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Donnerstag, 12. Mai 2011

Rye Whisky aus Österreich

"Rye whisky, rye whisky,
Rye whisky, I cry,
If you don't give me rye whisky,
I surely will die."


Den wunderbaren, traditionellen Song namens "Rye Whiskey", aus dem die obigen Zeilen entnommen wurden, intonierte zuletzt Herr Nick Cave (mit seinen Bad Seeds). Ein Werk, das mir immer wieder in den Sinn kommt, wenn ich mir einen abendlichen American zu Gemüte führe. Angesichts der
derzeitigen Bezugsprobleme auf dem Rye Whiskey-Markt in Europa (Einer der größten deutschen Onlinehändler stellte kürzlich für Juni/Juli 2011 die Wiederverfügbarkeit von "Rittenhouse 100" in Aussicht.) fiel mir der österreichische Anbieter "Destillerie J. Haider" mit seinem "Waldviertler Whisky" aus Roggenreuth ein. Der bietet nämlich verschiedene Rye Whiskys an. Und so gingen mir bald folgende Proben zu, die ich mit einigen Kennern verkosten konnte:"White Whisky - Rye Malt" (L RM 08, 41% Vol.): Anfänglich leichtes Getreide, dann überwiegt Fruchtaroma von Birne und Apfel; Auf dem Gaumen süß und gefällig mit leichten Fassnoten; Mehr Obstbrand als "White Dog"; Der "White Whisky" ist m.E. ein un- oder nur sehr kurz gelagerter "Original Rye" (s.u.) - Ein Holzfass hat er zumindest nicht von innen gesehen. Keiner der Tester hat vorher einen Rye-"White Dog" probiert, daher war ein substantiierter Vergleich nicht möglich.


"Original Rye-Whisky" (L 19/05, 41% vol.): Deutliche einladende Getreidenase; malzig und bittersüß, dann etwas flacher, würziger Abgang; Österreichs erste Whiskydestillerie verwendet hier eine Mischung aus 60% Roggen- und 40% Gerstenmalz in der Maische im Gegensatz zu U.S.-amerikanischen Mashbills, die das Getreide bei Bourbon ungefähr im Verhältnis 80-10-10 (Mais-Roggen-Gerstenmalz) und beim Rye im ungefähren Verhältnis 51-38-11 (Roggen-Mais-Gerstenmalz) mischen.

"Pure Rye Malt" (L 10/05, 41% Vol.): Süßes Malz und Blütenhonig; Honigsüßer Auftakt mit leichter, gut eingebetteter Roggenwürze; Leichtes Finish; Das einzig vergleichbare Produkt ist der "Old Potrero"-Rye aus San Francisco, wo - wie hier - 100% Roggenmalz zum Einsatz kommt. Haider verwendet für seinen "Pure Rye Malt" allerdings nur hell bzw. normal geröstetes Malz. Der "Old Potrero", der derzeit in Europa lediglich als 2-3jähriger allerdings mit Alkoholstärken um 63% Vol. erhältlich ist, hat mehr süße Schokoladentöne und wirkt zudem körperreicher und fetter.

"Special Rye Malt 'Nougat'" (L 7/05, 41% Vol.): Leichte Nase; Milchschokolade und (Überraschung!) Nougat vor dem frühen, bittersüßen Roggenabgang; Hier kommt dunkel gemälzter Roggen zum Einsatz. Wiederum ohne die Beigabe anderer Getreidesorten. Einer der Tester meinte, er würde nie einen Whisky mit dem Namenszusatz "Nougat" kaufen.

Noch ein paar Infos: Die Fässer aus Manhartsberger Sommereiche (=Traubeneiche) werden maximal dreimal befüllt. Vor dem ersten und dem dritten Befüllen - mit rund 60%igem Destillat - werden sie vom Fassbinder besonders stark ausgebrannt. An der Losnummer lässt sich die Lagerdauer ablesen. Eine aktuelle Abfüllung aus 2011 mit L-Nr. 7/05 war demnach rund 6 Jahre im Eichenfass. Die erste Zahl bezieht sich übrigens nicht auf den Herstellungsmonat, sondern auf die fortlaufend nummerierten Brennvorgänge (hier also 7. Brand in 2005).

Fazit: Das Echo der Tester war zwiespältig. Während der eine oder andere von der Existenz des österreichischen Roggens überrascht war und der Sache offen gegenüber stand, ließen andere ihre Skepsis gegenüber GSA-Whiskies durchblicken. Begriffe wie "typischer Bierbrand" u.ä. wurden genannt. Auch das Packaging in obstbrandtypischen, schlanken 0,35l- und rustikalen 0,7l-Flaschen fand wenig Zuspruch.

Ich finde, dass diese Roggenbrände zum einen sehr saubere Produkte sind (Dem einen sind sie "zu sauber", dem anderen wiederum "zu flach"). Dass es sich nicht um Ryebomben handelt, die gegen die großvolumige Konkurrenz aus den USA, wo in der Regel kein Roggenmalz, sondern eben ungemälzter Roggen, der einen "härteren" Whiskey ergibt, und ein Großteil Mais in die Maische kommt, "anstinken" können, war fast zu erwarten. Dass Haiders feine Roggen im Kreis von Maltfreunden durchaus Gefallen finden, ist vorstellbar. Für klassische Whiskeycocktails, die nach einem stabilen und höherprozentigen Rye verlangen - wie z.B. Manhattan, Sazerac oder Brooklyn - wäre mir der Österreicher zu filigran. Ich würde mir also einen stärkeren "Waldviertler" wünschen. Ein "Nougat" mit einem Alkoholgehalt von 46-50% Vol. und durchaus mit mehr Körper und Tiefe (Warum nicht mit einer Mais-Roggen- oder Roggen-Roggenmalz-Mischung?). Dass der Betrieb der Familie Haider dazu im Stande ist, ist für mich zweifelsfrei der Fall.

