Zunächst war es einfach nicht möglich den Termin zu "vergessen". Die gesamte Weltelite der Mixologen und sonstigen Experten verkündete via Fb "...on the way to India/Delhi". Aha. Schön zu wissen. Einige der Fachleute hielten die Daheimgebliebenen zudem online auf dem Laufenden. Besonders hervorgetan hat sich dabei ein gewisser Jörg Meyer aus Hamburg. Auch aufgrund seiner penetranter Art der Berichterstattung blieb kein Detail verborgen. Ich darf auf die hier hinterlegten Links verweisen... (Danke Jörg!)
Die Frage "Was ist die "World Class"?" sollte also hinreichend geklärt sein. Interessanter erscheint mir "Was bringt uns das Ganze?" oder "Was bleibt von der Party?". Nun, da lohnt ein Blick zurück. Im Finale 2010 standen sich 24 (jetzt sogar 32 - aus 34 Ländern) Bartender gegenüber. Diese hatten wie 2011 auch in verschiedenen "Disziplinen" gegeneinander anzutreten. Gewinner des Titels "World Class Bartender Of The Year 2010" wurde der Londoner Erik Lorincz. Zusammen mit Simon Difford's "Odd Firm Of Sin" entstand ein - wie ich finde - besonderes Buch mit dem Titel "Search For The World's Best Bartender 2010", das die Veranstaltung mit allen Rezepten und Infos zum Wettbewerb wiedergibt. Die dort enthaltenen Hinweise zu Trends oder auch einfach die ein oder andere Idee zu einem guten Drink, sind die Sache doch irgendwie schon wert. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon wieder auf die "World Class 2012" und ihren umfangreichen Vorlauf und kann diese Veranstaltungsreihe nur jedem empfehlen, der sie bisher nicht besucht bzw. an den Wettbewerben teilgenommen hat.
Im Vorfeld des Barconvent in Berlin rief dieser Tage der Vertrieb des Spiced Rums "Sailor Jerry", der erst kürzlich einen Relaunch in Sachen Rezept und Label erfahren hat, zu einem Blog Battle auf. Unterstützung gab es dazu von Herrn Meyer aus Hamburg und dessen persönlichem Netzwerk.
Nicht nur, dass die böse, böse Industrie einen bislang unbescholtenen Bürger des Barlandes Deutschland für ihr Profitstreben missbraucht hat, ist geradezu kriminell. Nein - viel schlimmer noch: Ich selbst ließ mich mit einer Freiflasche Sailor Jerry ködern und beteilige mich nun darselbst an diesem perfiden Spiel! Die Vorgabe, einen "Beyond Tiki"-Drink zu kreieren, möchte ich mit der folgenden Rezeptur mehr oder weniger erfüllen. Dabei war es gar nicht so einfach der fragilen Struktur des neuen Sailors Genüge zu tun und trotzdem zu einem halbwegs vernünftigen Tikitrunk zu kommen. Der nun schon nicht mehr so neue Autentico bot sich mit seinen feinwürzigen Kräuter und der Vanillenote meiner bescheidenen Meinung nach an. Mein Versuch nennt sich...
Rocket Fuel
6cl Sailor Jerry Spiced Rum 1,5cl Galliano l´Autentico 42,3° 1,5cl Cointreau 2cl Limettensaft (frisch gepresst) 1cl Falernum (Forgotten Flavours)
shake & strain auf solide Eiswürfel in Tumbler/DOF, Deko: Minzspitze
(Als Rocket Fuel bezeichnet Tiki-Ikone Beachbum Berry die alte Version des Sailor Jerry in seinem mehr als empfehlenswerten Buch "Remixed - A Gallery Of Tiki Drinks" - SLG Publishing, 2010.)
