"Wir brauchten früher keine große Reise,
wir wurden braun auf Borkum und auf Sylt.
Doch heute sind die Braunen nur noch Weiße,
denn hier wird man ja doch nur tiefgekühlt."
("Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" von Rudi Carrell, 1975)
Sommerzeit ist Urlaubszeit und da passt doch prima der obige Schlager aus den 70ern, als es mangels Erderwärmung und Klimawandel offenbar eine Eiszeit gab. Hm. Hier im Süden der Republik war es in meiner Kindheit, die damals grade stattfand, zumindest nach meiner Erinnerung immer schön warm. Herr Carrell, der aus den Niederlanden stammte, sang wohl über das Wetter im nördlicheren Teil Deutschlands. Aber egal.
Da wir unseren Flug nach Mauritius (oder waren es die Malediven? Malle?) verpasst hatten, gings eben eben auf die malerische Nordseeinsel Texel nord-östlich von Amsterdam. Schafe, Krabben, Kartoffeln, Dünen, Seehunde, Strand und Sonne. Und Kruidenbitter. Und Gin.
Ja, jede noch so popelige Stadt/Region, die auf sich hält, kann mindestens einen regionalen Wacholdergeist vorweisen. So ists auch auf Texel, wo die Stokerij Texel einen Kartoffelwodka mit Preiselbeeren, einen Gin (auch auf Kartoffelbasis) mit Sanddorn und Holunderblüten und einen Kruidenbitter im Portfolio hat. Wer die Ginhistorie kennt (in jedem Gintasting wird sie schließlich vermittelt) weiß, dass das Zeug (Stichwort: Genever) aus den Niederlanden stammt. Der Texel-Gin namens TX Gin (1l ca. 43 EUR) ist aber ein London Dry mit 40% Vol., der nichts anderes als ein fein gemachter, balancierter Gin ist, der auch mit einem (Dry) Tonic noch die Orangennoten des Sanddorns vermittelt. Prima! Ein paar Fässer Gin werden übrigens von den Kameraden der Tres Hombres (wad! berichtete) auf ihrem Segelschiff durch die Gegend geschippert, um so Ocean-aged TX Gin zu produzieren. Bezugsscheine können schon erworben werden.
Der TX Scheepsbitter (30 % Vol., 0,5l ca. 19 EUR) benamste Kräuterbitter ist ein für seine Gattung recht leichter Likör, der relativ süß startet, aber dann ein feines Kräuterspektrum bietet. Mehr ein Aperitif als ein Afterdinnerdrink.
Wem der reizende NL-Weißwein von De Kleine Schorre (allerdings vom Festland) zum zappelfrischen Texelfisch suspekt ist, der klammert sich gern an die Flascherln aus der Texelse Bierbrouwerij - sprich: der örtlichen Craftbierbrauerei. Dort und in den Getränke- und Supermärkten werden rund 10 verschiedene Bierchen vom 6%igen Wit namens Skuumkoppe über Red Ale und IPA bis zum Stormbock mit 10% Vol. angeboten. Allesamt sind das runde, sehr gut gemachte Biere, für die ein Preis ab 1,60 EUR für 0,3l aufgerufen wird. Craft eben. In unseren Breiten ist davon nur eine kleine Auswahl erhältlich, besser man bestellt gleich direkt bei den niederländischen Shops.
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Dienstag, 22. August 2017
Montag, 11. August 2014
Kommen Sie zum GRF! (German Rum Festival)
"...in Berlin im Bauch der Welt
(aus "Bundestagswahl" von Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung, 2014)
und der Nabel heißt: Berlin-Mitte..."
(aus "Bundestagswahl" von Rainald Grebe und das Orchester der Versöhnung, 2014)
Das GRF. Kennen Sie das GRF? Wenn nicht, sollten Sie es kennen lernen. Das GRF ist das German Rum Festival, das dieses Jahr schon zum 4. Mal im schönen in Berlin stattfindet. Wenn Sie ein aufmerksamer Leser dieses Blogs sind, dann wissen Sie das, denn ich habe schon öfters darüber berichtet.
Was gibt es also Neues in 2014 beim GRF, dass das gleich einen Vorabankündigungsbericht rechtfertigt? Nun, das GRF hat eine sehr aufmerksame PR-Abteilung. Dieser ist whatadrink! nicht entgangen. Gute Agentur. Außerdem stehe ich beim GRF nicht auf der schwarzen Liste. Auch gut, denn deshalb gibt es für Sie, werter Leser, exklusive Wochenend-Tickets für das GRF:
2-Tages-Tickets für das German Rum Festival 2014 für 21,50 EUR statt 34 EUR (bitte hier klicken)!
