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Freitag, 25. März 2016

Rum von Compagnie Des Indes

Falls Sie sich wundern, dass ich noch nichts zu den Rums der Compagnie Des Indes (CDI) geschrieben habe, hat dieser unrühmliche Zustand nun ein Ende, denn vor ein paar Wochen weilte CDI-Boss Florent Beuchet auf Einladung von Liquidtasting im Münchner Patolli, um eine ausgebuchte Masterclass zu halten. Das habe ich mir nicht entgehen lassen und konnte so einige Infos zusammentragen, um die vielleicht schon bekannten Artikel hier und da zu ergänzen bzw. einige Neuigkeiten anzufügen.
 

Florent Beuchet, der einen Wein- und Absinthebackground hat und zwei Jahre für Banks Rum in New York gearbeitet hat, macht eigentlich nichts Neues: Er kauft Rumfässer aus verschiedenen Quellen, kreiert eigene Blends und füllt besondere Rums als Einzelfassabfüllungen ab. Von letzteren sollen es von 2014 bis zu unserem gemeinsamen Tastingtermin 34 Stück gewesen sein. Respekt. Alle CDI-Rums wurden übrigens nicht kältefiltriert.

Wir beginnen mit einem jungen Blend namens Caraibes. Der besteht aus drei- bis fünfjährigen Melasserums aus drei Ländern - Barbados, Trinidad und Guyana - aber aus 4 Destillerien. Obwohl hier eine Dosage - sprich ein Zusatz von Rohrzucker - von 15 Gramm/Liter zugegeben wurde, ist der Caraibes nicht zuckrig und in Zukunft soll er auch keine Färbung (mittels Farbstoff E150) mehr bekommen. Letzteres hat er auch nicht nötig - schließlich verwendet CDI nur grüne Flaschen. Habe ich schon geschrieben, dass das ein sehr schöner und runder Rum für unter 30 EUR ist?

Absolut brauchbar und absolut nicht langweilig ist der Latino. Ebenfalls ein Rumblend, der zum Großteil aus Guatemala-Rum aus dem Hause Botran/Zacapa besteht, welcher bekanntlich aus sog. Virgin Cane Honey destilliert und in Virgin Oak-Fässern gelagert wird. Der Rest im mindestens fünfjährigen Blend kommt wieder aus den beim Caraibes verwendeten Quellen. Die Lagerung dieser Rums fand aber in Ex-Bourboncasks statt. Der Latino kostet in unseren Breiten derzeit ca. 35 EUR. Auch das ist ein fairer Preis für einen gut gemachten, ungefärbten 40%-Rum (der auch mit 15 g/l Rohrzucker abgerundet wurde). Ist der Im Abgang sogar etwas kürzer als sein Bruder? Egal, ich hab schon viel zu viel über Blends geschrieben...
Aber der nächste Rum ist ja auch wieder ein Blend. Diesmal kommen 5jährige Potstill-Destillate aus den jamaikanischen Betrieben Worthy Park, Monymusk, Hampden und - äh - Wray&Nephew/Appleton (?) in das Blendingfass und werden letztlich auf 43% Vol. reduziert. Die Nachzuckerung beträgt 10 g/l und der Rum heißt passenderweise Jamaica. Feiner Stoff für ebenfalls rund 35 EUR. Mich erinnert er an süßes Gebäck. An dieser Stelle fällt mir noch ein, dass Maitre Beuchet erzählt hat, dass er die Reduzierung auf Trinkstärke in Schritten von 5% pro Woche vornimmt. Beim 57%igen Jamaica Navy Strength geht das also etwas schneller über die Bühne. Dessen Bestandteile sind die gleichen wie in der 43er Version, nur entfällt hier die Nachzuckerung. Kurzum: Ein Jamaika-Potstill-Knaller! (Preis ca. 40 EUR) - Whatadrink!

Sie wissen was sich hinter dem Begriff Batavia Arrak verbirgt? Gut. In Deutschland sind einige hochprozentige Arraks verfügbar, die zur Verwendung in einem winterlichen Heißgetränk durchaus taugen. Aber ein zehn Jahre gelagerter Arrak aus Indonesien? Den hat nur CDI im Programm. Fünf Fässer (Ex-Heaven Hill-Bourbon) konnte sich Beuchet sichern (die genaue Herkunft hält er geheim) und deren Inhalt sind die rund 60 EUR pro Flasche wert. Cremiges Zuckerrohr, Zuckerrohr und Zuckerrohr und dazu Vanille, exotische Gewürze undundund... Die 43% Vol. waren übrigens annähernd die Fassstärke.

Dahinter müssen - zumindest in meiner kleinen, versauten Rumwelt - der grundsolide Barbados Rum von Foursquare (12 Jahre alt, 45% Vol., ca. 60 EUR) und der fruchtig-trockene Haiti aus dem Hause Barbancourt (11 Jahre, 59,4% Vol., ca. 70 EUR) etwas zurückstehen.

Zum Abschluss der Vorstellung kam dann noch ein besonderes Schätzchen ins Glas. Ein Demerararum aus der Port Mourant Still mit 13 Jahren und mit satten 58% Vol. Dieser Guyana kommt - ähnlich wie die Diamond 2003s von Duncan Taylor - mit geringem Holzeinfluss würzig, teerig, ölig und eben spirit driven daher. Um es auf den Punkt zu bringen: Ziemlich geiles Zeug. Ein nicht unbedeutender Whiskyblog hatte ein Schwestercask kürzlich mit Lob überschüttet - ich kann das nachvollziehen. Whatadrink!

Florent war übrigens so freundlich für die Veranstalter ein passendes Tastingpaket zu kreieren, das man hier ordern kann. Was gibt es sonst Neues? Zum einen wird es eine Einzelfassabfüllung nur für den deutschen Markt (Juhu!) und zum anderen einen Nachfolger für den heißbegehrten und längst ausverkauften Boulet De Canon (Ex-Scotch-Whisky-Fassfinish - Talisker) geben. Der Boulet De Canon 2 kommt mit 50% Vol. aus einem Ex-Caol Ila-Fass und wird im April 2016 erwartet. In seinem Lager, so gab Monsieur Beuchet mir bereitwillig Auskunft, hat er aktuell knapp über 30 Rumfässer. Genug also, um uns in den nächsten Jahren weiter zu versorgen. 
Sorgen machen mir aber die Preise. Die Lagerbestände der Destillerien und Caskbroker bei den über 10jährigen Rums sind kaum mehr der Rede wert. Die wenigen "alten" Fässer werden also im Preis weiter steigen und auch CDI wird die bislang moderaten Preise auf Dauer nicht halten können. Galt kürzlich noch der Satz "Rum ist noch viel günstiger als Whisky", so haben die Preiskorrekturen einiger Rumabfüller dies bereits jetzt ad absurdum geführt. Für manch 6- oder 10jähriges Destillat (oder gar für Solera-aged Rum aus der DomRep) werden da doch locker mal 150 bis 250 Euro aufgerufen. Für Anleger und Spekulanten gilt also: Kauft mehr Rum! Für den Genießer gilt natürlich: Trinkt mehr Rum!

