwegs reichlich - dafür wurden Schubkarre inkl. 4,5-Liter-Flasche und Glasware mitgeführt. Kurz zum Whisky selber: Ein typischer "Ardbeg"! Süßer Grundton, rauchig und torfig ist er, aber trotz des kurzen Sherryfinishes ist dieses deutlich zu vernehmen. Gutes Zeug! (auch wenn es einen nicht vom Hocker haut wie ein Alligator oder Supernova - aber das muss es ja auch nicht). 10.000 Flaschen sollen weltweit davon verkauft werden und es wird keine spätere, reguläre Handelsabfüllung, wie z.B. beim Alligator, geben.
Den Nachmittag verbrachten die vielgereisten Münchner in bzw. vor der "Goldenen Bar", wo neben den schon oben erwähnten Belustigungen auch diverse Getränke gemixter und ungemixter Natur und köstliche Grilladen bereitstanden. "Ardbeg" Day 2013 - Du kannst kommen...


 



 

Donnerstag, 17. November 2011

Wiedervorlage: Ardbeg

Gut. Über "Ardbeg", den selbsternannten Ultimate Islay Malt bzw. The Untamed Soul Of Islay hat GottunddieWelt schon gesprochen und geschrieben. Und ich auch schon. Aber es gibt Neues. Zunächst einmal ist die Siegesserie in "Jim Murray's Whisky Bible" wohl vorerst gerissen, die den Schotten von 2008 bis 2010 lang den Titel "Scotch Whisky Of The Year" und zweimal sogar "World Whisky Of The Year" einbrachte. 2011 gewann "Ballentine's 17" und dieses Jahr liegt nun "Old Pulteney 21" vorn - vor gleich zwei Amis. Nur "Ardbeg 10" hat den Titel bei den "10 Years And Under (Multiple Casks)" inne. Pffffh. Geht es mit den Mannen um Dr. Bill Lumsden und Mickey Heads dem Ende zu? Sind die Anderen auf der Überholspur und schon vorbei? Ardbeg in der Krise? Und was ist eigentlich mit der "Feis Ile"-Abfüllung 2011? Beim BCB 2011 war - große Ehre! - Distillery Manager Mickey Heads persönlich anwesend um in zwei Masterclasses seine Produkte vorzustellen und ausgiebig zu erläutern. Dass "Ardbeg" weiter der most peatiest Scotch Single Malt (mit mindestens 50ppm) ist, hat sich nicht geändert, auch wenn allen voran "Bruichladdich" mit seinen "Octomores" im Jahresrhythmus neue Rekorde (derzeit 167ppm) aufstellt. Bei den Standardabfüllungen - soweit getorft - liegt dieser Wettbewerber schließlich nur bei 20-30ppm. Allerdings ist zu beachten, dass rund die Hälfte des ursprünglichen Phenolgehalts während der Herstellung und Lagerung verloren geht. Zu weitergehenden Informationen zu Ausgangsmaterial, Destillationsprozess, Abfüllung, etc. verweise ich auf die sehr schöne Heimseite (und das unten angehängte Video) und möchte nur auf ein paar Punkte hinweisen, die auch Master Heads besonders in den Mittelpunkt stellte. Zum einen ist der Copper Purifier (siehe Foto) zu nennen, der oben am Hals der Spirit Still sitzt. Diese Einrichtung, die "Ardbeg" übrigens als einzige Destille auf Islay nutzt, ist mitveranwortlich für den Hausstil des relativ leichten Whiskys mit seiner fruchtigen Süße (neben viel Torfrauch in der Nase und dem komplexen Ablauf der Phenole auf Gaumen und im Finish). Ein Faktum ist auch, dass "Ardbeg" vermutlich noch nie in seiner Geschichte so viele erstklassige Fässer zur Verfügung hatte wie heute. Hier profitiert man ganz direkt von der Kooperation mit "Glenmorangie" über den Eigentümer LVMH. Schließlich macht der Einfluss des Fasses, nach Mickey Heads, rund 50% des späteren Whiskygeschmacks aus. Interessant ist auch noch die Tatsache, dass "Ardbeg" seit geraumer Zeit keine (gefüllten) Fässer mehr abgibt - nicht an Blender und nicht an unabhängige Abfüller. Die wenigen erhältlichen "Ardbegs" von den Independents dürften also in Zukunft rar bzw. noch älter werden. Das anschließende Tasting startete standesgemäß mit dem "Ten" (46% Vol., 1st & 2nd fill bourbon casks). Ich habe das Gefühl, dass immer wenn ich mir ein Gläschen davon genehmige, es eine Rückkehr nicht nur zu meinen ersten "Ardbeg"-Erfahrungen, sondern auch zum Geist von Islay ist - zumindest, was ich darunter verstehe. Naja. Auf jeden Fall wird dieser "Standard-Ardbeg" aufgrund seiner Verfügbarkeit und den diversen anderen Releases fast schon wieder unterschätzt. Es folgten "Uigeadail" (54,2% Vol., bourbon & sherry casks) und "Corryvreckan" (57,1% Vol., new french oak & bourbon casks), der nunmehr auch zur offiziellen Range gehört. Irgendwer hatte mir kürzlich noch eingeflüstert, dass es kein weiteres Batch davon mehr geben sollte. Na egal. Weiter ging es mit dem "Alligator" (51,2% Vol., bourbon & new american oak - level 4 - casks) und zwei Casksamples, die zum einen aus einem 1998er Refill Sherry Hogshead (53,9% Vol.) und zum anderen aus einem 1975er Refill Sherry (45,3% Vol.) stammten. Rrrrr.
(Mickey Heads und Bernhard Schäfer)

