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Mittwoch, 26. Februar 2014

Braukunst Live! 2014 - Brauer oder Blogger?



Schäumendes Gerstengetränke
Reicht mir der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möcht ja so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt.


(Walter Scheel, "Hoch auf dem gelben Wagen", 1974)

Vor vierzig Jahren sang der damalige Bundesaußenminister dieses Volkslied, dessen Single (aus Vinyl!) bis auf Platz fünf der deutschen Singlecharts kletterte - oder besser rollte. Aber darum gehts in diesem kleinen Blogartikel gar nicht und auch nicht darum, dass wir damals noch Politiker, Bundespräsidenten und die FDP hatten. Also zurück ins Heute (wo alles besser ist)...
Im Februar 2014 zogen Tausende von Menschen auf ein Münchner Bierfestival, um dort weit über 500 verschiedene Craftbiere von rund 100 Brauereien aus Degustationsgläsern zu trinken - in Chargen von 0,1 Litern (!). Und ein verdammt großer Anteil dieser bierdurstigen Kehlen gehört nicht nur zur Zielgruppe "Unter 30", sondern ist auch noch weiblich. Jawoll!

Wir reden vom Braukunst Live! Bierfest, das von den Finest Spirits-Veranstaltern 2012 ins Leben gerufen worden war und das sich mittlerweile als "Leitmesse einer völlig neuen Bier-Kultur" sieht. Ja so. Begriffe wie Vielfalt, Leidenschaft und Bier-Renaissance werden gerne in den Mund genommen, wenn es doch eigentlich nur um die Freude am gut gemachten Bier geht. Qualität und (gemachter) Kult stehen gemeinsam an der Theke

A propos Kult. Den ein oder anderen Aussteller - oder besser: Ausschenker - der ersten Stunde habe ich dieses Jahr vermisst. Auch einige Münchner Kleinbrauer waren nicht (mehr) da. Schade. 

Aber dafür ist die Braukunst-Messe internationaler geworden. Mehr Italiener und Tschechen und mehr belgisches Bier (Yeah!). Die belgischen Bierstile - zumindest soweit sie mit dem deutschen Reinheitsgebot vereinbar sind - scheinen neben den schon etablierten Stouts, Ales und IPAs gerade ein Trend bei deutschen Klein- und Kleinstbrauern zu sein. Gut so. Außerdem zu beachten: Porter.

Eine Sache die Bewegung in die Szene bringt, sind Vertriebe, die für die Verbreitung der vielen neuen Bierchen sorgen. Gefühlt waren davon auch einige mehr auf der 2014er Braukunst zugegen. Aber ist das nun positiv oder negativ zu bewerten?

Egal. Die Veranstaltung war auch ein Treffpunkt der deutschen Craftbierszene (wenn sich selbige so nennen mag), was mir von mehreren Seiten bestätigt wurde ("Alle sind da!"). Zwei solcher Insider hatten sich angeregt neben mir unterhalten, bis der eine den anderen dann fragte: "Bist Du eigentlich Brauer oder Blogger?". Schön, dass es das gibt.

Aber wir sind hier bei whatadrink! und nicht bei einem der vielen fach- und sachkundigen Bier- oder gar Foodblogs. Deshalb darf ich noch auf ein neues Destillat hinweisen, das seit kurzem bei "Mike's Whiskeyshop" in München zu erwerben ist. Es handelt sich um einen Bourbonwhiskey aus Texas, dessen Hersteller sich Garrison Brothers nennt. Das klingt zwar nach einer Gangsterbande aus den Zeiten der Prohibition, ist aber die erste und älteste  legale Whiskeydistillerie in Texas. Und die einzige? - Nein, es gibt derzeit satte 13 davon im Erdölstaat. Exklusiv in Deutschland steht bei Bourbon Mike nun der aktuelle Release Fall 2013 im Regal, der zwei Jahre und vier Monate in einem Mix aus verschieden großen bzw. kleinen Fässern verbracht hat. Ein junger Hund? Schon, aber - wie es sich für Texas geziemt - ein verdammt öliger Kläffer (Weizenbourbon mit über 70% Mais in der Mashbill, Sweet Mash, 47% Vol.). Die Turboreifung in frischen Fässern ist absolut spürbar, aber es besteht eine durchaus gefällige Balance zwischen süß und Holz. Klassezeug. Einziges Manko: Der Preis. Schon vor Ort in Texas werden rund 70 US$ aufgerufen. Dass der bei uns so nicht für 20 EUR zu haben ist, ist klar. Aber wer kauft amerikanischen Whiskey über 100 EUR, wenn der nicht mal 10 oder 12 Jahre alt ist oder zumindest Pappy heißt?


