Sonntag, 22. April 2012

Havana Club - Academia Del Ron 2012: Die Vorzeichen

Am Dienstag und Mittwoch öffnet die von "Havana Club" ins Leben gerufene Academia Del Ron in Berlin ihre Tore. An noch geheimer Location treffen sich dann 30 Bartender, die sich mittels selbstkreiertem El Presidente-Rezept bzw. über die Edición Talento für das Deutschlandfinale qualifiziert haben, zu Workshops, Tests und Wettbewerb. Ich werde auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und konnte im Vorfeld der Veranstaltung mit einem der Teilnehmer des letzten Jahrgangs sprechen.
 
whatadrink!: Gerhard Praun, Du arbeitest in München in der "Goldenen Bar" und im "Barroom". Ich kann mich noch an letztes Jahr erinnern, als Du ganz begeistert von der Academia in Köln zurückgekommen bist. Was war dort für Dich besonders beeindruckend?

Gerhard Praun: Beeindruckt haben mich die Auswahl der Dozenten, die Qualität der Veranstaltung generell und auch die hohe Qualität der Teilnehmer. Die Veranstaltung war sehr gut geplant, es lief alles wie ein Uhrwerk ab. Und auch die Location war absolute Spitzenklasse. 
wad: Konntest Du auch was für Deine tägliche Arbeit mitnehmen?

GP: Ja, wichtig war für mich vor allem die Foodpairing- und die Tikigeschichte aber auch die vielen Infos über Rum im Allgemeinen und natürlich "Havana Club" im Besonderen.

wad: Würdest Du in Zukunft wieder an der Academia teilnehmen? 

GP: Ich würde mir generell wünschen, dass es mehr solcher fundierter Workshops bzw. Wettbewerbe gibt, wobei mir aber der Workshop am wichtigsten erscheint. In meinem Alter muß ich mir in einer Competition ja nix mehr beweisen.

Die Rezepte der Teilnehmer 2012 und alles andere Wissenswerte finden Sie auf der offiziellen Seite - Weiteres gibts via fb und natürlich auch hier... Sinn macht auch immer ein Blick auf die Seite Havana Cocteles.
 

Samstag, 21. April 2012

Braukunst Live! 2012 - Ein Muss!

Wie hier bereits angekündigt, tobt dieser Tage der Hopfen- und Malz-Bär beim "Braukunst Live!" Festival im Münchner MVG-Museum. Ich war am gestrigen Freitag schon dort und darf zuallererst mein Fazit loswerden: HINGEHEN und GENIESSEN!
Eineinhalb Jahre haben Frank Böer und sein Team von einer fixen Idee während einem Gang über den Viktualienmarkt bis zur Eröffnung ihres Bierkulturfestivals gebraucht. Das Ziel war eine Bühne für eine Szene zu bieten, die sich im Aufbruch befindet. Ich finde, diese Bühne steht bei ihrer Premiere schon äußerst passabel da - die Erfahrungen mit "Finest Spirits" haben sichtbar geholfen. Die ganz großen Big Boys der Bierbranche sind nicht zugegen - die kennen wir ja schon. Aber ab "Hofbräu" und "Schneider Weiße" abwärts ist ein bemerkenswert vielfältiger, auch international angehauchter Querschnitt in der großzügigen Museumshalle versammelt.
 Frank Böer
Aber wo den Rundgang anfangen? Ich empfehle eine Orientierung an Stand Nummer 1 bei "Braufactum" mit ihren zehn selbstgebrauten und weiteren 25 (!) handgemachten Topbieren aus z.B. Italien und den USA. Unverzichtbar ist auch ein Versucherle bei "CREW AleWerkstatt" und den belgischen Freunden gleich um die Ecke. Ein nagelneues Holzfass (ohne Füllung) lässt sich ebenso bestellen wie ein ganzes hölzerens Sortimentstragerl bei "Camba Bavaria" aus dem malerischen Truchtlaching. Unbedingt probieren: Im Bourbonfass für 9-12 Monate gereifter, öliger Doppelbock mit fetten Röst- und Karamellaromen. Dann schnell rüber zum "Hofbräu". Dort wurde eigens das Festivalbier Zweifach gehopfter Hallodri mit appetitlicher Nase nach grünen Aprikosen und angenehm ausgewogener Hopfennote gebraut. Ein Sixpack zum Mitnehmen gibts auch. Dann noch schnell zur "Braustelle Köln" und das McHeath's Murder Malt Cal. 45 aus dem Single Malt Cask verkostet. A propos Single Malt. Die Ergebnisse des Beer Goes Barley-Projekts gibts auch noch zu bestaunen. Dazu begebe man sich ans Ende der Ausstellerfläche zu den Whisk(e)yspezialisten von "C&S Dram", "Glenglassaugh", "Coillmor", "Munich Spirits" und "Mike's Whiskeyhandel". Und bevor man sich im Probieren, Degustieren vollends verliert, macht ein Stop beim Festivalshop und der Kauf einer der letzten 1000 Flaschen des superlimitierten und eigentlich längst ausverkauften "TAP X" von "Schneider Weisse" Sinn.

