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Dienstag, 28. Mai 2013

Crazy for Ardbeg oder: Darf man Whisky sammeln?

"Brother, you'd better get down on your knees and pay,
1000 more fools are being born - every fucking day"
("1000 More Fools", Bad Religion, 1988)

In Zeiten, in denen Malt Maniacs ganze Whisky-Periodensysteme erstellen. In Zeiten, in denen ein Blogger in drei Blogbeiträgen eine bestimmte Scotchabfüllung erwähnt. In Zeiten, in denen Kultwhisky gefaket wird. Ausgerechnet in diesen Zeiten knattert der Ardbegsche Peaty Pull-Tross durch die deutschen Lande und verbreitet neben Lärm (Hotrod-Tractor), Abgasen (Hotrod-Tractor) und Torfgeruch (Whisky) seine ihm eigene Werbebotschaft: It's all for quality.

 

Gut, das ist auch nicht so falsch, aber Herr Heads (the man who makes the stuff on Islay) fährt in Zukunft einen Dreischichtbetrieb um die Kapazität der Ardbeg Distillery ein wenig mehr auszuschöpfen. It's also all for quantity.

Zurück zum Peaty Pull. An drei lokalen Stationen in Deutschland ziehen Menschen Traktoren und Traktoren ziehen Menschen. Es gibt Edelmetall für die Sieger und T-Shirts und Whisky für lau für alle, die bei dem bunten Treiben mitmachen. Typisch Ardbeg, möchte man sagen. Aber was ist typisch Ardbeg? Der 2013er Ardbog ist bei allen islaytypischen Aromen in Nase und Mund doch auch eine Neuinterpretation eines Ardbeg. Gegen den geschliffenen Galileo, den Barbecuewhisky Alligator und die beiden Vertreter aus der regulären Corerange Uigedail und Corryvreckan ist er zum einen ein stillerer Vertreter, aber einer der an Komplexität nichts vermissen lässt. Ob man ihn nun salzig-pikant findet (Herr Lumsden), Lavendel erschnuppert (Herr Lettmair), die fehlende Islaymalzsüße vermisst (Herr Schäfer) oder vor lauter Teer gar nichts schmeckt (Herr Reim) - ich bleibe bei meiner vor längerer Zeit (sprich: vor zwei Wochen) schon kostenfrei geäußerten Meinung: Es ist ein Ardbeg. Und es ist auch ein Ardbeg, der wie der obige Hotrod detailreich verziert und verpackt auf dem Tisch steht. Für Normaleinkäufer übrigens ab Samstag - dem offiziellen Ardbeg Day - im ausgewählten Einzelhandel zu erwerben. Unverbindliche Preisempfehlung des Vertriebs: 69,90 EUR. Bitte merken und den ausgewählten Einzelhändler darauf aufmerksam machen, wenn er aus Versehen ein paar Teuronen mehr verlangen sollte.

Und damit sind wir auch schon beim Abschluss dieses kleinen Beitrags, der sich noch der Frage "Darf man Whisky sammeln?" widmen muss. Oder fragen wir so: Darf man Whisky kaufen, den man gar nicht trinken möchte? Oder: Darf man Whisky als Wertanlage erwerben? Und letztlich: Darf man Whisky zu einem Vielfachen des Kaufpreises wieder verkaufen? - Ich sage: Ja! Ja natürlich darf man das! Uneingeschränkt. Ok, wenn ein Fussballmanager jetzt den gesamten Ardbogoutput aufkaufen würde, wäre das nicht so prickelnd. Aber das machen die (noch) nicht. In den letzten Tagen sorgten einige Ebayauktionen von Promomustern verschiedener Ardbegs für Furore. Interessant dabei waren vor allem die öffentlichen Reaktionen, die von "moralisch zweifelhaft" und "Anzeige erstatten" über "Kohle scheffeln" bis zu "need to be such an asshole to get such whisky and not drink it" reichten. Amüsant.