Aber das war noch nicht alles! Hier werden bis zum Sonntag, 28.09.2014, 24 Uhr, auch noch 2x zwei Eintrittskarten für das GRF verlost. Was müssen Sie dafür tun? Ganz einfach. Sie schreiben die Antwort auf folgende Preisfrage per Email an die angeführte Emailadresse und geben zusätzlich Ihren Namen und Ihre Postanschrift an. Und schon winkt das Glück...
Preisfrage: Was ist Clairin? (Die Lösung bitte an... )
Update: Das Preisauschreiben ist vorbei - Die glücklichen Gewinner wurden benachrichtigt!
Update: Das Preisauschreiben ist vorbei - Die glücklichen Gewinner wurden benachrichtigt!
So und jetzt noch der Hammer! Sind Sie Barkeeper oder Barmaid? Oder Barmann oder Barfrau? Auch Barback (das ist der fleißige Helfer vom Barkeeper/in) geht grade noch. Dann sind Sie richtig beim Cocktailwettbewerb BOTUCAL GERMAN TOURNAMENT. Yeah! Bewerben Sie sich bis 30.8.2014 - in Worten: dreißigsterachterzweitausendvierzehn - an und fahren Sie zum Finale nach Berlin (natürlich beim GRF) und gewinnen Sie Geld, Reisen und ein sorgenfreies Leben!
Habe ich zuviel versprochen? Ach, ich hab ja gar nix versprochen. Im Ernst: Das GRF ist ein lohnendes Ziel für Freunde des Zuckerrohrbrandes, des gemischten Cocktailgetränks und überhaupt ist (wie Dieter Thomas Heck immer sagte) Berlin immer eine Reise wert! (oder auch nicht).
Montag, 7. Oktober 2013
3rd Berlin Rumfestival 2013 - An Explosion!
"Das ist dieses Jahr explodiert", wirft mir Deutschlands Rum Ambassador und Kopf des Berliner Rumfestivals, Dirk Becker, kurz rüber, als ich ihn am Samstagabend auf den Besucherandrang seiner 2011 gestarteten Consumermesse anspreche. Und schon ist er wieder weg. Arbeiten.
Das 3rd German Rumfestival Berlin 2013 war definitiv ein Erfolg. Nicht nur für den Organisator und sein vielköpfiges Team, sondern auch für mich, da ich nur zum Trinken, Reden und Staunen in die Hauptstadt gereist war. Entspannung also bei vielen Tastings und Vorträgen, die alle ohne Aufpreis besucht werden konnten (!), oder in der Cigar Lounge bei echten Zigarrendrehern. Und Entdeckungen - davon gab es einige.
Ganz vorne müssen natürlich die nagelneuen "Origenes" Rums von Maestro Francisco "Don Pancho" Fernandez stehen. Der Reserva Especial 18 Years Old (der große Sieger der Festivalprämierung mit dem höchsten Punktergebnis aller 120 Kandidaten) und der Reserva Don Pancho 30 Years Old (beide mit 40% Vol.) sind fantastische Abfüllungen aus "Don Panchos" eigener Fassreserve. Wer ist "Don Pancho"? Nunja, den sollte man kennen, ist/war er doch der Entwickler bzw. Masterblender hinter den Panamarums Zafra und Ron De Jeremy und einer Vielzahl anderer Marken (z.B. Abuelo). Der Meister hat jetzt zwei eigene Edelrums am Start, die man getrost als perfekt geschliffene und polierte Blends bezeichnen darf. Allerdings verleugnen die nie ihre Rasse und Klasse und sind ihr Geld (die Preise sind mir noch nicht bekannt, dürften aber beim 30jährigen eher etwas höher gewählt sein) absolut wert.
Dann darf ich erwähnen, dass dieser Tage einige neue Abfüllungen aus dem Hause Cognac Ferrand, d.h. Plantation Rum, in den einschlägigen Shops auftauchen werden. In Berlin gab es folgende Limited Editions zu verkosten: Guatemala XO Pineau de Charentes Finish, Trinidad 1989, Jamaica 1999 Port Cask Finish und Trinidad 1999 Banyuls & Sherry Cask Finish. Die letzten drei kamen mit 45% Vol. - der Guatemala XO mit 40% Vol. - in die Flasche. Mir hat der Trinidad 1999 mit seinem Spiel zwischen kantigem, jungen Rum und dem süßen Fass sehr gut gefallen, aber auch der Trinidad 1989 ist ein bestens gereifter Vertreter seines Heimatlandes.