Update: Für wirklich raren Stoff muss man auch mal die Portokasse plündern (s. Screenshot).




Kleingedrucktes: Ich wurde zu der o.g. Veranstaltung eingeladen. Niemand hat mich gezwungen diese Lobeshymne zu schreiben. Wahrscheinlich krieg ich auch nix dafür. Mist.

Montag, 20. Juli 2015

Navy Rum

"Navy Rum, as issued to the Fleet, was blended in such proportions as long experience had shown to produce the flavour preferred by the men.” (First Lord of the Admiralty, Westminster, 02/03/1933)

"You never let it rest in your mouth, of course. It has to go straight down, it's not allowed to stay in your throat or it would burn it off. But by God it tasted good." (Bill Winstanley, Navy Rum Fan)

"What A Drink!" (whatadrink!-Blog, 2015)

Navy Rum - Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Kurze Einleitung: Die Royal Navy hatte seit im 17. Jahrhundert eine enge Bindung zu Rum auf ihren Schiffen entwickelt, was sich durch die tägliche Ausgabe einer Rumration an die Seeleute, ein sogenanntes Tot, manifestierte. Das Tot wurde mengenmäßig über die Jahrhunderte immer kleiner, bis es 1970 ganz abgeschafft wurde (s. Black Tot Day). Gut. Zunächst Ende der Story.


Bei der Navy hatte sich eine Rezeptur für einen bestimmten Rumblend eingeschliffen, die inkl. Namensrechten 1979 ein Geschäftsmann erwarb und daraus die Marke Pusser's Rum kreierte. Vorher hatten sich schon Marken wie Lamb's Navy Rum, Wood's Old Navy Rum etc. etabliert, die den Navy Style in zivilen Gefilden fortführten - offizielles Rezept hin oder her. Meist stecken Destillate aus Guyana, Jamaika, Barbados und/oder Trinidad im Blend, der i.d.R. mit stattlichen Alkoholgraden von über 50% Vol. abgefüllt wird - Stichwort: Navy Strength. Letztere wird unterschiedlich interpretiert. Pusser's kommt in seiner Standardvariante (bisher als Blue Label bekannt, jetzt Gunpowder Proof mit schwarzem Etikett) inzwischen mit 54,5% Vol. in die Flasche (in den ersten Jahren mit 54%), während Wood's zum allgemein verbreiteten Navy Strength-Wert von 57% greift.
Aber bleiben wir noch kurz beim Pusser's. Den gibt es auch in einer 40%- bzw. 42%igen Abfüllung (kann man vergessen) und mit 75% Vol. zu kaufen. Letzterer ist feinster Overproof-Stoff für ca. 30 EUR/0,7l. Die Krönung der Produktpalette ist aber der Nelson's Blood. Eine (leider mit rund 25g/l aufgezuckerte) 15jährige Variante mit 40% Vol., die von der Power der hölzernen Port Mourant Double Wooden Pot Still der Demerara Distillers Ltd. geprägt ist (mindestens 80-85% soll der Anteil davon im Blend sein). Das ist ein Rum, der irgendwie den Einstieg in die Oberklasse darstellt und zugleich zeigt wie echter Rum schmecken kann. Noch besser: Der gleiche Spaß mit 47,75% im 1-Liter-Porzellandekanter. Schade, dass der mittlerweile landauf und landab ausverkauft ist.

Dekanter ist natürlich das falsche Wort. Flagon wäre richtig, womit wir auch bei einem Begriff wären, den es zu erläutern gilt. Vergessen Sie die Flagons von Lamb's oder Pusser's. Die Dinger sind nur als hübsche Geschenkverpackung zu verstehen. Der historische Bezug ist fraglich und die Lagereigenschaften sind bei Porzellanbehältnissen auch nicht gerade top. 

Rückblende. Wie wurde aus karibischem Rum der echte Navy Rum? Der Stoff kam in Fässern in den britischen Häfen an, wurde gelagert, geblendet und an den Navynachschub ausgeliefert. In Flaschen? In Fässern? - Nein, in Flagons! Das waren aber traditionelle Stone Ware-Flaschen (glasiertes Steingut) ummantelt mit einem Korbgeflecht und mit einem Fassungsvermögen von einer Imperial Gallon (4,54 Liter). Als vor einigen Jahren die Abfüllung Black Tot - The Last Consignment - British Royal Naval Rum vorgestellt wurde, wurde verbreitet, dass der Navy Rum in drei Soleras in England gelagert bzw. geblendet wurde. Diese wurden 1970 geleert, der Rum in die Flagons gebottled und rund 40 Jahre zum Teil unterirdisch eingelagert, bis der Bestand aufgekauft und der Black Tot daraus kreiert wurde. Enthalten seien also Navy Rums aus allen drei Soleras, da die Rums jeweils unterschiedliche Profile aufgewiesen hätten. Hat dies zu einem authentischen Ergebnis geführt? Wieviele Flaschen vom Black Tot nun tatsächlich abgefüllt worden sind, konnte ich nicht verlässlich recherchieren. Zu Bedenken ist aber, dass es sich um einen Blend aus Blends handelt. Und außerdem ist kaum anzunehmen, dass der Rum über 300 Jahre gleich geschmeckt haben soll. An dieser Stelle muss man auch Schwankungen im Geschmacksprofil durch fehlende Verfügbarkeit einzelner Komponenten z.B. in Kriegszeiten, wenn auch australischer Rum u.a. verwendet wurde, in Betracht ziehen. Festzustellen bleibt auf jeden Fall, dass Navy Rum nicht gleich Navy Rum ist, auch wenn er aus historischen Flagons stammt.

