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Freitag, 11. Dezember 2015

The Last Posts For 2015 - heute: Büchertips

Zwischen zwei Weihnachtsfeiern ist mir diese Woche eingefallen, dass der ein oder andere vielleicht noch ein Präsent für seine Liebsten, sich selbst oder seinen Lieblingsbartender (das solls wirklich geben) sucht. Daher noch schnell ein paar kurze Büchertips (die man natürlich auch nach den Festtagen noch zu Rate ziehen kann). Von links oben im Uhrzeigersinn...

Imbibe! von David Wondrich, englisch: Das ist die jetzt 360 Seiten dicke 2015er Neuauflage des Begleitbuchs zu Jerry Thomas' großartigem "erstem Cocktailbuch der Welt", das auch weiterhin der Frage nachgeht: "What would Jerry Thomas do?" A must! (und das auch für den, der die Erstausgabe schon sein Eigen nennt)

Good Things To Drink From Mr. Lyan & Friends von Ryan Chetiyawardana, englisch, 224 Seiten: Optisch und inhaltlich auf der Höhe der Zeit und vielleicht das Buch, aus dem ich dieses Jahr am meisten "nachgemixt" hab. Warum? Ryan bringt einfache, aber auch inspirierende Rezepte rüber ohne durchgehend mindestens drei bis vier selbstproduzierte Cordials, Infusionen oder Bitters in den Drink zu kippen. Bottled Cocktails, Ananasrum, Schokowein und der perfekte Gin & Tonic sind trotzdem an Bord. That's it! Buy it!

Erkennen Sie den Fehler?

gaz regan's 101 Best New Cocktails Volume IV, englisch, 220 Seiten: In 101 Rezepten von Barkeepern from all over the world (ja auch aus Deutschland) geht es wieder rund um den Globus. Auch hier haben die Profis v.a. praxistaugliche Ideen beigesteuert, wie z.B. eine Kombination aus Mezcal, Kaffee, Amaro, Himbeerlikör und Walnussbitters, die Lust zum Ausprobieren und selber weiter entwickeln machen. Der Meister selbst kommentiert und gibt uns seine Eindrücke und eventuell Tips zum jeweiligen Drink mit an die Hand.

Atlas Du Rhum - Distilleries Des Caraibes Et Dégustation von Luca Gargano, französisch, 223 Seiten: Luca Gargano saust als Chef der italienischen Firma Velier, einem italienischen Rumabfüller, durch die Rumwelt und sorgt so für ständigen Nachschub an außergewöhnlichem Trinkmaterial. Alter Rum ist aber inzwischen sehr teuer und alte Velierabfüllungen eine Kapitalanlage geworden. Da lesen wir während wir unser Taschengeld aufsparen in diesem schönen Buch, das aber kein reiner Bildband ist, sondern auch zahllose Infos und Fakten bietet, und freuen uns auf neue Genusserfahrungen aus der großen Rumwelt. Übrigens: Dirk Becker, Deutschlands Rumbotschafter, hat kürzlich ebenfalls ein Monumentalwerk zu diesem Thema veröffentlicht, das mir aber leider nicht vorliegt. Mein Tip: Kaufen Sie sich beide, wenn Ihnen am Zuckerrohrschnaps liegt.

Liquid Intelligence - The Art And Science Of The Perfect Cocktail von Dave Arnold, englisch, 416 Seiten: Sagen wir es doch so - Das ist kein Buch für die normale und auch noch nicht für ambitionierte Heimbar. Und auch wenn Sie an Ihrer Hotelbar den Gast fragen, ob er Eis in seinen G&T haben möchte oder nicht, sollten Sie die Finger davon lassen. Höchstes Nerdniveau also beim Blick in Daves irr-wissenschaftliche Cocktailküche! State Of The Art und die Anleitung wie man absolute Spitzendrinks in seiner Küche/Bar zubereitet. Nicht mehr - nicht weniger.

Das Beste in München - Der Barguide von Amadeus Danesitz und Alexander Wulkow, deutsch, 125 Seiten: Aus der "Das Beste in München"-Serie gibt es auch eine Ausgabe "Für Frauen". Das erfährt man aber erst, wenn man sich durch das Buch und die Beschreibungen von sage und schreibe 50 Münchner Bars gearbeitet hat. Netterweise haben die beiden Herren (die mir völlig unbekannt sind) jeweils eine Spezialität des Hauses eingesammelt und mitabgedruckt, z.B. den "Woodroof" (Ananassaft, Kokosnusscreme, Rum, Sahne, Zitrone und Waldmeistersirup). Ob der nun mitsamt dem Ort, wo er kredenzt wird, zur Elite der bajuwarischen Cocktailkunst gehört, darf der Leser selbst beurteilen. Ich such derweil nach der Waldmeistersirupflasche... Fazit: Ganz nett zum Durchblättern und ein paar gute Drinks sind auch drin.

Bourbon Curious von Fred Minnick, englisch, 239 Seiten: Der Simple Tasting Guide beginnt mit fast 100 Seiten Grundwissen zum Amerikanischen Bourbon Whiskey. Das ist lesenswert. Minnick ist up-to-date. Im Tasting- oder besser Beschreibungsteil werden die Whiskies in vier Geschmacksgruppen unterteilt. Es gibt z.B. Caramel-Forward Bourbons. Nein, nicht Caramel-Flavoured. Das ist was anderes. Im Großen und Ganzen eine sehr schöne Bestandsaufnahme zu einer DER Boomspirituosen.

The Dead Rabbit Grocery And Grog - Drinks Manual von Sean Muldon, Jack McGarry und Ben Schaffer, englisch, 287 Seiten: Hoppla! Hier sind wir gleich wieder auf ganz anderem Niveau. Die Geschichte des Dead Rabbit wird zunächst ausführlich wiedergegeben. Dann hat der Käufer hier ein sehr schön aufgeputztes Buch in der Hand, das sich im Hauptteil mehr an den Liebhaber möglichst komplizierter Rezepturen wendet, der sich vor der Zubereitung eines Drinks gern zwei Tage mit der Herstellung verschiedenster Ingredenzien beschäftigt. Für den ambitionierten Profi ist es aber sicher ein schöner Fundus für Anregungen. Fazit: Ein Buch für alle, die schon mindestens 200 Cocktailbücher im Regal haben.

Malt Whisky Yearbook 2016, Herausgeber Ingvar Ronde, 290 Seiten: Das alljährliche Kompendium zum Stand des guten alten Maltwhiskies. Wurde hier schon einmal gewürdigt und hat seinen Stellenwert behalten. Aufs Kaffeetischchen damit!

