Mittwoch, 18. Juli 2012

Sipsmith G'n'T Tour 2012 - Passion For Traditional Gin - Updated

wad unterbricht kurz die Sommerpause, um von einer kleinen, feinen Veranstaltung zu berichten - der "Sipsmith" G'n'T City Tour 2012, die am Montag in "Mauros Negroni Club" in München gestartet wurde und heute in Frankfurt Station gemacht hat (weitere Termine folgen im Herbst in Hamburg und Berlin). Präsentiert wurden mit "Sipsmith London Dry Gin", "Sipsmith Barley Vodka" und "Sipsmith Summer Cup" drei Produkte, die z.T. schon länger in Deutschland erhältlich, allerdings erst seit kurzer Zeit im Vertrieb der "DTS-W GmbH" (Cocchi, Rum Nation, Ron Millonario,...) zu finden sind.
So konnte Tobias Keuper von "DTS-W" mit Sam Galsworthy einen der Firmengründer und mit dem internationalen Spirituosen- und Cocktailexperten, -autor und -historiker Jared Brown gar den Master Distiller von "Sipsmith Independent Spirits" begrüßen. Die beiden stellten dann auch ihre Firma und die Herstellungsmethoden ausführlich vor. An dieser Stelle spare ich mir größere Ausführungen, sondern verweise auf den kürzlich in der Onlineausgabe des "CLASS"-Magazins veröffentlichten Report, wo wirklich jedes Detail Erwähnung findet.

Trotzdem muss an dieser Stelle auf das eine oder andere hingewiesen werden, da sich in bislang veröffentlichten Pressemitteilungen/-berichten Fehler eingeschlichen haben  So stammt die Brennanlage Prudence der Londoner stammt nicht aus Bayern, sondern aus Baden-Württemberg (von der renommierten und weltweit bekannten Firma "Carl GmbH"). Es handelt sich bei "Sipsmith Barley Vodka" nicht um Roggenwodka und die Destilliersäule von Prudence wird nur für die Wodkaproduktion - nicht für die spätere Gindestillation (nur ein Destillationsvorgang mit Botanicals, One-Shot-Methode) - genutzt. Bin ich heute besonders rechthaberisch? - Liegt wohl an der Pause...

Wichtiger neben all diesen Informationen sind aber die angebotenen Spirituosen. Als mir der "Sipsmith London Dry Gin" (41,6% Vol., Batch 019 vom 12.11.2009 übrigens) - mittlerweile mit zahlreichen Auszeichnungen gesegnet, u.a. dem Mixology Bar Award - Anfang 2010 ins Haus segelte, dachte ich mir einfach nur: Ein verdammt guter Gin! Von dieser Meinung bin ich keinen Millimeter abgerückt auch wenn andere ihm viel besser lobhuldigten oder ihn auch einfach nicht so sehr mochten. Dass man heute fast schon "ein wachholderlastiger Gin" dazusagen muss, ist eigentlich ein Witz.

Der "Sipsmith Barley Vodka" (40% Vol.) ist kein verdammt guter Wodka - naja vielleicht schon -, aber er ist ein verdammt cremiger Vertreter seiner Zunft. Und, wie Jared Brown anmerkte, erinnert er an so manchen feinen schottischen New Make - ist ja auch ein Gerstendestillat.

Ein für Deutschland neues Produkt ist der "Sipsmith Summer Cup" (auf Ginbasis mit 29% Vol.). Gegenüber dem Primus "Pimm's" ist der aber trockener, fruchtiger und irgendwie vielschichtiger. Jareds Vergleich mit einem italienischen Amaro konnte ich gut nachvollziehen. Ein besonders fruchtiger Amaro allerdings. Ich werde den Knabe mal als Ersatz für roten Vermouth, z.B. im Manhattan oder Negroni, probieren - das könnte ganz gut klappen. Die klassische Rezeptur ruft aber nach Zitronenlimonade und frischen Früchten. Eine "Royale" Version mit 25ml "Summer Cup, 25ml Zitronensaft aufgegossen mit Champagner hört sich aber auch recht sprizzig an. "DTS-W" wird ihn in ein paar Wochen im Programm haben, was übrigens auch für den "Sipsmith Sloe Gin" (29% Vol.) gilt. Selbiger wird wie alle "Sipsmiths" handwerklich hergestellt, um das qualitativ Bestmögliche zu erreichen.

Mit ihren Erfolgen sind die Engländer aber auch an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten gestoßen. Nicht mehr als 300 Flaschen pro Batch bei rund 80.000 Flaschen pro Jahr bedeutet, dass Prudence voll ausgelastet ist und deshalb bald ein größeres Schwestermodell bekommen soll. Dann kann sich Jared Brown auch einer völlig neuentwickelten Ginspezialität widmen. Eine inoffizielle Kostprobe hatte der Mastermind dann natürlich auch noch aus der Tasche gezaubert: Ein Destillat, dessen Anteile an Wacholder, Koriander und Zitronenverbene praktisch verdoppelt waren ergab einen extrem grapefruitlastigen "Gin" - mit über 80% Vol. Wir dürfen wirklich gespannt sein, was uns aus seiner "Hexenküche" in der Zukunft noch alles aufgetischt wird...

Nach Tasting, G'n'Ts (bevorzugt wird übrigens "Fever Tree"), Summer Cup und Häppchen gab es Gelegenheit zum ausführlichen Austausch von Barkeepergeschichten über erst kürzlich aufgefundene Fotografien von Harry Johnson etc.pp. Ich konnte mich zwischen die Browns und Mahjoubs mogeln und Jared ein paar Fragen stellen.

whatadrink!: Jared, zunächst eine Frage, die Du in Deinem Vortrag eigentlich schon
 beantwortet hast. Warum bist Du Master Distiller für "Sipsmith" geworden? Du sagtest, dass Du die passion for a traditional gin mit Deinen jetzigen Mitstreitern teilst.

Jared Brown: Als ich Sam und Fairfax traf, war das auf einer Negroniparty in der "Beefeater" Distillery, wo wir von Geraldine Coates (u.a. Autorin von "The Mixellany Guide To Gin") vorgestellt wurden. Und sie sagte: "Jared, diese beiden Herren hier sind von den amerikanischen Distillern inspiriert und sie wollen so etwas hier in England auf die Beine stellen. Du kennst Dich doch ein bisschen damit aus." Und ich sagte: "Ja, ich weiß ein bisschen was darüber." Sam und Fairfax kannten eine Distillery in Idaho namens "Bardenay", für die meine Frau und ich seinerzeit das Ginrezept entwickelt hatten. So sprachen wir über Gin und was wir daran besonders mochten. Der gemeinsame Nenner war traditional gin, denn traditional gin ist der einzig wahre Gin. Jeder, der Gin herstellt und den Begriff Gin so neudefiniert, damit dieser Begriff zu seinem Produkt passt, kann keinen Gin machen. Gin ist die komplexeste Spirituose, die man herstellen kann. Für mich bedeutet daher mastery of gin, dass man traditionellen Gin herstellt. Ich liebe es mit tradionellem Equipment und mit traditionellen Botanicals zu arbeiten. Ich besitze eine ganze Sammlung von alten Büchern mit Destillationsrezepten und ich habe mich da durchgearbeitet auf der Suche nach einem Urrezept, dass ich dann als Ausgangspunkt nehmen wollte. Da keine zwei Stills gleich arbeiten, muss man für jede Still ein eigenes Rezept entwickeln. Und das ist uns hier gelungen. Ich sagte bewusst gelungen, da das ein Gin ist, den wir gerne trinken.

wad: Ich hatte meine erste Flasche Anfang 2010 bekommen. Kam da nicht auch "Beefeater 24" raus?

JB: Ja, wir kamen knapp vor dem "24" - übrigens ein ganz hervorragender Gin - auf den Markt. Meine Frau und ich hatten die große Ehre von unserem Freund Desmond Payne, dem Master Distiller von "Beefeater", über rund zwei Jahre immer wieder zu Tastings während seiner Entwicklung des "24" eingeladen zu werden. So haben wir den Weg dieses Gins von der Geburt bis zur ersten Abfüllung mitverfolgen können. Ich muss sagen, dass ich von Desmond sehr viel gelernt habe.

wad: Wir leben in einer Zeit, in der laufend - fast wöchentlich - neue Gins auf den Markt kommen. Wenn man in die großen Onlineshops in England, Deutschland oder Spanien schaut, sieht man eine unglaubliche Auswahl. Was wird die Zukunft bringen?

JB: Das ist eine sehr gute Frage. Wenn so viele Gins auf dem Markt sind, passieren zwei Dinge. Wenn man in eine Bar geht, wird der Barkeeper nicht mehr sagen können "Wir sind eine "Tanqueray" Bar oder eine "Beefeater" Bar, denn das wäre, als ob man in eine Küche geht und der Koch sagt "Das ist eine Basilikumküche. Knoblauch? Niemals! Basilikum ist das einzig Wahre!". Denn anders als bei Wodkas schmecken zwei dieser vielen Gins niemals gleich. Manche sind gut. Manche sind großartig. Manche sind nicht so gut. Die Differenzierung von Seiten der Konsumenten wächst sehr schnell und das widerum beeinflusst die Auswahl in der Bar. Und damit meine ich nicht die Flasche, die einmal gekauft wird und über Monate in der Backbar steht, sondern die Marken von denen mehr und mehr verkauft werden. Und es gibt so wundervolle traditionelle Gins hinter den Bars und jeder hat seinen Platz. Ich denke, die Ginkategorie wird andere Spirituosenkategorien zur Seite schieben. Von manchen braucht man keine 7 oder 10 verschiedenen Marken. Bei Gin braucht man die auf jeden Fall.

wad: Du glaubst, dass dieser Raum bei Gin noch da ist?

JB: Ja natürlich. In dieser Kategorie ist noch viel Raum für viele neue Gins. "Sipsmith" soll ja auch nicht in jeder Bar auf der Welt sein. Wir können ja gar nicht so viel herstellen. Wir verkaufen bislang nicht in die USA, da wir die Nachfrage gar nicht befriedigen könnten. Wir wären erstmal damit zufrieden zu wachsen und all die Leute zu versorgen, die unseren Gin in Europa haben wollen.

wad: Werner Obalski hat vorhin gefragt, warum keine Variante mit höherem Alkoholgehalt  existiert. Ich stelle die Frage mal anders: Warum wird "Sipsmith London Dry Gin" mit 41,6% Vol. abgefüllt?

JB: Den Alkoholgehalt eines Gins einzustellen ist, wie wenn man das Verhältnis der Botanicals zu einander einstellt, denn deer Alkoholgehalt bestimmt, wie die Botanicals während des Trinkens zum Vorschein kommen. Wenn Du irgendjemanden frägst, der über eine längere Zeit Gin herstellt, wird er Dir sagen, dass die ideale Alkoholstärke zwischen 41 und 43% Vol. liegt um die Eigenschaften der Botanicals zu bewahren und sie in einem Drink hervortreten zu lassen. Wir haben unsere Tests bei 40% Vol. begonnen und sind bis 49% Vol. gegangen. Und die 41,6% Vol.-Version hat in allen Blindtastings gewonnen. Und wir saßen nicht da und haben uns über Zahlen unterhalten, sondern wir tranken Martinis und G'n'Ts.

wad: Scheint mir der beste Weg zu sein.

JB: Natürlich. Das geht nur auf dem Wege, wie Gin konsumiert wird. Nicht straight und im Nosingglas, sondern mit Freunden und etwas zum Essen dazu. Das hat uns letztlich dazu geführt die richtige Stärke für unseren Gin zu finden. Sam sagte vorhin, dass wir eine komplett neue Expression mit höherem Alkoholgehalt entwickeln. Die braucht auch eine komplett neue Formel, da der höhere Alkoholgehalt den Wacholdergeschmack stark beeinflusst. Es gibt einen sehr populären Gin mit regulärer Alkoholstärke für dessen Variante mit höherem Alkoholgehalt man die gleiche Rezeptur verwendet. Es ist einer der Top-Selling-Gins heutzutage, aber man kann den Wacholder nicht mehr schmecken, da er vom höheren Alkoholgehalt unterdrückt wird. Mit unserem Gin wird es dieses Problem nicht geben. Dafür werde ich sorgen. Bei uns wird einem der Wacholder im Ohr sitzen und rufen "Ich bins: Der Wacholder!"

(Foto von John Hofmann)

wad: "Sipsmith" erweitert seine Kapazitäten mit einer zweiten Still. Wie wird die aussehen?

JB: Wir kaufen eine größere Destillieranlage, aber im gleichen Design, denn wir sind so zufrieden mit dem starken Reflux in Prudence.

wad: Mir ist die Form des oberen Teils von Prudence aufgefallen. Der Kopf sieht aus wie zwei aufeinandersitzende Kegel und ist nicht rund oder zwiebelförmig.

JB: Ja, stimmt. Wir haben auch einen 90°-Schwanenhals, der weiteren Reflux zulässt. Wenn man sich viele Whiskystills in Schottland ansieht, sieht man, dass sich diese stark verjüngen und dann den Schwanenhals in spitzem Winkel nach unten abfällt. Das macht Reflux nur in geringem Maße möglich.

Mehr Fotos hier...
Update:

Mittlerweile ist die oben angekündigte weitere Ausgabe des Sipsmith London Dry Gin erhältlich. Hinter dem schnöden Namenszusatz V.J.O.P. verbirgt sich ein extrem wachholderlastiger, hochprozentiger Mixgin der mit satten 57,7% Vol. (0,7l knapp unter 50 EUR) um sich ballert. Gratulation, Meister Brown! 

Die ersten 360 Flaschen aus Batch #1 (gesamt 1.800 Flaschen) für Deutschland sind (fast) weg - mehr davon kommt Ende Januar/Anfang Februar in den Handel.

Sonntag, 3. Juni 2012

Ardbeg Day 2012 in München

Schubkarren-Geschicklichkeitsfahren, Gummistiefelkegeln, 4,5-Literflasche-Stemmen (voll!),... Das waren nur drei der doch ziemlich sportlichen Disziplinen, die im Rahmen der "Ardbeg"-lympics absolviert werden mussten. Aber fangen wir doch von vorne an... 

Nachdem die Erwartungen der "Ardbeg"-Fans mit täglich neuen elektronischen Verlautbarungen und einer einwöchigen Reise durch Deutschland zu den offiziellen Vertretungen der Marke in Hamburg, Frankfurt, Nürnberg, Bonn und Münster ins praktisch unerträgliche geschürt worden waren, stand am gestrigen Samstag nun endlich der "Ardbeg" Day und damit das Finale der "Peaty Push!"-Tour in München an. Dazu versammelten sich fast 100 Ardbegians an der Uni und wanderten dann rund drei Kilometer über Leopoldstrasse, Hofgarten und Odeons- und Marienplatz bis zur Münchner Embassy, dem "Tara" Whiskyladen am Rindermarkt.

Dort gab es den begehrten Stoff, die "Ardbeg"-Day-2012-Abfüllung (1st-Fill- und 2nd-Fill-Bourbonfässer, 10-12 Jahre alt, 6monatiges Sherryfinish, 56,7% Vol.) dann auch käuflich zu Erwerben - zumindest für alle die, die die richtige Email ausgedruckt dabei hatten. Kostproben gab es schon unterwegs reichlich - dafür wurden Schubkarre inkl. 4,5-Liter-Flasche und Glasware mitgeführt. Kurz zum Whisky selber: Ein typischer "Ardbeg"! Süßer Grundton, rauchig und torfig ist er, aber trotz des kurzen Sherryfinishes ist dieses deutlich zu vernehmen. Gutes Zeug! (auch wenn es einen nicht vom Hocker haut wie ein Alligator oder Supernova - aber das muss es ja auch nicht). 10.000 Flaschen sollen weltweit davon verkauft werden und es wird keine spätere, reguläre Handelsabfüllung, wie z.B. beim Alligator, geben.
Den Nachmittag verbrachten die vielgereisten Münchner in bzw. vor der "Goldenen Bar", wo neben den schon oben erwähnten Belustigungen auch diverse Getränke gemixter und ungemixter Natur und köstliche Grilladen bereitstanden. "Ardbeg" Day 2013 - Du kannst kommen...


 



 

Montag, 21. Mai 2012

Disaronno Mixing Star 2012 - hier: Casting München

Beim heutigen zweiten Deutschland-Casting zum "Disaronno Mixing Star 2012" in München traten fünf Bartenderinnen und 14 Bartender gegeneinander an. Vor der dreiköpfigen Jury mussten der selbstkreierte Signaturedrink (maximal 7 Zutaten inkl. mind. 1,5cl "Disaronno") und ein klassischer "Disaronno" Sour gemixt werden. Das hört sich zunächst einfach an und auch die bewerteten Kritierien wie z.B. "Technik", "Kreativität" oder "Präsentation" boten wenig Neues.
Leicht war es aber trotzdem nicht im Obergeschoss des "Heart" erfolgreich zu sein, da gleich zwei Moderatoren während der zehnminütigen Zubereitungs- und Präsentationszeit Fragen à la "Welche Stimmung mächtest Du mit Deinem Drink vermitteln?" stellten und auch die Herren aus der Jury gelegentlich nachhakten ("warum hast Du diesen bestimmten Sake für Dein Rezept gewählt?"). Simultan musste geshakt, gerührt, gemuddlet etc. werden. Dass Fotografen und Kamerateam auch noch um den jeweiligen Teilnehmer herumzappelten, brauche ich eigentlich nicht erwähnen - war ja ein Casting.

Ich empfand die Konkurrenz wirklich als hochklassig und die Wahl dürfte entsprechend schwer gefallen sein. Verblüffend war einmal mehr die Abwechslung zwischen Neulingen im Wettbewerbsgeschäft und den "alten Hasen" bzw. zwischen relativ simplen Drinks und aufwändigen Rezepturen und Präsentationen. 

Sieger in München wurde letztlich der letzte Starter Michael Prescher (Dresden) mit einem außergewöhnlichen Cocktail, der u.a. Frischkäse, Pflaumenessig und Rucola (!) enthält. Es folgten Marina Forciniti (Limburg) und Timon Kaufmann (München). Michael wird beim Weltfinale am 5. Juli in Berlin vom Sieger des Hamburg-Castings, Markus Heinze (Wolfsburg) unterstützt, der vor Antonia Petzholdt (Berlin) und Marlon Kutschke (Dresden) ins Ziel kam.
Von Brand Ambassador Emanuele Ingusci und Arnd Henning Heissen, beide Jurymitglieder, konnte ich kurz vor Ende des Wettbewerbs ein paar O-Töne einsammeln.

whatadrink!: Emanuele, Du warst vor und während der Bewerbungsphase zum Mixing Star in ganz Deutschland unterwegs und hast "Disaronno"-Workshops abgehalten. Wieviele Termine waren das denn insgesamt und waren besondere Highlights dabei?

EI: Es waren insgesamt 12 Veranstaltungen und die Highlights waren alle Teilnehmer, die mitgemacht haben. Die Tour hat mir sehr viel Spaß gemacht.
wad: Heute waren Neulinge und erfahrene "Wettkampfbartender" mit einfachen und ungewöhnlichen Drinks in München am Start. Was kam bei der Jury am besten an?

EI: No comment. Ich kann noch nichts verraten. Aber das Niveau war insgesamt sehr hoch.

wad: Arnd, in mehreren Rezepten waren asiatische Komponenten enthalten. Passt das zu "Disaronno"?

AHH: Ich finde das gut. Die asiatischen Bestandteile in den Drinks haben dem "Disaronno" einen frischen Touch gegeben. Frische Kräuter wie Rosmarin oder Thymian kann man sehr gut mit "Disaronno" kombinieren und das sollte weiter verfolgt werden. Auch Zitronengras und Ingwer passen bestens.

Hier noch das Siegerrezept von Michael Prescher:

Cheers - Herr Schneider! 

4cl Disaronno
5cl naturtrueber Apfelsaft
 1 Handvoll Rucola
2BL Szechuanpfeffer
3BL Frischkäse (Exquisa)
1cl Pflaumenessig

Alles in den Mixer mit 3 Eiswürfeln, Doublestrain. Garnieren-Servieren-Genießen!

Tullamore Dew - Glasses Up @ Wasserwerk

Im Münchner Wasserwerk trafen sich gestern Mike Tobin, seit kurzem Brand Ambassador für "Tullamore Dew" in Deutschland, und zwei Handvoll Barkeeper und Gäste zu einem kleinen Whiskeytasting. 

2012 wird für "Tullamore Dew" wohl irgendwie ein Neuanfang. Seit 1950 wird der Stoff nicht mehr in einer eigenen Destillerie hergestellt, sondern von anderen irischen Herstellern eingekauft. Damit soll bald Schluss sein, denn nach dem Kauf der Marke durch "William Grant Sons" (Glenfiddich, Hendrick's, etc.) wird noch dieses Jahr mit dem Bau einer neuen Destillerie in Tullamore (erster Whiskey von dort ab ca. 2020) begonnen - unter höchsten ökologischen Vorgaben übrigens. Auch das Heritage Centre wird bereits renoviert. Zugleich wandert der Vertrieb in Deutschland zu "Campari", da sich der bisherige Partner "Beam Global" den Mitbewerber "Cooley" gekauft hat, und ein neues Packaging mit mehr Konzentration auf "DEW" (= Daniel E. Williams) wird auch noch eingeführt. Der allseits beschworenen (Wieder)Belebung des Marktes für irischen Whiskey steht also nichts mehr im Wege.
Entwurf der neuen Distillery und neues Packaging
 
Nach Erläuterungen zur Geschichte des Irish Whiskey, Irish Coffee, der Schreibweise und einigen touritischen Tips starteten wir das Tasting mit dem "Tullamore Dew Original", der aus drei verschiedenen Whiskeys geblendet wird: Pure Pot Still, Malt und Grain. Der Stoff wird mindestens 3 Jahre gelagert und hat eine klare Vanillenase mit etwas Citrus. Am Gaumen überzeugt er mit leichter Würze und ist - wie erwartet - rund und gefällig.
  
An zweiter Stelle im Tasting kam mein persönlicher Favorit der "10 Year Old Single Malt", der seine Reifezeit in vier Fassarten (Bourbon, Madeira, Portwein, Sherry) verbringt. Trockenfrüchte und durchaus reife Fasaromen sind das Resultat. Ein komplexer Malt, der zupackt. Ich würde mir hier allerdings eine Version mit mind. 46% Vol. wünschen.
Den Abschluss bildete der dritte in Deutschland (Es gibt weitere Abfüllungen u.a. für die USA und das Heritage Centre) erhältliche "Tullamore", der "12 Year Old Special Reserve". Dieser besteht wieder aus drei Grundwhiskeys, wobei der Pure Pot Still-Anteil überwiegt. Gelagert wird in 2nd Fill Bourbon- und Sherryfässern. Beschreiben lässt er sich als ebenfalls komplexer Irish, den besonders seine Christmascake-Gewürze auszeichnen. Alle drei sind meiner Meinung nach nicht zu unterschätzende Abfüllungen, die aber auch niemandem weh tun.
 
whatadrink!: Mike, Wir haben heute "Tullamore Dew" und die irischen Whiskeysorten ein wenig kennengelernt. Wie siehst Du die Chancen und Zukunft des Irish - insbesondere in Deutschland, wo "Tullamore Dew" Marktführer ist?