Warum nerde ich so auf den Flagons rum? Tatsache ist, dass ab den 1980ern und besonders in den 1990ern einige Buddels auf dem Markt aufgetaucht sind. Die Mehrzahl davon soll aus (aufgelösten) Depots in Deutschland (Münster, Bielefeld, Berlin, Hannover) und den Niederlanden (Antwerpen) stammen. Die Navy hatte Rum in Bielefeld gelagert? Was soll das denn? Nun, zum einen gibt es Stimmen, die behaupten, dass es sich dabei um Army Rum handelte, der nicht aus den besagten Soleras stammen soll, sondern lediglich kurz gelagerter Jamaikarum sei. Dazu passt die Aufschrift "R.A.S.C" (Royal Army Supply Corps) auf den hölzernen Crates, die je zwei Flagons fassen. Andere behaupten, dass es da keinen Unterschied gäbe und der Lagerbestand aus 1970 auf verschiedene Lager auch außerhalb der britischen Inseln verteilt wurde.

Lassen wir diesen Punkt offen. Ich konnte eine Probe aus einem Antwerpen-Flagon  bekommen - Destillationszeitraum: 1940/1950er. Oha! Einiges spricht dafür, dass ein Teil der Black Tot-Flagons aus dem gleichen Lagerbestand stammten. Im Vergleichstest stehen folglich Nelson's Blood und Black Tot ihren (See)Mann und ein neuer Rum aus England ist auch noch mit dabei:

Pusser's Rum, Nelson's Blood, 15y, 40%, 45 EUR/0,7l: "The Single Malt Of Rum", wie er vom Marketingdepartment genannt wird, beginnt nach schöner, verheißungsvoller Nase zunächst sweet. Dann aber kommt schon die Port Mourant Still reingestampft und zieht dem Rumrookie den Hosenboden glatt. Da ist der süße Unterton nur noch ein Beiwerk, das man verschmerzen kann. That's rum! Bei aller Reife leider etwas kurz. Sauerstoff tut ihm nicht gut. Mehr alkoholisches Rückgrat wäre wünschenswert, Mr. Tobias

East London Liquor Co. Ltd., Small Batch Demerara Rum, Wooden Coffey Still, 3y, Bourbon Barrels, 40%, 35 EUR/0,7l: Leichte Nase mit etwas Alkohol. Good News: Das ist kein pappiger "Süßrum". Holz, Vanille und Gewürze halten sich die Waage. Haselnußgeist - aber ein guter. Defintiv ein jugendliches Destillat, insgesamt leicht und gar nicht eindimensional. Auch Süßholz, Tabak und Marzipan kommen zum Vorschein. Gut gemacht, da nicht so laborhaft. We love the Enmore Still! Etwas zu jung eben...




Black Tot, The Last Consignment, British Royal Naval Rum, 54,3 % Vol., 700-900 EUR/0,7l: A bisserl Woody. Dann aber Teer, Eiche, kurz: Power. Verkohlte Banane. Cold Ashes. Hintenraus tut ihm etwas Luftzufuhr gut. Aber insgesamt ein zu kurzes und etwas eindimensionales Vergnügen trotz aller Muskeln und Komplexität. That's History! (they said).




Navy Rum, Antwerpen Flagon, distilled 1940/1950s, ca. 54 % Vol., 2000-5000 EUR/4,5l: How oily you are, my new friend. So viel Nase nach so vielen Jahren? Enorm. Gekochte Früchte und Rumtopf nach 30 Minuten. So gut nach so vielen Jahren? Hier steckt (Jamaika-) Potstill-Kraft im Destillat. Teer und Tabak, aber immer machbar. Bittere Herrenschokolade auf Eichenplanke. OMG. Spices ja, Vanille und so Kram eher im Hintergrund. Dafür langer, trockener Abgang. Immer rund und ausgewogen. The Queen! (they yelled). Der Rum hingegen schreit nach andächtigen Connaisseuren und höherwertigen Rauchwaren, scheint mir.

Fazit: Mit dem Pusser's als Einstieg in die Welt der Demerara/Navy Style-Rums und dem East London als leichten Vertreter aus der Enmore Still sind das zwei ziemlich unterschiedliche und brauchbare Kandidaten in der 40-Euro-Klasse. Dass man Destillate im Stil und mit der Klasse des Antwerpen-Flagons in den Black Tot gekippt hat (wo sie in der Masse untergegangen sind), sorgt bei mir für Entsetzen. Flagon siegt über Flasche!
Falls Ihnen diese Beschreibung gefallen hat und Sie die Anschaffung eines solchen Flagons planen, noch ein paar Hinweise: Die Flagons sind/waren paarig in Holzkisten gepackt - sog. Crates - die mit Holzwolle ausgepolstert sind/waren. Auf dem jeweiligen Crate finden sich Aufschriften der Lagerhaltung - z.B. auch "BIELEFELD" oder "ANTWERP.". Gröber umflochtene Flagons stammen wohl aus der Zeit vor/um den 2. Weltkrieg, während enger und dichter, mit dünnerem Material umflochtene Flagons aus den 1960ern stammen. Achten Sie natürlich auch auf den versiegelten Korkstopfen, der gerne durchweicht und brüchig ist, da unsere britischen Freunde die Crates gerne auch mal auf der Seite liegend aufbewahrt haben.


Montag, 23. Februar 2015

Neuer deutscher Rum? - Ja, bitte mehr davon!

Beim ersten Glas da sagte er: "Cherie".
Beim zweiten küßte er mich so wie nie.
Beim dritten dann - wie dumm
- fiel mein Casanova um
und Schuld daran war ganz allein der Rum.
 


Barbados
der Rum von Barbados
 

du trinkst ihn ahnungslos 
schon ist der Teufel los.
 

Oh-oh-oh Barbados 
der Rum von Barbados 
der schafft den stärksten Mann - mal irgendwann. 

Er sagte mir: "Ich trink ihn nie mehr pur
ich kann ihn schon verkraften aber nur
mit Cola und mit Eis." - Ja das machte er sich weis
 


am nächsten Morgen sagte er ganz leis:  
Barbados
der Rum von Barbados
 

du trinkst ihn ahnungslos 

(Gaby Baginsky, Der Rum von Barbados, 1979)

Über die Erfolge des hier zitierten Schlagers bin ich mir nicht ganz im klaren und ob der neue deutsche Rum in der näheren Zukunft Hitpotential hat, möchte ich heute auch noch nicht abschließend beantworten. Dafür ist das Thema zu frisch. Neuer deutscher Rum? - Ja, unsere umtriebigen Schnapsbrenner machen nicht nur vor Whisky und Gin nicht halt, nein jetzt wird auch noch die Rumkategorie beackert.
(Der Gute Pott um 1970)
Das haben die norddeutschen Blendingfirmen - ganz oben mit der Marke Der Gute Pott - schon über 100 Jahre lang gemacht. Allerdings haben die in der Regel nur Importprodukte - vorzugsweise German Style Rum aus Jamaika - mit mehr oder weniger Neutralalkohol verschnitten und so die Marktführerschaft in Deutschland erlangt. Von der DLG gab es für Pott zuletzt den Titel "Bester Rum des Jahres" und andere goldene Preise. Gratuliere. Nicht zu diesen fragwürdigen Auszeichnungen, sondern zu den Anfang der 1970er Jahre abgefüllten 20jährigen Jamaikarums, die als Pott Privat Rum in begrenzter Auflage in den Handel kamen. Schöne Sache und für Rumhistoriker ein Muss-Haben (Ebay is your friend).

