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Sonntag, 1. März 2015

Finest Spirits 2015 - Ardbeg-Ceò-Schmarrn und Whiskyweißwurst

Messebesucher 1: "Ich bin bei Ardbeg und Glenmorangie auf der Blacklist und bekomme nicht mal mehr Infomails."

Messebesucher 2: "Sei doch froh!"

(unbemerkt belauschte Unterhaltung auf dem Spirituosenevent Finest Spirits)

Kehraus in München. Wie dem Leser hier vollmundig versprochen wurde, darf ich einen kurzen Messebericht von der Finest Spirits 2015 vorlegen.

Beginnen wir mit dem Thema Rum, welches dieses Jahr besonders forciert werden sollte. Dazu hatte der Veranstalter einen eigenen Barstand aufgebaut. Da gleich daneben die Münchner Barschule und der Spirituosenhändler Barfish ebenfalls gemixte Drinks anboten, verlor sich manche Besucherin / mancher Besucher in einem geschüttelten bzw. gerühreten Bermudadreieck. Für besonders Wahnsinnige Trinkfreudige hatte gegenüber Mike Werner seine Whiskeybar aufgebaut und verzückte dort mit neuen Bourbons und Ryes aus den USA und Canada - aber auch Old-Fashioneds und Manhattans wurden feilgeboten. Yeah!
 
Aber wir wollten ja über Rum reden. Das gelang den drei Herren vom Berliner Rumdepot offenbar besonders gut, die neben ihrer Eigenabfüllung und einigen süffigen Zuckerrohrbränden auch mit wohlschmeckenden Preziosen aus Japan aufwarten konnten. Wenn mir da nicht mancher Maltman abtrünig geworden ist. Gefehlt hat mir der Rum im Tasting- und Masterclassprogramm aber dann schon a bisserl. Von fast 50 Terminen befassten sich ganze sechs (!) mit Rum - die drei Vorträge zu Havana Club in der Chivas-Tram mitgerechnet. Ansonsten ging es je einmal um Appleton, Zacapa und Ron Aldea - zumindest letztere Marke ist neu auf dem deutschen Markt. Die ersten beiden kommen mir bekannt vor.
Noch was zu den Masterclasses. Die Eintrittspreise liegen mit 20 bzw. 35 EUR für ein Ein- oder Zwei-Tages-Ticket auf normalem Niveau - in München. Für Tastings und Vorträge darf man dann aber jeweils noch 10 bis 23 EUR extra drauflegen. Das mag für drei bis fünf Whiskies gut angelegt sein. Wenn der Vortrag dann aber in die Hose geht, weil der Referent (hier vom Cadenhead-Shop in Köln) akustisch nicht zu verstehen ist und er seine Flaschen nicht so präsentiert, dass auch alle sehen, was sie da im Glas haben, ist das schlicht unprofessionell.
 
(Vodka und Gin aus deutschen Landen)
Weiter bestens vertreten waren aber auch klare Brände. Aufgefallen sind mir dabei besonders positiv der gschmackige Vodka Vodrock aus dem schönen Niederbayern (ich sage nur Awaloff-Verfahren), der frische, citruslastige Bodensee Dry Gin von Senft und die beiden brandneuen maritimen Gins namens Marlin und Orca aus dem Hause Charles Hosie, die von Brennmeister Mario Gallone entwickelt wurden und in Kürze auf den Markt kommen. 26 Botanicals (u.a. Zedernholz) und One-Shot-Verfahren - klingelts? Na, dann sind Sie ja ein richtiger Nerd. Aber Gin war das Messethema 2014.

Lobenswert waren die Trinkwasserspender, die der Veranstalter aufgebaut hatte. Gleich daneben standen die Abwasserbehälter und rund um diese lebenswichtigen Stationen bildeten sich regelmäßig kleine Seenlandschaften. Die Crew hatte das aber im Griff - niemand ertrank. Vielleicht gibt es nächstes Jahr einen Mineralwassersponsor.
 

