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Sonntag, 4. September 2022

Seven Seals - Whisky-Schnellreifung oder die Angst vor Dr. Stockhausen

"Ein Verfahren zur beschleunigten Reifung?

Genau das.

Hab ich's mir doch gedacht. Und wie haben sie das gemacht?

Halt dich fest: Mit Schall.

Was? Mit Schall?

Sozusagen das Schallschlucksystem: Sie haben einen Ton durch den Whisky gejagt. Der hat ihn geschluckt und ist damit in einer halben Stunde um drei Jahre älter geworden."

("Die Whisky-Killer", Hörspiel von Roderick Wilkinson, 1985, bei Youtube oder auf CD)

Die gesetzliche Mindestreifezeit für Whisky beträgt nach Europarecht bekanntlich drei Jahre in Holzfässern. Die Festlegung dieser Marke hat aber mit der tatsächlichen Reife oder Qualität des jeweiligen Destillats nichts zu tun, sondern hatte einen fiskalischen Hintergrund. Dass länger gelagerter Whisky andere Merkmale aufweist, als er das in jungen Jahren tut, ist bekannt und schlägt sich heutzutage vor allem in der Preisgestaltung der Hersteller und Vertriebe nieder.


(Quelle: unbekannt)

Um die natürliche Beschränkungen der additiven, subtraktiven und interaktiven Reifung zu durchbrechen und junge Brände mit den Eigenschaften ihrer älteren Verwandten auszustatten haben sich schon einige Menschen den Kopf zerbrochen. Ein U.S.-Patent dazu ("Method of treating wood for the rapid maturation of whiskey and other alcoholic liquors and wines" US2119234) stammt aus dem Jahr 1937. Die Methode von Lost Spirits Mastermind Bryan Davis, um dessen Produkte es in unseren Breiten zuletzt recht ruhig geworden ist, ("Method for rapid maturation of distilled spirits using light and heat processes" US9637712B2 bzw. US9637713B) im "THEA One Reactor" (Targeted Hyper-Esterification Aging) wurde 2015 zum Patent angemeldet und simuliert - kurz gesagt - wichtige Prozesse der Reifung wie z.B. die Esterproduktion durch die Anwendung von Holz, Licht und Wärme auf das Basisdestillat.


(Ein Rezept zur Turboreifung?)

Relativ neu am Markt ist die Schweizer Marke Seven Seals, die 2018 mit ersten Whiskyabfüllungen auf den Markt kam. Die Whiskies stammten zunächst offenbar von der Schweizer Brennerei Langatun, die seit 2005 Whisky produziert. Derzeit sollen die Basiswhiskies mindestens drei Jahre alt sein und von der Great Northern Distillery in Irland geliefert werden, die hauptsächlich Whisky für andere Marken herstellt, mittlerweile aber mit Burke's auch ein eigenes Brand am Start hat. Der Witz ist allerdings nicht die Herkunft des jungen Singlemalts, sondern die Weiterverarbeitung in einem geheimen, patentierten Verfahren. 


(Quelle: Seven Seals)

Geheim? Patent? - An dem Punkt wurde ich hellhörig zumal eine Interviewanfrage an den firmeneigenen Entrepreneur Dr. Dolf Stockhausen, der hinter der Idee und der Entwicklung des Reifeprozesses steckt, unbeantwortet blieb. Sämtliche Pressematerialien, Interviews auf anderen Plattformen und die allwöchentlichen Promoveröffentlichungen brachten ebenso wie Mutmaßungen in der Community ("in einer speziellen Struktur ausgefräste Fässer") keine neuen Erkenntnisse. Mehr Hintergrundwissen förderte eine ca. zweiminütige Onlinerecherche beim Schweizer Patentamt zu Tage, wo Dr. Stockhausen 2017 eine entsprechende Patentschrift eingereicht hat ("Verfahren zur Behandlung von Holzpartikeln für die Herstellung von alkoholischen Getränken sowie ihre Verwendung und eine Vorrichtung für ihre Verwendung" CH714288B1 bzw. EP3284812A2).

Wer sich die zehn Seiten aufmerksam durchliest bekommt ein sehr genaues Bild des Verfahrens, das hier zur Anwendung kommt. Um es kurz zu machen, hier meine Interpretation/Zusammenfassung: Gewaschene und getrocknete Holzpartikel mit einer Seitenlänge von 2mm (solches Material kann man im Fachhandel beziehen) werden mittels Backofen getoastet und ggf. mit Sherry, Port o.ä. getränkt und wieder getrocknet. Diese aufbereiteten Holzpartikel werden dann für "bevorzugt" 6 bis 14 Stunden (oder länger) dem Whisky zugeführt. Das im Patent empfohlene Verhältnis liegt bei 10 bis 70g Holzpartikeln pro Liter Whisky. Logischerweise wird das Granulat anschließend wieder herausgefiltert. Genaueres und auch einige Beispiele sollte der Interessierte in der oben verlinkten Patentschrift nachlesen. Ob der unter dem Label "Seven Seals" verkaufte Stoff vor oder nach dem Prozedere vor Ort in der Schweiz in den branchenüblichen (Eichen)Fässern gelagert wird, ist nicht bekannt. Das Patent sieht diese Option ebenso wie ein ggf. mehrmaliges Durchlaufen des o.g. Prozesses vor. 

Das Ganze ist also weder Alchemie noch Rocket Science. Das Bohei um die geheime Methode ist reines Marketing. Dr. Stockhausen hat in einem Weltwocheartikel aus 2019 seine Grundüberlegungen skizziert. Viel wichtiger ist also, ob man den Stoff auch trinken kann. Dazu habe ich mir eine aktuelle Flasche Seven Seals - The Age Of Sagittarius mit 49,7% Vol. aus der Zodiac Line erworben, die - glaubt man den Experten von whiskyexperts - hier und da hochbewertet wurde. Ein paar Samples früherer Abfüllungen hatte ich auch zur Verfügung. Zudem wurde ich zeitweilig von mehreren Assistenten bei der Probe unterstützt. 