frisch gezapft
 
Biergespräche
Angebot von "Camba Bavaria"



Deandl mit Dirndl
Spezialisten unter sich an der "Braustelle"
 





Schirmherr Prof. Wurm von "Bierconvent" und Dr. Möller vom "Hofbräu"
 




Hopfensorten
 

 
So, hier noch ein Hinweis zu den Festival-Master Classes, dem begleitenden Vortragsprogramm, bei denen es dann doch wieder um Hopfen, Malz und Reinheitsgebot geht...

Dienstag, 17. April 2012

Champagner Teil 2: Vranken - Pommery

Wer sich bei Andreas Tills erstem Champagner-Workshop vor einigen Wochen in der "Goldenen Bar" entsprechend vorgebildet hatte, konnte das neugewonnene Fachwissen nun in der zweiten Runde bei der Verkostung einer ganzen Reihe von Produkten aus dem Hause "Vranken Pommery Monopole" anwenden und vertiefen. Dazu hatte man in das Ristorante "Bibulus" bzw. das angrenzende Weingeschäft geladen. Hausherr und Sommelier Jon Diaz Lopez führte fachkundig durchs flüssige Programm, das so aussah:

Demoiselle Tête de Cuvée Brut
Demoiselle Brut Rosé

Pommery Springtime Brut Rosé
Pommery Summertime Blanc De Blancs
Pommery Brut Apanage
Pommery Brut Millésimme Grand Cru Vintage

Diamant De Vranken Cuvée Diamant Brut
Diamant De Vranken Diamant Rosé
Diamant De Vranken Cuvée Diamant Blanc Vintage
Diamant De Vranken Diamant Bleu
Ehrlich gesagt hatte mich "Pommerys" Standard, der Brut Royal, nie wirklich vom Hocker gerissen. Im obigen Portfolio des zweitgrößten Champagnerproduzenten waren jedoch einige wirklich schöne Perlen enthalten, die eine genauere Untersuchung von Nöten machen. Die beiden Libellen (deutsch für Demoiselle) waren ein guter Einstieg mit freundlichem Preis-Leistungs-Verhältnis. Legt man ein paar Euronen mehr auf den Tisch, so erfreuen der erdbeerige Springtime Brut Rosé und der frische Apanage von "Pommery". Neu und äußerst bemerkenswert waren aber die
französischen Freunde, die man unter dem Label "Diamant De Vranken" zusammengefasst hat. Einen tollen und sehr ausgewogenen Rosé gibt es da ebenso, wie den ausgezeichneten Cuvée Diamant Blanc. Beide bezahlbar und - naja - extraordinaire. In meiner kleinen Schampuswelt hat sich der Bleu natürlich auch eine eigene Ecke reserviert - aber das ist dann eben auch Prestigeklasse. Einige der vorgestellten Tropfen stehen übrigens nur der (gehobenen) Gastronomie zur Verfügung und sind daher im Handel nicht oder nur schwer zu bekommen. Schade eigentlich...Degustiert wurde übrigens immer parallel in der Flute und im Weißweinglas (hier: nullkommaeins), wobei sich herausstellte, dass die Unterschiede zum Teil sehr groß waren. Die Flute harmonierte eher mit den spritzigeren und fruchtigeren Abfüllungen während das Weinglas eher zu den "weinigeren" Vertretern passen wollte. Grundregel also: Champagner aus dem (Weiß)Weinglas ja, aber bitte Ausprobieren! Wir warten ungeduldig auf Runde drei....