Doch zurück zur Gegenwart. Es gibt mittlerweile Rum, der in Österreich gebrannt wird (Nein, nicht Stroh oder dessen Surrogate aus Neutralalkohol, Aromastoffen und viel Farbe). Auch aus Dänemark wird dort destillierter und gelagerter Rum vermeldet. Was fehlte war Rum, der in Deutschland hergestellt wird. Diese Lücke versuchen findige Brenner zu schließen. Zum einen ist das das Haus Alt Enderle mit sechs verschiedenen Abfüllungen und der Feinbrenner Severin Simon mit drei Rumvariationen. Das ist doch was!

Fangen wir mit dem Bayern aus dem Spessart an. Der Rum aus Simon's Feinbrennerei wird in einem Onlineshop u.a. so beschrieben: "...Wer sich für den Simons Bavarian Nordic Rum Valkyrie mit Seltenheitswert entscheidet, setzt auf eine Besonderheit mit einem Geschmack, der sich nur schwer in pauschale Worte fassen lässt." Dass jemand ungestraft sowas schreiben darf? Egal - Es soll ja nicht um das Geschwurbel eines Shopbetreibers gehen, der hofft, mit langatmigen (aber gehaltlosen) Produktbeschreibungen im Googleranking nach oben gespült zu werden.

Severin Simon setzt stark auf lokale Bezogenheit und eine Manufakturphilosophie: Fässer aus Spessarteiche. Das Holz für die Befeuerung der Potstill stammt aus dem eigenen Wald etc. usw. Ich finde das durch und durch lobenswert. Wer noch mehr erfahren möchte, sollte mal im offiziellen Infoflyer nachlesen oder sich gleich den Podcast von WRINT anhören, wo der Brenner/Winzer auch zu seinen Weinen ausgiebig gelöchert wird. Ich konnte Severin Simon, der seit 2012 übrigens eine eigene Verschlussbrennerei sein eigen nennt, noch ein paar zusätzliche Fragen stellen:

whatadrink!: Herr Simon, Sie bieten im Moment drei verschiedene Rumabfüllungen mit jeweils 40% Vol. an. Eine - nennen wir sie "Standardabfüllung" - namens Marinerum, dann den Kalypso, der mit Vanille gewürzt und mit Melasse gesüßt wurde, und den Valkyrie, der eine Lagerung in speziell getoasteten Fässern hinter sich hat (Preise zwischen 35 und 50 EUR für die 0,5l-Flasche). Mein erster Eindruck war: Saubere Brände! Beim Rum wünsche ich mir aber auch Ecken und Kanten - also auch mal ein dreckiges Destillat. Ich würde gerne wissen, wie lange die Lagerzeit jeweils war.
Severin Simon: Mit unserer neuen, großen Brennanlage haben wir im Oktober 2012 begonnen zu arbeiten und das Erste, was gebrannt wurde, war Rum - d.h. die aktuellen Abfüllungen liegen bei knapp über 2 Jahren. Mit Rum geht es bei uns eigentlich erst los. Das was Sie mit dreckig bezeichnet haben, habe ich schon auch im Sinn. Zum Beispiel habe ich mir einen neuen Gärbottich aus Eichenholz bauen lassen und darin soll in Zukunft ein Teil der Melasse unter Verwendung von betriebseigener Mikrobiologie und zugleich längeren Maischezeiten verarbeitet werden. 
 
Auch im Bereich Fassmanagement haben wir noch einiges vor. Durch unsere Weinsparte sind wir in der Lage neue Fässer nach der später geplanten Destillatbelegung zu bestellen, also was z.B. das Toasting angeht, und dann zu überlegen, welcher Wein als Erstbelegung dazu passt. Das ist inzwischen ein eigenes Fassvorbelegungsprogramm geworden. Aber so oder so haben wir da noch Luft nach oben für spannende Sachen ohne dass wir irgendwas kopieren müssen.
 
wad!: Rum oder Whisky im Ex-Weinfass ist ja inzwischen fast alltäglich geworden. Mir haben die wenigen Weine, die wiederum in Ex-Whiskyfässern steckten aber auch sehr gut gefallen. Die Kette der Fassbelegungen ist also über die Jahrzehnte der Lebendauer eines Fasses variierbar und ein altes Ex-Wein- und Ex-Whiskyfass wird vielleicht irgendwann wieder ein gutes Weinfass...  

Severin Simon: Wir bleiben am Ball.

wad!: Ihre Melasse wird von den Tres Hombres per Segelschiff aus der Karibik geliefert. Wann geht das erste Fass mit Simon's Rum zurück ins Ursprungsland des Basisprodukts und wird dort gelagert? Auch die monatelange Schiffsreise wäre ja eine besondere Lagerzeit unter besonderen klimatischen Bedingungen. (Anm. des Verfassers: Was gebe ich denn schon wieder für Tips?)
 
Severin Simon: Das ist wirklich eine Idee, die gar nicht von der Hand zu weisen ist. Wir haben da nur etliche Hürden im Bereich Logistik, Zölle, Steuern etc. gerade wenn es ein Weg ist, der so noch nicht beschritten wurde. Ein Beispiel in dieser Richtung ist der Linie Aquavit.
 
wad!: Ich habe davon gelesen, dass Sie auch Singlecaskabfüllungen (hoffentlich dann auch mit höherem Alkoholgehalt) planen. Wann werden wir diese kaufen können?  

Severin Simon: Das kann man in näherer Zukunft erwarten. So ab einer Lagerzeit von 3 Jahren kann ich mir das gut vorstellen.
 
wad!: Der Kalypso wird mit Vanille aromatisiert und mit Melasse gesüßt. Wie darf ich mir das in der Praxis vorstellen? 