Beginnen wollen wir mit einem Vergleich zwischen Destillaten von Langatun und Seven Seals. Da letztere 2019 erschienen sind, sollten hier noch Schweizer Whiskies verarbeitet worden sein (ist natürlich reine Spekulation). 

Langatun - Old Deer, 40%, 0,5l, ca. 43 EUR:

Geruch: Süß und leicht malzig. Den "toten Fuchs bzw. nassen Hund", den ein Tester in der Whiskybase erschnuppert hat, kann ich nicht feststellen.

Geschmack: Praktisch nichts. Babywhisky.

Finish: Fehlanzeige

Fazit: Schmerzfreier Anfängerwhisky oder eine perfekte Leinwand, um damit zu Experimentieren.


Seven Seals - Sherry Wood Finish, 46%, 0,7l, ca. 62 EUR:

Geruch: Etwas Karamell.

Geschmack: Herrje, sehr karamellig, Toffee, süüüüß und eher unangenehmer Alkohol.

Finish: Moment, Sherry? Welcher Sherry? Da war keiner...

Fazit: 60 EUR? Für was eigentlich? (Hier noch eine andere Meinung)

Seven Seals - Port Wood Finish, 46%, 0,7l, ca. 60 EUR:

Geruch: Früchte? Nüsse? Das ist schon besser als die beiden Delinquenten vorher.

Geschmack: Auch nicht so süß wie der Sherry Wood. Das ist durchaus genießbar.

Finish: Naja, auch eher kurz, wenn überhaupt.

Fazit: Noch einer für den eher unerfahrenen Trinker. 


(Quelle: Internet)

Langatun - Old Bear Smoky, 40%, 0,5l, ca. 44 EUR:

Geruch: Recht fruchtig.

Geschmack: Wieder unbestimmbare aber eher gelbe Früchte. Ganz, ganz wenig Rauch. Smoky? Naja.

Fazit: Wenn es sowas gibt, dann ist das Ding ein Sommerwhisky

(Langatun lagert den Old Bear nach meinen Infos in Ex-Rotweinfässern, füllt den aber auch mit mindestens 46% ab. Hm, ich denke dass mein offizielles Sample ohne Rotweingedöns in das Flascherl kam.)

Seven Seals - Peated Port Wood Finish, 46%, 0,7l, ca. 60 EUR:

Geruch: Kommt relativ alkoholisch rüber, aber schöner Rauch und dunkle Früchte.

Geschmack: Ja, das ist ok, Rauch und... Moment mal, der zweite Schluck ist schon nicht mehr so toll. Das Ganze ist doch dünn und fad im Mund.

Finish: Nicht wirklich feststellbar.

Fazit: In der Nase ok, aber dann doch noch eine Enttäuschung. Gut eine Flasche haben wir noch und diesmal kein Sample...


Seven Seals - The Age Of Sagittarius, 49,7% Vol., 0,5l, ca. 52 EUR

Optik: Sehr dunkle Farbe. Allerdings eher ein dumpfes Braun. Wirkt im Licht unecht und wässrig. An der Glaswand haben wir relativ öligen Spirit.

Geruch: Zunächst denkt man, dass das so gehen könnte, dann wird es richtig unangenehm. Nicht stechend alkoholisch, sondern künstlich.

Geschmack: Süß und Honig. Und dann? Ja eigentlich nichts mehr, was man erwähnen müsste.

Finish: Hat man keines und dann spuckt man den Spuk auch schon aus.

Fazit: Ohne ungenießbar zu sein, war der Sagittarius dann doch schlimm. Hier passen Destillat und Reifungsverfahren nicht zusammen. Der ganze Spaß zerfällt in seine Einzelteile und keiner der Tester hat sein Glas ausgetrunken. Nach dem zweiten Schluck wird der Grusel vor dem nächsten einfach zu groß.


(Hätte viele Schmerzen erspart: Künstliche Zunge)

wad! und seine Helfer haben bei dieser Masterclass wirklich alles gegeben und wundern sich, wie die Brände von Seven Seals auf dem gesamten Erdball für große Begeisterung sorgen (siehe Awards). Wir konnten das Geheimnis der Erfolgs (noch) nicht entdecken.


(Quelle: whiskyexperts)

An dieser Stelle ergänzend noch ein Hinweis zu einer besonderen Abfüllung für The Liquid Madness: Ein "Peated Single Malt Whisky distilled at Seven Seals Distillery - Stans -  Switzerland" der "Fully matured in a Amarone Red Wine Cask" zur Abfüllung kam (58,7%, 0,5l, ca. 62 EUR). Aha, Seven Seals destilliert nun auch selbst und dieser Whisky wurde "fully" in einem Weinfass gelagert? Das ist ja interessant, würde aber auch zur kürzlich verkündeten Kooperation mit der kanadischen Whiskybrennerei Dunrobin "Zwei Destillerien..." (siehe unten) und dem in 2022 errungenen Titel "Swiss Distiller Of The Year" passen. Aber die Begriffe "Destillerie" und "Destillieren" sind wohl dehnbar. Weder auf der Homepage der Schweizer noch auf der Verteilerseite ihrer Pressemitteilungen finden sich Infos zur Installation von Brennblasen usw. Die beiden hilfsbereiten Herren von The Liquid Madness konnten lediglich bestätigen, dass die Infos auf dem Flaschenetikett nach den Vorgaben von Seven Seals formuliert wurden und das Grunddestillat mittels Stockhausenverfahren und anschließendem Finish im Ex-Amaronefass gereift wurde. Das passt dann wieder zu den in der Patentschrift genannten Optionen.