bushcook war auch da

Montag, 16. April 2012

Barzirkel Brew & Braukunst Live!

Thema Bier bei whatadrink!. Heute ein kleiner Vorbericht zum "Braukunst Live! Festival 2012" und ein Laborbericht aus des Barzirkels kleiner temporärer Brauerei im Münchner "Wasserwerk".

Am Vorabend des ersten Münchner Bierkulturfestivals "Braukunst Live!" trafen sich rund 20 Barkeeper und Nachwuchsbrauer im Haidhausner "Wasserwerk" zu ein paar gemütlichen Stunden rund um Bierherstellung und Bierkultur. Korbinian Stieglbauer von der "Spaten"-Brauerei führte kompetent durchs Programm, das so aussah: Unterscheidung Weißbier-Pils-Export, Bierherstellung in der Praxis, Blindtasting und weitere Bierverkostung... kurzum - Ein Kurs für Fortgeschrittene und Lernwillige.Und so wurde nach der Einführung gemaischt und geläutert, geschrotet und gespindelt was das Zeug hergab. Die Zutaten kamen u.a. von der noch brandneuen Münchner Brauerei "CREW AleWerkstatt", deren Macher sich ebenso sehen ließen wie "Braukunst Live!"-Mastermind Frank Böer. Mit Letzterem konnte ich bei dieser Gelegenheit kurz sprechen.whatadrink!: Die "Braukunst Live!" öffnet am Freitagnachmittag zum ersten Mal ihre Tore. Das Festival ist komplett neu für München, aber Sie haben über mehrere Jahre Erfahrungen mit der "Finest Spirits"-Messe sammeln können. Knapp fünf Tage vor dem Startschuss sitzen Sie ziemlich entspannt hier in unserer kleinen Versuchsbrauerei. Wie sind Ihre Erwartungen und was gibt es im Lauf der Woche noch zu tun?

Frank Böer: Die wesentlichen Vorbereitungen sind getroffen. Was jetzt im Landeanflug ist, sind v.a. operative Dinge, die es vor einer solchen Großveranstaltung immer gibt. Ich denke, wir sind ganz gut aufgestellt. Ich habe noch ein paar Pressetermine im Laufe der Woche - ansonsten ist das Business-As-Usual für uns.

Was sind die Erwartungen? Ich habe nur die Erwartung, dass wir eine Veranstaltung machen, nach der am Montag alle - egal ob Veranstalter oder Aussteller - sagen können, ok wir müssen hier und da noch was verbessern, aber wir haben einen gelungenen Erstling hingestellt und den Weg gehen wir gemeinsam weiter. Ob nun 4.000, 5.000 oder 10.000 Besucher kommen, ist gar nicht so wichtig.
wad: Zusammen mit der Süddeutschen Zeitung erscheint am Montag wieder eine Sonderbeilage?

FB: Ja genau, die erscheint morgen am 16. April bayernweit in einer Auflage von 850.000 Exemplaren und so erfahren eine Menge Leute, dass wir ein zweites Bierfest in München planen.

wad: ...neben dem Oktoberfest? Bei dem gehts ja mehr um Vergnügen, Party, Business, ein bisschen Tradition und bei manchen Besuchern um den Rausch. Bei Ihnen gehts aber um Bierkultur?

