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Mittwoch, 4. Februar 2015

Gin & Tonic Perfect Serve und die Holunderblüte ist nicht tot!

"Gibt es für Deinen Blog keine Geschichten mehr?" ist eine Frage, die mir noch nie jemand gestellt hat. Daher hier die Antwort: Äh ja. Um etwas präziser zu sein, liefere ich vor dem üblichen Generde eine kleine Anekdote, die mir kürzlich widerfahren ist.

Samstagabend in einer 40.000-Einwohner-Stadt. Ein 4-Sterne-Hotel. Zu dritt betreten wir nach einem opulenten Nachtmahl die Hotelbar und nehmen an einem freien Tisch Platz. Der Barmann gibt drei Karten aus. Da ich etwas matt bin, fällt mir spontan ein Gin & Tonic (weiter: GT) als zu meiner Verfassung passendes Getränk ein. Beim Einmarsch hatte ich zudem eine Kopfüber-Gordon's Gin-Flasche an der Wand gesehen und irgendwo war ein Schweppes-Logo drauf. Als der Keeper also wieder erscheint - übrigens ein netter, junger Herr Anfang 20, schwarze Hose, schwarzes Hemd, Ärmelschoner - bestelle ich "Gin Tonic, bitte!" und blicke bereits wieder auf meine Begleiter als der Hotelmitarbeiter noch einmal das Wort an mich wendet: "Mit oder ohne Eis?". Nun geschehen mehrere Dinge gleichzeitig. Während ich mich wieder dem Herrn in schwarz zuwende schrillen im meinem Kopf drei Sirenen ohrenbetäubend laut auf und drei feuerrote Rundumlampen beginnen zu leuchten und zu rotieren. Ich bleibe in meiner zurückgelehnten Position im Clubsessel und sage nur: "Mit Eis.".

Spätestens hier wundert sich der aufmerksame Leser über mein Verhalten. Zu erwarten gewesen wäre doch eher, dass ich aus dem Fauteuil aufspringe, den runden Tisch mit Pseudomarmorplatte am gußeiseren Fuß packe, ihn in die Höhe reiße und wutentbrannt den Cocktailmixer mit den Worten "Ich bin Judge Dredd und Du bist auf ewig verflucht!!!" zur Flucht oder zumindest zum nochmaligen Überdenken seiner soeben ausgesprochenen Frage auffordere. Doch nichts davon. Während der Boy (es MUSS ein verirrter Liftboy gewesen sein) meine Bestellung inkl. Sonderwunsch notiert, fällt mein Blick zurück zu meinen Tischgenossen, die - wie sollte es anders sein - beide ebenfalls GT bestellen und dabei jeweils die Frage nach Eis bejahen. Boy mit Bestellung ab.

An dieser Stelle ein Exkurs. Kennen Sie sogenannte Side-By-Side-Kühlschränke für das traute Heim? Also diese absolut stylischen, platzfressenden Frigoungetüme mit zwei Türen und - tatatata! - einem eingebauten Eiswürfelzubereiter? Hm. Habe ich tatsächlich Eiswürfelzubereiter geschrieben? Was da rausplobbert ist statt mächtiger Solid Cubes im besten Fall als bemitleidenswerte Eiskrümel zu bezeichnen, die eine Schmelzzeit von ca. 8-10 Sekunden haben. 

Ok, zurück zum Text. So einen Megakühlschrank hatte der Boy eh nicht zur Verfügung. Wo er dann die drei Eiskrümel mit einem Durchmesser von jeweils 10-12 Millimetern her hatte, weiß ich nicht. An jeder Nachttanke, wird man 24 Stunden und 365 Tage im Jahr mit besserem Würfeleis ausgestattet. Diese mikroskopisch kleinen Eisfragmente trieben - zumindest kurzzeitig, bis sie wieder ihren originären Aggregatzustand annahmen (Dilution!) - in unseren vom Boy servierten "Drinks". Das Mischungsverhältnis wollen Sie wissen? Je 2cl Gordon's mit satten 37,5% Vol. in einem 25cl-Longdrinkglas aufgegossen mit 22cl Schweppes Tonic - 1:11 also. Das ganze in Raumtemperatur. Bei anderen Gelegenheiten bevorzuge ich das Verhältnis 1:1. Aber ok. 