Das Ergebnis dieser Recherche und dem ausgiebigen Tasting lässt sich in einem Satz feststellen: Nein, die Schotten müssen wirklich keine Angst vor Dr. Stockhausen und seinen Methoden haben, denn schon einem erschwinglichen, sechsjährigen Blended Scotch, wie z.B. dem Thompson Bros. TB/BSW, können sämtliche Seven Seal-Whiskies weder in Sachen Qualität noch in Sachen Preis/Leistungsverhältnis das Wasser - respektive das Destillat - reichen.

(Quelle: whiskyexperts)

(Quelle: whiskyexperts)

Dienstag, 23. Februar 2016

The First Posts For 2016 - heute: Euro Rye Whisky

Wie mir scheint, sind nun alle Whisky/Rum/Spirituosenpreise zum Jahreswechsel vergeben und Ruhe an der Awardsfront eingekehrt, außer irgendein Blogfuzzi packt noch ne "Best Of"-Liste aus. *Gähn* Selbst die ehrwürdigen Malt Maniacs haben bei ihren Awards im Dezember wenig Neues präsentiert: Der beste Sherrywhisky kommt aus Taiwan (klar), Lagavulin, Caol Ila und Amrut können getorftes Zeug machen (auch klar), Irland kann Malt (längst klar) und die besten Tröpfchen kann man in Taiwan kaufen (Hä?). Ja, von den ersten 20 Malts im Ranking wurden geschlagene 11 in Taiwan produziert oder für Taiwan abgefüllt. Tja, so ist das bei einem internationalen Blindtasting. Da gewinnen nunmal die Besten der Besten (die mitgemacht - sprich: die ihren Stoff dort eingesandt haben). Lesen Sie dazu auch Keith Woods Bericht und seine Probleme mit DHL, Importzöllen, Versandkosten usw. Whatadrink! wird daher vorerst keine vergleichbaren Awards veranstalten - versprochen. Aber ich schweife ab...

Eigentlich wollte ich ein paar Worte über Ryewhisky verlieren. Nein, nicht das Zeug, das uns manche fragwürdige U.S.-Craft-Distillery zu gehobenen Preisen übern großen Teich schickt. Nö. Diesmal gehts um Euro-Rye (Ja, ich weiß, dass Sie die Überschrift gelesen haben).

Yeah!, sagt der Amerikaner trotzdem und wir gedenken einem 100%igen, superjungen  Rye im Wildweststyle, der vor ein paar Jahren aus San Francisco zu uns kam: Der Old Potrero. Lange bevor Rye wieder Mode wurde war das. Erhältlich sind, nach einer zwischenzeitlichen Ebbe, in unseren Breiten derzeit 2 Varianten davon - allerdings muss man recht tief in die Tasche greifen (>100 EUR). Aber es ist Asskicking Stuff. Was gibt es also an Alternativen, wenn wir an einen brauchbaren 100%-Rye haben wollen?
Da fällt mir zum einen der Millstone 100 Rye Whisky aus der niederländischen Zuidam Destillerie ein, der sich doch glatt Dutch Single Rye Whisky nennt. A new category is born! Im Ernst: Das ist seriöser Rye. Nicht so brennend hot und metallic, wie manch jüngerer/älterer Ami, aber dafür fruchtig, rye-würzig und ausgereift. Eben in Europa und nicht im heißen Kentucky gelagert. Die 100 steht für 100proof (= 50% Vol.), 100% Roggenmalz und mindestens 100 Monate (> 8 Jahre) Reifung in neuen amerikanischen Eichenfäßchen (Das mit 100% aus Windmühlen lasse ich weg.). Angenehmerweise kann man die 0,7l-Flasche für 50-60 EUR beziehen. Ihnen kommt der Willett-Rye schon zu den Ohren raus? Dann checken Sie mal den Mühlstein. Tip: Es werden hier und da auch über 10jährige Einzelfassabfüllungen verkauft. Die Sherryfass gelagerten Single Malts von Millstone sind auch ganz nett - aber das würde jetzt zu weit führen.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgen die Mitbewerber von Vulson Rye, der in der Domaine des Hautes Glaces Alpine Farm Distillery produziert wird. Auch er ist, wie der Potrero und der Millstone, ein reiner Potstill-Rye. Gestartet waren die Franzosen mit dem White Rhino Rye - Alpine Spirit, einem mehr oder weniger ungelagerten (von 18 Monaten ist die Rede) Destillat aus Edelstahltanks mit 41% Vol. Oder sagen wir es so: Das ist/war ein sehr gut gemachter, reiner Roggenbrand. Nun aber gibt es den Old Rhino Rye Whisky. Old? Yes, it's whisky und damit hat sich der Stoff mindestens drei Jährchen in Eichenfässern aufgehalten. Maestro Xavier Padovani hat seine Finger mit im Spiel, was mich zu dem Irrglauben brachte, dass mich dieser feine Herr mit Hintergrundinfos eindecken würde. Nun, trotz mehrmaligem Emailkontakt und Übersendung einer Fragenliste bekam ich nach zweimonatigem Warten immerhin die technical sheets mit den Maßen der beiden hübschen Buddels und den offiziellen Tastingnotes ins Postfach. Was habe ich gelacht. Aber zurück zum Old Rye itself: Ja, das ist jetzt schon was ganz anderes. Der Vergleich mit anderen Metaspirits wie Mezcal, Clairin oder jungem Rum aus der Port Mourant Still drängt sich wirklich auf. Vulson kommt mit Teignoten, frischem Roggenbrot (ach was) und einem Touch Obstbrand daher. Zuerst Mandarinen und Mango und dann noch starker, holzgelagerter Williams aus dem Wallis (kleiner Scherz). Salzstangerln. Ein Rye, der mit 45% Vol. Rückgrat hat und nach einem Mixed Drink schreit. Eine blütenweise Leinwand für einen ambitionierten Mixologen. Blöd, dass der Preis um die 70 EUR (brutto) liegt. Die Leutchen haben übrigens auch nen Single Malt, aber ich wage nicht nachzufragen und Whisky machen in unserem Nachbarland heute eh schon über 40 Destillerien (siehe Karte).