Severin Simon: Ich arbeite hier mit 100-Liter-Fässern, statt der üblichen 225-Liter-Barriques, und es werden tatsächlich echte Tahiti-Vanilleschoten dem Rum beigegeben. Tonkabohnen kommen übrigens auch mit rein. Die frische Zuckerrohrmelasse dient allerdings mehr der Färbung als der Süßung. Wir liegen da bei ca. 50g Zucker pro Liter.
 
wad!: Wie unterscheiden sich die Valkyrie-Fässer von den sonst verwendeten?

Severin Simon: Für unseren Basisrum, den Marinerum, wollen wir die Fasslagerung in ein soleraähnliches System bringen - d.h. wir haben untenliegend zwei 600-Liter-Fässer, die aus Barriques befüllt werden. Das Ziel ist mit unseren beschränkten Möglichkeiten, weil wir weiter ein relativ kleiner Betrieb sind, eine gewisse Kontinuität bei der Qualität hinzukriegen und diese dann auch noch zu steigern. 

Unser Nordic Whiskytoasting haben mein Küfner und ich zusammen ausgetüftelt. Es ging darum einen speckig-rauchigen Grundton zu erzielen. Wichtig ist, dass das komplette Fass also nicht nur die Dauben, sondern auch die Böden getoastet werden. Die Böden sind quasi schon charcoaled, haben also eine dünne, verkohlte Schicht. Die Dauben haben auch ein hohes Toastinglevel - allerdings erreichen wir das mit relativ geringer Temperatur aber dafür langer Zeit der Erhitzung.
Dass man in Baden-Württemberg gern das ein oder andere a bissele anders macht als im Rest der Welt, hat sich herumgesprochen. In Sachen Rum wird aber auch das Basismaterial - sprich: Zuckerrohr bzw. Melasse - benötigt und das kommt eher selten von der schwäbischen Alb (aber wer weiß, was die Klimaveränderung noch mit sich bringt). Beim für seinen Necarrus Single Malt Whisky zuletzt hochgelobten Brennereibetrieb Alt Enderle kam man auf die Idee das Terroir gleich mit der Melasse einzukaufen. So gibt es derzeit drei Rumabfüllungen, deren Melasse jeweils herkunftsrein aus Indien, Paraguay und Siam (Thailand) stammt. Ergänzt wird dieses Portfolio mit einem Rum namens Memory Of The World, der folglich aus einer Melassemischung destilliert wurde und im Ex-Portweinfass lagerte (0,5l jeweils ca. 42-50 EUR). Das klingt doch alles nicht schlecht. Von Joachim Alt gab es noch ein paar Zusatzinfos.
 
wad!: Herr Alt, Sie bieten im Moment vier verschiedene Rumabfüllungen mit jeweils 43% Vol. an. Ich würde gerne wissen, wie lange die Lagerzeit jeweils war, da sich die Rums in der Farbe deutlich unterscheiden und welche Fasstypen und -größen verwendet wurden.

Joachim Alt: Zur Zeit haben wir sogar sechs verschiedene Rums: Siam, Indien, Paraguay, Memory of the World, einen XO und einen weißen Rum. Das Alter liegt ganz verschieden zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Die verschiedenen Farben erlangt der Rum unter anderem durch die verschiedenen Typagen also nicht nur durch das Fass.
 
wad!: Ihr Rum wird aus Melasse gebrannt, die aus drei verschiedenen Ländern bzw. Kontinenten kommt. Woher bezieht man so ein exotisches Rohmaterial? Wie wird das angeliefert? Wie sieht es mit der Lagerfähigkeit der Melasse aus und wie läuft die Fermentation ab?

Joachim Alt: Wir bekommen unsere Melassen direkt aus diesen Ländern d.h durch Direktimport und einen direkten Kontakt zu den Zuckerrohrplantagen. In 6 Wochen sind wir deswegen z.b wieder in Indonesien unterwegs. Geliefert wird in 1000-Liter-Containern. Die Lagerfähigkeit ist nahezu unbegrenzt, wobei ich sage: Melasse ist ein Naturprodukt und verändert sich laufend und durch eine allzu lange Lagerzeit wird sie nicht besser. Die Fermentation läuft ganz normal ab: Melasse - Wasser - Hefe - nach drei bis vier Stunden muss sie Gären. Wir haben rund 25.000 EUR in das Know-how zur Melassefermentation investiert, daher möchte ich nicht unbedingt auf das Thema eingehen. Sie verstehen sicher, dass das momentan noch ein großer Vorteil unsererseits ist gegenüber den Kollegen die auch Rum herstellen.
 
wad!: Als Rum- und auch Whiskyfreund gefallen mir hochprozentige Singlecaskabfüllungen sehr gut. Haben Sie beim Rum und ggf. beim Neccarus solche in Planung und haben Sie zukünftig (noch) längere Lagerzeiten im Visier?
 
Joachim Alt: Vielleicht machen wir mal Fassabfüllungen. Die Nachfrage bei uns ist noch relativ gering, deshalb steht dieses Thema nicht unbedingt an erster Stelle. Abgeneigt sind wir allerdings nicht. Letztlich wird eben solange es unserer Meinung nach nötig ist bzw. wie es sich ergibt. Zehn Jahre sind ja immerhin ein Wort für Deutschland.
 
Ja, das stimmt. Ich wusste gar nicht, dass es zehnjährigen Rum aus Deutschland gibt. Welcher nun der Zehnjährige ist, weiß ich aber immer noch nicht. Immer diese Geheimniskrämerei. Bei meiner Frage zur Fermentation hatte ich immer auf neue Infos à la Dundergrube bei der Produktion von Jamaikarum gehofft. 

Nichtsdestotrotz ist das Thema deutscher Rum - wie zumindest ich finde - ein sehr spannendes und hoffnungsfrohes, wenn auch noch recht nerdiges. Es geht aber eben erst los und wer weiß, wie wir in zehn Jahren darüber denken und reden werden.

Und wie haben mir die Kostproben gemundet? Durch die Bank sehr gut. Bei Severin Simon gefiel mir schon der Marinerum mit seinem trockenen Abgang. Der Valkyrie ist schön würzig und hinterlässt wirklich ein schwach-rauchiges, fettes Etwas auf dem Gaumen und der Kalypso ist ein feiner Schmeichler. Der muss einem einfach schmecken. 

Die Alt Enderles kommen ganz anders angelegt daher. Von fruchtig-weinig über exotisch-würzig bis zu deutlichen Schokoladennoten wird eine breite Palette aufgefahren und - das gefällt mir besonders - die mir vorliegenden vier Abfüllungen unterscheiden sich doch grundlegend voneinander. Eine eigene Rumwelt, die zum Entdecken einlädt. Aber das klingt ja schon fast wieder wie ein hirnloser Werbetext... Also, bitte selber probieren!