Und noch was: Beim Betrachten der Angebote auf den Seiten der großen Onlinehändler fällt auf, dass seit zwei-drei Jahren scheinbar unendlich viele Bücher zu Gin, Rum, Whisky, Cocktails etc. auf den Markt kommen - v.a. aus den USA und v.a. mit einer retromäßigen Aufmachung. Die Autoren sind zumeist Profis, die aber auch schon über Wanderwege oder Reisen nach Vietnam veröffentlicht haben. Die Ergebnisse ihrer Recherchen sind im Bereich Cocktails/Schnaps dann meist recht übersichtlich. Fundiertes oder Neues wird nicht geboten. Das Abschreiben von Cocktailrezepten aus schon vorhandenen Werken zur Veröffentlichung als eigenes Büchlein war um 1900 ja auch schon in Mode. Kommt eben immer alles wieder...

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Marriott goes Bourbon

"Die besten Drinks im wilden Westen
die mixt die stramme Mary-Ann
die haut nichts um
kein starker Rum
kein Whisky pur
auch kein Tequila.

Beim Tango legt der neue Sheriff
'ne flotte Sohle aufs Parkett
weil sonst kein Mann das so gut kann -
drum schwärmt von ihm ganz Oklahoma."


("Beim alten Bill in Oklahoma", Heino, 1979)

Stimmt. Die Songtexte hier waren auch schon besser. Aber darum geht es heute nicht, sondern es geht mal wieder um Bourbon Whiskey im allgemeinen und die Aktivitäten der American Whisky Academy e.V. im besonderen. Deren Boss, Bourbon-Mike Werner, war  als Referent zu einem kleinen Event geladen, das (wie ich finde) Symbolcharakter hat.
(Der unerschrockene Mike Werner)

Erich Zuri, General Manager des Munich Marriott Hotels, startete gestern Abend eine ausgedehnte Bourbonkamapne seines Hauses. Mit Hilfe einer speziellen Karte sollen dem Gast 15 verschiedene Bourbonabfüllungen solo, in Flights, in Drinks oder zusammen mit speziell kreierten Snacks näher gebracht werden. Ein Projekt, für das die Münchner Niederlassung als Pilothotel ausgewählt wurde.

Auf der Palette finden sich die bekannten Marken der Beamschen Small Batch Collection ergänzt um z.B. Elijah Craig von Heaven Hill, Buffalo Trace oder auch Woodford Reserve von Brown Forman. Genau das richtige Portfolio also, um Einsteiger/Umsteiger zu ködern und von der unbestrittenen Qualität der Standards aus Kentucky zu überzeugen.

Neben allerlei Fleischigem sind bei den Snacks aber auch ein Sellerie-Vanillesüppchen mit Brombeerchutney oder Shrimps mit Limette und Chili, die an der Bar mit Bourbon geshakt werden (Waren eigentlich keine Foodblogger geladen?) dabei. Das ist durchaus eine Versuchung wert und so sollte man in den nächsten Wochen einen Abstecher in die lounge93 im Munich Marriott wagen. Ob der Aufwand sich lohnt und das Angebot beim Publikum ankommt, wird man sehen. In den Niederlanden, wo das Programm schon an anderer Stelle läuft, hat es eingeschlagen und ich meine, dass jede Bemühung U.S.-Stoff hierzulande an Frau und Mann zu bringen lobend erwähnt und unterstützt werden muss. Daher: Auf nach Kentucky Schwabing!

Montag, 6. Juli 2015

Heaven Hill - First Strike by the Germans (doing crazy things with american whiskey)

Während die schottischen Whiskymacher offenbar nicht wissen, ob ihre wirtschaftliche Entwicklung nun nach unten geht, weil sie in der letzten Zeit insgesamt gesehen weniger Flaschen verkauft haben, oder ob es dann doch nach oben geht, wenn man das gestiegene Interesse an hochwertigen Abfüllungen (Preis und/oder Qualität) und die Entwicklung zahlreicher Destillerie-Neugründungen betrachtet, bleibt eines unbestritten: In den letzten paar Jahren hat sich der Markt für amerikanische Whiskies stets positiv entwickelt - ganz egal ob es um geflavourte Grusel-Anti-Whiskies oder um langzeitgelagerte Edelabfüllungen geht (vor allem, wenn auf denen die Worte Pappy oder zumindest Stitzel-Weller stehen). Dazu gibt es immer wieder neue Experimente in Sachen Getreidemischungen (Reis!) und Fasslagerung zu bestaunen und der Sammlermarkt ging geht auch völlig durch die Decke.


Das wissen wir doch alles schon, werden Sie (nicht nur als Leser dieses kleinen unsäglichen Machwerks) sagen. Stimmt. Aber haben Sie auch gesehen, dass der renommierte deutsche Whisky & Rum-Abfüller Thomas Ewers (Malts Of Scotland!) jetzt eine neue Serie gestartet hat? Unter dem Label "Whiskey Of America" hat er letzte Woche zwei Single Barrel-Abfüllungen aus der gigantischen Heaven Hill-Destillerie in Kentucky (bekannt durch z.B. Elijah Craig und Evan Williams) auf den Markt gebracht. Einer der beiden ist 13 oder 14 Jahre alt und wurde in einem Sherryfass gelagert. Wie bitte? Und das gerade jetzt, wo doch die U.S.-Größen, aufgrund der erhöhten Nachfrage, ihren Whiskey nicht mehr im Bulk verkaufen? Ich nahm das natürlich zum Anlass, um bei Herrn Ewers nachzufragen.
whatadrink!: Herr Ewers, mit "Malts Of Scotland" und "Isla Del Ron" sind Sie seit einigen Jahren der vielleicht am meisten geschätzte Scotch- und Rum-Abfüller aus Deutschland, wenn man sich bei den Kennern und Connaisseuren umhört und auf internationale Auszeichnungen z.B. der Malt Maniacs oder des Whisky Magazines schielt. Nun haben Sie mit zwei Abfüllungen aus dem Haus Heaven Hill erstmals einen Kentucky Straight Bourbon Whiskey im Programm. Das ist jetzt nicht total überraschend für mich, da in letzter Zeit nicht nur der Markt für amerikanischen Whiskey in Bewegung geraten ist, sondern auch weil zuvor schon ein paar interessante Heaven Hill-Bottlings das Tageslicht erblickt haben. Wie aber kam es zu Ihren Abfüllungen? Wurden Ihnen die Fässer durch Broker angeboten oder haben Sie die direkt aus Kentucky?