Den mitgelieferten Trinkhalm (den niemand am Tisch bestellt hatte!) legte ich behutsam zur Seite bevor ich das pisswarme Nass in mich schüttete. Meine Begleiter zuckten die ganze Zeit über weder mit der Augenbraue noch ließen sie sich zu einer Bemerkung über den gerade erlebten Perfect Serve hinreißen. Ich bezahlte die Rechnung an der Theke, um einen ausgiebigen Blick über dieselbe werfen zu können. Dort entdeckte ich aber nur drei Schalen mit Barfood (sprich: gesalzenen Rösterdnüssen), das man uns aber nicht angeboten hatte. 

Fazit: Das war eine Reise von der sicheren Position einer GT-Bestellung zu hellem Wahnsinn und zurück in 4 Sekunden. Ich gab dem Boy ordentlich Trinkgeld.

Aber was lehrt uns diese Episode? - Vieles. Zum einen gibt es noch viel zu tun für Brandambassadoren und Cocktailteacher. Zum anderen hat der Durchschnittsgast null Ahnung von nichts. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn uns der Boy nach der persönlich präferierten Ginmarke gefragt hätte und uns dann was zum dazu jeweils passenden Tonic vorgeschwurbelt hätte.
A propos GT. In meiner bescheidenen Hausbar finden sich derzeit rund 15 Gins und knapp über 30 verschiedene Tonics bzw. Softdrinks, die sich als Tonicwater bezeichnen und in Fläschchen bzw. Dosen (Iiiiih!) unter 0,3l-Inhalt gefüllt wurden. Ein Mengenverhältnis, das jeden Gin-, Tonic- oder GT-Blogger zum Durchdrehen bringt. Die Tonics hab ich mir übrigens mit einem Rundgang durch ein paar Münchner Fachgeschäfte und nur EINER Auslandsbestellung verschafft. Dazu kann ich noch rund zehn Tonics auswendig aufsagen, auf deren Bezug ich verzichtet habe. Aber ich bin ja kein Gin-, Tonic- oder GT-Blogger und finde Gin eh völlig überbewertet.

Der Fieberbaum goes Germany
 
Was tippe ich mir also aktionistisch die Finger wund? Unter den diversen Tonics finden sich auch die drei Varianten des britischen Herstellers Fever-Tree, die mittlerweile - lang hat es gedauert - flächendeckend in Deutschland verfügbar sind. Und eben Fever-Tree hat im letzten Jahr mit dem Handpicked Elderflower Tonic Water seinen jüngsten Spross ins Feld geschickt. "Handpicked"? Das klingt verdächtig nach den Männern mit Baskenmütze und Fahrrad, die der Sage nach die Holunderblüten für St. Germain Holunderblütenlikör pflücken. 

Da ich ein wissbegieriger Mensch bin, habe ich die Gelegenheit genutzt mich mit Firmengründer Tim Warrillow zu unterhalten, dem ich zunächst mein Leid mit den täglich neu aufpoppenden Ginmarken Ginabfüllungen und der gleichzeitigen Invasion von Fillern klagte. Meine Lösung: Back to the roots! Nein, nicht Gordon's & Schweppes (siehe oben), aber z.B. ein schöner Tanqueray Ten mit etwas Fever-Tree Tonic und Eis. Das gefiel Tim sichtlich und so erzählte er mir von seinen Anfängen mit Partner Charles Rolls und den alten Zeiten (Wer kann sich noch daran erinnern?) als es nur Schweppes gab und sie sich aufmachten den GT zu revolutionieren. Das beinhaltete eine historische (Rezept)Recherche, Reisen in den Kongo und folglich eine 18-monatige Entwicklungszeit.

wad!: Tim, wenn man mit Ginproduzenten spricht, kommt man irgendwann zum Punkt Botanicals und woher welche davon stammen. Wenn man dann frägt, wie sie denn an das Zeug aus aller Herren Länder kommen, so werden die Herrschaften eher schmallippig. Das fällt dann unter Betriebsgeheimnisse. Können Sie mir da mehr dazu sagen?