Mike Tobin: Punkt eins ist, dass "Tullamore Dew" eine neue Whiskybrennerei für 35 Mio. Euro baut und z.B. "Jameson" auf dem U.S. Markt viele Millionen in Werbung investiert, um dort das Irish Whiskey-Segment wieder aufzubauen. Auch "Cooley" wird weiter aktiv sein und es gibt dort Innovationen wie z.B. getorfte Single Malts. Das ergibt insgesamt ein großes Potential für Irish Whiskey. Die Iren waren mit ihrem Stoff ja schonmal so groß wie die Schotten. Im Whiskeyshop am Flughafen in Dublin gibt es rund 200 verschiedene Abfüllungen und es werden weiter neue Marken und alte Rezepte auf dem Markt erscheinen.
wad: In Deutschland hat "Tullamore Dew" derzeit drei Abfüllungen auf dem Markt. Können wir für die Zukunft noch weiteres erwarten?

MT: Der Single Malt und der 12jährige sind seit 2010 bzw. seit letztem Jahr zu haben. In den USA gab es bisher einen 12 Year Old, der aber in Zukunft länger gelagert werden soll und dann als 14jähriger auch in Europa kommt.

wad: Wo liegt der Unterschied zwischen einem irischen und einem schottischen Malt? Die Schotten verwenden nur gemälzte Gerste, oder?

MT: Stimmt. In Irland gibt es zum einen das Signatureverfahren des "Pure Pot Still". Zum anderen verwenden wir gemälzte und ungemälzte Gerste. Und außerdem wird unser Malt dreimal in der Pot Still gebrannt.
Zum Abschluss konnte Mike noch ein paar neuentwickelte Signaturedrinks vorführern. Hier die Rezepte:

Glasses Up!
4cl Tullamore Dew Original
1cl Agavensirup
2,5cl Apfelsaft (naturtrüb)
5cl Zitronensaft
1 Dash Peychaud's Bitters
3cl Champagner
Die ersten 5 Zutaten geshakt und in Champagnerglas mit Vanillezuckerrand strainen und mit Champagner aufgießen. Deko: Zitronenspirale

Brian Ború
5cl Tullamore Dew Original
1,5cl roter Vermouth (Martini Rosso)
0,5cl Maraschino (Luxardo)
1 Dash Orange Bitters
1 Dash Angostura Bitters
Rühren auf viel Eis und im Martiniglas mit Zitronenzeste (abspritzen + drop in)

Tullamore Tropic
4cl Tullamore Dew Original
1cl Limettensaft
2 Barlöffel Puderzucker
8cl Ananassaft
5 weiße Trauben
Trauben mit Zucker im Longdrinkglas muddlen, mit Crushed Ice auffüllen, restliche Zutaten dazu und umrühren. Deko: Ananas, Zitronengras, Minze

Pecannuss Sour aka Richy's Nuts
4cl Tullamore Dew Original
1 Barlöffel Aprikosenmarmelade
1,5cl Zitronensaft
1,5cl Eiweiß
2 Dash Abgostura Bitters
1 Prise Zimt
geröstete Pecannüsse
Dry Shake, dann auf Eis shaken und in Martinischale abseihen, Deko: geröstete Pecannüsse

Tullamore Cranberry
5cl Tullamore Dew Original
20cl Cranberrysaft
Zitronenschnitz (Tullamore Cut)
Im Longdrinkglas Zitronenschnitz über Eiswürfel ausdrücken, mit Whiskey und Saft aufgießen, umrühren.