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Dienstag, 3. Dezember 2013

Malt Maniacs Awards 2013

Vor wenigen Minuten veröffentlichten die unabhängigen Malt Maniacs die mit großer Spannung erwarteten Ergebnisse ihrer 2013er Awards. Neben den jeweiligen Klassensiegern (z.b. aus den Bereichen "sherried" oder "peated") ist v.a. das tatsächliche Punkteergebnis interessant. So liegt der Benriach 1985 #7188 zwar in seiner Kategorie "best peated - ultra premium" vorne, hat aber mit 87 Punkten eigentlich "nur" eine Silbermedaille erreicht.
Gold gab es mit Punkteresultaten von 90 bzw. 91 Punkten nur für vier von rund 200 Whiskies, die natürlich in Form eines anonymisierten Blindtastings verkostet wurden. Die glücklichen Sieger sind:

91 P. Karuizawa 1973/2013 (67.7%, Number One Drinks, Ex-Sherry Oak, C#1607, 138 Bts.)
91 P. Kavalan ‘Solist’ (57.8%, OB, NAS, Sherry Cask, C#S06082)
90 P. Glenfarclas 1989/2012 (56.6%, OB The Family Casks, C#11046, 591 Bts.)
90 P. Yamazaki 1993/2012 (57.5%, OB for LMDW, Sherry Butt, C#3T 70070, 300 Bts.)
Drei von vier also aus Asien und alle vier aus Sherrycasks - davon gabs 2013 offenbar ganz ordentliche Abfüllungen. Und das Haar in der Whiskysuppe: Der Karuizawa hatte einen Ladenpreis von rund 600 EUR. Der Yamazaki ist für schlappe 550 EUR noch zu haben und DEN Glenfarclas konnte ich auf die schnelle nicht ergooglen - ist ja auch eine TSMC-Abfüllung. Einzig der taiwanesische Kavalan (Yes!) ist bei LMDW für 150 EUR auf Lager (und - äh - schon länger in meiner bescheidenen Collection gebunkert). Naja, das ist zumindest ein kleiner Trost, wenn der nach mir benannte Highland Park Svein mit lächerlichen 80 Punkten als Letzter der prämierten Malts gerade noch eine Bronzemedaille ergatterte.

Mittwoch, 11. September 2013

Quo Vadis Agave? - Teil 1: Tequila

"Jaaaa! Tequila, Tequila, Tequila, Wonderbra!
Und heute Nacht machen wir noch die ganze Insel klar!"
("Ab In Den Süden", Buddy Vs. DJ The Wave, 2003)

Wie in der Vergangenheit schon widmet sich wad! mal wieder dem Agavenbrand. Die Frage "Wo stehen Tequila und Mezcal 2013?" kann ich sicher nicht abschließend beantworten, aber vielleicht kommen wir der Sache doch irgendwie näher.

Tequila Curado

Dabei hilft vielleicht der Blick auf eine noch recht neue Abfüllung der Ocho-Macher: Das Zeug nennt sich Curado Tequila und dabei handelt es sich um einen Blanco Tequila, der eine Infusion von gekochten Agavenfasern (Infusion De Agave Cocido) aufgebrummt bekam. Optisch macht ihn das zu einem gelagerten Reposado oder Anejo und Blanco steht auch nur ganz klein auf der 0,5l-Buddel, die in unserern Breiten für knapp über 30 EUR im Onlinehandel zu haben ist. Nüchtern (!) betrachtet handelt es sich um einen agave flavored Agavenbrand. Muss das denn sein? Ist das was gänzlich Neues?


Nun, geschmacklich aufgepeppte Destillate gibt es zuhauf zu Erwerben. Ob nun mit Geschmack (?) versehene Vodkas, aufgezuckerte oder mit Fruchtauszügen aufgepeppte Obstbrände oder Zimt- bzw. Chilitequilas. Hatten wir alles schon. Und kurz gesagt: Das ist alles doch ziemlich unnötig. Dieser milde, runde, aber nicht eindimensionale Tequila hier nun, mit seinen immerhin 40% Vol. ist ein angenehmer Genosse, der - wie nicht anders zu erwarten war - einen deutlichen Agaven- aber auch Apfel- und Birnengeschmack sein Eigen nennt. Das gibt es bei anderen fruchtigen Tequilas auch, aber der kleine, muskelbepackte Mexikaner ist wirklich gut gemacht. Whiskyfun-Entrepreneur Serge Valentin vergab bei der Suche nach Malternatives kürzlich gar 85 Punkte. Weiter unten in diesem Beitrag erklärt ihn Agavenguru Tomas Estes (ja, der Knabe vom BCB 2012) noch in einem kleinen Videoclip.
Tequila an der Bar?