Tim Warrillow: Nun, wir haben herausgefunden, dass Chinin aus Peru stammt und das beste an der Grenze zwischen Kongo und Ruanda angebaut wird. Ich war persönlich dort, was schon eine Erfahrung für sich ist, und seit Anfang an beziehen wir unser Chinin direkt aus dem Kongo. Interessant war übrigens, dass man mir dort erzählt hat, dass wir der einzige Getränkehersteller sind, der Chinin dort einkauft. Schweppes hat das für seine spanische Produktion früher gemacht. Trotz der besseren Qualität ist man aber letztlich zu anderen Zulieferern gewechselt. Der Preis hat dabei natürlich auch eine Rolle gespielt.

wad!: Ich denke, dass die alternativen Tonics und Limonaden aus England auch den Markt für alternative Softdrinks in Deutschland, wenn schon nicht beeinflusst, dann zumindest stimuliert haben. Ich hatte, als es vor einigen Jahren um Rezept/Herstellung/Abfüllung eines alternativen Colas in Deutschland ging, einen Kontakt zwischen einem Abfüller und einer Interessengemeinschaft herstellen können, was dann tatsächlich zu einem heute noch marktgängigen Produkt geführt hat. Die Vielzahl an Gingerbieren, (Bio)Limonaden und sonstigen Softdrinks, ob nun klassischer Filler oder eher Standalone, macht mir sehr viel Spaß.

TW: Das Ginger Ale, dass Sie da trinken, hat auch eine ziemlich große Entwicklungsarbeit mit sich gebracht. Wir nutzen heute drei verschiedene Ingwersorten. Bei der Entwicklung haben wir mit Ginger Hunters gesprochen - ja es gibt richtige Pflanzenjäger, die rund im Welt touren auf der Suche nach raren und interessanten Früchten.

wad!: Zum Ingwer hab ich auch noch eine Frage. Hersteller von z.B. Ingwerbier oder auch Destillateure, die einen Ingwerbrand herstellen, sagen mir immer, dass es mit dem Ingwer gewisse Schwierigkeiten gibt. Und wenn ich sage, wieso, Ihr kauft das Zeug doch auf dem Weltmarkt ein, heißt es immer "Nein, nein. Das ist nicht so einfach. Wir brauchen frische Ware" oder "Wir brauchen eine bestimmte Sorte." Ein Likörhersteller hat mir in diesem Zusammenhang einmal erzählt, dass er mehr als zehn Ingwersorten ausprobiert hat und nur eine hat in seinem Produktionsprozess funktioniert. Ist das übertrieben oder können Sie das nachvollziehen?

TW: Eine Wahrheit ist, dass die verschiedenen Züchtungen bisweilen völlig unterschiedliche Aromen mitbringen und sehr unterschiedlichen Charakter haben. Was man im Supermarkt kauft, ist chinesischer Ingwer. Der wird nach Gewicht verkauft. Also wird der extrem mit Wasser vollgepumpt, damit er saftig und schwer ist. Wir nutzen Sorten, die nur wenig Saft ausgeben, aber dafür intensive Aromen liefern. Mittlerweile haben wir sehr viel Erfahrung gesammelt. Unser Ginger Beer ist z.B. von Haus aus ziemlich trüb. Andere Hersteller nutzen ein spezielles Mittel, das ihr klares Ginger Beer in ein trübes verwandelt und um zu Schärfe zu kommen, wird Chili verwendet, was einen kurzen Burn bringt. Die Leute denken: Ah, das ist der scharfe Ingwer. Aber natürlicher Ingwer hat einen langen Nachgeschmack. Wir haben das Segment mitentwickelt und vertreten heute die Fraktion, die ausschließlich natürliche Ingredients verwendet. 
 