Mit dem 3 Island Rum in weißer und dunkler Ausführung war das Rumhaus Charles Hosie dieses Jahr bereits sehr positiv aufgefallen. Zum Rumfest gab es gleich vier neue Abfüllungen aus der Valedor genannten Range von Zigarrenrums zu bestaunen. Da sind ein weißer Rum namens Coffee Spirit (43% Vol.), bei dessen Herstellung kolumbianische Kaffeebohnen mitdestilliert wurden, was ein - im Vergleich zu den von mir kürzlich probierten Kaffeegeisten - sehr harmonisches Gesamtbild ergab, dann ein grundsolider Cask Aged Rum benannter Blend aus Nicaragua-, Trinidad- und Martinique-Rum (43% Vol.) und - die vielleicht interessantese Komponente der Tobacco Companions: Rum Cordial - Ein Rumlikör auf Basis des Cask Aged Rumblends, der mit echter Madagaskarvanille (1 1/2 Schoten pro 0,5l-Flasche) aromatisiert und mit stolzen 47% Vol. abgefüllt wird. Whatadrink! Ergänzt wird das Ganze noch mit dem Rum Elixier, das nach der Formel Nicaraguarum + Madagaskarvanille + Kaffeegeist mit 36% Vol. in Kürze zur Verfügung stehen soll. Wo? Exklusiv im Tabakwarenhandel, denn alle vier Spirituosen sind auf den Genuss zur Zigarre (oder Pfeife) abgestimmt. Kosten werden die Flaschen zwischen 25 und 35 EUR. Das klingt doch fair.
Fair ist auch das Stichwort bei Tres Hombres. Die Seebären um den österreichischen Kapitän Andreas Lackner haben neuen Rum angeliefert und zwar gleich in drei verschiedenen Abfüllungen. Da ist zum einen eine Weiterentwicklung des DomRep-Solerarums von Oliver & Oliver mit der Bezeichnung Tres Hombres XV Anos Republica Dominicana Ed. 05 2013 (41% Vol.), dessen älteste Bestandteile 15 Jahre alt sind und der in Eichenfässern und in Fassstärke (!) fünf Monate per Segelschiff aus der Karibik nach Europa geschippert wurde. Das hat seit über 100 Jahren niemand mehr gemacht. Authenzität vermittelt dann auch die 1-Liter-Steingutflaschenabfüllung in Fassstärke mit 64,5% Vol. namens Captain's Choice. Aber hallo! Viel heller in der Farbe kommt der Tres Hombres XV Anos La Palma Ed. 04 2013 (42% Vol.) daher, der aus der Aldea Distillerie von den kanarischen Inseln stammt und der nach 15 Jahren in French Oak noch eine achtmonatige Seereise - sozusagen als Finish - mit bekam. Alle drei sind nicht ganz billig - aber die Buddels wurden ja auch fair gehandelt und mit eigenem Schiff transportiert.
Zum Abschluss dieses kleinen Rundgangs noch die Bemerkung, dass ich den Diplomatico Vintage 2000 im Vergleich zur Ambassador-Ausgabe nicht ganz sooo dolle fand - auch wenn Masterblender Tito Cordera den Spaß persönlich vorstellte. Sollte man vielleicht nochmal in Ruhe ohne Festivalrummel zwischen Cateringbereich und Käsetheke probieren. Umso schöner war dafür das inoffizielle Rumfestivalbottling eines 12jährigen Rums aus der Dominikanischen Republik aus den Lagerbeständen von Oliver & Oliver, die Dirk Becker ab sofort in seinem Rumdepot mit 65% Vol. für 45 EUR anbietet. Wenn er denn endlich wieder Zeit hat...
Das 3rd German Rumfestival Berlin 2013 war definitiv ein Erfolg. Nicht nur für den Organisator und sein vielköpfiges Team, sondern auch für mich, da ich nur zum Trinken, Reden und Staunen in die Hauptstadt gereist war. Entspannung also bei vielen Tastings und Vorträgen, die alle ohne Aufpreis besucht werden konnten (!), oder in der Cigar Lounge bei echten Zigarrendrehern. Und Entdeckungen - davon gab es einige.