Ansonsten ging es weiter um Hopfen, Hopfen, Hopfen und ein bisschen Malz. Sehr schön fand ich den Titel des begleitenden Seminars "Ach komm, geh mir wech! IPA verkommt zu Mainstream!", bei dem es um vom selbigen (noch) unentdeckte deutsche Spitzenbierstile (oder so) ging. Außerdem wichtig: Foodpairing mit Bier. Im speziellen: Bier & Käse. Das gabs in einer eigenen Masterclass mit Bier- und Wassersommelier sowie Fromelier (frz. Expert en Caséologie) Tibor Kantor und gelebt von Messebeginn bis Kehraus rund 30 Meter rund um den Stand vom Tölzer Kasladen. Im folgenden noch ein paar Impressionen und das Schlußwort:

Bayern, des samma mir,
Bayern und des bayerische Bier!
Bayern und des Reinheitsgebot,
des is unser flüssiges Brot!

(Haindling, "Bayern", 1998)


 ("Hallo, ich bin der Helmut aus Berlin und ich mach ein kleines Fanzine.")
 

Freitag, 27. September 2013

Oktoberfest mit Oak Aged Bier und Hobbybrauern

Zwei Stunden nach dem Festbieranstich auf dem Münchner Oktoberfest startete am ersten Wiesnsamstag das Oak Aged Bierfestival in Truchtlaching knapp eine einstündige Autofahrt von der Landeshauptstadt entfernt - nicht unweit des Chiemsees. Dort - schon fast in der oberbayerischen Provinz - ist die Brauerei Camba Bavaria beheimatet. Auf dem Firmengelände des Brauanlagenherstellers BrauKon findet sich aber nicht nur die Cambabrauerei, sondern gleich noch ein zünftiges Wirtshaus mit Terrasse und Biergarten. Und auch für ein kleines, feines Bierfest inkl. Special Area und Wurstbraterei war noch Platz.
An wem die fast schon unübersichtliche Auswahl der Cambabiere bislang vorüber gegangen ist, hat dringend Nachholbedarf. Hier wurde schon über das Lovebeer berichtet, das vielerorts für ein gewisses Medienecho gesorgt hatte, aber trotzdem ein verdammt gutes Bier ist - auch in der 2013er Auflage. Neben dem unumgänglichen IPA, einem verblüffenden Milk Stout, diversen anderen Handbieren im 0,33er Flascherl und Basics wie Hellem, verschiedenen (Saison)Weißbieren und Dunklem, haben es mir die Bockbiere - insbesondere der Dunkle Doppelbock sowie Pale Ale und Brown Ale besonders angetan. Das letztere und die Böcke eignen sich - Versuche der fleißigen BrauKon/Cambabraumeister haben das ergeben - hervorragend zur Lagerung im Holzfass. Holzfassgereifte Biere bzw. Bier aus dem Holzfass gibt es aus verschiedenen Quellen. Nicht alle verwenden dabei frische Whisky-, Cognac- oder Weinfässer, sondern verstehen auch das Abfüllen in ein ausgepichtes oder ausgekleidetes Holzfässchen bereits als Holzfasslagerung. Bei Camba Bavaria bemühte man sich in den letzten Jahren allerdings erfolgreich um Portwein-, Rum-, Sherry-, Bourbonwhisky- und Cognacfässer, die möglichst frisch, d.h. kurz nach dem Entleeren in der Brauerei mit Bier befüllt wurden und dann im temperierten Lager für mehrere Monate zur Reifung ihres Inhalts lagerten.