FB: Das Oktoberfest ist eine ganz andere Baustelle. Dabei ist es nunmal ein fester Bestandteil unserer Kultur. Und es geht um ganz andere Dinge. Wir plädieren für ein erweitertes Verständnis für Bier. Wir wollen für Bier als hochwertiges - und vielleicht auch mal hochpreisiges - Genussmittel eintreten. Bier ist mehr als nur ein Durstlöscher und Verbrauchsmittel.
Mario Hanel und Timmm Schnigulla von "CREW Ale" standen mir dann auch noch kurz Rede und Antwort.

wad: Die "CREW AleWerkstatt" ist Euer Baby und das ist noch ganz neu. Seit wann gibts Euch als "CREW AleWerkstatt" und seit wann seid ihr eigentlich zusammen auf neuen Bierpfaden unterwegs?

Timm: Uns gibts als "CREW AleWerkstatt" seit Mitte letzten Jahres. Unser Bier - das Crew Pale Ale gibts erst seit Januar.

wad: Auch ganz neu ist das "Braukunst Live!"-Festval am nächsten Wochenende. Ihr seid als Austeller mit dabei. Was erwartet Ihr Euch?

Mario: Also ich denke, dass die Erwartungen nicht zu hoch sein sollten. Frank und sein Team machen einen Superjob und es wird ein sehr gutes Festival werden. Wie erfolgreich es sein wird, wird man am Sonntagabend sehen. Wir wollen auf so einer Messe dem Endkunden mal eine andere Herangehensweise an Bier näherbringen. Da kann man dann miteinander reden und das Bier steht nicht nur im Gasthof auf der Karte. Zusammen mit den anderen Brauern wollen wir die Vielfalt beim Bier demonstrieren.

wad: Jetzt habt Ihr einen Biertyp am Start, der in Deutschland kaum hergestellt wird. Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen mit den in der breiten Masse doch eher konservativen deutschen Biertrinkern? Sind die offen für Neues?

Timm: Ich glaube schon, dass viele Leute für Neues sind - auch was Bier angeht. Das ist ein Thema, wo sich doch jeder gerne damit beschäftigt und auch mal rumprobiert. In Deutschland ist es aber auch so, dass die gängigen Sorten sehr stark in den Köpfen verankert sind und man schon von Kindesbeinen an auf eine Marke oder einen Biertyp eingeschworen wird. Das sind die beiden Pole, die sicher da sind. Aber auch in Bayern gibt es immer mehr Brauer, die mit neuen Sorten experimentieren und frischen Wind in die Szene bringen. Biervielfalt ist definitiv im Kommen.

Braukunst Live! 2012
MVG Museum, Ständlerstr. 20, 81549 München
Freitag, 20.4., 16-23 Uhr
Samstag, 21.4., 14-23 Uhr
Sonntag, 22.4., 13-19 Uhr

Nach zahlreichen degustierten Bieren vom ordinären Münchner Hell bis zum Bamberger Rauchbier stand an diesem Sonntag fest: Das beste Bier wird sicher unser selbstgemachtes Barzirkel Brew werden, das nun für rund vier Wochen Reifen darf... Ich bin gespannt...

Dienstag, 10. April 2012

Weutz - Whisky aus der Steiermark

Als allerletzte Nachlese zum 2012er "Finest Spirits"-Festival darf ich heute einen kleinen Blogeintrag zum Thema Whisky aus GSA - genauer: aus Österreich - noch genauer: aus St. Nikolai in der Südsteiermark - nachreichen. Whisky aus Deutschland, Österreich und der Schweiz war bei den "Finest Spirits" schon immer gefragt - dieses Jahr waren aber besonders viele Aussteller aus dem Alpenraum zu Gast in München.