So, das wars schon. ...Ach, jetzt hätte ich fast noch die weltbewegende Präsentation von Ardbeg Ceò (sprich: Keo) vergessen. Das sah so aus: Staunende Whiskyheads stehen in einem Raucherpuff und saugen mit Trinkhalmen aufgedampften Islaymalt in sich hinein. Die nette Dame dort leiert ihren Text von Infrarottechnik etc. runter kann das Verfahren aber auf Nachfrage "nicht genau erklären". Ob die anfällige Technik, die nicht zum freien Verkauf angeboten wird, sondern nur in ausgewählten Bars zum Einsatz kommen soll, bis Messeschluss zumindest noch aus einem Schlot gequalmt hat, ist mir nicht bekannt. Hat nicht schon jemand so ein Apparillo bei Ebay angeboten? Für 1200 EUR? - Nein? Dann muss ich mich getäuscht haben. Mehrere Tester gaben mir gegenüber und voneinander unabhängig ihr Urteil mit "Schmarrn" ab. Diese Bayern eben.
Und gleich noch eine Obskurität. Diesmal vom Branchenprimus Diageo. Dort gab es eine verwegende Mischung aus Talisker, Sauerkrautsaft, süßem Senf und noch so allerlei aus Miniweißwurstschüsselchen zu verkosten. Was solo ziemlich beknackt schmeckte und übel roch, funktionierte mit Weißwurst und Breze als Senfersatz leidlich gut. Mancher verzog auch hier das Gesicht. Aber gut: Die Rezeptur hat ein Österreicher entwickelt. Felix Austria!

Hier noch ein paar Impressionen... 



(Ein Vip-Stand mit Absperrbanderl von... )

(Mein besonderer Dank geht an Willi Lettmair für die Unterstützunng in Sachen Fotografie und Trink-Know-How).

Montag, 21. Mai 2012

Tullamore Dew - Glasses Up @ Wasserwerk

Im Münchner Wasserwerk trafen sich gestern Mike Tobin, seit kurzem Brand Ambassador für "Tullamore Dew" in Deutschland, und zwei Handvoll Barkeeper und Gäste zu einem kleinen Whiskeytasting. 

2012 wird für "Tullamore Dew" wohl irgendwie ein Neuanfang. Seit 1950 wird der Stoff nicht mehr in einer eigenen Destillerie hergestellt, sondern von anderen irischen Herstellern eingekauft. Damit soll bald Schluss sein, denn nach dem Kauf der Marke durch "William Grant Sons" (Glenfiddich, Hendrick's, etc.) wird noch dieses Jahr mit dem Bau einer neuen Destillerie in Tullamore (erster Whiskey von dort ab ca. 2020) begonnen - unter höchsten ökologischen Vorgaben übrigens. Auch das Heritage Centre wird bereits renoviert. Zugleich wandert der Vertrieb in Deutschland zu "Campari", da sich der bisherige Partner "Beam Global" den Mitbewerber "Cooley" gekauft hat, und ein neues Packaging mit mehr Konzentration auf "DEW" (= Daniel E. Williams) wird auch noch eingeführt. Der allseits beschworenen (Wieder)Belebung des Marktes für irischen Whiskey steht also nichts mehr im Wege.
Entwurf der neuen Distillery und neues Packaging
 
Nach Erläuterungen zur Geschichte des Irish Whiskey, Irish Coffee, der Schreibweise und einigen touritischen Tips starteten wir das Tasting mit dem "Tullamore Dew Original", der aus drei verschiedenen Whiskeys geblendet wird: Pure Pot Still, Malt und Grain. Der Stoff wird mindestens 3 Jahre gelagert und hat eine klare Vanillenase mit etwas Citrus. Am Gaumen überzeugt er mit leichter Würze und ist - wie erwartet - rund und gefällig.
  
An zweiter Stelle im Tasting kam mein persönlicher Favorit der "10 Year Old Single Malt", der seine Reifezeit in vier Fassarten (Bourbon, Madeira, Portwein, Sherry) verbringt. Trockenfrüchte und durchaus reife Fasaromen sind das Resultat. Ein komplexer Malt, der zupackt. Ich würde mir hier allerdings eine Version mit mind. 46% Vol. wünschen.
Den Abschluss bildete der dritte in Deutschland (Es gibt weitere Abfüllungen u.a. für die USA und das Heritage Centre) erhältliche "Tullamore", der "12 Year Old Special Reserve". Dieser besteht wieder aus drei Grundwhiskeys, wobei der Pure Pot Still-Anteil überwiegt. Gelagert wird in 2nd Fill Bourbon- und Sherryfässern. Beschreiben lässt er sich als ebenfalls komplexer Irish, den besonders seine Christmascake-Gewürze auszeichnen. Alle drei sind meiner Meinung nach nicht zu unterschätzende Abfüllungen, die aber auch niemandem weh tun.
 
whatadrink!: Mike, Wir haben heute "Tullamore Dew" und die irischen Whiskeysorten ein wenig kennengelernt. Wie siehst Du die Chancen und Zukunft des Irish - insbesondere in Deutschland, wo "Tullamore Dew" Marktführer ist?