Montag, 11. August 2014

Kommen Sie zum GRF! (German Rum Festival)

"...in Berlin im Bauch der Welt
und der Nabel heißt: Berlin-Mitte..."

(aus "Bundestagswahl" von Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung, 2014)

Das GRF. Kennen Sie das GRF? Wenn nicht, sollten Sie es kennen lernen. Das GRF ist das German Rum Festival, das dieses Jahr schon zum 4. Mal im schönen in Berlin stattfindet. Wenn Sie ein aufmerksamer Leser dieses Blogs sind, dann wissen Sie das, denn ich habe schon öfters darüber berichtet.
Was gibt es also Neues in 2014 beim GRF, dass das gleich einen Vorabankündigungsbericht rechtfertigt? Nun, das GRF hat eine sehr aufmerksame PR-Abteilung. Dieser ist whatadrink! nicht entgangen. Gute Agentur. Außerdem stehe ich beim GRF nicht auf der schwarzen Liste. Auch gut, denn deshalb gibt es für Sie, werter Leser, exklusive Wochenend-Tickets für das GRF:

2-Tages-Tickets für das German Rum Festival 2014 für 21,50 EUR statt 34 EUR (bitte hier klicken)!

Aber das war noch nicht alles! Hier werden bis zum Sonntag, 28.09.2014, 24 Uhr, auch noch 2x zwei Eintrittskarten für das GRF verlost. Was müssen Sie dafür tun? Ganz einfach. Sie schreiben die Antwort auf folgende Preisfrage per Email an die angeführte Emailadresse und geben zusätzlich Ihren Namen und Ihre Postanschrift an. Und schon winkt das Glück...

Preisfrage: Was ist Clairin?   (Die Lösung bitte an... )

Update: Das Preisauschreiben ist vorbei - Die glücklichen Gewinner wurden benachrichtigt!
So und jetzt noch der Hammer! Sind Sie Barkeeper oder Barmaid? Oder Barmann oder Barfrau? Auch Barback (das ist der fleißige Helfer vom Barkeeper/in) geht grade noch. Dann sind Sie richtig beim Cocktailwettbewerb BOTUCAL GERMAN TOURNAMENT. Yeah! Bewerben Sie sich bis 30.8.2014 - in Worten: dreißigsterachterzweitausendvierzehn - an und fahren Sie zum Finale nach Berlin (natürlich beim GRF) und gewinnen Sie Geld, Reisen und ein sorgenfreies Leben!


Habe ich zuviel versprochen? Ach, ich hab ja gar nix versprochen. Im Ernst: Das GRF ist ein lohnendes Ziel für Freunde des Zuckerrohrbrandes, des gemischten Cocktailgetränks und überhaupt ist (wie Dieter Thomas Heck immer sagte) Berlin immer eine Reise wert! (oder auch nicht).

Sonntag, 15. Juni 2014

The Decade Of Rum: Clairin aus Haiti

Wenn man über Rum aus Haiti redet, so redet man über Barbancourt. Das ist auch völlig ok so, denn bis vor kurzem war Rum anderer Marken - außer auf dem westlichen Teil von Hispanola selbst - nicht erhältlich. Also jetzt Clairin - Was ist das denn nun wieder für ein nerdiges Zeug?

Clairin ist nichts anderes als mehr oder weniger ungelagerter Rum oder Rhum, der aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt wird - ähnlich dem Rhum Agricole, den wir von den französischen Überseedepartements kennen. In Haiti selbst ist Clairin der Gebrauchsalkohol des kleinen Mannes - sprich: Ein in der Regel billiger, sprittiger Rum(ersatz), der unter Zugabe von Neutralalkohol (und anderem) produziert wird. Nichts für europäische Feingaumen also. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen.


Drei dieser Ausnahmen bzw. deren Clairins hat Luca Gargano, Kopf des italienischen Spirituosen- und Weinimporteurs /-vertriebs und -abfüllers Velier S.p.A., "entdeckt" und mittlerweile der breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Allen dreien ist gemein, dass sie aus kleinen, handwerklichen Betrieben kommen und aus regional geerntetem Zuckerrohr hergestellt werden. Die Besonderheit beim Grundmaterial ist, dass die verwendeten Zuckerrohrvarietäten praktisch nur dort im wirtschaftlich gar nicht bis nur wenig entwickelten Haiti fernab der industriellen Hybridzüchtungen überlebt haben und ohne chemische Hilfsmittel angebaut werden, weil man sich gar nichts anderes leisten kann. Zudem werden für die Fermentation nur die natürlich vorkommenden Hefen verwendet. "Terroir!", ruft da der Connaisseur.
"Whatadrink!" rufe ich aus, als ich die erste Flasche "Clairin Casimir" (53,7% Vol., 0,7l, ca. 30-40 EUR) entstöpsle und mir intensiver Zuckerrohrduft in die Nase strömt. Danach schmeckt er dann auch. Dazu erdig und medizinisch. Laphroaig goes Mezcal goes Rhum. Langes Finish mit einer Spur Ingwer zum Zuckerrohr. Ahhhh. Nichts für Anfänger. Den Gegenpol liefert "Clairin Sajous" (48,1% Vol., 0,7l, ca. 30-40 EUR). Hier dreht sich zunächst alles um gelbe Früchte: Mandarinen, Mango, Aprikosen und Pfirsiche - auch Ananas. Auf dem Gaumen wirds dann ein Gang in den Kräutergarten. Doch im Körbchen liegt noch eine aufgeschnittene Mango. Auch hier ist der Alkohol eingebunden und trägt ein starkes Finale. Mit etwas Wasser (Pipette, s'il vous plait!) lässt sich trefflich spielen und der Rum gewinnt an fruchtig-süßen (!) Zuckerrohraromen (Der Dritte im Bunde ist Clairin Vaval (48,7% Vol., 0,7l, ca. 30-40 EUR), dessen Beschreibung ich in Kürze nachreiche. Meine Flasche ist noch unterwegs. Videolink dazu siehe unten.). Dass das alles ohne Nachzuckerung, Filtration und sonstiges Schnickschnack und zudem noch aufgrund der ursprünglichen Landwirtschaft quasi "Bio" geschaffen wurde, versteht sich fast von selbst. Heiliger Luca, schick uns mehr davon!
Für Nachschub sollte gesorgt sein, denn neben den arbeitenden Destillerien hat Gargano, der schon mit Maestro Capovilla auf Marie-Galante seinen "Rhum Rhum" brannte, von der haitianischen Verwaltung die Erlaubnis zum Betrieb einer eigenen Clairindestillerie erhalten. Ich habe selten so große Vorfreude verspürt.