Ganz vorne müssen natürlich die nagelneuen "Origenes" Rums von Maestro Francisco "Don Pancho" Fernandez stehen. Der Reserva Especial 18 Years Old (der große Sieger der Festivalprämierung mit dem höchsten Punktergebnis aller 120 Kandidaten) und der Reserva Don Pancho 30 Years Old (beide mit 40% Vol.) sind fantastische Abfüllungen aus "Don Panchos" eigener Fassreserve. Wer ist "Don Pancho"? Nunja, den sollte man kennen, ist/war er doch der Entwickler bzw. Masterblender hinter den Panamarums Zafra und Ron De Jeremy und einer Vielzahl anderer Marken (z.B. Abuelo). Der Meister hat jetzt zwei eigene Edelrums am Start, die man getrost als perfekt geschliffene und polierte Blends bezeichnen darf. Allerdings verleugnen die nie ihre Rasse und Klasse und sind ihr Geld (die Preise sind mir noch nicht bekannt, dürften aber beim 30jährigen eher etwas höher gewählt sein) absolut wert.
Dann darf ich erwähnen, dass dieser Tage einige neue Abfüllungen aus dem Hause Cognac Ferrand, d.h. Plantation Rum, in den einschlägigen Shops auftauchen werden. In Berlin gab es folgende Limited Editions zu verkosten: Guatemala XO Pineau de Charentes Finish, Trinidad 1989, Jamaica 1999 Port Cask Finish und Trinidad 1999 Banyuls & Sherry Cask Finish. Die letzten drei kamen mit 45% Vol. - der Guatemala XO mit 40% Vol. - in die Flasche. Mir hat der Trinidad 1999 mit seinem Spiel zwischen kantigem, jungen Rum und dem süßen Fass sehr gut gefallen, aber auch der Trinidad 1989 ist ein bestens gereifter Vertreter seines Heimatlandes.
Mit dem 3 Island Rum in weißer und dunkler Ausführung war das Rumhaus Charles Hosie dieses Jahr bereits sehr positiv aufgefallen. Zum Rumfest gab es gleich vier neue Abfüllungen aus der Valedor genannten Range von Zigarrenrums zu bestaunen. Da sind ein weißer Rum namens Coffee Spirit (43% Vol.), bei dessen Herstellung kolumbianische Kaffeebohnen mitdestilliert wurden, was ein - im Vergleich zu den von mir kürzlich probierten Kaffeegeisten - sehr harmonisches Gesamtbild ergab, dann ein grundsolider Cask Aged Rum benannter Blend aus Nicaragua-, Trinidad- und Martinique-Rum (43% Vol.) und - die vielleicht interessantese Komponente der Tobacco Companions: Rum Cordial - Ein Rumlikör auf Basis des Cask Aged Rumblends, der mit echter Madagaskarvanille (1 1/2 Schoten pro 0,5l-Flasche) aromatisiert und mit stolzen 47% Vol. abgefüllt wird. Whatadrink! Ergänzt wird das Ganze noch mit dem Rum Elixier, das nach der Formel Nicaraguarum + Madagaskarvanille + Kaffeegeist mit 36% Vol. in Kürze zur Verfügung stehen soll. Wo? Exklusiv im Tabakwarenhandel, denn alle vier Spirituosen sind auf den Genuss zur Zigarre (oder Pfeife) abgestimmt. Kosten werden die Flaschen zwischen 25 und 35 EUR. Das klingt doch fair.
Fair ist auch das Stichwort bei Tres Hombres. Die Seebären um den österreichischen Kapitän Andreas Lackner haben neuen Rum angeliefert und zwar gleich in drei verschiedenen Abfüllungen. Da ist zum einen eine Weiterentwicklung des DomRep-Solerarums von Oliver & Oliver mit der Bezeichnung Tres Hombres XV Anos Republica Dominicana Ed. 05 2013 (41% Vol.), dessen älteste Bestandteile 15 Jahre alt sind und der in Eichenfässern und in Fassstärke (!) fünf Monate per Segelschiff aus der Karibik nach Europa geschippert wurde. Das hat seit über 100 Jahren niemand mehr gemacht. Authenzität vermittelt dann auch die 1-Liter-Steingutflaschenabfüllung in Fassstärke mit 64,5% Vol. namens Captain's Choice. Aber hallo! Viel heller in der Farbe kommt der Tres Hombres XV Anos La Palma Ed. 04 2013 (42% Vol.) daher, der aus der Aldea Distillerie von den kanarischen Inseln stammt und der nach 15 Jahren in French Oak noch eine achtmonatige Seereise - sozusagen als Finish - mit bekam. Alle drei sind nicht ganz billig - aber die Buddels wurden ja auch fair gehandelt und mit eigenem Schiff transportiert.