Herr Ewers: Ja das stimmt mit dem Erfolg. Ich selber hätte es nie für möglich gehalten. Bezüglich der Heaven Hill-Whiskies verhält es sich so, dass ich diese bereits vor drei bis sechs Jahren erworben habe - alle über Broker. Die amerikanischen Brennereien verkaufen nicht direkt an Abfüller - zumindest nicht an kleinere Firmen. Die ersten Fässer wurden mir im Jahr 2009 angeboten. Die habe ich eigentlich mehr so aus Interesse erworben. Einfach um zu sehen, was der amerikanische Whisky so kann, wenn man ihn länger liegen lässt. Da ich schnell gemerkt habe, dass dies durchaus interessant für die Zukunft sein kann, habe ich versucht, weitere Fässer zu bekommen und über die letzten Jahre immer mal wieder welche dazu erworben.


whatadrink!: Ein Streitpunkt unter Bourbonfans ist schon länger die Frage, ob man zur Reifung eines "echten" Straight Bourbon auch andere Fasstypen als nagelneue, ausgekohlte, amerikanische Weißeichenfässer nutzen darf/sollte. Dabei geht es den Puristen nicht nur um die gesetzlichen Bestimmungen. Nach einem (wenig gelungenen) Experiment von Wild Turkey mit Olorososherryfässern vor einigen Jahren sind in letzter Zeit insbesondere Fassfinishes in allerlei Ex-(Süß)Wein- und sogar Ex-Rumfässern auf den Markt gekommen und parallel dazu regte sich die Debatte um die Wiederverwendung von gebrauchten Bourbonfässern in den USA aus Kostengründen bzw. aufgrund der hohen Nachfrage in den Cooperages. Sie bieten jetzt einen in 2001 destillierten Bourbon aus einem Sherryhogshead an. Von einem Finish steht nichts auf dem Etikett und Hogshead klingt nach Schottland/Europa und nicht nach USA. Wie und wann kam der Whiskey ins Sherryfass und wo wurde er gelagert?



Herr Ewers: Alle unsere Bourbonfässer haben wir in einem Alter von über 3 Jahren erworben und alle Fässer waren zu Beginn klassische Barrels. Der 2001er z.B. wurde von mir vor drei Jahren in ein frisches Sherryfass gelegt, da die Holznote für mich zu dominant war. Ich besitze auch noch weitere Fässer, die in Schottland liegen, und nach drei Jahren in Sherry Butts umgefüllt worden. Das Ergebnis ist hervorragend!


Bezüglich der Lagerung und der Bezeichnung ist es so, dass laut amerikanischer Gesetzgebung die (erste) Lagerung mindestens zwei Jahre in einem frischen Fass ablaufen muss. Ein Finishing danach sollte aber kein Problem sein. Selbst Jim Beam hat ja mittlerweile in Sherryfässern nachgelagert. Bis jetzt spricht also nichts dagegen, dass es sich bei unseren Bourbons auch um Kentucky Straight Bourbon handelt. Es gibt auch keine andere offizielle Richtlinie. Sollte sich irgendwann etwas ändern, ist es vielleicht nicht mehr möglich diese Fässer als (Straight) Bourbon zu bezeichnen. Ich hoffe, dass ich dann meine Sherrybourbons abgefüllt habe.


whatadrink!: Neben Bourbons erfreuen sich Ryewhiskeys wieder großer Beliebtheit. Haben Sie da schon etwas in Vorbereitung oder gar schon in Ihrem Warehouse in Paderborn liegen? 


Herr Ewers: Oh ja. Wir haben ja "The Westfalian", unseren deutschen Whisky, der im Lager reift. Seit 2012 aus Grain & Malt, seit 2013 aus Mais und ab 2014 aus Roggen. Die beiden letzteren wie bei traditionellem Bourbon in extra aus Amerika importierten frischen Fässern die genauso sonst von den dortigen Brennereien genutzt werden. Diese beiden Sorten entwickeln sich ganz prächtig und stehen dem Stoff aus Amerika in nichts nach. Auch unser Malt & Grain ist im übrigen außergewöhnlich gut für einen deutschen Whisky. Wir haben das Glück einen Destillateur hier vor Ort zu haben, der das Whiskybrennen in Schottland gelernt hat und einige Dinge eben anders macht wie andere deutsche Brenner. Das Ergebnis jetzt ist schon erstaunlich.
Ja, erstaunlich was uns Herr Ewers da so mitzuteilen hatte. Ein zum Teil in Europa gereifter Bourbon aus 1st-Fill-Sherry-Fässern also. Aha. Auch die relativ geringe Alkoholstärke von 48,1 bzw. 52,1 % Vol. (bei den amerikanischen Single-Barrel-Abfüllungen ist man an Werte von über 60% gewöhnt) lässt sich (vielleicht) so erklären: Das Feuerwasser wurde vor dem Umfüllen auf europäische Dimensionen reduziert, um die Prägung durch das Fass besser in den Griff zu bekommen und sich auch einer machbaren Trinkstärke anzunähern. Egal, nun endlich zum Whiskey selbst.

Alle Heaven Hill Bourbons werden nach einer Mashbill produziert. Ob die nun 78% Mais, 12% Gerstenmalz und 10% Roggen oder vielleicht doch 75-12-13 beträgt, ist nicht zu klären. Die Shapiras (HH ist ein Familienunternehmen) lassen das offiziell nicht so richtig raus. Es handelt sich aber definitiv um eine Low-Rye-Mashbill. Der jüngere der beiden (Cask MoS 15042) wurde also 2005 gebrannt und nun in 2015 mit 52,1 % Vol. abgefüllt - ist also neun oder zehn Jahre alt. Nach Herrn Ewers Ausführungen ist anzunehmen, dass der Knabe mindestens drei Jahre in den USA gelagert wurde und sich anschließend in Europa herumgetrieben hat. Das Resultat: Es ist ein Bourbon! Und zwar ein sehr guter. Klassische Bourbonnase, gut eingebundener Alkohol, milder Antritt und - vielleicht durch die europäische Reifung - eine nicht hervorstechende Vanille-Eiche. Ich dachte zuerst an einen Rockhill Farms, was aber völliger Blödsinn war. Das Bourbonprofil erinnerte mich mit der Zeit dann an einen E.H. Taylor Single Barrel, was auch in Sachen Mashbill passen könnte. Aber lassen wir das Generde sein. 