(Tim Warrillow mit dem Mixo-Award)

Den Gin & Tonic Boom verdanken wir neuen, fantastischen Gins, aber auch sensationellem Tonic Water. Im UK hatten sich viele Leute von G&T abgewandt, da im Tonic viel billiger Süßstoff steckte, der zu einem schlechten, bitteren Nachgeschmack beim G&T geführt hatte. Für uns ist das eine große Befriedigung, wenn wir sehen, dass es funktioniert, wenn man richtig gute Produkte wieder zurückbringt.

wad!: Zuletzt waren Cask-Aged Gins der letzte Schrei. Vielleicht ist das der Punkt, an dem ich mich wieder mehr für Gin begeistern kann. Denken Sie doch mal über ein spezielles Tonic dazu nach.

TW: (lacht) Warum nicht? Aber sehen wir doch mal auf jüngere Gingeschichte zurück. Das sind nur 10 bis 15 Jahre. Ich denke, dass wir noch ganz am Anfang einer Ginrenaissance stehen und es noch ein langer Weg ist. Da werden noch viele interessante Entwicklungen auf uns zu kommen.

wad!: Dann lassen Sie uns noch über neue Produkte sprechen. Sie haben ein Elderflower Tonic gemacht?

TW: Ja. Das haben wir im UK schon vor längerer zeit rausgebracht - in Deutschland erst jetzt. Nun, Holunderblüten sind eine klassische Zutat für englische Softdrinks und selbstgemachte Limonaden. Wir wollten ein neues Tonic, aber die Holunderblüten sollten den Geschmack des Tonics und auch eines möglichen G&T nicht overpowern. Die Holunderblüten sollen also nur einen kleinen, interessanten Touch dazu geben. Das ist vielleicht keine Geschmacksrichtung für die ganze Welt, aber in Deutschland sollte man das verstehen. Wir haben da große Hoffnungen.

wad!: Ich trinke Ihr Mediterranean Tonic gerne als kleine Erfrischung. Das hat auch nur einen kleinen Touch. Aber der macht es eben interessant. Und das variiert von Tag zu Tag bei mir - mal stehen die Gewürze mehr im Vordergrund und mal die Citrusnoten. Und das Ding ist super geeignet bei floralen Gins.

TW: Ja genau. Wir haben das ja auf Bitten der Vodkaindustrie gemacht. Freut mich, dass es Ihnen schmeckt. Was sagen Sie zum Ginger Beer?

wad!: Nun, ich liebe Rum. Aber Rum & Coke geht bei mir gar nicht. Für einen Dark & Stormy oder ähnliches braucht es natürlich ein sehr gutes Ginger Beer.

TW: Ich glaube, Dark & Stormy ist noch relativ unbekannt. In den USA haben wir großen Erfolg mit Moscow Mule.


Undsoweiter. Ich will den geneigten Leser nicht weiter langweilen oder gar vergraulen. Auf jeden Fall war es sehr aufschlußreich mit Tim zu plauschen und selber auch noch die ein oder andere Undergroundinformation rauszulassen. Falls er mich für einen Vollidioten gehalten hat, hat er es sich - ganz smarter Gentleman - nicht anmerken lassen. Tim war natürlich besonders stolz 2014 auch noch einen Mixology Award abgestaubt zu haben. Gratuliere.

Mir ist bewusst, dass mancher beim Überfliegen dieser Zeilen gedacht hat: "Was labert der eigentlich über fcuking Elderflowerzeug. Das hat Thomas Henry doch schon seit Jahren laufen." Stimmt. Daher zum Abschluss noch eine kurze Gegenüberstellung:

Fever-Tree Handpicked Elderflower Tonic Water - Frischer Citrusduft, feine Perlage mit einem Blumensträußchen zu Beginn, dann herrscht die angenehme Säure, langer Abgang, die Säure ist weg, Chinin, Chinin, Chinin.

Thomas Henry Elderflower Tonic - Weniger intensiver Duft, grobperligere Struktur, weniger Blume, runder, etwas süßer, dann herrscht Säure vor, die bleibt dann auch lange erhalten, spät kommt nur noch Chinin durch.

Und, weil es kein Tonic Water, sondern eine Elderflowerlimo ist:

Fentiman's Wild English Elderflower - Zurückhaltend in der Nase, schöne Perlage, mehr Holunderblüte aber nicht zu blumig, sondern fruchtiger, im Abgang säuerlich, rund und schön auch ohne Chinin.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Exklusiv: Der Sommerdrink 2013!