Aber welchen Stellenwert hat Tequila an der Cocktailbar? Da ich in solchen Etablissements ungern verkehre und mir so keine eigene Meinung bilden kann, habe ich zwei namhafte Münchner Barkoryphäen getrennt voneinander befragt. Zunächst John Hofmann von der Distillers' Bar in Schwabing: "Tequila hat bei mir einen hohen Stellenwert. Das kommt zum einen durch meinen persönlichen Geschmack und dadurch, dass Tequila im allgemeinen nicht als Qualitätsprodukt angesehen wird - was er aber ist. Das wird ihm nicht gerecht. Daran arbeite ich bei meinen Gästen und verwende gerne hochwertige Tequilas in Drinks, um meine Gästen vom Gegenteil zu überzeugen."

Und Lukas Motejzik vom Zephyr im Glockenbachviertel meint: "Im Zephyr wird Tequila von den Gästen eigentlich nie als Basisispirituose für Drinks nachgefragt - so nach dem Motto: Mach mir mal was mit Gin! Wir haben aber einen Drink mit Blanco Tequila, Safran und frischer Passionsfrucht auf der Karte der extrem gut läuft und auch unsere Pink Paloma (Hibiskus Tequila, Ting und Rosenblütensalz) läuft immer besser an. Ich glaube, dass die Leute langsam ihre Angst vor Tequila ablegen."

Hm. Das klingt doch beides trotz des in Europa ausgebliebenem Tequilabooms ganz zuversichtlich. Die Bar hat die Tequilakategorie also noch längst nicht abgeschrieben. Zur Feier dessen kommt hier gleich noch eine ganze Tequilarange, die neu in Europa zu haben ist. Gut, ganz neu auch nicht, immerhin hat das Mixology-Magazin den Stoff bereits zweimal im Heft und einmal online gewürdigt.
Tequila Revolucion

Es geht um Tequila Revolucion, der als Blanco, Reposado, Anejo, Blanco mit 50% Vol. und Extra Anejo in Kürze zu haben sein soll, bzw. es schon ist. Die besagten Mixology-Tester gaben sich zurückhaltend begeistert. Mal sehen, was mein unabhängiges Tastingpanel herausgearbeitet hat. Zunächst zum "normalen" Blanco, der zwar mild und mit Agavenfrucht aufwartet, aber insgesamt etwas dünn ist. Was? Der hat nur 35% Vol.? Was ist denn da los? Einer der Tester bemerkte gar "Das ist kein Schnaps - der brennt nicht.". Beim Reposado (35% Vol.) vermerkte der gleiche Herr, dass er "gar nix geschmeckt" habe. Nun, ganz so schlimm ist es nicht, aber in gemischten Getränken gehen beide Aspiranten doch ziemlich unter. Die Revolucion zielt offenbar auf den erklärten Freund des extramilden Sippingtequilas. Das setzt sich auch beim trockeneren und keinesfalls holzigen Anejo (38% Vol.) fort. Smooth & Premium - zwei Attribute, die bei mir in der Regel zu gesteigertem Desinteresse führen. 

Aber widmen wir uns dem selbsterklärten Star der Range: dem 100 Proof Blanco in der blau lackierten Flasche. Der ist wirklich mit 50% Vol. ausgestattet, was ihm merklich gut tut. Ebenso fruchtig wirkt er etwas komplexer, hat Rückgrat auch in der unvermeidlichen Margarita und verfügt auch über eine gewisse Länge. Sprittig ist er nicht. Aber ein Mixingtequila für über 40 EUR? Das ist dann eher das Preis-Leistungsniveau für die gehobene Hausbar.

Mein Fazit: In Sachen Tequila gibt es Neues, aber nicht wirklich Weltbewegendes zu berichten. Das ist nicht weiter schlimm. Mal sehen, was Mezcal da zu bieten hat... (to be continued)



Sonntag, 21. Juli 2013

Und ewig bellt das Känguru: Mackmyra Special 09 Vildhallon

Nach einem Blick nach Indien bzw. Helgoland reisen wir heute nach Schweden, um die Sauregurkenzeit zu überbrücken, die nach der Meldung über das bemitleidenswerte Känguru Linus definitiv auf ihrem Höhepunkt angekommen ist.

Seit 2006 bringt die Brennerei Mackmyra (Entstehungsgeschichte) viele limitierte Sondereditionen und einige wenige Standardabfüllungen an Frau und Mann. Da die Schweden ihren Stoff vorzugsweise und offensichtlich sehr erfolgreich (eine neu erbaute Brennerei hat man mittlerweile auch schon am Start) im eigenen Land verkaufen, wandern relativ kleine Posten ins Ausland. Dank rühriger Importeure, die auch vor hochpreisigen Flaschen nicht zurückschrecken (und so einen wichtigen Beitrag zu dem gigantischen Whiskyangebot in unseren Landen liefern), sind auch besondere Kleinode wie die aktuellen Bottlings aus Mackmyras Special- und Moment-Serie in ein paar Onlineshops verfügbar.