Freitag, 24. April 2015

Single Malt Scotch Whisky - Wer bist Du? Wohin gehst Du?

"I fang nomoi vo vorn o
wei an gestern i mi scho gonima erinnan ko" 
(Django 3000, "Nomoi von vorn", 2015)

(Übersetzung ins Unbayerische: Ich beginne noch einmal von vorne, weil ich mich an gestern nicht mehr erinnern kann.)

"Nur 4 Jahre alt und schon grandios" (Artikelbeschreibung eines Single Malts auf einer Shopseite, 2015)

"Der Steam dieser Distillery macht mich an." (Ein Whiskyfreund in 2015)

"Der Netto-Einkaufspreis für "Odin" liegt bei 165 EUR." (anonymer Shopbetreiber, 2015)

"Highland Park Odin 16 Jahre ... 598,00 EUR" (bekannter Shopbetreiber, 2015)

"Olle drahn am Radl" (Django 3000, "Bonaparty", 2015)

(Übersetzung ins Unbayerische: Alle drehen am Rad.)


In obigem Sinne oute ich mich heute als Whiskyfreund - nicht Freak - nicht Fan - einfach nur Freund. Und meine abgefüllten Freunde machen mir hier und da Sorgen.

Whisky wird immer teurer.

Naja, möchte man entgegnen, was wird denn schon immer billiger? Dabei muss man - mit Blick nach Schottland - zunächst zwischen Blends und Single Malts unterscheiden. Der Anteil der Blends soll weiterhin mindestens 90% der jährlichen Abfüllmenge betragen. Und der Großteil davon fällt wiederum unter Alltagswhiskies im Preissegment deutlich unter 30 EUR. Die kommen zumindest mir ziemlich preisstabil vor und auch bei den Single Malts haben die sogenannten Standardabfüllungen - wie z.B. Glenmorangie Original, Ardbeg 10y, Glenlivet 12y (jetzt Founder's Reserve), Laphroaig 10y usw., allesamt seit Jahren ein ziemlich solides Preisniveau im Vergleich zu den mehr oder weniger limitierten Abfüllungen.
(früher)
Sehr schön sieht man den kleinen Unterschied z.B. bei den jährlichen Releases aus dem Hause Diageo, unter denen für den (verdammt guten) Lagavulin 12y Cask Strength (bottled 2014) mittlerweile rund 100 EUR aufgerufen werden. Das ist noch relativ milde, denn zu den 90 EUR für den 2013er muss man nur eine Preissteigerung von ca. 10% verbuchen - in den drei Jahren davor waren es jeweils fast 20%. Seinen Inselbruder von Port Ellen hingegen kann man sich fast nur noch in Tropfmengen leisten.
Gut. Es gibt auch noch preiswertere Serien. Einige sog. unabhängige Abfüller, die letztlich auch nur ein Teil der Whiskyindustrie sind, stellen uns noch recht interessante Flaschen für unter 50 EUR ins Regal. Darunter namhafte Destillerien, meist mit mindestens 46% Alkoholgehalt, unchillfiltered und nicht gefärbt, aber auch immer öfter - nunja - jüngerer Stoff. Positiv aufgefallen ist mir z.B. Signatory mit seiner The Un-Chillfiltered Collection, die mit brauchbaren Single Malts unter 40 EUR startet, die sogar länger als 10 Jahre (!) im Fass reifen durften. Dieser Tage wird - von einem anderen Abfüller - aber auch ein 6-jähriger Talisker, Single Cask, Refill Hogshead, für rund 66 EUR angeboten. Very young...

Es gibt keinen alten Whisky mehr.

Stimmt das? Der Anteil an Whisky in den Warehouses mit einer Lagerdauer von über 20 Jahren soll in den letzten 10 Jahren deutlich geschrumpft sein. Zum Ausgleich wurden die Ausgabepreise für die Restbestände deutlich erhöht. Der alte Grundsatz "Age matters" rechtfertigt offenbar die Premiumisierung und Super-Premiumisierung (Dalmorization) von länger gelagerten Bränden. Aber es gibt noch ältere Fässer. Die Firma Wm. Cadenhead hat 2013 ihr aus mehreren Serien bestehendes Portfolio ein wenig geordnet und offeriert in der Authentic Collection und unter dem Label Small Batch regelmäßig feine Sachen wie z.B. einen Dalmore 37y, einen Glenfarclas 41y oder einen Imperial 37y. Alles keine 50-EUR-Schnäppchen, aber es geht ja darum, ob sie überhaupt noch (unter 500 EUR pro Flasche) verkauft werden und nicht, ob man eine Hypothek aufs Eigenheim aufnehmen muss. Fazit: Irgendwie geht noch was, aber man muss dafür schon in harten Euros bezahlen.
No Age Statement.

Ein Bekannter hat kürzlich in einer schriftlichen Auslassung das Wörtchen Statement vergessen und immer feste vom No-Age-Whisky geschrieben. Das gefällt mir. Aber ganz so schlimm, dass nur noch ungelagerter Whisky in die Flasche kommt, ist es auch noch nicht. Die fehlende Altersangabe ist letztlich ein alter Hut und war schon immer da seit Whisky in Flaschen abgefüllt wird. So betrachtet ist die Altersangabe eigentlich die Ausnahme - nur hatten wir uns in den 90ern und 2000ern eben so schön dran gewöhnt. Jetzt ist NAS also (wieder) ein Trend. Warum also nicht? 

Unschönerweise verbirgt sich hinter den schönen, nichtssagenden Namen oft eine Mischung von relativ jungem (U10) mit einer kleineren Menge von älterem Destillat (wenn überhaupt), was unter Verwendung passender Fasstypen - z.B. frischen Ex-Bourbon-Fässern, Virgin Oak oder hyperaktiven Sherryfässern - trinkbaren (Designer)Whisky ergibt, der aber hie und da Reife, Komplexität und erst Recht Tiefe vermissen lässt. Bei "Saufwhisky" braucht man das Ganze nicht unbedingt - bei den aufgerufenen Preisen wärs hin und wieder aber irgendwie schon ganz nett. Trotz aller Kritik, finde ich, sind manche NAS-Tröpfchen gut gelungen und bereichern die Szene. Mein Liebling in dieser Gattung ist die NAS-Version von Bowmore's Bicentenary (abgefüllt 1979).