Zum Abschluss dieses kleinen Rundgangs noch die Bemerkung, dass ich den Diplomatico Vintage 2000 im Vergleich zur Ambassador-Ausgabe nicht ganz sooo dolle fand - auch wenn Masterblender Tito Cordera den Spaß persönlich vorstellte. Sollte man vielleicht nochmal in Ruhe ohne Festivalrummel zwischen Cateringbereich und Käsetheke probieren. Umso schöner war dafür das inoffizielle Rumfestivalbottling eines 12jährigen Rums aus der Dominikanischen Republik aus den Lagerbeständen von Oliver & Oliver, die Dirk Becker ab sofort in seinem Rumdepot mit 65% Vol. für 45 EUR anbietet. Wenn er denn endlich wieder Zeit hat...
Dienstag, 21. Februar 2012
Tres Hombres - Rum und mehr...
Was ist von einem Produkt zu halten, das als The World Only Fairtransport Rum beworben wird? Der grüne Gedanke hebt die mangelnde Qualität wieder auf? Ganz ok, aber eher öko als wirklich gut? - Nee, völlig falsch gedacht.
"Tres Hombres" ist ein Projekt dreier Männer (wie passend), die aus den Niederlanden und Österreich kommen und mitterweile mit ihrem selbstgebautem 33-Meter-Segelschiff (Frachtzuladung 35t - kein Motor) mehrere Fahrten in die Karibik und wieder zurück absolviert haben. Der Name... Aber was schreibe ich denn da - lassen wir Andreas Lackner, einen der drei Kapitäne, doch einfach persönlich zu Wort kommen.
whatadrink!: Andreas, wie und wann habt Ihr Euch kennengelernt? Und wie ging es mit den "Tres Hombres" los?
Andreas Lackner: Wir haben uns zufällig im Jahr 2000 bei einer Atlantiküberquerung auf einem 55-Meter-Dreimaster kennengelernt. Das war die erste Amerikafahrt für das Schiff und wir waren jung und narrisch und konnten umsonst mitfahren. Danach haben sich unsere Wege wieder getrennt aber auf dieser Fahrt hat sich die gemeinsame Idee Fracht wieder unter Segel zu fahren entwickelt. Eigentlich so wie früher nur eben auch unter ökologischen Gesichtspunkten.
Jeder hat uns gesagt, dass das unmöglich ist. Aber 2006 kamen wir wieder zusammen und da haben wir gesagt "Jetzt ist die Welt reif dafür" und haben begonnen die Idee weiter zu planen. Dann haben wir in Holland auch das Schiff bzw. das Wrack gefunden - ein deutscher Schiffsrumpf aus 1943 - den wir praktisch gratis bekamen. Und schon ging es los mit der Promotion für das Projekt Schiffsbau und dem Sammeln von Geld dafür. Wir haben z.B. Anteile ausgegeben und man konnte Schiffseigner werden. Freiwillige Helfer hatten wir insgesamt 150 Leute aus 20 Ländern, die 2 Tage oder auch 2 Jahre geholfen haben unser Schiff zu bauen. Wir sorgten dabei für Unterkunft, Essen und Spaß.
wad: Eure ersten beiden Rumabfüllungen kommen aus der Dominikanischen Republik. Wie habt Ihr den Rum ausgesucht und wie läuft das dann alles ab bis die Flaschen in Europa sind?
AL: Wir haben uns gefragt: Was können wir mit dem Schiff machen? Fracht zu transportieren für Dritte ist schwierig, da wir nur 35 Tonnen Fraht im Rumpf transportieren können. Das wären rund 15.000 Flaschen Rum. Das zahlt sich nicht aus für uns, da der Frachtpreis zu niedrig wäre. Also haben wir gesagt, machen wir das doch selber. Wir kaufen selber ein und vermarkten quasi unsere eigenen Produkte unter unserem Namen, was eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Überleben ist.
Als unsere erste Reise anstand gab es das Erdbeben auf Haiti. Und da wir eh in die Kaibik wollten, haben wir innerhalb von 10 Tagen eine Ladung Hilfsgüter gesammelt und nach Holland in den Hafen geschafft. Nach 50 Tagen Fahrt haben wir die Materialien in Haiti abgeliefert. Unsere Überlegung war dann, wie können wir diese Reise finanzieren? Wir wussten, dass es in der Dominikanischen Republik guten Rum gibt und daher haben wir dort nach einem Produzenten gesucht, der uns unseren Rum abfüllt, labelt usw. Auf der Reise von Haiti in die Dominikanische Republik ist uns aber der Mast gebrochen. Daher lagen wir 3 Wochen in einer Bucht um den Schaden zu reparieren. Diese Zeit habe ich genutzt um nach Santo Domingo zu fahren und dort Rum zu probieren.