Und die haben sich mittlerweile auch als eigenständige Kategorie etabliert. Wirklich? Nun, das "Malt Whisky Yearbook 2012" listet aktuell insgesamt 22 Brennereien aus GSA auf. Und in Jim Murray's "Whisky Bible 2012" finden wir Angaben zu 66 Herstellern und Tastingnotes zu knapp über 200 (!) Abfüllungen. Wieviele davon haben Sie schon verkostet? Und Sie sagen immer noch deutschsprachige Whiskys sind völlig bedeutungslos und nur bessere Bierbrände?

Ich konnte mir schon vor der Messe einige Produkte der österreichischen Brennerei Weutz (sprich: We-utz) probieren. Brennmeister Michael Weutz sammelte vor über 20 Jahren erste Whiskybrennerfahrungen und besticht mit seinem Portfolio auf den ersten Blick mit viel Phantasie und ungewöhnlichen Kreationen. Oder haben Sie schon einmal Whisky, bei dessen Herstellung gebratene Kastanien ("Maroon"), Holunderblüten ("Franziska") oder geröstete Kürbiskerne ("Green Panther") Verwendung fanden, probiert?Ich begann meine Tastingreihe mit dem "Sugar Corn" (40,5% Vol., 51% Mais + 49% Gerstenmalz), der mir mit seiner Obstbrandnase (Klischee hiermit erfüllt!) aber nicht zu süß vorkam. Er kommt aber auch aus französischer Limousineiche mit mittlerem Toasting und nicht aus einem amerikanischen Bourbonfass. Meine Tops waren dann der ausgewogene und wirklich vanille-nussige "Maroon" (42,8% Vol., 10% gebratene Kastanien), der "Origin Spelt" (43,2% Vol., 51% Dinkel, Biozertifikat) mit ausgeprägtem Getreide und gutem Vollkornbrotfinish und der rauchige "White Smoke" (41,5%) dessen Malz über Buchenholz (nach)geräuchert wurde.

Mein Favorit bleibt der vanille-malzige "Hot Stone+" aus der "Strong Edition" mit 48,1% Vol. Viel Nuss und Nougat konnte ich da erschmecken. Letzter schlägt übrigens mit 62 EUR für 0,5l zu Buche, aber Qualität hat ja seinen Preis. Mein Fazit: Eine hochinteressante Palette mit durchaus brauchbarem Whisky. Da sollte für jeden etwas dabei sein.Im Rahmen der "Finest Spirits" konnte ich kurz mit Herrn Weutz sprechen:

whatadrink!: " Gehen wir gleich in die Vollen. Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre außergewöhnlichen Whiskykreationen und wielange dauert es dann von der Idee bis zur Verwirklichung?


Michael Weutz: Getrieben wird die ganze Sache eigentlich von den eigenen sensorischen Wünschen und Vorstellungen, die man als Brennmeister so lebt. Und die Eindrücke, die man sammelt, versucht man eben in irgendeiner Form umzusetzen. Die Entwicklung geht relativ schnell, denn unser Partner ist Biochemiker und Maschinenbauer und ist seit 30 Jahren als Bierbrauer sehr erfolgreich. Wir beide sind gemeinsam sensorisch ganz gut drauf und wissen an welchen Schrauben wir drehen müssen um den passenden Geschmack zu bekommen.

wad: D.h. wenn der Weg schon einmal gegangen wurde und Erfahrungswerte gesammelt wurden, können Sie diesen dann mit anderem Ziel nochmal beschreiten?

MW: Ja, im Prinzip ist die Art der Whiskyproduktion ja vorgegeben. Es geht grundsätzlich um die Zutaten. Wir haben festgestellt, dass das Wasser dabei eine interessante Rolle spielt. Damit kann man ganz viel bewirken und natürlich auch wenn man z.B. anfängt das Malz mit Torfrauch zu darren. Das sind die Hauptschrauben an denen wir drehen können. Die Fasslagerung an sich ist natürlich auch ein spannendes Thema, wobei ich am meisten mit Sherrywoodfinish bewirken kann. Wir produzieren eigenen Sherry und haben dadurch noch mehr Möglichkeiten zur Justage, um unsere Produktvielfalt möglichst breit aufzustellen.

wad: Alle Ihre Fässer kommen aus Frankreich, sind also aus europäischer Eiche?

