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Dienstag, 14. Februar 2012

Finest Spirits 2012 oder: Alle Jahre wieder

Barocke Typen in schottischen Kilts, Harleys und junge Frauen mit einer Karre voll Torf - Das waren zwar nicht die Hauptdarsteller, aber doch mehr oder minder auffällige Komponenten beim Münchner "Finest Spirits" Festival, das am letzten Wochenende über die Bühne ging.
Wie schon im letzten Jahr hat sich die Messe, nennen wir die Veranstaltung mal etwas despektierlich so, weiterentwickelt. Standen 2011 noch die neue Location und die weitere Öffnung zu anderen Spirituosen im Vordergrund, konnte Boss Frank Böer dieses Jahr gleich von weit über 200 vertretenen Marken berichten und auch das Medieninteresse hat weiter zugenommen.
fachkundiges Publikum

Ein Beweis für die gestiegene Aufmerksamkeit gerade auch der Industrie war beispielsweise die offizielle Präsentation des neu zusammengestellten "Rémy Martin" VSOP (55%
Grande Champagne + 45% Petite Champagne = Fine Champagne Cognac), der jetzt das Kürzel Mature Cask Finish mit im Namen trägt. Dahinter steckt, so hat mir Cognac BNIC Educator Jürgen Deibel (leider nicht exklusiv) verraten, eine zusätzliche Reifezeit in 20 Jahre alten Fässern nach der Marriage der Eaux-De-Vie. Mir mundete der Neuling sehr. Er erscheint wirklich runder als der alte VSOP und bietet sich neben dem Gebrauch an der Bar auch dem fortgeschrittenen Geniesser an.
Oliver von Carnap

Von dieser Sorte marschierten offensichtlich einige durch schon am Freitag gutgefüllte Halle, was die Belagerung der "Zacapa"-Bar (bemixt von Oliver von Carnap und Caroline Anaís Rex), der großen "Chivas"-Lounge, des "Tölzer Käsladens", des "Tres Hombres"-Rumstandes und natürlich der vielen Whiskystände bewies. Bei letzteren und auch bei den Masterclasses lag ein Schwerpunkt heuer bei den deutschsprachigen Malzbränden aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, die immer mehr ihre Eigenständigkeit in der Vordergrund stellen und durch immer mehr gelungene Tröpfchen überzeugen. Zum ein oder anderen Brenner bzw. Vertrieb folgen hier in den nächsten Tagen noch ausführliche Beiträge.

Oliver von Carnap & Caro Rex

Gregg Glass


Es waren aber nicht nur Hersteller- oder Markenstände aufgebaut worden, sondern insbesondere Vertriebe mit whiskylastigem Portfolio waren stark vertreten wie z.B. die Kieler Firma "
Prineus", die u.a. die Abfüllungen des englischen Shops "The Whisky Exchange" ("Elements Of Islay" und "The Single Malts Of Scotland") hierzulande unters Volk bringt. Glänzen konnte Geschäftsführer Gerd Schmerschneider auch durch die Anwesenheit von "Compass Box"-Assistant Whiskymaker & Whisky Ambassador Gregg Glass, denn auch die Leckereien dieser Whiskyschmiede hat "Prineus" im Angebot.
Gregg leitete u.a. ein Tasting, in dem der neue und ohne Einschränkung empfehlenswerte Blend namens "Great King Street - Artist's Blend" (50% Grain / 50% 10jährige Malts) vorgestellt wurde. "Great King Street" ist übrigens eine neue Serie von "Compass Box" - ausschliesslich mit Blended Scotch. Aber ich schweife ab. Gregg erzählte zur Verkostung des "Spice Tree" (einer meiner Alltime Favorits) die Story von den getoasteten Brettchen im Fass und dem Tamtam mit der SWA. Dann gings zur rund 200 EUR teuren Limited Edition "Last Vatted Malt". Die Story, die auf der Abschaffung des "Vatted"-Begriffs basiert, könnte man als reine PR-Schoße abtun, wäre der Stoff nicht so verdammt gut. Der "Last Vatted Grain" hat mir persönlich aber fast noch mehr gemundet. Das Tasting hatte Gregg übrigens mit einem noch namenlosen "X"-Sample abgeschlossen und die Teilnehmer an den "Prineus"-Stand geladen, wo er nach vom Kunden selbst ausgeklügelten Rezeptur einen persönlichen "Compass Box"-Whisky blendete und abfüllte. Ein Geheimtip an diesem Stand war übrigens der "Vit Hund", ein New Make oder New Spirit von den renommierten Schweden von "Mackmyra".
Gregg Glass

Nicht unerwähnt bleiben darf auch das Projekt "Beer goes Barley", das zu ziemlich coolen Festivalbottlings führte. Dabei wurde eine Idee des Fachjournalisten Werner Obalski in Zusammenarbeit mit Andrea Caminneci in die Tat umgesetzt: Schottischer Whisky in bayerischen Ex-Bierfässern. Der zwingend notwendige Trip einer bayuwarischen Abordnung nach Schottland wurde videotechnisch dokumentiert - hier alle Infos dazu. Ein Hoch auf Werner und die globale Trinkkultur! - Das nächste Mal will ich auch mit...