Ich kam in Kontakt mit z.B. "Brugal" und anderen, aber die waren für unsere Pläne natürlich viel zu große Produzenten. Bei "Mardi" wird ganz in der Nähe von Santo Domingo ein 8jähriger Gran Anejo gemacht, der wirklich sehr gut ist. Ich konnte dort ausgiebig verschiedene Samples probieren, war sofort begeistert und wir haben 3000 Flaschen bestellt. Und als wir später in Santo Domingo einliefen, kam schon der Lastwagen mit unserer Lieferung und alle Zollformalitäten waren erledigt. So begann der erste offizielle Rum Run seit 100 Jahren und wir sind in 33 Tagen quer über den Atlantik nach Holland gesegelt.
wad: Macht es Dich nicht manchmal stutzig, dass bei Euch alles so problemlos funktioniert?
AL: (lacht) Das schaut ja nur so aus. Schon bei der Rumbeschaffung bzw. der Klärung der Zollsachen bin ich tagelang von einer Stelle zur nächsten gelaufen, um hier und dort - übrigens mit Whisky - nachzuhelfen. Unsere zweite Auflage kam wieder von "Mardi", aber diesmal 5000 Flaschen in noch besserer Qualität, wie ich finde. Als wir im Hafen ankamen war unsere Abfüllung aber noch nicht fertig und wir mussten eineinhalb Monate warten, was zu ungeplanten Kosten und Strapazen führte. Auf der Rückreise waren wir dann zudem 55 Tage unterwegs, weil wir ungünstiges Wetter erwischt hatten und eine Ausweichroute fahren mussten.
wad: Was unterscheidet die beiden Abfüllungen 2010 und 2011?
AL: Es ist ein anderes Blendingverfahren. Die erste Charge war ein 8jähriger Rum aus normaler Fasslagerung während die zweite Abfüllung im Soleraverfahren gemischt wurde. Der erste dürfte übrigens bald ausverkauft sein.
wad: Nimmt die "Tres Hombres" eigentlich neben Eurer Crew und den Segelschülern auch Passagiere mit (die genug Zeit und Geld mitbringen)?
AL: Ja schon. Am besten ist es, wenn die dann auch noch mitarbeiten auf dem Schiff. Herr Baier, der einen Artikel für die "Yacht" (Ausgabe 2/2012) über uns geschrieben hat, war auch als Passagier dabei und musste natürlich nicht in den Mast klettern oder so, hat aber sonst auch ganz normal mitgearbeitet.
wad: Man muss aber schon ein paar Monate Zeit haben?
AL: Na, wir haben ja einen Fahrplan und versuchen den so genau wie möglich einzuhalten, aber eine Ozeanüberquerung kann natürlich schon ein oder zwei Wochen länger dauern. Du kannst bei uns eine Reisedauer von 3 Tagen bis 3 Monaten buchen.
wad: Wieviele komplette Karibikfahrten habt Ihr bisher gemacht?
AL: Das Schiff ist gerade zum dritten Mal in der Karibik um auch wieder Rum in der Dominikanischen Republik abzuholen. Allerdings von einem anderen Produzenten. Wir sind in Verhandlungen mit "Oliver & Oliver", da wir einen 10-jährigen Rum haben möchten. Wir haben aber auch ein Angebot von "Westerhall" auf Grenada für einen 10jährigen. Im Mai wird der Rum ankommen und dann gibt es eine neue "Tres Hombres"-Überraschung.
...die ich mir nicht entgehen lassen werde. Im Ernst: Beide bisherigen Abfüllungen haben mir ausnehmend gut geschmeckt. Der 2010er verbreitet eine appetitanregende Zitrusnase und der 2011er (meine Empfehlung) besticht neben allen rumtypischen Aromen mit seiner leichten Rauchigkeit, die mich an den Barbadosstil erinnert. Ich bin gespannt, was die "Tres Hombres" in Zukunft noch alles an flüssigen Kostbarkeiten über den Atlantik schippert. Vielleicht findet ja auch einmal ein Rumfass (und nicht nur die fertig abgefüllten Flaschen), dessen Inhalt dann in unseren Breiten - sozusagen mit Oceanfinish - abgefüllt wird, ein Plätzchen im Schiffsrumpf.