Zum Abschluss noch ein Zitat. Die Internetseite "Whiskyinvestment" empfiehlt ausdrücklich "Nicht zu viel Trinken. Alkoholmissbrauch ist gesundheitsgefährdend." Stimmt. Und nen schönen Ardbeg Day noch...

Montag, 13. Mai 2013

Ardbeg Ardbog - Whisky für die Applekids?

Längst ist bekannt, dass die einzige (!) Limited Edition des Jahres 2013 aus dem Hause Ardbeg den Namen Ardbog tragen wird. Am sogenannten Ardbeg Day - dem 1. Juni 2013 - ist der offizielle Verkaufsstart. Am 1. Mai konnten Mitglieder des Ardbeg Committees online je eine Flasche bestellen, die ihnen dann am Tag der Tage vom Zusteller ins Haus gebracht wird - für 70 EUR pro Flasche zuzügl. 16 EUR Versandkosten. Der Rest der Welt hofft anschließend auf die Versorgung über den Einzelhandel.

Ist gegen ein solches Geschäftsgebahren irgendwas zu sagen? - Nein. Definitiv nicht. Natürlich hat es mir etwas besser gefallen, als es noch "richtige" Committeebottlings wie bei Supernova und Corryvreckan gab, denen dann erst - mit zeitlichem Abstand - die Normalausgabe nachfolgte. Aber was brachte mir das? Einen Hauch von Exklusivität? Zusammengehörigkeitsgefühl eines Verbrauerclubs mit mehr als 100000 Mitgliedern? Eine Flasche mit sandfarbenem statt schwarzem Label?



Wir Ardbegians von gestern (und bitte auch die von vorgestern) dürfen nicht vergessen, dass es auch Menschen gibt, die erst morgen auf Single Malt Whisky und Ardbeg stoßen werden. Für diese Spätgeborenen (und auch für uns) stellt das Wirtschaftsunternehmen, das diese feinen Spirituosen produziert, nunmal seine Whiskies her. Und dass die steigende Nachfrage nach besonderen Flaschen neben der Corerange längst nicht mehr mit Singlecaskabfüllungen befriedigt werden kann, sollte für jeden Klardenkenden nachvollziehbar sein. Deswegen also Limited Editions. Eine oder zwei davon pro Jahr. In größeren oder kleineren Auflagen. Je nach persönlichem Geschmacksempfinden mehr oder weniger innovativ zusammengestellt. Gut so.

Der Ausgabepreis der letzten Limiteds war dem Produkt (Ich verwende hier mit Absicht diesen Begriff) und dem Standing der Marke sicher angemessen. Den späteren Verkaufspreis im Auktions- UND Einzelhandel (auch reguläre Onlinehändler bepreisen Alligator und Galileo mit 150 EUR) bestimmen dann wieder Verfügbarkeit und Nachfrage.

Ein reales Dialogbeispiel zum Thema (Sammler)Preise möchte ich an dieser Stelle noch anfügen. 
Ardbegfreund 1: "Ich würd mir gern nen Lord Of The Isles genehmigen." 
Ardbegfreund 2: "Dann kauf Dir doch eine Flasche." 
Ardbegfreund 1: "350 EUR würd ich investieren." 
Ardbegfreund 2: "Unter 500 geht nix mehr. Wirst eher bald 700 bezahlen müssen." Ardbegfreund 1: "Das ist mir der Stoff nicht wert." 
Ardbegfreund 2: "Ja, dann eben nicht."

Achso. Ich hätte fast vergessen zu schreiben, dass der Ardbog mit seiner (teilweisen) Reifung in Manzanilla-Sherry-Fässern ein verdammt guter Malt ist. Und: Es ist ein Ardbeg.

>>> Peaty Pull- und Ardbeg Day-Veranstaltungen in Deutschland und der Schweiz:

25. Mai - München Tara Whiskyshop
29. Mai - Bonn Reifferscheid
1. Juni - Frankfurt Whisky Spirits (Anmeldung erforderlich)
1. Juni - CH-Mörschwil Glenfahrn (ausgebucht)