In der "Selections"- und der Fassstärkenreihe sind Abfüllungen mit 46% bzw. über 50% Vol. erhältlich. Einen hochprozentigen Rye habe ich im Onlineshop allerdings vermisst. Neben den bereits erhältlichen Ryes und Single Malts wird ab Juni auch ein getorfter Malt erhältlich sein.

Ich darf Frau Haider für die zur Verfügung gestellten Informationen recht herzlich danken.

Hinweis: Eine 0,2l-Flasche des "Original Rye-Whisky" wurde mir von der Destillerie J. Haider kostenlos übersandt.



Mittwoch, 29. September 2010

Whiskeybier, Jahrgangsrhum und der schwarze Jim

Nach dem anstrengenden Besuch des BCB 2010 möchte ich mal wieder auf einige Produkte und Besonderheiten hinweisen, die meines Erachtens ganz und gar erwähnenswert sind.

Da ist zum einen die sogenannte "Whiskey-Weisse" von der Brauerei Hösl in Mitterteich (Oberpfalz). Das nach dem bayerischen Reinheitsgebot hergestellte Weißbier (5,6% Vol.) wird unter Zusatz von "Whiskeymalz" zum sortentypischen Weizenmalz gebraut, was laut Infotext zu einer "angenehm torfigen, rauchigen Note" führen soll. Meine Beobachtungen ergaben, dass aus der (leider) standardisierten Industrieflasche ein bernsteinfarbenes Gebräu läuft, dass aufgrund seines wohl etwas höheren Kohlensäuregehalts zu einer schönen, großporigen Schaumkrone führt. Die Hefe fällt in mittelgroßen Partikeln auf den Glasboden. In der Nase zeigt sich keine große Auffälligkeit. So viel wird aber schon verraten: Wir haben es definitiv mit einem würzigen Weißbier zu tun. Dieser Eindruck setzt sich fort. Die "Whiskey-Weisse" ist ein kerniger Kumpan, der
vollmundig und dabei nie süß oder übermäßig malzig seinen Mann steht. Das Whiskeymalz sorgt offensichtlich für den Zugewinn an Würze, welche aber bestens eingegliedert ist und das stimmige Gesamtbild dieses stilistisch eher altbayerischen Weißbiers ergibt. Meine Nachfrage zum einen oder anderen Detail wurde vom Hersteller leider nicht beantwortet.

Ein besonders interessantes Preis-Leistungsverhältnis bietet die Abfüllung "MG 2003 Rhum Agricole" (49,0% Vol.) der Destillerie Bielle von der französischen Karbikinsel Marie-Galante, die neuerdings beim Kaufhaus Manufactum für 29 EUR zu haben ist. Die aktuelle Abfüllung "Bielle Rhum Vieux Brut de Fut Vintage 2003" mit 56,2% Vol. kostet im einschlägigen Onlinehandel rund das Drei- bis Vierfache. Und um es kurz zu machen: Der Manufactum-Rhum ist eine Wucht. Neben feingliedrigen Jahrgangsagricoles wie dem "Trois Riviers Single Cask 1997" oder dem "La Mauny 1998" stapft der Kaufhaus-Bielle mit großen Schritten ins Zimmer und läßt sich dort erstmal nieder: Gekommen um zu bleiben! Die helle Bernsteinfärbung täuscht über die Power etwas hinweg.
Schon das Aroma mit Vanille, etwas Honig und fruchtigen Anklängen verspricht eine besondere Vehemenz, die dann am Gaumen mit viel Aprikose nebst Süße und den angekündigten Bourbonfässern, die denen sich das Destillat sieben Jahre aufgehalten haben soll. Wer einen anspruchsvollen Agricole zu fairem Preis sucht, sollte es mal hiermit probieren.

Da mir kürzlich eine Flasche Jim Beam "Black" in die Hände fiel, deren Abfüllung mind. 4-5 Jahre zurückliegt, wollte ich die Erfahrungen einiger Mitstreiter und meiner selbst damit kundtun. Der "Black" hat eine bewegte Geschichte. Vor rund 12 Jahren kam er schon als 8-years-old mit 45% Vol. ins - zumeist amerikanische - Barregal. Dann wurde er als 7-years-old abgefüllt (ca. 2000) um anschließend wieder als 8-years-old allerdings mit 43% Vol.verkauft zu werden (bis ca. 2008). Nun ist er seit geraumer Zeit als aged-to-perfection ebenfalls mit 43% Vol. unterwegs. Eine solche
aktuelle Abfüllung wurde von einem kleinen Kreis eingeschworener Bourbonen dieser Tage mit dem direkten Vorgänger verglichen. Das Ergebnis: In beiden Testgläsern befand sich ein verdammt guter Bourbon! Die Eichennoten und eine direkte Süße haben beide Abfüllungen inne. Auch der lange Abgang mit Vanille ist typisch für den "Black". Der "Ältere" zeigt aber eine Spur mehr Komplexität und Fass. Wirklich "A Kentucky Classic" (Jim Murray´s Whisky Bible).

Update - Hier eine der aktuellen U.S.-Flaschen:

Noch ein Update: Seit einigen Wochen ist in Deutschland eine neue Ausgabe des "Black" erhältlich. Der Nachfahre der oben bezeichneten "Blacks" kommt im neuen Flaschengewand und nennt sich nun "Jim Beam Black - Triple Aged" mit dem Zusatz "aged 6 years" (vgl. U.S.-Version "double aged - 8 years"). Das nennt sich dann "Premium-Design". Eine Verjüngung im wahrsten Sinn des Wortes...