Bei der Gelegenheit ergab sich nebenbei noch die folgende Kreatur, die sozusagen außer Konkurrenz die Leser dieses Blogs zu Eigenkreationen animieren soll:
Roughneck
6cl Sailor Jerry Spiced Rum 2cl Galliano l´Autentico 42,3° 2cl Limettensaft (frisch gepresst) splash Ginger Beer (Fever Tree)
shake 1-3 & strain auf solide Eiswürfel in Longdrink, Ginger Beer hinzugeben, Deko: Limewheel;
Über den genauen Verlauf der "Sailor Jerry Bartenders´ Night - East Meets West - Beyond Tiki" und den Ausgang des Battles wird hier natürlich ausschweifend berichtet... UPDATE:
Ah, hier sind schon die Ergebnisse des Blog Battle. Vielen Dank an alle an der Vorbereitung und Durchführung des Wettbewerbs beteiligten Personen, speziell Herrn Meyer und Jerry himself (God Bless You All!). Ich denke auch Platz 4 läßt sich nexte Woche gebührend anfeiern...
Zunächst mein Dank an Herrn Meyer, der mir zuvor gekommen ist und "Alambic´s Special Islay Gin" bereits umfassend gewürdigt und empfohlen hat - gleiches gilt dem Ginologen. Ich kann mir daher und unter Hinweis auf die offiziellen Informationen des Vertriebs eine Menge Tipperei sparen und brauche nur noch meine Eindrücke zu schildern und ein paar Randnotizen anfügen.
Bekanntlich handelt es sich um einen in Schottland hergestellten Gin, der zunächst 10 Jahre in einem Eichenfass und dann noch 2 Jahre in einem Ex-Port Ellen-Fass lagern durfte. Das Destillat wurde mit 56,8% Vol. abgefüllt. Meine Nachfrage bei der Firma Alambic Classique ergab, dass zu Hersteller und Herstellungsweise keine Informationen vorliegen. AC erwarb das Produkt vielmehr von einem Zwischenhändler (zusammen mit einigen Fässern Single Malt) als einmalige Rarität ohne weitere Vorkenntnisse dazu. Herr Suppanz von AC vermutet, dass es sich um ein Versuchsobjekt einer renomierten Destille handeln könnte, die den Inhalt des Fasses nicht unter ihrem Namen vermarkten wollte. Ich denke, im Fall von Single Malts, die unabhängigen Abfüllern verkauft werden, ist dies eine gängige Praxis.
Nun möchte ich mich in diesem Fall nicht an Spekulationen beteiligen, denn das Hier und Jetzt ist aufregend und spannend genug. Die Katze im Sack entpuppt sich als schnurrendes Kätzchen von goldgelber Farbe, das nach Kräuterhonig, Apfelsüße und Citrus duftet. Torfrauch und Süße begleitet von Jod machen den Anfang auf Zunge und Gaumen bevor der Wacholder immer deutlicher zum Vorschein kommt und das Ganze in einem mehr als mittellangen Abgang in weißem Pfeffer endet. Komplex. Cracker!
Als Vergleichsobjekte würden sich - fassgelagerter Gin ist nun wirklich eine seltene Rarität - vielleicht "Citadelle Réserve Gin" (44% Vol., Frankreich) und "Seagram´s Distiller´s Reserve Gin" (51% Vol., USA) anbieten, die meines Wissens zumindest einige Monate in Eichenfässern verbringen. Ich finde aber, dass beide ihre Wurzeln als Dry Gin, im Gegensatz zum Islay Gin, nicht verleugnen. Ein genauerer Vergleich ist also unsinnig.
Zum Vermixen ist "Alambic´s" viel zu schade. Der Begriff Sipping Gin drängt sich förmlich auf und damit auch ein Verweis auf den Sipping Genever "Houlle Genievre De France Flandre-Artois" (49% Vol.) der Distillerie Persyn im Pas De Calais. Ja, dieser Hollands ist ein Franzose. Die drei im Norden Frankreichs noch verbliebenen Genievredistillerien fallen oft unter den Tisch oder werden - wenn überhaupt - nur in einem Halbsatz gewürdigt. Der Genievre hat einen leichten Gelbstich. Seine frischfruchtige Malznase macht Appetit auf süße, äußerst angenehme Holz- und Malzaromen in die der Wacholder eingebunden ist. Mittellanges Finish. Trotz der Alkoholstärke ist der Stoff nicht aufdringlich oder unrund. Den Deutschlandvertrieb hatte bislang die Firma Manufactum inne. In deren Onlineshop war das Produkt nach einem Abverkauf aber zuletzt nicht mehr gelistet. In den Ladengeschäften gibt gab es zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags noch Restposten (reduziert auf ca. 30 EUR/0,7l).