"Was ist denn dieses Jahr der Sommerdrink?" - "Mein Schatz, bei 10° C und Nieselregen ist es bei mir der Hot Buttered Rum gefolgt vom Blue Blazer." - "Und das is beides mit Prosecco, oder wie?"

Die Frage nach dem Sommerdrink also. Heute. Bei Regenwetter. Im Mai. Bedient man sich einer handelsüblichen Onlinesuchmaschine auf der Suche nach DEM Sommerdrink 2013, so bekommt man keine eindeutige Antwort. Und gleich noch meine Meinung gratis dazu: Es ist mir wurscht. Nichts ist so wurscht wie der "Sommerdrink". Schon der Begriff an sich - lächerlich! Und das nicht nur wegen der Außentemperatur. Warum muss denn immer alles uniformiert werden? Wer will das so? Der hilflose, da von der Materie unbeleckte Konsument (der in Kochforen nach Hugorezepten sucht und dort vielfach fündig wird!)? Der hinterlistige Marketeer, der die vermeintlich edelsten Tropfen seines zu vermarktenden Portfolios gnadenlos auf die Theke und ins Supermarktregal pusht? 

Moment, wo war ich? Ach ja. Die Süddeutsche Zeitung listete kürzlich folgende Chronologie: 2010 - Aperol Sprizz, 2011 - Hugo, 2012 - Lillet Gurke. Damit war man deutlich weiter als manches Onlinemedium, das im letzten Jahr die Frage stellte "Ist der Hugo der Sommerdrink 2012?". Andere stecken noch 2013 in der Hugoschleife und preisen tapfer Premixes an. Über solche Schaumwein-Sirup-Mischungen in Dosen (!) möchte ich hier aber kein weiteres Wort verlieren. Bei der Suche nach dem aktuellen Favoritenanwärter werden gerne Fachmagazine wird gerne das Fachmagazin "Mixology" zitiert. Die SZ las dort vom Old Cuban während das Onlineportal "Szene-Drinks.com" (die sollten das doch eigentlich selber wissen, oder?) in der gleichen Publikation den Woodruff & Elderflower Punch erspähte (Tip von mir: Der wirds definitiv nicht, denn der Name ist zu lang.). Ich verlinke zur einschlägigen Abhandlung des Münchner Szenebarkeepers Marco Beier, welcher alle gängigen Rezepturen anno 2010, 2011, usw. auflistet. Gracie.

Da soeben das Stichwort "Elderflower" gefallen ist. Da sind sich Hugo, Woodruff und Tocco Rosso (eine Art Campari-Hugo-Spritz) einig: Holunderblütensirup muss sein! So schmeckt  der deutsche Sommer 2011-2013. Holundersüß.

Für nächsten Montag - es droht ja bald die Sommersonnenwende - sind endlich wieder Plusgrade vorhergesagt. Zeit für eine ehrliche Antwort von mir: Irgendwas mit Campari. Oder irgendwas mit rotem Vermouth. Oder ein Glas vernünftigen Champagners. Auf jeden Fall ohne Holunderblüte. Also einen verwegenen Hugo Orientale. Oder doch einen Tocco mit ganz wenig... Jetzt aber zuerst mal einen - äh - heißen Tee.

Eine weiterführende Veranstaltung steht in München, der Stadt der Sommertrends und -drinks am Samstag, 8. Juni 2013, an: Die rote Nacht der Bars mit Livemusik und/oder DJ-Programm in 20 verschiedenen Bars.
Und wo wir grade bei Campari wären, möchte ich noch auf das feine Büchlein hinweisen, welches der geschätzte Herr Regan kürzlich veröffentlicht hat. Es heißt nämlich "The Negroni". Und genau um den geht es dabei - ausschließlich. Dazu: Stories und Essays, Historisches und Rezepte, Rezepte, Rezepte... (fast) alle mit Campari.  Holunderblütennegroni? - Muss ich nochmal nachblättern...

Donnerstag, 11. April 2013

Campari Liquid Art Contest 2013 - Hoch die Pilze!