Hype, Boom oder Blase - Hauptsache es platzt.

Gibt es das alles überhaupt oder verhält sich der Whiskymarkt ganz natürlich und normal, so wie das bei stark nachgefragten Gütern in einer freien Marktwirtschaft üblich ist? Dass die eine oder andere Marketingabteilung in den letzten Jahren etwas über die Strenge geschlagen hat - sehen wir es den Leuten nach. Sie sollen ja verkaufen und irgendwann werden ihnen die südgälischen Zungenbrecher und nordischen Götternamen hoffentlich ausgehen. Expertenaufgabe: Sagen Sie ohne zu zögern die Namen der letzten drei Travel-Retail-Veröffentlichungen von Bunnahabhain auf! Gratuliere.
(Internetshop 2015)

Schielt man in der Whiskybase aber in die Bestandslisten der anderen Maltmen, so muss einem Angst und Bange werden: Die haben ja alle den gleichen Mist wie ich im Keller! Verdammt, wenn das alles auf den Markt geschmissen wird, kann ich meine teuren Spekulationswhiskies selber saufen (was aber auch nicht so schlimm wäre). Aber vielleicht sollte man sein Eichhörnchenverhalten mal überprüfen und nicht jeder limitierten Buddel hinterher hecheln. Whiskyinvestment ist zulässig aber irgendwie auch ein ziemlich grässliches Wort.
(Internetverkauf 2015)

Whisky-Päpste und Rankings

Gerne folgt der Laie dem Rat des Fachmanns. Doch selbiger plaudert von Zeit zu Zeit auch nur nach, was er irgendwo gelesen oder gehört hat (etwa in PR-Mitteilungen? Pfui!). Tip: Traue niemals Händlern und Industrievertretern (wie z.B. Brand Ambassadoren), sondern suche den Rat von unabhängigen Weisen! Konkret? - Nunja, man schaue mal ein bisschen in den Veröffentlichungen von Herrn Valentin und anderen Malt Maniacs rein. Zudem soll es über 500 Whiskyblogs geben. Oder doch mal ein Buch? Viel Spaß beim Lesen...
(amazon)

Auch das Studium von Herrn Murrays jährlicher Whisky Bible möchte ich ausdrücklich nicht untersagen. Warum dies, wo der zottlige Kerl doch alljährlich ausgiebigst gebasht wird (Tenor: Only one man - only one opinion)? Zum einen habe ich von dessen Auslassungen - z.B. zu amerikanischem, irischem und exotischem Whisky - schon vor Jahren profitiert. Zum anderen darf man es sich nicht allzu leicht machen und nur auf Bestenlisten, Rankings oder Punktelisten starren. Wir sind doch nicht beim 100-Meterlauf. Studieren Sie Tastingnotes, vergleichen Sie die mit Ihren Eindrücken und Sie werden bald merken, welcher Papst mit seinen Beobachtungen einigermaßen auf Ihrer Wellenlänge liegt. Ihr Favorit muss dann nicht unbedingt ein 90- oder 95-Punkte-Whisky sein und schon gar nicht der Whisky Of The Year - egal wer diesen Titel in diesem Monat grade mal wieder vergeben hat. Oder kaufen Sie Ihr neues Auto stur nach einem Verbrauchervorschlag im Playboy? Eben.
Cask Strength, Barrel Proof, Small Batch, Old Bottle Effect

Fachbegriffe gehören zur Fachsprache und wenn Sie kein Whiskygreenhorn bleiben wollen, sollten Sie sich die Bedeutung einiger Begriffe aneignen. Vor ein paar Jahren war (bis auf wenige Ausnahmen) irgendwie klar, dass alles was mit Alkoholstärken über 46% und erst recht mit Stellen hinter dem Komma abgefüllt wurde, aus einem Einzelfass stammt. Fassstärke - Cask Strength - war das Zauberwort. Vergessen wir das. Heute wird mit allerlei Alkoholgraden gebottled. Die Frage ist eigentlich mehr, wieviele Fässer gemischt wurden oder ob es ein Einzelfass war und wieviele Flaschen der Release umfasst. Wer dazu Angaben zu Fasstyp/größe/vorbelegung, Lagerhaus, Destillationstag und Abfüllzeitpunkt, Fassfinish etc. in allen Einzelheiten auf Flasche, Verpackung oder im www auflistet, ist mein Freund. Wer diese Informationen nicht präsentiert und sie sich auch auf persönliche Nachfrage nicht aus der Nase ziehen lässt, wird - ich bitte um Entschuldigung - mit Argwohn beäugt. Hallo - wir trinken in 2015! Schon mitgekriegt? Bitte keine nichtssagenden Bezeichnungen mehr à la Small Reserve Cask Batch Release Limited mehr erfinden. Die gibt es doch alle schon.
(offizielle Tastingnotes?)
Wesentlich interessanter ist ein Terminus, der sich hinter dem Kürzel OBE verbirgt: Old Bottle Effect. Hä? Da wären wir zum Abschluss dann doch noch bei einer interessanten Frage in diesem nichtssagenden Blogartikel. Ich weiß nicht, wie oft ich in Whiskygeschäften oder bei Tastings Dozenten gehört habe, die allen Ernstes erzählten, dass Whisky, wenn er erstmal in seiner Flasche gefangen ist, nicht mehr altert. Beispiel: "Der Whisky wurde als 15jähriger in 1990 abgefüllt. Er ist also 15 Jahre alt.". Stimmt das? 
(bottled late 1950s)