Neben der nach außen vielleicht ein bisschen romantisch angehauchten Seglerei mit der "Tres Hombres" verfolgen Andreas & Co. mit der Firma "Atlantis Zeilende Handelsvaart" noch ganz andere Pläne - Stichwort: Eco-Liner. Dahinter verbirgt sich der Bau und Betrieb eines 8000-Tonnen-Frachtschiffs mit 120 Metern Länge. Dass das 15-Millionen-Euro-Projekt keine reine Utopie ist, zeigt die Beteiligung von Gerard Dykstra, der bereits die 88-Meter-Yacht "Maltese Falcon" realisiert hat.
"Tres Hombres"-Rum wird von "Haromex" vertrieben und ist für rund 40 EUR in vielen Onlineshops erhältlich.
Noch mehr Infos und zahlreiche YouTube-Videos gibt es auf der "Tres Hombres" Homepage und hier.
"Tres Hombres" ist ein Projekt dreier Männer (wie passend), die aus den Niederlanden und Österreich kommen und mitterweile mit ihrem selbstgebautem 33-Meter-Segelschiff (Frachtzuladung 35t - kein Motor) mehrere Fahrten in die Karibik und wieder zurück absolviert haben. Der Name... Aber was schreibe ich denn da - lassen wir Andreas Lackner, einen der drei Kapitäne, doch einfach persönlich zu Wort kommen.whatadrink!: Andreas, wie und wann habt Ihr Euch kennengelernt? Und wie ging es mit den "Tres Hombres" los?
Andreas Lackner: Wir haben uns zufällig im Jahr 2000 bei einer Atlantiküberquerung auf einem 55-Meter-Dreimaster kennengelernt. Das war die erste Amerikafahrt für das Schiff und wir waren jung und narrisch und konnten umsonst mitfahren. Danach haben sich unsere Wege wieder getrennt aber auf dieser Fahrt hat sich die gemeinsame Idee Fracht wieder unter Segel zu fahren entwickelt. Eigentlich so wie früher nur eben auch unter ökologischen Gesichtspunkten.
Jeder hat uns gesagt, dass das unmöglich ist. Aber 2006 kamen wir wieder zusammen und da haben wir gesagt "Jetzt ist die Welt reif dafür" und haben begonnen die Idee weiter zu planen. Dann haben wir in Holland auch das Schiff bzw. das Wrack gefunden - ein deutscher Schiffsrumpf aus 1943 - den wir praktisch gratis bekamen. Und schon ging es los mit der Promotion für das Projekt Schiffsbau und dem Sammeln von Geld dafür. Wir haben z.B. Anteile ausgegeben und man konnte Schiffseigner werden. Freiwillige Helfer hatten wir insgesamt 150 Leute aus 20 Ländern, die 2 Tage oder auch 2 Jahre geholfen haben unser Schiff zu bauen. Wir sorgten dabei für Unterkunft, Essen und Spaß.
wad: Eure ersten beiden Rumabfüllungen kommen aus der Dominikanischen Republik. Wie habt Ihr den Rum ausgesucht und wie läuft das dann alles ab bis die Flaschen in Europa sind?
AL: Wir haben uns gefragt: Was können wir mit dem Schiff machen? Fracht zu transportieren für Dritte ist schwierig, da wir nur 35 Tonnen Fraht im Rumpf transportieren können. Das wären rund 15.000 Flaschen Rum. Das zahlt sich nicht aus für uns, da der Frachtpreis zu niedrig wäre. Also haben wir gesagt, machen wir das doch selber. Wir kaufen selber ein und vermarkten quasi unsere eigenen Produkte unter unserem Namen, was eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Überleben ist.