Anmerkung: Die Verärgerung darüber, dass der edle Stoff in Spanien, Italien, Frankreich oder UK gekauft werden muss, hält sich bei mir in Grenzen. Das bin ich mittlerweile gewohnt.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Finest Spirits 2014 - Das Wochenende der Feingeister

"Herr Münchinger, wir alle wissen ja, dass Sie von diesen Dingen keinen Schimmer haben. Bittesehr. Dafür können Sie nichts. ... Aber wenn man schon nichts versteht und wenn man sich für nichts interessiert, dann setzt man sich nicht hierher, frech und präpotent und spricht unqualifiziertes Zeug über einen herrlichen, unvergesslichen Abend... Dann schweigt man still und hält sein dummes Maul!"

(Alexander Hegarth als Dr. Edgar Schönferber in "Monaco Franze - Der ewige Stenz", 1983)

Wie hat Dir die Messe gefallen? Was waren Deine Highlights? Hast Du eine besondere Entdeckung gemacht? - So klingen die Fragen am Sonntagabend ab 18 Uhr, wenn der Vorhang des Finest Spirits Festivals langsam wieder zu Boden sinkt und die Besucher mit drei bis fünf geklauten Nosinggläsern in den Hosentaschen aus dem MVG-Museum schlurfen. Und die Antworten? Nun, äh ja - schee wars. Viele nette Leute wiedergesehen, bisschen was gelernt, nicht übermäßig viel schnabuliert. Aber Entdeckungen und Überraschungen?

Nun, da war der neue Laphroaig Select Cask. Ein eher weichgespülter 40-Prozenter. Aber ist das noch eine negative Überraschung im Zeitalter der No-Age-Whiskies? Ein paar Gegenstücke fanden sich in der Auswahl von Andrea Caminneci - u.a. ein toller, 17jähriger Highland Whisky (= Westport = Glenmorangie) für schlappe 40 EUR/0,5l. Aber ist das eine Entdeckung? Andrea steht mit seiner Vertriebsfirma seit Jahren für Topqualität zu fairen Preisen - also nichts wirklich Neues (Wer hat bitte die ganzen Mackie's Chips gekauft?). Am Stand gegenüber gab es ähnlich Preiswertes zu entdecken: The Whiskywarehouse (mit eigenem Onlineshop) präsentierte dort sein preislich wie qualitativ hochinteressantes Portfolio an Singlecaskbottlings von schottischem Whisky und Rum. Letzterer natürlich aus der Karibik. Barkeeper/Barbetreiber aufgepasst!
 
A propos "Bar". Finest Spirits hatte sich dieses Jahr selbst die Aufgabe gegeben, die Heimbar ins Licht des Publikumsinteresses zu rücken. Ist das gelungen? Richy Link vom Münchner Wasserwerk und seine fleißigen Helfer gaben sich alle Mühe zeitgenössische Basics bzw. Abwandlungen zum Gin Tonic zu erklären (siehe Film/Interview unten). An diesem Stand geriet ich unverschuldet in eine Erklärungsrunde zum sog. Saar Dry Gin. Als es in diesem Rahmen um die Historie des Weinbaus in Deutschland ging, hatte ich aber genug. Rettung bot gegenüber Dirk Beckers Rum Depot, das - extra aus Berlin angereist - mit einer eigenen Singlecask-Caskstrength-Abfüllung aufwartete. Selbige war am Sonntag übrigens ausverkauft. Es geht vorwärts mit München...
Neu ist/war das Maltdestillat namens Puni Alba aus Südtirol - zumindest was den deutschen Markt betrifft. Der mittlerweile 18 Monate alte, beeindruckende Stoff wurde komplett in frischen Marsalafässern ausgebaut. Und während das in "normalen" Fasslagern geschieht, schlummert sein Pendant bis zur Abfüllung in ein paar Jahren - dann auch als Whisky - in Ex-Bourboncasks in unterirdischen Bunkeranlagen. Das muss ich mir genauer ansehen - mehr Infos folgen (oder auch nicht).

Als überraschend brauchbar - wieder (Home)Barkeeper aufgepasst! - stellte sich der brandneue weiße Bavarian Rum der Munich Distillers heraus. Sauberes Destillat, leichte Vanillenote und das ganze aus Bio-Zuckerrohr(-Melasse). Soll laut Markenname Rivers in erster Linie von den Eisbachsurfern bevorzugt werden. Da frag ich demnächst mal nach. Ob das - wie beworben - nun wirklich der "erste deutsche Rum" ist, weiß ich nicht, habe da aber so meine Zweifel.

Und ebenso kann ich nicht die Hand ins Feuer legen, ob man bei den freundlichen Leuten von Campari am Messesonntag wirklich die allerallerletzte Bowmore Devil's Casks-Flasche geköpft und (u.a. mit mir) geteilt hat. Gemundet hat der Islayknabe durchaus und Finest Spirits-Kopf Frank-Michael Böer formulierte bei diesem Frühschoppen auch gleich seine Erwartungen an 2015: Da wird Finest Spirits nämlich 10 Jahre alt und da wäre ein 10jähriger Devils Casks II als kleines Goodie irgendwie passend. Finde ich auch und hype hiermit öffentlich die Idee und den späteren Whisky gleich mit (Nicht ohne den Hintergedanken, auf diesem Weg die ein oder andere Flasche davon zu erhaschen). Fundierter ist da schon die Information, dass 2014 KEINE Abfüllung a la Devil's Casks erscheinen soll. Na, wenn das nicht mit dem Teufel zugeht...
 
So dümpelte das Wochende, an dem sich wohlgenährte Herren Whiskygläser um den Hals hängen, dahin. Ich darf noch besonders erwähnen: Die hervorragenden Destillate der Firma Kohler aus deren Aromenbibliothèque (Ingwer! Mirabelle! - und Danke für den Tip Frau Doro) und die ziemlich coolen Whiskies der Lost Distillery Company (Hierzu folgen noch eigene Blogbeiträge). Nicht zu vergessen die obligatorischen Monstermalts von Pit Krause und seinen Maltheads (Slowdrink & Munich Spirits), die Peanut-fat-washed-Bourbon-Colada von Oliver von Carnap am Bulleit-Bourbon/Rye-Stand und die wesentlich unspektakulärere aber ungleich belebendere Cherry Coke von Lukas Motejzik bei Lantenhammer/Slyrs.