Nein. Natürlich nicht. Richtig ist, dass in unserem Beispiel der Whisky eine (mindestens) 15jährige Reifezeit in einem Eichenfass erfahren hat und dann vor 25 Jahren abgefüllt wurde. Der Whisky in der Flasche ist demnach 40 Jahre alt. Flasche und Flaschenverschluss sind vermutlich 25 Jahre alt. Dass der Whisky nach der Zeit der mehr oder weniger intensiv geprägten Fassreifung (abhängig von Fasstyp und Lagerort) in seiner Glasflasche mit (hoffentlich) dichtem Verschluss nur noch einer sehr langsamen Veränderung unterworfen ist, ist klar. Er steckte aber nicht in einer Zeitkapsel im luftleeren Raum, sondern war weiterhin profanen Dingen wie Schwerkraft, Sauerstoffaustausch, Temperaturschwankungen, Lichteinflüssen undundund ausgesetzt. Das hat ihn nicht verändert? Kein bisschen? Auch nach 30, 40 oder 50 Jahren nicht? Experten sind da anderer Meinung. Der Witz ist eben, dass diese (nennen wir sie provokant) Nachreifung vermeintlich positiv oder negativ oder eben auch kaum merkbar ausfallen kann.

Aber das ist auch das Schöne. Alle reden drüber. Alle haben eine Meinung und über die lässt sich prima streiten, diskutieren und fachsimpeln. Wie dieser Tage bei Deutschlands wichtigster Whiskymesse in Limburg. Oder wie demnächst wieder hier zu den Stichworten Sherryfass, Turboreifung usw.

Sonntag, 1. März 2015

Finest Spirits 2015 - Ardbeg-Ceò-Schmarrn und Whiskyweißwurst

Messebesucher 1: "Ich bin bei Ardbeg und Glenmorangie auf der Blacklist und bekomme nicht mal mehr Infomails."

Messebesucher 2: "Sei doch froh!"

(unbemerkt belauschte Unterhaltung auf dem Spirituosenevent Finest Spirits)

Kehraus in München. Wie dem Leser hier vollmundig versprochen wurde, darf ich einen kurzen Messebericht von der Finest Spirits 2015 vorlegen.

Beginnen wir mit dem Thema Rum, welches dieses Jahr besonders forciert werden sollte. Dazu hatte der Veranstalter einen eigenen Barstand aufgebaut. Da gleich daneben die Münchner Barschule und der Spirituosenhändler Barfish ebenfalls gemixte Drinks anboten, verlor sich manche Besucherin / mancher Besucher in einem geschüttelten bzw. gerühreten Bermudadreieck. Für besonders Wahnsinnige Trinkfreudige hatte gegenüber Mike Werner seine Whiskeybar aufgebaut und verzückte dort mit neuen Bourbons und Ryes aus den USA und Canada - aber auch Old-Fashioneds und Manhattans wurden feilgeboten. Yeah!
 
Aber wir wollten ja über Rum reden. Das gelang den drei Herren vom Berliner Rumdepot offenbar besonders gut, die neben ihrer Eigenabfüllung und einigen süffigen Zuckerrohrbränden auch mit wohlschmeckenden Preziosen aus Japan aufwarten konnten. Wenn mir da nicht mancher Maltman abtrünig geworden ist. Gefehlt hat mir der Rum im Tasting- und Masterclassprogramm aber dann schon a bisserl. Von fast 50 Terminen befassten sich ganze sechs (!) mit Rum - die drei Vorträge zu Havana Club in der Chivas-Tram mitgerechnet. Ansonsten ging es je einmal um Appleton, Zacapa und Ron Aldea - zumindest letztere Marke ist neu auf dem deutschen Markt. Die ersten beiden kommen mir bekannt vor.
Noch was zu den Masterclasses. Die Eintrittspreise liegen mit 20 bzw. 35 EUR für ein Ein- oder Zwei-Tages-Ticket auf normalem Niveau - in München. Für Tastings und Vorträge darf man dann aber jeweils noch 10 bis 23 EUR extra drauflegen. Das mag für drei bis fünf Whiskies gut angelegt sein. Wenn der Vortrag dann aber in die Hose geht, weil der Referent (hier vom Cadenhead-Shop in Köln) akustisch nicht zu verstehen ist und er seine Flaschen nicht so präsentiert, dass auch alle sehen, was sie da im Glas haben, ist das schlicht unprofessionell.
 
(Vodka und Gin aus deutschen Landen)
Weiter bestens vertreten waren aber auch klare Brände. Aufgefallen sind mir dabei besonders positiv der gschmackige Vodka Vodrock aus dem schönen Niederbayern (ich sage nur Awaloff-Verfahren), der frische, citruslastige Bodensee Dry Gin von Senft und die beiden brandneuen maritimen Gins namens Marlin und Orca aus dem Hause Charles Hosie, die von Brennmeister Mario Gallone entwickelt wurden und in Kürze auf den Markt kommen. 26 Botanicals (u.a. Zedernholz) und One-Shot-Verfahren - klingelts? Na, dann sind Sie ja ein richtiger Nerd. Aber Gin war das Messethema 2014.

Lobenswert waren die Trinkwasserspender, die der Veranstalter aufgebaut hatte. Gleich daneben standen die Abwasserbehälter und rund um diese lebenswichtigen Stationen bildeten sich regelmäßig kleine Seenlandschaften. Die Crew hatte das aber im Griff - niemand ertrank. Vielleicht gibt es nächstes Jahr einen Mineralwassersponsor.
 