Das Ergebnis wird in 0,75l fassende Flaschen gefüllt und kann für Preise ab ca. 20 EUR pro Buddel im gutsortierten Einzelhandel oder auch glasweise im noch besser sortierten Gastronomiebetrieb getrunken werden. Schön. Aber wie schmeckt das Zeug? Beim Oak Aged Bierfestival wurden alle derzeit erhältlichen 15 (oder 16?) Sorten ausgeschenkt und so konnte ich einige der mir noch unbekannten Kombinationen probieren. Mein Fazit: Favoriten sind weiter die Bourbon- und sherryfassgereiften Biere, die entweder eine karamellige Vanillenote oder eben eine wunderbar abrundende Fruchtsüße beisteuern. Ahhh. Besonders nach dem Imperial Stout aus dem Bourbonfass sollte man Ausschau halten. whatadrink! Die Biere aus dem Portwein-, Rum- und Chateau D'Yquem-Fass hatten auch was für sich, waren aber entweder fast schon zu rund (bei aller Ungewöhnlichkeit) oder erschienen zumindest mir mit einigen Säurespitzen, die ich so nicht unbedingt haben muss. Gleichförmig oder gar uninteressant ist keines davon - das ist klar.
Dies galt auch für die Bierkreationen der, von Cambaboss Markus Lohner eingeladenen, Hobbybrauer aus ganz Deutschland, die in einem eigenen Bereich ergründert werden konnten. Der Leser blickt noch verwundert auf die Begriffe Craft oder Micro Brewer? Schnee von gestern! Hier kommen schon die Nano Brewer mit ihren Gerstensäften aus der hauseigenen Versuchsbrauerei im Kellergeschoss. Ich übertreibe? Von wegen! In meiner malerischen Nachbarortschaft Prittlbach treiben mittlerweile drei (!) Hobbybrauer ihr - ich konnte mich teilweise schon überzeugen - bestens mundendes Unwesen. Bierland Bayern Deutschland so mag ich Dich!
 
 
 
 
 
 
 

 

Sonntag, 5. August 2012

Lovebeer oder: War das schon der Sommer?

Nach dem Daiquiri Day, dem Black Tot Day, dem Gin Basil Smash Day, dem Swimming Pool Day, dem Pina Colada Day usw. wird heute endlich der International Beer Day begangen. Zudem habe ich dieser Tage aufgeschnappt, dass bayerisches Bier wieder besser verkauft wird als zuletzt. Ich finde, das ist eine gute Meldung für das bayerische Bier, dass es verkauft und (hoffentlich) auch getrunken wird - gerade weil doch vor einigen Wochen Lieferengpässe bei den "Kultbieren" vom "Augustiner" und "Tegernseer" gemeldet wurden. Noch schlimmer war aber, dass uns das "Barzirkel" Brew - wohl aufgrund einer Fehlberechnung in der Rezeptur - heftig um die Ohren geflogen ist und nach der vorsichtigen Öffnung von drei Halben gerade noch genug Stoff für ein Radler verblieb. Bewegte Bierzeiten.

Wie gut also, dass laufend neue Biere verfügbar sind. Mir fielen gerade ein paar Flaschen "TAP 5 Meine Hopfenweisse" aus der Kelheimer Brauerei "Weisses Bräuhaus G. Schneider & Sohn GmbH" in die zittrigen Hände. Das gibt es zwar schon etwas länger, aber das Bier vom Typ "South German Weizenbock Pale" ist eher selten im Getränkemarkt zu finden. Ein Jammer, wie ich meine, denn wir haben es da mit einem süffigen, fruchtigen Weißbier zu tun, das bislang seines gleichen suchte. Die Tatsache, dass es sich um einen heftigen Doppelbock mit 8,2% Vol. und 18,5% Stammwürze handelt, geht angesichts der überwältigenden Hopfenaromen fast unter. Mehr davon, bitte!