Zum Bourbon aus dem Sherryhogshead (2001/2015, 48,9% Vol., Cask MoS 15041) möchte ich folgendes anbringen: O La La! Großartiger Beginn, voll und rund, Harmonie und Balance (was dem WT Sherry Signature völlig fehlte), Sherrysüße und Gewürze, Bourboneiche und ein Tick Säure. Best of both worlds! Geht definitiv ohne Wasser. Sollte man unbedingt probieren. The (one and only) Kentuckian Sherry Bomb - Whatadrink!

Und hier noch ein kleines Sommerschmankerl...

Sonntag, 1. März 2015

Finest Spirits 2015 - Ardbeg-Ceò-Schmarrn und Whiskyweißwurst

Messebesucher 1: "Ich bin bei Ardbeg und Glenmorangie auf der Blacklist und bekomme nicht mal mehr Infomails."

Messebesucher 2: "Sei doch froh!"

(unbemerkt belauschte Unterhaltung auf dem Spirituosenevent Finest Spirits)

Kehraus in München. Wie dem Leser hier vollmundig versprochen wurde, darf ich einen kurzen Messebericht von der Finest Spirits 2015 vorlegen.

Beginnen wir mit dem Thema Rum, welches dieses Jahr besonders forciert werden sollte. Dazu hatte der Veranstalter einen eigenen Barstand aufgebaut. Da gleich daneben die Münchner Barschule und der Spirituosenhändler Barfish ebenfalls gemixte Drinks anboten, verlor sich manche Besucherin / mancher Besucher in einem geschüttelten bzw. gerühreten Bermudadreieck. Für besonders Wahnsinnige Trinkfreudige hatte gegenüber Mike Werner seine Whiskeybar aufgebaut und verzückte dort mit neuen Bourbons und Ryes aus den USA und Canada - aber auch Old-Fashioneds und Manhattans wurden feilgeboten. Yeah!
 
Aber wir wollten ja über Rum reden. Das gelang den drei Herren vom Berliner Rumdepot offenbar besonders gut, die neben ihrer Eigenabfüllung und einigen süffigen Zuckerrohrbränden auch mit wohlschmeckenden Preziosen aus Japan aufwarten konnten. Wenn mir da nicht mancher Maltman abtrünig geworden ist. Gefehlt hat mir der Rum im Tasting- und Masterclassprogramm aber dann schon a bisserl. Von fast 50 Terminen befassten sich ganze sechs (!) mit Rum - die drei Vorträge zu Havana Club in der Chivas-Tram mitgerechnet. Ansonsten ging es je einmal um Appleton, Zacapa und Ron Aldea - zumindest letztere Marke ist neu auf dem deutschen Markt. Die ersten beiden kommen mir bekannt vor.
Noch was zu den Masterclasses. Die Eintrittspreise liegen mit 20 bzw. 35 EUR für ein Ein- oder Zwei-Tages-Ticket auf normalem Niveau - in München. Für Tastings und Vorträge darf man dann aber jeweils noch 10 bis 23 EUR extra drauflegen. Das mag für drei bis fünf Whiskies gut angelegt sein. Wenn der Vortrag dann aber in die Hose geht, weil der Referent (hier vom Cadenhead-Shop in Köln) akustisch nicht zu verstehen ist und er seine Flaschen nicht so präsentiert, dass auch alle sehen, was sie da im Glas haben, ist das schlicht unprofessionell.
 
(Vodka und Gin aus deutschen Landen)
Weiter bestens vertreten waren aber auch klare Brände. Aufgefallen sind mir dabei besonders positiv der gschmackige Vodka Vodrock aus dem schönen Niederbayern (ich sage nur Awaloff-Verfahren), der frische, citruslastige Bodensee Dry Gin von Senft und die beiden brandneuen maritimen Gins namens Marlin und Orca aus dem Hause Charles Hosie, die von Brennmeister Mario Gallone entwickelt wurden und in Kürze auf den Markt kommen. 26 Botanicals (u.a. Zedernholz) und One-Shot-Verfahren - klingelts? Na, dann sind Sie ja ein richtiger Nerd. Aber Gin war das Messethema 2014.

Lobenswert waren die Trinkwasserspender, die der Veranstalter aufgebaut hatte. Gleich daneben standen die Abwasserbehälter und rund um diese lebenswichtigen Stationen bildeten sich regelmäßig kleine Seenlandschaften. Die Crew hatte das aber im Griff - niemand ertrank. Vielleicht gibt es nächstes Jahr einen Mineralwassersponsor.
 

So, das wars schon. ...Ach, jetzt hätte ich fast noch die weltbewegende Präsentation von Ardbeg Ceò (sprich: Keo) vergessen. Das sah so aus: Staunende Whiskyheads stehen in einem Raucherpuff und saugen mit Trinkhalmen aufgedampften Islaymalt in sich hinein. Die nette Dame dort leiert ihren Text von Infrarottechnik etc. runter kann das Verfahren aber auf Nachfrage "nicht genau erklären". Ob die anfällige Technik, die nicht zum freien Verkauf angeboten wird, sondern nur in ausgewählten Bars zum Einsatz kommen soll, bis Messeschluss zumindest noch aus einem Schlot gequalmt hat, ist mir nicht bekannt. Hat nicht schon jemand so ein Apparillo bei Ebay angeboten? Für 1200 EUR? - Nein? Dann muss ich mich getäuscht haben. Mehrere Tester gaben mir gegenüber und voneinander unabhängig ihr Urteil mit "Schmarrn" ab. Diese Bayern eben.
Und gleich noch eine Obskurität. Diesmal vom Branchenprimus Diageo. Dort gab es eine verwegende Mischung aus Talisker, Sauerkrautsaft, süßem Senf und noch so allerlei aus Miniweißwurstschüsselchen zu verkosten. Was solo ziemlich beknackt schmeckte und übel roch, funktionierte mit Weißwurst und Breze als Senfersatz leidlich gut. Mancher verzog auch hier das Gesicht. Aber gut: Die Rezeptur hat ein Österreicher entwickelt. Felix Austria!

Hier noch ein paar Impressionen... 



(Ein Vip-Stand mit Absperrbanderl von... )

(Mein besonderer Dank geht an Willi Lettmair für die Unterstützunng in Sachen Fotografie und Trink-Know-How).

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Im Vorfeld des BCB 2014... (Teil 2)

Die USA sind das offizielle Gastland des BCB 2014, der - wie schon berichtet - nächste Woche die Bundeshauptstadt erschüttern wird.

Zunächst hat aber Mixology/BCB-Mastermind Helmut Adam die Nerd/Connaisseur/Blogger-Szene erschüttert, als er am 17. September - also grade mal 20 Tage vor der Veranstaltung - auf einem deutschsprachigen Cocktailforum u.a. verkündet hat: "...Am Einlass zum Bar Convent kann ein Fachnachweis verlangt werden. Ist der Besucher nicht in der Lage, diesen zu erbringen, wird kein Einlass gewährt..."

Während man sich noch wundert, dass auf einer Messe für "Gastronomen, Bartender, Spirituosen- und Getränkehersteller, Fachhändler und Connaisseure" (Quelle: FAQs des BCB-Ticketshops) ausgerechnet die phasenweise von der Industrie gepamperten Letzteren rausfliegen sollen, obwohl sie ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen (siehe Screenshot) an Eintrittskarten gelangen können, schlägt der Hamburger Gastronom Jörg Meyer in die gleiche Kerbe und hätte - so kann man (wenn man will) zwischen seinen Zeilen lesen - am liebsten nur noch echte Bartender beim BCB (Stichwort: strenge Tür). Weg mit dem sich anwanzenden Pöbel, der sich doch nur gratis volllaufen lassen will! (Update: Herr Meyer hat dieses Missverständnis aufgeklärt - siehe unter Kommentare)
Leider sehe ich die rechtliche Situation um den 2014er Event (und die Übernahme meiner nicht unerheblichen Flug- und Hotelkosten durch den Veranstalter) als nicht ausreichend geklärt an und reise deshalb (vielleicht zum letzten Mal) persönlich nach Berlin - statt des Fachnachweises, mit der Mixology-Abokündigung im Handgepäck...
Genug davon an dieser Stelle und zurück zum Stoff - zum flüssigen natürlich. Wenn Herr Huhn etwas von Mezcal versteht, dann versteht Herr Werner mindestens ebensoviel von Whiskey - von amerikanischem Whiskey. Mike's legendäre Willett-Abfüllung eines 17jährigen Bourbon wird dieser Tage nicht umsonst für über 400 EUR gehandelt - Tendenz steigend. Zuletzt hatte er seine Fühler allerdings nach Texas und Michigan ausgestreckt und ein paar Bottles aus diesen Regionen nach Good Old Germany importiert. Ich konnte mich der Sache annehmen und starte mit drei Abfüllungen aus Texas. Yeah!

Yellow Rose Outlaw Bourbon (100% Mais, 46%): schöne, leichte Nase, dann nicht so süß wie erwartet, eher trocken mit starken Einflüssen der kleinen (!), ausgekohlten Fässer, kurz und jung; verlangt nach etwas - äh - Cola;

Yellow Rose Double Barrel (Straight Bourbon mit Finish in Weinfässern, 43%): dunkler - auch in der Nase, mehr dunkle Schokolade, etwas süßer ohne übermäßig in schwere Vanille zu gleiten, leider nur 43% - etwas zu kurzer Nachklang; Gelungen!

Yellow Rose Straight Rye (blended & bottled in Texas, und wo distilled?, 45%): oha! Meine Probe hat einen äußerst gruseligen Beigeruch/-geschmack (Kork?). Daher kein Urteil - Brauche Nachschlag...


Man muss dieser Tage schon froh sein, wenn der U.S. Craft Whiskey, der da vor einem steht, zumindest von einem Hersteller kommt, der überhaupt eine Destillerie am laufen hat. Ob er seinen (Achtung: Nicht-Straight) Bourbon Whiskey nun zu 100% selbst gebrannt hat oder nicht, ist mit der nichtssagenden Angabe "Made in Texas" gerade nicht aufzuklären, da es "Distilled In Texas" heißen müsste. Aber sei's drum. 

Ole George Rye kommt aus der Grand Traverse Distillery im Bundesstaat Michigan. Es spricht vieles dafür, dass der Stoff zu 100% dort produziert (ja, auch destilliert) wurde.

Ole George Rye (100% Roggen, 46,5%): endlich erschnüffle ich mal (angenehme) Klebstoffnoten, dann typische Ryewürze aber man fällt auf ein süßes Bettchen und auch der Alkohol tut nicht weh; Ein schöner Sipping Rye mit etwas trockener Eiche im Abgang!

Sonntag, 13. April 2014

Old School Is Best School - Bourbons der 50er, 60er und 70er Jahre

Machen wir es kurz: Ich kam letztes Jahr an eine größere Sammlung von amerikanischen Bourbonwhiskeys, die zwischen 1952 und 1972 produziert wurden. Einige ausgewählte Preziosen davon werden am 9. Mai an ambitionierte Connaisseure ausgeschenkt. Die älteste Abfüllung ist ein Grand Old Dad, der 1952 gebrannt wurde.
Einziger Haken bei der Sache: Ich werde bei der Veranstaltung ein bisschen was zu den feinen Stöffchen erzählen. Wer die kleine Zeitreise trotzdem mitmachen möchte, sollte sich mit der Anmeldung beeilen. Alle Infos zu Ort, Termin, Anmeldung, etc. siehe folgende Links.

http://www.americanwhiskeyacademy.com/

Update: Danke, Danke, Danke an alle Gäste! Das war ein toller Abend. 

Noch ein Update: Bericht siehe hier.

Samstag, 3. August 2013

Michter's Whiskey (und alles oder ziemlich viel über KSBW, NDP, ADI, NAS, LDI, MGPI, KBD, ATF, große und kleine Jungs)

"De Hoar im Wind undn Fuaß am Gas
so brettert er entlang der Wüstenstroß.
Die Finger ruhig und zu ois bereit..."

("Django Django", Django 3000, 2012)

Das war ein Monat! Wir haben uns mit Spirituosen aus Russland, Österreich, Belize, Fiji, Barbados, Indien, Helgoland und Schweden rumgeschlagen. Während das Sommerloch langsam dahinschmilzt beschäftigt sich der weltgrößte Spirituosenkonzernen Diageo plc., der auch im Bier- und Weingeschäft nicht unerheblich tätig ist, mit den Folgen übermäßigem Alkoholgenusses. Andere Menschen kramen Top-Listen aus der Schublade. Ja, sowas gibt es noch. Da geht es z.B. um Event Drink Trends oder um die besten Cocktails und natürlich die teuersten oder besten Whiskys der Welt. Letztere Liste führt mit satten 100% der Punkte Knob Creek, ein ganz ordentlicher Bourbon aus dem Hause Beam, an - knapp vor dem 1964er Bowmore Gold und einem The Macallan 55y. Unsinn? Klar, aber egal - Hauptsache, dass wir irgendwie die Überleitung zum heutigen Thema geschafft haben. Es geht um American Whiskey.

Big Boys, Craft und Independents

Warum ich nicht mit den Begriffen Bourbon oder besser Kentucky Straight Bourbon Whiskey (KSBW) aufschlage? - Weil das hier nicht immer ganz exakt passen würde. Aber dazu gleich mehr. Wer sich mit den einzelnen Klassifikationen des American Whiskeys nicht ganz sicher ist, darf kurz zu Wikipedia rüberschalten - hier. Aber die Sache ist in Bewegung. Daher zunächst ein kleiner Exkurs zur Lage des Whiskey in den Staaten, wo Kentuckys Whiskey Distilleries 2012 erstmals seit 40 Jahren wieder über 1.000.000 Barrels frisch befüllt haben. Ein Anstieg von rund 120% seit 1999.



Bis vor ein paar Jahren war es noch einigermaßen einfach die U.S-Whiskeylandschaft zu überblicken. Es gab 13 Destillerien im Besitz von 8 Companies. Nennen wir sie die Big Boys. Die - und das ist schon etwas unübersichtlicher - bringen eine ganze Menge verschiedener Marken in Umlauf. Der überwiegende Teil davon waren zwar KSBW, aber oft ist die wahre Quelle - sprich die Destillerie - auf dem Flaschenetikett gar nicht angegeben. Ein klassischer Vertreter ist der in Deutschland bestens erhältliche PennyPacker (40% Vol., 0,7l, ca. 8-10 EUR), der von Heaven Hill Distilleries Inc. für die deutsche Borco-Marken-Import GmbH & Co. KG hergestellt wird. Der edle Tropfen kommt übrigens im Tank über den Atlantik - abgefüllt wird dann in Deutschland.

Ähnlich unromantische Praktiken gab/gibt es aber auch (schon immer) auf dem U.S-Whiskeymarkt. Ob ich nun ein Riese wie Diageo bin, der eine (sehr ordentliche) Marke wie Bulleit Bourbon bzw. Rye pusht, obwohl der Stoff von den Konkurrenten Four Roses (Bourbon) und MGPI (Rye) gekauft wird, da man im Moment keine eigene arbeitende Distillery in Kentucky besitzt oder ob ich als (unabhängiger) Abfüller operiere, der den Stoff im Tank oder in Fässern von den Big Boys kauft und im eigenen Lager weiterreift oder gleich unter traditionsbeladenen oder fantasievollen Markennamen an den Mann bringt - immer bin ich ein NDP, ein Non-Distiller Producer. Das ist auch der große Unterschied zu den (unabhängigen) Abfüllern von schottischem Single Malt, die - bis auf wenige Ausnahmen - gerade eben mit dem Ursprung der Fässer bzw. deren Inhalt hausieren gehen.

Mittlerweile gibt es aber auch über 200 Micro oder Craft Distilleries, die (zum Teil neben mehr oder weniger brauchbaren Vodkas und/oder Gins auch) Whiskey herstellen. Herstellen? Interessanterweise verkaufen einige Micros auch Whiskeys aus der Produktion der Big Boys. Dabei behaupten sie zwar zumeist nicht, dass sie den Stoff selber gebrannt haben. Sie machen aber auch nicht darauf aufmerksam, dass sie ihn nicht selbst destilliert haben. Noch verwirrender wird es, wenn zugekaufter Whiskey vom Craft Distiller re-destillert und/oder mit selbst hergestelltem (Malt)Destillat vermischt und/oder durch Fassausbau veredelt wird. Ahh! Schöne bunte Whiskeywelt. Aber ist das noch Craft und ist Craft dann besser als Nicht-Craft? Oder wie mir ein deutscher Kenner einmal nach der Verkostung einiger Microwhiskeys zuraunte: "Schreckliches Zeug". Manche Crafties erstaunen nicht nur durch Reifung in besonders kleinen Fässchen oder dem Einsatz von Woodchips oder -staves, sondern auch durch die Beschallung des reifenden Stoffs mit beispielsweise Rapmusik. Yeah! Das ADI - The American Distilling Institute - versucht zwar neuerdings mit Zertifikaten etwas Licht in den Dschungel zu bringen. Da es sich dabei aber wohl eher um eine Geldbeschaffungstechnik, als um ein objektives Prüfsystem handelt, ist das auch nicht die Lösung. Angenehmerweise ist amerikanischer Craftwhiskey in unseren Landen kaum verbreitet und, wenn überhaupt erhältlich, extrem teuer im Vergleich zu den etablierten Markenabfüllungen. Aber egal. Die stark ansteigende Nachfrage nach dem braunen Zeug - nicht zuletzt angeheizt durch beispielsweise 21 (!) lokale Whiskeydestillerien in New York - ruft eine zunehmende Experimentierfreudigkeit an allen Parametern (Mashbill, Hefestämme, Fassarten/-größen, etc.) auf den Plan. Ein Ryewhiskey der in Ex-Rumcasks gefinished wird, in denen zwischenzeitlich Cognac gelagert wurde? Warum nicht...
 (Michter's Tutankhamun Jug 1978)

Im Konzert der Großen spielt die oben schon erwähnte, als LDI - Lawrenceburg Distillers Indiana LLC - bekanntgewordene, Firma MGPI (MGP Ingredients Inc.) eine beachtenswerte Rolle. Der Betrieb, der heute in zwei Anlagen Lebensmittelbestandteile wie Neutralalkohol, Stärke, etc. aber auch diverse Spirituosen herstellt, gehörte ab 1933 zum Seagram-Konzern und stand unter der späteren Herrschaft von Pernod Ricard 2006 sogar schon vor der Schließung. Sie ist gegenwärtig die Quelle vieler namhafter Ryewhiskeys wie z.B. Templeton, George Dickel, Redemption, Bulleit, James E. Pepper, High West, usw. und auch einiger Bourbons. Wussten Sie das? Ja, das kann man vielerorts nachlesen. Natürlich nicht auf den Internetseiten der vorgenannten Marken oder gar den Flaschenlabels. MGPI zählt damit auch zu den Big Boys, auch wenn keine Eigenmarke vertrieben wird

Willett

Doch zurück zu den Abfüllern. Ein in Sammlerkreisen hochgeschätzter Abfüllbetrieb und Whiskeyvertrieb waren die KBD - die Kentucky Bourbon Distillers (die sich nun offenbar nur noch "Willett" nennen). Die umtriebige Company der Willett/Kulsveen Family, deren Vorfahren schon vor der Prohibition im Business waren, brachte in der Vergangenheit (inzwischen eingestellte) Marken wie "Very Old St. Nick" oder "Black Maple Hill" (mit) heraus, die Sammlern heute Tränen in die Augen und Konten ins Dispo treiben. KBD war/ist ein unabhängiger Abfüller, der Bourbon und Rye vornehmlich von der benachbarten Heaven Hill Distilleries Inc., aber auch von anderen Herstellern (s.o. MGPI), kauft, dann z.T. im eigenen Lager weiter ausreift, abfüllt und weiterverkauft. Das ganze läuft auf Bestellung für Kunden, die den Whiskey in eigener Flasche und unter eigenem Label vermarkten oder aber auch für diverse aktuelle Eigenmarken der KBD/Willetts/Kulsveens wie Old Bardstown, Johnny Drum und Willett und den Brands aus der Small Batch Boutique Bourbon Collection (zur Zeit: Kentucky Vintage, Noah's Mill, Pure Kentucky und Rowan's Creek). Seit 2012 wird aber auch wieder selbst destilliert. Am Ort der alten Willett Distillery wurde in einem Neubau eine eigene Destillerie inkl. Pot Still geschaffen. Wann der erste Juice von dort dann in den Handel kommt, steht noch in den Sternen, aber mit Willett Pot Still Reserve hat man vorausschauend schon eine No-Age-Statement-Marke (NAS) geschaffen.

An dieser Stelle nochmal ein Exkurs. Unter Pot Still versteht der fortgeschrittene, europäische Whiskygenießer in der Regel eine Brennblase im schottischen Stil ohne vor- oder nachgeschaltete Destillationssäulen. Artverwandte Modelle kann man im Rumbereich, z.B. in Jamaika, finden. In den USA tröpfelt der White Dog heute fast ausschließlich aus Säulenanlagen in sogenannte Thumper oder Doubler. Dahinter verbirgt sich eine Art Pot Still, die aber im Normalfall nichts mit den blankpolierten kupfernen Schönheiten von Glenmorangie oder Glenfiddich zu tun hat, sondern ein ziemlich einfacher, schmuckloser Brennkessel ist. Folge: Jeder auf diese herkömmliche Weise hergestellte Bourbon könnte sich guten Gewissens Pot Still Whiskey nennen, da es keine Regelungen zur Verwendung dieses Begriffes gibt. Genauso könnte auch jeder der handelsüblichen Bourbons der Big Boys den Begriff Sour Mash auf dem Etikett tragen, da die Sour Mash-Methode ausnahmslos angewandt wird. Festzuhalten ist aber, dass amerikanischer Whiskey vor der Erfindung der Column Still Mitte des 19. Jahrhunderts in "echten" Pot Stills gebrannt wurde. Insofern ist das ein traditioneller Begriff und eine traditionelle Herstellungsmethode. 

Ach ja, und weil wir gerade dabei sind: Small Batch ist einer der unsinnigsten Begriffe, der sich im gesamten Spirituosenbereich tummelt. Der eine Hersteller versteht darunter eine kleine Produktionscharge, z.B. aus einer Pot Still, während der andere darunter eine kleine Abfüllmenge versteht. Klein? Naja, relativ klein natürlich. Für Brown-Forman oder Jim Beam ist das natürlich jeweils ein anderes klein, als z.B. bei Willett. Aber zurück zum...

...Stichwort: Sour Mash. Über den deutschen Willett/KBD/Michter's-Importeur Mike Werner habe ich vor über zwei Jahren hier bereits berichtet. Doch es gilt ein paar News nachzuschieben. Zunächst darf ich auf die Gründung der American Whiskey Academy e.V. - Verein zur Förderung der amerikanischen Whiskeykultur in Europa - hinweisen, als deren Präsident Herr Werner fungiert. Der Verein trifft sich (derzeit noch ziemlich unregelmäßig) im neugeschaffenen Ladenbereich von Mike's Whiskeyhandel in München, der ganz im Stil einer amerikanischen Bar gestaltet wurde (s.o.). Zu Bestaunen gibt es dort immer wieder neue Raritäten und Standards, die Mike Werner von seinen amerikanischen Partnern bezieht. Zuletzt wurde der 2012 ins Programm aufgenommene Michter's Original Sour Mash Whiskey präsentiert. Was ist das besondere daran?


Michter's

Die Michter's Range reicht heute vom klassischen Straight Rye Whiskey (in Single Barrel-Abfüllung) über einen Unblended Bourbon (unter Verwendung von bereits zur Bourbonreifung benutzten Fässern) und einen Small Batch Bourbon (beide ohne Straight-Zusatz) bis zu älteren Single Barrel Bourbons und Straight Ryes. Ja, es geht weiter durch den Begriffedschungel. 

Kurz zum aktuell vorrätigen Michter's Single Barrel Bourbon 10 Years Old (47,2% Vol., 0,75l, im Onlinehandel ab ca. 125 EUR): Ich konnte einen Blick in die zur Lieferung gehörenden Papiere des ATF werfen und für das Barrel/Batch 2347 feststellen, dass der Stoff schlappe 253 Monate in White Oak gelagert worden war. Hä? Das sind ja 21 Jahre und 1 Monat! Warum wird der Whiskey dann nicht als 20- oder 21jähriger verkauft? Nun, diese Frage muss man Dr. No stellen. Hinter diesem Namen steckt Willie Pratt, der Master Distiller von Michter's, der u.a. für die Auswahl der Fässer für die exklusiven Single Barrel-Abfüllungen zuständig ist und dessen Nickname aus dessen Weigerung resultiert, geschmacklich noch unreife Barrels für die Abfüllung freizugeben, auch wenn die tatsächliche Reifedauer dies längst zuließe. Kurzum: Wenn 10 Years Old draufsteht, muss der Whiskey auch wie 10 Years Old schmecken. Eine nachvollziehbare Philosophie auch wenn mancher Marketingmensch schreiend davon läuft, wenn er erfährt, dass 21jähriger Stoff als 10jähriger verkauft werden soll/muss (Mike Werner hat übrigens noch ein paar Flaschen eines 25jährigen Michter's Single Barrel Straight Rye auf Lager, der (Oh Wunder!) auch wesentlich länger im Fass war. Fragen Sie ihn bitte selbst nach dem Flaschenpreis).