So, das wars schon. ...Ach, jetzt hätte ich fast noch die weltbewegende Präsentation von Ardbeg Ceò (sprich: Keo) vergessen. Das sah so aus: Staunende Whiskyheads stehen in einem Raucherpuff und saugen mit Trinkhalmen aufgedampften Islaymalt in sich hinein. Die nette Dame dort leiert ihren Text von Infrarottechnik etc. runter kann das Verfahren aber auf Nachfrage "nicht genau erklären". Ob die anfällige Technik, die nicht zum freien Verkauf angeboten wird, sondern nur in ausgewählten Bars zum Einsatz kommen soll, bis Messeschluss zumindest noch aus einem Schlot gequalmt hat, ist mir nicht bekannt. Hat nicht schon jemand so ein Apparillo bei Ebay angeboten? Für 1200 EUR? - Nein? Dann muss ich mich getäuscht haben. Mehrere Tester gaben mir gegenüber und voneinander unabhängig ihr Urteil mit "Schmarrn" ab. Diese Bayern eben.
Und gleich noch eine Obskurität. Diesmal vom Branchenprimus Diageo. Dort gab es eine verwegende Mischung aus Talisker, Sauerkrautsaft, süßem Senf und noch so allerlei aus Miniweißwurstschüsselchen zu verkosten. Was solo ziemlich beknackt schmeckte und übel roch, funktionierte mit Weißwurst und Breze als Senfersatz leidlich gut. Mancher verzog auch hier das Gesicht. Aber gut: Die Rezeptur hat ein Österreicher entwickelt. Felix Austria!

Hier noch ein paar Impressionen... 



(Ein Vip-Stand mit Absperrbanderl von... )

(Mein besonderer Dank geht an Willi Lettmair für die Unterstützunng in Sachen Fotografie und Trink-Know-How).

Montag, 12. Mai 2014

Glenmorangie - Alles neu macht der Mai!

Gut - die Überschrift ist natürlich Käse. Streichen Sie "Alles" und "neu" und "Mai" - dann kommen wir zum Kern der Botschaft, die Glenmorangie mit dem Relaunch der Neuordnung von "The Extra Matured Range" an die Whiskygemeinde sendet. Neuordnung?

Nun ja, da ist zum einen der schwerwiegendste Eingriff in die drei Abfüllungen umfassende Range: Die Neufassung des Lasanta, der Ex-Sherrycaskfinish-Variante. Glenmorangies Standardmalt names Original (10y, 1st- und 2nd-Fill-Ex-Bourbonfässer) wurde bislang um ein 2jähriges Olorososherryfinish erweitert und so als Zwölfjähriger angeboten. Damit ists erstmal vorbei, denn zusätzlich kommen nun auch Ex-Pedro-Ximenez-Sherryfässer zum Einsatz. Das Ganze wird so eine Portion runder, da man zugleich den Alkoholgehalt von 46 auf 43% Vol. reduziert. Das Age Statement bleibt aber - immerhin. Dafür haben die Tester - und ich saß bei der Veranstaltung im Münchner Les Fleurs Du Mal zwischen zwei ausgewiesenen Glenmorangiekennern - zum einen ein "Loch" wahrgenommen und zum anderen eine gewisse Portion Sonnalta (ja klar, das PX-Wood) geortet. Im Großen und Ganzen schmeckt der neue, gefärbte (!) Lasanta (UVP: 44,99 EUR) gefälliger und süffiger als sein Vorgänger.

In den oberen Gefilden von Charles heiligen Hallen versuchten wir mit zwei rund 55% Vol. starken Fassproben von 12jährigem Oloroso- und PX-Sherry-gefinishtem Glenmorangie (und etwas Wasser) den Lasanta nachzubasteln, was m.E. gründlich misslang - zumindest bei mir. Nicht nutty genug mein Resultat. Zumindest in diesem Punkt gab mir die sympathische Global Brand Ambassadorin und Part Of The Whisky Creation Team Karen Fullerton recht, die im Lauf der Veranstaltung kaum mehr gegen die zunehmende Lärmkulisse aus der sich füllenden Bar ankam. Eine Feststellung am Rande: Mit der Zugabe von etwas hochprozentigem Ex-Oloroso-Destillat ließ sich der Neue recht ordentlich tunen. Das "Loch" war auch plötzlich verschwunden. Nein, das habe ich Frau Fullerton nicht auf die Nase gebunden und ich schreibe Dr. Lumsden auch keine Email.
(Ach, jetzt sind sie alle schon weg; Quelle: whisky.de)

Was gibt es sonst Neues? Da ist zum einen das etwas aufgepeppte Packaging (Zitat Glenmo-Werbebroschüre: "Die Hochwertigkeit der Verpackung wird in 2014 weiter optimiert und stärkt damit die Kaufbereitschaft...") mit einem zweiteiligen Frontlabel, das - in schwarz - ab sofort auch den Quinta Ruban (weiter 46% Vol., UVP: 49,99 EUR) ziert. Der Nectar D'Òr (auch weiter mit 46% Vol., UVP: 54,99 EUR) wurde zudem um eine etwas größere Premiumschachtel geadelt. Mit dieser "angepassten Positionierung" (Zitat: Werbebroschüre) entsteht aus den bisher gleichberechtigten Abfüllungen, die im Onlinehandel zuletzt für je rund 37 EUR angeboten wurden, eine optisch und preislich deutlich abgestufte Range für "Malt Discoverer, Amateure und Connoisseure". Ja so.

Ich sehe mich da bei den Discoverern ganz gut aufgehoben. In dieser Eigenschaft durfte ich kürzlich Glenmorangie 25y (sehr sehr sehr gut, sehr rund - ohne langweilig zu sein, leider etwas teuer) und einen umwerfenden 9jährigen Westport (1st- Fill-Ex-Oloroso) aus der 2013er Feinschmecker Edition (inzwischen ausverkauft) entdecken. 

Zum Abschluss noch ein kleiner Test zur Frage "Glenmorangie oder Hyundai?": Bitte hier klicken (Ich hatte übrigens 100% richtig).

Donnerstag, 27. Februar 2014

Whiskyreisen mit Werner Obalski

Aufgrund der zahlreichen Anfragen hier noch mehr von DEM "In-der-Badewanne-Mitpfeif-Lied" der 70er. 

Hoch auf dem gelben Wagen
Sitz’ ich beim Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
Lustig schmettert das Horn.
Felder und Wiesen und Auen,
Wogendes Ährengold.
Ich möchte so gerne noch schauen
Aber der Wagen rollt.