Nach dem Festival ist vor dem Festival - Stimmt. Am Freitag startet am gleichen Ort das Braukunst Live! 2014 Festival. Ich kann es kaum erwarten...

Mehr Fotos gibt es hier.
 
 

Montag, 7. Oktober 2013

3rd Berlin Rumfestival 2013 - An Explosion!

"Das ist dieses Jahr explodiert", wirft mir Deutschlands Rum Ambassador und Kopf des Berliner Rumfestivals, Dirk Becker, kurz rüber, als ich ihn am Samstagabend auf den Besucherandrang seiner 2011 gestarteten Consumermesse anspreche. Und schon ist er wieder weg. Arbeiten.

Das 3rd German Rumfestival Berlin 2013 war definitiv ein Erfolg. Nicht nur für den Organisator und sein vielköpfiges Team, sondern auch für mich, da ich nur zum Trinken, Reden und Staunen in die Hauptstadt gereist war. Entspannung also bei vielen Tastings und Vorträgen, die alle ohne Aufpreis besucht werden konnten (!), oder in der Cigar Lounge bei echten Zigarrendrehern. Und Entdeckungen - davon gab es einige.

 Ganz vorne müssen natürlich die nagelneuen "Origenes" Rums von Maestro Francisco "Don Pancho" Fernandez stehen. Der Reserva Especial 18 Years Old (der große Sieger der Festivalprämierung mit dem höchsten Punktergebnis aller 120 Kandidaten) und der Reserva Don Pancho 30 Years Old (beide mit 40% Vol.) sind fantastische Abfüllungen aus "Don Panchos" eigener Fassreserve. Wer ist "Don Pancho"? Nunja, den sollte man kennen, ist/war er doch der Entwickler bzw. Masterblender hinter den Panamarums Zafra und Ron De Jeremy und einer Vielzahl anderer Marken (z.B. Abuelo). Der Meister hat jetzt zwei eigene Edelrums am Start, die man getrost als perfekt geschliffene und polierte Blends bezeichnen darf. Allerdings verleugnen die nie ihre Rasse und Klasse und sind ihr Geld (die Preise sind mir noch nicht bekannt, dürften aber beim 30jährigen eher etwas höher gewählt sein) absolut wert.


Dann darf ich erwähnen, dass dieser Tage einige neue Abfüllungen aus dem Hause Cognac Ferrand, d.h. Plantation Rum, in den einschlägigen Shops auftauchen werden. In Berlin gab es folgende Limited Editions zu verkosten: Guatemala XO Pineau de Charentes Finish, Trinidad 1989, Jamaica 1999 Port Cask Finish und Trinidad 1999 Banyuls & Sherry Cask Finish. Die letzten drei kamen mit 45% Vol. - der Guatemala XO mit 40% Vol. - in die Flasche. Mir hat der Trinidad 1999 mit seinem Spiel zwischen kantigem, jungen Rum und dem süßen Fass sehr gut gefallen, aber auch der Trinidad 1989 ist ein bestens gereifter Vertreter seines Heimatlandes.
Mit dem 3 Island Rum in weißer und dunkler Ausführung war das Rumhaus Charles Hosie dieses Jahr bereits sehr positiv aufgefallen. Zum Rumfest gab es gleich vier neue Abfüllungen aus der Valedor genannten Range von Zigarrenrums zu bestaunen. Da sind ein weißer Rum namens Coffee Spirit (43% Vol.), bei dessen Herstellung kolumbianische Kaffeebohnen mitdestilliert wurden, was ein - im Vergleich zu den von mir kürzlich probierten Kaffeegeisten - sehr harmonisches Gesamtbild ergab, dann ein grundsolider Cask Aged Rum benannter Blend aus Nicaragua-, Trinidad- und Martinique-Rum (43% Vol.) und - die vielleicht interessantese Komponente der Tobacco Companions: Rum Cordial - Ein Rumlikör auf Basis des Cask Aged Rumblends, der mit echter Madagaskarvanille (1 1/2 Schoten pro 0,5l-Flasche) aromatisiert und mit stolzen 47% Vol. abgefüllt wird. Whatadrink! Ergänzt wird das Ganze noch mit dem Rum Elixier, das nach der Formel Nicaraguarum + Madagaskarvanille + Kaffeegeist mit 36% Vol. in Kürze zur Verfügung stehen soll. Wo? Exklusiv im Tabakwarenhandel, denn alle vier Spirituosen sind auf den Genuss zur Zigarre (oder Pfeife) abgestimmt. Kosten werden die Flaschen zwischen 25 und 35 EUR. Das klingt doch fair.

Fair ist auch das Stichwort bei Tres Hombres. Die Seebären um den österreichischen Kapitän Andreas Lackner haben neuen Rum angeliefert und zwar gleich in drei verschiedenen Abfüllungen. Da ist zum einen eine Weiterentwicklung des DomRep-Solerarums von Oliver & Oliver mit der Bezeichnung Tres Hombres XV Anos Republica Dominicana Ed. 05 2013 (41% Vol.), dessen älteste Bestandteile 15 Jahre alt sind und der in Eichenfässern und in Fassstärke (!) fünf Monate per Segelschiff aus der Karibik nach Europa geschippert wurde. Das hat seit über 100 Jahren niemand mehr gemacht. Authenzität vermittelt dann auch die 1-Liter-Steingutflaschenabfüllung in Fassstärke mit 64,5% Vol. namens Captain's Choice. Aber hallo! Viel heller in der Farbe kommt der Tres Hombres XV Anos La Palma Ed. 04 2013 (42% Vol.) daher, der aus der Aldea Distillerie von den kanarischen Inseln stammt und der nach 15 Jahren in French Oak noch eine achtmonatige Seereise - sozusagen als Finish - mit bekam. Alle drei sind nicht ganz billig - aber die Buddels wurden ja auch fair gehandelt und mit eigenem Schiff transportiert.

Zum Abschluss dieses kleinen Rundgangs noch die Bemerkung, dass ich den Diplomatico Vintage 2000 im Vergleich zur Ambassador-Ausgabe nicht ganz sooo dolle fand - auch wenn Masterblender Tito Cordera den Spaß persönlich vorstellte. Sollte man vielleicht nochmal in Ruhe ohne Festivalrummel zwischen Cateringbereich und Käsetheke probieren. Umso schöner war dafür das inoffizielle Rumfestivalbottling eines 12jährigen Rums aus der Dominikanischen Republik aus den Lagerbeständen von Oliver & Oliver, die Dirk Becker ab sofort in seinem Rumdepot mit 65% Vol. für 45 EUR anbietet. Wenn er denn endlich wieder Zeit hat...