Diese qualitätsorientierte Praxis spricht definitiv für Herrn Pratt und somit das Geschäftsgebahren des Eigentümers der Michter's Distillery, der Chatham Imports Inc. Moment mal - Michter's Distillery? Da war doch was? Ja genau. Der Michter's Distillery wurde vom Wine Enthusiast Magazine der Titel "Distiller Of The Year 2012" verliehen. Das kann es so auch nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geben: Der Distiller Of The Year destilliert nämlich gar nicht und besitzt noch nicht einmal eine laufende Distillery. Gut,  man arbeitet zumindest daran - d.h. man baut eine industrielle Destillerie und eine kleine Micro-Showanlage inkl. Visitor Centre in Louisville's Bourbon Row, wo man derzeit mächtig aufrüstet. Bis das alles läuft, dauert es noch etwas, aber einen Master Distiller hat man ja schließlich schon. Mike Werner hat mir von seinem letzten U.S.-Trip vor ein paar Wochen dankenswerterweise einige Schnappschüsse von Michter's nagelneuer Abfüllstraße nebst Whiskeyentsalzungsanlage (!) und dem Nachbau einer historischen Vendome Pot Still (die wohl ins Visitor Centre wandern wird) zur Verfügung gestellt.
 (Michter's 2013)
 (Michter's Bottling Line 2013)
 (Mike Werner und Willie Pratt 2013)

Schon wieder Pot Still. Aber ich wollte endlich zum Michter's Original Sour Mash Whiskey (43,3% Vol., 750 ml) kommen. Man sagt, dass sich die Wurzeln der Michter's Distillery bis 1753 zurück verfolgen lassen. Ob die älteste Brennerei immer den besten Whiskey herstellt, sei dahingestellt und auch der Name "Michter's" wurde erst in den 1950ern (aus den Vornamen Michael und Peter der beiden Boys vom damaligen Inhaber Lou Forman) kreiert. Der gesamte aktuelle Michter's Whiskey hat mit der Historie, der übrigens in Pennsylvania und nicht in Kentucky beheimateten "echten" Michter's Distillery bis zuletzt rein gar nichts zu tun - außer der Namensgebung. Während die Distillery in Schaeferstown, PA, mittlerweile nur noch eine Ruine ist, leben zwei ihrer Legenden nun aber wieder auf: Zum einen die Idee des Old-fashioned Pot Still Whiskey, die man dort schon in den 1960ern entwickelt und propagiert hatte. Zur Unterfütterung dieser Bezeichnung hatte man sogar eine One-Barrel-A-Day Distillery mit 2 kupfernen Vendome Pot Stills im Besucherzentrum aufgebaut, die ab 1976 zumindest für Anschauungszwecke echten Pot Still Whiskey produzierte, der als White Dog im Besucherzentrum verkauft wurde. Zu einer wirtschaftlichen Produktion mit einer traditionellen Blase war es aber nie gekommen. Zum anderen der Whiskey, den Master Distiller C. Everett Beam (aus der Joseph B. Beam Linie) ab Mitte der 1950er dort gebrannt hat und der bis in die späten 90er auch als ganz normale Standardabfüllung in einer handelsüblichen Square Bottle, wie wir sie bis heute von Jim Beam oder Jack Daniel's kennen, und diversen mehr oder weniger geschmackvollen Ceramic Jugs und Geschenkdekantern abgefüllt wurde:  

Michter's Original Sour Mash Whiskey (distilled and bottled in Pennsylvania). Kein Bourbon, kein Rye, schon gar kein Straight Whiskey und auch kein reiner Pot Still Whiskey. Warum nicht? Gearbeitet wurde mit einer herkömmlichen Apparatur und offensichtlich beinhaltete das damalige Rezept, die Mash Bill, weder mindestens 51% Roggen noch mindestens 51% Mais, wie es für Rye bzw. Bourbon vorgeschrieben ist. Willie Pratt (und auch Whiskeyautor Chuck Cowdery) geben eine Mash Bill von 50% Roggen, 37% Mais und 13% gemälzte Gerste an, was folglich einen äußerst roggenlastigen Whiskey ergab. Dieses Ziel scheint man bei der Neuauflage nun wieder zu verfolgen. Der Michter's Original Sour Mash - ein Whiskey, der in den fast 25 Jahren seiner Abwesenheit vom Markt offenbar noch nicht vollständig aus den Köpfen seiner Liebhaber verschwunden ist, ist wieder da und wenn man den Freaks in den Bourbonblogs glauben darf, wurde die Vorgabe auch recht genau nachgebildet. Wie geht das, wenn man doch gar nicht selber destilliert? Nun, ich denke, man ist den bisher ganz erfolgreichen Weg weitergegangen, den man seit dem Relaunch der zeitweise herrenlosen Marke Michter's eingeschlagen hat: Whiskey kaufen, ggf. blenden und abfüllen. Blenden wir also z.B. einen Rye (z.B. Bulleit Rye mit 95%igem Roggenanteil) mit einem Corn Whiskey (z.B. Mellow Corn mit rund 90% Maisanteil), müsste man theoretisch in Richtung Michter's Sour Mash kommen - nur theoretisch natürlich (siehe z.B. auch High West Bourye bzw. Son Of Bourye).
 (Michter's 1964 und 2012)

(Michter's Pot Still 2013)

Zur Michter's Story gehört aber natürlich auch A. H. Hirsch Bourbon, der dort 1974 - übrigens nach einer traditionellen Bourbonrezeptur - auf Bestellung von Herrn Adolph H. Hirsch destilliert wurde und nach dem Ende der Distillery in Pennsylvania in verschiedenen Abfüllungen auf den Markt kam. Whiskeyblogger und -writer Chuck Cowdery hat dem Thema ein E-Book gewidmet, das ich hier bereits einmal empfohlen habe und in dem alles Wissenswerte zur alten Michter's Distillery und dem wahren Hirschbourbon (Es existieren heute allerlei andere Abfüllungen ohne die Initialen A. H.) zusammen getragen ist. 

Alle A. H. Hirsch Abfüllungen haben heute eines gemeinsam: Die Preise gehen durch die Decke. Für eine Bottle der superraren 19jährigen Abfüllung wurden auf einer Auktionsplattform zuletzt knapp über 1500 EUR bezahlt. Auch das gehört neben ein wenig Panikmache und der ein oder anderen Themaverfehlung zum aktuellen Bourbonboom. Ride on, Django...