Das gilt auch im Fall des schlicht "Lovebeer" benannten neuen Bieres von "Camba Bavaria". Das ebenfalls stark gehopfte Weizenbier soll zur Platte "Summer Of Love" des Popbarden Stefan Dettl, bekannt als Kopf der erfolgreichen Trötentruppe "LaBrassBanda", getrunken werden. Schlappe 16.000 Flaschen gibt/gab es davon nur. Glücklicherweise hab ich auch ein Tragerl abbekommen und darf feststellen: Das "Lovebeer" mundet auch ohne musikalische Beschallung und steht bei mir auf einer Stufe mit "Cambas" Ananas-Grapefruitbier "Pale Ale". Simcoehopfen scheint der Schlüssel zur spritzigen Fruchtigkeit zu sein. Der Profi spricht auch von "opalisierender Optik". Yeah! Ich werde morgen nochmal zur Quelle dieser Gaumenfreude pilgern und meinen Lagerbestand aufstocken. Sommer hin oder her...

Samstag, 21. April 2012

Braukunst Live! 2012 - Ein Muss!

Wie hier bereits angekündigt, tobt dieser Tage der Hopfen- und Malz-Bär beim "Braukunst Live!" Festival im Münchner MVG-Museum. Ich war am gestrigen Freitag schon dort und darf zuallererst mein Fazit loswerden: HINGEHEN und GENIESSEN!
Eineinhalb Jahre haben Frank Böer und sein Team von einer fixen Idee während einem Gang über den Viktualienmarkt bis zur Eröffnung ihres Bierkulturfestivals gebraucht. Das Ziel war eine Bühne für eine Szene zu bieten, die sich im Aufbruch befindet. Ich finde, diese Bühne steht bei ihrer Premiere schon äußerst passabel da - die Erfahrungen mit "Finest Spirits" haben sichtbar geholfen. Die ganz großen Big Boys der Bierbranche sind nicht zugegen - die kennen wir ja schon. Aber ab "Hofbräu" und "Schneider Weiße" abwärts ist ein bemerkenswert vielfältiger, auch international angehauchter Querschnitt in der großzügigen Museumshalle versammelt.
 Frank Böer
Aber wo den Rundgang anfangen? Ich empfehle eine Orientierung an Stand Nummer 1 bei "Braufactum" mit ihren zehn selbstgebrauten und weiteren 25 (!) handgemachten Topbieren aus z.B. Italien und den USA. Unverzichtbar ist auch ein Versucherle bei "CREW AleWerkstatt" und den belgischen Freunden gleich um die Ecke. Ein nagelneues Holzfass (ohne Füllung) lässt sich ebenso bestellen wie ein ganzes hölzerens Sortimentstragerl bei "Camba Bavaria" aus dem malerischen Truchtlaching. Unbedingt probieren: Im Bourbonfass für 9-12 Monate gereifter, öliger Doppelbock mit fetten Röst- und Karamellaromen. Dann schnell rüber zum "Hofbräu". Dort wurde eigens das Festivalbier Zweifach gehopfter Hallodri mit appetitlicher Nase nach grünen Aprikosen und angenehm ausgewogener Hopfennote gebraut. Ein Sixpack zum Mitnehmen gibts auch. Dann noch schnell zur "Braustelle Köln" und das McHeath's Murder Malt Cal. 45 aus dem Single Malt Cask verkostet. A propos Single Malt. Die Ergebnisse des Beer Goes Barley-Projekts gibts auch noch zu bestaunen. Dazu begebe man sich ans Ende der Ausstellerfläche zu den Whisk(e)yspezialisten von "C&S Dram", "Glenglassaugh", "Coillmor", "Munich Spirits" und "Mike's Whiskeyhandel". Und bevor man sich im Probieren, Degustieren vollends verliert, macht ein Stop beim Festivalshop und der Kauf einer der letzten 1000 Flaschen des superlimitierten und eigentlich längst ausverkauften "TAP X" von "Schneider Weisse" Sinn.

frisch gezapft
 
Biergespräche
Angebot von "Camba Bavaria"



Deandl mit Dirndl
Spezialisten unter sich an der "Braustelle"
 





Schirmherr Prof. Wurm von "Bierconvent" und Dr. Möller vom "Hofbräu"
 




Hopfensorten
 

 
So, hier noch ein Hinweis zu den Festival-Master Classes, dem begleitenden Vortragsprogramm, bei denen es dann doch wieder um Hopfen, Malz und Reinheitsgebot geht...