Wie geht das gleich nochmal? Wie hab ich das damals immer gemacht? ...Ich versuche mich gerade zu erinnern, wie man hier nen neuen Blogartikel schreibt und online bringt. Hab ich länger nicht... Aber Sie sehen: Es hat doch noch geklappt! Nun aber zum Thema.
(Kunstverein München)

Wie bei der Erstauflage 2012 fand das Finale des Campari Liquid Art Contest in München statt. Aus über 160 Rezepten hatte der Campari Global Ambassador Mauro Mahjoub die 20 Besten ausgewählt und 17 Bartender und zwei Bartenderinnen waren der Einladung von Campari gefolgt und gaben sich am letzten Montag in der Galerie des Münchner Kunstvereins quasi die Klinke am Brett in die Hand. Von vielen interessierten Zuschauern aus der Branche wurde der Wettkampf live vor Ort verfolgt und als die Resultate der Technik- und der Geschmacksjury sowie des Wissenstests feststanden, war die Überraschung nicht allzu groß: Die drei Finalteilnehmer waren Tatjana Friedrich, Lars Bender und Markus Heinze. Letzterer gewann auch den sog. Technikpreis für die höchste Punktzahl, die die Jury an der Bar (u.a. mit Charles Schumann, Peter Dorelli und Helmut Adam) an diesem Tag vergeben hatte.
(How to serve the godfather)

Alle Teilnehmer und rund 300 geladene Gäste trafen sich dann frisch geduscht und ausgeruht um 22 Uhr in der "beliebten Discothek" P1 (bayrisch: "Oanser") wieder, wo die drei Finalisten ihre Drinks noch einmal für eine dreiköpfige Jury unter Vorsitz von Mauro Mahjoub zubereiten durften. Zudem mussten innerhalb von einer Minute drei Negronis gezaubert werden. Am besten schnitt wieder Favorit Markus Heinze ab, der nun mit Mauro zu den Manhattan Cocktail Classics nach New York reisen darf. Lars Bender, der Zweitplatzierte, wird Mailand kennenlernen und Tatjana Friedrich freut sich über einen Geldpreis. Güldene Rührlöffel gabs ebenso.

(Tatjana Friedrich)

Die drei hatten - auch ich konnte kurz probieren - doch recht brauchbare Drinks nach dem Motto "Create A Classic With A Twist" gebastelt. Heinzes Im Wald und auf der Heide stach dabei auch mit der Deko à la Thorsten Spuhn aus der Menge der mehr oder weniger rotgefärbten Mixgetränke heraus (siehe Fotos). Bemerkenswert ist auch, dass sowohl der Siegerdrink (u.a. mit Steinpilzgeist von Marder Edelbrände) als auch die Martinez-Reconstruction von Frau Friedrich (mit Schladerer Kirschwasser) edle Brände beinhalten. Eine aus meiner Sicht weiterhin viel zu wenig beachtete Sprituosenkategorie.

"Was bringt Campari ein Cocktailwettbewerb?", hat mich dieser Tage eine Freundin gefragt, "Warum machen die sowas?". Nun, wer schon einmal bei einem Mixcontest war - ob als Zuschauer oder Teilnehmer - hat eigentlich schon alles gesehen. Zwar gibt es verschiedenste Veranstalter, Regularien und Anforderungen, mal gehts im kleinen und mal im großen Stil an die Shaker, mal gehts eher um die Ehre und mal um wirklich wertvolle und einmalige Preise. Camparis Liquid Art Contest, der mit dem nationalen Finale abgeschlossen ist, ist eine zweifellos hochwertige Veranstaltung mit äußerst knappem Ausgang und da kann auch mal ein nicht genügend befülltes Glas (Der Inhalt wurde bei der Geschmacksbewertung in Millilitern nachgemessen) den entscheidenden Zehntelpunkt kosten, der über den Ausgang entscheidet. Sympathiewerte oder Geschlechterbonus werden gerade bei der Geschmacksjury, die im stillen Hinterzimmer hockt, komplett ausgeklammert. Dass am Ende der wettbewerbserfahrene Markus Heinze mit einem komplex aufgebauten, perfekt abgestimmten und auch optisch herausragend angerichten Drink (Ich bin persönlich allerdings nicht der Fan von solchen inszenierten Darbietungen) der Nachfolger von Rene Förster wurde, ist dann fast logisch. Die Antwort auf die oben zitierten Fragen ist dann auch nicht nur beim öffentlichen Bohei, das zumindest bei der P1-Party entstanden ist, sondern eben auch in der Aufnahme der Ergebnisse und Rezepturen in der Barkeepergemeinde zu finden. Campari ist nicht nur die konkurrenzlose Zutat in Klassikern wie dem Negroni und die Basis für O-Saft oder Soda, sondern kann auch ein möglicher Bestandteil für kreative Neuschöpfungen sein. In diesem Sinne: Hoch die Pilze!
(Andreas Till von der Stylejury)
(Warten auf die Endresultate)
(Markus Heinze ist der Champion 2013)
 (Siegerdrink: Im Wald und auf der Heide)
(Jurymitglied Helmut Adam - Mixology)
(Heinze bedankt sich und Dorelli tröstet)