 (Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Ob Werner Obalski seine Mitreisenden mit deutschen Volksliedern verwöhnt, bezweifle ich doch sehr. Da darf man schon anderes erwarten. Was? Na, z.B. ein fast grenzenloses Wissen in Sachen Scotch Whisky, Schottland und seine Destillerien und allem was dazugehört. Da "Weizenbierexperte" Obalski dies auch gerne mit wissbegierigen Menschen teilt, hat er sich neben seiner journalistischen Tätigkeit für z.B. die Süddeutsche Zeitung oder das Mixology-Magazin und als Buchautor (u.a. zu Tequila, Sherry, Wein und Kneipen), aber auch als Reisebegleiter einen Namen gemacht. Nein, nicht wenn es um  Mittelmeerkreuzfahrten geht, sondern - Sie werden es erraten haben - wenn es um Whiskytrails geht.

Auch 2014 ist das wieder der Fall. Los geht es mit einem Speysidebesuch Anfang April. Im Mai gibt es gleich zwei Rundreisen, die quasi durch ganz Schottland führen - zumindest durch die whiskytechnisch relevanten Landstriche. Und Mitte September wird die schöne Insel Islay unter die Lupe genommen. Liest man sich die Reiseprogramme durch, bekommt man regelrecht Fernweh. Gut, einen Schluck Whisky könnte man dann auch vertragen. Mir sind trotzdem noch ein Fragen eingefallen, die mir der gelobte Reiseleiter persönlich beantwortet hat.

whatadrink!: Werner, wieviele Whiskyreisen hast Du in Schottland schon begleitet?

Werner Obalski: Die habe ich nicht gezählt, aber ich bin sicher so zwölfmal mit Journalisten in Destillerien unterwegs gewesen, über die ich denen dann was erzählt habe. Ich selber hab vor ein paar Jahren zum Zählen aufgehört und da war ich bei 40 Schottlandreisen angekommen.

wad: Wenn ich mir die Programme der 2014er Reisen so ansehe, liest sich das weniger wie eine Vergnügungsreise (mit teilweise drei größeren Programmpunkten pro Tag), sondern eher wie eine richtige Studienreise. Wie wird das tatsächlich ablaufen?

WO: Zum einen suche ich Destillerien aus, wo man auch die kleine Tour, die eine dreiviertel Stunde dauert machen kann. Dabei muss man natürlich sehen, dass die Frage "Wie wird Whisky gemacht?" schon nach dem ersten Destilleriebesuch beantwortet ist. Das braucht man ja nicht mehrmals erklären. Ich versuche durch meine Kontakte immer die Distillery Manager zu bekommen, denn die können uns dann erklären, was ihren Whisky von dem der anderen besuchten Betrieben unterscheidet.

wad: Damit kommt auch das rüber, was man von so einer "Profitour" erwartet, nämlich dass man den Blick hinter die Kulissen bekommt.

WO: Letztes Jahr hatten wir neun Destillerien in sieben Tagen besucht. Das war unheimlich viel. Aber da waren Whiskyhändler in der Gruppe dabei, die danach gesagt haben, dass das wesentlich zu wenig waren.

wad: Na prima. Ich denke, dass mit einem Guide wie Dir und Deinen Kontakten vor Ort nicht nur mehr Möglichkeiten bestehen Informationen abzugreifen, sondern man auch in das ein oder andere Thema richtig eintauchen kann.

WO: Deshalb buchen mich die Leute ja auch, da ein normaler Touristenführer das eben nach Schema F macht. Bei einem Distillery Manager, der mich persönlich kennt, kann ich gezielte Fragen, die auf die jeweilige Situation oder ein Thema zugeschnitten sind, stellen und bekomme die auch beantwortet. Man muss die Leute nur immer dazu bringen Englisch und nicht Schottisch zu sprechen.

wad: Die englischen Fachbegriffe sollten die Reisenden also schon kennen?

WO: Ja, das sollte so sein. 

wad: Aber man lernt das ja auch vor Ort am einfachsten. Wie muss ich mir die Zusammensetzung einer solchen Reisegruppe vorstellen?

WO: Das sind natürlich richtige Whiskyfreaks, aber auch Wein- und Whiskyhändler sind dabei, die ihr Wissen aufstocken wollen. 

wad: Ich stelle es mir sehr befruchtend vor, neue Leute mit ähnlichen Interessen aus vielleicht einem ganz anderen Teil der Whiskywelt kennenzulernen.

WO: Das ist ein Aspekt. Aber es ist auch wichtig den Leuten nicht nur Whisky und Schottland zusammen zu zeigen, sondern auch das Drumherum etwas detailliierter anzubieten. Das machen wir dann mit Experten z.B. zu Edinburgh oder zu Haggis. Letztes Jahr kamen wir am Elephant House vorbei, das sich The Birth Place Of Harry Potter nennt, weil dort das erste Kapitel geschrieben wurde. Die Leute waren begeistert von der Story dazu.

wad: Jetzt im April geht es in die Speyside und im September nach Islay. Kennst Du schon das Islayprogramm?

WO: Wir werden da nur vier Tage sein und auch nicht alle Distilleries besuchen. Aber, wenn ich mich nicht irre, sind Ardbeg und Laphroaig dabei. Man kann zwar Laphroaig auch von Ardbeg aus erklären, aber schon wegen des Maltings muss man doch hin.

wad: Danke für das Gespräch, Werner.

Also, alle die jetzt so richtig Lust zu einer intensiven, aber doch auch vergnüglichen Schottlandreise bekommen haben, sollten sich auf den oben verlinkten Internetseiten der beiden Reiseanbieter umsehen. Werner Obalski wünsche ich viel Erfolg und Vergnügen!

Ein paar Impressionen in bewegten Bildern gibt es in den Beer Goes Barley-Videos von 2012 - auch mit Werner Obalski übrigens: