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Mittwoch, 16. Dezember 2015

Donnerstag, 27. Februar 2014

Whiskyreisen mit Werner Obalski

Aufgrund der zahlreichen Anfragen hier noch mehr von DEM "In-der-Badewanne-Mitpfeif-Lied" der 70er. 

Hoch auf dem gelben Wagen
Sitz’ ich beim Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
Lustig schmettert das Horn.
Felder und Wiesen und Auen,
Wogendes Ährengold.
Ich möchte so gerne noch schauen
Aber der Wagen rollt.


 (Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Ob Werner Obalski seine Mitreisenden mit deutschen Volksliedern verwöhnt, bezweifle ich doch sehr. Da darf man schon anderes erwarten. Was? Na, z.B. ein fast grenzenloses Wissen in Sachen Scotch Whisky, Schottland und seine Destillerien und allem was dazugehört. Da "Weizenbierexperte" Obalski dies auch gerne mit wissbegierigen Menschen teilt, hat er sich neben seiner journalistischen Tätigkeit für z.B. die Süddeutsche Zeitung oder das Mixology-Magazin und als Buchautor (u.a. zu Tequila, Sherry, Wein und Kneipen), aber auch als Reisebegleiter einen Namen gemacht. Nein, nicht wenn es um  Mittelmeerkreuzfahrten geht, sondern - Sie werden es erraten haben - wenn es um Whiskytrails geht.

Auch 2014 ist das wieder der Fall. Los geht es mit einem Speysidebesuch Anfang April. Im Mai gibt es gleich zwei Rundreisen, die quasi durch ganz Schottland führen - zumindest durch die whiskytechnisch relevanten Landstriche. Und Mitte September wird die schöne Insel Islay unter die Lupe genommen. Liest man sich die Reiseprogramme durch, bekommt man regelrecht Fernweh. Gut, einen Schluck Whisky könnte man dann auch vertragen. Mir sind trotzdem noch ein Fragen eingefallen, die mir der gelobte Reiseleiter persönlich beantwortet hat.

whatadrink!: Werner, wieviele Whiskyreisen hast Du in Schottland schon begleitet?

Werner Obalski: Die habe ich nicht gezählt, aber ich bin sicher so zwölfmal mit Journalisten in Destillerien unterwegs gewesen, über die ich denen dann was erzählt habe. Ich selber hab vor ein paar Jahren zum Zählen aufgehört und da war ich bei 40 Schottlandreisen angekommen.

wad: Wenn ich mir die Programme der 2014er Reisen so ansehe, liest sich das weniger wie eine Vergnügungsreise (mit teilweise drei größeren Programmpunkten pro Tag), sondern eher wie eine richtige Studienreise. Wie wird das tatsächlich ablaufen?

WO: Zum einen suche ich Destillerien aus, wo man auch die kleine Tour, die eine dreiviertel Stunde dauert machen kann. Dabei muss man natürlich sehen, dass die Frage "Wie wird Whisky gemacht?" schon nach dem ersten Destilleriebesuch beantwortet ist. Das braucht man ja nicht mehrmals erklären. Ich versuche durch meine Kontakte immer die Distillery Manager zu bekommen, denn die können uns dann erklären, was ihren Whisky von dem der anderen besuchten Betrieben unterscheidet.

wad: Damit kommt auch das rüber, was man von so einer "Profitour" erwartet, nämlich dass man den Blick hinter die Kulissen bekommt.

WO: Letztes Jahr hatten wir neun Destillerien in sieben Tagen besucht. Das war unheimlich viel. Aber da waren Whiskyhändler in der Gruppe dabei, die danach gesagt haben, dass das wesentlich zu wenig waren.

wad: Na prima. Ich denke, dass mit einem Guide wie Dir und Deinen Kontakten vor Ort nicht nur mehr Möglichkeiten bestehen Informationen abzugreifen, sondern man auch in das ein oder andere Thema richtig eintauchen kann.

WO: Deshalb buchen mich die Leute ja auch, da ein normaler Touristenführer das eben nach Schema F macht. Bei einem Distillery Manager, der mich persönlich kennt, kann ich gezielte Fragen, die auf die jeweilige Situation oder ein Thema zugeschnitten sind, stellen und bekomme die auch beantwortet. Man muss die Leute nur immer dazu bringen Englisch und nicht Schottisch zu sprechen.

wad: Die englischen Fachbegriffe sollten die Reisenden also schon kennen?

WO: Ja, das sollte so sein. 

wad: Aber man lernt das ja auch vor Ort am einfachsten. Wie muss ich mir die Zusammensetzung einer solchen Reisegruppe vorstellen?

WO: Das sind natürlich richtige Whiskyfreaks, aber auch Wein- und Whiskyhändler sind dabei, die ihr Wissen aufstocken wollen. 

wad: Ich stelle es mir sehr befruchtend vor, neue Leute mit ähnlichen Interessen aus vielleicht einem ganz anderen Teil der Whiskywelt kennenzulernen.

WO: Das ist ein Aspekt. Aber es ist auch wichtig den Leuten nicht nur Whisky und Schottland zusammen zu zeigen, sondern auch das Drumherum etwas detailliierter anzubieten. Das machen wir dann mit Experten z.B. zu Edinburgh oder zu Haggis. Letztes Jahr kamen wir am Elephant House vorbei, das sich The Birth Place Of Harry Potter nennt, weil dort das erste Kapitel geschrieben wurde. Die Leute waren begeistert von der Story dazu.

wad: Jetzt im April geht es in die Speyside und im September nach Islay. Kennst Du schon das Islayprogramm?

WO: Wir werden da nur vier Tage sein und auch nicht alle Distilleries besuchen. Aber, wenn ich mich nicht irre, sind Ardbeg und Laphroaig dabei. Man kann zwar Laphroaig auch von Ardbeg aus erklären, aber schon wegen des Maltings muss man doch hin.

wad: Danke für das Gespräch, Werner.

Also, alle die jetzt so richtig Lust zu einer intensiven, aber doch auch vergnüglichen Schottlandreise bekommen haben, sollten sich auf den oben verlinkten Internetseiten der beiden Reiseanbieter umsehen. Werner Obalski wünsche ich viel Erfolg und Vergnügen!

Ein paar Impressionen in bewegten Bildern gibt es in den Beer Goes Barley-Videos von 2012 - auch mit Werner Obalski übrigens:

Dienstag, 14. Februar 2012

Finest Spirits 2012 oder: Alle Jahre wieder

Barocke Typen in schottischen Kilts, Harleys und junge Frauen mit einer Karre voll Torf - Das waren zwar nicht die Hauptdarsteller, aber doch mehr oder minder auffällige Komponenten beim Münchner "Finest Spirits" Festival, das am letzten Wochenende über die Bühne ging.
Wie schon im letzten Jahr hat sich die Messe, nennen wir die Veranstaltung mal etwas despektierlich so, weiterentwickelt. Standen 2011 noch die neue Location und die weitere Öffnung zu anderen Spirituosen im Vordergrund, konnte Boss Frank Böer dieses Jahr gleich von weit über 200 vertretenen Marken berichten und auch das Medieninteresse hat weiter zugenommen.
fachkundiges Publikum

Ein Beweis für die gestiegene Aufmerksamkeit gerade auch der Industrie war beispielsweise die offizielle Präsentation des neu zusammengestellten "Rémy Martin" VSOP (55%
Grande Champagne + 45% Petite Champagne = Fine Champagne Cognac), der jetzt das Kürzel Mature Cask Finish mit im Namen trägt. Dahinter steckt, so hat mir Cognac BNIC Educator Jürgen Deibel (leider nicht exklusiv) verraten, eine zusätzliche Reifezeit in 20 Jahre alten Fässern nach der Marriage der Eaux-De-Vie. Mir mundete der Neuling sehr. Er erscheint wirklich runder als der alte VSOP und bietet sich neben dem Gebrauch an der Bar auch dem fortgeschrittenen Geniesser an.
Oliver von Carnap

Von dieser Sorte marschierten offensichtlich einige durch schon am Freitag gutgefüllte Halle, was die Belagerung der "Zacapa"-Bar (bemixt von Oliver von Carnap und Caroline Anaís Rex), der großen "Chivas"-Lounge, des "Tölzer Käsladens", des "Tres Hombres"-Rumstandes und natürlich der vielen Whiskystände bewies. Bei letzteren und auch bei den Masterclasses lag ein Schwerpunkt heuer bei den deutschsprachigen Malzbränden aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, die immer mehr ihre Eigenständigkeit in der Vordergrund stellen und durch immer mehr gelungene Tröpfchen überzeugen. Zum ein oder anderen Brenner bzw. Vertrieb folgen hier in den nächsten Tagen noch ausführliche Beiträge.

Oliver von Carnap & Caro Rex

Gregg Glass


Es waren aber nicht nur Hersteller- oder Markenstände aufgebaut worden, sondern insbesondere Vertriebe mit whiskylastigem Portfolio waren stark vertreten wie z.B. die Kieler Firma "
Prineus", die u.a. die Abfüllungen des englischen Shops "The Whisky Exchange" ("Elements Of Islay" und "The Single Malts Of Scotland") hierzulande unters Volk bringt. Glänzen konnte Geschäftsführer Gerd Schmerschneider auch durch die Anwesenheit von "Compass Box"-Assistant Whiskymaker & Whisky Ambassador Gregg Glass, denn auch die Leckereien dieser Whiskyschmiede hat "Prineus" im Angebot.
Gregg leitete u.a. ein Tasting, in dem der neue und ohne Einschränkung empfehlenswerte Blend namens "Great King Street - Artist's Blend" (50% Grain / 50% 10jährige Malts) vorgestellt wurde. "Great King Street" ist übrigens eine neue Serie von "Compass Box" - ausschliesslich mit Blended Scotch. Aber ich schweife ab. Gregg erzählte zur Verkostung des "Spice Tree" (einer meiner Alltime Favorits) die Story von den getoasteten Brettchen im Fass und dem Tamtam mit der SWA. Dann gings zur rund 200 EUR teuren Limited Edition "Last Vatted Malt". Die Story, die auf der Abschaffung des "Vatted"-Begriffs basiert, könnte man als reine PR-Schoße abtun, wäre der Stoff nicht so verdammt gut. Der "Last Vatted Grain" hat mir persönlich aber fast noch mehr gemundet. Das Tasting hatte Gregg übrigens mit einem noch namenlosen "X"-Sample abgeschlossen und die Teilnehmer an den "Prineus"-Stand geladen, wo er nach vom Kunden selbst ausgeklügelten Rezeptur einen persönlichen "Compass Box"-Whisky blendete und abfüllte. Ein Geheimtip an diesem Stand war übrigens der "Vit Hund", ein New Make oder New Spirit von den renommierten Schweden von "Mackmyra".
Gregg Glass

Nicht unerwähnt bleiben darf auch das Projekt "Beer goes Barley", das zu ziemlich coolen Festivalbottlings führte. Dabei wurde eine Idee des Fachjournalisten Werner Obalski in Zusammenarbeit mit Andrea Caminneci in die Tat umgesetzt: Schottischer Whisky in bayerischen Ex-Bierfässern. Der zwingend notwendige Trip einer bayuwarischen Abordnung nach Schottland wurde videotechnisch dokumentiert - hier alle Infos dazu. Ein Hoch auf Werner und die globale Trinkkultur! - Das nächste Mal will ich auch mit...

Und was gabs sonst noch? In einem Satz: Ein einfach nicht zu bewältigendes Angebot an Drinks und Drams. Da waren z.B. ein etwas versteckter Stand mit Rumdrinks ("Gosling's"), eine Vodka-Strassenbahn mit "Flatrateticket" und natürlich auch Obstbrenner. Dabei auch solche, die keinen Whisky anbieten.
Magister Maximilian Coreth

Einer der interessantesten Newcomer dieser Szene ist Magister Maximilian Coreth, ein Vertreter des österreichischen Hochadels und Honorarkonsul von Thailand. Unter dem Label "
1772 Count Coreth Prachensky" produziert er sortenreine Edelbrände aus den Maischen tropischer Früchte wie Ananas, Passionsfrucht, Lychee oder Eierbanane. Der Witz dabei ist nicht nur das äußerst gelungene Flaschendesign oder die Tatsache, dass nicht etwa Geiste, sondern wirklich Brände produziert werden. Nein, die Früchte stammen vielmehr aus den "Royal Fruit Gardens" des Königs von Thailand und destilliert wird vor Ort. Von der wirklich höchsten Qualität dieser schon in der Nase betörenden aber leider auch sehr kostspieligen Preziosen konnte ich mich ausgiebig überzeugen. Erhältlich ist dieser Luxus online bei "Feinkost Käfer" und "mybottles".
Mike Werner

Erwähnt werden müssen auch gleich zwei Cocktailwettbewerbe. Zum einen richtete die DBU ihre bayerische Cocktailmeisterschaft aus (Sieger wieder Adriano Paulus). Zum anderen gab es einen Wettbewerb für Hotelbartender, die mit Bourbon Whiskey als Basis neue Rezepte vorstellen mussten. Dieser kleine Wettstreit wurde von Mike Werner, Importeur der exklusiven Abfüllungen der "Kentucky Bourbon Distillers" und Betreiber von "Mike's Whiskeyhandel", der auch ein paar neue "Willett"-Bourbons am Stand hatte, unterstützt (Ergebnisse werden nachgereicht). Amazing!