MW: Wir haben ausschließlich französische Eiche und variieren mit Limousin- bzw. Alliereiche in allen verfügbaren Toastingstufen. Wir haben rund 200 Fässer und verwenden diese mehrfach. Nur wenige Neue kommen jährlich hinzu. D.h. die meisten Fässer sind schon in der Zweit- oder Drittfüllung. Damit werden wir auch nicht zu holzlastig.

wad: Ihr Whisky ist auch relativ jung, wenn er in die Flasche kommt. Drei- bis sechsjährige Whiskys haben Sie derzeit im Angebot.

MW: Ja, wir planen natürlich auch ältere Produkte zu kreieren. Unsere Lagerlogistik ist auf 18jährigen Whisky ausgelegt. Aber das dauert eben noch.

wad: Wie sieht ihr Lagergebäude aus?

MW: Das Herz unserers Betriebes ist ein 100 Jahre altes Winzerhaus und das besitzt einen wunderschönen, alten Gewölbekeller, der seinerzeit als Weinkeller genutzt wurde, und dort liegen unsere Fässer.

wad: Wie machen sie im Marketing deutlich, dass Sie als österreichischer Whiskyproduzent ein eigenständiges Produkt am Start haben, das man auch nicht mit schottischem Whisky vergleichen sollte?

MW: Vergleichen ist da überhaupt nicht zulässig. Wir versuchen ja authentisch zu arbeiten, d.h. wir mälzen beispielsweise einen Teil des Malzes selber, und gehen so einen besonderen Weg. Die Getreidemaischerei ist bei uns im Haus und wir läutern vor dem Brennen. Wir unterscheiden uns also schon von vielen anderen im alpenländischen Raum und haben da unsere eigene Philosophie. Außerdem produzieren wir ja im Vergleich zu Schottland praktisch in homöopathischen Dosen. Als geschulte Obstbrenner arbeiten wir mit der ganz feinen Klinge und mussten zuerst lernen einen "Dirty Whisky" zu brennen mit ein bissel Nachlauf und Vorlauf im Endprodukt. Das war anfänglich gar nicht so einfach.

wad: Der Brenner, der von einer Säulenanlage auf eine Potstill umsteigt um Malt zu brennen arbeitet dann ja auch mit ganz anderen Alkoholgraden. Das ist doch eine große Umstellung?

MW: Nun, wir haben eine wunderschöne Potstill und haben schon immer nur damit gearbeitet. Unser Mittelcut hat knapp über 70% vol. und wird dann zur Verbesserung der Oxidation herabgesetzt zur Lagerung. Das macht auch nicht jeder.

wad: Sie haben es gerade schon angesprochen. Wie groß ist denn ein Batch bei Ihnen?

MW: Ich rechne immer in Mittelcut. Eine Tagesproduktion beträgt ein Halb-Barrique also 112 Liter in Mittellaufstärke.

wad: Das ist wirklich nicht viel. Wenn man sich also von seinem liebsten schottischen (Groß)Produzenten Dinge wie Einzelfass- oder Small Batch-Abfüllungen wünscht, muss man feststellen: Bei Weutz bekommt das eigentlich immer.

MW: Ja, wir bieten immer Single Cask an. Unsere Wash Still hat 600 und unsere Spirit Still nur 300 Liter Volumen. Klein und fein eben.

(Hinweis: Für das beschriebene Tasting wurden Warenproben zur Verfügung gestellt.)