Und was gabs sonst noch? In einem Satz: Ein einfach nicht zu bewältigendes Angebot an Drinks und Drams. Da waren z.B. ein etwas versteckter Stand mit Rumdrinks ("Gosling's"), eine Vodka-Strassenbahn mit "Flatrateticket" und natürlich auch Obstbrenner. Dabei auch solche, die keinen Whisky anbieten.
Magister Maximilian Coreth

Einer der interessantesten Newcomer dieser Szene ist Magister Maximilian Coreth, ein Vertreter des österreichischen Hochadels und Honorarkonsul von Thailand. Unter dem Label "
1772 Count Coreth Prachensky" produziert er sortenreine Edelbrände aus den Maischen tropischer Früchte wie Ananas, Passionsfrucht, Lychee oder Eierbanane. Der Witz dabei ist nicht nur das äußerst gelungene Flaschendesign oder die Tatsache, dass nicht etwa Geiste, sondern wirklich Brände produziert werden. Nein, die Früchte stammen vielmehr aus den "Royal Fruit Gardens" des Königs von Thailand und destilliert wird vor Ort. Von der wirklich höchsten Qualität dieser schon in der Nase betörenden aber leider auch sehr kostspieligen Preziosen konnte ich mich ausgiebig überzeugen. Erhältlich ist dieser Luxus online bei "Feinkost Käfer" und "mybottles".
Mike Werner

Erwähnt werden müssen auch gleich zwei Cocktailwettbewerbe. Zum einen richtete die DBU ihre bayerische Cocktailmeisterschaft aus (Sieger wieder Adriano Paulus). Zum anderen gab es einen Wettbewerb für Hotelbartender, die mit Bourbon Whiskey als Basis neue Rezepte vorstellen mussten. Dieser kleine Wettstreit wurde von Mike Werner, Importeur der exklusiven Abfüllungen der "Kentucky Bourbon Distillers" und Betreiber von "Mike's Whiskeyhandel", der auch ein paar neue "Willett"-Bourbons am Stand hatte, unterstützt (Ergebnisse werden nachgereicht). Amazing!

Dienstag, 30. August 2011

Rémy Martin - Coeur De Cognac

Nein, es geht diesmal weder um die nach einer Schießerei einsitzende Rapperin "Remy Ma" (the artist formely known as "Remy Martin") noch um den ehemaligen "Global Creative Consultant" von "Rémy Martin"-Cognac, Herrn "T.I.". Es geht einfach nur um Cognac. Jedoch nicht um irgendeinen, sondern um "Coeur De Cognac" (im Einzelhandel für rund 40 EUR brutto), die 2008 lancierte neueste Komposition des Hauses "Rémy Martin", das sich zu den vier Big Playern (neben Hennessy, Martell und Courvoisier) im Bereich Cognac zählen darf. Darum hier der letzte Verweis auf den seit rund zehn Jahren anhaltenden Hype um Cognac in den USA, ausgelöst durch den Bezug der dortigen Rapszene zu Frankreichs Spirituose Nummer 1. So scheinen die Zuwachsraten der Cognachäuser gesichert, was aber kein Grund ist, das Nachbarland Deutschland zu vernachlässigen.
In Münchens "Goldener Bar" hatten sich daher auf Einladung von "Rémy Martin" am gestrigen Montag rund 30 Bartender und Barchefs versammelt um sich das "Herz des Cognacs" genauer erläutern zu lassen und anschließend auf seine Mixability hin zu testen. "Rémy", vertreten durch Marcus Gehrlein und Dominique Szutarski von Diversa, setzten auch nicht auf einen großmäuligen Rapper, sondern auf den allseits bekannten und geschätzten Experten und offiziellen "Cognac BNIC Educator" Jürgen Deibel als kompetenten Sprecher und so ging es zunächst eine Stunde lang um Terroir und Klima, Assemblage und Marriage und die Eigenschaften, die die Marke "Rémy Martin" im allgemeinen und "Coeur De Cognac" im besonderen verkörpern. Besonders herauszuheben ist dabei, dass "Rémy" ausschließlich Eau-De-Vies der Toplagen Grande Champagne und Petite Champagne (dem Herzen des Cognacgebiets) verwendet. Stammen zudem mindestens 50% davon im Endprodukt aus der Grande Champagne, so darf dieses als "Fine Champagne Cognac" bezeichnet werden, was beim "Heart Of Cognac" selbstverständlich auch der Fall ist.
Beim "Coeur" legte Kellermeisterin Pierrette Trichet zudem besonderen Wert auf ein fruchtiges und dennoch weiches und vollmundiges Destillat. Dass dieses Ziel mittels sorgsamer Destillation und der perfekten Auswahl der (im Durchschnitt 8 Jahre lang) gereiften Destillate erreicht wurde, zeigte auch ein kleines Tasting, bei dem 6-, 15- und 30-jähriger "Rémy Martin" jeweils in Fasstärke (zwischen 52 und 68 % Vol.) verkostet und verglichen wurde. Die dort aufgefundenen Anklänge von Aprikosen, Feigen und Mango spiegelten sich dann auch im komplexen "Coeur" wieder.
Im Anschluss gab René Förster (Twist SkyBar, Dresden) einige Hinweise zum Einsatz des "Coeur De Cognac" an der Bar, denn dessen vielschichtiges Aromaportfolio lädt geradezu zur Kreation von ausgefeilten Cognacdrinks ein. In ausgelosten Gruppen ging es für die Münchner Bartender dann an die Mixstationen und in einem kleinen Wettbewerb um ein Preisgeld. Letzteres vergab die Jury um René Förster, Jürgen Deibel und den Hausherrn Klaus St. Rainer an den Drink "Madame Muriel" von Gerhard Praun (Goldene Bar, Barroom), Sebastian Lumpe (Park Hilton), Tibor Kantor (Red Hot), Mario Zils (Schumann's) und Toni Molotov (Goldene Bar, Barista).
Eine ganze Reihe interessanter Cognaccocktails und weiterführende Informationen bietet u.a. Cognac Summit.