Mike Tobin: Punkt eins ist, dass "Tullamore Dew" eine neue Whiskybrennerei für 35 Mio. Euro baut und z.B. "Jameson" auf dem U.S. Markt viele Millionen in Werbung investiert, um dort das Irish Whiskey-Segment wieder aufzubauen. Auch "Cooley" wird weiter aktiv sein und es gibt dort Innovationen wie z.B. getorfte Single Malts. Das ergibt insgesamt ein großes Potential für Irish Whiskey. Die Iren waren mit ihrem Stoff ja schonmal so groß wie die Schotten. Im Whiskeyshop am Flughafen in Dublin gibt es rund 200 verschiedene Abfüllungen und es werden weiter neue Marken und alte Rezepte auf dem Markt erscheinen.
wad: In Deutschland hat "Tullamore Dew" derzeit drei Abfüllungen auf dem Markt. Können wir für die Zukunft noch weiteres erwarten?

MT: Der Single Malt und der 12jährige sind seit 2010 bzw. seit letztem Jahr zu haben. In den USA gab es bisher einen 12 Year Old, der aber in Zukunft länger gelagert werden soll und dann als 14jähriger auch in Europa kommt.

wad: Wo liegt der Unterschied zwischen einem irischen und einem schottischen Malt? Die Schotten verwenden nur gemälzte Gerste, oder?

MT: Stimmt. In Irland gibt es zum einen das Signatureverfahren des "Pure Pot Still". Zum anderen verwenden wir gemälzte und ungemälzte Gerste. Und außerdem wird unser Malt dreimal in der Pot Still gebrannt.
Zum Abschluss konnte Mike noch ein paar neuentwickelte Signaturedrinks vorführern. Hier die Rezepte:

Glasses Up!
4cl Tullamore Dew Original
1cl Agavensirup
2,5cl Apfelsaft (naturtrüb)
5cl Zitronensaft
1 Dash Peychaud's Bitters
3cl Champagner
Die ersten 5 Zutaten geshakt und in Champagnerglas mit Vanillezuckerrand strainen und mit Champagner aufgießen. Deko: Zitronenspirale

Brian Ború
5cl Tullamore Dew Original
1,5cl roter Vermouth (Martini Rosso)
0,5cl Maraschino (Luxardo)
1 Dash Orange Bitters
1 Dash Angostura Bitters
Rühren auf viel Eis und im Martiniglas mit Zitronenzeste (abspritzen + drop in)

Tullamore Tropic
4cl Tullamore Dew Original
1cl Limettensaft
2 Barlöffel Puderzucker
8cl Ananassaft
5 weiße Trauben
Trauben mit Zucker im Longdrinkglas muddlen, mit Crushed Ice auffüllen, restliche Zutaten dazu und umrühren. Deko: Ananas, Zitronengras, Minze

Pecannuss Sour aka Richy's Nuts
4cl Tullamore Dew Original
1 Barlöffel Aprikosenmarmelade
1,5cl Zitronensaft
1,5cl Eiweiß
2 Dash Abgostura Bitters
1 Prise Zimt
geröstete Pecannüsse
Dry Shake, dann auf Eis shaken und in Martinischale abseihen, Deko: geröstete Pecannüsse

Tullamore Cranberry
5cl Tullamore Dew Original
20cl Cranberrysaft
Zitronenschnitz (Tullamore Cut)
Im Longdrinkglas Zitronenschnitz über Eiswürfel ausdrücken, mit Whiskey und Saft aufgießen, umrühren.








Montag, 16. April 2012

Barzirkel Brew & Braukunst Live!

Thema Bier bei whatadrink!. Heute ein kleiner Vorbericht zum "Braukunst Live! Festival 2012" und ein Laborbericht aus des Barzirkels kleiner temporärer Brauerei im Münchner "Wasserwerk".

Am Vorabend des ersten Münchner Bierkulturfestivals "Braukunst Live!" trafen sich rund 20 Barkeeper und Nachwuchsbrauer im Haidhausner "Wasserwerk" zu ein paar gemütlichen Stunden rund um Bierherstellung und Bierkultur. Korbinian Stieglbauer von der "Spaten"-Brauerei führte kompetent durchs Programm, das so aussah: Unterscheidung Weißbier-Pils-Export, Bierherstellung in der Praxis, Blindtasting und weitere Bierverkostung... kurzum - Ein Kurs für Fortgeschrittene und Lernwillige.Und so wurde nach der Einführung gemaischt und geläutert, geschrotet und gespindelt was das Zeug hergab. Die Zutaten kamen u.a. von der noch brandneuen Münchner Brauerei "CREW AleWerkstatt", deren Macher sich ebenso sehen ließen wie "Braukunst Live!"-Mastermind Frank Böer. Mit Letzterem konnte ich bei dieser Gelegenheit kurz sprechen.whatadrink!: Die "Braukunst Live!" öffnet am Freitagnachmittag zum ersten Mal ihre Tore. Das Festival ist komplett neu für München, aber Sie haben über mehrere Jahre Erfahrungen mit der "Finest Spirits"-Messe sammeln können. Knapp fünf Tage vor dem Startschuss sitzen Sie ziemlich entspannt hier in unserer kleinen Versuchsbrauerei. Wie sind Ihre Erwartungen und was gibt es im Lauf der Woche noch zu tun?