Los ging es aber 2006 mit der Preludium genannten Reihe (letzte Flaschen sind sogar noch im Fachhandel zu haben), die 2008 zur sogenannten 1st Edition (46,1% Vol.) führte, die in verschiedenen Batches veröffentlicht wurde (Kauftip: Über den Travel Retail-Bereich wurden 1-Liter-Flaschen vertrieben, die zu recht günstigen Preisen (noch) hier und da zu haben sind.). Aber was ist/war das denn nun für ein Whisky? Die Antwort in Stichworten: Vanillepudding, Apfel, mittelschwer, etwas Eiche, balanciert. Das war schon ein ziemliches großes Ausrufezeichen für einen Neuling und der inzwischen eingeführte Brukswhisky (41,4% Vol.) mit dem stolzen Beinamen The Swedish Whisky stellt eine Art Nachfolger der ersten regulären Ausgabe dar, auch wenn dieser auf der offiziellen Webseite weiterhin gelistet wird.

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Es geht um Single Malt Whisky, unfiltiert und ungefärbt. Die Schweden destillieren zwei Grundrezepte - das fruchtig-elegante (fruity elegant) und das getorfte (peaty smoke) Rezept. Das machen ein paar Schotten nicht viel anders. Mackmyra reift seinen Whisky in der Bodas Mine ca. 50 Meter unter der Erdoberfläche bei gleichbleibenden Bedingungen (inzwischen gibt es auch ein Forest Warehouse und - Update! - einige andere Locations) und seit dem Start der Produktion in zumeist relativ kleinen Fässern mit 100-200 Litern Fassungsvermögen. Verwendet werden amerikanische und schwedische Eiche, Ex-Sherry- und Ex-Bourbon-Fässchen in 1st- und 2nd-Fill-Spezifikationen. Dazu hat Master Blenderin Angela D'Orazio mittlerweile ein paar interessante Finishideen entwickelt. Und einer solchen widmen wir uns jetzt auch noch.

Mackmyra Special 09 Vildhallon (46,1% Vol., abgefüllt 2012, 0,7l ca. 65 EUR) beinhaltet zu 100% ungetorften Spirit aus 2003 bis 2006, der in folgenden Fässern gelagert wurde: Neue schwedische Eiche 100l, neue amerikanische Eiche 128l und 200l, Ex-Sherry 1st Fill 128l, Ex-Sherry 1st und 2nd Fill 100l, Ex-Bourbon 1st und 2nd Fill 100l und Ex-Himbeerwein 1st Fill 100l und 200l. Ex-Himbeerwein? Äh ja. Wein von wilden Himbeeren wird im hohen Norden offenbar auch in Holzfässern gelagert und selbige kamen hier als Finishfässer zum Einsatz. Wenn es um die jeweiligen Mengenverhältnisse des Vattings, Reifedauer der einzelnen Casks und Einzelheiten zum Himbeerfinish geht, fragen Sie bitte Frau D'Orazio. Mir ist das zu kompliziert und auch zu abstrakt, denn in der Flasche respektive im Glas steckt ein feines, fruchtiges Tröpfchen, das nicht zu süß und nicht zu anstrengend, aber auch nicht eindimensional ist. Die Himbeer-Sherryeinflüsse halten hervorragend die Waage mit den frischen Eichen- bzw. den Ex-Bourbonfässern. Frucht trifft Vanille, aber auch eine leichte Würze steckt mit drin. Das ist ein trinkbarer und verführerischer Stoff - vielleicht auch gerade für Leute, die mit Scotch bisher nicht wirklich was anfangen konnten. Zugänglich. Süffig.

"Far from Scotch" schrieb Monsieur Valentin seinerzeit über die 1st Edition, vergab aber da schon 84 WF-Punkte. Special 04 (eine Ex-Bourbonfasskreation unter Einsatz von 30-Liter-Fässchen) landete sogar bei 86 Punkten. Dass Jim Murray in seiner "Whisky Bible" gern großzügige Anschubhilfe für neue Malts leistet, ist bekannt. Er vergab an Skog, Solsken und Rimfrost, drei Ausgaben aus der Moment-Reihe, satte 95 bzw. 95,5 JM-Punkte. Und ich? Ich vergebe keine Punkte, kann den Vildhallon aber uneingeschränkt - nicht nur als Terrassenwhisky - empfehlen.

So, das war es für heut. Halt! Da bellt noch ein Känguru Hund: der Vit Hund ist Mackmyra New Spirit bzw. White Dog, wie die Amerikaner sagen. Ein mehr als nur interessanter Aspekt dieser Brennerei. Übrigens: Whiskybrennereien gibt es inzwischen neun in Schweden - Tendenz steigend... Skøl!