(Teilnehmerliste)

(Technikjury)

(Dustin Heimsoth performs)

(Kristian Zrno)
(liebreizende Moderation)
(Lars Bender im Finale)
(Ein Profi gibt sein Glas nie aus der Hand - Peter Dorelli)

(Tatjana Friedrich im Finale)

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Barconvent Berlin 2012

Vor einer Woche ging in der Stadt, die so ist wie New York in den 70ern war, der Barconvent 2012 über die Bühnen. Ich hatte im Vorfeld gar keine so große Lust auf zwei Tage Messe mit Party und tralala und verfolgte die allgemeine Aufgeregtheit des Fachbereichs "Bar" mit hier und da verdrehten Augen und verzogenen Mundwinkeln (Stichwort: Bartenders X-Mas. Arrghh!). Sitzt man dann im Flieger gen Berlin und wartet geduldig im optisch gelungenen Retroairport namens Tegel ("Ich liebte ein Mädchen in Tegel, die hatte Ohren wie...") auf den Ex-Berghaintürsteher vom Shuttleservice, dann macht sich doch noch ein Gefühl breit, das man gelinde als Vorfreude bezeichnen könnte. Vorfreude auf was? 
understatement
Nun, z.B. auf die begleitenden Diskussionsrunden, Tastings und Showmixereien im offiziellen Messeprogramm oder auf den kleinen Nebenbühnen der Big Boys, die eigene (internationale) Stars aufbieten, oder auf die vielen Neuheiten, die verkostet werden wollen (Mezcal- und Tequila-SB-Tisch!), oder auf eine kleine Shoppingtour an den Verkaufsständen für Spirituosen, Barzubehör und Fachliteratur (Hatte ich glücklicherweise schon alles zuhaus.) oder auf sinnentleerten Smalltalk mit Marketingmenschen oder auf verdammt viele bestens gelaunte Bartender/-nerds (aus Europa und USA), mit denen man ein paar Worte wechseln und ggf. einen kleinen Trunk nehmen kann und die sich auch noch echt freuen einen hier zu sehen (und mich u.a. für einen Russen halten!) oder auf all das, weswegen man im Oktober sonst so nach Berlin reist (z.B. Regenwetter und Passiv- und/oder Crackrauchen). Naja, der Leser hat inzwischen gemerkt, dass ich den BCB dann doch genossen hab. Warum auch nicht, ich komm ja nächstes Jahr eh wieder...
 
Agavendiskussion
 Dave Broom
 
 the mezcal formerly known as Mano Negra
 Paradise 1
  Paradise2
  Paradise3
 nötig
 unnötig
 Pornorum
 Präsi-Rye und -Bourbon
 schöne Mexikaner
Meeresgin
 Rum-Schoko-Gedöns
 Yeeeeaaaah!
 "We Love Jager In Moscow!"
 we love gaz "black eye" regan in berlin
 absolut rote hose
 cheeeeeese!
 wenn einem gutes widerfährt, das ist...
 flasche leer (macht nix)
 bavarians rule the capital
 gut so!
 auch gut!
 same procedure as last year...
mexikanische tequila girls von vorne...
...und von hinten. 100% mexico!