Frank Böer: Die wesentlichen Vorbereitungen sind getroffen. Was jetzt im Landeanflug ist, sind v.a. operative Dinge, die es vor einer solchen Großveranstaltung immer gibt. Ich denke, wir sind ganz gut aufgestellt. Ich habe noch ein paar Pressetermine im Laufe der Woche - ansonsten ist das Business-As-Usual für uns.

Was sind die Erwartungen? Ich habe nur die Erwartung, dass wir eine Veranstaltung machen, nach der am Montag alle - egal ob Veranstalter oder Aussteller - sagen können, ok wir müssen hier und da noch was verbessern, aber wir haben einen gelungenen Erstling hingestellt und den Weg gehen wir gemeinsam weiter. Ob nun 4.000, 5.000 oder 10.000 Besucher kommen, ist gar nicht so wichtig.
wad: Zusammen mit der Süddeutschen Zeitung erscheint am Montag wieder eine Sonderbeilage?

FB: Ja genau, die erscheint morgen am 16. April bayernweit in einer Auflage von 850.000 Exemplaren und so erfahren eine Menge Leute, dass wir ein zweites Bierfest in München planen.

wad: ...neben dem Oktoberfest? Bei dem gehts ja mehr um Vergnügen, Party, Business, ein bisschen Tradition und bei manchen Besuchern um den Rausch. Bei Ihnen gehts aber um Bierkultur?

FB: Das Oktoberfest ist eine ganz andere Baustelle. Dabei ist es nunmal ein fester Bestandteil unserer Kultur. Und es geht um ganz andere Dinge. Wir plädieren für ein erweitertes Verständnis für Bier. Wir wollen für Bier als hochwertiges - und vielleicht auch mal hochpreisiges - Genussmittel eintreten. Bier ist mehr als nur ein Durstlöscher und Verbrauchsmittel.
Mario Hanel und Timmm Schnigulla von "CREW Ale" standen mir dann auch noch kurz Rede und Antwort.

wad: Die "CREW AleWerkstatt" ist Euer Baby und das ist noch ganz neu. Seit wann gibts Euch als "CREW AleWerkstatt" und seit wann seid ihr eigentlich zusammen auf neuen Bierpfaden unterwegs?

Timm: Uns gibts als "CREW AleWerkstatt" seit Mitte letzten Jahres. Unser Bier - das Crew Pale Ale gibts erst seit Januar.

wad: Auch ganz neu ist das "Braukunst Live!"-Festval am nächsten Wochenende. Ihr seid als Austeller mit dabei. Was erwartet Ihr Euch?

Mario: Also ich denke, dass die Erwartungen nicht zu hoch sein sollten. Frank und sein Team machen einen Superjob und es wird ein sehr gutes Festival werden. Wie erfolgreich es sein wird, wird man am Sonntagabend sehen. Wir wollen auf so einer Messe dem Endkunden mal eine andere Herangehensweise an Bier näherbringen. Da kann man dann miteinander reden und das Bier steht nicht nur im Gasthof auf der Karte. Zusammen mit den anderen Brauern wollen wir die Vielfalt beim Bier demonstrieren.

wad: Jetzt habt Ihr einen Biertyp am Start, der in Deutschland kaum hergestellt wird. Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen mit den in der breiten Masse doch eher konservativen deutschen Biertrinkern? Sind die offen für Neues?

Timm: Ich glaube schon, dass viele Leute für Neues sind - auch was Bier angeht. Das ist ein Thema, wo sich doch jeder gerne damit beschäftigt und auch mal rumprobiert. In Deutschland ist es aber auch so, dass die gängigen Sorten sehr stark in den Köpfen verankert sind und man schon von Kindesbeinen an auf eine Marke oder einen Biertyp eingeschworen wird. Das sind die beiden Pole, die sicher da sind. Aber auch in Bayern gibt es immer mehr Brauer, die mit neuen Sorten experimentieren und frischen Wind in die Szene bringen. Biervielfalt ist definitiv im Kommen.

Braukunst Live! 2012
MVG Museum, Ständlerstr. 20, 81549 München
Freitag, 20.4., 16-23 Uhr
Samstag, 21.4., 14-23 Uhr
Sonntag, 22.4., 13-19 Uhr

Nach zahlreichen degustierten Bieren vom ordinären Münchner Hell bis zum Bamberger Rauchbier stand an diesem Sonntag fest: Das beste Bier wird sicher unser selbstgemachtes Barzirkel Brew werden, das nun für rund vier Wochen Reifen darf... Ich bin gespannt...