Freitag, 2. März 2012

Die 7 Samurai by Ueno Gourmet

Nachdem Yoshiko Ueno-Müller und Jörg Müller 2011 mit der Reihe "7 Samurai - Köche und Sake" (mit 7 Sterneköchen und deren 7-Gänge-Menus) schon eine gehörige Portion Einfallsreichtum unter Beweis stellten, starteten sie am letzten Mittwoch in Münchens "Goldener Bar" die 2012er Version unter dem Titel "7 Samuari Barchefs". Unter den Gästen waren nicht nur der japanische Generalkonsul, sondern auch ein paar Aktivisten des "Barzirkels" - darunter auch ich.Was gibt es zu berichten? - Nun, nach einem gelungenen Willkommensdrink mit Winzersekt und "Nanbu Bijin - Ume Rosé" (Sakelikör mit japanischer Pflaume) und der Begrüßung durch die Ueno-Müllers und den Herrn Generalkonsul sowie einer kurzen Erklärung zu Sake, Shochu und dem Ablauf und Sinn der 7-Samurai-Veranstaltungen stellte Klaus St. Rainer einige seiner Sake/Shochudrinks vor, die übrigens alle 7 bis Ende März vor Ort bestellbar sind. Besonders herausragend war für mich eine Smashadaption namens Ichigo Ichie mit Shiso statt Minze. Knackig.

Doch es geht nicht nur um die Verwendung von Sake und Shochu an der Bar. Gemäß dem Motto "Shaker statt Schwert" öffnen die 7 Barchefs eine Welt neuer Geschmackserlebnisse, die neben den beiden Spirituosen auch besonders japanische Aromen in den Vordergrund stellt. Das klingt doch wirklich verlockend, zumal man nicht Gefahr laufen dürfte, wie in Herrn Tarantinos "Kill Bill" selbst zum Schwert greifen zu müssen.
Hier der Fahrplan der 7 Samurai:

Klaus St. Rainer - Goldene Bar, München, bis Ende März
Thomas Röllig, 22nd lounge & bar, Frankfurt, 28.03.12, bis Ende April
Thomas Huhn, Bar Les Trois Rois, Basel, 11.05.12, bis Ende Mai
Hidetsugu Ueno, Bar High Five, Tokyo, 2.06.12, bis Ende Juni
Arnd Henning Heißen, The Curtain Club, Berlin, 5.9.12, bis Ende September
Enrico Wilhelm, Doc Cheng's Bar, Hamburg, 18.10.12, bis Ende November
Ewald Stromer, Capella Bar, Düsseldorf, 31.10.12, bis Ende November

Wer japanische Komponenten in/an der Bar bislang nicht oder nur stiefmütterlich betrachtet hat, hat zu den vorgenannten Terminen und den jeweiligen 7-Samurai-Angeboten ausreichend Gelegenheit seinen Horizont gen Ferner Osten zu erweitern (inkl. handgeschnitztem Eisball im Glas). Die 7x7 (=49!) verschiedenen Samurai-Cocktailrezepte werden im Laufe der Zeit auf den Webseiten von "Ueno Gourmet" veröffentlicht. Alle Infos zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

Dienstag, 28. Februar 2012

Perrier-Jouët Champagner-Workshop

Die Münchner Szenegrößen Andreas Till und Klaus St. Rainer hatten - zusammen mit dem Champagnerhaus "Perrier-Jouët" - in die "Goldene Bar" zum Champagner-Workshop geladen. Wobei "Workshop" eigentlich das falsche Wort ist, da nur Andreas Till als Referent wirklich gearbeitet hat. Die rund 50 Teilnehmer waren aufmerksame Zuhörer, die die gebotenen Informationen (und nur die Informationen!) gierig aufsogen. Der Champagner - zum Ausschank kamen vier Abfüllungen - wurde geschwenkt, analysiert, geschlürft, geschnüffelt und ja - auch getrunken.Bevor es aber an die Verkostung von "Grande Brut", "Blason Rosé", "Belle Epoque" und "Belle Epoque Rosé" ging, wurde nicht nur der Begriff Champagner und dessen Herstellung erläutert, sondern auch alle nötigen Fachtermini eingehend und detailliiert besprochen und in ein Gesamtbild eingefügt. Was sich hinter Terroir und Cuvée verbirgt, kann der interessierte Laie heutzutage spielerisch wiedergeben. Ich kenne mich jetzt auch mit Begriffen wie Échelles des Crus, Débourbage, Liqueur De Tirage oder Pupitres De Remuage etc. aus. Ha!

Trotzdem hatte ich noch ein paar Fragen an Andreas Till, der zusammen mit seinen Geschäftspartnern gleich drei einschlägige Hotspots in München betreibt. Ein längeres Interview hat kürzlich Philip Reim mit ihm geführt - das finden Sie hier.

whatadrink!: Andreas, du hast - denke ich zumindest - einen ziemlich guten Einblick in die Münchner Gastronomie. Welche Rolle spielt dort Champagner?

Andreas Till:
Na ja, ich weiß nicht ob man einen guten Einblick in die Gastronomie haben kann, wenn man mit drei eigenen Bars/Restaurants beschäftigt ist, deshalb muss ich mich bei dieser Antwort mehr auf das Trinkverhalten meiner Gäste beziehen. Auffällig ist dabei der sich schon länger abzeichnende Trend zum qualitativ anspruchsvolleren Konsum. Die Bereitschaft, mehr Geld für adäquat mehr Qualität auszugeben, ist vorhanden und zeichnet sich auch beim Champagnerkonsum ab. Immer häufiger wird dabei nach der Champagnermarke gefragt, was zumindest für eine differenziertere Sichtweise der Thematik spricht - egal ob aus Marketing- oder Qualitätsgründen; dafür spricht auch die gesteigerte Nachfrage für Champagne Cocktails, wie Prince of Wales, Champagne Julep, etc.


wad: Für dich persönlich ist Champagner die "Königin" an der Bar. In welcher Position bzw. Verwendung siehst du Champagner in euren Bars?

AT:
Dem Gast zu empfehlen, ein Glas Champagner oder Champagnercocktail zu trinken, wird heute nicht mehr unbedingt mit "Umsatzgeilheit" gleich gesetzt. In Verbindung mit einer gesteigerten Wertschätzung gegenüber dem Champagner und einem fundierterem Wissen darüber, ist der Umgang damit unbeschwerter und lässt sich somit auch beispielsweise als Essensbegleiter vermitteln. Dazu kommt noch, dass Champagner - wie eben auch Gin - bei der richtigen Wahl der Marke eigentlich immer geht!


wad: Hast du auch einen Lieblingschampagnercocktail und welche Abfüllung würdest du dafür verwenden?

AT:
Seitdem wir bei uns "Perrier Jouët" (Grand Brut - frisch, aber elegant) offen ausschenken, habe ich meine Liebe zu Kir Royal (mit gutem Créme de Cassis) entdeckt. Ansonsten ist der Prince of Wales meine erste Wahl; da am liebsten mit "Pol Roger" Brut.



Der frische und fruchtige "Grand Brut" (ab 30 EUR/0,7l) kam an unserem Tisch gut an. Am komplexen "Blason Rosé" (ab 50 EUR/0,7l) mit leichtem Brotaroma, den ich mir auch gut - wie von Andreas Till vorgeschlagen - als Essensbegleiter vorstellen kann, schieden sich die Geister, die beim "Belle Epoque" (ab 100 EUR) wieder vereinigt waren. Das ist nun wirklich ein cremiger und nussiger, von Chardonnay geprägtes Prestigecuvée der allerbesten Art. Weniger zugänglich präsentierte sich im Tasting der "Belle Epoque Rosé" (ab 300 EUR/0,7l) - vielleicht tut dem aktuellen Jahrgang noch etwas Reife gut.

Die aktuellen Abfüllungen von "Perrier-Jouët" sind in Deutschland bei vielen (Online)Weinhändlern zu haben. Die Preisdifferenzen sind oft erstaunlich - Vergleichen lohnt sich hier besonders.

Und hier der Link zu einem weiteren Bericht bei bushcooks kitchen.