Am Rande des BCB hatte ich zudem noch die Möglichkeit Mickey Heads ein paar Fragen zu stellen.


whatadrink: Mickey Heads, Sie wurden auf Islay geboren, waren zuletzt u.a. Distillery Manager bei "Isle Of Jura" und folgten Stuart Thompson 2007 bei "Ardbeg". Sie sind also etliche Jahre im Whiskybusiness tätig. Was hat sich geändert, wenn Sie z.B. die 80er Jahre mit 2011 vergleichen?


Mickey Heads: Das gibt es viele Dinge. Insbesondere für Islay ist das gestiegene Interesse an Islaywhisky ganz entscheidend. Noch nie sind soviele Leute zu uns gekommen wegen unserem Whisky. Die Wiedererweckung von "Ardbeg" mit vielen jungen Abfüllungen hat hier wesentlich dazu beigetragen. Alle anderen Islays finden in diesem Zuge aber natürlich auch mehr Beachtung als zuvor.


wad: Im Tasting hier beim BCB haben Sie einen 1975er "Ardbeg" ausgeschenkt. In welchem Bereich lag das Peating Level in den 70ern?


MH: Nun, in den 70ern hatte "Ardbeg" ja noch eine eigene Mälzerei und hat das verwendete Malz folglich zum Teil selbst hergestellt und getorft, aber je nach Bedarf eben auch zugekauft. Ich schätze das Level für diesen sehr alten Whisky auf 40-50ppm. Durch die lange Zeit im Holz verschmelzen die Flavours geradezu.


wad: Ja, ich fand ihn sehr beeindruckend und sehr rund.


MH: Er hat Ihnen geschmeckt?


wad: Er hat mir sogar sehr gemundet! Im Gespräch mit anderen Teilnehmern der Masterclass hat sich herauskristallisiert, dass viele der Meinung sind, dass sich "Ardbeg" und Sherrycasks gut vertragen. Wie beeinflussen nach Ihrer Meinung Sherrycasks "Ardbeg"-Whisky?


MH: Sherrycasks sorgen für die nötige Balance und geben in erster Linie Fülle und Reichhaltigkeit zu unserem rauchigen Destillat. Das ergänzt sich sehr gut. Natürlich funktioniert "Ardbeg" auch sehr gut in amerikanischer Eiche. Aber das ist ein komplett anderes Ding.
wad: Sie haben weiterhin viele junge Whiskys im Portfolio. Wird es noch einen "Supernova" 2011 oder 2012 geben?

MH: Naja, wir versuchen immer etwas Neues zu machen. Dieses Jahr gibt es ja nun den "Alligator" und was nächstes Jahr kommt, weiß ich auch noch nicht so genau.


wad: Mickey Heads, Sie haben die "Ardbeg"-Landladies mit ihrer Schubkarre hier gesehen und es ist zu bemerken, dass die beiden gar nicht aus Schottland kommen. Daher auch meine Frage: Gibt es auf Islay ähnlich reizende Damen?


MH (lacht): Ja natürlich.


Als weiterführende Lektüre wird dringend "Ardbeg - A Peaty Provenance" von Gavin D. Smith und Graeme Wallace empfohlen. Der mittelformatige Schmöker aus dem Jahr 2008 ist nicht ganz billig, aber auch keineswegs überteuert. Er bietet neben einem umfassenden Rückblick auf die Ardbegsche Geschichte und Fakten zur Herstellung gestern und heute auch ein detailliiertes Verzeichnis der höchst sammelbaren Releases tw. sogar in ganzseitigen Abbildungen. Ehemalige Distillery Manager bzw. Master Distiller kommen auch ausgiebig zu Wort. A must!Ob der "Ardbeg Feis Ile 2012" ein ebensolches Muss ist, darf jeder, der in den Genuss dieser Abfüllung kommt, selber entscheiden. 1200 Flaschen wurden aus zwei Pedro Ximenez-Sherryfässern mit 13jährigem "Ardbeg" aus 1998 befüllt (55,1% Vol.) und beim Islayfestival unter dem Motto "A Load Of Bull" verkauft. Trotz der Leitlinie "one bottle per customer" landeten einige davon auf den bekannten Auktionsplattformen - natürlich zu einem Mehrfachen des Ausgabepreises. Jim Murray war mit seiner Vorabprobe auf jeden Fall reichlich unzufrieden und vergab aufgrund des Schwefeleinflusses der Sherryfässer nur 67 (!) Punkte im Gesamturteil. Shocking! Aber Murray kennt bei Sulphur auch kein Pardon. Bei einer kleinen Verprobung dieser Tage in München befanden die (Blind)Tester den Probanden aber keineswegs für ungenügend, sondern äußerten sich durchweg positiv. Bittersweet but smoky.