Als unsere erste Reise anstand gab es das Erdbeben auf Haiti. Und da wir eh in die Kaibik wollten, haben wir innerhalb von 10 Tagen eine Ladung Hilfsgüter gesammelt und nach Holland in den Hafen geschafft. Nach 50 Tagen Fahrt haben wir die Materialien in Haiti abgeliefert. Unsere Überlegung war dann, wie können wir diese Reise finanzieren? Wir wussten, dass es in der Dominikanischen Republik guten Rum gibt und daher haben wir dort nach einem Produzenten gesucht, der uns unseren Rum abfüllt, labelt usw. Auf der Reise von Haiti in die Dominikanische Republik ist uns aber der Mast gebrochen. Daher lagen wir 3 Wochen in einer Bucht um den Schaden zu reparieren. Diese Zeit habe ich genutzt um nach Santo Domingo zu fahren und dort Rum zu probieren.Ich kam in Kontakt mit z.B. "Brugal" und anderen, aber die waren für unsere Pläne natürlich viel zu große Produzenten. Bei "Mardi" wird ganz in der Nähe von Santo Domingo ein 8jähriger Gran Anejo gemacht, der wirklich sehr gut ist. Ich konnte dort ausgiebig verschiedene Samples probieren, war sofort begeistert und wir haben 3000 Flaschen bestellt. Und als wir später in Santo Domingo einliefen, kam schon der Lastwagen mit unserer Lieferung und alle Zollformalitäten waren erledigt. So begann der erste offizielle Rum Run seit 100 Jahren und wir sind in 33 Tagen quer über den Atlantik nach Holland gesegelt.
wad: Macht es Dich nicht manchmal stutzig, dass bei Euch alles so problemlos funktioniert?
AL: (lacht) Das schaut ja nur so aus. Schon bei der Rumbeschaffung bzw. der Klärung der Zollsachen bin ich tagelang von einer Stelle zur nächsten gelaufen, um hier und dort - übrigens mit Whisky - nachzuhelfen. Unsere zweite Auflage kam wieder von "Mardi", aber diesmal 5000 Flaschen in noch besserer Qualität, wie ich finde. Als wir im Hafen ankamen war unsere Abfüllung aber noch nicht fertig und wir mussten eineinhalb Monate warten, was zu ungeplanten Kosten und Strapazen führte. Auf der Rückreise waren wir dann zudem 55 Tage unterwegs, weil wir ungünstiges Wetter erwischt hatten und eine Ausweichroute fahren mussten.
wad: Was unterscheidet die beiden Abfüllungen 2010 und 2011?
AL: Es ist ein anderes Blendingverfahren. Die erste Charge war ein 8jähriger Rum aus normaler Fasslagerung während die zweite Abfüllung im Soleraverfahren gemischt wurde. Der erste dürfte übrigens bald ausverkauft sein.
wad: Nimmt die "Tres Hombres" eigentlich neben Eurer Crew und den Segelschülern auch Passagiere mit (die genug Zeit und Geld mitbringen)?
AL: Ja schon. Am besten ist es, wenn die dann auch noch mitarbeiten auf dem Schiff. Herr Baier, der einen Artikel für die "Yacht" (Ausgabe 2/2012) über uns geschrieben hat, war auch als Passagier dabei und musste natürlich nicht in den Mast klettern oder so, hat aber sonst auch ganz normal mitgearbeitet.
wad: Man muss aber schon ein paar Monate Zeit haben?AL: Na, wir haben ja einen Fahrplan und versuchen den so genau wie möglich einzuhalten, aber eine Ozeanüberquerung kann natürlich schon ein oder zwei Wochen länger dauern. Du kannst bei uns eine Reisedauer von 3 Tagen bis 3 Monaten buchen.
wad: Wieviele komplette Karibikfahrten habt Ihr bisher gemacht?
AL: Das Schiff ist gerade zum dritten Mal in der Karibik um auch wieder Rum in der Dominikanischen Republik abzuholen. Allerdings von einem anderen Produzenten. Wir sind in Verhandlungen mit "Oliver & Oliver", da wir einen 10-jährigen Rum haben möchten. Wir haben aber auch ein Angebot von "Westerhall" auf Grenada für einen 10jährigen. Im Mai wird der Rum ankommen und dann gibt es eine neue "Tres Hombres"-Überraschung.
Neben der nach außen vielleicht ein bisschen romantisch angehauchten Seglerei mit der "Tres Hombres" verfolgen Andreas & Co. mit der Firma "Atlantis Zeilende Handelsvaart" noch ganz andere Pläne - Stichwort: Eco-Liner. Dahinter verbirgt sich der Bau und Betrieb eines 8000-Tonnen-Frachtschiffs mit 120 Metern Länge. Dass das 15-Millionen-Euro-Projekt keine reine Utopie ist, zeigt die Beteiligung von Gerard Dykstra, der bereits die 88-Meter-Yacht "Maltese Falcon" realisiert hat.
"Tres Hombres"-Rum wird von "Haromex" vertrieben und ist für rund 40 EUR in vielen Onlineshops erhältlich.
Noch mehr Infos und zahlreiche YouTube-Videos gibt es auf der "Tres Hombres" Homepage und hier.
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